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Wiennerisches DIARIUM

Nr. 149, 3.–6. Jänner 1705

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[1]

Wienn vom 3. biß 6. Jenner / 1705.

SAmbstag den 3. Jenner. Jhro Kayserl. Majest. haben vor einigen
Tagen auß eigener allergnädigsten Bewegnuß den jüngst hin zu Dero
gevollmächtigten Lands Hauptmann der beeden Erb=Furstenthümern
Schweidnitz und Jauer ernennten / wegen gehabter Unpäßlichkeit aber erst
den 5. dieses Monaths würcklich introducirten Hoch= und Wohl=gebohrnen
Grafen und Herrn / Herrn Hauß Anton Schaffgotsche genannt / des Heil.
Röm. Reichs Semper-Frey von und auff Khynast / Freyherrn zu Trachen=
berg
/ Erb=Hrn. der Herrschafften Greiffenstein / Khynast / Gierschstorff und =
berröhrsdorff
/ Röm. auch zu Hungarn Königl. Majest. würcklichen Camme=
rern
/ der beeben Fürstenthümber Schweidnitz und Jauer Obristen Erb=Land=
Hofmeistern und Hof=Richtern / in Ansehung der Jhme angestammeten gu=
ten
Qualitäten und Meriten / welche Er so wohl / als ins besondere Weyland
dessen Herrn Vattern Excell. Sich erworben / indeme dieser nicht nur als äl=
tester
geheimber Rath / Cammer=Præsident im Hertzogthumb Ober= und Ni=
der
=Schlesien / Inspector deren Fürstenthümbern Brig / Lignitz und Wohlau /
Jhrer Kayserl. Majestät bey denen obgehabten Ehren=Aembtern eine lange
Zeit hero höchst=ersprießliche Dienste geleistet sondern auch in ansehnlichen Ge=
sandschafften
und andern wichtigen Vorfallenheiten höchst=nutzlich gebraucht
worden / zu Bezeugung Dero Lands=vätterlichen Clemenz, die würckliche ge=
heimbe
Raths Stelle allergnädigst verliehen.

Heut vernahme man von Comorn auß Ungarn mit Brieffen vom 29.ten
December / daß allda 2 Bauern / so mit Vorspan im Rebellischen Lager bey
Tyrnau gewesen / von der zwischen denen Kayserl. und Rebellen vorgegange=
nen
scharffen Action außgesagt hätten; Wie daß den 26. dito bey etwas übe=
lem
und Schnee=wähenden Wetter das Treffen angehoben / und erstlich mit
Stucken unausthörlich gegen einander canonirt worden / so dann wären die

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Talpatschen mit solchem ungeheuren Geschrey in die Kayserl. Infanterie einge=
fallen
/ daß gleich dieselbe zum Theil in Confusion gerathen / und schier einen
Mußqueten=Schuß weith getrennet worden. Nachgehends wären die Rebel=
lische
Husaren darzu kommen / und hätten ihre Talpatschen secundiren wollen;
Als aber die Kayserl. Cavallerie ihnen den Meis⟨t⟩er gezeiget / und in kurtzer
Zeit gleich 2000. von den Rebellen / worunter ihr Commendant von Tyrnan
Adamus Dulo sich auch befunden / erleget / wäre es so gleich an das Reißauß
gangen / da dann anfänglich die Husaren Parthey=weiß sich gewendet / nachge=
hends
aber wären sie mit vollem Hauffen durchgangen / und denen mit Vor=
span
ausser dem Lager haltenden Bauren vermeldet / sie solten nur fliehen so
gut sie könten; massen es mit ihnen Rebellen so weit gekommen / daß sie nicht
mehr auff den Fuß kommen würden; zumahln auch da alle ihre bey sich haben=
de
Stuck und Munition sambt dem Kern ihres besten Volcks verlohren gangen
wäre; worauff die Bauren ihre Wägen im Stich gelassen / und mit dem Vieh
allein davon nach Hauß geeylet; die flüchtige Rebellen aber / hätten sich in
höchster Confusion gegen Szereth und über die Brucken salviret.

So erhielte man auch die Confirmation von Pest / wie daß die Rebellen
etliche 1000. Mann starck unter dem Postmeister von Hatwan / und einem
anderen Anführer dasige Stadt nächtlicher Weyl mit Laitern übersteigen
wollen; allein nachdem darinn Allarm, und auff dieselbe scharpff gefeuert
worden / wären dieselbe mit Hinterlassung der Läitern / und einiges bey sich
gehabten Proviants und Munition, wie auch verschiedenen Schantz=Zeugs /
darvon geflohen. Der Pothiany wäre mit 8000. Rebellen unter Ofen auff
der Jnsul Razko, so Jhrer Hochfürstl. Durchl. dem Printz Eugenio von
Savoyen zugehörig / gestanden / des Vorhabens / auff diese Seiten überzu=
setzen
/ man glaube aber / wann er werde seiner Cameraden Niederlag ver=
nehmen
/ daß er sich anders entschliessen dörffte; wie dann nicht allein der
Szandor Laslo wieder über die Donau zuruck gegangen / sondern es wären
auch alle Rebellen auß der grossen Jnsul Schüt gewichen. Nebst dem will ver=
lauten
/ daß die Rebellen auß denen Vestungendie Stück herauß nehmen und
solche nacher Pohlen / umb dieselbe allda zu verkaufen führen thäten.

