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Wienerisches Diarium

Nr. 1847, 12.–15. April 1721

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Wien / vom 12. bis 15. April / 1721.

SAmstag / den 12. April. Heut haben die Glorwürdigst= Regie=
rend
= Römisch= Kaiserlich= und Königlich= Catholische M. jestät=
ten
/ samt Jhrer Weiland Kaiserlichen Majestät / Leopold des Er=
sten
/ Glorreichster Gedächtnuß / hinterlassen= Durchleuchtigsten Erz Her=
zoginnen
/ Maria Elisabetha / und Maria Magdalena / in Beglei=
tung
des Venetianischen Botschafters / Titl. Herrn Cavaliere, Gio.
Priuli, in der Kaiserlichen Hof=Kirche deren W. W. E. E. P. P. Au=
gustiner
= Barfüssern / erstlich Vormittag dem gewöhnlichen Gottes=
Dienst: des Abends aber den fünf lezten Geheimnuß= Predigen / wie
auch der übrigen Andacht / ingleichem der Auferstehung beygewohnet /
welche Jhre Hochwürden / Titl. Herr Anton / Abt des Kaiserlichen
Stifts und Closters von Montserrat / O. S. Ben. unter Trompeten=
und Paucken= Schall / wie auch dreyfacher Lösung des Gewehrs von
der vor dem Closter gestanden= Kaiserlichen Leib= und Stadt= Garde /
verrichtet; Welche Aufersterstehung nichtweniger in der Cammer= und
Hof= Capellen der Regierend= und Verwittibt= Kaiserlichen Majestä=
ten
geschehen.

Sonsten folget hierbey der fernere Bericht dessen / was nach dem
Tod / wie auch vor= und nach der Begräbnuß Clemens des Eilften /
Römischen Pabsts / H. Gedächtnuß / zu Rom / von dem 23 bis 29.
März / 1721. sich merkwürdig zugetragen / samt der statlichen Rede /
welche / Namens Jhrer Kaiserlich= und Catholischen Majestät / Jhre
Eminenz / der Hochwürdigste Fürst / Michael Friedrich / Graf von


[]

Althan / Titul S. Sabinæ, Cardinal Priester / Bischof zu Waitzen /
Freyherr von Goldburg und Murstetten / Jhrer Römisch= Kaiserlich=
und Catholischen Majestät wirklich= geheimer Raht / Con - Protector
Teutschlands / und deren Erb=Königreichen und Landen des Erz=
Hauses Oesterreich / wie auch Jhrer Majestät Minister / in Gelegenheit
des Entledigt= Päbstlichen Stuls durch den Tod Pabst Clemens / des
Eilften / an das S. Collegium gehalten haben.

Sontag / den 13. April. Heut / als am Heil. Oster=Fest / ha=
ben
Jhre Römisch= Kaiserlich= und Königlich= Catholische Majestä=
ten
/ samt den Durchleuchtigsten Erz=Herzoginnen / Maria Elisabetha /
und Maria Magdalena / in Begleitung des Venetianischen Herrn Bot=
schafters
/ nebst denen Rittern des goldenen Vlieses / und der alhiesigen
Universität / in der St. Stephans=Dom=Kirche dem gewöhnlichen
Gottes= Dienst / welchen der Fürstliche Herr Ordinarius, Jhre Hoch=
fürstliche
Gnaden / Herr Sigmund des Heil. Römischen Reichs Fürst /
und Graf von Kollonitsch / verrichtet / sammentlich abgewartet / sodan
in Begleitung Dero prächtigen Hofstatt / davon die Hartschieren /
Trabanten / auch ander= Kaiserliche Bedienten in schön= neuer Liver=
rey
erschienen / nach der Kaiserlichen Burg gekehret / und alda die Re=
gierend
= Kaiserliche Majestäten das Mittagmahl offentlich in der Kai=
serlichen
Ritterstuben unter einer statlichen Tafel=M⟨u⟩sick eingenommen.

Montag / den 14. April. Heut hat die alhiesige Becker=Zunft
ihren von Weiland Kaiser Carl / dem Fünften / in mildester Ansehung
jener bey der im Jahr 1529. unternommen Türkischen Belagerung
dieser Kaiserlichen Residenz erwiesen=guter Diensten / jährlich befrey=
ten
Aufzug mit fliegender Fahn und klingendem Spiel aus dero ge=
wöhnlicher
Herberg durch hiesige Stadt gehalten.

Dito ist Heute von hier der Kaiserliche Unter=Cammer= und ein
Hof=Furrier nach dem Carlsbad abgangen / um daselbsten die Quar=
tieren
/ und anders zuveranstalten; Weilen Jhre Majestät / die Kaise=
rin
/ nächstkünftigen May Sich dahin erheben werden / um die Bad=
Cur zubrauchen.

Dienstag / den 15. April. Heute / Mittag / haben Sich Jhre Ma=
jestät
/ die Verwittibt= Römische Kaiserin / Amalia Wilhelmina/ nach
dem Rennweg zu den W. W. E. E. Closter=Frauen / von Maria=
Heimsuchung genant / erhoben / um daselbsten Sich wegen des Jahr=
tags
Jhrer Weiland Kaiserlichen Majestät / Joseph des Ersten / Glor=
würdigster
Gedächtnuß / so den 17. dieses Monats fallen wird / ei=
nige
Täg in der Still aufzuhalten; Wie dan auch Heute Nachmittag

[]

Jhre Durchleucht / die Erz=Herzogin Maria Amalia /sich dahin verfüget /
aber des Abends wieder nach der Kaiserlichen Burg Dero Ruckehr
genommen.

