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Wienerisches DIARIUM.

Nr. 38, 12. Mai 1725

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[1]

Anno 1725. (Num. 38.) 12. May.


Wienerisches

DIARIUM.

Mit Jhrer Römis. Kaiserl. und Cathol. Majestät Freyheit.

Mit Jhrer Römis. Kaiserl. und Cathol. Majestät Freyheit.

Zu finden in der Kaiserlichen Hof=Buchdruckerey / gegen dem Hof=
Ball=Haus über / bey Johann Peter v. Ghelen.


Jspahan 12. Januarii.

DEr Miriweys will nicht mehr
Fürst Miriweys, sondern Pro-
tector
von Persien genennet
seyn / und alle so solches nicht observi-
ren
/ drohet er mit Gewalt dahin zu
zwingen; wie er dann seine Macht noch
täglich vermehret / und sich in solchen
Stand setzet / damit er sich gegen jeder=
man
defendiren könne / zu dem Ende
auch sein Bund=Genosse / der grosse
Mogul, sich sehr starck armiret / und
ihn in allen Fällen beyzustehen fertig
ist. Hingegen soll der junge Sophi bey
dem Chinesischen Herrscher / und dem
grossen Negus, so unter dem Namen
des Priesters Johannis bekannt ist /
es dahin gebracht haben / daß sie ihn
mit mehr als 100000. Pferden / 6000.
Camelen / einer starcken Artillerie, und
andern Nohtwendigkeiten zu secundi-
ren
versprochen haben / dörfte also die=
ses
Jahr ein sehr grosser Krieg in hie=
sigen
Gegenden erfolgen.

Lisbona 7. April.

Es ist einige Unter=Handlung zwi=
schen
unsern / und dem Spanischen Ho=
fe
auf dem Tapet / eine doppelte Ver=
mählungs
=Stiftung betreffende. Man
versichert / daß der Marches von Go=
ven
/ Oberster Hofmeister von dem Hau=
se
des Königes / welcher nach Ponte-
Vedra, in das Elend verwiesen war /

wieder an dem Hof zurück beruffen wor=
den
. Don Paul Cayetano, Oberster
über ein Regiment / ist Gubernator über
Angola ernennet worden. Don Ale=
xander
Metelo von Souza nnd Mene-
zes
, welcher des Königs Geschencke /
in Gestalt eines Bottschafters von Jh=
rer
Majestät / dem Herrscher in China
überbringen soll / ist in das Kriegs=
Schif / Unser Lieben Frauen von O-
liviera
, zu Schiffe gegangen / welches
ihn nach Macao übersetzen / und unver=
züglich
/ mit denen zwey andern Kriegs=
Schiffen / so nach Jndien bestimmet
seynd / unter Segel gehen solle.

Don Johann von Saldanha und Ga-
ma
, des Infanten Don Anton Cam=
merer
/ legete vor einigen Tagen in
des Königs Hände / seinen Eid der
Treu / als Vice-König in Jndien / ab;
und setzete sich unverzüglich auf eins de=
rer
/ nach demselben Lande bestimmeten
Schiffe.

Man ist / seither etlichen Tagen / mit
Werbung derer Recruten / um Jhrer
Majestät Regimenter / deren etliche sehr
geschwächet seynd / vollständig zu ma=
chen
/ beschäftiget.

Londen 24. April.

Verwichenen Freytag den 20. dieses /
lase das Unter=Haus die Antwort / so
der Graf von Macclesfield / den Tag
zuvor / dem Ober=Hause eingereichet

[2]

hatte / und schicketen sie in die Com-
mission
, welche die Anklag=Articulen
aufgesetzet / um eine Replic darüber zu
machen. Diese Autwort ist um ein
grosses viel kürtzer / als die Anklags= Ar=
ticuln
; in welcher dieser Graf heimlich
einen Theil bekennet / und seine Zuflucht
zu dem im Jahr 1721. gemachten Be=
gnadigungs
=Act zu nehmen suchet.

Der Wort=Streit / so eben denselben
Tag in dem Unter=Hause wegen des
Königs Botschaft / entstunde / erhitzete
sich um desto heftiger / weilen selbst et=
liche
Personen unter denen vornehmsten
Gliedern desselben / dadurch gerühret
wurden. Die Parthey / so sich wider
die von dem Hof setzete / bemühete sich
diese Sache au einem andern Tag zu
verschieben; allein es wurde auf Vor=
schlag
239. Stimmen / gegen 119. be=
schlossen
/ daß man alsogleich über Jhrer
Majestät Botschaft sich berahtschlagen
solle. Hierauf versammelte sich das
Haus in Groß=Commission, man las
die Botschaft / und die Verzeichnuß der
civilen Schulden=Liste / welche sich ohn=
gefehr
auf 650. tausend Pf. Sterling
belauffen; weilen sich aber in der Schatz=
Cammer so viel befindet / daß man
142. tausend abtragen kan / wurden
diese Schulden auf 508. tausend Pf.
Sterl. gebracht. Folgends wurde vor=
getragen
und in Berahtschlagung ge=
bracht
: ob man den König autorisiren
solle / daß er diese letzt besagte Post /
aus dem in Jhrer Majestät Botschaft
bemeldeten Fundo nehmen könne. Wor=
über
ein grosser Wort=Zanck entstunde /
worbey die / so die widrige Parthey
hielten / unter andern vorwandten / sie
müsten sich höchlich verwundern / daß
diese Schulden / zu Friedens=Zeiten so
hoch angewachsen seyen: die Parthey

von dem Hof aber stellete vor / man
hätte unrecht / sich auf das Begehren
einer Summa von 508. tausend Pf. Sterl.
zu beschweren / weilen man sich doch wol
erinnern könte / daß zu Zeiten Carl des
II. man gemeiniglich diesem Printzen
eine Ersetzung von einer Million / ver=
williget
hatte; und daß man den Ge=
nuß
des Friedens keiner andern Sache
zu dancken hätte / als denen geheimen
Ausgaben / die man / denselben zu er=
halten
/ machen müste. Endlich / als
der Herr Robert Walpole / durch seine
wol bekannte Beredsamkeit / die meisten
Stimmen auf seine Seite gezogen / wur=
de
einhellig beschlossen / daß um die
jährlichen Gefälle von 25000. Pf. Sterl.
damit das Einkommen der Civil-Liste /
durch einen Parlaments=Act, im Jahr
1721. beschweret worden / auszulösen /
und die Schulden und Ruck=Stände /
so der König seinen Ministern / Officie=
ren
/ Bedienten und andern / schuldig
wäre / auszutilgen / Jhre Majestät au-
ctorisi
ret
seyn solte / eine Million Pf.
Sterling / durch Zettel / aus der Schatz=
Cammer zu leyhen / oder auf andere
Weis / auf Credit, mit Abziehung 6.
Sold von dem Pf. Sterl. und von
dem Einkommen der Civilen=Liste / zu
3. per Cento Interesse, bis zu Ab=
tragung
des Capitals, zu nehmen.
Sonnabend stattete der Herr Farrer
dem Unter=Hause von dem vorigen
Tags in einer grossen Commission über
des Königs letzte Bottschaft gefasseten
Schlusse Bericht ab / welchen das
Haus genehm hielte / und befahl eine
Bill desfals einzubringen: worauf
dann der Herr Farrer gestern eine Bill
præsentirte / um 25000. Pf. Sterl de=
rer
auf die Einkünfte der civilen Liste
haftenden Jahr Renten einzulösen / und

