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Wiennerisches DIARIUM

Nr. 223, 19.–22. September 1705

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[1]

Wienn / vom 19. biß 22. Septemb. 1705.

SAmbstag den 19. Septemb. Heute seynd Jhre Hochfürstl. Durchl.
⟨de⟩s Königl. Po⟨h⟩lnischen Printzen Jacobi Frau Gemahlin / Jhrer Ma=
j⟨e⟩stät
der verwittibten Kayserin Frau Schwester wieder dahier a⟨n⟩=
gelangt
/ und/wie man vernimbt / werde dero Herr Gemahl sambt dessen
Herrn Bruder / in Begleitung des Herrn Grafen von Wratislau / auß
Sachsen nacher Grätz sich ehestens verfügen.

Dito ⟨s⟩eynd Jhre Hochfürstl.Gnaden / der Herr Bischoff zu Wienn / von
der fürwährenden Coadjutorie-Wahl auß Saltzburg wieder dahier ange=
kommen
/ umb der ⟨in⟩tehenden Ertz=Hertzoglichen Erb=Huldigung allhier
beyzuwohnen / und sich sodann wieder dahin zu begeben.

Eodem hat bey einer Hochlöbl. Ni. Oe. Regierung (Titl) Herr Carl
Ernst Graf und Herr von Rappach ꝛc. als Erb=Stabelmeister / Herr Georg
Andre Graf von Volckra aber / als Erb=Falckenmeister die gewöhnliche Le=
hen
empfangen / und Herr Adam Anton Grundeman von Falckenberg / als
von Jhro Kayserl. Majest. allergnädigst bestättigter Land=Unter=Marschall
den Eyd wieder abg legt.

So haben auch heut⟨e⟩ bey hochgedachter Regierung Herr Carl Joseph
Loyselly / als bestättigter Kayserl. Rath und hi⟨e⟩siger Stadt Anwalt: Herr
Daniel Tepser aber / als Kayserl. Rath und der Stadt Wienn regirender
Burgermeister / und Herr Johann Frantz Wenighofer / als Kayserl. Stadt=
und Land=Richter / sodann der gesambte innere Stadt=Rath mit dem Stadt=
und Land=G⟨e⟩richt / wie auch ausseren Stad=Rath den Eyd wieder abgelegt /
und nach dem eine sambtlich Burgerichafft in dem Rath Hauß in Gegenwart
des Herrn Vice-Statthaltern (Titl) Herrn Johann J⟨a⟩cob Freyherrn von
Kriechbaum / ꝛc. nach einer von ihme und dem Herrn Regiments= Cantz=
lern
/ (Titl.) Herrn Georg Friderich von Sch⟨i⟩ck / gethaner zierlichen Anrede,
auffs neue wieder angelobet.

[2]

Sonntag den 20. dito. Heute ist Herr Emericus Na⟨d⟩asty / Officier
des Ertz=Bischoffen von Colozza / auß Ungarn von dem Rakoczy dahier an=
gelangt
/ und hat vor die beede Herren Extraordinari-Abgesandle / Jhrer
Groß=Britannischen Maj⟨est⟩. wie auch deren Hochmögenden Herren Gene=
ral
=Staaten / Herrn Grafen von Sunderland / und Freyherrn von Rech=
tern
Almelo die verlangte Paß Port / umb sicher nacher Ungarn zu ge=
dachtem
Rakoczy zu reysen / und mit denen Rebellen wegen des Friedens=
Werck alles Nöthiges abhandlen zu können / mitgebracht.

Montag den 21. dito. Nachdeme heute fruhe von hier beede Kay=
serl
. Cammer=Herren / als (Titl) Herr Carl Ernst Graf und Herr von
Rappach ꝛc.und (Titl) Herr Johann Carl Frey= und Herr von Geymann mit
einem Credenz-Schreiben nacher Closter=Neuburg zu dem dasigen Herrn Præ-
laten Ord. Can. Regul. S. Aug. zu Abhohlung des allda in Verwahrung auffbe=
haltenen
kostbahren Ertz=Hertzog=Hütls Wehland Kaysers Maximiliani, Glor=
würdigsten
Angedenckens / abge chickt worden / als seynd sie des Abends mit
demselben in folgender Ordnung dahier ankommen. Erstlich kame des Herrn
Baron Geyman seine Kutsch mit 6. Pferden lär / andertens des Herrn Gra=
fen
von Rappach seine auch mit 6. Pferden / drittens fuhre Jhrer Kay=
serl
. Majest. Leopoldi I. höchstseeligster Gedächtnuß / gewesener roth= sam=
meter
Leib=Wagen / worinnen obenan die hochgedachte Herren Commissa-
rii, unten aber der Closter=Neuburgische Dechant Herr Ernst Perger / weilen
dessen Herr Prælat, Schwachheit halber / selber nicht mitfahren können / ge=
sessen
/ und nebenher giengen 2. Kayserl Leib=Laqueyen; nach dem Wagen aber
ritte einer Löbl. Landschaffts=Registratur-Verwandter / Herr Johann Michael
Spöckhl; vierdtens trugen 2. Maul=Thier die Kayserl. auch rothsammete
Senffte / worinnen auff einem gleichfalls roth sammeten Polster das kost=
bahre
Ertz=Hertzog=Hütl gelegen / neben der Senfften glengen 6. Kayserl.
Leib=Laqueyen / und nach dieser folgten 10. Kayserl. Hartschier / endlich
machte den Schluß die Kutsche des Herrn Prælaten von Closter=Neuburg.

Dito erhielte man auß dem Reich von der unter Commando Jhrer
Hochfürstl. Durchl. des Kayserl. General=Lieutenants / Herrn Ludwigs /
Marggrafens zu Baaden / ꝛc. wie auch auß Jtalien von der unter Comman-
do Jhrer Hochfürstl. Durchl. des Kayserl. General=Feld Marschallen / Prin=
tzens
Eugenii von Savoyen / ꝛc. stehenden Kayserl. Armée hierbey=gehende
Continuation Diarii.