Aus Polen / von dem 8. April. Daß / nachdem Jhre Königliche
Majestät jüngstgedachter Massen zu Warschau wieder angelanget / die
Senatoren und Magnaten sich auch nach und nach daselbsten einfin=
den
liesen / um das Senatûs-Consilium zuhalten; Ubrigens wolle
noch immer von Caminieck verlauten / alda Kundtschaft zuhaben /
daß die Türken bey Cochim sich in gute Bereitschaft stellen solten.

Aus Neapel / von dem 25. März. Daß auf ein aldort ange=
langten
Currier mit der Nachricht von dem Tod Pabst / Clemens des
Eilften / H. Gedächtnuß / dasiger Päbstl. Nuntius von seinem Pall⟨a⟩st
das Päbstl. Wappen abnehmen; und die Nuntiatur schliesen lassen.

Aus Livorno / von dem 28. März. Daß man daselbsten die Zei=
tung
aus Provence erhalten / wie nemlichen die Pest in Marsillien
was nachlassen: in Toulon aber noch stark einreissen solle.

Aus Genua / von dem 29. März. Daß alda von Rom ein Cur=
rier
angekommen / welcher denen Herren Cardinäl / Fieschi und Martini,
die Einladungs=Schreiben zum Conclave wegen der Wahl eines neuen
Pabsts mitgebracht; Dasiger Herr Erz=Bischof habe für den verstor=
benen
Pabst alle Glocken läuten: und damit drey Tag fortfahren lassen.

Aus Mailand / von dem 2. April. Daß die drey Herren Car=
dinäl
/ Odeschalchi, Borromeo, und Cusani, sich bereit machten / dero
Reiß nach Rom anzutretten; Wie dan um ein glückliche Wahl Jhre
Eminenz / der Herr Erz=Bischof/ ein grosse Procession nach der Kirche
des Heil. Ambrosius angestellet / auch daselbsten das Amt vom Heil.
Geist selbsten gesungen.

Aus Venedig / von dem 5. April. Daß der Herr Cardinal Corna-
ro
, Bischof zu Padua / nächstens dem Herrn Cardinal Barbarigo nach
Rom folgen werde / um daselbsten der instehend= Päbstlichen Wahl bey=
zuwohnen
; Welche damit sie geschwind von statten gehen möge / der
Herr Patriarch in allen Pfarr=Kirchen die Votiv=Meß vom Heiligen
Geist halten lassen: Sonsten wären jüngstens wieder einige Schiffe
mit Gelt und Proviant nacher Dalmatien abgangen.

Aus Spannien / von dem 15. März. Daß von Madrit / alda
ein Päbstlicher Nuntius angekommen / um nach Portugall dessen
Reiß fortzunehmen / der Königliche Hof nach Buen-Retiro sich begeben /
daselbsten ein Theil des Frühlings zupassiren; Zu besagtem Madrit
ehe der Herr Marchese de Leede noch nicht angelanget / weilen er Or=

[]

dre bekommen / alle Plätz in Catalonien und andern Provinzen zube=
sichtigen
/ auch selbe und sonderlich Roses / mit neuen Werkern zuversehen /
dan die Truppen zu mustern / und die Werbungen eifrig fortsetzen zu=
lassen
; Jndessen wär aus Ceuta die Nachricht eingelangt / daß die
Mohren vor selbiger Stadt fortfahren sollen / ihre Contravallations=
Linie au⟨fzuwer⟩fen; Und / damit sie an der Arbeit nicht gehindert; noch
überfallen würden / dieselbe eine Batterie gebauet: dan auf selbige 2.
metallene / auch 3. eisene Stucke gepflanzet hätten.

Aus Groß=Britannien / von dem 28. März. Daß zu Londen /
und im ganzen Engelland der Gelt=Mangel sehr groß seye / und werde
noch täglich grösser; Welcher Mangel auch in Jrland sich hervor tu=
he
/ daß aldorten der vierdte Theil deren Einkünften kaum mehr ein=
komme
; Und gleichwie wegen des Verfals der ausländischen Handel=
schaft
die Zoll=Einkünften in Engelland sehr verringert würden; Al=
so
gieng es auch schwer her / eine Summa Gelts auf die Land= Ta=
xen
/ und zwar zu 6. p. Cento aufzunehmen; Jndeme schon 3. Wo=
chen
die Bücher offen lägen / um ein gewisse Summ unterschreiben zu=
lassen
; Da man sonsten in einem Tag die begehrte Summ unterschrieben
bekommen; Welch= alles man dem mislichen Actien=Handel zuschreibe;
Welchen jedoch ferner zuuntersuchen man kein grossen Eifer eines
Theils mehr bezeigen solle; Weilen die Sache zu weit kommen / daß
so gar grosse Ministern darunter sich befinden sollen; Wie dan 172.
Stimmen vom Unter=Hauß wirklich dahin gangen / dem König ein
Addreß zuüberreichen / und zubegehren / daß einer dessen Ministern von
dem Königlichen Angesicht / und Rahts=Versamlung verbannet wer=
den
solte; So aber mit 233. Stimmen verworfen worden: Ubrigens
habe der Duc de Buckingham bey seinem Leben ein Grabschrift verfer=
tiget
/ um selbige auf seinem Grabstein zusetzen / nemlichen; Pro Rege
sæpe, pro Republica semper, dubius, non improbus vixi, incertus, nec
perturbatus. morior Christum adveneror, in DEO confido æterno,
ac omnipotente; Ens Entium miserere mei; Sonsten würde mit
Ausrüstung deren 18. Kriegsschiffen / ohne die Fregatten und andere
Schiffen / mit grossem Eifer fortgefahren; Wie dan zu mehrerer Be=
schleunigung
derselben der Admiral Norris, samt verschiedenen Offi=
cieren
/ nacher Chatham abgangen.

