Digitarium Logo

Wienerisches DIARIUM.

Nr. 37, 9. Mai 1725

HilfeSucheNavigation einblenden
[1]

Anno 1725. (Num. 37.) 9. May.


Wienerisches

DIARIUM.

Mit Jhrer Römis. Kaiserl. und Cathol. Majestät Freyheit.

Mit Jhrer Römis. Kaiserl. und Cathol. Majestät Freyheit.

Zu finden in der Kaiserlichen Hof=Buchdruckerey / gegen dem Hof=
Ball=Haus über / bey Johann Peter v. Ghelen.


Constantinopel 8. Martii.

DEr Groß=Sultan nimt von Tag
zu Tag an Kräften ab / dan=
noch
bleibt alles in Ruhe; die
Ministern der Römische=Catholischen
Potentaten an diesem Hof / haben den
Groß Vezier auf Ordre deroselben =
fen
ersuchet / alle Closter / welche in
dem Ottomanischen Reich / und be=
sonders
die jenige / welche in dem ge=
lobten
Land seynd / bey dem freyen
Exercitio ihrer Religion beschützen zu
wollen / und zu verhindern / daß sie
durch die Arabier nicht beleidiget wer=
den
; worauf der Groß=Vezier verspro=
chen
hat / die nöhtige Ordres in selbi=
gen
Gegenden desfals zu stellen.

Ehegestern ist der Graf Coljar / de=
ren
Herren General=Staaten allhier / in der Vor=Stadt Pera
fast plötzlich gestorben / indeme er nur
3. Tage unpäßlich gewesen. Dem Mar-
quis
de Bonac, welcher unlängst von
hier nach Franckreich zurück gekehret / ist
aufgetragen worden / dem Könige im
Namen des Groß=Veziers 2. kostbare
Türckische Zelten zu übereichen.

Der Erb=Printz von der Tartarey /
welcher seiter einiger Zeit an diesem Hof
gewesen ist / hält einen sehr prächtigen
Staat / und hat dem Groß=Sultan /
und Groß=Vezier viele schöne Pferde
verehret / welche er aus seinem Land
kommen lassen.

Unsere Commissarien / welche mit dem
Russischen die Gräntz=Scheidung einrich=
ten
sollen / seynd nun ernanndt / und
zwar Ariffi Bassa / Seraskier des ge=
gen
Persien stehenden Lagers / und Deh=
met
Mehemed Aga Capigi Bassa / wel=
cher
unterschiedlichmal an den Printz
von Daghestan gesandt gewesen / und
von selbigen Ländern gründliche Wis=
senschaft
hat. Diese Commissarien wer=
den
im 3. bis 4. Wochen mit dem Rus=
sischen
Gesandten dahin abgehen.

Die Pforte hat Befehl gegeben / die
in der Gegend Tauris stehende Armee
bis 60000. Mann zu vermehre / da=
mit
selbige im Stande gesetzet werde
diesen Ort mit mehrerni Nachdruck als
voriges Jahr anzugreiffen.

Man hat Zeitung aus Natolien / daß
die Recrouten allda mit so gutem Suc=
ceß
geworben wurden / daß schon 14000.
Mann parat wären / nach dem Läger
in Persien gesandt zu werden. Man
vernimt / daß der Miriveys die Zu=
gänge
an dieser Seite Georgiens ab=
geschnitten
/ und daß die Trouppen von
Zeit zu Zeit Detaschementen ausschick=
ten
/ um sich von dem Gebürge Meister
zu machen. Gemeldter Usurpator hat=
te
die Printzen von Georgien ersuchen
lassen / die Waffen zu seinem Vortheil
zu ergreiffen / weil aber diese Printzen
von denen erschröcklichen Gewaltthätig=

[2]

keiten deren Barbaren / welche sich bey
ihm befinden / Nachricht bekommen /
haben selbige seinem Emissario Nase
und Ohren abgeschnitten / und folgends
dem Mireweis zurück gesandt.

Arrouca in Portugal 6. Mart.

Jn der Nacht vom 22. auf den 23.
vorige Monats ist durch die Unvor=
sichtigkeit
eines Bedientens ein Holtz=
Magazin des Königlichen Closters deren
Bernhardinerinnen dieser Stadt in den
Brand gerahten / da dann / weil das
Holtz gantz dürr war / das Feuer der=
massen
überhand nahm / daß dieses
gantze Closter / ausser der Kirche / eines
Getreid=Bodens und einer Schlaf=
Kammer in die Asche geleget worden /
und ist der Verlust desselben um so viel
grösser / weil es eines der considerable-
sten
des Königreichs / so wol wegen sei=
nes
Altertums / indeme es vor mehr
als 500. Jahren von der Königin Mafalda gestiftet worden / als auch
dessen schöne Gebäuen / gewesen / wo=
bey
zu verwundern / daß keine eintzigen
von denen Nonnen / deren / ohne die Kost
geniessende / über 130. seynd / umgekom=
men
/ indessen aber ist niemals ein Schre=
cken
mit dem ihrigen zu vergleichen ge=
wesen
/ da sie bey dem Erwachen in ih=
ren
Cellen sich von denen Flammen um=
geben
sahen / und hat man / um sie zu
retten / das Gegitter von einem Fenster
abbrechen müssen / durch welches sie al=
le
/ und auch die Frau Louisa d'Acunha Feraz, eine Schwe=
ster
des Kriegs=Secretarii, heraus ge=
sprungen
seynd.

Cadir 27. Martii.

Mit der heut von Madrid angelang=
ten
Post ist hiesigem Frantzösischen ein Befehl zugekommen / daß er sich
innerhalb 24. Stunden aus dieser Stadt /

und in 15. Tagen aus dem Königreich
begeben solle. Diesen / und die ange=
langte
Zeitung von Zurucksendung der
Prinzessin aus Franckreich nach Spa=
nien
/ verursacht unter denen Frantzö=
sischen
Kaufleuten nicht geringe Bestür=
tzung
/ und da sie böser Folgerungen be=
sorget
seyn / so fangen sie bereits an /
ihre beste Sachen in Sicherheit zu brin=
gen
.

Mallaga 27. Martii.

Gestern wurde / Namens unseres
Regents / von hiesigen Magistrat dem
Frantzösischen Consul und Vice-Consul gemacht / daß sie sich innerhalb
24. Stunden aus dieser Stadt / und in
15. Tagen aus dem Reich zu begeben
hätten: Worauf sie dann diesen Mor=
gen
würcklich von hier nach Gibraltar
abgereist seynd / und sollen auch alle
Frantzösische Kauf=Leute und Schiffe /
so bald als sie können / von hier ab=
segeln
.

Madrid 12. April.

Der Königl. Hof befindet sich seit den
9. dis zu Aranjuez, um alda der Früh=
lings
=Lust zu geniessen. Der König hat
dem Don Diego de Toro, Dom=Herrn /
und General=Vicarien des von dem
Cardinalen Alberoni abgelegten Bi=
stums
Malaga zu einem aldasigen Bi=
schoffen
/ und dem , gewesten Gubernatoren von zum Leutenant=Generalen sei=
ner
Armee ernennet.

Die in dem Meer=Port St. Andre in
Biscayen gantz neu = aufgebaute zwey
Kriegs=Schif / jedes von 70. Stücken
Geschütz / genannt der St. Ludwig /
und der St. Ferdinand / seynd den 13.
des verwichenen Monats von ermeldtem
Meer=Port in See geloffen / den 24.
und 25. zu Cadix angelangt / und ha=

[3]

ben bey dem Vorgebürg Finis Terræ
ein schweres Ungewitter ausgestanden.