Sonntag / den 4. Jenner. Heute langte der jungst von Jhrer Majest.
dem Röm. König mit der erfreulichen Zeitung von der Ubergab der Vestung
Landau nach dem Haag abgeschickte Courir von dannen wieder dahier an /
welcher unter andern verschiedene Brieff / auch auß dem Reich / vor dem
Käyserl. Hof von Jhrer Hoch=Fürstl. Durchl. dem Käyserl General=Lieut.
Hn. Ludwig Marggrafen zu Baaden mitgebracht / an welchen noch heute
ein Express er vom allhiesigen Käyserl. Hof abgefertiget worden.

So langte auch heute der Herr Graf von Waldstein ehedessen gewe=
sener
Käyserl. Bottschaffter in Portugall / auß dem Königreich Böheimb von

[3]

seinen Gütern / von welchen Er nach Absterben seines Herrn Vatters Posses-
sion genommen / wieder dahier an.

Montag den 5. Jenner. Heut seynd Jhre Hochfürstl. Durchl. der Her=
tzog
von Lothringen / als Bischoff zu Oßnabrüg / in Gesellschafft Dero Herrn
Bruders Printz Joseph von Lothringen / Kayserl. General=Wachtmeistern /
auß Mähren von Crembsier dahier angelangt.

Eodem seynd Jhre Hochfürstl. Durchl. der Printz Philipp von Hessen=
Darmstadt von Landshut auß Bayrn dahier angelangt; von dannen man
unter andern vernommen; daß nachdeme / wie jüngst gedacht / den 24. De=
cember
die Bayrische Garnison in Braunan außgezogen / wäre diese Vestung
so gleich mit einer de Wentischen Battaillon sambt noch anderer Mannschafft
besetzt worden / und hätte der Herr General Graf von Thierheimb daselbsten
das Kayserl. Commando angetretten: Jn dieser Vestung seye vermög bey=
kommenden
Specification, eine grosse Quantität vonArtiglerie, Munition und
Zeugs=Sorten gefunden worden. Wegen Evacuirung Schardingen wären
2. Battaillons von dem Ober=Oesterreichischen Land=Regiment unter dem Hrn.
Obrist=Leutenant Grafen von Kueffstein auch dahin abgeschickt / nicht weniger
mit dem Schardingischen Land=Richter Baron von Leyden die Repartition de=
ren
Quartieren schon gemacht worden. So hätten auch Jh. Hochfürstl. Durchl.
Printz Eugenius von Savoyen in Bayrn 2. Regimenter auffgerichtet / als ei=
nes
von Dragonern / so der Herr Gen. Wachtmeister Graf von Felß bekom=
men
/ darunter der Herr General Adjutant von Molckenberg Obrist=Leutenant
worden; das andere aber von Infanterie, welches dem Herrn Obristen d'Al-
bon zukommen / der seine vorhin gehabte Kayserl. Battaillon darzugeben / und
den neulich benendten Platz=Major zu Landau / Herrn von Neuhof / zum
Obrist=Leutenant resolvirter erhalten; nebst dem solle auch Herr Graf von
Tattenbach ein anders zu Fuß auffrichten. Sonsten würden die 2. Kayserl.
Cuirassier=Regimenter Gronsfeld und Hannover completer mit ehestem auß
Bayrn dahier anlangen / denen nebst andern auch noch 2. Regimenter zu Fuß /
als Salm und Toletto, so bald solche vollständig recrutiret / folgen solten.

