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Wiennerisches DIARIUM

Nr. 184, 6.–8. Mai 1705

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[1]

Wienn / vom 6. biß 8. May / 1705.

MJttwoch den 6. May. Nachdeme / wie jüngst gedacht / auß Göttli=
cher
Verhängnuß / Jhre Kayserl. Majest. LEOPOLD dieses Nah=
mens
der Erste / Glorwürdigster Gedächtnuß / Weyland unser
allergnädigster Lands=Fürst und Herr / gestern auß dieser Zeitlichkeit zu un=
beschreiblichem
Leyd=Weesen des gantzen Kayserlichen Hofs und aller De=
ro
treuen Vasallen und Unterthanen abgegangen; Als wurde heute Des=
sen
verblichener Leichnamb / in Anwesenheit Jhrer Hochfürstl. Gnaden von
Fundi und Grafen zu Mansfeld / wie auch des Kays. Obrist=Kuchel=Meistern
(Titl) Herrn Grafen von Mollarth und beeder Kayserlichen Camer=Herren /
nemblich (Titl) Herrn Grafen von Kollonitsch und (Titl) Herrn Grafen von
Castelbarco, wie auch zweyer Cammer=Dienern / Herrn de Biel und Herrn
d'Ubens, von denen 6. neulich schon bemeldten Kays. Herren Leib=Medicis und
3. Leib=Barbiern / als Herrn Zeidlern / Herrn Fuchs und Herrn Jaues geöffnet /
und sodann gewöhnlicher massen einbalsamirt.

Sonsten hat der gestern auß Bayrn von Landshut dahier angekomme=
ne
Currier unter andern mitgebracht / wie nemblich er auff seiner Anhero=Reiß
vernommen / daß eine Anzahl Bayrische Bauern sich zusammen rottirt / und
des Nachts bey 100. Kayserl. Reuter in ihren Quartieren mit Prüglen und
Kolben unchristlicher Weiß zu todt geschlagen haben sollen.

Donnerstag den 7. May. Heute wurden allhier Jhre verstorbene Kay=
serl
. Majest. in der Ritter Stuben offentlich zu sehen außgesetzet / und wird 3.
Tag lang darmit angehalten werden; deme zu folg gedachte Ritter=Stuben /
gleichwie die andere Zimmer / schwartz überzogen worden. Jhre Kays. Maj.
ligen in einem Spanischen schwartzen Mantel=Kleyd / mit einer Peruque und
Hut auff dem Haupt / wie auch einem Degen an der Seiten / unter einem
schwartz=Sammeten Himmel / auff einem drey Staffel hohen mit gulden=

[2]

und silbernem Stuck überzogenen Parade-Beth / umb und umb mit vielen
auff silbernen Leuchtern brennenden weissen Wachs=Kertzen; bey denen
Füssen stehet ein schönes silbernes Crucifix / und nicht weit darvon auff der
Rechten ruhet auff einem guldenen Küssen die Kayserl. Cron / Apffel und
Scepter mit dem güldenen Fluß / zur lincken Seiten aber ligt auff einem
anderen guldenen Küssen die Ungarische und Böhmische Cron; bey dem Pa-
rade-Beth befinden sich 4. Käyserl. Cammer=Herren und Cammer=Diener / mit
langen schwartzen Mänteln wie auch 4. Geistliche von der Käyserl. Hof=Kirchen
deren W. W. E. E. P. P. Augustin. Barfüssern / nicht weniger die gewöhnliche
Kayserl. Leib=Wacht von Hartschiren und Trabanten / welche erstere von
Stund zu Stund abwechseln. Der Zulauff so wohl von denen Grossen / als
Kleinen / umb den Weyland Allergnädigsten Käyser und Mildesten Lands=
Fürsten zum letztenmahl zu sehen / wie auch das darüber bezeugte Hertzenleyd
ist so groß / daß es nicht zu beschreiben.

Sonsten seynd verschiedene Curriers und Staffetten mit der Notification
des Todtfalls allerhöchst besagter Jhrer Kayserl. Majest. LEOPOLDI an
verschiedene Chur= und Fürsten des Reichs / wie auch an die außwertige Po-
tenzen abgangen.

Eodem wurde von Jhrer Majestät dem Römischen Kayser mit einem
eigenen Hand=Brieffl und 100000. Gulden Wechsel=Brieffen nacher Jta=
lien
zu dem allda commandirenden Kayserl. General=Feld=Marschallen /
Jhro Hochfürstl. Durchl. Printzen Eugenium von Savoyen / der Kayserliche
Hof=Kriegs=Rath / HErr von Pozzo abgeschickt.