[3]

die Schulden und Rückstände die der
König denen Haus=Bedienten schuldig
ist / abzuführen; welche zum ersten= und
heute zum anderumal gelesen / folgends
einer Commission auf morgen überge=
ben
worden. Die Bill um die Berg=
Schotten zu desarmiren ist ins Reine
zu schreiben befohlen worden. Die
Lords haben die Bill wegen Einrich=
tung
der Wahlen in der Stadt Londen
zum drittenmal gelesen und mit 79.
Stimmen gegen 27. passiret.

Verwichenen Donnerstags / wurde
der junge Printz Wilhelm / für einen
Granadier / in die Compagnie des Gra=
fen
von Albemarle, von dem zweyten
Regiment derer Wachten / eingeschrie=
ben
; man gabe ihme das Gewehr / die
Granadier=Haube / und andere Aus=
rüstung
/ und er tratte seinen Dienst zu
erst in den Pallast von Leicester an.

Brüssel 24. April.

Der Herr Caspar Antoni von Epino-
se
und Aubremont, Graf von Raim-
baucourt
, Baron von Grimberghe, &c.
gewesener General=Leutenant in Spa=
nischen
Diensten / starb verwichenen
Sonn=Abend frühe in dieser Stadt /
seines Alters 69. Jahr.

Sonntags wurde in der Kirchen der
PP. Barfüsser=Carmeliter / in dieser
Stadt / das jährliche Fest von der Pro-
tection
St. Josephs gefeyret. Bey
welcher Gelegenheit Jhre Excellentz /
der Herr Feld=Marschall / Graf von
Daun / Gubernator, und General=
Capitain dieser Provintzen / sich mit
öffentlichen Gespränge / um halber 11.
Uhr des Morgens / in der Kutsche mit
6. Pferden / in Begleitung der Helle=
bardierer
=Wacht / mit vorher=gehenden
seinen Pagen und Lackeyen / sich dahin
begabe; da die Adeliche Hatschierer=

Wacht voraus gegangen / und vor der
Kirchen in doppelten Spallieren auf Jh=
re
Excellentz / bey dem Aussteige / war=
teten
/ alwo selbe von der gantzen Ver=
sammlung
derer bemeldeten Patern, em=
pfangen
/ und folgends in die Kirche
geführet wurde. Als Jhre Excellentz
nach dem GOttes=Dienst aus der Kir=
chen
gienge / wurde selbige / mit eben
diesen Ceremonien bis zu der Kutschen
geführet / und zog mit dem vorige Ge=
folg
wieder in den Pallast.

Braunschweig 25. April.

Allhier ist man mit Exercirung der
Trouppen sowol Vor=als Nachmittags
occupiret / und ist an die Land=Milize
ein gleiches zu thun die Ordre ergan=
gen
.

Gestern / als am 24. hujus haben
wir allhie 2. Aufzüge / einen von der
Tischler=oder Schreiner=Zunft / den an=
dern
von denen Schustern gehabt / der
letzte ware wie ordinarir gebräuchlich /
der erste aber weil es länger als in 40.
Jahren nicht geschehen / war überaus
wol anzusehen / womit dieselben Ruhm
eingeleget; die Ordnung war folgender
massen:

1.) Giengen 2. Männer / der eine
als ein Harlequin, der andere aber als
ein Bauer bekleidet / denen folgenden
Platz zu machen. Worauf

2. Die Spiel=Leute folgeten / und
mit ihren Musical. Jnstrumenten sich
hören liessen. Alsdann kamen

3.) Zwey wilde Männer / mit grü=
nen
Kräntzen auf dem Kopf / in denen
Händen einen ziemlich langen Dannen=
Baum führende / mit welchen sie aller=
hand
Lectiones machten. Hiernechst
trugen

4.) Zwey einen grossen schön vergol=
deten
Circul. Denen folgeten

[4]

5.) Die nach der Archidectur aus=
gearbeitete
5. Säulen / welche gleichfals
schön vergoldet / und von so viele Gesel=
len
getragen wurden. Darauf folge=
ten

6.) Die Gesellen in ihrer Ordnung /
welche alle von Hobel=Spänen recht
artig gefärbete und wol. gemachte Plu-
mag
en
auf denen Hüten trugen / deren
ein jeder ein zu dem Handwerck gehöri=
ges
Jnstrument und Werck=Zeug / als
Säge / Hobel / Hammer / Leim=Topf /
alles wol vergoldet / in denen Händen
hielten. Denen folgete

7) Die Fahne / welche von Hobel=
Spänen / mancherley Farbe / künstlich
durch einander geftochten war / und
überaus wol aussahe. Darauf folgete.

8. Jhre Geld=Lade / welche von 6.
Alt=Gesellen auf den Nacken getragen
wurde / oben über derselben wurde der
Hertzogliche Name / geschlungen und
künstlich aus Holtz geschnitten von 2.
andern getragen. Die Lade war von
Nuß=Baum Holtze / von recht galanter
fournier Arbeit.

9.) Die übrigen Gesellen / welche 6.
grosse silberne und vergoldete Becher
trugen / die andern aber ihre ordinari=
ren
Trinck=Kannen / Krüge und Glä=
ser
. Darauf kamen

10. Acht ausgekleidete Berg Leute /
welche den Tischler=Schild / welches
neu und wol gemahlet war / trugen.

11.) Zwey Gesellen mit blossen De=
gen
/ auf deren Spitzen eine grosse Ci=
trone
steckte. Und hierauf beschlossen

12.) Die Spiel=Leute abermal den
Reihen.

Se. Hochfürstl. Durchl. der regieren=
de
Hertzog von Blanckenburg hält sich
noch alhie auf / und hat obgedachte
Tischler=Gesellschaft / welche ihre Re=

verenze var Deroselben gemacht / reich=
lich
beschencket.

Haag 29. April.