Aus Frankreich / von dem 31. März. Daß / nachdeme von dem
Herrn Cardinal de Bissy in der Haubt=Kirche zu Meaux der Herr
Abbate Maffey zum Titular Erz=Bischoffen von Athen geweyhet wor=
den
/ selbiger nunmehr bey dem König sein erste Audienz als Päbstli=

[]

cher Nuntius gehabt hätte; Welcher ungemein betrübt seyn solle we=
gen
der Nachricht / so ein Currier von Rom den 28. Dieses überbracht /
daß nemlichen Clemens / der Eilfte / den 19. Dito gestorben; Dahero
dan auch die Herren Cardinäl / Bissy und Marly, ohne Verzug dorthin
abgehen: und der Herr Cardinal Polignac nächstens folgen solle.

Aus Holland / von dem 4. April. Daß in dem Haag / alda die
Deputirten deren Admiralitäten ihre Berahtschlagungen eifrig fortse=
tzeten
/ um die Kriegs=Schiffe wider die Algiers auszurüsten / der Ad=
miral
Sommersdick von Amsterdam wieder angelanget; So hab auch
in besagtem Haag der Herr Baron Goudenau von Jhro Churfürst=
lichen
Durchleucht zu Cöllen / als Fürsten von Lüttig / sich eingefun=
den
/ und bereits mit einigen Herren von der Regierung ein Unterre=
dung
gepflogen; Die Herren Staaten sollen beschlossen haben / dero
Residenten / Herrn Pesters / nach Cammerich zusenden / um dero An=
gelegenheiten
bey künftiger Friedens=Handlung zubeobachten.

Aus Brabant / von dem 4. April. Daß man von Cammerich
die Nachricht bekommen / wie man daselbsten noch immer beschäftiget
seye / in dem Pallast die Zimmer zuzurichten / darin die Friedens= Hand=
lung
geschehen solle; Auch lasse man ein Theatrum verfertigen / um
ein= und andere Operahaltenzukönnen / wan die Herren Botschaf=
tere
zusammen eintreffen würden; Der Portugesische Botschafter / Herr
Comte de Taroucca, hab in Holland ein Hauß von Holz verfertigen
lassen / welches derselbe auch nach bemeldtem Cammerich abgeschicket /
um solches auf einem grossen Platz aufschlagen zulassen.

Von dem Nieder=Rheinstrom / vom 6. April. Daß zu Cöllen
erst den 5. dieses / Morgens / um 8. Uhr / Jhre Herzogliche Durchleucht /
der Herr Bischof zu Münster und Paderborn / unter Lösung deren
Stucken mit einem grossen Gefolg angelanget seyen / und sich alsbald
in die Dom=Kirche begeben hätten / daselbsten Sie von Jhro Hoch=
würden
/ dem Herrn von Sierstorff / dasiger Universität Rectore Ma-
gnfico
, und Gymnasii Laurentiani Regente, in das Chor eingeführet
worden; Darinnen Dieselbe so dan dero Residenz angefangen / welche
3. Wochen währen solle: Die beyde regierende Herren Bürgermai=
stere
hätten sich auch zu Jhro Herzoglichen Durchleucht verfüget / und
Namens des ganzen Magistrats die Complimenten abgeleget / daß
zugleich Deroselben den Ehren=Wein präsentiret.

Von dem Maynstrom / vom 8. April. Daß zufolg der Nachricht
von Manheim an dasig= Churfürstlichem Residenz=Bau wieder stär=
ker
/ als sonsten / fortgefahren werde; Wie man dan in dem ersten Stock=

[]

Werk schon bis an das Fenster in die Höhe gekommen; Von Cassel
habe verlauten wollen / daß dortiger Herr Landgraf auf die Jagd
nach Schmalkalden: der Prinz Wilhelm aber nach Breda /in Holland /
zu dessen Guvernement sich begeben hätte.

Aus der Schweitz / von dem 4. April. Daß man zu Bern einen
Beht= und Fast= Tag gehalten / um GOtt Dank zusagen / daß er die=
ses
Land vor der Pest noch bewahret habe; Und solle diesem Exempel
all= andere Cantonen nachfolgen wollen; Sonsten aber seye zu Baden
die gemeine Tagsatzung noch nicht zum End gekommen / welches die
lange Ausbleibung deren Deputirten von Ary / Schweitz / und Unter=
walden
verursachet hätte.

Von dem Elbstrom / vom 9. Aprill. Daß alle Generalen Jhrer
Czaarischen Majestät die Ordre empfangen / sich in guter Bereitschaft
zuhalten; Jndessen wären aus Stockholm den 23. März die Schwedi=
sche
Gevollmächtigte / Lielienstädt und Stromfeld / nach Nystadt / in
Finland / zur Friedens=Unterredung aufgebrochen; Zu gedachtem
Stockholm habe dem König ein ausländisch= Königlicher Minister zuver=
stehen
gegeben / wie daß sein König entschlossen / alles zu der Ruh
in Norden beyzutragen / und dahero die Truppen bereitzuhalten / den
Ausschlag geben zukönnen; Und weilen aus der Reiß eines gewissen =
nigs
nach Curland nichts worden; So vermuhte man / daß die Freund=
schaft
nicht so groß mehr seyn möge; Zu Koppenhagen seye der Kaiserl.
Gesandter / Herr Graf von Freytag / aus Schweden angekommen / hin=
gegen
der Engellische Mylord / Polwarth / nachdem er sich beym =
niglichen
Hof beurlaubet / nacher Hamburg abgereiset / um sich ferners/
als Groß=Britannischer Gevollmächtigter / zu der Friedens=Handlung
nach Cammerich zuerheben.


Ankunft deren hoh= und niederen Stands=Personen.