Den 11. dieses seynd die Equipages,
und das Detaschement von dem =
nigl
. Haus von hier abgereiset / um die
Infantin an den Frantzösischen Gräntzen
zu empfangen / und noch selbigen Tags
der Marquis de Santa Crux Grand,
oder Grosser von Spanien / und Groß=
Meister von dem Haus der Königin /
und der Marquis de Lasminas ernenn=
ter
Hofmeister der Infantin, welche die=
se
Prinzessin von denen Frantzosen über=
nehmen
sollen / auch dahin gefolget.

Neapel 17. April.

Man beschleuniget die Ausrüstung 2.
derer hiesigen Kriegs=Schife / so das
Regiment Wallis zu Fuß / in Sicilien
übersetzen / und das aldort stehende Dau=
nische
/ welches in die hiesigen Plätze zu
der Besatzung solle geleget werden / ab=
holen
sollen. So werden auch vier Ga=
leren
von dem hiesigen Geschwader fer=
tig
gemachet / damit sie mit der von dem
Capitain Cosiero, auf den Lauf ausge=
rüsteten
Tartane / so 12. Stücken füh=
ret
/ in kurtzem; und die übrigen zwey /
zu Ende des jetzt=lauffenden Monats /
auslauffen mögen; und schiffet man
schon in die zwey ersten Vorraht und
Kriegs=Geräht ein / da albereits die
Soldaten / so auf das Meer gehen / und
darauf eingeschiffet werden sollen / ge=
mustert
worden.

Neben der nohtwendigen Erneuerung
derer Befestigungs=Wercke an des =
niglichen
neuen Castells Ring=Mauren /
so auf Anordnung des Herrn Vice- =
nigs
verfertiget worden / hat man auch
noch andere Zieraten hinzugesetzet / und
jetzo arbeitet man / das vornehmsten Thor
des Eingangs in besagtes Castell, mit
Hinzuthuung des Königlichen / und

Seiner Eminentz / in Marmorstein ge=
hauenen
Wappen / mit der Uberschrift /
aus dero Jnhalt erhellet / daß dieses
wehrender Regierung Jhrer Eminentz
des Vice-Königs / geschehen sey / aus=
zuschmücken
.


(Die Nachrichten von Rom be=
finden
sich in dem beygehenden An=
hang
.)


Livorno 20. April.

Man hat Nachricht / daß eine Alge=
rinische
Raub=Barcke / von 8. Stü=
cken
/ so in der Meer=Gegend bey 18. Sclaven gemachet / durch
das Ungewitter an Porto-Maone ver=
schlagen
worden.

Aus Briefen von Marsilien / so mit
einem Frantzösischen Schiffe gestern al=
hier
angelanget / hat man von dem 14.
dieses / Versicherung / daß der meiste
Theil derer Frantzösischen Consuln, so
in denen Spanischen See=Hafen haben / in Franckreich zurück gekom=
men
wären; massen selbige / auf Be=
fehl
des Catholischen Königes / inner=
halb
einer Frist von nur dreyen Tagen /
sich haben weg begeben müssen. Jn
Tolon würden 2. Kriegs=Schiffe fertig
gemachet / wiewol es annoch unbekannt
wäre / wohin sie bestimmet. Und die
jenigen / so den Herrn Andrezel, des
Allerchristlichsten Königs Bottschafter /
nach Constantinopel geführet / wären
wiederum auf dasiger Rhede angelan=
get
/ und machten ein 14. Tägige Con=
tumatz
.

Florentz 21. April.

Sonntag frühe brache der hiesige
Herr Graf von Watzdorf / des Königs
Augusti in Pohlen Agent / nach Parma
auf.

[4]

Obwolen Jhre Durchleucht / die
Prinzessin Eleonora, sich noch immer
ziemlich schwach befindet / so fuhre sie
doch Mittwochs nach Bomboli spatzie=
ren
/ und den folgenden Tag / die Kir=
che
zu Maria Verkündigung zu besu=
chen
. Diesen Morgen hat Jhre =
nigl
. Hoheit / der Groß=Hertzog vielen
Ministern Audientz gegeben / und nach=
Mittags die Peynliche Consulta ange=
fangen
.

Dieser Tage hat man einen kleinen
Schüttler von einem Erdbeben verspü=
ret
/ welcher in dem Flecken St. Sepulcro
sich viel stärcker vernehmen lassen / und
einigen Einfall / wiewol ohne Beschä=
digung
derer Leute / verursachet hat.

Genua 21. April.

Sonntag Abends hatte man Briefe
von Marsilien / mit Bericht / daß da=
selbst
/ auf Kundschaft des von Spani=
scher
Seiten ergangenen Befehles / daß
alle Frantzösische Minister aus dasigen
Staaten abreisen solien / viele Schiffe /
so man in besagtem Hafen fertig mache=
te
/ mit Waaren nach Cadix zu segeln /
aus Forcht / daß sie nicht möchte zu=
gelassen
werden / zurück bliben wären.

Bey Ankunft des Pinco mit Spa=
nischen
Briefen von dem 31. des verwi=
chenen
Monats / ist ausgesprenget wor=
den
/ daß der alhier anwesende Herr
Marches von St Philipp / Auseror=
dentlicher
Abgesandter derselben Crone /
Befehl überkommen / mit denen Fran=
tzösischen
Ministern nicht mehr umzuge=
hen
/ und alhier öffentlich bekannt ma=
chen
solle / daß wann Schiffe mit der=
gleichen
Flaggen / in seines Königes
Meer=Häfen eingehen dörfte / solche
nicht würden angenommen werden.
Obbemeldetes Pinco war kaum ange=
langet
/ als besagter Abgesandte einen
Currier nach Venedig abfertigte.

Venedig 28. April.

Sonn=Abends vergangener Wochen /
kame der Herr Johann Maria Vincenti,
welcher jüngsthin mit der beschriebenen
Groß=Cantzler=Würde beehret worden /
von Camerich wiederum alhier an.

Die beschriebenen Welsche und über
Meer angelangte Compagnien zu Fus=
se
/ stehen annoch an dem hiesigen Lido.

Der viel=erwehnte Mohumet Effen-
di
, welcher auserordentlicher Abgesand=
ter
von der Regierung Tripoli, an den
Wienerischen Hof gewesen / hat alhier
das Schif / das Crucifir genennet / um
darauf wiederum nach Tripoli zuruck zu
fahren / gemietet.

Der Herr , so als ordentlicher Botschafter an
dem Kaiserl. Hof abgehen / und den
Herrn Frantz Donado ablösen solle / ste=
het
albereits fertig / sich in kurtzem da=
hin
zu verfügen.

Londen 20 April.

Man beginnet schon Anstalten zu der
Abreise des Königs nacher Teutschland /
alwo dessen Gegenwart höchstens noht=
wenig
ist / zu machen / selbe solle aber /
wie man versichert / auf den 15. oder
16. Junii vor sich gehen. Die von dem
Unter=Haus haben Sr. Majestät diesen
Abend ein ausserordentliches Subsidium,
zu Bezahlung deren Schulden von der
Civilen Liste, so sich auf 500000 Pf.
Sterlings erstrecken / zugestanden. Zu=
folge
einigen Briefen von Lisabon / gien=
ge
alda die Rede / daß man den Infan-
ten
von Portugall mit der Infantin von
Spanien / und den Printzen von Astu-=
rien mit der Infantin von Portugall
vermählen wolle / und daß darauf eine
Alliantz zwischen beyden Cronen von
Spanien und Portugall folgen solte.