Der Frantzösische Ambassadeur Mar-
quis
de Fenelon hat denen Herren Ge=
neral
=Staaten bekandt gemacht / daß
er gesonnen künftigen Montag als den
30. dieses seinen öffentlichen Einzug all=
hie
zu halten / zu welchem Ende die
Herren Baronen von Renswoude und
von der Waayen von ihrer Hochmö=
genden
deputiret seynd gedachten Am-
bassadeur
mit der ersten Staats= Ca=
rosse
/ welcher unterschiedliche andere
Kutschen mit 6. 4. und 2. Pferden fol=
gen
sollen / von der Hoorn=Brücke bey
Ryßwyk abzuholen / und anhero nach
Printz Moritz Hause zu begleiten / all=
wo
Se. Excellentz drey Tage von dem
Staat tractiret / und nachgehends am
Mittwoch mit gleicher Cortege von
Kutschen zur ersten Audientz in Jhro
Hochmög. Versammung geführet wer=
den
wird.

Der Herr Gesandte Hopp hat nun sei=
ne
Verhaltungs=Befehle nach dem
Frantzösischen Hof von neuen empfan=
gen
/ und solle ehester Tage wieder
nach Paris aufbrechen / auch dem Ver=
laut
nach / wegen dermaliger neuen
Conjuncturen noch länger alda verblei=
ben
; da mittlerweile der Marquis de
Fenelon, hiesiger Gesandter von Franck=
reich
/ denen hier anwesenden 2 Portu=
gesischen
Ministern / als dem Bottschaf=
ter
Herrn Grafen Taroucca seine An=
kunft
noch nicht wissen lassen / dahero
auch diese ihren Besuch noch bis dato
ausgestellet.

Jnzwischen wollen gewisse Briefe aus
Franckreich versichern / daß die zwischen
denen zweyen Höfen von Franckreich
und Portugall entstandene Mißhellig=

[5]

keiten wol ehestens zu einem gütlichen
Vergleich gelangen / und ein anderwei=
tiger
ansehnlicher Frantzösischer Minister
nach dem Königl. Portugesischen Hofe
abgehen dörfte / welches man dann
auch Ursachen zu seyn vermeinet / daß
die in Paris gestandene Portugesischen
Ministres sich noch unterwegens in
Franckreich bis auf nähern Befehl auf=
halten
.

Warschau 2. May.

Die bey uns residirende Herren Se-
natores
haben gemutmasset / daß Jhro
Königl. Majestät selbige nach Fraustadt
zu einem Consilio beruffen würden;
nunmehr aber vermeinet man / daß
höchst=gedachte Majestät selbst auf Jo=
hann
hier eintreffen wollen. Jndessen
melden die von dannen kommende Brie=
fe
/ daß man am Königl. Hofe noch
immer mit Untersuchen der Prætensio-
nen
occupiret sey / welche der Groß=
Britannische Abgesandte wegen der
Dissidenten formiret; was darauf er=
folgen
wird / muß die Zeit lehren. Der
Fürst Dolhoruki ist / nachdem er bey
Jhro Königl. Majestät seine Verrich=
tungen
geendiget / auf der Anhero= Rei=
se
begriffen / und wird ein anderes Sub-
jectum
bey dem Königl. Hofe resdiren.
Lemberger=Briefen zufolge / wäre an
dasigem Horizont um Mitternacht ein
wunderbares Phænomenon observiret
worden / bestehend in einer Feuer= Säu=
le
/ um welche herum Schwerter / und
andere Kriegs=Waffen / item ein Be=
sen
zu sehen gewesen; selbiges hätte 2.
Stunden gedauret / und würde von
dessen Bedeutung unterschidlich judicirt.

Fortsetzung der Nachrichten von
Rom.

Samstags / den 14. April frühe / wurde
in Beyseyn Jhrer Päpstl. Heiligkeit / Papstes

Benedict des XIII., Examen derer Bischöffe
gehalten.

Denselben Morgen liesse Jhre Päpstliche
Heiligkeit allen Pfarrern / Weltlichen und
Geistlichen ankündigen / daß sie sich vers⟨a⟩m=
meln
sollen / um aus ihren Mittel die jeni=
gen
/ so dem Romanischen Concilio bey=
wohnen
sollen / zu erwehlen; dannenhero
alle obangeregte in die Kirche zu S. Lucia
de' Ginasi zusammen kamen / und folgende
erwehleten: der Ehrw. Herr D. Antinora
Bernardini, Pfarrer der uhralten Collegiat-
Kirchen S. Nicola in dem Tullianischen Ge=
fängnuß
; der Ehrw. Herr D. Caetan Ivone,
Pfarrer der Collegiat-Kirchen S. Lucia della
Tinta, und der Ehrw. P. Fr. Ubert Pozzi.
Prediger=Ordens / Pfarrer zu S. Nicola de
Perfetti.

Nach=Mittag liesse sich Jhre Päpstl. Hei=
ligkeit
in dem Sessel nach der neuen Kirchen
zu S. Philippi Nerii tragen; von dar aus nach
S. Maria über Minerva; alwo nachdem sel=
be
vor dem Hochwürdigsten Sacrament auf
dem hohen Altar gebettet / verfügte sie sich
zu dem Altar des Rosenkrantzes / welcher
von einer grossen Menge derer Christglau=
bigen
/ mit grosser Andacht gebettet wurde;
ferner gienge selbige an den Altar St. Tho=
mas
von Aquin / zu betten / wie ingleichen
an den von St. Dominicus. Nachdeme
Jhre Heiligkeit aus der Kirchen gekommen /
nahmen selbe ihre Strasse nach S. Joann Late-
ran
, und betrachtete daselbst nach verrichtetē
Gebett bey dem Hochwürdigsten / alles was
man zu der Vorbereitung der Eröfnung des
Concilii gemacht hatte; und verfügte sich
hernach in die Zimmer des Herrn Canoni-
cken
Vitelleski, alwo ihre Heiligkeit verblie=
be
/ und dieselbe Nacht alda schlieffe.