Dito vernahme man auß Szegedin / daß der ohnlängst von dem Käys.
General Wachtmeister / Herrn Baron von Globitz nacher Temeswar abge=
schickte
Officier / von dem neulich im Diario Meldung geschehen / von dan=
nen
wieder zuruck kommen / mit Abstattung des Berichts: daß sich allda ein
Frantzösischer General / Nahmens Marqus de Sollieur, nebst 25. Personen /
derer die mehriste Ingenieurs und Mineurs, sambt einer grossen Summa Geld /
umb ferners zum Rakoczy zu gehen / befinde; der Bassa aber wolle densel=
bigen
ohne Vorwissen der Ottomanischen Porten / nicht weiterspassiren
lassen; deswegen dann sowohl von Seiten gedachten Frantzösischen Gene=
rals
/ als des Bassa expresse Courirs nacher Constantinopel abgeschickt wor=

den

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den. Nachdeme seye doch ein Frantzösischer Capitain von dem Rakoczy sambt
des Caroli Secretario zu gemeldtem Temeswar angelangt / in Meynung / biß
die Erlaubnuß erfolget / das Geld indessen fortzubringen / allein es wäre der
Handel nicht angangen. Sonsten hätte man durch die außgewesene Rai=
ßen

ßen zweymahl die Bestättigung erhalten / daß die Vestung Zattmar an die
Rebellen noch nicht übergangen; wohl aber / daß der Herr General Glögl=
sperg
von dannen auff selbige außgefallen / und denenselben einen grossen
Streich versetzet.

Erchtag / den 6. Jenner. Heute wurde bey allhiesigem Käyserl. Hof
Jhrer Majest. der Römischen Käyserin / unserer Allergnädigsten Frauen Ge=
burths
=Tag in schönster Galla begangen / und deßwegen die gewöhnliche
Congratulations-Complimenten gehöriger Orthen abgelegt.

Ferner hatte man von Tyrnau hierbeygefügtes Diarium, sambt der Lista,
was jüngster Action von den Käyserl. geblieben / erhalten.

Von Venedig vom 27. Decemb. Nachdeme der Herr Daniel Dolfino
von dessen ruhmwürdig vertrettenen Stelle als Proveditore di Mare glücklich
zuruck gelanget; als seye Diser zum General Proveditor deß Platten Lands /
den Herrn Alexander Molino abzulösen / erwöhlt worden. Die Teutschen
hätten sich auß ihren Posten nicht: als allein etwas Fourage zu holen be=
weget
: und wären in dero Lager unterschiedliche Officier auß Tyrol an=
kommen
/ welche versichert / daß in kurtzer Zeit Dero Armée biß 40000.
Mann verstärcket werden solle. Jndessen wären die Frantzosen mit Ver=
fertigung
ihrer Schantz=Arbeit umb Desenzano, und Außrüstung vor=
hin
bemeldter Schiff auff dem Gartzer=See nebst denen grossen Flössen / wor=
auff
Mörsel gepflantzet werden können / auch einige Wägen mit Bom=
ben
von Castiglione herbeyzuschaffen beschäfftiget. Nicht weniger solle
zu besagtem Castiglione der Frantzös. General Conte Medauid. sambt etlichen
Officieren vor einigen Tagen von der Belagerung vor Verua angekommen
seyn / welcher mit dem Grand Prior sich unterredet / und diesem die starcke Gegen=
wehr
erst=ermeldter Vestung / unerachtet der Hertzog von Vendôme mit allem
Eyffer solche zu überwältigen suche / umbständlich berichtet / mit dem Bey=
satz
/ daß der Hertzog von Savoyen noch stäts die Besatzung ablösen liesse:
indessen aber der Vendôme Jhme Grand Prior einen starcken Succurs, welcher
auff dem Weeg seye / von dannen abgeschickt hätte.

Auß Madrit vom 3. December. Daß vor Gibraltar den 22. und 23.
November verschiedene Hauptleuth von des Don Antonio di Castiglia seinem
Regiment todt geblieben: Den 24. hätten die Engelländer an das Gestatt /
welches auff der Rhede im Gesicht der Vestung liget / einige Mannschafft
aus Land gesetzt: auff des Don Luy de Salis Feld=Marschallen und des Ob=
rist
=Leutenant Marches di Paterna auß denen nächsten Quartieren zusamben

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gebrachter und angeruckter Reuker ey aber hätten Sie sich wieder zu Schiff be=
geben
. Den 25. wäre von den Spaniern unauffhörlich auff die Belagerte cano-
nirt worden / und seye man mit denen Sappen und einem Theil der Lauff=
Gräben biß 150. Schritt kommen. Jn Cadix würden 2. Galleonen zu Kriegs=
Schiff / auch das Schiff Admiral Real außgerüstet umb zu des Pointy Squadra
zu stossen / und den Englischen Admiral Lake auß der Baya zu Gibraltar zu ver=
treiben
/ damit dem Villadarias diese Belagerung zu Land erleichtert werden
möchte. So rüste sich auch der Comte Don Ferdinand Hugues & Huares
General-Gubernator der Spanischen Armée ehestens ins Meer außlauffen zu
können / und wolte gesprochen werden / daß diese Schiff bey 11. Seegel außma=
chen
solten.