Dieser Tage des Nachts brachen Die=

[5]

be in des Barons von Hattorf / Hanno=
verischer
Staats=Secretarii Behausung
ein / und entfremdeten um 400. Pfund
Sterlings / Jubelen / goldene und silber=
ne
Medaillen / und dergleichen: dieses
ist ein um desto mehr verwegenes Stück /
weil dieses Baron Haus in dem Palast
St. James stehe es wird demjenigen / so
die Diebe angeben wird / eine Erkennt=
lichkeit
von 40. Guineen versprochen.

Paris 21. April.

Verwichenen Montag den 16. dieses
erhube sich der Printz von Conti in
das Closter Port-Royal, um seine Ge=
mahlin
zu besuchen welche dann mit ih=
me
nach seinem Pallast zuruck fuhre /
allwo sie sich jetzt befindet / des folgen=
den
Tags machten sie beyde dem =
nig
ihre Aufwart / welcher ihnen wegen
ihrer Versöhnung Glück wünschte / ⁊c.
Die Prinzessin von Conti ist eher sie
das Closter Port-Royal verlassen / mehr
als eine Stund lang mit dem Printzen
ihrem Gemahl in den Garten gantz al=
leine
spatzieret / sie hatte sich sieben und
zwantzig Monat in besagtem Closter
ausgehalten / nachdeme sie mit dem
Printzen wiederum allhero zuruck ge=
fahren
/ so fuhre sie gegen dem Abend
mit der
Suryon in ihrer Carossen aus und nach
dem sogenannten Cours, sie spatzierten
eine zeitlang in dem Garten der , wurden allda von einer Herren und Dames umringet /
welche der Prinzessin Glück wünschten /
auf den Abend gegen 9. Uhren kame
sie erst wieder naher Haus / und weilen
der Printz ihre Zimmer noch nicht hatte
ausrüsten lassen / so übernachtete selbi=
ge
in dem Zimmer des Graffen de la
Marche ihres Herrn Sohns.

Die allhiesige Vorstehere der Policey
haben endlich die Fleisch=Wein= und

Brod=Verkäuffere / wie auch die Kauf=
Leute dergestalten zu vaaren getrieben /
daß der Preiß des Fleisch / Wein und
Brods fast um die Helfte gefallen / und
eine Elle von der Gattung Tuch vor
die man zuvoren bis gegen 50. Livres
bezahlen müssen / nun um 18. Livres zu
haben seyn solle.

Der Hertzog von Richelieu hat schon
einen Theil seiner Equipages naher
Wien voraus gehen lassen / und wird
in bevorstehendem Majo selbsten dahin
folgen.

Die Jnfantin von Spannien hat zu
Blois nicht stille gehalten / wie Anfangs
das Gerücht ergangen / sondern setzet
die Reise in denen ihro bestimten Tag=
Reisen fort.

Die Hertzogin von Ventadour, ge=
weste
Ober=Hofmeisterin der Infantin /
kommet von Versailles wieder herein /
und beziehet ihr voriger Quartier in
dem Pavillon der Tuilleries. Die Lo=
samenter
so für die Bedienten der in dem Königl. Pallast des gebauet waren / werden nun wieder
abgebrochen / und die Gallerie in ihren
vorige Stand gesetzet.

Von der bevorstehenden Heirat des
Königs ist noch alles sehr ungewiß / ei=
nige
sprechen von der Mademoiselle de
Sens, des Hertzogen von Bourbon
jüngster Prinzessin Schwester / die sich
in einem Closter befindet / andere von
einer Prinzessin von Lothringen / an=
dere
von einer Prinzessin / und Pfaltz=
Gräfin von Sultzbach / andere von ei=
ner
Prinzessin aus einem Hochfürstl.
Hessischen Haus / andere von einer
Prinzessin Tochter des aus Pohlen ver=
tribenen
Königs Stanislai / und noch
andere von einer Prinzessin von Engel=
land
/ eines ist äusserlich so ungewiß /

[6]

als das andere / doch wird von derletz=
ten
Prinzessin am meisten gesprochen /
so die Zeit in kurtzem entdecken wird.

Die Mademoiselle de Clermont, ei=
ne
Prinzessin vom Geblüt / ist zur O=
ber
=Intendantin, oder Groß= Hofmei=
sterin
des Hauses der zukünftigen =
nigin
ernennet worden / die Marschal=
lin
von Bouflers ist ihre erste Ehren=
Dame / man redet noch von viel andern
Personen so die vornehmste Posten die=
ses
neuen Königl. Hauses bedienen sol=
len
/ es ist aber die völlige Regulirung
der Hofstatt noch nicht unterschriben.

Paris 27. April.

Die Spanische lnfantin, welche Jhre
Ruckreise über Bayonne und St. Jean de
Luz nehmen sollen / nimmt nun Jhre
Reise / wie es der König in Spanien
verlangt / von dem ersteren Ort über S.
Jean Pied de Porc, damit sie desto leich=
ter
die Pireneische Gebürge passiren
möchte. Mons. de Lesseville Intendant
von Auch ist bevollmächtigt / den Uber=
lieferungs
=Actum zu unterschreiben /
und auszuhändigen / und hingegen von
denen Spanieren den Actum des Em=
pfangs
/ so wol der Infantin, als auch
derjenigen Jubelen und Edelgesteinen /
so der König dieser Printzessin mitgege=
ben
und verehret hat / zu empfangen.

Die 30 Pferde / und eben so viel Maul=
Thier / welche der König in Spanien
dem Marschallen von Thessé verehret /
seynd bey denen Camaldoliten angelan=
get
/ bey welchen dieser letztere ein Haus
bauen last. Verwichenen Donnerstag
ist der Abt von Livry von Madrit al=
hier
angelanget / des solgenden Tages
mit dem Hertzogen von Bourbon zu dem
König gegangen / und hernacher mit er=
meldtem
Hertzog mehr als zwey Stund
lang in einer geheimen Unterredung in
dessen Cabinet gewest.

Verwichenen Freytag haben Jhre
Majestät in dem Zugang des Schlosses
zu Versailles die Regimenter von der
Frantzösisch= und Schweitzerischen Leib=
Wacht durch die Musterung passiren las=
sen
/ und dieselbe abmarschiren gesehen /
nachdeme sie dieselbe genau besichtiget
und durch die Reyen passiret.

Monsr. de Labatie, Gesandter des
Groß=Hertzogs von Toscana, hat ver=
wichenen
Montag bey dem König seine
Abschieds=Audientz gehabt / und gehet
wiederum zuruck nacher Florentz.

Haag 27. April.

Die General Staaten haben beschlos=
sen
/ künftig keine junge Cadets, so un=
ter
10. Jahren / und Officiers=Kinder
seynd / bey den Regimentern Pensiones
zu geben / wie bisher geschehen. Ehe=
gestern
hat man alle Domainen= Häu=
ser
/ Gärten / und Ställe / die den al=
ten
Grafen von Holland zugehöret /
und um diesen Ort gelegen seynd / in=
gleichen
das grosse Haus / worinnen
Miladi Albemarle wohnet / vor 14000.
fl. verkauft / ob es gleich über 30000. fl.
wehrt ist / wegen Mangel der Liebhaber
zu einem so grossen Gebäude.