Nachdeme nun des Sonntags Morgen an=
gebrochen
/ als der Tag / den Jhre Päpstl.
Heiligkeit / Benedict der XIII. zu Eröfnung
und Begehung des heiligen Romanischen
Concilii augesetzet versammelten sich um 12.
Uhr nach dem Welschen Stund=Zeiger / in dem
Anleg=Zimmer des Apostolischen Lateranensi-
schen
Pallastes / Jhre Eminentzen die Car=
dinäle
/ Patriarchen / Ertz=Bischöffe / Bischöffe /
Jnfulirten Aebte / und Bevollmächtigte derer
Abwefenden Bischöffe / ein jeder nach seiner
eigenen Ordnung und Würde / mit H. roten

[6]

Habit bekleidet. Als Ihre Päpstl. Heiligk. in
besagtem Anleg Zimmer angelanget / und
den heiligen Habit / so ebenfals rot war /
angeleget / stimmete selbe vor dem Les=Pult
vor dem in gedachtem Zimmer stehenden Al¬
tar niederkniend das Gesang: Veni Creator
Spiritus &c. Komm GOtt Schöpfer heili¬
ger Geist ⁊c. an / welches von denen Päpstl.
Sängern fort gesungen / und unterdessen der
Anfang zu dem Umgange gemachet wurde /
so von der grossen Thür des Pallasts aus /
um denselben hernm / bis zu der grossen
Thür der Haupt= Kirche gienge. In dersel¬
ben giengen nebst Ihrer Eminentzen denen
Herren Cardinälen von ihren Cammer=Meistern
und ihren Schweif=Trägern begleitet / und
allen andern obberührten mit brennenden
War= Kertzen in denen Händen / alle Orden
der Prælatur / die Häupter derer Orden /
und die hochwürdige Capituln von S. joann
Lateran, von St. Peter in dem Vatican,
und S. Maria Major; und die drey Pfarrern /
so Platz in dem Concilio haben. Letztlich
sahe man Ihre Päpstl. Heiligkeit auf einem
Trag Sessel / unter einem Baldackin / mit
denen gewöhnlichen Sonnen= Schirmen zu
beyden Seiten / von dem Herrn Hertzog von
Gravina Orlini, als Printzen des Throns /
von denen Erhaltern der Stadt Rom / und
dem Prior des Romanischen Volckes / auch
dem Herrn Botschafter von Bononien / be¬
dienet. Und wurde der Umgang beyderseits
von der Schweitzer. Wacht begleitet / nebst
der Päpstl. Militz / so durch die Gassen /
dadurch die Procession gienge / so gantz mit
Tüchern oben überspannet / und auf denen
Seiten mit Teppichten ausgezieret waren /
in Ordnung gestellet stunde. Da nun das
Päpstl. Creutz / welches von dem Monsig.
Cenci. Päpstl Unter Diacon, und Auditor
der Rota. der mit einem roten Leib Röcklein
angethan ware / getragen wurde / in die hoch¬
heilige Lateranensische Patriarchal-Haupt¬
Kirche gelanget ware / wurde von denen ge¬
wöhnlichen Sängern der 32. Psalm: Exul-
tate
justi in Domino &c. Freuer ench in
dem Herrn ihr Gerechten / ⁊c. angefangen;
und als Ihre Päpstl. Heiligkeit zu dem Al¬
tar des Crucifixes welchen man von S. Se-
verina
Se-
verina
nennet
/ alwo das Hochwürdigste
Sacrament ausgesetzet ware / wie dann alle
die andern von dem Umgang gekommen;

kniete dieselbe alda nieder / und verrichtete
ihr eigenes Gebett; nach dessen Endigung
verfügte sich ihre Heiligkeit auf den gewöhn¬
lichen Päpstl. Thron / worbey selbiger aus
denen Cardinälen Diaconen Ihre Eminentz
Altieri und Marini assistireten; da unter¬
dessen die Sänger derselben Haupt Kirchen
die Antiphon: Ecce Sacerdos magnus &c
Dieses ist der hohe Priester ⁊c. gesungen / und
die Orgel fort geschlagen wurde / so lange¬
bis Ihre Päpstl. Heiligkeit die Vorberei¬
tung gemachet / und von Ihrer Eminentz
dem Cardinal Albani, als Meß=Diacono,
mit dem heiligen Priester= und Päpstlichen
Schmuck angeleget worden / und auf dem
Päpstlichen Altar den Anfang zu der stillen
Messe / zu Anruffung des heiligen Geistes
machete; worbey der Cardinal Paulucci Ihre
Päpstl. Heiligkeit / als assistirender Bischof;
vorerwehntes Cardinals Albani Eminentz /
als Diaconus des Evangelii; und der Monsig.
Crispoldi, Auditor der heiligen Rota, als
Apostolischer Unter=Diacon bedieneten.

Nach vollenbeter Messe / da Ihre Heilig¬
keit bey bemeldetem Thron den Vesper= Man¬
tel und Inful von goldenem Stuck genom¬
men / wurden von dem Monsig. Farsetti,
Apostolischen Protonotario, alle Herren Car¬
dinäle / Prælaten und alle andern / so eine
Stelle in dem Concilio haben / beruffen.
Von dannen verfügte sich Ihre Heiligkeit vor
dem Altar derer H.H. Aposteln / zu dem Les¬
Pult so mitten in der Vierung derer Bäncke /
auf die von dem übrigen festen Pflaster der
Haupt Kirchen / so hoch als alle Staffeln /
darauf man auf den edlen und alten Chor
dieser Patriarchal-Kirche gehet / künstlich er¬
hobene Ebene / aufgestellet war. Und wur¬
de solches grosse Gerüste zu mehrerer Sicher¬
heit / und schönerer Proportion, mit starcken
und wohl= geordneten höltzernen Pfosten um¬
geben / und mit vielen an ihren behörigen
Oertern gesetzten Thüren / da man ein = und
ausgehen kan / umgeben; daselbst stimmete
Ihre Päpstl. Heiligkeit die Antiphon:
Exaudi nos Domine &c. Erhöre uns / O
HErz ⁊c⁊. an / welche von denen Päpstlichen
Sängern vollends ausgesungen wurde /
nebst den 68. Psalm: Salvum me fac Do¬
mine &c. GOtt hilf mir ⁊c. und nach wie¬
derholeter Antiphona, lase Ihre Heiligkeit

[7]

