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Wiennerisches DIARIUM

Nr. 150, 7.–9. Jänner 1705

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[1]

Wienn vom 7. biß 9. Jenner / 1705.

MJttwoch den 7. Jenner. Nachdeme allhier / wie jüngst gedacht / die
Nachricht eingeloffen / daß die beyde Käyserl. Cuirassier Regimenter
Hannover und Cronsfeld in Bäyrn auffgebrochen umb in Hungarn
zu dem Kays. Corpo zu marschiren / als wurde heute ein Käyserlicher Com-
missarius beordert / daß Derselbe nach Ober=Oesterreich sich verfügen / Die=
selbe
alldorten übernehmen / und deren Verpflegung veranstalten solle; und
weilen Braunau nunmehro mit Kayserl. Garnison vesetzt worden; Als hat
dasiger Magistrat, Burger und Gemeinde hierunten folgenden Eyd jüngst=
hin
der Käyserl. Generalität schwören müssen.

MJr auffgestellter Magistrat, sambtliche Burgerschafft / und Gemeinde / ohne Un=
terscheid
der vormahls Chur Bayrischen / nunmehro aber an Jhro Römische Käy=
serl
. Majestät durch beygelegte Vergleichs=Mittel angedohen= und abgerrettenen
Stadt / sambt der Vestung Braunau; schwören zu dem Allmächtigen Gerechtesten GOtt
einen unverfälschten cörperlichen Ayd / daß wir unsere vormahls getragene / und Jh=
rer
Churfürstl. Durchl. auß Bayern zugethane Pflicht und getreuesten Gehorsamb mit=
telst
dieses abschwörenden wahrhafftig leiblichen Juraments abthun / Dero uns gäntz=
lich
entschlagen wollen / dahingegen Jhrer Käyserl. Majestät / als unserem Allergnä=
digsten
Käyser / Lands=Fürsten / und Schutz=Herrn all=unterthänigst=gehorsamste
(gleichwie es alle andere Seiner Allerhöchsten Majestät angehörige Vasallen und Unter=
thanen
zu beobachten schuldig und verbunden) Geloben und versprechen auch mit al=
lergehorsamster
juramentalischer Verbündlichkeit / nicht allein Allerhöchst=gedacht= Jh=
re
Römische Käyserliche Majestät / und das Durchleuchtigste Ertz=Hauß von Oesterreich
hinführan für unseren rechtmässigen Allergnädigsten Lands=Fürsten / und Schutzherrn
allergehorsambst zu erkennen / sondern auch alle gegen Demselben / und alle unterha=
bende
Generalität / Commendanten / Obristen / und andere respectivè Officiers, wie
nicht minder Dessen Militz zu Roß und Fuß gefährlich intendirende Machinationes zu
meyden / auff Erfahrung an Tag zu geben / solche äusserist abzutreiben / und in Sum=
ma
alles das zu præstiren / thun und lassen / Krafft dieses Juraments uns obligiren /

[2]

als was wir unserem vormahls rechtmässigen Herrn zu vollziehen schuldig und verbun=
den
gewesen. So wahr uns GOTT helffe und das heilige Evangelium.

Braunau den 31. December 1704.

Donnerstag den 8. Jenner ist des Käys. Gen. Commissariats=Secretarius
Hr. Brosamer von hier umb die Einrichtung der Quartieren schlichten zu helf=
fen
nacher Hungarn abgeschickt worden; von dannen Nachricht kommen /
daß nicht allein der gantze Comitat von Neutra der Käyserl. Devotion sich wie=
der
ergeben / sondern es habe auch der Adel in der grossen Jnsul Schüt den
Eyd der Treu/ zu Eberhard in die Händ eines Preßburger Cammer=Raths
wieder abgelegt / auch so gleich 80. Wägen zu Abführung der grossen Brucken
biß an die Waag / allwo der Käyserl. commandirende General=Feld= Mar=
schall
Herr Graf von Heyster eine Brucken zu schlagen Willens / herbey ge=

Freytag den 9. Jenner. Heut vernahme man auß Siebenbürgen / daß
der Neuburgische Leutnant Herr Weißmüller mit ohngefehr 100. Mann 3000.
Seckler solle angetroffen / selbe geschlagen / 300. von ihnen nidergemacht und
den Rest in die Flucht gejaget haben; Nicht weniger hätte der Herr Obrist=
Leutnant Unger von selbigen Edelleuthen vile getödtet und verschiedene ge=
fangen
genommen.