Den 12. April / 1721.

  • Stuben=Thor. Herr von Solopisk. Lieu=
    tenant
    vom Prinz Eugenischen Drago=
    ner
    =Regiment / komt von Brüssel / log.
    beym Radel.
  • Schotten=Thor. Ein Chur=Bayrischer
    Currier / komt von München / geht in
    Schlegel=Hof /zu dem Herrn Gesandten /
    Grafen von ⟨D⟩örring.

Den 13. Dito

  • Karntner=Thor. Fürst von Lichtenstein /
    Haubtmann vom Bayreutischen Dra=
    goner
    =Regiment / komt von St. Pölten /
    log. im Traunischen Hauß.

Den 14. Dito

  • Stuben=Thor. Herr Assetsgi, Obrist=
    Wachtmaister vom Batteischen Drago=
    ner
    =Regiment / komt von Vesprin / log.
    beym weissen Wolf.
[]

Lista deren Getauften / in= und vor der Stadt.

Den 18. März / 1721

  • Dem Titl. Herrn David Ferdinand von
    Engelsperg / Herrn zum Mitterhof / der
    Römisch= Kaiserlich= und Catholischen
    Majestät N. O. Land=Rechts=Beysitzern /
    wie auch einer löbl. Landschaft 〈…〉
    Rait=Marschallen / und dessen Frau
    Gemahlin / Maria Victoria / gebohrner
    Freyin von Mayer / wurd ein Fräule
    Tochter getauft / und ihr die Namen:
    Josepha Magdalena Catharina / erthei=
    let
    ; Die hohe Paten waren / Titl. Frau
    Maria Catharina / Gräfin von Hohen=
    feld
    / und Titl. Frau Maria Magdalena
    Gräfin von Honos / wie auch dero Herr
    Gemahl / Titl. Herr Philipp Jnnocenz /
    Graf von Honos ꝛc. gewesen.
  • Dem Joseph Kichbaum / und Catharina
    sein. Ehew. ihr S. Joseph 〈…〉
    Lorenz
  • Dem Martin Schimpel / und Theresia sein
    Ehew. ihr T. Maria Susanna Ca=
    tharina
    .
  • Dem Franz Anton Weisenbacher / Schrei=
    ber
    / und Maria Susanna sein. Ehew.
    ihr T. Maria Susanna
  • Dem Leopold Franz Joseph Müller / und
    Susanna Theresia sein. Ehew. ihr S.
    Johann Joseph
  • Dem Jacob Locodeli / und Maria sein.
    Ehew. ihr S. Henrich Franz
  • Dem Joseph Wisinger / Musicant / und
    Theresia sein. Ehew. ihr S. Gottfried
    Joseph.

Lista deren Verstorbenen / in= und vor der Stadt

Den 12. April / 1721. starb

Jn der Stadt

  • Dem Titl.Herrn Johann Caspar Günter
    von Sternegg / des Heil. Röm. Reichs
    Ritter / sein Fr. Gem. Sophia Martha /
    gebohrne Hafnerin / alt 80. Jahr.
  • Jungfr. Anna Regina Kleiglerin / im Gi=
    michischen
    Hauß / alt 53. Jahr
  • Johann Jacob Reiffel / Peruckenmacher /
    beym weissen Wolfen / alt 68. Jahr.
  • Johann Georg Schlangel / Kaiserl. Tra=
    banten
    =Pfeiffer / auf der Wölker=Pastey /
    alt 56. Jahr.
  • Dem Joachim Erhard / Lang= Messer=
    schmid
    / im Bechmannischen Hauß / sein
    K. Anna / alt 4. Jahr.
  • Dem Dionysi Geisenhofer / Hausmeister /
    im Pockischen Hauß / sein K. Anna /alt 1. J.
  • Andre Fischer / alt 86 J. und Anna Ber=
    sin
    / / alt 60. Jahr / im Bürger=Spittal

Vor der Stadt

  • Dem Jopseph Hinterkircher / Kaiserl. Tra=
    bant
    / bey St. Ulrich / sein Ehew. Maria
    Anna / alt 25. Jahr
  • Dem Pancraz Ebner / Fischkäufler / in der
    Leopoldstadt / sein W. Magdalena /
    alt 24. Jahr.
  • Justina Landsteinerin / Wittib / in der Leo=
    poldstadt
    / alt 84. Jahr
  • Andre Grasman / Bildhauer / auserm Neu=
    bau
    / alt 44. Jahr.
  • Der Anna Rosinin / Wittib/ in der Rot=
    gaß
    / ihr K. Theresia / alt 9. Jahr.
  • Andre Kern / Bräuknecht / in der Altergaß /
    alt 22. Jahr.
  • Anna Dallhamerin / Wittib / bey Maria=
    hilf
    / alt 43. Jahr.
  • Barbara Schneiderin/Wittib / im Lerchen=
    feld
    / alt 55. Jahr.
  • Dem Joseph Reichenauer / Tagwerker / zu
    Matzelstorf / s. K. Georg / alt 3. Jahr
  • Der Anna Wolbacherin / Wittib / zu Matzel=
    storf
    /ihr K. Anton/alt 7. Jahr.
  • Theresia N. alt 2⟨8⟩ J. Wolf N. alt 52. J.
    und Johann N. 5. Jahr / zu St. Marx.