Dienstag den 22. Septemb. Alldieweilen nun zu der Erb=Huldigung
alles veranstaltet worden / als ist diesem nach dieselbe auch heute mit ge=
wöhnlichen
Cæremonien und Solennitäten beschehen / und von denen vier
Löbl. Ni. Oe. Land=Ständen Jhrer jetzt regierenden Kayserl. Majestät /
Josepho Primo, als unserem allergnädigsten Erb=Lands=Fürsten und Herrn /

[3]

in der Kayserl. Ritter=Stuben / nachdeme sie zu Fuß Dieselbe / so auff einem
schönen weissen und kostbahr gezierten Pferd sassen / in die St. Stephans=
Dom⟨= / allwo Jhro Fürstl. Gnaden zu Wienn mit dem Herrn Bi=
schoffen
zu Neustadt und vielen Herren Prælaten mit der Clerisey gestanden /
und von dar nach dem Gottes=Dienst wieder in die Burgg / bey der in Gewehr
stehenden hiesigen Burgerschafft und Soldatesca, wie auch Zuschauung einer
ohnzahlbaren Menge so wohl hoher als nidriger Stands=Persohnen / mit
Vorhergehung deren Erb=Aembtern begleitet / gehuldiget / so dann dieser
solenne Erb=Huldigungs=Actus, welcher ehestens in einer außführlichen
Beschreibung zu haben seyn wird / mit dem Te Deum laudamus in der
Kayserl. Hof=Capell / unter dreymahligem Salve aller deren auff der Pa=
stey
gestandenen Stucken / und von der im Gewehr stehenden Stadt= Gar=
di
/ wie auch gegebenen herrlichen Tractaments an die gesambte Herren
Land=Stände und Erb=Beambte / nicht weniger Springung des rothen
und weissen Weins unter Trompeten= und Paucken=Schall beschlossen wor=
den
.

Dito langte auff Kayserl. Ordre der Herr General und Ban von Croa=
then
Graf Johann Palffi auß Ungarn dahier an / von dannen man unter
andern vernommen / daß die Kayserl. Armée unter dem Herrn General=Feld=
Marschallen Grafen von Herbevill / zu welcher obbemeldten Hrn. Gener. Pal=
fi
Truppen gestossen / noch unweit Ofen bey seiner Abreiß sich befunden hätte.

Eodem ist der Churfürstl. Hannoverische Abgesandte und geheime Rath /
Herr von O⟨b⟩erg nachdeme er jüngstens bey allhiesigem Kayserl. Hof seine
Abschieds=Audienz erhalten / und von Jhrer Kayserl. Majest. mit Dero Bild=
nuß
von kostbayren D⟨i⟩amanten besetzet beschencket worden / von hier wieder zu
seinem hohen Herrn Principalen abgereyset.

Auß Pohlen vom 9. September. Daß man glaube / es werde auff der
Zusammenkunfft zu Warschau die Sach schwerlich so geschwind / als man
sich eingebildet / außgemacht werden; sintemahlen eine Seits der Cardinal
Primas von Dantzig vor allem gerathen / sich ja nicht mit der Leschinskischen
Crönung / als welche ein grosses Ubel / und villeicht gar den Untergang der
Pohlnischen Freyheit nach sich ziehen dörffte / zu übereylen; anderer Seits
die Schwedische Commissarien von der Wieder=Zuruckstellung des Pohlni=
schen
Geschützes und Kirchen=Silbers nichts hören / der Bischoff von Cami=
nieck
aber / obschon die andere Abgeordnete darin gewilliget / nicht abstehen
wolte. Jndessen wäre der Königliche Preussische General Schlippenbach
von dannen nacher Blonie zu seinem König abgereyset / allwo jüngsthin
60. Schweden gegen so viele Sachsen außgewechslet worden. So seye auch
zu Tycko⟨ct⟩in bey der Pohlnischen Hofstatt der Smigielsky mit dem gefan=
genen
Obrist=Wachtmeistern Oxenstirn und seiner Frauen nebst 2. Obrist=

[4]

Lieutenanten / 4. Capitains und anderen Officiers, wie auch vielen Gemeinen
mit 8000. Reichsthalern und anderen Kleynodien wieder angelangt. Der
Mazzep⟨u⟩a wäre nun mit seiner Macht und 80. Stucken im Marsch gegen
⟨T⟩ublin begriffen / und halte gute Ordre, inmassen er 2. Obristen an die Ca=
nonen
schmidten lassen / weilen sie übel mit denen Leuthen verfahren.

Auß Rom vom 5. Decemb. Daß der Cardinal di S. Croce von Luca ei=
ne
Staffetta erhalten / so Brieff an Herrn Grafen Fede von dem Groß=
Hertzog mitgebracht / solche Jhro Heiligkeit zu überlieffern / welche eine
Mittelung wegen der Zwistigkeiten des Päbstl. und Kayserl. Hofs enthal=
ten
sollen. So hätten auch Jhro Heiligkeit einen Currier nach Teutsch=
land
mit Brieffen an Jhre Eminenz, Herrn Cardinalen von Collonitz / wie
auch an Jhro Churfürstlichen Durchleucht zu Pfaltz abgesendet; welcher
Courier gleichfahls dem König in Pohlen einige Brieff überbringen solle. Der
Verstoß wegen bewusten Sbirri wäre beygelegt / und der Cardinal Boves
zur Päbstlichen Audienz gewesen. Weil die Engel= und Holländische Flot=
ta
im Mittländischen Meer erschienen wäre / hätte man an alle an denen
Küsten Commandirende Befelch abgeschickt / umb sichere Nachricht davon
einzusenden. Die Pohlnische Königin habe sich bey Jhro Heiligkeit bedan=
cket
wegen der hohen Bemühung / so diese zu Freygebung ihrer in Sachsen
gefangenen Herren Söhnen bißhero angewendet. Der Savoysche Com-
mendator Vaini seye Todts verblichen / so hatte man auch keine Hoffnung /
daß der Fürst Chigi wieder genesen werde.