Wien 9. May 1725.

FReytag / den 4. April. Heute hat=
ten
Jhre Majestät die Regierende
Römische Kaiserin / mit der Durchl.
Ertz=Hertzogin Maria Magdalena, Sich
von Laxemburg nacher Maria= Lantzen=
dorf
begeben / und alda vor dem Ma=
rianischen
Gnaden=Bild zwey Heilige
Massen andächtigst gehöret / und Sich
sodann wieder nach gedachten Laxem=
burg
begeben.

Item hatte alhier eine Löbl. Ober
Oesterreichische Lands=Genossenschaft
das Fest ihres Lands= und Schutz=Pa=

[7]

trons / des H Floriani, Ritters / und
Blut=Zeugen Christi, in der Kirche de=
ren
WW. EE. PP. Minoriten / mit
grosser Feyerlichkeit unter Trompeten=
und Paucken=Schall / dann vorheriger
Predig / und hohen Amt / begangen.

Samstag / den 5. Dito / wurde von
9. bis 10. Uhr vor = Mittags wieder we=
gen
jüngst = gemeldten Jahr=Tags des
seligsten Hinscheidens Jhrer Weil. Kai=
serl
. und Königl. Majestät Leopoldi 1.,
Glorwürdigster Gedächtnuß / mit allen
Glocken alhier geläutet / sodann in der
Kirche deren WW. EE. PP. Capuci=
nern
in der Stadt / in Gegenwart al=
hiesigen
hohen Adels denen Exequien /
und in der aldasigen Kaiserl. Todten=
Grufte / gleichfals dem GOttes Dienst
abgewartet / welche Exequien auch zu
Laxemburg in der Kaiserl. Schloß= Ca=
pelle
/ in Gegenwart Jhrer Römisch=
Kaiserlich= und Königlich=Catholischen
Majestäten begangen worden. Nach=
Mittag ertheilte unser Allerhöchster
Monarch Allergnädigsten Audientzen.

Sonntag / den 6. Dito / hat in alhie=
siger
Dom= und Metropolitan-Kirchen
eine Löbl. Theologische Facultät das
Fest des Heil. Joannis Aposteln und
Evangelisten ante Portam Latinam auf
das feyerlichste begangen; dabey (Tit.)
Herr Jacob Heinrich von Braitenbü=
cher
alhiesiger Dom=Probst und Uni-
versi
täts
=Cantzler das hohe Amt ge=
sungen
; auf Antragen aber des jetzi=
gen
Herrn Decani Spectabilis, Adm.
Rev. & Cl. P. Gerardi Hillebrand, è
Soc. JESU, SS. Theol. Doctoris & Pro-
fessoris
Ordinarii, die Lateinische Lob=
Rede von Reverendo, Religioso, Præ-
nobili
, Excellenti ac Doctissimo D.
Francisco Xaverio de Dollenberg, Can.
Reg. S. August. in dem Fürstl. S. Leo-
poldi
Stift zu Closter=Neuburg Pro-

fesso, AA. LL. & Philosophiæ Magi-
stro
, SS. Theolog. in primum annum
Auditore gehalten worden.

Dito haben Jhre Römisch= Kaiser=
lich
= und Königlich=Catholische Maje=
stät
/ unser Allergnädigster Herr / zu
Laxemburg durch Dero Herrn Obrist=
Stallmeistern (Tit.) Fürsten von
Schwartzenberg / ⁊c. den Herrn Andreas
Mayer / mit ein mit Diamanten reich=
besetzten
Medaille, oder Portrait, we=
gen
der auf jetzt = gedachter Hochfürstl.
Reitschul habenden Spanischen / auch
alda zugerittenen Pferden / allergnä=
digst
beschencken lassen / deme auch die
Hand zu küssen von allen höchsten Herr=
schaften
erlaubet worden.

Montag / den 7. Dito / wurde zu
gedachten Laxemburg in Allerhöchster
Gegenwart Jhrer Kaiserl. Majestät
vor=Mittag geheimer Raht gehalten.
Jhre Majestät die Verwittibte Römi=
sche
Kaiserin Amalia Wilhelmina be=
gaben
Sich aus Dero Frauen=Closter
am Renn=Weg nach gemeldtes Laxem=
burg
/ speisete alda zu Mittag mit Aller=
höchst
gedacht beeden Regierenden Kai=
serl
. Majestäten; kehrete sodann wieder
anhero zuruck; und der Regierende Hof
belustigte Sich des Abends mit der
Reiger=Peitz.

Aus Berlin verlautet / wie daß jüngst=
hin
seine Excell. der Kaiserl. Gesandte
Herr Graf von Rabutin alda angelan=
get
/ und bey Jhro Königl. Majestät
von Preussen zur Audientz gewesen;
nachgehends hätten auch einige Polni=
sche
Magnaten sothane erhalten / nach
welcher sodann denen Regimentern / die
nach Polen hätten abgehen sollen / die
Gegen=Befehle ertheilet worden; wor=
aus
einige schliessen wolten / daß das
unter der Asche ⟨⟩ ⟨⟩de Feuer wider

⟨ ⟩

[8]

Polen nunmehro völlig verloschen seye.

Dienstag / den 8. Dito / haben vor=
Mittag Jhre Kaiserl. Majestät zu La=
xemburg
abermalen Geheimen Raht in
Dero Allerhöchsten Gegenwart gehal=
ten
/ sodann nach=Mittag Allerganädig=
ste
Audientzen ertheilet / und des Abends
Sich mit der Raiger=Paitz belustiget.


NB. Es wird sederman kund und zu wis=
sen
gemacht / daß auf Verordnung eines
Löbl Kaiserl. N. Oe. Wechsel=Gericht eini=
ge
von vorheriger in den Stampfischen
Haus gewester Licitation noch übrig gebli=
bene
in erlichen reichen Stuck Zeug / reichen
Frauen= und Manns=Bram / und einigen
Resten / ⁊c. bestehend unportirte Waaren
den 15. Maii Vor=mittag um 9. Uhr plus
offerenti zusammen überhaupt bey dem
Stock in Eisen in dem Fuxischen Haus in
ersten Stock werden verkauffet werden.


NB. Es wird hiemit zu wissen gethan /
daß zwey grosse Spiegel= oder Portrait
Rähmen 60. Zoll oder Daumen hoch / mit
lauter Börnstein versetzet und beleget / der=
gleichen
von so vielerley Farben / welche
von der Vollkommenheit des Preuschen
Börnstein zeugen / noch nimmer fabriciret
werden können / um billigen Preiß zube=
kommen
seynd. So jemand dazu Belieben
tragen möchte / der kan bey dem Verleger
dieses Wienerischen Diarii von allem aus=
führliche
Nachricht und Bescheid einholen.


Lista deren Verstorbenen zu Wien /
in und vor der Stadt.

Den 5. May 1725.

Jn der Stadt niemand.

Vor der Stadt.

Der Wohl=Ehrwürdige P. Ottillio Schapy, Ord. S. Be-
nedicti
, beym wilden Mann am Spitlberg / alt 70. J.