Von Ofen vernahme man durch die außgeschickte Partheyen / daß die
in dasigen herumb gelegenen Dorffschafften befindliche Rebellen zwar vom Ra-
koczyOrdre erhalten gehabt sich auffwerts zubegeben / weil aber indessen dieer=
freuliche
Nachricht von dem wider selbe durch die gerechte Käyserl. Waffen sieg=
reich
erworbenen Vortheil erschollen / hätten sie sich nicht zu bewegen getrauet.
Jndessen hätte der Herr Commendant zu Ofen an die Dorffschafften die Vi-
ctualien nacher Pest zu lieffern Ordre ertheilet / womit auch sogleich schon der
Anfang gemacht worden.

Vom Donau=Strohm vom 2. Jenner. Daß die völlige Evacuirung
der Bäyrischen Orthen ehistens seine Richtigkeit haben werde; wie dann
auch die meiste Bäyrische Mannschafft abgedancket / und was hat dienen
wollen / wieder angenommen und untergesteckt / die Frantzosen aber / nach
Straßburg begleitet worden. Der General Lüzelburg commandire zu Mün=
chen
der Churfürstin accordirte Garde von 400. Mann. Wegen derer 6.
Wintermonath müsse Bäyern 70000. Portionen / jede zu 5. Reichsth. gerech=
net
/ herschaffen. Die daselbst einquartirte Preussische Truppen machten sich
schon bereit umb in kurtzem nach Jtalien zu gehen.

Auß Madrit vom 10. December. Daß verschiedene von denen daselbst
gefangen genommenen Spanischen Grandibus auff Caution loßgelassen / hin=
gegen
wieder viele andere eingezogen worden / und besorge der Hof noch im=

[3]

mer einen Auffstand in Catalonien / ohnangesehen Er alles mögliche zu Ver=
hütung
desselben anwende. So förchte man auch / es dörfften so wohl die
grosse Geld=Summen als Mannschafft / so man vor Gibraltar zur Belage=
rung
angewendet / verlohren gehen / und der Villadarias ohnverrichter Sa=
chen
abziehen müssen; weilen die Belagerte einen unglaublichen Widerstand
erzeigen / auch das Regenwetter sehr hinderlich seye.

Auß Lissabon vom 5. December. Daß alldorten der König in Portu=
gall
etwas ohnpäßlich / Jhre Majestät der König in Spanien CARL der III.
aber zu Santarem noch in erwünschten Wohlstand / dem Höchsten seye Danck /
befinde / Dero Beichtvatter aber R. P. Andreas Bauer S. J. so diese verwichene
Campagne gestorben / werde noch immer so wohl von Deroselben als Dero
gantzen Hof sehr bedauret. Von dem Portugesischen Gouverneur zu Mocura
Don Francesco de Melo seye gewisse Nachricht kommen / daß er zu St. Bar=
bara
von einem Spanischen Regiment zu Pferdt / die meiste erlegt /
viele gefangen und den übrigen Theil in die Flucht gejaget habe / auch mit ei=
ner
grossen Beuth / worunter über 60. Pferdt und so viel beladenen Maul=Eseln
gewesen / wie auch den vorgedachten gefangenen Spanischen Soldaten wie=
der
zuruck kommen seye. Wegen Gibraltar, wohin man jüngstens ein Eng=
lisch
= und Holländische Battaillon sambt 500. Portugesischen Soldaten gesen=
det
/ habe man noch gute Hoffnung / daß der Orth sich halten werde / wei=
len
dasiger braver Gouverneur, der Printz Georg von Darmstatt / mit obiger
Manschafft so wohl / als des Admiral Lake seiner / in Stand gesetzt worden
auff den Feind außzufallen / welches dann auch jüngstens so geglücket / daß
von 500. Feinden auff einer Anhöhe die Engelländer mehr als 200. niderge=
macht
/ und 160. gesangen / worunter ein Obrist und 30. andere Officiers /
eingebracht.

