Digitarium Logo

Wiennerisches Diarium

Nr. 547, 31. Oktober 1708

HilfeSucheNavigation einblenden
[1]

Wienn / vom 27. biß 30. October / 1708.

SAmbstag / den 27. October. Heute erhielte man mit Brieffen / un=
term
13. dieses / von Szegedin / wegen jüngst=gemeldten gegen die
Rebellen erhaltenen Vortheil / die Gewißheit; nemblichen: als die
Raitzen an der Theyß jüngstens nach Kecskemeth und Körös gangen /
(allda jetziger Zeit fast gar keine Rebellen liegen) hätten jene ein Gestüett /
von 600 Stuck / abgetrieben / und / ohne Nachsetzen / sambt denen vier Hal=
teren
/ eingebracht; Jn gleicher Zeit hätten auch die Maroscher=Raitzen ein
Streiff über die Theys bis nacher Jasperin unter die Cumaner gewaget; wel=
cher
ihnen so wohl gerathen / daß / mit Hinterlassung 6 Todten / viele hun=
dert
Rebellen niedergehauet / und 3000. Stuck Vieh / nebst 19 Gefangenen /
worunter ein Capitain / zur Beuth bekommen; gedachte Raitzen hätten
aber zu Arrath nicht viel über die Helffte eingebracht; weilen ihnen der Uber=
rest
in der Theys bey der Durchschwemmung / wo sie von denen Rebellen ge=
jaget
worden / ersoffen.

Dito wurde / mit Brieffen / unterm 14. October / von Livorno berich=
tet
/ daß in alldasigem Haven / den 9. dieses / das Groß=Britannische Schiff /
Centurione genannt / in 9. Tägen auß Minorca, von Porto-Mahone, ein=
geloffen
; mit der Nachricht / daß / als die Alliirte Flotta den 7. Septemb.
vor gedachter Vestung erschienen / und 500. Mann ans Land steigen / sodann
diese zu denen Majorchiner Land=Völckern stossen lassen / die Stadt nicht al=
lein
an Jhro Catholische Majestät / CARL den Dritten / König in Span=
nien
/ sich ergeben: sondern auch / nachdeme 800. Boots Knechte gelandet /
zu vorgedachten Truppen gestossen / und darauff die Lauff=Gräben gesamb=
ter
Hand / in allem 3000. Mann starck / eröffnet / auch die Batterien ange=

[2]

legt / folglich die Stuck gepflantzet / die Vestung / auff eine unversehens
eingeworffene Bomben sich durch einen gütlichen Vergleich zu ergeben er=
botten
habe; angesehen die darin wohnhafte / und meistens im Land ange=
sessene
900. Spannier die Frantzosen / sambt ihrem Anhang / zur Ubergab /
vermittels einer nach Roses eingewilligten Abfahrt / bezwungen; also / daß
diese Eroberung der gantzen Jnsul / nebst der Haupt=Vestung / nur 1 Tod=
ten
und 4. Verwundte / durch einen auß der Vestung loßgebrenten Stuck=
Schuß / gekostet; darin habe man grossen Kriegs=Vorrath und viele Le=
bens
=Mittel / unter andern aber / bey tausend Tonnen Pulver / 800. Muß=
queten
/ 3000. Säck Mehl / und eine Menge gesaltzen Fleisch gefunden. Die
darinn gewesene Spannische Soldaten wären fast alle / biß etliche Officiers /
in ihres rechtmässigen Monarchen Dienst getretten.