das Gebett; als bernach selbe von neuem an
das Les=Pult gekniet / und die Jnful genom¬
men / wurde von zweyen Discanten aus der
Päpstlichen Capelle die Litaney derer Heili¬
gen gesungen / und als sie an den Vers ge¬
kommen: Ut omnibus, fidelibus defunctis &c.
Allen Christiglaubigen Verstorbenen / ⁊c.
stunde Ihre Päpstl. Heiligkeit auf / da die
andern alle auf denen Knien verblieben /
nahme das lange Creutz in die lincke Hand /
und gabe dem heiligen Concilio, gleich wie
das Römische Pontifical vorschreibet / den
Segen; und nach dem sich selbige wieder auf
die Knie nieder= gelassen / wurde die Litaney
mit angehengtem Gebett zu Ende gebracht.
Worauf Ihre Päpstl. Heiligkeit / mit Ihren
Eminentzen denen Cardinälen lmperiali und
Altieri, so derselben bey dem besagten Les¬
Pult assistiret hatten / sich zu dem andern Tep¬
pich so mitten in der Ebene vor dem Altar ge¬
breitet war / begabe / und kehrete das Ange¬
sicht gegen die grosse Kirch Thür / alwo Ihre
Eminentz Corsini, als Cardinal= Priester
mit dem Vesper=Mantel / so lange als von
des Cardinals Albani Eminentz das Evan¬
gelium gesungen wurde / Ihrer Päpstl. Hei¬
ligkeit assistirete / welche alsdan das Lob¬
Gesang: Veni Creator Spiritus &c. Komm
GOtt Schöpfer heiliger Geist ⁊c. anstim¬
mete; nach diesem / als sich Ihre Eminen¬
tzen die Cardinäle / auf die mit Teppichen
überdecketen Bancke / und die gantze übrige
Kirchen=Versammlung ein ieder an seinen Ort
nieder=gelassen / und das Extra omnes: Alle
hinaus: geschehen / lase Ih. Päpstl. Heiligkeit
die Anrede: Venerabiles Consacerdotes &c.
Würdige Mit Priester / ⁊c. so in vorerwehn¬
tem Pontifical befindlich. Letztlich begabe
sich selbiger zu der Cantzel / so bey der Nische /
wo St. Peters Bildnuß stehet / aufgerich¬
tet / und mit dem köstlichsten Sammet und
Damast / mit Golde verbordiret (wie dann
die gantze Haupt=Kirche / bey dieser Gele¬
genheit / mit solchem Schmuck ausgezieret /
zu sehen) überzogen ware; daselbst hielte
selbe aus guter Meinung eines liebreichen
Vatters / und allgemeinen Hirtens der Ca¬
tholischen Heerde / mit Apostolischen Eifer /
an die anwesende heilige Versammlung / so
in 30. Eminentzen / sehr vielen Prælaten /
denen Hochwürdigen Capituln von St. Jo¬
hann Lateran, St. Peter in dem Vatican, und

von St. Maria Major; Ehrw. Ehrw. Pfar¬
rern / und anderen beruffenen Personen
bestunde / eine Rede von der hohen Wich¬
tigkeit des Concilii, so in ihrem Anwesen an
dem besagtem Morgen seinen glücklichen An¬
fang nehmen solte. Als nun Ihre Päpstl.
Heiligkeit wiederum zu dem bey dem Altar
stehenden Les= Pult gelangete / stiege der
Monsig. Franz Fini, Ertz Bischof von Da¬
masco, Bischof von Avellino, und Frigenti.
desselben Concilii Secretarius, auf eine an¬
dere derselben / worauf Ihre Päpstliche Hei¬
ligkeit Ihre Ansprach gehalten hatte gleich
gegen über aufgerichtete Cantzel / und ver¬
lase mit lauter Stimme / die zu der ersten
Sitzung behörigen Haupt= Puncten; und
nachdeme der Monsig. MichaeI Carl von Alt¬
han / als zweyter Secretarius desselben Con¬
cilii, das Gutachten aller Votirenden ein¬
gezogen / verfasseten die Monsignoren Maffeo
Farsetti, und Frantz Adrian Ceva, als des
Concilii Notarien / einen Act hierüber.
Schließlich gabe Ihre Päpstliche Heiligkeit /
von dem Pulte derselben gantzen heiligen
Versammlung / die Päpstliche benediction;
und nachdem Ihre Eminentzen die Cardinä¬
le / die heiligen Kleider (wie auch alle an¬
dere / so darmit angethan waren) abgele¬
get / und ihre Kappen wieder umgenommen
hatten / begleiteten Ihre Päpstliche Heilig¬
keit in das Anleg Zimmer / in der Sacri¬
stey des Lateranensischen Capituls / alwo sich
der H. Vatter entkleiden liesse / und sich wie¬
derum in seine gewöhnliche Cammer begabe.

Die verwittibte Groß Prinzessin von To¬
scana / so dem Amte der Messe / in einer klei¬
nen Por=Kirchen gegen dem hohen Altar be¬
sagter hoch= heiligen Haupt=Kirchen über /
beygewohnet hatte / verfügte sich / um das
heilige Werck der Eröfnung des Concilii zu
sehen / auf eine andere kleine Por=Kirche /
so auf Ihrer Heiligkeit Befehl / prächtig
ausspalieret ware massen selbige / aus dero
angebornen Gütigkeit gegen ermeldte Gro߬
Prinzessin alle Hochachtung insonderheit
verspühren lässet; wie sie dann auch die¬
selbe bey ihrer ersteren Audientz / die ersten
Tage ihrer Ankunft in Rom / hat niedersitzen
lassen.

Gegen 21 Uhr gienge Ihre Päpstl Heilig¬
keit in die Kirche St. Maria in Domnica

so

[8]

so Navicella genennek wird / um die Er¬
neuerung derselben Kirchen / woran anjetzo
gearbeitet wird / zu sehen / und bey Zuruck¬
kehrung nach dem Päpstlichen Pallast in dem
Vaticano, gienge dieselbe in die neue Kir¬
che / ihr Gebett bey St. Philipp Nerii nach
Gewonheit zuverrichten.

(Die fernere Continuation ist im beyge
henden Anhang zu ersehen.)

Wien 12. May. 1725.

MIttwoch / den 9. May / hat Sich
der Regierende Kaiserl. Hof zu
Laxemburg so wol vor=als nach=Mit¬
tag in selbiger Gegend mit der Reiger¬
Peitz belustiget; als auch nach=Mittag
in aldasiger Schloß= Capelle der feyer¬
lichen Vesper beygewohnet / wie dann
anch alhier Ihre Majestät die Verwit¬
tibte Römische Kaiserin in Dero Hof=Capelle der Ve¬
sper abgewartet.

Donnerstag / den 10. Dito / als am
hohen Fest der Himmelfahrt Christi
wurde so wol zu Laxenburg / als alhier in
denen respectivè Kaiserl. Hof=Capellen
der offentliche GOttes Dienst gehalten.
Nach=Mittag ertheilten Ihre Majestät
der Kaiser Allergnädigste Audientzen.

Freitag / den 11. Dito / haben Ihre
Majestät der Allerhöchste Monarch in
dero Gegenwart zu gedachten Laxen¬
burg vor=Mittag geheimen Raht gehal¬
ten; nach= Mittag aber anwiederum
Allergnädigste Audientzen ertheilet.

Eodem wurde alhier vor= Mittag in
Ihrer Majestät der Verwittibten Röm.
Kaiserin Amalia Wihelmina Hof=Ca¬
pelle für eine zu Parina in GOtt selig
entschlaffene Hoch=Adeliche Stern¬
Creutz=Ordens=Frau (Tit.) Frau The-
resia
Gräfin von Gazini della Rosa,
das gewöhnliche Seelen=Amt gehalten.

