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Wienerisches DIARIUM.

Nr. 11, 7. Februar 1750

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[1]

Aus Spanien.

Madrid 13. Jan.

AM Fest deren Heil. 3. Königen begabe
sich der König in Begleitung deren
Grossen, deren Bottschaftern, und
des hohen Adels in das Kloser St. Hierony=
mi
, und wohnete alda dem feyerlichen GOt=
tes
=dienst bey, während welchem Se. Maj.
3. Kelch mit Gold, Weihrauch, und Myrhen,
den Päpsl. Nuntio, als ein Opfer übereichte,
und Abends wohnten beede Königl. Majestä=
ten
der Opera bey. Das Ministerium ist noch
immer beschäftiget die Handelschaft des =
nigreichs
mehr und mehr empor zu bringen.
Der Marches Don Francisco de Belzunce hat
die Holländsche Handelschaft, oder den Histo=
risch
, und Politischen Schatz der Holl⟨ä⟩ndischen
Handelschaft in allen Theilen der Welt aus dem
Französischen in das Spanische übersetzet, ꝛc.
Dieser Minister hat bey dieser schönen Uberse=
tzung
kein anderes Ziel, als das Absehen deren=
jenigen
zu erleichteren, welche der König vor=
geschlagen
, ihme einen Plan darüber zu errich=
ten
, und die Ha⟨n⟩dels leute anzufrischen, an ei=
ner
Handelschaft Theil zu nehmen, welche ih=
nen
nohtwendiger Weise nuzlich, und der gan=
zen
Nation vortheilhaftig seyn muß.

Aus Jtalien.

Neapel. 6. Jan.

Der König hat entschlossen, alle seine Trup=
pen
auf den Preussischen Fuß zu setzen, und
das Preussische Exercitium durchgehends einzu=
führen
, wessentwegen bereits die Befehle an
alle Generals, und Gubernatores deren Plä=
tzen
dieses ganzen Reiches ergangen seynd.An=
nebst haben auch die Obristen den Befehl, von
allen Regimentern eine genaue Liste ihrer un=
terhabenden
Mannschaft dem General-Kriegs=
Jntendanten
einzureichen, und was abgängig

ist, auf das fleissigste zu recrutiren. Gestern
ist der Monsig. Mondillo Orsini, Pariarch
von Constantinopel, ein Vetter Papsts Bene=
dicti
des Dreyzehenden in dem 60. Jahr seines
Alters an einem Schlagfluß mit Tod abge=
gangen
.

Livorno, 16. Jan.

Montags kame eine Französische Tartane in
26. Tägen von Tripoli alhier an. Der Pa=
tron
davon berichtete, daß 8. Täge vor seiner
Abreise der Hr. Jacob Malaspina nebst einem
Bottschafter von dasiger Regierung, uud denen
Christen=Sclaven von dannen hieher aufge=
brochen
seye; daß 2. von dasigen Schiffen, und
eine Pinte würklich auf den Raub aus seyen,
welche bereits ein mit Salz beladenes Venetia=
nisches
Schif, als eine Beute eingeschicket ha=
ben
, nachdeme auf diesen eroberten Schif der
Capitan, und 2. andere Venetianer in dem
Gefecht todt geblieben, sohin 16. Venetianer
zu Sclaven gemacht worden. Dienstags kame
ein unseriges Fahr=zeuge in 14. Tägen von
Tunis mit der Nachricht alhier an, daß eine
dasige Sambechine mit einem eroberten Korn=
schif
, ohne zu melden, von was Nation, da=
selbst
nach Haus eingeloffen wäre. Ein von
Algier in 18. Tagen angelangt=Schwedisches
Schif berichtet, daß das Schif des Capitains
Ron. oberhalb Mahon bey einem heftigen
Sturm in Gefahr zu scheittern gestanden, und
daß 2. Algierinische S⟨ambe⟩chinnen, und41.
deto andere Schiffe, so auf dem Raub aus
seynd, ein erbeutetes Spanisches Schif, und
ein sehr grosses, so mit Waaren von
Dantzig nacher Lisbona bestimmet ware,
samt allen darauf gewesten nunmehro zu Scla-
ven
gemachten Leuten, eingeschicket habe.