Sonntag / den 28. October. Heute / als auff dem Fest St. Simon
und Judas / wurde bey allhiesigem Kayserl. Hof der Geburts=Tag Jhrer
Majest. der verwittibten Königin in Spannien / in prächtigster Galla be=
gangen
/ und deswegen die gewöhnliche Glückwünschungen abgelegt; sel=
bigen
Vormittag haben sich beede regierende Kayserliche Majestäten / nebst
einem grossen Gefolg derer Cavallieren und Damen / in des Ritter St.
Georg Capellen / im Freysinger=Hof / erhoben / und von dar das Hoch=
würdige
in die iüngst erwehnte uralte / und / nach Christi Geburt Anno 800.
von Kayser Carl / dem Grossen / erbaute / nunmehro aber / wegen Baufällig=
keit
derer Mauren / durch löbliche Veranstaltung der Ertz=Bruderschafft der
Allerheiligsten Dreyfaltigkeit (gemäß dem in voriger Pest=Zeit gethanen Ge=
lübd
) auß dem Grund neu= und herzlich / mit grosser Mühe und schwären
Kosten / auffgerichtete Peters=Kirchen / begleitet / sodann daselbsten dem
Ambrosianischen Lob=Gesang / wie auch dem offentlichen GOttes=Dienst /
welches alles / unter einer fürtrefflichen Music von Trompeten und Pau=
cken
/ Jhro Durchl. Eminentz / der Herr Cardinal und Hertzog von Sach=
senzeitzs
ꝛc. in Beystehung des Herrn Bischoffen von Scutari / ꝛc. (Titl) Hrn.
Graffen von Kollonitsch ꝛc. und Herrn Bischoffen von Rosona (Titl)
Hrn. Frantz Labsansky ꝛc. verrichtet / und der ersten vorhergehenden Predig des
Kays. Hof=Predigers / Jh. Hochw. P. Christophori Zenneg, S. J. AA. LL. & P. D.
dessen Spruch gewesen: Benedictus Dominus, qui mirificavit misericor
diam suam mihi in civitate munita. Psalm. 30. v. 22. Gebenedeyet seye der
HErr / dann er mir seine Barmhertzigkeit wunderlich bewiesen hat in
der vesten Stadt: Die Haubt=Veste von der Stadt Wienn / oder Pe=
tersburg
/ das ist: Die nach dem Römischen Vatican neu=erbaute
Peters=Kirch / auß allen Wiennerischen Boll=Wercken das aller=
vestiste
ꝛc. mit grosser Andacht beygewohnet / nachdeme das Mittagmahl
in der Kayserl. Burck eingenommen; des Abends aber / als auff dem

[3]

Jahrs=Tag / wegen der 1679. abgewendeten Pest / auff dem Graben bey
der von weiland Kayserl. Majestät / Leopold dem Ersten / allerglorwürdig=
ster
Gedächtnuß / zu Ehren der Allerheiligsten Dreyfaltigkeit / verlobten
Marmelsteinernen Säulen / der Andacht / welche Jhro Hochfürstl. Gnaden
der Herr Bischoff zu Wienn versehen / wie auch der von A. R. P. Mauritio
Steitzinger, O. S. Fr. ordinari Predigern über den Text: qVI DeDIt hoC
In CorDe 1. Esdr. cap. 7. v. 27. Der solches hat (dem König) eingeben /
gehaltenen Predig abgewartet.

Dito; Nachdeme jüngsthin Jhro Hochwürden (Titl) Herr Joseph
Heinrich Jacob Braitenbucher / AA. LL. Phil. & SS. Theol. Doct. ejusdem-
que
Facultatis p. t. Decanus, & c. von denen Kays. Herren Commissarien / als
(Titl) Herrn Arseni Frantz von Wellenstein / Freyherrn / und Herrn Thomas
Zwick / beeden N. Oe. Regiments= und Closter=Räthen / sambt Zuziehung
des N. Oe. Regierung= und Closter=Raths=Secretari / Herrn Pentzingers /
mit gewöhnlichen Cceremonien / als Jhro Hochfürstl. Gnaden / des Herrn
Bischoffen zu Wienn / in Spiritualibus Vicar. Gener. und Officialis, wie auch
von Kirchberg / ꝛc. in Temporalibus installirt worde; als wurde derselbe
auch heute / Vormittag / in der St. Stephans Dom=Kirchen / von höchst= be=
sagter
Hochfürstl. Gnaden / welche eben heute das 64. Jahr Dero Alters
glücklich zuruck gelegt / in Beystehung zweyer Herren Prælaten: als Jhro
Hochwürden (Titl) Herrn Berthold / Abbt des exempten Closters zu
Mölck / Ord. S. Benedicti, & c. und Jhro Hochwürden (Titl) Herrn Carl /
Abbt zun Schotten / und von Thelky, O.S. B. & c. wie auch in Beyseyn vie=
ler
anderen hohen und niedrigen Stands=Persohnen / unter einer fürtreff=
lichen
Music von 2. Chören Trompeten und Paucken / insulirt und in
Spiritualibus, üblicher massen / installirt / nicht weniger / zu Bezeigung son=
derlicher
Kayserl. Gnaden / von Jhro Röm. Kayserl. Majestät mit einem
kostbahren guldenen Creutz begnadet / wie dann auch eben die gedachter über=
kommenen
Dom=Probstey anhangende Cantzler=Stell hiesiger uhralten Uni=
versität
gewöhnlicher Orthen intimirt.

Eodem hat bey Jhro Röm. Kayserl. Majest. würcklichen geheimben
Rath / und Obrist=Cammerern (Titl) Herrn Johann Leopold Donat
Trauthson / Grafen zu Falckenstein / ꝛc. Rittern des guldenen Vließ /
(Titl) Herr Johann Wilhelm / Graf von Schlieben / ꝛc. als Kayserl. Camme=
rer
/ den Eyd abgelegt / und darauff die Gnad gehabt / zu dem Kayserl.
Hand=Kuß allergnädigst gelassen zu werden.