Auß Venedig vom 12. Sept. Daß der Engeländis. Consul, und ver=
schidene
Handels=Leuth allda Nachricht hätten / daß die grosse Flotta bey
Barcellona unterm 21. 22. und 23. Augusti glücklich ans Land gesetzet / zu
welchen Trouppen ein zimbliche Anzahl Catalonier gestossen / und bey disen
der Printz Darmstätt schon sich eingefunden hätte.

Auß Turin / vom 2. Sept. Daß / nach der an der Adda von den Kayserl.
erhaltenen Victori, welche / wie vorhin gemeldet / feyerlich alldort begangen
worden / man sehe / daß die Frantzosen in der Still ihre Trouppen an die
Adda nach und nach absenden / welches / nebst denen unter ihnen sehr einge=
rissenen
Kranckheiten verursachte / daß deß Fevillada Armée sehr abnehme /
wie er dann selbst zu seinem Gouverno abgehen / und an dessen Platz der Gran
Prior ein Corpo volante commandiren solte. Die Frantzosen hätten die Stadt
und Schlosse d'Asti verlassen / dahero die Bombardirung dasiger Residentz=
Stadt unterwegs bleiben dörffte; massen auch aller Vorrath auß Crescen-
tin und Civasco nach Casal Montferrato weckgebracht / und Verua zu schleiffen
angefangen worden.

Auß dem Haag vom 11. Septembris. Daß bey der jetzigen Versamb=
lung
deren Herren Staaten von Holl= und West=Frießland / der Savoy=

[5]

sche Gesandte / Marquis del Borgo, abermahlen seines hohen Herrn Prin-
cipalen Angelegenheit auff das ausserste vorgestellet / und umb ein gleiches
bey dem Groß=Britannischen Hof zu thun / seinen Secretarium dahin gesan=
det
habe. Vermög eines von denen Herren General=Staaten gemachten
Schluß / sollen alle an der Maaß in diesem Krieg eroberte Plätz / als Rür=
mont
/ Venlo / Stephans=Wörth und andere Oerther mit neuen vesten Wer=
ckern
vermehret / und mit so starcken Garnisonen versehen werden / damit man
in wenig Stunden eine grosse Mannschafft beysammen haben möge. Uber
das solle auch St. Leewe / St. Tron / Tongern und Hasselt besser bevestiget /
Tielmont aber geschleiffet werden. Auß Catalonien wolle bestättiget wer=
den
/ daß schon ein und anderer Orth sich an ihren rechtmässigen König / Carl
den Dritten / ergeben / und erwarte man auch mit nächstem wegen der Ubergab
Barcellona / weilen die Jnwohner meistentheils sambt der umbligenden Ge=
gend
gut Oesterreichisch / die Nachricht zu bekommen.

Von dem Maaß=Strohm vom 12. Septemb. Daß es scheine / die En=
gelländer
werden mit Hinwegnehmung des Städtlein Lier den Feldzug be=
schliessen
; sintemahlen der Erb=Printz von Hessen=Cassel sambt verschiedenen
Holländischen Generalen sich schon auß dem Feld begeben; wie dann auch
der Herr General Spaar seine Truppen bereits vertheilet / und in die haltba=
re
Oerther verleget. Sonsten habe man in St. Leewe 10 metallene und 10.
eisene Stuck / 2. Mörser / viele Bomben / biß 10000. Granaden / etlich 100.
Tonnen Pulver / 2000. Musqueten / 100. Vässer mit Musqueten=Kuglen / biß
6000. Säck Mehl / 80000. Portionen Heu / und eine grosse Menge Schantz=
Zeug gefunden.

Auß Schwaben vom 14. Sept. Daß noch immer die Werbungen in
Bayrn mit gröstem Eyffer fortgesetzt / und sobald nur einige Mannschafft
beysammen / dieselbe durchs Tyrol nacher Italien zu Jhrer Hoch=Fürstlichen
Durchl. Printzen Eugenii von Savoyen Armée / zu welcher das Dalbonische
Regiment auch schon abmarchirt ist / abgeführt werden.

Auß der Schweitz vom 15. Septemb. Daß die alldasige Strittigkei=
ten
immer ärger zu werden scheineten; und vermög Pariser Brieffen hät=
te
man zwar einige Truppen nacher Catalonien auß Languedoc beordert;
weilen aber die Sevenner sich wiederumb zu bewegen / und allerhand Feind=
seeligkeiten
zu begehen anfiengen / wären sie wieder zuruck beruffen wor=
den
. So solle auch gewiß seyn / daß die Frantzösische Flotta dieses Jahr
nicht au⟨ß⟩lauffen werde; weilen sie nur 60. Schiff starck / und hätte der Ad-
miral Thoulouse Befelch / nur die See=Hafen von Toulon und Marseille
zu bewahren; wie er dann schon an die Küsten biß 100. Stuck pfl⟨a⟩ntzen /
und alle Zugäng mit Volck besetzen lassen / umb das beförchtende Anlän=
den
deren Alliirten zu verwehren; Jnzwischen wäre doch ein den Einwoh=

[6]

nern von Marseille zugehör⟨n⟩es Schiff 100000. Reichs=Thaler werth hin=
weggenommen
worden. Vermög Spanischen Brieffen thäte sich die Oe=
sterreichische
Parthey von Tag zu Tag in Catalonien vergrössern / im=
massen
sich nicht allein verschiedene Oerther ihrem rechtmässigen König
Carl dem Dritten ergeben / sondern es hätten sich auch vile Miquelets zu denen
von Vich gesellet / mithin zu den Alliirten gestossen. Hingegen fahre man
Frantzösischer Seithen forth auffs äusserst die Oesterreichisch Gesinnte zu
verfolgen; wie dann deswegen schon viele Edelleuth in Catalonien gefäug=
lich
eingezogen / zu Cadix aber ein Ritter von St. Jacob Don Francesco
Velasco geköpffet / und ein Schiffmann gehencket worden.