Freytag den 8. May. Heute wurde auff allergnädigste Kayserl. Ver=
ordnung
zum ersten mahl mit allen Glocken so wohl in als vor der Stadt von
12. biß 1. Uhr Mittags / vor Jhre jüngst verschiebene Kayserl. Majestät zu
läuten angefangen.

Dito vernahme man auß Ungarn / daß der Hr. General Nehm mit etilch
1000. Raitzen die Donau passiret umb gegen die Rebellen auff allen Fall agi-
ren zu können; gedachte Rebellen sollen noch immerhin an ihrer zu Pax neu=
angelegten
Schantze fleissig fortfahren / und selbige mit 6000. Mann / so al=
le
Teutsch gekleydet / besetzter halten / vorgebend / daß der Beretzeny / wo=
fern
nicht bald Fried würde / einen gewissen Anschlag ins Werck zu setzen Wil=
lens
wäre / weßwegen derselbe schon würcklich einige Mannschafft versamblen
auch diese mit nöthigem Geschütz versehen lassen. Von Raab verlaute / daß
die Rebellen auff dasiger Seiten begünten wieder herüber zu setzen / und 2 Par=
theyen
/ als eine nach Fünffkirchen / die andere nach Kapuswar und Simon=
thorna
marschiret; uber das liessen sie zwischen Comorren und Gran viele
Schiff zusammen führen; in dem Raaber Wald hielten dieselbe sich auch noch
starck auff / von dannen sie des Nachts zu 20. und 30. in die Dörffer schleichen /

[3]

und / was sie alldorten bey den armen Leuten noch antreffen könten / mitneh=
men
thäten.

Auß Pohlen vom 30. April. Daß jüngstens von der Königl. Hof=
statt
zu Brzee ein Abgeschickter zu Warschau mitgebracht habe / wie nemb=
lich
eine grosse Moscowitische Macht mit ehestem allda zu stehen kommen
werde / von dero 6000. Mann würcklich bey Grodno vorbeygegangen; und
wolten Jhre Czaarische Majestät ehestens in Litthauen sich einfinden. Von
Opotaw gienge der Ruff / daß alldorten 7. Pohlnische Fahnen des Castel=
lans
von Poluniez von denen Schweden des Nachts umbringt und theils
verbrennt / theils sonsten niedergemacht worden; hingegen hätten des Ogins=
ky
Truppen eine Schwedische Parthey zu Pferd / so von denen Churländi=
schen
Gräntzen nacher Samogithien gehen / und allda Contribution eintrei=
ben
sollen / angetroffen / und sie auch also bezahlet / daß wenig darvon kom=
men
. Jhre Majest. der König von Schweden befinde sich noch zu Rawitz / all
wo jüngsten ein Theil vom Magazin eingefallen / und etliche Leuth erschla=
gen
/ der Neu=Erwählte aber zu Reusch; der Herr General Steinbock solle
zu Elbingen kranck ligen.

Auß Rom vom 18. April. Daß die heilige Oster=Fest von Jhrer Hei=
ligkeit
mit aller Andacht eyfferichst begangen worden. Auß Neapoli reiseten
sehr viele Frantzösische Officiers durch Rom zu dem Gran Prior di Vendôme,
denen die Soldaten über Meer folgen solten. Zu Neptuno wären die Nea=
politanische
Galeeren mit Volck nach Lombardien seeglend a⟨n⟩kommen: wel=
che
zu sehen / der Cardinal Janson von Albano abgegangen. Man solle vie=
le
Frantzösische Uberlauffer / wie vorgegeben wird / zusammen gebracht haben
welche zu Civita Vecchia eingeschifft werden. Ein jüngst angelangt= Fran=
tzösischer
Officier, Nahmens Fourbin, und ein Verwandter des Cardinals
dieses Nahmens / solle diß Jahr 5. Schiff in dem Adriatischen Meer com-
mandiren. Der Kayserliche Herr Bottschaffter habe sich Gesundheits hal=
ber
auffs Land begeben. Der Cardinal Legar zu Ferrara habe dem Kayser=
lichen
Commendanten wegen scharpff=gehaltener Disciplin an seinen unterha=
benden
Truppen / weil diese nichts unfügliches verübet / höflichen Danck ab=
statten
lassen / da hingegen die Frantzösische Soldaten allen Muthwillen ge=
trieben
.