Montag / den 29. October. Heute / Vormittag / haben Jhro Maje=
stät
/ die Verwittibte Kayserin / nebst Dero Durchl. jungen Herrschafft /
in Begleitung vieler Cavallieren und Damen / in vorgedachter St. Peters=
Kirchen dem GOttes=Dienst Jhro=Hochwürden (Titl) Herrn Abbt zun

[4]

Schotten / O. S. B. & c. und der vorhergehenden Predig oberwehnten P.
Steitzinger abgewartet.

Eodem ist auß Flandern von der Kayserl. und Alliirten Belaagerung der
Frantzösischen Haupt=Vestung Ryssel / beygefügte Continuation DiariiDiariides
Kayserl. General=Lieutenants / Jhrer Hochfürstl. Durchleucht / Printzen Eu=
genii
von Savoyen / vom 10. bis 13. und eine andere von der Alliirten Ar=
mee
bey Rousselaer / von dem 12. bis 14. October / dahier eingelangt / sambt
Brieffen auß besagter Belaagerung / von dem 18. Dito / daß nunmehro all=
dorten
die zweyte Zufuhr von Kriegs= und Lebens=Mitteln von Ostende an=
kommen
/ und anjetzo solche Anstalten gemacht / daß nächster Tagen der Ge=
neral
=Sturm vor sich gehen könne; zu welchem sich bis 24000. freywillig an=
gebotten
; weilen jedem ein Reichsthaler / und die Erlaubnuß zu plündern
versprochen worden.

Dienstag / den 30. October. Nachdeme ein zu dieser Zeit ungewöhn=
liches
Schnee=Wetter ungefehr eingefallen; als haben heute / Vormittags /
Sich beede Regierende Kayserl. Majestäten / sambt denen beeden altisten
Durchleuchtigsten Ertzhertzogiñen / und dero hier dermahlen befindlichen klei=
nen
Hoffstatt / mit einer schönen Schlittenfarth nacher Ebersdorff begeben /
daselbsten das Mittagmahl eingenommen / und des Abends wieder in die
Kayserl. Burck zuruckgekehrt / sodann darauf mit Tantzen sich belustiget.

Eodemvernahme man auß Nider=Hungarn / mit Brieffen / von dem
26. October / daß den 22. Dito der Herr Obrist von Moltenberg einen Si=
ckingischen
Lieutenant mit einiger Mundirung für die Besatzung nacher
St. Gotthard begleitet / und von darauß 3. Stund weiters in das Land
gegangen / umb einige Rebellen / so das Wein Lesen bedecket / zu überfal=
len
; weilen jener aber durch die Bauern über der Raab gleich verrathen
worden / habe selbiger nichts / als einen Corporalen / von des Kisfaludi
Laßlo Regiment / nebst 100. Stuck Vieh / eingebracht / auf seine lincke Hand
aber den Breunerischen Herrn Hauptmann Fritsch / mit 80. Pferdten / auß=
geschicket
; welcher eine Rebellische Parthey von 30. Pferdten bey Güssing
angetroffen / darvon einen Lieutenant / mit 16. Mann / im Dorff niderge=
hauen
/ und 9. Gefangene / nebst 24. Pferdten / nach Fürstenfeld gebracht
habe.

Dito ist allhier eine verwittibte Weibs=Persohn / Nahmens Magdale=
na
N. 56. Jahr alt / auß der Schweitz gebürtig / umb willen selbige vielfältig=
und nahmhaffte Diebstähle begangen / und deßhalben zu dem Schwerdt ver=
urtheilt
gewesen; weilen aber die verlustigte Partheyen wiederumb befrie=
diget
/ und zu dem Jhrigen kommen; von Jhro Kayserlichen Majestät da=
hin
begnadet worden / daß selbe / an statt der Lebens=Straff / mit einem gan=
tzen
Schilling abgefertiget / sodann des Lands Oesterreich auff ewig verwie=
sen
worden.

[5]

Auß Pohlen / von dem 20. Octob. Daß von Dantzig berichtet wor=
den
/ was massen die jüngst alldort eingeruckte Schweden / nachdeme sie
dem König Stanislaus den Eyd der Treu abgelegt / wieder auffgebrochen /
oberhalb Graudentz über eine geschlagene Brucken gesetzet / und den Marsch
nach Tyckoczin in Littauen genommen / allda zu denen auß Pommern ge=
kommenen
2. Regimentern zu stossen; und solle der König Stanislaus
ebenfalls in wenig Tägen dahin folgen; indessen aber seine Gemahlin und
Frau Mutter in Dantzig verbleiben werde. Von Wilda verlauthe / daß
der König von Schweden / weilen von denen Moscowitischen Gräntzen an /
alles biß hinter Smolensko / von denen Moscowitern eingeäschert worden /
mit seinem Kriegs=Heer von besagten Gräntzen wieder zuruck / und nach
Krzow gegen die Ukraine sich wende; Allein es wäre der Mazeppa / so biß
40000. Mann starck / beordret / alldorten die Quartier denen Schweden
schwer zu machen / und ihnen / zum Abbruch / Zernyow und Kyow zu ver=
brennen
.