Der Ehrwürdige Fr. Niclas Kraus / Ord. Fr Fr. Miseri-
cordiæ
im Closter in der Leopoldstadt / alt 54. J.

Joh. Georg Seitl / gewester Cammer=Diener / im Le=
hen
=Kutscheris. H. auf der Landstraß / alt 36. J.

De⟨r⟩ Georg Fä⟨⟩ / Schneider / s. K. Philipp / beym
schwartzen Ochsen in der Leopoldstadt / alt 3. J.

Magdalena Saurin / Wittid / beyn 7. Schwaben am
Neubau / alt 46. Jahr.

Dem Adam Claus / Seiler / s. K. Anna beym roten Kreb=
sen
am Ne⟨u⟩stift / alt 3. J.

Dem Christian Gedeman / Lackey / s. W. Francisca, bey

der Heil. Dreyfaltigkeit auf der Wind=Müll / alt 44.
Jahr.

Cathar. Glemerin / Wittib / beyn 7. Chur=Fürsten am
Spitlberg / alt 84. J.

Den 6. May.

Jn der Stadt.

Ther. Hofferin / im Burger=Spital / alt 41. J.

Vor der Stadt.

Dem Angelo Dant / Lust. Gartner / s. K. Jacob / in
der Schleif=Mühl an der Wien / alt 6. Viertl J.

Joh. Mich. Kumpfmüllner / Haus=Meister / im Wenig=
hofferischen
H. in der Leopoldstadt / alt 59. J.

Dem J⟨a⟩c. Nußbaumer / Lackey / s. K. Anna / bey der
Heil. Dreyfaltigkeit am Neubau / alt 3. J.

Heinrich Ehwald / Schuh=Macher / beym grün Thor
untern Feldern / alt 43. J.

Georg Oehlinger / Tagw. im Metzgerisch. H. in der
Rossau / alt 45. J.

Den 7. May.

Jn der Stadt.

Jungfr. Martha Elis. Dallerin / im Gold=Berg in der
Joyannes=Gassen / alt 51. J.

Frantz Hochenauer / Herrn=Koch / im Kaiserisch. H.
auf der Schotten=Pastey / alt 40. J.

Vor der Stadt.

Dem Herrn Don Joann Pellezex y Porta, gewesten
Obrist=Wacht=Meistern / s. Frau Maria Anna / im
Schlosseris. H. in der Josephstadt / alt 36. J.

Placidus Maurer / Burgerl. Sterck Macher / im Clau=
dis
. H. in der Leopoldt / alt 64. J.

Dem Tobias Luz / Lackey / s. W. Anna im Königl. Clo=
ster
=Haus in der Kott Gassen / alt 28. J.

Dem Christoph Roth / Tischler / s. K. Anna / beym ro=
ten
Krebsen am Neustift / alt 5. J.

Den 8. May.

Jn der Stadt.

Dem (Tit.) Hrn. Joh. Georg Campmüller v. Metz=
burg
/ der Röm Kriserl. Majest. R. Oe. Regierungs=
und Ministerial-Banco-Deputations-Rath / s. Fr.
Gemahlin Mar Reg. im Campmüllerisch. H. in der
Klugerstraß / alt 36. J.

Vor der Stadt.

Dem Jac. Kellner / Burgerl. Mahler / s. W. Elis. beym
grün Hut / in der Leopoldstadt / alt 56. J

Dem Andre Kunst / B. Huterer / s. K. Heinrich / im
erstbemeldten H. alt 4. J.

Dem Christian Ameder / Schneider / s. K. Anna /
beym golden Becher bey St. Ulrich / alt 3. J.

Dem Georg Rauster / Tis⟨ch⟩ler / s. K. Cath. beym
schwartzen Adler im Lerchseld / alt 4. J.

Joh. Ga⟨⟩ / Brief=Trager / beym grün Thor zu
Matzelsdorf / alt 55. J.

Sus. Reichenbergerin / Wittib / beym golden Stern im
Lie⟨ch⟩tenthal / alt 50. J.

Adam Pock / Schuch=Knecht / im Baderisch. H. in der
Leopoldstadt / alt 18. J.

Dem Casp. B⟨⟩ / Lehen=Kutscher / s. W. Elis. im
Leflerisch. H. auf der Wieden / alt 35. J.

[9]

Anno 1725. (Anhang zu Num. 37.) 9. May.


Genaue Beschreibung der solen-
nen
Leich=Begängnuß Jhrer letzthin ver=
storbenen
Majestät des Czaren / und zugleich
auch der verstorbenen Prinzessin Nathalia,
zu Petersburg den 21. Martii 1725.

ERstens kam ein Hof=Fourier von der 14.
Classe zu Pferde / in schwartzen Kleide /
mit Mantel und Flohr auf dem Hut / der
Sattel / nebst gantzem Schmuck des Pferdes /
mit schwartzen Tuch überzogen.

2.) Ersten Ceremonien=Meister / war der
General=Adjutant=Leutenant Centraovius, im
schwartzen Kleide / Mantel und Flohr auf dem
Hut; der Marschalls=Stab war schwartz bezo=
gen
/ und mit schwartz und weissen Flohr um=
wunden
/ oben war das Russische Wappen auf
Blech gemahlet.

3) Ein paar Paucken / in Trauer=Habit /
ohne Mantel / Flohr auf dem Hut / die Pau=
cken
nebst denen Schlegeln mit schwartzen Tuch
bezogen / worauf das Russische Wappen ge=
mahlet
war.

4.) Hinter diesen ersten Paar Paucken sol=
geten
4. Glieder Trompeter / 3. in jedem Gliede /
in schwartzen Kleidern / Mäntel / und Flohr auf
denen Hüten; die Trompeten waren mit schwar=
tzen
Tuch bezogen / worauf das Russische Wap=
pen
gemahlet war.

5.) Folgte das andere Paar Paucken mit
denen Trompetern.

6.) Folgte das 3te Paar Paucken mit denen
Trompetern.

7.) Daß 4te Paar Paucken mit denen Trom=
petern
; in allem 4. Paar Paucken / 4. Paucker /
und 48. Trompeter.

8.) 36. Pagen / 3. und 3. in jedem Gliede /
in welchen der Pagen=Hof=Meister folgete / gleich=
fals
in schwartzen Kleidern / langen Mänteln und
Flohr auf denen Hüten.

9.) 36. Hof=Bediente.

10.) Marschall der Kaus=Leute.

11.) 36. ausländische Kaus=Leute.

12.) Marschall der Deputirten der Städte.

13.) 21. Deputirte der eroberten Städte /
3. in jedem Gliede.

14.) Marschall der Ritterschaft.

15.) 21. von Adel der eroberten Provin-
zi
en
/ 3. in jedem Gliede.

16.) Zweite Fourier,

17.) Vierte Marschall.

18.) Kriegs=Fahne vom Obristen Woye-
koff
getragen.

19.) Jhro Czarischen Majestät Leib=Pferd /
so mit einem von Perlen und Juwelen auf gel=
ben
Grund reich = gestickten Sattel beleget / mit
weiß= und roten Plumagen auf dem Kopf und
Creutz gezieret / wurde von denen 2. Obrist=
Leutenants König und Quastoff geführet / wel=
chen
ein Stall=Knecht im langen Mantel mit
einer Reit=Peitsche folgete.