Auß Genua vom 5. September. Daß ein aus Livorno gekommene Fe-
lucca mitgebracht / daß der Capitain Odoard eines Holländis. Schiffs be=
richtet
/ daß erseye allda in 8. Tagen von Barcellona übergeseeglet und all=
zeit
mit der Flotta gangen gewesen / welche zu Gibraltar Volck noch aufge=
setzer
/ und den 21. voriges Monaths hätte Printz Darmstatt mit 6. Fregaten
sich bey Barcellona sehen auch einige Stuck loßbrennen lassen / auff welches
8000. Mann Catalonier mit vielen Lebens=Mitlen erschinen / sich unter sein
Commando begeben und besagter Printz geländet / worauff den 23. selbes
Monaths die völlige grosse Flotta angeseeglet und 8000. Mann aus Land
zu Mongat 6. Meyl von Barcellona gebracht hätte; den 24. dito wäre dem
Capitaine Odoardo von dem Admiral Allemond, so bey dem Englischen Ad-
miral, allwo auch Jhre Catholische Majest. CARL der Dritte sich befindete /
am Port gewesen / nebst einigen Brieffen die Ordre gegeben worden.

Ankunfft aller Hoch= und niedrigen Stands=Personen.

Den 19. September.

  • Cärntner=Thor. Jhro Durchl. des Pohlnis.
    Printz Jacob=Frau Gemahlin / kombt von
    Preßlau geht gleich nacher Hof.

Den 20. dito.

  • Herrn Emericus Nada⟨s⟩dy / kombt vom Ra=
    kotzi
    / logirt im Matschacker Hof.
  • Herr Graf Gleisbach / kombt von Gratz /
    logirt im Dillingeris. Hauß.

Den 21. dito.

  • Herr Baron Hager / kombt von Lintz / logirt
    im Gärberis. Hauß.
  • Herr Graf Philipp von Dietrichstein / kombt
    von Gratz / logirt in seinem Hauß.
  • Herr Graf Gundacker von Dietrichstein /
    kombt von seinem Guth / logirt in seinem
    Hauß.
  • Herr Leopold Kugler / kombt auß Ungarn /
    geht nach Hof.
  • Neu=Thor. Herr Graf Ernst von Rap=
    pach
    / kombt von seinem Gut / logirt in 3.
    Hacken.
  • Stuben=Thor. Herr Baron Ferdinand von
    Rusenstein / kombt von St. Pölten / lo=
    girt
    in der guldenen Aendten.

Den 22. dito.

  • Herr Calcani Neapolitanischer Cavalier,
    kombt von Venedig / logirt in der Kluger=
    Straß.
  • Cärntner=Thor. Herr General Palfi / kombt
    auß Ungarn / logirt bey seinem Herrn
    Brudern.
  • Hr. Stallmeister vom Herrn General Tatten=
    bach
    / kombt von Passau / log. bey der Post..
[7]

Lista aller Getaufften in und vor der Stadt.

Den 12. Septemb. 1705

  • Dem Herrn Johann Carl Hueber und sein.
    Ehew. ihr T. Maria Catharina Josepha.
  • Dem Herrn Hieronymo Schlechtleuthner
    von und zu Wängg und Anna Rosina
    sein. Haußfr. ihr S. Frantz Carl.
  • Dem Herrn Michael Ledergerber und Elisa=
    betha
    sein. Ehew. ihr S. Johann Peter.
  • Dem Herrn Johann Baptist Dissoth und
    Cæcilia Barbara sein. Ehew. ihr T. Eva
    Maria Cæcilia.
  • Dem Johann Perghamer und Ottilia sein.
    Ehew. ihr S. Adam Andre.
  • Dem Mat⟨t⟩hias Dempff und Barbara sein.
    Ehew ihr T. Catharina Elisabetha.
  • Dem Johann Höffer und Maria sein. Ehew.
    ihr S. Matthias.
  • Zwey arme Kinder Susanna Theresia und
    Anna Ursula.
  • Dem Nicolas Geiger und Christina sein.
    Ehew. ihr S. Joseph Lorentz.
  • Dem Adam Oßwald und Sophia sein. Ehew.
    ihr S. Frantz Maria.
  • Dem Johann Andre Asand und Margare=
    tha
    sein. Ehew. ihr S. Johann Joseph.
  • Dem Johann Georg Cammermayr und
    Catharina sein. Ehew. ihr S. Frantz A⟨n⟩=
    toni
    .

Den 13. bito.

  • Dem (Titl.) Hrn Georg Friderich von Schick
    Cantzlern des Regiments deren Ni. Oe.
    Landen dessen Gemahlin und Frauen /
    Frauen Maria Barbara gebohrner von
    Prokoff / dero Söhnl Johann Leopold.
  • Dem Veith Koch und Maria Magda⟨le⟩na
    sein Ehew. ihr S Michael.
  • Dem Georg Lipstein und Regina sein. Ehew.
    ihr S. Thomas Balthasar.
  • Dem Stephan Pepperl und Maria sein.
    Ehew. ihr S. Matthias Philipp.
  • Dem Herrn Matthæo Anton Maindl und
    Anna Catharina sein. Ehew. ihr T. An=
    na
    Theresia.
  • Dem Herrn Johann Ankon Lantz und Fran=
    cisca
    Jsabella sein. Ehew. ihr T. Anna
    Beatrix.
  • Dem Johann Cherdech und Maria Anna
    sein. Ehew. ihr T. Anna Maria.
  • Dem Gotthart Kaißlechner und Catharina
    sein. Ehew. ihr S. Matthias Georg.