Auß Neapel / von dem 9. October. Daß die von dannen nacher Pu=
glia
abgeschickte Tartanen / umb Getrayd und Oehl zu laden / auß Forcht
eines Anstoß / wieder zuruck kommen; dahero noch 3. Schiffe außgerüstet
würden / zu ermeldten Tartanen zu stossen / und die Sicherheit hin und wi=
der
zu erhalten.

Auß Rom / von dem 13. October. Daß allda der Maréchal de Thes=
und Marchese di Monteleone ankommen; hingegen wäre von dar der
Printz Giustiniani / sambt der von Sr. Päbstl. Heiligkeit ihme anvertrau=
ten
Kriegs=Cassa / so in 200000. Ducaten bestanden / nach dem Ferrareri=
schen
abgangen; auch habe sich der Herr Cardinal Priuli nach Bergamo zu
seinem Bistumb erhoben / umb von selbigem den Besitz zu nehmen.

Auß Genua / von dem 13. October. Daß alldorten eine Felucca auß
Nizza angelandet; mit welcher zu vernehmen gewesen / daß jüngst 2. Fran=
tzösische
Bataillonen allda ankommen / und / als diese über den Fluß Var
setzen wollen / davon bis 50. darunter einige Officirs / sambt einem nach
Rom gewidmeten Currier / ertruncken; der übrige Theil aber habe seinen
Marsch über das Gebürg fortgesetzet / umb sich darin zu verlegen / und zu
suchen / darin sich vest zu setzen.

Auß Ferrara / von dem 17. October. Daß der Marchese du Prié bey
seiner alldortigen Durchreiß von einer Compagnie Päbstlicher Dragonern
begleitet worden; welches an allen Orthen durch den gantzen Kirchen Staat
beschehen solle; und hoffe man noch immer / daß die Miß=Verständnussen
sollen in der Güte beygelegt werden.

Auß Mayland / von dem 17. Octob. Daß / so bald Porto=Mahone auch
seinem rechtmässigen Herrn / Jhrer Catholischen Majest. CARL dem Drit=

[6]

ten / sich unterworffen / das Volck / welches alldorten ans Land gekommen /
nacher Barcellona gekehret / umb bey einer vorhabender Belaagerung eben=
falls
Dienst zu thun.

Auß Venedig / von dem 20. October. Daß / vermög derer Ferraresi=
schen
Brieffen / der Marchese du Prié, als Kayserl. Gevollmächtigter / nach
Rom durch Bologna abgangen; allda im Durchreisen demselben der Päbst=
liche
Legat / Herr Cardinal Grimaldi / mit aller Höflichkeit begegnet. Jn=
zwischen
aber sehe man sich in dem Ferraresischen beyderseits wohl vor; auch
habe der Kayserl. Commendant zu Commachio / Hr. Gen. Bonneval / bis
hundert Mann nach Longastrino abgeschickt; welche von dorten / ungeacht des
grossen Widerstands / den Guerrinischen Bandit / sambt seinen Gesellen /
verjaget / und einige davon niedergemacht / sodann benenntes Orth ange=
zündet
.

Auß Spannien / von dem 2. Octob. Daß zu Madrit der Marquis von
, gewesener Frantzösische Vice=König in Sardinien / angekommen /
und von dem Verlust dieses Königreichs dem Hertzogen von Anjou münd=
lichen
Bericht abgestattet; auch wären zu besagtem Madrit die Geistliche
des Ordens St. Francisci und Augustini / mit 120. bey dem König von
Marocco / gegen gelieffertes Tuch / außgelösten Gefangenen offentlich ein=
gezogen
. Auß Catalonien verlauthe / daß der General=Lieutenant Carca=
do
bey Consa von Tremp / mit etlichen Frantzösischen Regimentern / eine Al=
liirte
Parthey / von ungefehr 200. Mann starck / geschlagen / und selbe fast
alle gefangen genommen; hingegen habe die Alliirte Besatzung zu Alican=
te
in einem Außfall die bey Elce gelegene 2. Frantzösische Regimenter völlig
zernichtet; auch wäre der Graf Puebla / mit einer starcken Parthey von
Alliirten Soldaten und Miquelets / durch das Arragonische Gebürg biß in
die Frantzösische Provintz / Bearne, gestreifet / und hätte alldort reiche Beuthe
gemacht / nicht weniger grossen Schröcken verursachet; der Kayserl. Gene=
ral
=Feld=Marschall / Herr Graf von Stahrenberg / solle mit seiner Armee
auff der andern Seithen des Segra=Fluß: der Hertzog von Orleans aber
unweit Balaguer stehen.