20.) 32. Fahnen von schwartzen Taffet /
worauf die Wappen der Provinzien gemahlet /
und von Capitains in Trauer=Habit / langen
Mänteln und Flohr auf denen Hüten / getragen
wurden; jeder Fahne folgete ein Trauer=Pferd /
welches auf beyden Seiten / und an der Stirn
mit dem Wappen der Provinzien / so wie die
Fahnen gezieret / und wurden selbige von zwey
Leutenants / ein jedes geführet / gleichfals in
Trauer=Habit. Obgemeldete Fahnen stelleten
nachfolgende Provinzien vor: Cirkassen, Ca-
badinsky
, Grasgesky, Cartalinsky, Iwersch,
Obdosch, Jaroslaw, Rostoff, Resan, Cod-
nisk
, Udosch, Beloser, in allen 12. Zerni-
gow
, Nisegorod, Boegar, Wiatz, Perm,
Otgoffin, Twer, Pleskow, Igermannland,
Carelen / Liestand / Estland / Smolensko, in
allen 13. Siberien / Astracan, Casan, No-
wogorod
, Wladimir, Kiow, Moscow,
allen 7.

12.) Die Admiralitäts=Standart getragen
von einen Obristen oder andern Admiralitätstäts=
Bedienten gleichen Ranges / in Trauer=Habit /
langen Mantel und Flohr auf dem Hut.

22.) Die Reichs=Fahne von schwartzen Tas=
fet
/ worauf das Reichs=Wappen gemahlet /
und von einem Obristen in oberwehnter Klei=
dung
getragen.

23.) Das Reichs=Pferd schwartz behangen /
mit des Reichs Wappen auf beyden Seiten /
und an der Stirn gezieret / von 2. Obristen
in obgedachter Kleidung geführet / welchem ein
Stall=Knecht / wie oben gedacht / folgete.

24.) Eine weisse Freuden=Fahne / auf wel=
cher
des verstorbenen Czarn Devise gemahlet /
von dem Admiralitäts=Herrn, Grafen Golo-
vin
, in obiger Kleidung getragen.

25.) Das Freuden=Pferd ohne Sattel ge=

[10]

schmückt / mit einer bis an der Erden reichen=
den
Decke von grünen Sammet / mit Gold und
Silber reich gesticket / auf beyden Seiten ob=
erwehnte
Devise, und auf dem Kopf und Creutz
rot und weisse Plumagen tragend / wurde von
2. Obristen in obgebachter Kleidung geführet /
welchem ein Stall=Knecht / wie oben erwehnet /
folgete.

26.) Ein Ritter im vergoldeten Harnisch /
in der Hand ein blosses Schwert baltend / auf
dem Helm rote und w⟨e⟩isse Plumagen tragend /
das Pferd trug gleiche Plumagen auf dem Kopf
und Creutz / der Sattel reich gestickt; hinten ihn
giengen 2. Hellebardiers in schwartzen Kleidern /
langen Mantel und Flohr auf ihren Casquet-
ten
/ so noch mit Plumagen gezieret.

27.) Ein Cuiraßier zu Fuß in schwartzen
Harnisch / auf dem Heim schwartze Plumagen /
hielte die Spitze des Degens zur Erde / die Schei=
de
war schwartz bezogen.

28) Die Trauer=Fahne von einem Obristen
getragen.

29) Das Trauer=Pferd geführet von 2.
Obrist=Leutenants / denen ein Stall=Knecht
folgete.

30.) Der Ober=Ceremonien=Meister / war
der Ober=Bau=Meister Ilyan Synawin, als
Brigadier.

31.) 7. grosse Reichs=Wappen / umwunden
mit schwartz und weissen Flohr / so auf Bretter
gemahiet waren wurden getragen von 7. Obri=
sten
oder andern Militair-Bedienten gleichen
Ranges in vorerwehnter Trauer=Kleidung /
die Wappen waren das Siberische / Astracani-
sche

/ Casansche / Novogorodsche / Wiadimir-
sche

/ Kiowsche / Moscauische.

32.) Das Reichs=Wappen so grösser gemah=
let
war dann die vorigen / gleichfals mit schwartz
und weissen Flohr umwunden / trugen 4. Gene=
ral
-Majors oder andere Militair-Bediente
gleichen Ranges / 4. Edelleute / so es von hin=
ten
unterstützten / auf obige Art gekleidet.

33.) Ein grosses Erysiallenes in Gold einge=
fastes
Creutz / getragen von einem Kirchen=
Bedienten.

34.) 70. Sänger.

35.) 50. Mönche.

36) 20 Priester.

37) Priors.

38) Archimandritten / zusammen 80. Mann.

39.) 8. Bachöffe und Ertz=Bischoffe jeder
nach seinem Range.

40.) 2. Marschalls Damian und Delrigny,
als Brigadiers.

41.) Groß=Hertzogliche Crone / auf einem gol=
denen
Polster getra⟨g⟩en / vom General Major
Gallowin, welcher 2. Majors zu Assistenten
hatte.

42.) Die Leiche der Prinzessin Natalia Pe-
trowna
, getragen von 16 Majors; der von rei=
chen
goldenen Stof mit goldenen Frangen besetz=
te
/ und mit weissen und roten Plumagen gezie=
rete
Baldachin wurde von 6 Obrist=Leutenants
getragen / 6. Obrist=Leutenants bielten dessen
goldene Quasten / 4. Brigadiers aber tragen die
4 Z⟨i⟩pfel d⟨e⟩r über den Sarq gelegten goldenen
Decke / worauf ein von subernen Stof genähe=
tes
Creutz war.

43.) 2. Herolds-Meister in ihrem gewöhn=
lichen
Habit mit Flohr überzogen.

44) 4. Reichs=Schwerter von 4. Obristen
get agen / oder andern Bedienten gleichem Ran=
ges
/ die Gefässe mit Flohr umwunden.

45.) Den Orden vom weissen Adler auf ei=
nem
⟨g⟩oldenen Polster trug der General Major
Fürst Trubetzkoy.

46.) Den Dänischen Orden trug der Sena-
teur
Fürst Dolgoruky.

47.) Den Russischen Orden trug der General=
Leutenant Tajosinsky, jeder hattë 2. Majors
zu Assistenten.

48.) Die Crone von Siberien trug der Ge=
neral
=Leutenant Münnich.

49.) Die von Astracan der Vice-Admiral
Wisster.

50.) Die von Casan der Vice-Admiral
Ismaowiz.

51.) Den Reichs=Apfel / der Vice-Admiral
Gordon.

52.) Den Scepter / der Vice-Admiral Sy-
verts
.

53.) Die Russische neue Crone / der General
und Senateur Butterlin jeder hatte 2. Majors,
so ihme assistirten; oberwehnte Regalia wurden
alle auf goldenen Poistern getragen.

54.) 3. Marschalls / waren der General= Leu=
tenant
Bon, der General-Major Schernischof,
und der General-Major le Fort.

55.) 2. Majors mit blossen Digen / die Spi=
tzen
an der Erden haltende.