Lista aller Verstorbenen in und vor der Stadt.

Den 19. September 1705.

  • Dem Herrn Johann Kandter / Stadt= und
    Land=Gerichts=Advocaten in einem Be-nesiciatischen Hauß in der Himmel=
    Port Gassen / sein Tochter Cordula /
    alt 4. Jahr.
  • Jungfrau Johanna von Hochenwarterin /
    im Madlspergeris. Hauß in der Wol=
    zeil
    / alt 16. Jahr.
  • Dem Leopold Hardl / einem Kayserl.
    Saltzmacher / sein Stieff Kind Maria
    Wincklerin im Teutschen Hauß / alt 6. J.
  • Dem Mathias Viertler / einem Burgerl.
    Handschuemacher in seinem Hauß im
    Huetstepper Gäßl / sein Weib Eva / alt
    55. Jahr.
  • Dem Urban Forstner einem Burgerl. Bin=
    der
    im Werdemanis. Hauß im Schulter=
    Gäßl / sein Weib Eva / alt 48. Jahr.
  • Dem Georg Krieger / einem Pfleger beym
    Wolffen in der Au am Saltzgrieß / sein
    Kind Ferdinand / alt 2. Jahr
  • Sebastian Viertaller / einem Hoff befrey=
    ten
    Vißierschneider im Pfaidleris. Hauß
    im Jacober Gäßl / alt 34. Jahr.
  • Eva N. ein lediges Mensch im Niffis. Hauß
    am Kollmarck / alt 26. Jahr.
  • Wolff Rammer / ein Hauß=Knecht im
    Teufflis. Hauß am alten Fleischmarck /
    alt 33. Jahr.
  • Dem Moritz Christ / ein Quardi Soldat
    im Riemstecklis. Hauß in der Alstergassen /
    sein Kind Kilian / alt 1. Jahr.
  • Dem Wolff Murd / einem Schneider beym
    guldenē Pelican bey S. Ulrich / sein Weib
    Christina / alt 54. Jahr.
  • Dem Mathias Entschman / einem Schue=
[8]
  • macher beym schwartzen Rößl ausser⟨s⟩
    rothen Hof sein Kind Barbara / alt 1. J.
  • Dem Michael Stainecker / einem Zimmer=
    Gesellen beym guldene Adler bey St. Ul=
    rich
    / sein Kind Maria / alt 3. Jahr.
  • Dem Jacob Prosch einem Trager beym
    schwartzen Ochsen in der Leopold=Stadt /
    sein Tochter Maria / alt 14. Jahr.
  • Dem Philipp Janckhelbauer / im Marscho=
    te⟨is⟩
    . Hauß in der Leopold=Stadt / sein
    Kind Andre / alt 4. Jahr.

Den 20 dito

  • Adam Finckher / ein Herren Koch auff der
    Becker Herberg am Saltz=Grieß / alt
    27. Jahr.
  • Primuß Gunff / ein Guardi.Soldat auff
    der Mölckher=Pastey / alt 47. Jahr.
  • Dem Marrin Staüsel / einē Mauerer=Gesellē
    ins Herrn Neübauer Hauß im Nagler=
    Gassel, sein Kind Catharina / alt 1. halb J.
  • Dem Georg Waigel / einem Kayserl. Reüth=
    Knecht beym schwartzen Adler in der Ros=
    sau
    sein Weib Eva / alt 50. Jahr.
  • Frantz Brigandt / ein Schneider Gesell im
    Lidlis. Hauß am Neübau / alt. 28. Jahr.
  • Dem Michael Hoberth / einem Schneider
    im Sperlwürth Hauß bey St. Ulrich / sein
    Kind Christina / alt 5. viertel Jahr.
  • Dem Egydi Schildhauer / einem abgedanck=
    ten
    Soldat im Fuhrmanis Hauß in der
    Alster=Gassen / sein Kind Michael / alt 2. J.
  • Dem Frantz Kinckh / einem Pflasterer Gesel=
    len
    beym guldenen Stern außers rothen
    Hoff / sein Kind Conrad / alt 6. viertel J.
  • Lorentz Wisenbeck / ein Tagwercker im
    Steinleris. Hauß in der Ro⟨ss⟩au / alt 28. J.

Den 21. dito.

  • Jacob Hölb / ein Tagwercker im Olberis.
    Hauß bey St. Stephan / alt 49. Jahr.
  • Balthasar Bayr / ein Burgerl. Bundmacher
    in sein Hauß in der Leopold=Stadt / alt
    66. Jahr.
  • Dem Leonard Roffl / einem Kayserl Reith=
    Knecht im Sadlknechtis. Hauß bey St.
    Ulrich / sein Kind Michael / alt 9. Jahr.
  • Dem Bartholome Hoinb / einem Schwein=
    Beschauer bey der guldenen Weintrauben
    in der Leopold=Stadt / sein Weib Marga=
    retha
    / alt 39. Jahr.
  • Dem Christoph Weiß / einem Guardi= Sol=
    daten
    beym Blumenstock bey Mariahilff /
    sein Kind Maria / alt 9. viert⟨e⟩l Jahr.
  • Dem Antony Weckster / einem Maurer Ge=
    sellen
    beym weissen Löwen in der ⟨Al⟩ster=
    gassen
    / sein Kind Peter / alt 5. viert⟨e⟩l J.
  • Maria Ernstin / ein armes Weib im Mos=
    seris
    . Hauß auff der Landstraß / alt 69 J.

Dem 2. diro.