Den 13. und 14. Dito / in der Stadt

  • Dem Johann Georg Greiffenbach / Kaiserl.
    Hartschieren Rottmeister / im Wagne=
    rischen
    Hauß / sein K. Francisca / alt 1.
    Jahr
  • Dem JulianBieriery/ Kellermaister / im
    Schusterischen Hauß / sein K. Joseph /
    alt 5. und 1. halb Jahr.
  • Dem Johann Georg Glück /Edelknaben=
[]
  • Diener / im Tavernatischen Hauß / sein
    K. Carl Joseph / alt 6. Vierdtel Jahr.
  • Dem Adam Buz / Schuster / im Schaben=
    riesselischen
    Hauß / alt 56. Jahr.
  • Dem Thomas Wertberger / Maurergesell /
    beym schwarzen Stiefel / sein W. Ca=
    tharina
    / alt 78. Jahr.

Vor der Stadt.

  • Herr Carl Christian Amon / Verwalter / im
    Liechtenthal / alt 22. Jahr.
  • Johann Stigel / Bildhauer / am Neustift /
    alt 33. Jahr.
  • Dem Bonaventura Jacober / Schneider /
    in der Josephstadt / sein K. Maria /
    alt 6. Vierdtel Jahr.
  • Dem Valentin Kolnat / Laggey / untern
    Felbern / sein K. Johann / alt 6. Jahr.
  • Dem Johann Klairs / Schuster / bey
    Ulrich / sein W. Elisabeth / alt 77. Jahr.
  • Michael Spahr / Schneider / im Lerchen=
    feld
    / alt 26. Jahr.
  • Georg Weiß / Kutscher / am Spitlberg=
    alt
    34. Jahr.
  • Dem Paul Reichenstorfer / Stroschneider /
    auser Maria=Hülf / sein K. Eva / alt
    5. Vierdtel Jahr.
  • Dem Michael Steckermülner / Kutscher im
    Contumatz / sein K. Maria / alt 3. Jahr.
  • Maria N. im Liechtenthal / alt 60. Jahr.
  • Georg Nagler / am Neubau / alt 97. Jahr.
  • Maria Träxlerin / ausser Maria=Hülf /
    alt 97. Jahr.
  • Anton Kieler / alt 28. J. Gertraud Hilse=
    rin
    / alt 36. J. Michael Cronberger / alt
    22. J. Carl Etel / alt 25. J. Max Speid=
    ler
    / alt 52. J. und Anna Bolhannerin /
    alt 68. Jahr / im Kranken=Hauß

Den 15. Dito / in der Stadt.

  • Titl. Herr Leopold Carl / des H. R. Reichs
    Graf von Gabriani / Herr der Herr=
    schaften
    / Walterstorf und Seiberstorf/
    der Römisch= Kaiserlichen Majestät Cam=
    merer
    / alt 54. Jahr.
  • Herr Eustachius Carl Gsell / Kaiserl. Ge=
    neral
    = Kriegs= Commissariat= 〈…〉mts= Con=
    cipist
    / beym goldenen Greifen / alt 45.
    Jahr.
  • Dem Rudolph Hien / Kaiserl. Trompeter /
  • beym Küssen=Pfenning / sein K. Joseph /
    alt 2. und 1. halb Jahr.
  • Anna N. welche Vorgestern im Kupfer=
    schmidischen
    Hauß / aus Verwirrung /
    sich selbst mit einem Messer entleibet /
    und alda vom Kaiserl. Stadt=Gericht
    beschaut worden / alt 32. Jahr

Vor der Stadt.

  • Dem Johann Michael Datenrieder /
    in der Leopoldstadt / sein K. Anna / alt
    2. Jahr.
  • Dem Ignaz Hörl / Vorfechtern / am Spitl=
    berg
    / sein K. Magdalena / alt 1. Jahr.
  • Dem Georg Heineran / Schreiber / in der
    Leopoldstadt / sein K. Andre / alt 7.
    Vierdtel Jahr.
  • Sebastian Daubler / Bestandswürth / auser
    Maria=Hülf / alt 24. Jahr.
  • Joseph Florian / Ziegel=Versilberer / auf
    der Widen / alt 40. Jahr.
  • Catharina Siebenhoferin / im Liechtenthal /
    alt 22. Jahr.
  • Dem Barthlme Winkler / Zimmergesell /
    am Neubau / sein K. Peter / alt 2. Jahr.
  • Dem Johann Schatl / Ziegler / auserm
    Neub⟨a⟩u / sein K. Helena / alt 10. Jahr.
  • Dem Andre Melkewiz / Land=Kutscher=
    Knecht / zu Erdberg / sein K. Lorenz /
    alt 9. Jahr.
  • Dem Jeremiæ Petermanl / Schiffknecht /
    in der Leopoldstadt / sein K. Anna / alt
    3. Jahr
  • Matthias Weber / Holzleger / in der Roßau /
    alt 75. Jahr.
  • Jacob Wind / Tagwerker / auf der Wind=
    mühl
    / alt 50. Jahr.
  • Dem Johann Schmidhuber / armen Leuth=
    Samler / am Neubau / sein W. Ursula /
    alt 83. Jahr.
  • Dem Christoph Mayr / Tagwerkern /in der
    Leopoldstadt / sein K. Franz / alt ⟨drit⟩=
    halb
    Jahr.
  • Mathias Andre / untern Felbern / alt 58. J.
  • Johann Eberhard / alt 26. Jahr / Jacob
    Aicham / alt 16. J. Egide Weinzierl /
    alt 18. J. und Johann Gansenbacher /
    alt 20. Jahr / im Kranken=Hauß.
  • Christoph N. zu St. Marx / alt 20. Jahr.

Ferne=

[]

Fernerer Bericht

Dessen / was nach dem Tod / wie auch vor= und nach der Begräbnuß
Clemens des Eilften / Römischen Pabsts / Heil. Gedächtnuß / zu Rom/
vom 23. bis 29. März / 1721 sich merkwürdig zugetragen.