Auß Portugall hätte man mit Brieffen von 3. December. Daß von
Algarven zu Faro abermahlen ein neuer Succurs bestehend in 2000. Mann
nach Gibraltar abgeseegelt / und seye man daselbsten vester Hoffnung / daß
die Erhaltung dieses höchstwichtigen Platz der tapffere Printz Georg von
Darmstat sich auff das beste angelegen seyn lassen werde.

Auß dem Haag von 26. December. Daß man der Hoffnung lebe /
es werde nunmehro der Milord Duc de Marlboroug mit dem gefangenen
Französis. Marechal de Tallard und vielen andern gefangenen Französ. Ge-
neralen auff den Königl. Englischen Jagten unter einer guten Convoy von
Rotterdam nach Engelland abgeseegelt seyn / von dannen man ehistens
über künfftigen Feld=Zug / so wohl von Jhrer Majestät der Königin von
Groß=Britanien als dem Parlement den Schluß erwarte. Sonst seye
den 24. dito der schöne Hoff von Printz Moritz im Haag durchs Feuer ver=
zehrt
/ doch aber noch einige Kostbarkeiten daraus salvirt worden.

Von dem nider Rhein=Strohm vom 28. December. Daß die Herren
General-Staaten ein grosses Magatzin von Früchten und Fourage zu Bonn
liessen auffrichten / und wäre schon würcklich eine grosse Menge Stroh / Heu
und biß 40000. Malter Habern allda zusammen gebracht worden; Nicht
weniger hätten Sie Jhren Amunitions-Commissarien Ordre gegeben / auffs
längst biß den 15. Mertz 40000. Centner Pulver / 18000. Bomben 60000.
Stuck=Kugeln und 200000. Granaten zu verschaffen; über das solle man mit
nächstem etliche 1000. grosse und kleine Metallene Stuck zu giessen anfangen.
Sonsten seye dieser Tagen der Herr Graf von Gallasch / als Käyserl. Abge=
sandter
von Cölln nach Engelland mit einem grossen Gefolg abgereist.

Vom Maas=Strohm vom 27. December. Daß auß dasigen Quartiren
einige Truppen gegen Flandern abgegangen / umb denen von der Ubergab
Trarbach von der Mosel kommenden Platz zu machen. Und weil von den
Flanderischen Grentzen Kundschafft kommen / daß die Frantzosen daselbsten
sich zu bewegen anfiengen; als seye der Herr General Salis in der dahin Reiß
begriffen / umb auff die Feinde ein wachtsames Aug zu haben.

[6]

Auß dem Elsaß vom 28. December. Daß dasiger Orthen die Bestür=
tzung
abermahlen auff Vernehmung / daß Trarbach verlohren gegangen / so
man niemahlen geglaubet / anhebe zuzunehmen / in der Forcht / daß dieser Orth
denen Alliirten in künfftiger Campagne einen grossen Vortheil bringen werde;
umb aber doch Frantzösischer Seithen vorzukommen / lasse man an denen
Frantzösischen haltbaren Orthen auffs eifferigste schantzen / und die beste
Mannschafft an die Mosel und in das Luxenburgische Land verlegen / darmit
allda in Zeiten eine starcke Armée ins Feld zu stellen / welche nebst dem Marquis
d'Allegre noch andere grosse Generalen commandiren sollen.

Von dem Moselstrohm vom 27. December. Daß die Frantzosen eben
recht Zeit gehabt Trarbach zu übergeben / sonsten sie schwerlich ein so guten
Accord bekommen hätten / weniger der Mosel sich bedienen können / massen
sie wegen des Eiß mit harter Mühe nacher Wasserbillig / alwo sich 160.
Mann gleich anderen Orthen mehr verpallisadiren / kommen können. Son=
sten
befinde Sich der Holländische Deputirte Freyherr von Almelo noch zu
Trier / von dannen jüngstens der Herr General Dopff nach dem Haag ab=
gereist
/ umb von ein= und anderen außführlichen Bericht abzustatten.

Vom obern Rhein=Sthrom vom 28. December. Daß die Frantzosen in
ihren Postirungen anjetzosich gantz still halten thäten und wärensehr alterirtdaß
mit ihren 500. Schantzern der Handel in Landau nicht angangen; Jndessen
lasse der Herr General Friese als dasiger Commendant, so vor etlichen Tagen
zu Jhrer Hoch=Fürstl. Durchl. dem Käyserl. General-Lieutenant nacher
Aschaffenburg gereist / die Vestung auffs geschwindeste verbessern / wie dann
auch die Approchen schon eingeworffen und die Graben in der Vestung meh=
rentheils
wieder gesaübert worben. Der Käyserl. Herr General Baron von
Thüngen / befinde Sich mit dem Herrn General von Schneblin zu Neckars=
Ulm / und stün de der Erste Reißfertig nacher Berlin zu gehen / umb den
Ritter=Orden auß den Händen Jhrer Majest. des Königs in Preussen zu
empfangen und von dar ferner nacher Wienn zu gehen. Zu Bregentz habe
man neulich einen Schweitzerischen Roß=Tauscher so mit Pferden auß dem
Reich kommen ertappet und gefangen genommen; diesem dörffte wohl ein
Teutscher Galgen vor einem Frantzösis. Gewinn zum Theil werden.