  • Anna Greiner⟨in⟩ / ein Burgerl. Witib im
    Wiegandtis. Hauß auff der Brandstadt /
    alt 5. Jahr.
  • Thomas Lorentz / ein Handls=Diener im
    Schuesterischen Hauß beym Bischofhoff /
    alt 43. Jahr.
  • Dem Georg Baumgartner / einem Bisco=
    ten
    =Bacher am Grünen Anger, sein
    Weib Maria / alt 50. J.
  • Dem Jacob Franck / ein Strohschneider im
    Schotten=Hof / alt 34. Jahr.
  • Dem Johann Eder / einem Himmeltrager
    bey St Stephan / sein Weib Regina /
    alt 35. Jahr.
  • Simon Schmid / ein Wollschlager im Fe=
    stischen
    Hauß in der Leopoldstadt / alt
    60. Jahr.
  • Johann Früewald / ein Schneider beym
    guldenen Ring bey St. Ulrich alt 36. J.
  • Dem Georg Schweiger / einem Schneider
    im erst bemelten Hauß bey St. Ulrich /
    sein Weib Catharina / alt 50. Jahr.
  • Martin Wolff / ein Schuehmacher beyn 2.
    guldenen Cronen am Neustifft / alt 49. J.
  • Dem Matthias Göbel / einem Mauerer Ge=
    sellen
    / sein Weib Maria / welche vor ge=
    stern
    Nachts beym guldenen Adler auff
    der Widen über ein Boden herunter ge=
    fallen
    / allda vom Kayserl. Stadt=Gericht
    beschaut worden / alt 45. Jahr.
  • Dem Fridrich Hohschmidt / einem Tandler
    beym weissen Stern bey Maria=Hülff /
    sein Kind Judith / alt 1. Jahr.
  • Dem Andre Anger / einem Kuticher im Hue=
    terischen
    Hauß auff der Widen / sein Kind
    Regina / alt 2. Jahr.
[9]

CONTINUATIO
DIARII,

Der unter Commando
Des Kayserl. General=Lieutenants /
Jhrer Hochfürstl. Durchleucht
Herrn Ludwigs /
Marggrafen zu Baaden / N.
Jn dem Reich führenden Campagne.

Auß dem Käyserlichen Feld Lager bey Daundorff / vom 3.
biß 8. Septemb. 1705.

DEn 3. Sept. seynd abermahlen einige Uberläuffer ankommen / deren etwelche auß=
sagen
/ daß heut von der Feindlichen Armée ein Detachement, bestehend in 2000.
Grenadiers und vielen Musquetiers / dann 150. Pferdten von jeder Brigaden Cavallerie
gegen Drussenheimb außgegangen; weilen nun nicht ohnzeitig zu besorgen / daß dises
Feindliche Detachement auff unsere unter Weegs seyende Proviant Fuhren und dabey
befindliche Convoy sein Absehen gerichtet / als haben des Herrn General=Lieutenant
Durchl. disen Abend noch den Käyserl. Obristen Fürsten von Lobkowitz mit 500. Pferdten
und sovil Mann zu Fuß besagter unserer Convoy und Fuhren entgegen geschickt / welche
aber / ohngeacht sie zwischen Sultz und Werth von 113. Schnapphanen angefallen / dise
hingegen von unserer Convoy völlig zerstreuet / 6. davon nidergeschossen / einige blessirt /
und 3. darvon gefänglich eingebracht worden / ohne den geringsten Verlust angelangt;
erwehnter Printz von Lobkowitz hat dise zuruck gekommene Convoy, welche in einem
Rittmeister und 50. Pferdten / dann 80. Mann zu Fuß bestanden / auch an sich gezogen /
und gehet noch weiters unseren erwartenden Proviant=Wägen entgegen / in Hoffnung er
dieselbe auch glücklichen herüber bringen werde.

Den 4 dito lieffe an des General Lieutenants Hochfürstl. Durchl. von dem Fürsten
von Lobkowitz der Bericht ein / daß er heut mit seinen Commandirten bey Werth ange=
langt
/ auch von dannen allbereits auff der Route nacher Sultz begriffen gewesen / habe
aber seinen Marsch biß dahin darumben fortzus⟨e⟩tzen nicht vermögt / weil er in Erfahrung
gebracht / daß der Feind in 4. biß 5000. Mann starck von Cavallerie und Infanterie sich
in selbiger Gegend postirt habe / dahera er sich in das Gebürg zuruckzuziehen / und un=
weit
Catharinenburg in dem so genannten Marienthal zu setzen sich bemüßiget befunden;
Das Bericht=Schreiben / so heut von dem zu Sultz auff dem Schloß commandirenden

[10]

Lieutenant eingeloffen / bestättiget Obiges / wie nemblichen durch das Dorff Sultz ei=
nige
feindliche Cavallerie von ohngefehr 2000. Pferden passirt / welche / umb unsere
Convoy abzuschneiden / alle Passages zwischen dort und Lauterburg besetzet hätten.

Die heut herüber gekommene 14. Uberläuffer sagen auß / bey ihrer Armée thäte man
offentlich reden / das feindliche Detachement seye zu keinem andern End / als unsere
Proviant=Wägen wegzunehmen / außgegangen.

Eodem Abends kame ein Expresser Officier von obgedachtem Fürsten von Lobkowitz
an / mit der Nachricht / das Feindliche Detachement habe sich / nachdeme durch solches
alle der endige Dorffschafften außgeplündert worden / wider zuruck gegen das Lager ge=
gen
/ westwegen er dann seinen Marche über Sultz nacher Lautterburg fortsetze.

Den 5. Dito ist von mehrermeltem Fürsten von Lobkowitz weiter nichts einkommen /
wegen deß Feindlichen Detachements auch nichts fehrers eingeloffen / ausser daß der zu
Hattem commandirende Officier berichtet / es seye unweit selbigem Schlosses im Ruck=
Weeg vorbey marchirt / allwo er solches durch die Seinige chargiren lassen / und verschi=
dene
darvon todt geschossen worden. Heut seynd abermahlen 10. Uberläuffer angelanget /
so aber nichts Merckwürdiges zu sagen gewust.