SOntag / den 23. März. Heute war abermalen in der Chor= Ca=
pelle
der Haubt=Kirche / zu St. Peter / für Jhre Päbstliche Heiligkeit / (dero
Todfall nicht sogleich / wie sonsten gewöhnlich / durch Läutung der Glocken im =
mischen
Capitolio kundbar gemacht: sondern zuvor diejenige Gefangenen / welche
wegen schweren Lasteren / um die sie Leib= und Lebens=Straf verdienet / vor Aufgang
der Sonnen in das Castell gebracht worden; Als währendem Läuten ein Quar=
tiermaister
des Römischen Volks nicht allein die in berührtem Capitolio befind=
lich
= alte / sondern auch die neue Gefängnüssen eröfnet: und /alle gefangen=gesessene
ledig und los gelassen hatte;) die Leichbesingnuß in Gegenwart derer Herren Car=
dinälen
fortgesetzet worden; Nach welcher Leichbesingnuß sie sich in dortige Sacri=
stey
erhoben: und Congregation gehalten: auch in selbiger den Monsignor l'Affiteau,
als Ministern der Cron Frankreich / zur Audienz gelassen halten; Da dan derselbe
Namens seines Königs wegen des Absterben Pabst Clemens / des Eilften / ein Trauer=
Klags=Compliment an das S. Collegium abgeleget: anbey die Ansuchung getahn ge=
habt
/ ein solchen Nachkömling zuerwählen / welcher mit eben denen Tugenden des
Verstorbenen gezieret seyn möge; Nebst der Anerbietung des Beystands seines Hofs
zur Sicherheit des Conclave, und zur Handhabung der Grund=Gesätzen der Kirchen;

Gegen Abend dieses Tags / um 24. Uhr Jtalienisches Zeigers / hatten / nebst
dem Herrn Cardinal Paulucci, die meiste Creaturen des verstorbenen Pabsts / als
die Herren Cardinäl / Corsini, Aquaviva, Gualtieri, Fabroni., Colonna, Conti, Al-
boni
, Priuli, Ptolomei, Olivieri, Scotti, Nicoló, Spinola, Althan, und Salerno, mit
ihren Rochetten bey St. Peter in der vorbemeldten Sacristey sich eingefunden/
um den verblichen Päbstlichen Leichnam zu seiner Ruhestatt zubegleiten; Wie dan
dieser auf einer grossen Toden=Bahr alsobald aus der H. Sacraments=Capell / in
Vorhertragung des gewöhnlich= Päbstlichen Creutzes / und Folgung der n Clerico-
rum
auch Beneficiaten dieser Haubt=Kirche / mit brennenden Facklen in denen Hän=
den
/ von denen Mitbrüdern der Bruderschaft des H. Sacraments in die Chor=
Capelle getragen worden; Daselbsten der Leichnam von denen Herren Canonicis,
so ebenfals alle brennende Facklen in den Händen gehabt / mit aller Ehrerbiet=
samkeit
empfangen: die oberwehnte Herren Cardinäl aber dessen erinnert worden;
Welche sogleich in der Ordnung aus der Sacristey in die lezterwehnte Chor= Ca=
pelle
sich verfüget / und daselbsten in die Näh herum sich gestellet; Da mitler Weile die
Päbstl. Herren Musicanten gesungen: In Paradisum ducant re Angeli &c. die Engeln
sollen dich in das Paradeys führen.

Hiernächst hatte Monsignor Nicolai, Vicarius von der Haubt=Kirche zu St. Peter /
mit einem Vesper=Mantel angetahn / mit der Jnful auf dem Haubt / den Toden=
Sarg geweihet / und gleich darauf die Päbstliche Herren Musicanten wieder gesun=
gen
: Ingrediar in locum Tabernaculi admirabilis usque ad montem DEI &c. samt
dem Psalm: Quemadmodum desiderat cervus ad fontes aquarum &c. Das ist / Jch
werd in den Ort des wunderbarlichen Tabernackels bis zu dem Berg GOt=
tes
geben ꝛc. mit dem Psalm: Wie der Hirsch verlangt nach den Wasser=Brunnen;
Da zu gleicher Zeit die mit den Chor=Röcken angetahne Priester den Päbstlichen
Leichnam mit eben der Päbstlichen Kleidung / in welcher derselbe die drey Täg lang

aus=

[]

ausgesetzet gewesen / in den vorgemeldten Toden=Sarg / der von Cypressen= Holz=
ware
/geleget hatten; Jm Sarg war ein goldstuckene Deck /mit Carmesin=Tafet gefütert /
und mit goldenen Franzen gezieret / welche von allen Seiten herunder hienge;
Jhre Eminenz / der Herr Cardinal Albani, als Nipote Jhrer Päbstlichen Heiligkeit /
küssete dero Fuß und Hand nicht ohne Herzbewegung aller Herumstehenden / und
legte über das Päbstliche Gesicht ein von dem zartest= weissen Leinwat gemachtes
Tüchel; Nachdem hat über den Päbstl. Leichnam Monsignor Nicolo Giudice, als Ob=
rist
=Hofmaister / ein ander weisses Tuch/ und darüber zwey weiss=taffettene Tüchel:
und zu Füssen drey Carmesinsammettene / und mit Gold gezierte Beutel gele=
get
; Jn dem ersten waren 20. goldene / in dem andern 20. silberne / und in dem
dritten 20. metallene Medallien gewesen / auf deren jeder einer Seiten Jhrer Päbstl.
Heiligkeit Bildnuß: und auf der andern die von Deroselben / während=ihres zwain=
zig
=jährigen Pabstums / getahn=denkwürdige Tahten eingeprägt gewesen; Jn glei=
chem
hatte derselbe zu Dero Füssen die 2. Päbstliche von Sammet gemachte Hut
und Hauben geleget / und alles mit einer gross=seidenen Decken bedecket / auch so=
dan
mit der auf der Seiten abhangenden Carmesin=taffettenen Decken überschlagen;
Folglich ware die Toden=Sarg zugenaglet: und von denen drey Päbstl. Notarien /
welche bey all= diesen Verrichtungen gegenwärtig gewesen / ein offentliches Jnstru=
ment
darüber errichtet worden.