Genua 17 Jan.

Unsere Kreutz=fahrer,so wider die Barbarti=

[2]

sche Schiffe ausgefahren, seynd dieser Tagen
ohne Beute wieder hieher zuruck gekommen.
Alhier seynd dieser Tagen viele sowol Englän=
dische
, als Holländische Schiffe von unterschied=
lichen
Orten mit Waaren eingeloffen, und ha=
ben
selbe unter anderen berichtet, daß auf ei=
nem
Holländischen Schif das Volk wider den
Capitan sich aufgeworfen, und sohin selbst sol=
ches
Schif samt allen darauf gewesten Waaren,
so es zu Amsterdam für den hiesigen Platz,
und für den von Livorno geladen, und welche
ein nahmhaftes betragen, in den Brand ge=
stecket
hätten.

Rom 17. Jan.

Seine Päpstl. Heilgkeit haben an alle Gu=
bernatores
des Kirchen-Staats ein Kreis-schrei=
ben
ergehen lassen, daß selbe in denen ihnen
anvertrauten Städten, und Ortschaften keine
Faschings-lustbarkeiten, wie sie immer Namen
haben mögen, halten lassen sollen, wie dann
auch auf die von unterschiedlichen Orten ein=
geloffene
Bittschriften um die Erlaubnus, Ope-
ren
oder auch geistliche Schau-spiele halten
zu dörfen, die würkliche Verweigerung zuruk
geschrieben worden. Der Cardinal Lante hat
von seiner Abtey Farfa die Nachricht erhalten,
daß in dasigen Gegenden auf dem Ufer des
Flusses ein menschlicher Cörper mit aufgeschnit=
tener
Brust ohne Jngeweide wie auch ohne
Kopf, und ohne Füsse, 4. Miglien weit davon
aber ein Manns=kopf gefunden, beyde diese
Theile jedoch noch von niemanden, wer der
ertödtete eigentlich seyn möchte, erkannt wor=
den
wären. Dieser Tagen hat eine sichere
Manns-person deme von der allhiesigen
Statthalterey ein Deceret zugekommen, den
Umgang mit einer gewissen verheyraten Weibs=
person
hinführo zu meiden, ganz unverhoft zu
Nachts mit Gewalt in deroselben Haus sich
begeben, und ihr mit einem Messer einen tödt=
lichen
Schnitt in die Gurgel, wie auch etliche
in das Gesicht beygebracht, darauf sich in ein
hiesiges Collegium geflüchtet, von wannen er
aber dem Vernehmen nach unverzüglich zu sei=
ner
behörigen Straf wieder heraus, und zu
Verhaft gezogen werden wird, gestalten be=
sagt
verwundetes Weibs=bild dermälen schwer=
lich
mehr bey Leben seyn dörfte. Donnerstags
entstunde zu Marino zwischen denen Bauren,
und Gerichts=dienern ein heftiger Tumult.
welcher das Spiel zum Ursprung hatte: Die
Bauren versammleten sich sehr zahlreich,

und nöhtigten die Gerichtsdiener, sich in die
Kirche zu flüchten, allwo sie von denen ersteren
noch beständig fort geschlagen, und einige sehr
übel verwundet worden, endlichen besänftigte
sich das Volk, und als der Rumor=haupt=
mann
hierüber bey der alhiesigen Stadthalterey
seinen Bericht erstattet hatte, wurde von dem
Cardinal Carafa der Bischof Monsig. Bacchet=
toni
, um dasige Kirche auf das neue zu wei=
hen
, von hier abgeschikt. Eben gedachten Sonn=
tag
wurde in dem Colleio Urbano de propa=
ganda
fide die jährlich gewöhnliche Accademie
zu Ehren deren HHH. 3. Königen gehalten. Bey
dieser erschienen nebst vielen anderen vornehmen
Adel, die Cardinalen Caraffa, Rezzonico,
Barni, Lante, Mesmer, und Sacripanti nebst
vielen Prälaten, welche ingesamt die unter An=
ordnung
des Piaristen P. Franz Maria Bona=
da
Lehrers der Wolredenheit in lateinischer
Sprache von dasigen Alumnis vorgebracht sinn=
reiche
Verfassungen, wie auch die von denen=
selben
in Griechischer, Hebräischer, Syrischer,
Epirotischer, Türckischer, Caldeischer, Jllyri=
scher
, Egyptischer, Armenischer, und Arabi=
scher
Sprache gehaltene Reden mit vielen Ver=
gnügen
anhöreten.