Lista deren Verstorbenen zu Wien /

in und vor der Stadt.

Den 9. May 1725.

In der Stadt.

Adam Hofer / im Burger=Spital / alt 83. J.

Vor der Stadt.

Dem Daniel Höltzl / Band=Macher / s. K. Frid. bey
der golden Ketten am Spitlberg / alt 1. J.

Maria Wallnerin / Wittib / beym weissen Löwen am
Thury / alt 80. J.

Dem Conrad Matzenauer / Lackey / s. W. Anna / beyn
3. Hüten bey St. Ulrich / alt 40. J.

Dem Peter Schredl / Schuh= Macher / s. K. Calv.
beym weissen Hann bey Maria Hilf / alt 5. Viertl J.

Dem Conrad Fellhorn / Guardi=Soldaten / s. K. Jo¬
hann / im Langen=Keller am Neubau / alt 8. J.

Dem Matthias Daniß / Maurer=Gesellen / s. K. Au¬
gustin / beym blauen Stern im Liechtenthal / alt
2. J.

Adam Ernst / Tagw. im Bratlbraterisch. H. ausser
Maria Hilf / alt 26. J.

Mich. Stöltzl / armer Mann / beym golden A. B. C.
bey Maria Hilf / alt 50. J.

Den 10. May.

In der Stadt niemand.

Vor der Stadt.

Dem Joh. Reitter / Petschier=Stecher / s. K. Anna /
im Schwartzwaldisch. H. bey St. Ulrich / alt 1. J.

Dem Georg Stiglitz / Müllner / s. W. War. beym gol¬
den Schlössel in der Alster=Gassen / alt 50. J.

Elis. Lirschin / Wittib / im Binderisch. H. an der Wien /
alt 80. J.

Dem Peter Schredl / Schuh=Macher / s. W. Anna /
beym weissen Hann bey Maria Hilf / alt 28. J.

Der Cath. Capellerin / Wittib / ihr K. Joseph / im
Aichbiglisch. H. untern Felbern / alt 6. Viertl. J.

Den 11. May.

In der Stadt.

Hr. Wolfg. Eder / Burger / in s. H. in der Kärntner¬
straß / alt 92. J.

Vor der Stadt.

Dem Urban Oellinger / Barometer=Macher / s. W.
Anna / beym Wolfen in der Au am Neustift / alt
58. J.

Dem Valentin Brandl / Binder / s. K. Georg / wel¬
ches vorgestern beym golden Löwen bey Maria Hilf
im Brunn gefallen und ertruncken / ist alda vom
Kaiserl. Stadt=Gericht beschaut worden / alt 10. J.

Georg Bräunl / Guardi=Soldat / beyn 3. Hacken auf
der Windmüll / alt 25. J.

Veit Atzenbigler / Maurer=Gesell / im Schusterisch. H.
zu Erdberg / alt 36. J.

Dem Frantz / Teufl / Zimmer=Gesellen / s. K. Cath.
beym weissen Lammel am Thury / alt 6. Viertl J.

Melchior Andorfer / armer Mann / im Gemein=Wirts¬
H. auf der Landstraß / alt 66. J.




[9]

Anno 1725. (Anhang zu Num. 38.) 12. May.

Fortsetzung der Nachrichten von

Rom.

SOnntags / als den 15. April / hiel¬
te die Löbliche Bruderschaft von St.
Benedict dem Weissen / von Florentz / so
allda in der Kirchen zu St. Maria Novella
derer E. E. P. P. Dominicaner / ihr Gestifte
hat / und in 47. Mit=Brüdern / und einem
P. Dominicaner / ihrem Corrector nebst sei¬
nem Gefährten einem Lay=Bruder / nebst 20.
Bedienten / ihren Einzug zu der Porta An-
gelica
herein; Sie trugen mit vorher¬
gehenden zwey grossen Lanternen / eine grosse
Fahn an einer Stangen / worauf St. Bene¬
dict gemahlet ware; dann 4. Fackeln / und
ein Crucifix mit seinem weissen Tuche / so
mit Golde ausgemachet war / darüber / vor
welchen ein grosser Chor Musicalischer Sän¬
ger giengen. Obbesagte Mit=Brüder waren
mit weissen Säcken angethan / und mit Hän¬
fenen Stricken umgürtet / und trugen kleine
Mänteln von schwartzen Leder / mit einem
Schilde / darinn das Bildnuß St. Bern¬
hards gemahlet / auf der lincken Brust / ei¬
nen schwartzen Hut / so ihnen auf die Achseln
herunter hienge / gelbe lederne Strümpfe /
mit Schuhen von dergleichen Farbe; und
hatten alle ihren schwartzen Pilgrams¬
Stab; So truge auch obbesagter ihr Cor¬
rector, und dessen Gefährte / wie nicht weni¬
ger alle Bedienten die Mäntelein / und den
Pilgrams=Stab. Ermeldete Bruderschaft
wurde von der hiesigen Ertz=Bruderschaft der
Pietät der Florentinischen Nation / so an vie¬
ler Prælatur und Adel von selbiger Nation
zahlreich ist / eingeholet und empfangen;
und von derselben mit Music / Trompeten
und Paucken / gerade nach der Kirchen St.
Johann derer Florentiner geführet / allwo
das Te Deum Iaudamus &c. unter Lo߬
brennung derer Lust=Mörser / feyerlich ge¬
sungen / gleichwie auch bey ihrem Einzug
durch das Römische Thor geschossen worden.
Nachdeme das Te Deum &c. ge=endiget / /
gienge diese Procession nach dem Hospital
St. Johann Enthauptung / so gleichfals der
Florentinischen Nation zuständig ist / und als
sie dahin gelanget / wurden die Mörser auf
das neue abgefeuret. Obberührte Bruder=
schaft
von Florentz / wie auch die Bedienten /

so mit zahlbaren Calessen und Wägen ange¬
kommen / wurden in besagtem Hospital / des
Morgens und Abends / gantzer neun Täge
hindurch vortreflich und herrlich tractiret
und beherberget.