Auß Londen vom 23. December. Daß alldasiges Parlament noch vor
als nach so wohl wegen Europæ als sonderlich desselben Königreichs Wohl=
stand
in Berathschlagung begriffen seye; und weilen man wegen Auffbrin=
gung
der benöthigten Mittel vor den künfftigen Feld=Zug richtig; als solle
bey Ankunfft des Mylord Duc de Marlboroug auch der endliche Schluß wegen
der Macht zu Land und Wasser erfolgen. Jndessen habe Jhre Majestät die
Königin von Groß=Britanien den Capitaine Whitaker, in Ansehung seines
erzeigten Wohlhaltens bey der Eroberung Gibraltar mit dem Ritter=Titul
begnadet / dem Capitaine du Chattam aber solle der Proceß gemacht werden /
daß er dem Capitaine Crosse, so das Schiff Elisabeth commandiret / nicht
seiner Schuldigkeit nach beygestanden. Höchstgedachte Königin habe auch
beschlossen zu denen 5000. Soldaten / so sich auff denen Schiffen befinden /
noch 5000. anzuwerben; auch Ordre gegeben / ohnverzüglich verschiedene
Ingenieurs nach Gibraltar abzusenden / umb den Orth helffen zu behaupten.

[4]

Auß Pohlen vom 1. Januarii. Daß mit ehestem zu Crackau und
in dasiger Gegend / allwo und in denen herumb gelegenen Klein=Pohlnisch=
und Russischen Woywodschafften noch alles sambt den meißten Magnaten
des Reichs in der beständigen Treü vor Jhrem rechtmässigen König und
Herrn seye / wieder neue Unruhen entstehen / mithin die Pohlnische Cron= und
Hülffs=Truppen ihre Winter=Quartier nicht lange in der Still geniessen /
vielweniger das auff den 8. Janu. bestimbte grosse Consilium, auff welchem
man die Zwistigkeit des Cron=Feldherrn und des Marschall der confœderirten
Arméen unter andern beyzulegen bedacht gewesen / allda gehalten werden
dörffte; weilen Kundschafft kommen / daß der Königl. Schwedis. General
Major Stromberg mit 7. Regimenter Fuß=Volcks nach gedachtem Cracau
im Marsch begriffen; nebst dem der General Leut. Reinschild mit der Reu=
terey
Marschfertig stünde. Zu Rawitsch / daselbsten Jhre Maiest. der König
in Schweden sich noch befinden / seye von Lissa der Graff Leschinsky: auß
Sachsen aber der General Horn angelangt / der erstere welcher 2. Schwedis.
Trabanten zur Wacht gehabt / solle betrübte Gesichter machen / daß sein Vor=
haben
noch zur Zeit nicht ins Werck gericht werden können; des andern Ver=
richtung
betreffend / solle er wegen Außwechßlung der beyderseits Gefange=
nen
von Jhrer Maiest. dem König in Pohlen die Commission erhalten haben.

Auß Rom von 20. December. Daß Weilen der Herr Cardinal
Nerli wegen außgestandener Kranckheit verwichenen Sonntag mit grosser
Solennität den Gottes=Dienst nicht halten könnenn / als hätte solchen der
Herr Cardinal Coloredo verrichtet: worauff folgenden Tags Consistorium
gehalten / und von männiglich der Außgang mit höchsten Verlangen erwar=
tet
wurde / doch aber hätte man die so lang gehegte Hoffnung der Promotion
der Cardinalen auch dißmahlin das künfftige Belieben ihrer Päbstl. Heyl. stel=
len
müssen: Selbigen Morgen wäre unweit des Bruck=Platzes der Kut=
scher
des Cardinal d'Arquien ermordet gefunden worden. Jhre Päbstl. Herligk.
hätten durch den Hn. Cardinal d'Acciaoli eine besondere Versamblung / den
bewusten Process wegen denen Ferrarischen Begebnussen betreffend / veranstal=
tet
/ hierbeydie Herren Cardinalen Marescotti, Imperiali, und Spinola, sambt
denen Herren Corsini, Paraccianiund Totti zu erscheinen benennet; welches vil=
leicht
darumb geschehen seyn möchte / alldieweilen vor 2. Tagen eine Staffeta
auß dem Ferrarischen mitgebracht haben solle / als wären 800. Teutsche selbi=
gen
Staat zu betretten angerucket: Es gienge auch allda ein Bäyrisches
Manifest herumb / die Ursachen vorstellend / warumb diser Churfürst von den
Ständen des Römischen Reichs sich abgesondert habe.