Ankunfft deren hohen und niedrigen Stands Personen.

  • Stuben=Thor den 3. Jenner. Ein Käyserl. Curir Herr Hollenberg / kombt auß Schle=
    sien
    / logirt im Post=Ambt.
  • Schotten=Thor. Herr Graf von Waldstein / kombt von Prag / logirt in Seinem Hauß.
  • Rothen=Thurn den 4. dito Herr Graf Carl von Herberstein / kombt auß Schlesien / logirt
    im Locatellischeu Hauß.
  • Stuben=Thor. Ein Käyserl. Curir kombt von Jhro Durchl. dem Käyserl. General=
    Lieutenant Herrn Margg=Gafen zu Baaden / logirt im Post=Ambt.
  • Cärnter=Thor den 5. dito. Jhro Hoch=Fürstl. Durchl. Printz von Darmstatt / kommen
    von Landshut / logiren im Caprarischen Hauß.
  • Herr von Schoburg / kombt von Grätz / logirt in der guldnen Aenten.
[7]
  • Rothen=Thurn Jhro Hoch Fürstl. Durchl Hertzog zu Lothringen und Bischoff zu =
    nabrug
    / wie auch Olmütz / kommen von Gremsier / logirn in der Käyserl. Burgg.
  • Den 5. Jenner 1705. Herr Hof Kriegs=Rath Cambmiller / kombt auß dem Reich / lo=/
    girt in seinem Hauß.
  • Den 6. dito. Herr Gen. Graf von Guekenstein / kombt auß Tyrol / logirt in seinem Hauß.
  • Herr Ferdinand Graf von Altheim kombt auß Jtalien / logirt bey seinem Hrn. Schwagern.
  • Herr von Zenneig / kombt von Olmütz / logirt in der obern Breunerstrassen.
  • Herr Johann Bolange / Käyserl Currir / kombt von Franckfurth / logirt im Dorothe=Hof.
  • Stuben=Thor. Herr Hauptmann Wuschenitsch / vom de Wendischen Regiment / kombt
    auß Piemont / logirt im guldnen Bärn am alten Fleischmarck.

Abreiß deren hoch und niedrigen Stands=Personen.

Den 3 Jenner / 1705.

  • Herr Conrad Perin / nach Prag.
  • Hr. Hauptmann Landscron / nach Preßburg.
  • Herr Bernini / nach Lintz.
  • Hr. Joh. Ludwig Wandach / nach Clagenfurt⟨h⟩.
  • Herr Martin Heyberger / nach Lintz.

Den 4. dito.

  • Hrrr von Stüber / nach Brün.
  • Graf Leßlischer Bage, nach Brün.
  • Herr Matthias Adler / Curir zum Käyserl. General=Lieutenant / Herrn Margg=Grafen z⟨u⟩
    Baaden.

Den 5. dito.

  • Herr Graf Lantiri / nach Wolckersdorff.
  • Herr Graf Ladron / nach Grätz.
  • Jud Jsac Natan Oppenheim / nach Leipzig.
  • Herr Peter Fitzer / nach Augspurg.
  • Herr Pummer / nach Nickelspurg.
  • Jud Sintzheim / nach Brün.

Den 6. dito.

  • Hr. Daniel Dembff/ nach Augspurg.
  • Herr Fratz Joseph Lebetzky / nach Jtalien.
  • Hr. Obrist=Wachtmeister von Be⟨s⟩ing / nach St Pölte⟨n⟩.

Lista der Verstorbenen in= und vor der Stadt.