Auß Groß=Britannien / von dem 12. October. Daß zu Londen von
Jhrer Majestät / der Portugesischen Königin / welche Sich zu Porthsmuth
bey gutem Wohlstand befinden; Dero Gesandter / Don Louis von Acuna,
angelangt / umb / im Nahmen jener / Jhro Groß=Britannis. Majest. wie auch
Jhro Königl. Hochheit / Printz Georg von Dännemarck / zu bewillkommen;
auch wäre zu Schield die Virginische Flotta glücklich eingeloffen; die beede
Jndianisch=Orientalische Compagnien wären zu einer gemacht / und der
Vereinigungs=Vergleich bereits unterschrieben worden.

Auß Holland / von dem 18. October. Daß in dem Haag der Genue=

[7]

sische Herr Gesandte / Marquis Benedetto Viale, zu verstehen geben / daß sei=
ne
Republic mit niemanden einige Verbündnus geschlossen; und / daß die
angefangene Werbung nur auff die Erhaltung ihrer Neutralität angesehen.

Von dem Nieder=Rheinstrohm / vom 21. October. Daß man alldor=
ten
täglich die Ubergab Ryssel / auß welchem Orth die Frantzosen von etli=
chen
Tägen her nur des Tags einen Stuck=Schuß thun / gewärtig seye;
weilen Vermög eines Curriers Aussag obigen Tag der Sturm geschehen solle.

Auß der Schweitz / von dem 21. October. Daß die Frantzösisch= Ge=
sinnte
den Verlust von Ryssel sehr besorgten; indeme kein Entsatz zu hoffen;
inzwischen wäre nun Minorca völlig verlohren / so man am Frantzösischen=
Hoff ungern vernommen.

Ankunfft derer Hoch= und nideren Stands=Persohnen.

Den 27. October.

  • Carntner=Thor. Herr von Aichen / Land=
    schaffts
    =Verordneter / kombt auß dem
    Land ob der Ennß / log. in seinem Hauß.

Den 28. Dito.

  • Herr Bram / Obrist Lieutenant von den
    Dähnischen / kombt auß Hungarn / logirt
    im Stockhameris. Hauß.
  • Herr Baron von Sterck / J. O. Vice= Cantz=
    ler
    / kombt von Grätz / logirt bey dem
    weissen Schwan.

Den 29. Dito.

  • Herr Graf von der Lipp / kombt von Prag,
    logirt bey dem Herrn Labrun.
  • Stuben=Thor. Herr Graf von Löwenburg /
    kombt von Presburg / logirt in der gulde=
    nen
    Sonn.
  • Herr Puchantschi / Hauptmañ vom Teutsch=
    meisteris
    . Regiment / kombt von Pres=
    burg
    / logirt in der guldenen Aenten.

Den 30. Dito.

  • Carntner=Thor. Herr Graf Bella / kombt
    von Onspruck / logirt im wilden Mann.

Lista deren Verehelichten in und vor der Stadt.

Den 11. September.

  • Frantz Werner / Schreiber / mit Maria Ro=
    sina
    Hörörin.
  • Herr Peter Paul / mit Frauen Maria Anna
    Golletschin Wittib.

Den 13. Dito.

  • Lorentz Kentz mit Theresia Schiderin.

Den 16. Dito.

  • Herr Caspar Teüpütz / Goldarbeiter Witti=
    ber
    / mit Jungfr. Theresia Cronraffin.
  • Wolfgang Maurer / Kellner / mit Anna Ma=
    ria
    Schmidin.
  • Johann Sebastian Berghamer / Schuester /
    mit Maria Johanna Stöcklin.
  • Anton Wäschel / Gardi Soldat / mit Maria
    Susanna Restingerin.
  • Andre Bautz / Hauer / mit Maria Schielerin.
  • Johann Mathias Ordtner / Wasserbrenner /
    mit Theresia Veronica Weglinin.

Den 17. Dito.

  • Jacob Hilberding / Sticker / mit Aña Maria
    Froschauerin Wittib.

Den 23. Dito

  • Herr Carl Fabricius / mit Jungfr. Apollonia
    Pillerin.
  • Johann Michael Bliemelhueber / Traxler /
    mit Elisabeth Horhin.
  • Sebastian von Gaißruck / gewester Soldat /
    mit Elisabetha Braittelin.
  • Johann Georg Haupt / Lustgartner / mit
    Margaretha Kreimbin Wittib.
  • Tobias Koffer / Schneider / mit Eleonora
    Bruggnerin.
[8]

Lista aller Verstorbenen in= und vor der Stadt.