Von Genua vom 20. December. Daß allda unterschiedliche Schiff auß
Provence mit Waaren vor Ancker gekommen / unter welchen 3. so mit Bomben /
Stucken / Pulver und Kugeln beladen / denen allen ein Kriegs=Schiff zur

[5]

Convoy mitgegeben ware / dieses hätte seinen Lauff wieder nach Nidergang
genommen / dessen ohngeacht hätten die Capers vonOneglia zwey von denen
Fahrzeugen mit reicher Ladung auffgebracht / ein anders aber auff selbige
Rhede angetrieben / welches mit Wein beladen ware. Ein Boots=Knecht wäre
von Tolone wider zuruck kommen / welcher von dem Confiscirten Schiff des
Capitain Ballareno sich beurlaubet hätte / diser meldet / daß man 3. Schiff je=
des
zu 40. Canonen zu gemeldtem Toulon außrüste. Sonsten sollen die 2. En=
glische
Kriegs=Schiff in Villa Franca eingeloffen seyn. Auch wären 2. Vene=
cianische
Edelleuth nach Genua kommen / welche meldeten / daß sie gegen Son-
zino ein grosses Corpo Teuts. Soldaten gesehen hätten. Es wäre dort ein
Englischer fürtrefflicher Ingenieur durchgereißet / welcher bey dem Kayserl..
Herrn Ministro sich Præsentiret / und vermeldet haben solle: daß wan die
Frantzosen Verua noch nicht überkommen hetten / und Er zeitlich dahin gelan=
gen
könte / So wolte Er mit der Hilff Gottes solchen Orth zu behaup=
ten
/ wohl Mittl an die Händ geben / und den Feind abziehen machen.

Auß Mäyland vom 24. dito. Daß die Belagerung vor Verua in so
weith forthgetrieben worden / daß der Minierer in wenig Tagen werde die
Maßern sprengen / auff dessen gute Würckung man einen Sturm wagen
wolle: Die Belagerte sollen ihre Stuck von denen Flancken nicht mehr brau=
chen
können / wehren sich aber meistens mit Bomben / Stein=werffen und ande=
rem
Feuer; welches sonderlich denen Minierern grossen Schaden verursachet /
denen der Duc de Vendôme täglich eine Doppie geben liesse umb solche anzu=
eyffern
. Die stäts sprengende Minen thäten denen Frantzosen viel Schaden
verursachē / und hätte die eine durch Uberwerffung einer Batterie sehr viel Fran=
tzosen
/ worunter etliche hohe Officier / getödtet / auch seyen die Krauckheiten we=
gen
der Strapazen sehr eingerissen / nicht weniger müssen sich dieselbe wegen des
grundlosen Weegs umb der Zufuhr willen bloß der Saum=Pferdt und Maul=
Thier bedienen / welches überauß langsamb hergehe / und darzu grosse Un=
kosten
erfordere. Auch müssen wegen Kälte die Officier sich mit denen
Baraquen versehen; welches aber von aussen so wenig / als die Hoffnung
der geschwinden Eroberung von inwendig die Glider erwärmen wolle / massen
noch die Communication mit Crescentin genug zu schaffen geben werde. Son=
sten
wäre der Geburts=Tag des Duc d'Anjou, welcher diß Jahr auff einen
Freytag gefallen / von dem Prince Gouverneur und dasigem Staat in höchster
Galla ebender zu begehen anbefohlen und vollzogen worden.

Auß der Schweitz vom 28. December. Daß allda etliche Cantons auff
guter Huet stünden umb wo möglich die innerliche Ruhe mit Gewalt zu er=
halten
. Mr. de Saint Columba habe vom Frantzösischen Hof etliche Pensio-
nen umb solche einigen Cantons abzustatten empfangen; welches Geld man
glaube dasigen Hof anticipando auffgenommen zu haben / von denen 5. Mil=

[6]

lionen Livres, so die Ständ von Langucdoc dem Mr. Villars, und von den
700000. Livres, welche die von Provence als ein Don gratuit geben müssen.
Und weilen Mr. Villeroy sich mit dem Churfürsten in Bayrn nicht wohl ver=
tragen
könne / als seye Derselbe auß denen Niderlanden nacher Pariß beruffen
worden / von dannen hingegen der Mr. Bouffleur dorthin an dessen Platz ab=
geschickt
worden.