Auß Venedig vom 28. April. Daß der Hr. Gen. Batté sich noch mit 300.
Kayserlichen Pferden zu Boara in dem Polesinischen an der Etsch auffhielte:
allein das Land=Volck alldort stünde in Waffen / dahin 3. Compagnien zu
Pferd auß Rouigo der alldasige Venetianische Befelchshaber abgehen las=
sen
. Selbigen Lands Jnwohner hätten den 17. dito von dem Fluß Gar=
zon
die Frantzosen abgetrieben / und die Brucken / so diese allda gebauet / abge=
worffen
. Zu Palazuolo an dem Oglio verschantzten sie sich sehr / wie dann

[4]

alles eben gemacht / und die Wercker außgemauret werden solten. Gegen
ob=bemeldtem Polesella streifften immer Kayserliche Partheyen; diese hätten
ein Schiff auff dem , worauff der Abbate Boselli nebst 4. vornehmen Fran=
tzösischen
Officiers gewesen / abfahren gesehen / und bey Außsteigung bemeld=
te
Reysende auffgehoben. Die Frantzosen thäten 3. Meylen disseits der
Brucken di Lago Scuro biß jenseits dal Bondeno ligen.

Auß Genua vom 20. April. Daß allda die Felucca, welche der nach
Pariß gehende Capitan Gio Battista Germano nach Toulon überbracht / wie=
der
in 3. Tagen zuruck eingeloffen / mit Bericht / daß 7. Frantzösische Kriegs=
Schiff auß erst gemeldtem Port zwar auß: aber auff erhaltene Kundschafft
von der Engel= und Holländischen Flotta / wieder in selben Hafen eingesee=
gelt
; Bey der Jnsul d'Eres habe gedachte Felucca das Schiff S. Giovanni
Battista, so mit vielen Baarschafften für dasige Republica kommen solte / hin=
terlassen
/ weil selbes von 4. Englischen zu Livorno vorhin gewesenen / und
jetzo in dem Meer=Busem d'Alberga ankehrenden Schiffen gewahrnet wor=
den
/ worüber die jenige / so bey solchen Baarschafften Antheil haben / sehr
in Sorgen stünden. Der Herr General Montecuculi, welcher sich allda be=
finde
/ unterrede sich immer mit den Kayserl. und Englischen Herren Gesand=
ten
. Einige auß Livorno in drey Tagen eingelangte Fahrzeuge meldeten / daß
der Frantzösische Caper Dehe, welcher dasiger Republique etliche Schiff / nach
jüngst des Lanfranco seines abgenommenen / ohne Mast / und sonst von 2. En=
glischen
Schiffen bey Cadix übel zugerichtet wäre / zu To⟨u⟩lon angelangt. Von
dem letzteren Orth wolle verlauten / daß die Gallionen nacher Jndien
nicht außlauffen dörfften. Der Admiral Lacke hätte nebst 1000. Mann nach
des Pointy Unglück / viel Mund= und Kriegs=Vorrath zu Gibraltar außge=
schiffet
/ mit dem Beysatz / daß die Portugesen Marvan, so die Frantzosen
voriges Jahr eingenommen / ihnen anjetzo wieder abgenommen haben sollen.
Ubrigens wolle bestättiget werden / daß die Stadt Nizza und Villa Franca
zwar über / das Cittadell von Nizza aber mit 40. Canonen und 20. Mör=
sern
scharff beschossen werde: die Frantzosen hätten von 8. Schiffen Lebens=
Mittel und anders nebst 1000. Mann ins Lager empfangen. Die Camisards
liessen sich wieder starck verspühren / dahero der Feuillade 2. Regimenter nach
Languedoc schicken müsse. So wären bereits 4. Englische Schiff mit denen
Corsarn von Oneglia nächst selbigen Küsten / umb 200. Soldaten in Nizza zu
werffen / weil die Stadt aber in der Frantzosen Gewalt / als wollen jene ihre
Kauffardey=Schiff nach Capocorso begleiten.

Auß Mayland vom 22. April. Daß viel 1000. Mann von dar und in
Sicherheit geflohen / weilen man alles zu Kriegs=Dienst zwingen wollen;
wormit kund gemacht worden / daß man fürohin nicht mit Gewalt / sondern
freywillig werben solle. Der Vendôme habe 4. Regimenter auß Piemont

[5]