Den 27. October 1708 starb

  • Johann Gänßer / Burgl. Brandweiner / in
    seinem Hauß im Roth=Gäßl / alt 68. J.
  • Ein unbekantes armes Kind / im Rucke=
    baumis
    Hauß im Hutstöper=Gäßl / alt 1.
    viertl Jahr.
  • Simon Gmainer / Burgerl. Würth / in
    seinem Hauß auff der Widen / alt 72. J.
  • Simon Büringer / Lustgartner / in der
    Leopoldstadt / alt 70. Jahr.
  • Dem Michael Niclas / Maurergeselln / am
    Liechtenthal / sein Kind Frantz / alt 2. J.
  • Benedict Angerer / Ziegler / in der Joseph=
    stadt
    / alt 38. Jahr.
  • Dem Christian Bayer / armen Mann / auff
    der Wendlstatt / sein W. Anna / alt 41. J.
  • Der Catharina N. ledigem Menschen / in
    der Josephstadt / ihr Kind Rosina / alt
    9. Wochen.

Den 28. Dito.

  • Dem Herrn Matthæus Fortunat Simb=
    schen
    / Ni. Oe. Buchhalterey=Raith=
    Rath / im Windhagis. Stifft in der un=
    tern
    Beckerstraß / sein Söhnl. Joseph /
    alt 3. viertl Jahr.
  • Johann Alron / Burger / im Hämerlischen
    Hauß in der Bogner=Gassen / alt 53. J.
  • Anna Zaunerin / lediges Mensch / im Hof=
    Kräutleris. Hauß in der Naglergassen /
    alt 56. Jahr.
  • Veit Zenreich / im Krancken=Hauß / alt 25. J.
  • Susaña Holtzhamerin / auch allda / alt 18. J.
  • Dem Balthasar Grill / Kuchl=Gärtner / in
    seinem Hauß zu Erdberg / sein Kind Jo=
    seph
    / alt 3. Jahr.
  • Jacob Kirchberger / Bestand=Würth / am
    Lerchenfeld / alt 40. Jahr.
  • Urban Braunegger / Tischler / bey St. Ul=
    rich
    / alt 53. Jahr.
  • Dem Jacob Wehoffer / Kutscher / in der
    Roßau / sein Kind Anna / alt 5. viertl J.

Den 29. Dito.

  • Dem Friderich von Rosenthal / Jhro Ma=
    jestät
    / der verwittibten Kayserin / Hat=
    schiern
    / im Vogelhuberis. Hauß im tieffen
  • Graben / sein Kind Anna / alt 3. viertl J.
  • Virgilius Schächtel / Kayserl. Trabanten=
    Rottmeister / im Kirchstetteris. Hauß
    beym Waag=Hauß über / alt 66. Jahr.
  • Dem Heinrich Ferstel / Gardi=Regiments=
    Sperrer / auff der Schotten=Pastey /
    sein Weib Gertraud / alt 52. Jahr.
  • Dem Clement Foydel / Feld=Wäbel / beym
    guldenen Bärn am alten Fleischmarckt /
    sein Kind Eva / alt 1. viertl Jahr.
  • Joseph Crudill / Fleischhacker=Knecht / un=
    term
    neuen Thor / alt 20. Jahr.
  • Andre Schmid / Burgerl. Fleischhacker /
    in seinem Hauß in der Leopoldstadt / alt
    40. Jahr.
  • Georg Zeitler / Burgerl. Schuehmacher / in
    der Leopoldstadt / alt 45. Jahr.
  • Dem Joseph Gallenbacher / Laggey / untern
    Felbern / sein Kind Leopold / alt 1. J.
  • Mathias Mayßhirn / Ziegler / in der Wa=
    ringergassen
    / alt 44. Jahr.

Den 30. Dito.