Auß Holland vom 30. December. Mit Schiffen / so auß Engelland
in der Maaß angelangt / erhalten zu haben / daß der Milord Duc de Marlbo-
rug mit allen gefangenen Frantzösis. Generalen alldorten glücklich angelangt.
Wird man demnach den allgemeinen Schluß wegen des künfftigen Feldzugs
bald zu vernehmen haben. Jndessen wären in Holland zu Recrutirung / wie
auch neuer Anwerbung einiger Land= und See=Milice alle Anstalten gemacht /
und die darzu erforderliche Geld=Mittel zu Handen geschafft worden. Jm
Haag / woselbsten der Königl. Preussische Cron=Printz von Rotterdam
wieder angelangt / rede man starck von 2. grossen Heyrathen / so bald auß=
brechen
dörfften. Sonsten thäte der Marquis de Miremont noch immerfort
umb einen Succurs vor die Camisards anhalten / welchen umb mit guter Ma=
nier
hinein zu bringen / ein gewisser Abbé, als dasigen Lands wohl =
dig / und der Frantzösischen Regierung überdrüssig / sich selbsten anerbotten /
mit Rath und That an die Hand zu gehen.

Vom Nider=Rhein=Strohm vom 2 Jenner. Daß ehestens das Dom=
Capittul zu Cölln / von dannen Jhre Hochfürstl. Durchl. der Hertzog von
Sachsen=Zeits / nachdeme Sie den Chur=Cöllnischen Cammer=Rath Ham=
bach
mit seinem Tochter Mann der Gefangenschafft in so weit erlassen / daß er
vor völligen Außgang seiner Sachen nicht auß der Stadt weichen solle / ins
Reich wieder abgereist / entschliessen werde 2. Regimenter auffzurichten. Die
jüngst zu Cölln angelangte Bayris. Bediente / so Erlaubnuß von ihrem Herrn
erhalten wieder nach Hauß zu gehen / bestättigten noch immer die schlechte
Verständnuß zwischen ihren gewesten Herrn und denen Frantzösischen Genera-
len / welche Letztere noch allzeit ein und andere Bewegung machen auch ihre
Truppen mit allem Eyffer recroutiren thäten; immassen sie Willens denen
Alliirten auff der Mosel noch einen Streich anzubringen. Sonsten werde der
Chur=Fürst von Cölln / mit dessen Unpäßlichkeit sichs wieder gebessert / zu
Brüssel ehistens erwartet. Der Graf de Lanoy habe im Nahmen der Lim=
burgischen
Ständen dem Herrn Grafen von Sintzendorff Käyserl. Gesandten
zu Lüttig / mehr nicht als den halben Theil des abgeforderten Quanti ein=
gewilliget
/ vorschützend solches bey Carl den II. gewöhnlich gewesen zu seyn.

Vom Mosel=Strohm vom 30. December. Daß ein Detachement von
denen Alliirten auß Trier nacher Wasserbillig gegangen / und allda die im
Schantzen begrieffene Frantzosen auffgehoben / nachdem wäre dasselbe nach

[7]

Grēvenmachern marchiret / umb all dorten ein gleiches zu thun; es hätten aber
die Frantzosen die Annäherung nicht erwartet / sondern sich zeitlich darvon /
und in den Wald gemacht / worauff gedachtes Detachement beede Oerther
außgelpündert / angezündet / und mit denen Gefangenen sich wieder zuruck
begeben. Sonsten hätte man Nachricht / daß der Marquis d'Allegre nach
Besichtigung derer Gräntz=Plätzen im Luxenburgischen zu Metz: der Com-
te d'Autel, Commendant zu Luxenburg aber mit seinem Frantzösischen Ad-
junct zu Diedenhofen angelanget seye / in welchem Orth man noch immer mit
Linien=Ziehen beschäfftiget / und müsten darzu die arme Bauern in der Prob=
stey
Dietenhofen die Bäume auß dem grossen Wald unter Rodenmachern
jenseyts der Mosel / so völlig biß Kettenhofen umbgehauen wird / herbey füh=
ren
.

Vom Ober=Rhein=Strohm vom 30. December. Daß jungstens auß
Bayern ein Holsteinisches Regiment nacher Zweybruck marchiret / und man
ehistens noch mehrer gewärtig seye. Zu Landau / von dannen die Frantzösi=
sche
Blessirte und Krancke / welche Vermög der Capitulation, darinn geblieben /
mit ihren 4. Stücken und 2. Mörsern außgezogen / hätte man Nachricht / daß
der darinn gewesene Commendant Monsier de Laubanie, deme der König
in Franckreich wegen seines Wohlverhaltens eine jährliche Pension von 20000.
Gulden gegeben / auff seiner Reiß nacher Pariß / gestorben seye.