gegen Mirandola beordret: der Duc de Tursis verlange einige Verdammte
auff die Galeeren / weil aber alle zu Soldaten gemacht worden / werde man
ihn darmit nicht versehen können. Der Span. General Las Torres seye nebst
anderen Officiers zu Mayland von Verua angelanget: am letzteren Orth
seye man grosse Gräben zu machen beschäfftiget / worinn die Toden begraben
werden / umb den unleydentlichen Gestanck zu vertreiben; die Schantz= Ar=
beiter
sollen gegen Gieradada selbe Linien zu verfertigen / abgegangen seyn.
man hätte Vercelli zu schlaiffen den Anfeng gemacht / welches auch zu Verua
geschehen solle / allwo indessen 300. Mann zu Fuß zur Besatzung ligeten;
die übrige Truppen rasteten noch auß / zu denen auß Franckreich täglich Volck
über Pignarol / welchen Orth der Feind bevestigen wolle / anlangete. Der
Hertzog von Mantua / so diese Campagne, gleichwie vor einem Jahr / als Ge-
neralissimus beeder Cronen Arméen schrifftlich commandiren solle / hätte ei=
nen
Vorschlag / Turin zu belageren / wie dann hierzu der berühmte Ingenieur
Vauban in Jtalien erwartet würde. Der Vendôme wäre zu Cassale. Jn=
dessen
durchstreifften die Kayserl. das Montferat mit guten Beuthen.

Auß Brescia vom 23. April. Daß beede Herren Gebrüder di Vendô-
me, nebst dem Gubernator von Mayland alldorten zum Kriegs=Rath er=
wartet
würden. Der Herr General Langalerie habe anzeigen lassen / daß
es ihme an Futterey mangelte. Es sollen 6000. Frantzosen noch in selbiger
Provintz bleiben / hingegen sollen die Kayserliche durch Val di Sabbia im An=
zug
nach Gavardo begriffen seyn / und wären 6. Cuirassier-Compagnien nach
bemeldtem Brescia geschicket worden.

Auß Spanien vom 9. April. Daß zu Madrit eine grosse Summa von
dem auß America nacher Cadix gebrachten Geld ankommen seye / mit der
Nachricht / daß der Pointy von Marbella nacher Mallaga, umb allda curirt
zu werden / sich führen lassen. Jn Spanien seye wegen des unglücklichen
See=Streichs und Auffhebung der Belagerung Gibraltar / wie auch An=
marschirung
deren Alliirten unter denen Frantzösisch=Gesinnten grosse Ver=
stellung
/ und thäten sich dieselbe wegen Anländung sehr förchten.

Auß Engelland vom 21. April. Daß man zu Londen / ohnerachtet man
wegen des Admiral Lake glücklichen Streich und Ankunfft zu Gibraltar / von
Lisabon / wohin abermahlen 5. Kriegs=Schiffe den 18. dieses von Helena abge=
seegelt
/ keine eigentliche Nachricht erhalten / grosses Freuden=Fest gehalten /
die Stuck gelöset / die Glocken gelaütet / die Standarten außgesteckt mithin
alle erdenckliche Freuden bezeuget habe; und über das beschlossen worden /
die grosse Flotta, welche nunmehro schier fertig mit noch 10. Kriegs=Schiffen
zu vermehren / umb dem Feind mit selbiger überlegen zu seyn. Der Venetia=
nische
Gesandte Mr. Mocenigo, welcher seine Abschieds=Audienz jüngstens
gehabt / und von Jhrer Majestät mit dem Ritters=Titul / und deme zu folg

[6]

⟨m⟩i⟨t⟩ einem kostbahren Degen beschenckt worden / mache sich reißfertig wieder
⟨v⟩on dannen abzugehen. Das Parlament seye nun voneinander geschieden /
und s⟨o⟩lle mit nächstem wieder ein anders beruffen werden; man muthmasse /
daß das Paquet=Bott wegen der See=Schlacht abermahlen / wie vor einem
Jahr geschehen / von den Frantzosen auffgefangen seyn müste.

Auß dem Haag vom 28. April. Daß der Milord Duc de Marlboroug,
weilen der von Jhme nacher Engelland mit dem abgefassten Schluß wegen
vorhabender Campagne abgeschickte Currier alldorten wieder angekommen /
nunmehro seine Bagage nach dem Reich abgeschickt habe / des Willens / mit
ehestem dahin zu folgen / zu dem Ende alle Dähn= Lüneburg= und Hessische
Truppen nach der Mosel ihren Marsch zu beschleunigen beordret worden;
so habe man auch an alle fertig stehende Kriegs=Schiff / von der ersten Linie /
den Befehl ergehen lassen / ohnverzüglich in See zu lauffen.

Vom Nider=Rhein=Strohm vom 30. April. Daß die jüngst zu Cölln
angelangte mit allerhand Proviant und Munition beladene Schiff den 29. die=
ses
nacher Coblentz in Begleitung einer starcken Mannschafft abgefahren / und
erwarte man zu gedachtem Cölln täglich noch 30. dergleichen Schiffe mit Ge=
schütz
und andern Kriegs=Geräthschafften / welche auß Holland alldorten an=
kommen
sollen.