56.) Diesen folgeten die 100. Hellebardiers /
und umgaben auf beyden Seiten die Russische
Leiche / selbige wurde von 8.mit schwartzen Sam=
met
beyangenen Pferden gejogen / bey jedem

[11]

Pferde gienge ein Obrist=Lentenant mit einem
Kutscher in oft=erwehnter Kleidung; 12. Obri=
sten
gienge neben der Leiche; 8. General- Ma-
jors
hielten die goldenen Quasten des Baldachins,
selbige waren; (1.) Der General-Major de
Coulongue. (2.) Schuit bey Nacht Zander.
(3.) Schuit bey Nacht Synavin. (4.) Gene-
ral
-Major Zœtikof. (5.) Ober=Schatz= Mei=
ster
Otton. (6.) General-Major Henning.
(7) General-Major Urbanowiz. (8.) Graf
Sacca Ragusinsky. Den von goldenen Stück
und grünen Sammet reich=gestickten / und mit
denen kostbaresten goldenen Frangen besetzten
Baldachim trugen 8. Brigadiers, selbige wa=
ren
: (1.) Brigadier Zothof. (2.) Brigadier
Licharof. (3.) Capitain-Commendeur Bre-
dal
. (4.) Capitain Commandeur Leen (5.)
Ober=Requeten=Meister Paulof. (6.)
Boltin. (7.) Fürst Wolodomir
Dolhoruky. (8.) Schri=Bauer Ney. 4. Ge=
heimde
Rähte hielten die Zipfel der über den
Sarg von goldenen Stof galegten Decke / wor=
auf
ein von stidernen Stof eingenähetes Creutz
zu sehen war; selbige Rähte waren: (1.) Ba=
ron
von Ostermann. (2.) Demetry. Fürst Gal-
litzin
. (3) Fürst Rodomanofsky. (4.) Pe-
ter
Matthewiz, Graf von Apraxin, Præsident
im Justiz-Collegio.

57.) 3. Marschalls / waren der General= Leu=
tenant
Lessy, der General-Major Tusapof, Ge-
neral
-Major Uschakof

58.) Jhro Majestät die Czarin / geführet
von dem General=F⟨e⟩ld=Marschall / Fürst Men-
zikof
, und General=Admiral, Graf v. Apra-
xin
; drey Cammer=Herren trugen die Schlep=
pe
; 6. Cavalliers folgt⟨e⟩n / 3. in einem Gliede.

59.) Die Russische Prinzessin Anna Petro-
wna
, geführet von dem Feld=Marschall / Fürst
Repnin, und Groß=Cantzler Graf von Polow-
kin
; ein Hof=Juncker trug die Schleppe; vier
Hof=Cavaliers folgeten.

60) Die Russische Prinzessin Elisabeth Pe-
trowna
, geführet von dem General / Baron
von Haliart, und geheimden Raht / Grafen Tol-
stoy
; ein Hof Juncker trug die Schleppe / 4.
Cavaliers folgten.

61.) Die Hertzogin von Mecklenburg / Ca-
tharina
Juanowna, geführet von dem Ober=
Schencken, Graf von Apraxin, und Obristen
Jasenius; ein Cavalier trug die Schleppe / 4.
Cavaliers folgten.

62.) Die Russische Prinzessin Proscovia Ju-

anowna, geführet von dem Ober=Schencken
Zolthikof, und Obristen Krées Chauansky;
ein Cavalier trug die Schleppe / 2. Cavaliers
folgeten.

63.) Die Groß=Fürstin / geführet von zwey
Obristen; ein Cavalier trug die Schleppe / 2.
Cavaliers folgeten.

64.) Die Prinzessin Lwowna Nariskin, ge=
führet
von 2. Leutenants; einer von ihren Be=
dienten
trug die Schleppe / alle in schwartzen
langen Flohr und Boye.

65.) Jhro Hochfürstl. Durchl. der Hertzog
von Hollstein / geführet vom Conferenz-Raht.
Herr von Ahlefeld / und Ober=Cammer Herrn /
Graf von Bonde, der Cammer=Juncker Thüch
trug die Schleppe; der Hof=Marschall von Pla=
ten
/ nebst 3. Cammer=Herren Brummer / Graf
Wachtmeister / und Bergholtz folgeten.

66.) Der Groß=Fürst / geführet von 2. Obri=
sten
/ so Brigadiers Rang haben; ein Cavalier
trug die Schleppe / 2. Cavaliers folgeten

67.) Beyde Printzen Lwovvite Nariskin
in einem Gliede.

68.) Hof=Bediente.

69.) Ein Marschall.

70.) Hof=Dames von Jhro Czarisch. Majest.

71.) Hof=Dames von der ersten Prinzessin.

72.) Hof= Dames von der andern Prinzessin.

73.) Ubrige Hof=Dames.

74.) Andere Dames.

75.) Ein Marschall.

76.) Die Collegia und andere Manns=
Personen vom ersten bis 9ten Rang / 3. in jedem
Gliede.

77.) Ein Marschall.

78.) Bojaren / Edelleute / 3. in jedem Gliede.

79.) Ein Marschall.

80) Die Bürger / 3. in jedem Gliede.

81.) Ein Fourier.

Der Zug nahme seinen Anfang vom Czari=
schen
Pallast längst den Strohm bis an das
Post=Haus / und von da über den Strohm
nach der Festung / auf dem Eiß waren Bretter
geleget wie eine Brücke; auf benden Seiten des
gantzen Weges waren Tannen=Bäume gesetzet/
zwischen welchen Soldaten stunden / so weisse
brennende Wax=Fackeln hielten; die Procession
fieng gegen 1. Uhr nach Mittag an / und weh=
rete
2 Stunden / alle sowol Hohe und Niedrige /
so der Procession beywohneten hatten die
Hüte abgenommen; bey Anfang der Proces-
sion
that man alle Mimuten einen Stuck=

[12]

Schluß; oben auf denen Wercker der Festung
wurde und um die Guarde gestellet / so drey=
mal
Salve mit ihren Musqueten gaben. Dar=
auf
3 Salven von 144 Stücken und der gan=
tzen
Musqueterie gegeben wurde; der Ertz=
Bischof von Pleskow, Hielte die Leichen=Rede;
die Groß Fürstin hat sich wegen Unpäslichkeit
nicht einfinde können; auch theilete man un=
ter
der Garde an jedem Soldaten eine kleine
silberne Medaille aus. Jn der Kirche wird
6. Wochen lang die Wache bey der Czarischen
Leiche gehalten / und haben der Feld=Marschall
Fürst Repnin. General=Leutenant Lessy, und
General=Major le Fort, nebst 4. Obristen an=
gefangen
.


Fortsetzung der Nachrichten von Rom /
den 21. April.

VErgangenen Samstag / des Abends / ver=
sügte
sich der Papst zu der Haupt=Kirchen
in S. Johann Lateran, und verbliebe in dem
gemeldeten Haus alda in der Nähe / wohin er
sein Bethe hatte bringen lassen / um daselbst zu
schlaffen / damit er des folgenden Morgens sich
desto fertiger bey der Eröfnung des Romani=
schen
Concilii einfinden könne.

Sonntags frühe / um 11. Uhr begabe sich
Die Päbstl. Heiligkeit / in obbesagte Haupt=
Kirchen / und kurtz darauf machte selbe den An=
fang
zu denen gewöhnlichen Gebetten; hielten
einen Umgang / so aus denen darzu beruffenen
Cardinälen / Bischoffen / Prœlaten und Theo-
lo
gen
bestunde; nach welcher Jhre Heiligkeit
Messe lase / nicht aber junge / weilen sonst zu
viel Zeit darauf gegangen wäre.