Den 3. Jenner / starb

  • Dem Herrn Georg Heinrich Partscherer / gemeiner Stadt Buchhaltery Buchhaltern /
    im Waag=Hauß / sein Töchterl Maria / alt 12. Jahr.
  • Dem Heinrich Paffenstatter / Burgern zu Mödling / seine Tochter Maria / im Creutz=
    thalerischen
    Hauß in der Cärnterstraß / alt 19. Jahr.
  • Jacob Schultz / ein gewester Laquey / welcher vorgestern Nachts im Trautsonis. Hauß
    in der obern Schenckenstraß / unversehens in den Brunn gefallen / ist gestern todter
    herauß gezogen worden und allda vom Käyserl. Stadt=Gericht beschauet / alt 38. J.
  • Hanß N. ein Fleischhacker=Knecht / beym Küssenpfenning am Nothen=Thurn / alt 32. J.
  • Dem Matthia Sailler / Bestandwirth / beym Wildenmann auff der Wieden / sein Weib
    Anna / alt 32. Jahr.
  • Leopold Fischer / Käyserl. Plachenknecht / im Pfaidleris. Hauß in der Leopold=Stadt /
    alt 40. Jahr.
  • Dem Bar⟨tl⟩mæ Henriß / Käyserl. Plachenknecht / im Glasserischen Hauß in der Leopold=
    Stadt / sein Kind Catharina / alt fünffviertel Jahr.
  • Paul Buechinger / Quardi Soldat / im Bucheneckerischen Hauß am Neustifft / alt
    27. Jahr.
[8]
  • Dem Elias Rissert / Quardi Soldaten / im Caunitzischen Hauß in der Rossau / sein Kind
    Barbara / alt 3. Jahr.
  • Dem Georg Pendl / einem Schuhmacher / beym grünen Thor auff der Leimbgruben /
    sein Weib Elisabeth / alt 44. Jahr.
  • Dem Benedict Wigand / einem Kutscher / im Mayris. Hauß am Neustifft / sein Kind
    Nicolas / alt 4. Jahr.
  • Michael Ebruster / ein armer Mann / beym guldenen Lämbl in der Alstergassen / alt
    93. Jahr

Den 4. dito.

  • Frau Helena Cæcilia Cipressin / eine Wittib im Rustingerischen Hauß auff der hohen
    Brucken / alt 75. Jahr.
  • Dem Herrn Heinrich Hanck Bischöffl. Raabis. Cammer=Diener / im Kleinburgischen
    Hauß auff der hohen Brucken / sein Kind Catharina / alt ein halb Jahr.
  • Dem Johann Grienauer / Käyserl. Hof=Trompeter / beym blauen Monschein am ho=
    hen
    Marck / sein Kind Anna alt 6. Jahr.
  • Dem Mathias Meleck / Burgerl. Mahler / beyn drey guldnen Cronen am Spitlberg /
    sein Kind Maria / alt sechs viertel Jahr.
  • Dem Frantz Kramecker Hofbefreyten Tischler im Schlosserischen Hauß auff der Land=
    straß
    / sein Weib Catharina / alt 30. Jahr.
  • Dem Marthia Lecker / einem He⟨y⟩ducken im Wällischen Hauß in der Alstergassen / sein
    Kind Rosina / alt sieben viertel Jahr.
  • Dem Wolff Abacher / einem Maurer Gesellen im Brunnmeisteris. Hauß auff ber Leimb=
    gruben
    / sein Kind Georg / alt 2. Jahr.
  • Margaretha Kreschneckin / eine arme Wittib / beyn 2. guldenen Löwen auff der Wie=
    den
    / alt 62. Jahr.

Den 5. dito.

  • Herr Nicolaus Marcelly / Käyserl. Cammer=Musicus, und Burger / in seinem Hauß im
    Krautgässel / alt 58. Jahr.
  • Andre Mayer / ein Fleischhacker/ im Brimis. Hauß auff der Wendelstatt / alt 50. Jahr.
  • Dem Philip Steiger / einem Brodsitzer beym guldnen Lämbl in der Leopold=Stadt /
    sein Weib Maria / alt 24. Jahr.
  • Dem Hantz Georg Roßner / einem Hauß=Knecht im Grossischen Hauß auff der Leimb=
    Gruben / fein Kind Maria / alt 3. Jahr.

Den 6. dito.

  • Daniel Rath / Burger in seinem Hauß auff der hohen Brucken / alt 58. Jahr.
  • Adam Eiblweisser / ein Käyserl. Provisoner / im Carmeliter=Hauß bey unsern HErrn /
    alt 78. Jahr.
  • Dem Paul Klug / einem Laquey / im Eisenhutischen Haub beym Arsenal sein Kind Ma=
    ria
    / alt fünff viertel Jahr.
  • Dem Balthasar Haan / Burgerl. Soldaten auff der Schotten=Pastey / sein Kind Anna /
    alt 4. Jahr.
  • Matthias Thaller / Königl. Reithknecht / beym guldnen Lämbl am Spitlberg / alt 36: J.
  • Dem Lorentz Hochsteger / einem Müllner beym grünen Kleeblat bey Maria=Hülff / sein
    Weib Eva / alt 50. Jahr.
  • Dem Leonhard Kraßler / einem Tagwercker / im Strudlischen Hauß in der Wahringer=
    Gassen / sein Weib Anna / alt 18. Jahr.
[9]

DIARIUM

Auß dem
Kayserlichen Haupt=Quartier Tyrnau
vom 27. biß 30. December 1704.