Von dem Mosel=Strohm vom 27. April. Daß jüngstens Mr. Rhein
Obrister von der Vestung Ehrenbreitstein zu Coblentz / allwo man auff dasiger
fliegenden Brucken ein verdächtige Manns=Persohn / so sich in Weibs= Kley=
dern
auß der Stadt practiciret an Händ und Füß geschlossen gefangen einge=
bracht
/ gestorben. Zu Trier und in der Nachbarschafft langten täglich Re=
gimenter
zu Fuß und Pferd an / auch wären den 25. dieses die Herren Gene=
ralen
Ochsenstein und Erbach benebens vielen andern Officieren alldorten an=
gekommen
/ und seye man anjetzo beschäfftiget die blecherne Pontons gegen die
Contzer=Bruck hinauff zu führen und die Stücke auff denen Werckern an den
Linien zu pflantzen. Der Duc de Villars seye unverrichter Sach mit Verlust
ohngefehr 100. Tod= und Blessirten / wie auch über 400. Mann / so durchgan=
gen
/ zwischen Saarlouis und Metz wieder angekommen / gantz mißver=
gnügt
über den Schwedischen Herrn Grafen von Ochsenstern zu Zweybruck /
umb willen er ihme Villars die im Schloß gebliebene krancke Soldaten nicht ab=
folgen
lassen / vermeldend / daß er keine Soldaten von dem Römischen Reich
an die Frantzosen zu verschencken Macht hätte. Die Frantzosen machten noch
allerhand Marschen; wie dann erst kürtzlich wieder 2. Regimenter zu Fuß und
1. zu Pferd von Diedenhofen nacher Bassendorff / allwo ein fliegendes Lager
unter dem Mr. de Curcelle stehe / abgegangen; und hätten sie ein gantzes Spa=
nisches
Regiment zu Pferd von Arlon ins Niderland zuruckgeschickt / umb re-croutiren zu lassen / weilen alle die Pferde davon crepiret / und viele Mann

[7]

schafft durchgegangen. So wären auch alle die Truppen welche jüngstens
hinter Marché gestanden wieder nacher Niderland / auff Ordre des Churfür=
sten
auß Bayern / der kürtzlich mit seinem Herrn Brudern dem Churfürsten
von Cölln und Villeroy zu Namur gewesen / zu marschiren beordret.

Von dem Obern=Rhein=Strohm vom 2. May. Daß der Herr General
von Thüngen zu Philippsburg wieder angelangt / und erwarte man mit ehi=
stem
Jhrer Hochfürstl. Durchl. des Käyserl. General=Lieutenants Hrn. Lud=
wig
Marg=Grafen zu Baaden / umb der Campagne am Obern=Rhein einen
Anfang zu machen / immassen alle Truppen im Marsch begriffen / und ein zim=
liches
Corpo daselbsten beyeinander stehen solle. Die Frantzosen machten sich
wegen dieses so frühen Feldzugs grosses Nachdencken / und thäten sich im El=
saß
sehr förchten wegen deren Alliirten grossen Anstalten.

Auß der Schweitz vom 28. April. Daß man alldorten Nachricht habe /
als wäre der König in Franckreich mit der Entschuldigung des Pointy und
des Maréchal de Thessé nicht allerdings zufrieden / indem der Erstere dem
Letzteren / jener aber des Duc d'Anjou seinem Befehl alle Schuld zugeschrie=
ben
/ daß von 17. Kriegs=Schiffen nur 8. zuruck kommen / und die Belagerung
vor Gibraltar mit Hinterlassung vieles Geschützes / und Verlust so vieler
Millionen Gelds / wie auch etlicher 1000. Soldaten auffgehoben werden
müssen; über dieses gebe gedachter Thessé vor / daß der Villadarias auch
grosse Ursach daran seye / mit dem Trost / daß er indessen den Mr. de Thoui mit
5000. Mann an dem Eingang des Gebürgs stehen lassen / umb die Garni=
son
zu Gibraltar von dem Heraußstreiffen abzuhalten / benebens der Ersu=
chung
/ doch ohne Verzug etlich und 20000. Mann auß Franckreich in Spa=
nien
zu senden / um⟨b⟩ denen Alliirten gewachsen zu seyn / widrigen Falls eine
unglückliche Campagne alldorten zu beförchten seye / indeme das Spanische
Volck gar schlechten Lust zum Krieg hätte / und alles sehr schwürig worden /
weilen kundbar / daß der Duc d'Anjou an statt des vorgegebenen Chocco-
late in denen jüngst nach Franckreich überschickten 300. Kästlein allen Schatz
und Geschmuck von der Cron Spanien dahin gesendet habe. Weßwegen
der Duc de Feuillade Ordre haben solle / das Schloß Nizza bloquirt zu halten /
und / so bald möglich / etlich 1000. Mann nacher Spanien zu senden / wie dann
auch der Graf von Thoulose auffs längst umb Mitten des May mit der
Flotta dahin seeglen solle / umb das beförchtende Anländen deren Alliirten
in Catalonien zu verhindern / immassen man deßwegen zu Pariß sowohl / als
zu Madrit bekümmert seye.