Montags frühe den 16. dito / ware der
Leichnam des Monsignor Ciriac Lanzetta,
von Rom / Auditor=Dechant der H. Rota / so
vorhergehenden Freytag Abends / seines Al¬
ters 79. Jahr / 4. Monat / und 3. Tage / und
seines Auditor=Amts 28. Jahre / 9. Monate /
und 13. Tage / mit Tod abgegangen / in einem
Meßgewand / und dem Prælaten=Hut zu
Füssen / auf einer hohen Bahre / mit 60.
Wachs=Kertzen / nebst 4. Fackeln umgeben /
ausgesetzet zu sehen. Dem Leichbegängnüß /
so ihme feyerlich / und mit einer H. Messe in
Music gehalten wurde / wohneten die Mon¬
signoren Auditoren der Rota / und alle Be¬
amten desselben Gerichts bey; und wurde
letztlich besagte Leiche / in sein eigen Grab /
vor der Capelle des Löbl. Hauses Lancetta,
so dem heiligsten Crucifix gewidmet / und in
derselben Capelle stehet / begraben.

Die verwittibte Groß=Princessin von To¬
scana gienge Montags frühe / mit ihrem
Zuge die 4 hochheiligen Haupt=Kirchen zu¬
besuchen; Und besuchte auch bey dieser Ge¬
legenheit / aus eigener Andacht / die Kirche
bey dem H. Creutz in Jerusalem; Und nach¬
Mittags / weilen eben Ihre Excell. der Herr
Don Andreas de Mello. ordentlicher Bott¬
schafter von der Cron Portugall an den hie¬
sigen Hof / mit seinem sehr prächtigen Zug
und Gefolg / Ihre Eminentz den Herrn Car¬
dinal Marefoski zubesuchen fuhren / und üben
den Platz Madama, vor dem Pallast Me¬
dici, allwo oberwehnte Groß Princessin /
welche zu dieser Zeit alldereits von Besuchung
derer Hoch=heiligen Haupt=Kirchen nach
Hause gekommen / vorbey zoge / beliebte die¬
selbe an einem Fenster diesen schönen und
kostbaren Aufzug zubeschauen; worbey man
auch die Altan üiber dem grossen Thor / und
alle andere Fenster desselben Pallasts (nebst
ihrer Hofstatt) voller Mit=Brüder der Bru¬
derschaft von Florentz verspührete; welche
an diesem Tage in ihren eigenen Kleidern /
ihre Schuldigkeit bey der Groß=Prinzessin




abzu=

[10]

abzulegen gekommen waren; die sie dann
gantz freundlich / und mit gewöhnlicher be¬
kannten Gunst=Bezeigung empsangen hatte.
Den Abend darauf begabe sich die Gro߬
Princ ssin in das Hospital / in welches die
besagten Mit Brüder eingezogen / nach St.
Johann Enthauptung und wartete denen¬
selben bey der Abend=Mahlzeit auf / und
rejchete ihnen mit eigener Hand die Speisen /
nach höchster Christ mildester Liebe / und
sonderbaren Erbäulichkeit.

Denselben Tag gienge Ihre Päpstliche Hei¬
ligkeit die vier Haupt=Kirchen zu besuchen /
und nach Besuchung der zu St. Paul, weilen
es ziemlich spät war / begabe selbe sich in das
Collegium derer Beicht=Vätter zu St.
Maria Major derer PP. Prediger=Ordens /
woselbst selbe von dem Pater Vicario em¬
pfangen wurde / in dem dasigen Spei߬
Saal verbliebe / und mit allen dero bey sich
habenden Haus Bedienten / und mit den n
dasigen Beicht=Vättern / so an der Anzahl
6. waren / das Mittagsmahl nahme / wel¬
ches albereits auf Ihrer Heiligkeit Kosten
zubereitet ware. Worbey unter wehrender
Tafel / der gewöhnliche geheime Capellan /
Monsignor Gennari von Genua / die Lebens¬
Beschreibung von St. Carl Borromeo lase.
Und nachdem Ihre Päpstl. Heil. bevor selbe
in Besuchung der Kirchen zu St. Maria Ma¬
jor, und derer andern Haupt=Kirchen / fort¬
setzeten / in etwas geruhet / liesse dieselbe
alle diese Herren Patern, gütlich zum Fu߬
Kusse.

Mittwochs frühe / den 18. Dito, hielten
Ihre Päpstliche Heiligkeit in dem Apostori¬
schen Palast auf dem Vatican das geheime
Consistorium, und nach denen Cardinälen ge¬
gebener Audientz / und beschlossenen Consi¬
storio, schlug selbige vor:

Die Bischöfliche Kirche von Pensa in To¬
scana, für Ihre Ehrw. den Herrn Abbate
Don Septimus Cinughi. Priester von Siena.

Die Bischöfliche Kirche von Gravina,
in der Landschaft Bari in dem Neapolitani-
schen
Königreiche für Ihre Ehrw dem Pa-
ter
Fr. Vincenz Ferrerio von Neapolis, Pre¬
diger Ordens.

Die Ertz=Bischöfliche Kirche von Valenz
in Spanien / für den Monsign. Andreas de
Orbe und Latreategui. Bischof in Barcellona.

Ihre Eminentz / der Cardinal Ottoboni,

schluge vor / die Bischöfliche Kirche zu Toul-
les
in Franckreich unter dem Ertz=Bistum
von Bourges, für den Ehrw. Herrn Abten
Don Carl von Plessi d' Argenire, Priester
des Bistums Rennes.

Die Commenthurey des Closters St. Mat-
thæi
, in Finibus Terræ, in dem Bistum St.
Pol von Leon, für den Ehrw. Herrn Abten
Leonorio von Remigny, Canonicken von
Paris.

Ihre Eminentz / der Cardinal Nicola
Spi-
noia
, schlug vor: die Bischöfliche Kirche
von Biefte, in dem Königreich Neapolis, für
den Ehrw. Herrn Abbare, Don Nicola Preti
Caitriota, Probsten zu Canosa.

Ihre Eminentz / der Cardinal Cienfuegos,
schlug vor: die Bischöfliche Kirche von Ab-
deia
, in der Unglaubigen Lande / mit der
Coadjutorey von Basel / Weih=Bistum von
Besanzon, für den Herrn Abten Johann Ba=
ptist
aus denen Frey=Herren von Reinach /
Canonick und Probsten zu Basel.

Und letztlich wurde um das Pallium der
Ertz=Bischöflichen Kirchen zu Valenz, für
den Monsig. Andreas de Orbe und Latreate-
gui
, übersetzeten Ertz=Bischof / angehalten.

Kühnftig folget die fernere Continuation.

Lista deren Getauften zu Wien / in

in und vor der Stadt.

Den 26. Februarii 1725.

Dem Wolfg. Polewitz / und Cath. s. Eh. ihr T. Mar.
Anna.

Dem Hrn. Joh. Mich. Braun / und Fr. Elis. s. Eh.
ihr T. Christina Elis.

Dem Jac. Mitrermayr / Kutscher / und Helena s. Eh.
ihr T. Mar. Franeis.

Dem Joh. Mich. Fischer / und Agatha s. Eh. ihr T. M.
Barb.