  • Dem Herrn Ambrosy Arbeser / Ni. Oe. Rent=
    meister
    und Burger / in seinem Hauß
    im Fendrich=Hof / sein Frau Anna Ma=
    ria
    / alt 57. Jahr.
  • Dem Johann Jacob Schneeweiß / Orga=
    nisten
    bey St. Dorothe / im Hof allda /
    sein Kind Joseph / alt 5. Wochen.
  • Elisabetha Ruednerin / Wittib / im Ruef=
    fis
    . Hauß am scharffen Eck / alt 55. J.
  • Dem Lorentz Straner / Gardi=Trommel=
    Schlager / auff der Schotten=Pastey /
    sein Kind Maria / alt 6. Wochen.
  • Der Justina Bachmayrin / im Burger Spit=
    tal
    / ihr Kind Andre / alt 8. Tag.
  • Johann Scheidinger / Gardi=Soldat / vorm
    Schotten=Thor / alt 68. Jahr.
  • Frantz Ritt / Schneidergesell / in der Jo=
    sephstadt
    / alt 27. Jahr.
  • Thomas Keller / im armen Hauß / alt 82.
    Jahr.
  • Der Agnes N. ledigem Menschen / in der
    Leopoldstadt / ihr Kind Constantia / alt
    1. halb Jahr.
[9]

CONTINUATIO DIARII

Des Käyserl. General=Lieutenants / Jhrer Hochfürstl.

Durchleucht / Printzen Eugenii von Savoyen / ꝛc.

Auß der Käyserl. und Alliirten Belaagerung vor Rüssel / vom 10. biß 13. October / 1708.

DEn 10. October. Uber die bereits verfertigte Batterien fuhre man noch weiters fort /
an anderen zu arbeiten; weilen wir gedencken / 40. bis 50. Stuck darauf zu setzen /
und darmit die feindliche Streichwehren zu beschiessen / die alte Bresch zu verfertigen / auch
hiernächst eine neue zu legen; man wird aber / jüngsthin gemeldtermassen / nicht ehender zu
feuren anfangen / bis alles in vollkommenen Stand gebracht / auch die Hinabsteigung in
den Graben fertig / und zu Außfüllung desselben die Erfordernussen beygebracht seyn werden.

Vom Milord Duc de Marlboroug hatten wir keine andere Nachricht / als / daß dersel=
be
bemühet seye / unsere Zufuhr von Ostende anhero zu befördern. Sonsten setzet der Feind
nicht auß / mehrere Truppen nacher Gent abzuschicken.

Den 11 Dito. An dem Angrieff seynd wir sehr beschäftiget / die schwäre Stuck vol=
ends
auf die Batterien in die Contrescarpe einzuführen / und / was an jenen noch nicht im
Stand / zu seiner Vollkommenheit zu bringen; wie wir dann hiernächst auch weiter zu ar=
⟨b⟩eiten
fortfahren lassen / umb das Wasser auß dem Graben abzapffen zu können / die Hin=
absteigung
in denselben außzumachen / und eine Anzahl Faschinen auch andere Nothdurft=
en
beyzuführen / umb / wann man mit unseren Stucken von allen Batterien zugleich zu
schiessen anfangen werde / alles zu einem Haubt=Sturm in Bereitschafft zu haben; Falls
der Feind es darzu ankommen lassen solte.

Der Feind fahret fort / immer mehrere Truppen nacher Gent abzuschicken. Sonsten
⟨a⟩ber haben wir Hoffnung / unsere Zufuhr / wo nicht völlig / doch grösten Theils hieher zu
⟨b⟩ringen.

Des Kayserl. Herrn General=Lieutenant Hochfürstl. Durchleucht begaben sich heute
fruhe nacher Menin / und / nachdem daselbsten der Milord Duc de Marlboroug, auch die
⟨a⟩bgeordnete von denen Herren General=Staaten sich eingefunden / kamen sie eine Stund
⟨i⟩n der Nacht wiederumb zuruck.

Den 12. Dito. Unsere Arbeit hatten wir so weit gebracht / daß wir hoffen / inner 2
Tagen alle Stuck auf denen Batterien / auch die Hinabsteigung in den Graben völlig fertig
⟨z⟩u haben; also / daß diesen außzufüllen / man so bald / als man will / wird anfangen können;
⟨u⟩nd glauben wir hiernächst / auch von denen Feindl. 2 Waffen=Plätzen / rechts und lincks /
⟨g⟩ar bald Meister zu seyn; allermassen man den letzten ohne dem schon mehrers innen hat.

Von denen von dem Duc de Marlboroug allhier gelassenen Truppen hatte man einen
Theil zu demselben hinwieder zuruck geschicket / und hierauff in unserem hiesigen Laager
⟨a⟩bermahlige neue Veranstaltungen vorgekehret / was zur Sicherheit desselben immer ge=
⟨s⟩eyen
kunte; im Fall der Feind hieherwärts sich etwas unterstehen solte.

Von demselben lieffe u⟨n⟩s Kundschafft ein / daß er mit grosser Eylfertigkeit einen gu=
⟨te⟩n
Theil seiner Truppen von Gent zuruck gezogen / und hingegen etwas nacher Duden=
burg
abgeschicket habe; wir arbeiten im übrigen beständig unsere Zufuhr hieher zu bringen.