Auß Dennemarck vom 20. April. Daß von Holland die Handlung
nach Franckreich wieder eröffnet worden / mache unter dasigen Handels=
Leuthen grosse Verstellung / massen durch dieses die Nordische Handlungen
etwas nedergelegt. Auß Schweden habe man Nachricht / daß nunmehro

[8]

die überschiffende Mannschafft zu Roß und Fuß sambt denen Recruten
zum Auffbruch fertig seye / umb nach denen angewiesenen Seehäfen sich zu=
begeben
; allein es bezeuge dieselbe schlechten Lust auß dem Reich in ein Land
zu gehen / da ihre Vätter / Brüder und Cammeraden in viel 1000. Mann
innerhalb 3. Jahren umbkommen / auch sich einbilden / daß es ihnen nicht
besser ergehen / und schwerlich wieder zuruck kommen werden.

Auß Braunschweig vom 26. April. Daß daselbsten in einer kurtzen
Zeit unterschiedliche Unfälle sich erreichet: indeme ein Zimmer Gesell zu todt
sich gefallen / ein Student hingegen auß Verzweifflung mit umbgehabten De=
gen
und Mantel sich versäuffet / und ein Soldaten=Müllner / umb willen er
gefänglich eingezogen / daß man so viel Sand im Commiss-Mehl gefunden /
in der Gefängnuß / sich in die Kehl geschnitten / aber von dem Regiments=
Feldscherer die durchgeschnittene Kehl so künstlich angenähet / und der Müll=
ner
an dieser dergestalt curirt worden / daß er in kurtzem mit selbiger ge=
henckt
werden könne.

Hohe Geburt.

Den 2. May hat des (Titl) Herrn Frantz Georg Engel von und zu Wagrain /
Freyherrn / Herrn deren Herrschafften Seisenburg / Pöttenbach / Millbach und Velß /
der Römisch Käyserl. Majestät würcklichen Cammerern / Rath und Ni. Oe. Land=Rechts=
Beysitzern / Frau Gemahlin / (Titl) Frau Anna Margaretha / gebohrne und vermählte
Englin von Wagrain / Freyin / einen jungen Herrn glücklich zur Welt gebracht / welcher
den 6ten dito getaufft / und ihme die Nahmen Francis⟨c⟩us Carolus Julius Sigismundus ge=
geben
worden. Dessen hohe Pathen waren gewesen (Titl) Herr Carl Maximilian des H.
Römis. Reichs Graf von Thurn und Valesasina & c. der Römis. Kayserl. Majest. Camme=
rer
/ würcklicher geheimer Rath / und Jhrer Majest. der Verwittibten Kayserin Obrister= Hof=
meister
(Titl) Herr Julius Fridericus des Heil. Römis. Reichs Graf Buceleni & c. der =
mis
. Käyserl. Majest. Cammerer / geheimer und Conferenz-Rath / wie auch Obrister= ge=
heimer
Hof=Cantzler. (Titl) Herr Frantz Ludwig Herr zu Polhaimb und Wartenburg /
Freyherr / der Römis. Käyserl. Majest. Cammerer und Ni. Oe. Land=Rechts=Beysitzer /
sambt dessen Frau Gemahlin (Titl) Frauen Sophia Elisabetha Theresia, einer gebohrnen
Englin von Wagrair / Freyin.

Hohe Vermählung.

Den 4. May wurde allhier vermählet (Titl) Herr Johann Leopold des Heil. =
mis
. Reichs Graf von Herberstein / Freyherr auff Neuberg und Guetenhaag / Herr auff
Lanckowitz / Wangen / Metzdorff / Groß=Priesse / Bockschütz / Schnelldorff und Hartlieb;
Erb=Cammerer und Erb=Truckses in Cärnten; der Römis. Käys. Majestät Cammerer und
würcklicher geheimer Rath ꝛc. wie auch Hof=Cammer=Rath in Schelsien / Wittiber / mit
der Fräule Maria Rosalia (Titl) Herrn Johann Quintin Jörger / des Heil. R. Reichs
Grafen von Tollet ꝛc. Weyland Rittern des guldenen Fluß / Käyserl. Cammerern / würck=
lichen
geheimen und Conferenz-Rath / wie auch Statthaltern des Regi ments der Ni.
Oe. / Landen und (Titl) Frauen Mariæ Rosaliæ / einer gebohrnen Gräfin von Losenstein /
beeder hochseeligen Andenckens / hinterlassenen Fräule Tochter.