Die Herren Cardinäl haben sofort den Päbstlichen Leichnam denen Herren Cano-
nicus
überantwortet / damit sie denselben in jenes Ort / wo der Pabst Alexander
der Achte sich befinde / beysetzen mögen / jedoch mit der Verpflichtung / solchen auf
Begehren wieder abfolgen zulassen; Weilen Jhre Päbstliche Heiligkeit unter ande=
ren
sollen verlangt haben / in der Capelle derer Herren Canonicorum beygesetzet
zuwerden / für dieselbe dermalen aber noch kein ⟨b⟩equemes Ort zubereitet gewesen;
Sonsten aber ware der Cypressene Toden=Sarg noch in ein Bleyene gestellet worden /
darauf nachfolgende Jnschrift eingestochen gewesen:

D. O. M.
Clemens Undcecimus,
Pontifex Maximus,
Joannes Franciscus Albanus,
Urbinas,
Obiit die XIX. Martii,
Feriâ quarta,
Annô Domini MDCCXXI.
Vixit Annos LXXI. Menses VII.
Sedit in Pontificatu
Annos XX.
Menses III. Dies XXVI.

GOtt / dem Allergütigst= und Grösten.
Clemens der Eilfte /
Oberste Bischof /
Johann Franz Albanus,
von Urbin /
Jst gestorben den 19. März /
am Donnerstag
Jn Jahr des HErrn 1721.
Hat gelebt 71. Jahr /7. Monat /
auf dem Päbstlichen St⟨u⟩l gesessen
Zwainzig Jahr=
Drey Monat / 26. Täg.

Montag / den 24. Dito. Heut ware mehrmalen die Leichbesingnuß / da=
bey
der Herr Cardinal Aquaviva den GOttes=Dienst versehen / gewöhnlicher Mas=
sen
begangen: und nachdeme Congregation gehalten: dan in dieser für dasclavedie zwey Herren Medici, de Paulis und Loccarini, jeder mit einem Barbierer /
erkiesen worden;

Dienstag / den 25. Dito. Heut / als am Maria Verkündigungs=Fest / ware nach
der Leichbesingnuß wieder Congregation gehalten: und darinnen noch ein= und
andere Beamten für das Conclave aufgenommen; auch von dem S. Collegio denen
Ministern deren Auswärtigen Mächten Audientz ertheilt worden; Zu dem Ende

der

[]

der Herr Cardinal Conti, als Protector der Cron Portugall / von wegen seines =
nigs
die Condolenz=Complimenten ablegen wollen; Allein der Herr Cardinal Ta-
nara
, Decanus S. Collegii, hatte demselben zuverstehen gegeben: daß / weilen sich da=
selbsten
ein Portugesischer Botschafter befinde / welcher schon von dem verstorbenen
Pabst in halb offentlicher Form zur Audienz gelassen worden; Als könte solcher in
dieser Gelegenheit ein Gleiches begehren und erhalten; Wie dan auch / deme zufolg /

Mittwoch / den 26. März / nach der üblich=vollbrachten Leichbesingnuß / der
Portugesische Herr Botschafter / mit den Quasten an denen Pferden / so vor dessen
Wagen gespannet gewesen / in die Congregation sich begeben: und seines Königs
halben in dem S. C⟨ollegio⟩die Condolenz=Complimenten abgestattet hatte.

Eben diesen Tag waren die Losen wegen deren Zellen im Conclave für die
Herren Cardinäl gehoben: und zu Erst der Name des Cardinals Alberoni, für
welchen der Blasio Ferrari sich als Agent erklärt / unter der 36. Zahl: dan
für den Herrn Cardinal Valemanni die Zelle des Speiß=Saals gehoben worden;

Donnerstag / den 27. Dito. Heut hatte man wieder die Leichbesingnuß ver=
richtet
/ und sowohl das Sacrum Collegium in der Sacristey bey St. Peter / als
auch die Häubter deren Bischöffen / Priestern / und Diaconen / mit dem Herrn
Cardinal Albani, Camerlengo der H. Kirchen / in der Behausung des Herrn Car=
dinal
Tanara, Decani S. Collegii, die übliche Congregation gehalten.

Freytag / den 28. März. Heut ware die Leichbesingnuß mit der feyerlichsten
Manier / unter einem Ehren= und Toden=Gerüst: und nachdeme gewöhnlicher Massen
die Congregation gehalten: auch der Venetianische Herr Botschafter zur Audienz
gelassen: und dabey beobachtet worden / daß er / gleich den ander= auswärtigen Mi=
nisteren
/ in der Audienz nicht sich bedecken: noch sitzen dörfen / die Herren Cardinäl
auch ihr Biret nicht bey dem Eintrit / sondern nur bey dem Abschied des Herrn
Botschafters abgenommen hatten.