Auß Dantzig von 28. December. Daß alldorten der nach Moscau be=
stimbte
Königl. Englische Gesandte Monsieur Wittword den 22. dieses ange=
langt
seye / des Willens Seine Reyß von dannen in wenig Tagen weiter fort=
zusetzen
/ ohnangesehen man dermahlen nicht wisse / wo Sich Jhre Czarische
Mäjest. befinden. Der Cardinal Primas könne sich noch nicht entschliessen in
Groß=Pohlen zu gehen / vorschützend daß zu Außmachung des angefange=
nen
Wercks nichts mehr nöthig seye / als daß der König in Schweden Seinen
Feind den König in Pohlen versprochener Massen / auß dem Königreich ver=
treiben
und durch Verwüstung seiner Erbländer dem Einen die Forcht / dem
Anderen aber die Hoffnung der Wiederkunfft benehmen / mithin durch ande=
ren
/ ohne Verlust der Eigenen / auff das Frembde Verzicht zu thun zwin=
gen
möchte.

Auß Dresden vom 30. December. Daß Jhre Majestät der Köng in
Pohlen mit denen Herren Generalen Schuelenberg und Patkul noch fleissig
Berathschlagung hielten / auff was vor eine Weiß man die Sächsis. Armée am
füglichsten und geschwindesten recrutiren muntiren und die Vestungen in
Sachsen wohl besetzen / auch sonsten zu allem gute Anstalten machen könte /
umb in künfftiger Campagne mit der Moscowitischen Armée zugleich zu
erscheinen / und nicht allein sich aller Orthen defensiyé zu halten / sondern auch
gar offensivè zu gehen.

[8]

Von Berlin / vom 28. Decemb. Daß die Königliche Preussische Cam=
mer
=Gerichts Præsidenten Stelle / so jüngstens durch Absterben deß Herrn
von Wedel in dem 79. Jahr deß Alters ledig worden / ehistens solle wieder
ersetzt werden. Und weilen die Arrenda der Königl. Accise wegen der
Kauffmanschafft geschlichtet / als solle auch die übrige wegen deß Getraids /
Schlachtung des Viehs / und anderer Victualien vorgenommen werden / zu
dem Ende schon ein Placat angeschlagen worden / und sollen nicht weniger alle
dasige Einwohner durch Läutung der Glocken darzu beruffen werden. Der
Pohlnische Groß=Schatzmeister Præbendovsky seye nacher Dresden
abgereist / und glaube man / daß er schwerlich sein Begehren so ge=
schwind
erhalten werde / weilen von den Königlichen Preussischen Trup=
pen
etlich 1000. Mann nach Jtalien marchiren sollen. Jn den Nider=
elbischen
hätten bereits einige Officiers von dem Herrn General Berckolz
zu werben angefangen; welches glauben machte / daß die Capitulation
mit dem Duc de Marlborug geschlossen sey müste.

Auß dem Lüneburgischen von 28. Decemb. Daß in dem gantzen Land
das Werben eiffrig getrieben werde / weilen die Officier ihre Recruten bald zur
Hand haben sollen / damit man die völlige Regimenter auff bestimbten Ter-
min stellen / mithin die Arméen frühzeitig im Feld erscheinen können. Daß
Trarbach Sich an Jhre Hoch=Fürstl. Durchl. den Erb=Printzen von Hes=
sen
=Cassel ergeben / habe dasige Höfe sehr erfreuet.

Ankunfft deren hohen und niedrigen Stands Personen.

  • Cärntner=Thor den 7. Januari. Duca del Vasto, kombt von Venedig / logirt bey
    seinem Herrn Brudern.
  • Den 8. dito. Herr von Glosheim Hertzog Hollsteinischer Rath / kombt auß dem Reich /
    logirt auffm alten Baurnmarckt im Fürst Liechteinis. Hauß.
  • Den 9. dito. Herr Hieronymus Graf Gondola, Rittmeister unter dem Palffis. Cuiras=
    Regiment / kombt auß Italien / logirt in seinem Hauß:

Abreiß deren hoch und niedrigen Stands=Personen.

Den 7. Jenner / 1705.

  • Herr Pesching / nach Prag.
  • Herr David Sauter / nach Breßlau.

Herr Benisch / nach Breßlau.

  • Herr Dominic Dierling / nach Grätz.
  • Jud Löwl Aaron / nach Brün.

Den 8. dito.