Den 6. Dito / als heut in der Frühe nicht allein durch unsere außgeschickte Hussaren=
Partheyen / sondern auch unsere Vor=Posten und Feld=Wachten mittels expresser Offi=
ciers
berichtet wurde / daß sich vile Feindliche Trouppen sehen liessen / und es das Ansehen
habe / es müsse deß Feindes völlige Armée seyn / welche ihren Marche ger⟨a⟩d gegen vnserem
Lager zunehme; gaben deß Herrn General=Lieutenant Durchl. Ordre durch 3. Stuck=
Schüß denen daraussen seyenden Fouragiers zu bedeuten / daß sie sich wider ins Lager be=
geben
/ und bey ihren Standarten einfinden sollen; wie nun bald da⟨r⟩auffhin auff der ge=
gegen
unserm Corps de Bataille übergelegenen Anhöhe verschidene Feindliche Trouppen
zeigeten / und von unserer Anhöhe abzunehmen ware / als wann die gesambte Armée im
Anzug begriffen; wurde bey der Unserigen anbefohlen außzurucken / und sich in Schlacht=
Ordnung zu stellen / und weilen man verspührte / daß der erste Angriff auff unseren rechten
Flügel gerichtet seyn dörffte / wurden von deß Herrn General=Lieutenant Durchl. alle Ge=
gen
=Veranstaltungen gemacht / den Feind tapffer zu empfangen / da er aber solches / und
daß man unserseiths zum Fechten bereit / wahrgenommen / machete er halt / thäte bald
darauff 3. Stuck=Schuß / und zoge sich mithin wider zuruck / ohne etwas anders zu un=
ternehmen
/ als daß des Hertzogens zu Hannover Durchl. 58. Zug=Ochsen mit etwelchen
andern auff der Wayde / auch einige Fouragirer und Knecht mit etlich 40. Pferdten durch
die Feindliche Hussaren auffgefangen worden. Hierauff wurde der Herr General Wacht=
meister
Graff Mercy mit der Bereitschafft umb unsere noch außseyende Fouragiers desto
besser zu bedecken / commandirt, von welchen gemelten Fouragirern ein Corporal vom Ca-
stellischen Regiment in denen Weinbergen eine Feindliche Parthey zu Fuß biß 40. Mann
starck angetroffen / der sogleich von denen andern Fouragirern etlich 20. Mann zusamb ge=
bracht
/ selbige absitzen lassen / die Parthey angegriffen / 37. darvon erlegt / und den An=
führer
/ so ein Lieutenant / nebst denen übrigen 3. gefänglich eingebracht.

Sechs Herübergeloffene sagen einhellig auß / der Marechall de Villars seye heut mit sei=
ner
unterhabenden gantzen Armée in Bewegung gewesen / gestalten das Detachement, so
er unsere Convoy abzuschneiden vor einigen Tagen abgehen lassen / bey ihme wider ange=
langt
.

Dito berichtet der General von der Cavallerie Graff de la Tour, welcher Gestalten
er den Posten / welchen er vor etlich Tagen in einer / Freystättl gegen über gelegenen / Jn=
sul
besetzet / umb dardurch dem Feinde den Brucken=Bau zu hinderen / annoch mit etlich

[11]

100. Mann zu Fuß / und 2. Stucken behaubte / ohngeacht der Feind von einer anderen
Jnsul / so diser gegenüber gelegen / durch unaußsetzliches Feuer auß 8. Stucken ihne zu
vertreiben suche.

Unsere Kundtschaffter berichten / wie daß der Feind auß Ursachen ihme bey Frey=
stättl
das Bruckenschlagen eingestellt werde / er solches in der Wantzenau zu bewürcken
versuchen wolle.

Eodem schickt der Fürst von Lobkowitz bericht ein / daß er sambt unseren Pro=
viant
=Fuhren und seiner Convoye bereits biß Werth angerucket / und morgen / geliebts
GOtt / bey der Armée einzutreffen hoffe.

Den 7. Dito ist eine von unseren Partheyen / bestehend in 1. Haubtmann und 100.
Mann zu Fuß / so Kundschafft vom Feind einzuhohlen außgangen / vom selben zu fruhe=
zeitig
verkundschafftet / und durch einen langen engen Weeg gezogen / nachgehends aber von
etlich 100. Mann von allen Seiten angegriffen / und übern hauffen geworffen worden / wo=
bey
wir 1. Lieutenant mit 36. Mann verlohren haben; mit dem Uberrest hat sich gedach=
ter
Capitain noch sowohl gewöhret / daß er Zeit gewunnen sich wider anhero in unser La=
ger
zuruck ziehen zu können.

Dito last des Herrn General=Lieutenant Durchl. der Fürst von Lobkowitz zuwissen
thun / er könne wegen des übel anhaltenden Regen=Wetters heut unmöglich das Lager
erreichen / sondern seye benöthiget / die bevorstehende Nacht mit denen Proviant=Wägen /
so nunmehr in Sicherheit gebracht / zu Kentweiller stehen zu bleiben / und obwohlen der
Feind sein in 3000. Pferdten / und 2000. Grenadiers bestandenes Detachement 3. Tag in
Verdeckung gehalten / so hat selbes doch / dazumahlen man gewust / wo es stehe / die
rechte Zeit nicht erwarten können / sondern zulassen müssen / daß eine Lifferung von
1000. Wägen / sambt der nur in 1500. Mann bestandenen Bedeckung unter vorsichtiger
Obsicht des Printzens von Lobkowitz ausser Gefahr gesetzt worden / und muthmasset man /
nicht ohnzeitig / daß die letztere Bewegung der Feindlichen Armée nicht umb eine Schlacht
zu lifferen / sondern umb nur dem in Hinterhalt gestandenen Detachement zu vorgehab=
ten
Absehen mehreren Vortheil zu geben / geschehen seyn müsse.