Samstag / den 29. März. Heut hatte man die Gestern feyerlichst= angefan=
gene
Leichbesingnuß wieder gehalten / auch hiernächst in das Sacrum Collegium Jhre
Eminenz / der Herr Cardinal Althan / sich begeben / und Namens Jhrer Kaiserlich= und
Catholischen Majestät folgend= kurze / aber statliche Red vorgetragen:

DEr empfindliche Schmerz / welcher die Herzen dieses gesamt= Heiligen Senats /
es und absonderlich das meinige wegen des schweren Verlustes des Obersten Bischofs=
Clemens des Eilften / Heil. Gedächtnuß / meines im Leben gewest= Allermildesten
Guttähters / ganz und gar eingenommen / hat mir bis diese Stund nicht zugelassen /
Eueren Eminenzen die gewisse Vorempfindlichkeit vorzustellen / welche ich von dem
grösten Herzenleid habe / so dem frommesten Gemüt Jhrer Kaiserlich= und Ca=
tholischen
Majestät / des Kaisers / meines Herrn / die Einlangung einer so traurigen
Zeitung wird verursacht haben / und dan die Wiedererholung unserer schmertzhaf=
ten
Gemüter / welche dieses so klägliche Schicksal überfallen / hatte mich verhindert /
daß nicht zu erst Namens Jhrer Kaiserlich= und Catholischen Majestät die Condo=
lentz
= Verrichtung abstatten können;

Euere Eminenzen werden mir derohalben vergünstigen / daß mit diesen wenig
Wörtern zum Theil ein Gnügen geleistet werde; So / wie mehr verpflicht / um desto=
empfindlicher
demjenigen / welcher mi⟨r⟩ höchstem Bedauren dessen Zufall wieder er=
innern
muß.

Es wird mir gar nicht schwer vorkommen / Eure Eminenzen der Empfind=
lichkeit
des billigen Schmerzen meines Höchsten Monarchen zuvergewissern; Mag
dieselbe sich zuwändigen belieben / der grossen Ehrerbietung und des Respects er=

[]

innerlich zuseyn / mit denen die Glorwürdigste Kaisere und Vorfahrer Jhrer Ma=
jestät
den Heil. Stul / und das sichtbare Haubt der Catholischen Kirche zu allen
Zeiten verehret haben;

Welche Verehrung der jezo Glorwürdigst= Regierend= Allerdurchleuchtigste Kai=
ser
/ so zusagen / gleichsam mit dem Oesterreichischen Blut angeerbet / das ofterma=
len
sowohl von denen Regiereren / als ihren träuen Vasallen zum Besten und Vertäh=
digung
der Religion / wie auch der H. Kirche vergossen worden;

Für welche dieselbe jederzeit so wohl ihr Leben / als ihre Schäze bereit gehabt
haben / und noch gleichsam in Verwahr bereit halten / solche bey verfallender Noht=
durft
für die H. Kirchen aufzuopfern / dero Glorwürdigen Titul eines Advocaten
Sie tragen / und solchen vor den höchsten Ruhm halten.

Ein so schädliche Wund demnach zuheilen / kan dazu kein sichers / noch ei=
gentlicherers
Mittel beygebracht werden / als die Erwählung eines Nachkömlings
und Statthalters Christi / so würdiger Massen den Stul besteige / welcher von ei=
nem
so frommen und wohlmeinenden Pabst verlassen worden;

Und damit diese Erwählung desto glücklicher von statten gehe / so anerbiehte
Namens Jhrer Kaiserlichen Majestät Eueren Eminenzen die völlige Macht / und
alle Autorität des Ersten Monarchen der Christenheit für die Freyheit der Wahl=
und Erhaltung des Apostolischen Stuls / auch des Erwählten / welchen die Gött=
liche
Vorsichtigkeit uns verleihen wird.

Zufolg diesem habe mich bemüssiget zuseyn befunden / Eueren Eminenzen die
Heilig= und gute Gedanken Jhrer Kaiserlich= und Catholischen Majestät zuerklären /
welche Sie mir öfters / und noch mehrers mit erbebter Stimm aus geschöpfter
Forcht der gegenwärtig unglücklichen Begebenheit eröfnet: daß Dieselbe nemlich kein
anders Absehen hätten / als daß einer mit solchen Tugenden und Eigenschaften
Begabter zum höchsten Priestertum erhebet werde / welcher der Kirche GOttes Nutz
und Ehr befördern: dan in demselben ein algemeinen / und von aller Parteylich=
keit
/ wie auch Vor=Lieb entfernten Vater alle finden mögen; Versichere zugleich
Euere Eminenzen / daß Jhre Kaiserliche Majestät niemals andere Gedanken gehabt /
noch haben werden; Obschon die Bosheit / oder der Misgunst im Gegentheil et=
was
anders verdächtiges erwecket / oder ausgestreuet hat / oder auch solches noch
tuhn mag;

Jch werd auch mittels der Cardinals=Würde / mit welcher / obwohl unwürdig /
und ohn einzig mein Verdienst / mich gezieret befinde / gesamter Hand mit Eueren
Eminenzen mich zube⟨a⟩rbeiten / nicht unterlassen / um zu solchem Endzweck zugelan=
gen
; Dieselbe mit all= dienstfreundlichem Respect ersuchend / den ich gegen alle / und
jeden von dieser H. Versamlung hege / versichert zuseyn / daß mich nimmer von
Jhrer Kaiserlich= und Catholischen Majestät Beweg= Ursachen / welche denen Heiligen
Gesätzen / Apostolischen Satzungen / und unserer Schuldigkeit gemäß / die wir den
Verzug derer Wahlstimmen in dieser Heiligen Erwählung geniesen / abwendig
machen lassen: Sondern mich jederzeit dazu beeiferen werde / um alles zu einer
vollkommenen Einigung des Priestertums / und des Geistlichen Reichs beyzutragen /
so / seiner Natur nach / noch vielmehr aber bey gegenwärtigen Umständen / so noht=
wendig
/ da von so viel Theilen die H. Religion / und der Apostolische Stul bestrit=
ten
wird;

Und mit dieser Jntention voll der Dienstfreundlichteit und Verehrung gegen
diese H. Versamlung ergeb ich mich Euren Eminenzen ꝛc.

»