[9]

Hoher Tods=Fall.

Den 6. May verschiede allhier in dem 9. Monath des Alters Fräule Anna Leopoldi=
na
/ zu grossem Leyd=Weesen ihres Herrn Vatters (Titl) Herrn Johann Wolffgang
Grafen von Franckenberg und Ludwigsdorff / der Römis. Käyserl. Majest. Cammerern /
geheimen Rath / und Vice-Cantzlern des Königreichs Böheim.

Ankunfft deren hohen und niedrigen Stands=Persohnen.

Den 6. May 1705.

  • Cärnter=Thor. Herr Johannes Saponny,
    kombt von Rom / logirt beym Herrn Gra=
    fen
    von Welß an der Pastey.

Den 7. dito.

  • Rothen=Thurn. Herr Johann Gregori von
    Thalberg / Hr. Joseph von Zergollern und
    Herr Simon Gionima, kommen von Läy=
    bach
    / logiren im wilden Mann.
  • Cärnter=Thor. Herr Haubtman Hoffer /
    kombt von Preßburg / geht zum Herrn
    General Heyster.
  • Herr Graf Wündischgrätz / kombt von sei=
    nem
    Gut / logirt in seinem Hauß.

Abreyß deren hohen und niederen Standts=Personen.

Den 6. May 1705.

  • Herr von Wetzstein Hof=Kriegs=Rath=Secre-
    tarius, nach Burckersdorff.
  • Herr Graf Souches, nach Langen= Entzers=
    dorff
    .
  • Herr Johann Polange, Currier / nach Lan=
    gen
    =Entzersdorff.
  • Herr Anton Montagne, nach Burckersdorff.
  • Ein Venetianischer Currier / nach Venedig.
  • Ein Chur=Phältzis. Currier / nach Düsseldorff.
  • Herr Georg Meeckl / Stadt=Schreiber zu
    Steyer / nach Steyer.
  • Herr Gö⟨ss⟩inger / nach der Armee in Ungarn.
  • Den 7. dito.

Den 8. dito.

  • Herr Ober Kriegs=Commissarius von Löbenau /
    nach Bayern.
  • Herr Hasselman Currier / nach dem Haag.

Lista aller Verehlichten in= und vor der Stadt.

Den 3. April 1705.

  • Caspar Schneider / ein Reut=Knecht / mit
    Maria Thomin.
  • Johann Kapler / ein Taffeldecker / mit Ma=
    ria
    Elisabeth Geyerin.
  • Georg Anton Schells / ein Käßstecher / mit
    Sabina Barbara Ströblin.
  • Georg Stampel / ein Nadler / mit Cathari=
    na
    Fuchsin.
  • Severin Leonhard / ein Schuester / mit Su=
    sanna
    Rosina Rebhandlin.
  • Georg Langbauer / ein Holtzleger / mit Eli=
    sabeth
    Hoffmanin.
  • Herr Caspar Römer / Kayserl. Reichs=Hof=
    Raths=Actuarius, mit Frauen Maria Lei=
    nixin
    Wittib.
  • Johann Schrotz / ein Bier=Abtrager / mit Herr Anton Joseph Veigl / ein Feldscherer /
    Juliana Eßlin.
  • Georg Letner/ein Häring=Niderlags=Knecht /
    mit Maria Auerin.
  • Georg Treffler / ein Obstler / mit Margare=
    tha
    Feiglin.
  • Hanß Georg Leibnfrost / ein Jäger mit Eli=
    sabeth
    Mayrhofferin.
  • Veit Hueber / ein ⟨H⟩auer / mit Regina Fel=
    lingerin
    .
  • Herr Johann Kellner / Wittiber / mit Jung=
    frau
    Barbara Felberin.
  • Herr Jacob Zapff / Burgerl. Handelsman /
    Wittiber / mit Jungfrau Maria Josepha
    Judith Oberbeyerin.
  • Friderich ⟨Le⟩r / ein Fuehr⟨= / mit Eva
    Renauerin.
  • Samuel Leblanc / Königl. Chien. Courrant-
    Jäger / mit Maria Polixena Francisca
    Käpplin.
  • Herr Anton Joseph Veigl / ein Feldscherer /
    mit Anna Maria Landspergerin Wittib.
  • Fridrich Kern / ein Guardi Soldat / mit An=
    na
    Maria Wagnerin.
[10]
  • Simon Ruthnick / ein Guardi. Soldat / mit
    Maria Magdalena Tiedlin.
  • Frantz Anton Bomer / ein Kauffmans= Die=
    ner
    / mit Theresia Broxmayrin.
  • Johann Georg Bendl / ein Schuester Wit=
    tiber
    / mit Barbara Fuxin Wittib.