Den 12. Dito. Man setzet immer fort / unsere Stuck auff die Batterien in die Contre=
⟨sc⟩arpe
einzuführen / auch das Wasser auß dem Gaben abzuzapffen; und hat man zwar
⟨ge⟩glaubt / von dem feindlichen Waffen Platz lincker Hand sich völlig Meister zu machen /
man hatte es aber auff heut in die Nacht verschoven / und hoffet / auch morgen des an
ein rechter Hand gleichmässig sich zu bemächtigen.

[10]

Von dem Milord Duc de Marlboroug haben wir den Bericht / daß er die gestern von
hier zu demselben zuruck geschickte Truppen zwischen Menin und Cortricht hätte anhalten
lassen. Von unserer Zufuhr ware allbereits ein grosser Theil Pulver durch das Land / so ins
Wasser gesetzet / glücklich durchkommen.


CONTINUATIO DIARII

Auß dem Alliirten Feld=Laager / bey Rousselaer /

von dem 12. biß 14. October / 1708.

DEn 12 Octob. Seithero 2. Tagen ware man im Werck begriffen / eine grosse Meng
K⟨r⟩iegs=Gezeug und Lebens=Mittlen auff Flössen / Blatten=Schiffen und Pferdten auß
Ost⟨e⟩nde nach Lessingen zuüberbringen; wie man dann heute nach letztgemeltes Orth 8.
biß 900. von Menin kommende Wägen abgeschicket / umd erwehnte Nothwendigkei=
ten
zu laden und zu überbringen; alldahin der General Wachtmeister Cadogan sich
auch verfüget hatte; selbiger Orthen waren / über die 3. Brigaden / noch mehr Fuß=
Volck und Reutterey angelangt; die General Wachtmeistere / la Lecq und Hoendorp
waren eben heute auß dem Laager vor Ryssel zuruck gekommen / und hatten sich mit
ihren unterhabenden 14. Squadronen und 10. Bataillonen zwischen Menin und Cour=
tray
(oder Cortricht) gesetzet / umb die Gemeinschafft dieser zweyen Plätzen zu
erhalten; Jngleichem ware diesen Tag der Obrist Chambier / welcher mit 800. zu Fuß
und 200. zu Pferdt nacher Dixmude abgangen ware / umb das alldort befindliche Ge=
trayd
abzuholen / wieder mit seinen Leuthen bey der Armee eingerucket; weil er aber
nicht alles Angetroffenes mit sich überbringen können; als wurde /

Den 13. Dito / abermahls ein andere Mannschafft von eben gleicher Stärck
dorthin abgeordnet; damit diese das noch zuruck Verblibene vollends laden / und an
hero zur Armee einbringen möchte. Auß dem Laager vor Ryssel brachten letztere Brief,
daß unsere Leuthe eyfferigst sich bearbeiteten / die Gräben außzufüttern und anzufül=
len
/ auch verschiedene Gallerien (oder bedeckte Gänge) zu bauen / nicht weni=
ger
eine neue Bresch / oder Oeffnung / rechter Hand des Angriffs zu machen; der=
gestalten
/ daß man muthmasset / es werde nächstkünfftigen Mittwoch / oder Donnerstag
alles fertig seyn / umb auff die Stadt den General=Sturm thuen zu können. Die
Feindliche Armee / unter dem Duc de Vendôme, lieget noch hinter dem Canal zwischen
Brügg und Bellem; von jener stehen auch 18. Bataillons Nord=wärts von Brügg
und 12. andere Bataillons in dem Polder von Santvoord. Die jenige Truppen
welche der Hertzog von Burgund letztesmahls gegen Brügg durch Gent abgehen lies=
se
/ hatten vorgestern ihren Weeg wieder zuruck nach dem Laager erwehnten Printzent
genommen / so noch immerhin an der Schelde verbleibt.

Den 14. Dito waren 80. mit Pulver beladene Wägen und Karren auß Ostende bey
uns in dem Laager glücklich ankommen; welche so gleich nach Menin überschickt wur=
den
; das noch übrige verhoffend nach einander auch zu erlangen / darzu alle gute An=
st⟨a⟩lt
b⟨e⟩reits gemacht worden. Wie auß dem Laager vor Ryssel Bericht eingeloffen /
wäre man alldort den Graben zu überstiegen / das Wasser Lincks und Rechts abzuzapffen /
und die Gallerien zu verfertigen beflissen; welches alles bestätiget werde; mit
dem Beysatz / daß noch diese Wochen der General= Sturm erfolgen dörffte: übrigens
wolten die Gefangene Fantzosen versichern / daß in der Stadt viel Krancke / und
grosser Mangel / sonderlich an Fleisch / verspühret werde; dahero auch die Besatzung
schon Roß=Fleisch zu essen angefangen.

»