  • Herr Graf Gundtacker von Dietrichstein / nach Sonneberg.
  • Herr Hauck / nach Ricolspurg.
  • Herr Frantz Joseph Arnoldt / nach Lintz.
  • Herr Paul Fesderiz, nach Oedenburg.
  • Herr Matthias Schrantzhoffer / nach Lintz.
  • Jud Oppenheimb / nach Ricolspurg.

Den 9. dito.

  • Fürst Dietrichsteinischer Roch / nach Rickelspurg.
  • Herr Leutnant Zill / nach Grätz.

Herr Bauernfeind / nach Brün.

[9]

Lista aller Getaufften in und vor der Stadt.

Den 1. Jenner / 1705.

  • Dem Andreas Jäger und Barbaræ seiner
    Ehewirthin / ihr Kind Johann Paul
    Joseph.
  • Dem Paul Schreiber und Catharinæ seiner
    Ehewirthin / ihr Kind Eva Susanna.
  • Dem Andreæ Pestinger und Barbaræ sei=
    ner
    Ehewirthin ihr Kind / Maria Mag=
    dalena
    .
  • Dem Herrn Johann Georg Haberl und Ca=
    tharinæ
    Elisabethæ seiner Haußwirthin /
    ihr Kind Maria Josepha.
  • Dem Joseph Hueber und Mariæ Ursulæ sei=
    ner
    Ehewirthin / ihr Kind Maria Su=
    sanna
    .
  • Dem Johann Paul Huter und Mariæ Eli=
    sabethæ
    seiner Ehewirthin / ihr Kind Jo=
    hann
    Frantz.
  • Dem Frantz Jacob Weidinger und Ursulæ
    seiner Ehewirthin / ihr Kind Maria Catha=
    rina
    .
  • Dem Gregori Breyer und Margarethæ sei=
    ner
    Ehewirthin / ihr Kind Maria Rosina.
  • Dem Christian Spisky und Annæ Mariæ
    seiner Ehewirthin / ihr Kind Lorentz Jo=
    hann
    Christian.
  • Jtem ein gewisses Kind mit Nahmen Jo=
    seph
    Wilhelm.

Den 2 dito.

  • Dem Martin Maleck und Mariæ seiner
    Ehewirthin / ihr Kind Maria Elisabeth
    Magdalena.
  • Dem Michael Zotter und Mariæ seiner
    Ehewirthin / ihr Kind Maria Susanna
    Christina.
  • Dem (Tit.) Herrn Georg Wentzel von
    Schwalbenfeld / und seiner Ehefrauen /
    ihr Söhnl Joseph Anton Macari.
  • Dem (Titl.) Herrn Johann Joseph Grafen
    von Rothal / und seiner Frau Gemahlin
    ihr Fräule Maria Francisca Emmanuel.
  • Dem Adam Delmur und seiner Ehewirthin
    Catharinæ / ihr Kind Johann Friderich.
  • Dem Sebastian Kranreiff / und seiner Ehe=
    wirthin
    Catharinæ / ihr Kind Maria Re=
    gina
    .
  • Dem Johann Georg Brandmayr und sei=
    ner
    Ehewirthin Maria Elisabeth / ihr
    Kind / Johann Georg.
  • Dem Johann Nattur und seiner Ehewir=
    thin
    / ihr Kind Eva Catharina.
  • Dem Zacharias Weiß und Mariæ Elisabe=
    thæ
    seiner Haußwirthin / ihr Kind Jo=
    hann
    Jacob.
  • Jtem ein gewisses Kind mit Nahmen Anna
    Lucia.
  • Dem Anton Schoravia / und seiner Ehe=
    wirthin
    Ursulæ ihr Kind Catharina Re=
    gina
    .
  • Dem Joseph Schertz und seiner Ehwirthin
    Apolloniæ / ihr Kind Adam Balthasar.
  • Dem Rupert Hueber und seiner Ehwirthin
    Rosinæ / ihr Kind Maria Eva.

Den 3. dito.