Den 4. dito.

  • Adam Heyfelder / ein Tischler / mit Maria
    Barbara Wincklerin.
  • Johann Georg Heintz / ein Herrn=Diener /
    mit Theresia Heorschin.

Den 5. dito.

  • Johann Sculden, Königl. Trabant / mit
    Margareth Strenbergerin.
  • Joseph Joachim Hochleuthner / Burgerl.
    Schnurmacher / mit Maria Theresia Tren=
    gerin
    .
  • Johann Ulrich Widman / ein Träxler / mit
    Maria Anna Gräfin.

Lista aller Verstorbenen in und vor der Stadt.

Den 6. May 1705. starb

  • Dem Andre Bogner / einem Hos=Befreyten
    Tischler im Fellauer. Hauß im Tieffen Gra=
    ben
    / sein Weib Anna / alt 28. Jahr.
  • Georg Hädter / ein Mauer=Gesell im Häckli=
    schen
    Hauß am Neuenmarckt / alt 68. J.
  • Dem Jacob Bruner / einem Königl. Tra=
    banten
    beym schwartzen Rößl am Spitl=
    berg
    / sein. Kind Anna / alt 1. Jahr.
  • Martin Reyser / ein Schreiber im Sperl=
    Würths Hauß bey St. Ulrich / alt 31. J.
  • Dem Thoma Paxfriderich / einem Progat=
    macher
    beyn 3. Rosen in der Leopold=
    Stadt / sein Kind Martin / alt 3. Viertl
    Jahr.
  • Dem Christian Strobl / einem Rumor= Sol=
    daten
    beym rothen Rößl am Neustifft /
    sein. Kind Maria / alt 5. Jahr.

Den 7. dito.

  • Dem Herrn Johann Colperth / einem Ritt=
    meister
    / beym schaben Rößl am Rothen=
    Thurn / sein Kind Frantz / alt 1. Jahr.
  • Dem Jacob Aigenbauer / einem Burgerl.
    Leinwathhandler im Porischen Hauß un=
    tern
    Tuchladen / sein Kind Anna / alt 1.
    Viertl Jahr.
  • Marian Pfeiffer / ein Taffeldecker / im Mon=
    tecuculischen
    Hauß in der Obern Schen=
    ckenstraß
    / alt 55. Jahr.
  • Der Frau Maria Elisabeth von Pentz / Wit=
    tib
    im Oellerischen Hauß in der Leopold=
    Stadt / ihr Söhnl Johann Carl Petecker /
    alt 7. Jahr.
  • Dem Johann Goldman / Kayserl. Hätschier=
    Trompeter in seinem Hauß auff der Land=
  • straß / sein Tochter Anna / alt 17. Jahr.
  • Dem Abraham Essenauer / einem Burger
    in seinem Hauß in der Unger=Gassen / sein
    Kind Eva / alt 2. Jahr.
  • Dem Matthias Auger / einem Tagwercker
    im Goldschmidischen Hauß am Neubau /
    sein Weib Justina / alt 45. Jahr.

Den 8. dito.

  • Jungfrau Maria Regina Langin / im Traut=
    sohnischen
    Hauß in der Obern= Schencken=
    straß
    / alt 55. Jahr.
  • Dem Simon Nistler / Burgl. Schuhmacher
    in seinem Hauß im Schulter=Gäßl / sein
    Kind Theresia / alt 2. Jahr.
  • Balthasar Letsch / ein Schreiber im Daübl
    Hof in der Anna Gassen / alt 39. Jahr.
  • Johann Däungl / ein Mauer=Gesell im
    Reschgallischen Hauß im Pallgäßl / alt
    44. Jahr.
  • Johann Bayer / Kayserl. Zeug=Schreiber
    zu Caschau / beym weissen Rößl in der Leo=
    pold
    =Stadt / alt 32. Jahr.
  • Dem Philipp Schlöglhoffer / einem Kayserl.
    Reut=Knecht im Rablischen Hauß untern
    Weißgärbern / sein Kind Lorentz / alt 6.
    Viertl Jahr.
  • Ruprech Ambslgraber / Guardi Soldat /
    beyn 3 Pommerantzen am Neustifft / alt
    42. Jahr.
  • Dem Nicola Hädl / einem Schuhmacher
    beyn 3. Hüten bey St. Ulrich / sein Weib
    Catharina / alt 67. Jahr.
  • Michael Zanner / ein Bier=Abtrager beym
    guldenen Stiffel in der Leopold=Stadt /
    alt 44. Jahr.
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