Hierauf Hielte Jhre Heiligkeit / auf einer
hierzu zubereiteten Cantzel / eine überaus ge=
lehrte
Predig / welche er mit solchem Eifer hervor
brachte / daß es die Zuhörer gantz einnahme;
massen selbige darinnen vorstellete / wie nutzlich
und heilsam der Catholischen Kirchen / und zu
der Kirchen=Zucht / die Concilia wären / und
solches mit denen Geschichten / und mit Au-
thori
tät
derer H. H. Vätter / hauptsächlich er=
wiese
. Diesen Concilium wird in dem Chor
obbemeldeter Haupt=Kirchen / innerhalb gewis=
sen
/ mit Fleiß ausgerichteten Gattern und
Schrancken gefeyert; und ob man wohl allen
möglichen Fleiß angewendet / daß man alles
Volck noch vor der Predig aus der Kirchen
schaffe / so kunten es die Wachten dannoch nicht

darzu bringen; so daß sehr viele darbey blieden /
und durch die Gatter / den allerheiligsten Vat=
ter
rede sahen.

Dienstags liesse Jhre Päpstl. Heiligkeit aus
der Päbstlichen Kleider=Verwahrung / gewisse
alte Tüscher von Gold=Stück nehmen / und be=
fahle
Meß=Gewänder daraus zu machen / so
in einige arme Kirchen / sowol in Rom / als in
dem Staat / sollen verschencket werden.

Mittwochs frühe hielte der Papst Consisto-
rium
, in welchem er keine Beförderung vor=
genommen
/ sondern nur einige Kirchen versor=
get
hat.

Man verspüret / daß der Papst sehr an Kräf=
ten
abgenommen / und sich nicht in alzu bestem
Zustande seiner Gesundheit wegen / befinde:
nichts desto weniger ist er unermüdet in Ge=
schäften
/ und pfleget zu sagen: Es wäre ein
Tod / man stürde in dem Bethe / oder auf
denen Füssen; in verwichener Wochen hätte er
sollen nach Unser Lieben Frau in Minerva,
um denen hiesigen Romanischen Jungfrauen /
die Morgen=Gabe von Maria Verkündigung /
auszutheilen / reiten / es ist ihm aber widerrahten /
und dieses Werck bis auf den ersten nechst=
künftigen
May=Monats verschoben worden.


Lista deren Getauften zu Wien / in
in und vor der Stadt.

Den 25. Februarii 1725.

Dem Thom. Benestorffer / Zimmer=Mann / und Ther.
s. Eh. ihr S. Joh. Jos.

Dem Joh. Hart / Guardi=Soldat / und Anna Mar.
s. Eh. ihr. T. Elis. Sus.

Den 26. Februar.

Dem Joh. Mich. Zanninger / und Rosal. s. Eh. ihr S.
Jos.

Dem Matthias Grapler / Rumor=Knecht / und Cath.
s. Eh. ihr S. Jos. Sim.

Dem Jos. Pachmayer / Schreiber / und Anna Mar.
s. Eh. ihr S. Mich. Alexander.

Dem Ant. Sion / Parocken=Macher / und Mar. Soph.
s. Eh. ihr T. Mar. Jos.

Dem Sim. Ant. Pachent / Musico / und Elis. s. Eh.
ihr T. Mar. Rosal.

Dem Hrn. Joh. Lederer / Bancal. Buchhalterey Rait=
Officier / und Fr. Mar. Eva s. Eh. ihr T. Mar. Joh.
Mich.

Dem Mart. Haberl / und Marg. s. Eh,. ihr S. Jos.

Dem Ferd. Theill / und Elis. s. Eh. ihr S. Joseph
Benedict.

[13]

ES hat die Kaiserl. Privilegirte Orientali-
sche
Compagnie bereits unterm 28. Februarii
dieses Jahrs durch die öffentliche Zeitungen be=
kannt
machen lassen / welcher gestalten sie die Baum=Woll=
Spinnerey dermassen eingerichtet / daß dadurch etlichen tau=
send
Menschen ihr Brod zu gewinnen Gelegenheit verschaffet
worden / welches auch den guten Effect gehabt / daß sich
schon gar viele dazu appliciret haben; wie zumalen aber so
wol dem allgemeinen Besten / als auch so vieler Particulieren
Nutzen Haupt=sächlichen daran gelegen / daß dieses heilsame
Werck noch mehr im Lande ausgebreitet und kund gemacht /
mithin die Armen und Nahrungs=lose mit ihrer Hand=Arbeit
ein ehrliches Stuck=Brod zu gewinnen ferners angelocket wer=
den
wögen / als hat man solches nicht allein hiedurch wieder=
holter
publiciren / sondern auch alle und jede respctivè Herr=
schaftl
. Pleger / Verwalter / auch Richter in denen Städten /
Märckten und Dörffern nach Stands Gebühr ersuchen wol=
len
/ ihren nohtleidenden Jnwohnern und Unterthanen zu
dieser Baum=Woll=Spinnerey die Anweisung und den Fin=
gerzeig
zu geben / daß wann sie disfals mit Arbeit verleget
und dazu angelernet werden wollen / sie sich dahier auf dem
alten Bauren=Marckt im Hochfürstl. alt Liechtensteinischen
Haus anzumelden hätten / wie dann imgleichen wann diesel=
be
jemanden Vertrauten und Wolangesessenen an jedem Orte
vorschlagen wolten / den man als Spinn=Factor anstellen/
ihme die Waare anvertrauen / auch die Spinner und übri=
ge
dergleichen Leute an denselben anweisen könte; oder fals

[14]

ein= oder andere solche Obsorge selbst zu übernehmen Last hät=
te
/ man sich mit solchen auf billigen Fuß verstehen wird.
Und folget übrigens der stabilirte Spinner=Lohn so jedwedem
für seine Arbeit gereichet werden solle / nebst übrigen Condi-
tionibus
hierbey: Als

1.) Ein Baum=Wollen=Cartätscher oder Streicher / es
sey Mann oder Weib / bekommen von 1. Pfund Baum=Wolle
zu cartätschen 5. Kreutzer / kan also leichtlich die Wochen einen
Gulden und mehrers verdienen / und solle bey jedesmaliger
Lieferung ausgezahlet werden.

2.) Ein Spinnerin bekommet von einem sogenannten
Schneller der 700. Faden hat 3. Kreutzer / und kan nachdeme
sie fleissig seyn will / auch einen Gulden und darüber die Wo=
che
heraus spinnen / indeme von dem Geringsten an gerechnet
wenigstens 10. Schneller auf ein Pfund gehen / und sie da=
für
30. Kreutzer ziehet.

3.) Aller Werck=Zeug so die Cartätschen gebrauchen / ist
ein paar eiserne auf Brettel gemacht Cartätschen / so der
Spinn=Factor um 1. fl. 22. kr. zu schaffen / und nichts mehr
darfür zu fordern hat.

4.) Desgleichen die Spinnerinnen gebrauchen

Ein völlig zugerichtetes Spinn=Rädel / = 45. kr.

Ein Haspel / pr. = = = = 45. kr.

Ein Spindel / pr. = = = = 2. kr.

welches nach und nach an dem Spinn=Gelde abgezogen wird /
mithin solcher Werck=Zeug der Spinnerin eigen verbleibet.

Schließlichen wird die Compagnie das gantze Jahr hin=
durch
genugsame Arbeit geben / ohne doch daß die Leute sich
obligiren dörften / ihre andere Hauer= oder Feld=Arbeit
bey seit zu setzen. Wien den 9. Maii 1725.

»