  • Dem Michael Stoltz und seiner Ehwirthin=
    Mariæ Margarethæ / ihr Kind Eva Ro=
    sina
    Barbara.
  • Dem Herrn Simon Ziegler und seiner Eh=
    wirthin
    Mariæ / ihr Kind Maria Anna.
  • Dem Frantz Griener und Franciscæ seiner
    Ehwirthin / ihr Kind Maria Anna Ge=
    novefa
    .
  • Dem Herrn Johann Georg Heß und Ma=
    riæ
    Monicæ seiner Ehwirthin / ihr Kind
    Anna Maria Barbara.
  • Dem Christian Falck und Anastasiæ seiner
    Ehwirthin / ihr Kind Johann Jacob.
  • Jtem ein gewisses Kind / mit Nahmen Chri=
    stoph
    .
  • Dem Herrn Johann Ludwig von Scharffen=
    stein
    / Käyserl. Hauptmann und Johan=
    Franciscæ seiner Ehfrauen / ihr Kind
    Michael Ladislaus Johannes Adamus.
  • Dem Leopold Guldenast und Franciscæ sei=
    ner
    Ehwirthin / ihr Kind Polixena Eli=
    sabeth
    .

[10]

Lista der Ver⟨st⟩orbenen in= und vor der Stadt.

Den 7. Jenner / starb

  • Dem Herrn Urbano von Colabach / Käyserl. Rath / und Obristen Proviant=Commissa-
    rio im Reich / seine Tochter Rosina / beym grünen Rössel in der Schuler=Straß,
    alt 5. Jahr.
  • Eva Hackin / eine Wittib / beym rothen ⟨B⟩ä⟨d⟩ im Färber=Gässel / alt 57. Jahr.
  • Dem Jacob Hirsch / einem Schneider auff dem alten Kühn=Marck sein Kind Catha=
    rina
    / alt 1. Jahr.
  • Anna Kühaschin in ledigs Mensch auff dem Kohlmarckt / alt 36. Jahr.
  • Dem Matthias Mändl / einem burgerl. Fuhrmann in seinem Hauß in der Roßau sein
    Wei⟨b⟩ Anna / alt 70. Jahr.
  • Dem Stephan Riedl / einem Fuhrmann im Saillerischen Hauß in der Ungarischen
    Gassen sein Weib Regina / alt 33. Jahr.
  • Hannß Geyersperg / ein Zillen=Schopper beym guldenen Stern in der Roßau / alt 31.
    Jahr.
  • Dem Martin Huetfließ / einem Tagwercker im Löwen am Neubau sein Weib Mar=
    garetha
    / alt 30. Jahr.
  • Dem Matthias Engel / einem Tagwercker beym weissen Lämbl in der Roßau sein Weib
    Eva / alt 25. Jahr.
  • Der Rosinæ Fischerin / einer armen Wittib beym schwartzen Stern bey Maria Hülff /
    ihr Kind Elisabetha / alt 1. Jahr.

Den 8. dito.

  • Herr Johann Martin Dattenrieter / Königl. Cammer=Diener in einem Beneficiat. Hauß
    am Peters=Freythoff / alt 35. Jahr.
  • Dem Antoni Montagne, Kayserl. Hof=Currier im Schwartzbeckis. Hauß auff der Fischer
    stigen / sein Kind Caspar / alt 1. halb Jahr.
  • Dem Hanß Perschack / Burgerl. Kräntzlbinder im Stainhardis. Hauß in der Unt⟨e⟩rn
    Beckenstrassen / sein Kind Frantz / alt 6. Jahr.
  • Dem Johann Reisinger / Burgerl. Nachtführer in seinem Hauß am Saltzgrieß / sein
    Kind Maria / alt 3. Jahr.
  • Wentzl Egerer / ein Briefftrager im Matschackerhof / alt 36. Jahr.
  • Dem Hanß Hochensinger / einem Brodtsitzer im Hammerischen Hauß in der Wohlzeihl /
    sein Kind Maria / alt 1. Jahr.
  • Der Hochwürdige= und Wohl=gebohrne Herr Frantz Joseph / Baron von Lauterburg /
    Probst zu Karpaist, alt 35. Jahr.
  • Peter Lorentz / Burger in der Kayserl. Mauth vorm Stuben=Thor / alt 65. Jahr.

Den 9. dito.

  • Dem Johann Bauman / einem Wirth im Schefferbeckischen Hauß am Neustifft / sein
    Kind Maria / alt 5. Jahr.
  • Dem Tobias Stacul einem Laquey beym guldenen Apffel auff der Wyden sein Kind
    Ursula / alt 6. Viertel Jahr.
  • Dem Leonhard Hornung / einem Tagwercker ins Herrn Bicki Hauß unter den Felbern
    sein Kind Tohias / alt dritthalb Jahr.
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