Den 8. Dito frühe zwischen 8. und 9. Uhr schicket der Printz von Lobkowitz einen
Officier herein / mit der Nachricht / was Gestalten sich ein grosses Feindliches Detache-
ment gegen ihme anruckend / sehen liesse / und Anzeig machte ihne anzugreiffen / ungeacht
der mehreste Theil unserer Proviant=Fuhren / so er bedecket hatte / den letzteren Paß bereits
hinterlegt; worauffhin des Herrn General=Lieuten. Durchl. alsogleich nicht allein unseren
rechten Flügl der Cavallerie auffsitzen / sondern mit disem das gesambte Corps der Gre-
nadirer gegen Nider=Modern anrucken macheten / umb ersagtem Printzen nach erheu=
schender
Noth zu hülff zu kommen. Bald hernach aber kame anderer Bericht / daß der
Feind auff verspührte dise Gegen=Verfassung sich allbereits wider zuruck gezogen hätte;
dahero dann auch Jhro Durchl. der Herr General=Lieutenant / nachdeme die sambtliche
Proviant=Wägen würcklichen im Lager ankommen / sambt obangeregtem Detachement wi=
der
einrucketen.

Dito seynd abermahlen 17. Uberläuffer ankommen / so außsagen / obermeltes Feind=
liches
Detachement seye in 7000. Mann bestanden; der Marechal de Villars lasse zu Be=
deckung
seiner rechten Flanque einiges Werck anlegen.

Unserseits wird das in der Feindlichen Linie gelegene Städtlein Pfaffenhoffen in
besseren Defensions-Standt gebracht.

P. S. Daß bißhero die Diaria mit der Ordinari-Post nicht gewöhnlich abgeschicket
werden können / solches hat der Feind / welcher Dato die Strassen zwischen hier und Lau=
terburg
gar unsicher haltet / verursachet.

[12]

CONTINUATIO DIARII
Der unter Commando des Kayserl. General=Feld=Marschallen /
Jhrer Hochfürstl. Durchl. Printzens EUGENIl von Savoyen / ꝛc.
in Jtalien führenden Campagne.
Auß dem Kayserl. Haupt=Quartier bey Treviglio, vom 3. biß 10. Septemb. 1705.

DEn 3. Septemb. Die Uberläuffer bestättigten einhellig / daß sich der Feind in seinem
Lager verschantzte / und die Arbeit starck fortsetzen lasse / wiewohlen er zwischen de=
nenen
Canalen in einer solchen Gegend postirt ist / daß man von selbsten der Natur
nach bedecket wäre / welches seinen Verlust der wieder ihn erhaltenen glücklichen Action
umb so mehrers bestättiget. Ein Harrachischer Lieutenant / so von Sancino gegen Tredeci
Ponti auff Parthey außgewesen / hat 7. Pferd und 2. Maul=Thier eingebracht / weilen der
Rittmeister Hochberg / so mit 40. Pferden daraussen ware / herein sagen lassen / daß der
Feind morgen fouragiren würde / gabe man Befelch / daß der Obrist=Lieutenant St. Amour
mit 300. Pferden eine Stund vor Tags hinauß gehen / und ihn zu unterhalten / 200.
Mann zu Fuß auff halben Weeg postirt werden sollen.

Den 4. dito ist der Obrist=Lieutenant St. Amour unverrichter Sachen zuruck kom=
men
/ weilen der Feind / wie man die Nachricht hatte / nicht fouragirt hätte / noch sonsten
das geringste auß seinem Lager herauß kommen wäre. Gegen Abend ist ein Theil Jung=
Thaun und Königseckerischer Recruten / so auß denen Erbländern kommen / dahier im
Lager eing⟨erucket⟩.

Den 5. dito ist nichts Merckwürdiges vorbeygega⟨n⟩gen.

Den 6. d⟨it⟩o wurde befohlen / die alte Strassen von hiesigem Lager auß gegen Vail-
liate allenthalben zu verbesseren / urd auffs neue zuzurichten; Der zwischen Palazzuolo
und Brescia zu sicherer Stell⟨u⟩ug der Communication von Salò commandirt stehende Ob=
rist
=Lieuteuant Loccadelli berichtete / und zugleich auch von anderen Orthen lieffe die Nach=
richt
ein / daßdie zu Castiglione gestandene feindliche Pferde von dannen ab / und ge=
gen
dem Oglio marschiret wären.

Den 7. dito ist der Martinische Rittmeister Hochberg / so mit einer kleinen Parthey
daraussen ware / zuruck kommen / welcher mitbrachte / daß er umb des Feinds Lager /
und gar gegen Picigethone gestreiffet / aber nichts antreffen können / weilen sich ausser
dem feindlichen Lager das geringste nicht sehen liesse / ja der Feind thäte so gar seine Fou-
rage von ruckwerts auß dem Mayländischen kommen lassen. Der Obrist=Lieutenant Loc-
cadelli wurde befelchet einige von Riva nacher Salò über den See gebrachte Stuck / Mu-
nition, und anderen Nothwendigkeiten / nebst etwelchen Fuhrweesens Wägen und mehr
anderem Gezeug / was sich allda am Wasser befinden würde / nacher Palazzuolo zu be=
gleiten
/ worzu auch gegen 300. neu=angekommene Max Stahrenbergische Recruten ge=
stossen
haben.

Den 8. dito. Ohngeachtet der Rittmeister Hochberg gestern berichtet / daß der
Feind seine Fourage von ruckwerts kommen lasse / so hat doch derselbe heut fouragirt / wei=
len
man es aber zu spath innen worden / konte man gegen seine Fouragiers nichts mehr un=
ternehmen
. Sonsten wird mit Außbesserung des Weegs und der Strassen gegen Vaillia-
te fortgefahren.

Den 9. dito ist weder dahier im Lager was Veränderliches vorgegangen / noch von
anderwerts was Neues eingeloffen.

Den 10 dito ist nichts anders Bericht=würdiges vorgefallen / als daß die angekom=
ene
verschiedene Uberläuffer gleichförmig außsagen / daß sich der Feind in seinem Lager
mbund umb verschantzet habe.

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