DEn 27. Decemb. Brachte man die vom Feindt eroberte 12. Stuck nebst einiger
Munition, Bomben, Ketten=Kugeln und andern Kriegs=Requisiten bestehender
Artiglerie von der Wahlstatt herein.

Den 28. dito wurde unter 3. mahliger Lößung des grossen Geschütz mit gewöhnli=
chen
Kirchen Solenni täten wegen Eroberung Landau / Ergebung Bayerlands / glücklicher
zuruckkunfft Jhrer Majestät des Röm. Königs / und so favorabl erfolgten Victori wider
Rebellen / in hiesiger Domb=Kirchen das Te DEUM Laudamus gehalten.

Eodem wurde Anstalt gemacht die in dem Treffen todt gebliebene zubegraben: Jn=
gleichen
unter Commando des Schlickischen Herrn Obrist=Lieutenant von Stadelmayr
400. Pferdt nacher Leopoldstadt abgeschicket / der so lang Bloquirt- und Belagert gewese=
nen
Garnison, bey fast gäntzlicher Auffzehrung aller Subsistentz=Mitteln / wiederumben
Proviant, und andere Nothwendigkeiten zuschaffen.

Jtem laufft Kundtschafft ein / daß der Ragozy, mit nicht mehrer als 16. Fähnlein
verwichene Nacht / des andern Tags nach der Battaglie bey Neutra, und der Berezeny
unweith Dopolzan zu Podock mit einigen zerstreuten Truppen ankommen / wo aber die
überigen sich hin gewendet ist nicht wissend / ausser daß einige separirte Partheyen in 3000.
starck nacher Hauß gangen seye / wie dann zu solcher mehrere nachfolgen. Der Herr
General-Feld=Marschall Graf von Heyster habe Amnystial-Patenten außgeschickt / mit
scharffer ⟨Betroh⟩ung / daß also gleich der Bauersmann nacher Hauß gehen / sein Wirth=
schafft
abwarten / und sich mit Waffen auff der Strassen nicht betretten lassen solle. Zu
besserer Versicherung des Landmans / ist bey der gantzen Armee verbotten außzulauffen /
und die Dorffschafften zu blindern.

Den 3⟨1⟩. dito. Hat der Commandirende Herr General Leopoldstadt und Freystädtl
besetzt; Berezeni stehet zu Mozernak mit seinen zerstreueten Truppen / daß Käys.
Haupt=Ouartier ist zu Tyrnau mit 5. Battaillonen / die andere Truppen seynd in die umb=
ligende
Dorffschafften gangen.

Sonsten ist in voriger Relation gemeldet worden / als ob der Herr Rittmeister Leo=
pold
Daniel Scherer den Frantzösischen Ministrü Verville gefangen; worinnen ein Jrrung
⟨b⟩eschehen / massen solchen der Herr Haubtman Weinhard nachdem er die grosse Rakoczy-
scheLeib=Fahnen mit eygeuer Hand / als er zu vor den Fendrich erschossen / erobert / ge=
fangen
zu dem Herrn Obristen de Viard, deme er so gleich seinen Degen und Partisan über=
liffe⟨r⟩t
/ geführet / und hernach denselben / sambt den Grossen und andern Fahnen / an=
hero
gebracht / auch aus Befeh l⟨e⟩ines Löbl. Kayserl. Hof=Kriegs=Rath besagten Vervill⟨e⟩
unter auffsicht 2. Herbersteinische und einer Wacht von hiesiger Garde dem Wacht=,
meister Lieutenant Herrn Haubtman Eschenauer selbsten
übergeben.

[10]

Lista aller in dem jüngst bey Tyrnau vorgegangenen Tref=
fen
todt=blessirt- und verlohren gangenen
Officiers und Soldaten.

Officiers Todte. Blessirte. Gemeine Todte. Blessirte
Neuburg 1. Obrist=Lieut. 1. Fendrich. Nehm 6. 6.
Nehm 1. Capitain. 1. Lieuten. Bagni 1. 4.
Wapeser. 3. Capitains. 1. Lieuten. Thierheim 9. 3.
2. Lieuten. 1. Capitain. Virmond 12. 18.
2. Fendrich. = = = = Max Stahrenberg 30. 33.
Max Stahrnb. 1. Capitain. = = = Neuburg 14. 64.
Virmont = = = 2. Lieuten. Königsegg 1. 1.
Gemeine Todte Blessirte De Wend 11. 16.
Guido Stahrenberg 4. 7. D'Arnan = = 3.
Haßlinger 6. 3. Tritzler 12. 3.
Jtem verlohren 2. Wopeser ⟨2⟩65. 106.
[11]

SPECIFICATION.