Dem Jos. Burckhard / Kirschner / und Soph. s. Eh.
ihr T. Anna Mar. Viet.

Dem Adam Stockl / und Justina s. Eh. ihr T. Maria
Anna Christina.

Dem Jos. Eysen / und Urs. s. Eh. ihr T. Elis. Cath.
Dem Jos. Henick / Tafel=Decker / und Ther s. Eh. ihr
S. Joh. Georg.

Dem Lor. Koll / Zinn=Giesser / und Rosina s. Eh. ihr
S. Joh. Niclas Jos.

Den 27. Februar.

Dem Gotfr. Meessner / und Eva Rosina s. Eh. ihr S.
Frantz Xay.

Dem Matthias Staninger / und Mar. Eva s. Eh. ihr T.
Mar. Jos.

Dem Fortunat Dumbler / und Anna s. Eh. ihr S.
Joh. Ant. Jos.


[11]

Num. IX.

Kundschafts=Blätl.

Aus dem Kaiserl. Universal-Kundschaft= und
schriftlichen Niederlags=Amt / werden allen Respectivè
Partheyen folgende Negotien angedeutet als:

Partheyen / welche sowol beweg=als unbeweg=
liche
Güter / Mobilien und andere Effecten zu ver=
kauffen
haben.

Num. fl. kr.

Verkauft eine Herrschaft in Oesterreich / so an truckenen Ge=
fälle
ein Capital 7713. fl. abwirft / pr. = 144260

Ein andere Herrschaft in Oesterreich mit ihren behörigen Rega-
li
en
/ schönen Schlössern / Teich / Gärten / Waldungen /
Aecker / Wiesen / ⁊c. pr. = = = 140000

794 Ein von allen Oneribus mit Salva-Guardi versehenen Frey=
Hof und Edel=Sitz / 2. Stund von Wien jenseits der Do=
nau
/ mit Herrschaftlichen Zimmern / einer Capellen / Altan,
grossen Obst= und Kuchel=Garten / 42. worunter 12. Joch
Uberländ=Aecker / Lust=Holtz / benöhtigte Vieh / als Pferd /
Kühe / Schaaf / Geflügel / und übrige Zugehörung / pr. 6400

13 Einen schönen Mayer=Hof mit Herrschaftl. Wohnung / vie=
len
Aeckern / nebst all benöhtigten Wirtschafts=Effecten / ge=
gen
Mähren ligend / pr. = = = 6500

5 Einen freyen Edel=Sitz unweit Crems / mit einer Müll / pr. 9400

Ein wohl=gebauten Hof in der Gegend Laxrenburg / mit schö=
nen
Obst=Garten / Aecker / Wiesen / kleiner Waldung / und
andere Regalien / pr. = = = = 16000

809 Ein wohl=angelegtes Gebäu mit einem Hof / vielen und gu=
ten
Aeckern über der Donau / pr. = = = 8000

616 Ein zur Herrschaftl. Lustbarkeit mobilirten und gegen Laxen=
burg
ligenden Hof / mit wohl=angelegten Garten / Acker
und einigen Wiesen / pr. = = = 15500

116 Verkaust in der Stadt ein wohl=gebautes Burgerl. Haus in
einer schönen Gegend / welches 7. per Cento genutzet wird /
pr. 20000. fl. Wäre auch gegen einem kleinern zu verstechen /
und wurde das übrige Capital darauf ligen gelassen.

556 Ein 3. Stock hohes Haus in der Gegend Hohen=Marck / pr. 23000

225 Ein Hau unweit der Singerstratß / pr. = = = 20000

[12]

Num. fl. kr.

511 Ein Haus nebst dem Kränter=Handl in der Vorstadt / pr. 3500

298 Ein Herrchaftl. Gebäu mit schönen Garten / auf der Land=
straß
/ pr. = = = = 18000

1659 Ein auf der Wieden Herrschaftl. Haus in 2. Stöcken beste=
hend
von 2. Thelen des schönen Gartens / mit übrigen Ap-
pertinenzi
en
/ so 700. fl. Zinnsen abwirft / pr. = 10000

6 Ein in Mazelsdorf wohl=gelegenes Wirts=Haus / mit haben=
der
Stallung auf 24. Pferd / pr. = = 2500

17 Ein in der Gegend Hunds=Thurn wohl=gebautes Haus /
Garten / Schupen / Stallung / und übrigen Nohtwendig=
keiten
für eine Herrschaft zu logiren / pr. = = 10000

59 Ein ausser Maria Hilf gelegenes Haus mit 14. Zimmern /
2. Kellern / nebst guten Brunnen und Garten / so jährlich
400. fl. Nutzung abwirft / mit Schenckheits Gerechtigkeit / pr. 5000

1201 Ein in dasiger Gegend Herrschastl. Gebäu und Garten / pr. 8000
NB. Von dergleichen in=als vor der Stadt / auch umligenden
Oertern befinden sich schristl. Jnlag / Häuser / Gärten /
Wirrschaften / Frey= und andere verkäufliche Edel=Sitz / wes=
sentwegen
denen darzu inclinirenden respectivè Partheyen
auf Begehren all beförderliche Auskunft ertheilet werden
solle.

262 Verkauft ein rot=brocatellenes Beth mit dergleichen Copert-
Decken / pr. = = = = 70

Zwey paar rot=tüchene Portir / Carmesin=Farb / pr. 15

6. grüne / und 6. rote Sessel / die erstern pr 18. / die andern pr. 15

Ein Zimmer rot=ein Zimmer grüne mit Gold wollene Spalier / pr. 40

Zwey Tisch=Tepich / einer um 4. der andere pr. = 215

Ein grosser Schreib Kasten / pr. = = = 24.

Ein detto kleinerer / pr. = = = = 12

Ein Heng und Leg Kasten / pr. = = 6

Ein Schenck=Kasten / pr. = = = 4

Schlackawalder Zinn / das Pf. pr. = = = 30

Ein reiches Frauen=Kleid / pr. = = = 70

Mehr ein Taffetenes bordirtes / pr. = = 50

Ein reichen Schwedulant / pr. = = = = 26

Ein grünes Ordinari Beth auf 2. Personen / pr. = 22

Unterschiedliche Silber / von Wiener und Augspurger / etliche
Stuck fein und grobe Leinwat / ein paar diamantene Ohr=
Gehena / pr. = = = = 150

Ein saubere Chaise-Roullant, nebst dem Pferd mit Sattl und
Zeug / pr. = = = = 75

260 6. Emer Türckis. Sechsarter 24ger Gewächs Wein / den Emer pr. 16

248 20. Fässel Tockayer=Wem / das Fässel pr. = 100

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