Was sich in dem Churfürstlichen Zeug=Hauß
in der Vestung Braunau an groß= und kleinen Metallenen
Stücken und Pöllern / Pulver / Bley / Lunten / Musqueten / und
anderen Zeugs=Requisiten befunden / und dem Käyserl. Herrn Zeug=
Lieutenant Bernhard Pöschl abgeführt worden
den 30. December / 1704.

Metallene Stuck.

  • 12. Halbe Carthaunen / so jede 24. Pfund
    Eisen regiret.
  • 4. Schlangen / so jede 18. Pfund regiret.
  • 4. Singerin / so jede 16. Pfund regiret.
  • 10. Schlangen / so jede 10. und 12. Pf. regiret /
    darbey 3. Käyserl. so bey Eisenbirn
    verlohren gangen.
  • 4. Falckaunen = = = = 6. Pf.
  • 10. Haubitzen / so 25. 16. 12. & 8. Pf.
    Stein regiren.
  • 3. Regiment=Stuck = = = à 3. Pf.
  • 6. = = = = = à 2. Pf.
  • 4. = = = = à 1.½. Pf.
  • 2. = = = = à 1.¼. Pf.
  • 3. = = = = à 1. Pf.
  • 1. = = = = à 28. Lot.
  • 3. = = = = à 16. Lot.
  • 1. = = = = à 10. Lot.

  • 67. Metal. Stuck sambt völliger Muntur.

Metallene Pöller.

  • 6. Metallene 60. Pfund Stein werffende
    Pöller / worunter 2. Käyserl.
  • 2. dito 36. Pfündige Pöller / so mit obi=
    gen
    2 bey Eisenbirn verlohren gangen /
    sambt völliger Muntur.
  • 4. Kleine metallene Pöller / so in Stein
    halten = = = 10. Pf.
  • Metallene petard.

Eisene Stuck und Pöller.

  • 12. Eisene Falckaunen / so jede 6. Pf. regiret.
  • 5. Dito Haubitzen.
  • 4. Eisene Falckonet / jedes à 2. Pf.
  • 2. Eisene Pöller / jeder haltet in Stein
    = = = = 50. Pf.
  • 130. Dito Doppelhacken.

Munition.

  • Pulver = = = 638. Centner.
  • Bley an Pistohlen / Carabiner / und Mus=
    queten
    Kuglen = = 462. Centner.
  • Lunten = = = 497. Centner.
  • Salpeter = = = 1. Centner.
  • Schwefel = = = 10. Centner.
  • 60. pfündige gefüllte Bomben 480.
  • 36. pfündige " " " 450.
  • Cartatschen = = = = 36.
  • Brand=Kuglen = = = 36.
  • Feuer=Ballen = = = 19.
  • Würs⟨s⟩t = = = = 11.
  • Pech=Kräntz = = = 5496.

Stuck=Kugeln.

25. pfündige = = 3286.

24.= = = = = 4124.

21. = = = = = 1090.

19. = = = = = 256.

18. = = = = = 250.

12. = = = = = 350.

16. = = = = = 4639.

[12]
  • 10. = = = = = 2262.
  • 6. = = = = = 2948.
  • 5. = = = = = 3000.
  • 2. = = = = = 3000.
    3. = = = = 1000.
  • 2. = = = = 3000.
  • . = = = = = 4976.
  • = = = = = 2500.
  • 1. = = = = = 2000.
  • ½ = = = 3233.
  • 28. = = = = = = 900.
  • 100. pfündige Bomben = = = 275.
  • 60. dito = = = 108.
  • 25. = = = = = = = 639
  • 16. = = = = ungefüllte. 2312.
  • 10. = Haubitz Granaten = = = 4000
  • 8. = = = = = = =100
  • 6 = = = = = = = 294
  • Hand Granatengefüllte = = 500
  • Ungefüllte Glaserne = = 19668
  • Büchsen=Cartaischen 3. 4. 5. & 6. pf. 468
  • Cuiraß = = = = 216.
  • Gasquet= = = = 99.
  • Flinten, worunter vile unbrauchbahre. 750
  • Carabiner / mit Flinten und Feüer=
    schlösser
    . = = = 358.
  • Flintenstein = = = 59243.
  • Wahl=Musqueten = = 1037.
  • Brauchbare Feld=Musqueten = = 1600.
  • Schantz=Zeug. = = = 1000.
  • Schüf⟨f⟩=Bücken = = 8.
  • Baum=Seyler = = 150. paar.
  • 1. Feld=Schmid / so bey Eisenbirn verloh=|
    ren gangen / dann unterschiedliches alt|
    Eisen=Zeug / ꝛc.|
  • 4. Käyserl. Munition=Wägen / und|
  • 6. dito Kugel=Wägen / so bey Eysenbirn ver=
    lohren
    gangen.

Actum Brannau / den letzten Decemb. 1704.

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