Gleichwie Se. Päbstl. Heiligkeit die Herstel=
lung
, und Erhaltung deren alten Statuen,
und Gemählden, Denk=münzen, und derglei=
chen
Seltenheiten sich während Dero Regie=
rung
allstätts sehr angelegen seyn lassen, so ha=
ben
dieselbe dieser Tagen durch den Cardinal
Cammerling Valenti abermalen ein sehr schar=
fes
Edict ergehen lasen, kraft welchen die Aus=
fuhr
aller dergleichen Kostbarkeiten aus dieser
Stadt bey schweren Straffen verbotten wird.

Meiland 20. Jan.

Der Hr. Graf von Harrach unser Gouver=
neur
hat von dem Kaiserl. Hof die Anzeige
erhalten, daß der Hr. Graf von Tarroca an
die Stelle des verstorbenen Hrn. Grafens von
Monte=Santo zum Präsidenten des Jtaliä=
nischen
Rahts, ernannt worden: Der Stras=
sen
=Rauber / welcher den Koch des Hrn. Generals
Pallavicini iüngsthin auf dem Weg nach Lodi mit
einem Flinten schuß getödet hat, sich von seinen 4.
a⟨n⟩deren Mit=schuldigen entfernet, und ist nach
Placenz entflohen, von dannen er über das
Gebürge von Bobio nach Tortona entkommen,
alwo er aber erkannt, und angehalten wurde,
da er dann seine verübte That alsobald ge=

[3]

stunde: Der Piemontesische Gouverneur von
Tortona benachrichtigte hiervon unsere Regie=
rung
, welche nunmehr bey dem Hof zu Turin,
zufolge der zwischen beyden Staaten geschlos=
senen
Verkommnus, um dessen Auslieferung
anhalten lasset. Freytag Abends wurde ein an=
derer
Radelsführer deren Strassenrauber un=
ter
einer guten Begleitung allhier von Mode=
na
eingebracht. Bey der Eröfnung der Heil.
Pforten zu Rom hat sich, wie man vernom=
men
folgende merkwürdige Begebenheit zuge=
tragen
: Man fande in der Mauer der Heil.
Pforte zu St. Johann Lateran ein kleines Kist=
lein
, worinn 300. Thaler, und ein Zettul la=
ge
, des Jnhalts: Daß dieses Geld denenienigen
von denen 3. Maurer-meistern, welche im
Jahr 1726 die Heilige Pforte zugemauret,
und Anno 1750 noch am Leben seyn würden,
zugehören solte; weil sich nun noch einer der=
selben
bey Leben befunden, ist ihme dieses Geld
zugesprochen worden.

Aus Groß=Brittannien.

Louden 20. Jan.

Den 16. dieses kame der Capitain Hollwall
bey den Staats=Secretari Herzog von Ped=
ford
an, und überbrachte von Seiten des Hrn.
von Greenville Gouverneur von Barbados ei-
ne
Abschrift von dem Tractat, welcher den 8.
December zwischen den Commandeur Holburn
und den Marchesen Ca⟨g⟩las Gouverneur von
M⟨aa⟩tinica wegen beyderseitigen Raumung der
Jnsul Tabago, und Demolirung deren zu
Rockly Bay errichteten Festungs=werkern un=
terschrieben
worden. Der Capitan Farrel ist
mit Briefschaften von dem Hrn. Cornwallis
von Neu-scho⟨t⟩tland anelanget, wohin also=
gleich
einige Jngenieurs mit Kriegs=munition
abgehen werden Der Kriegs raht, welcher zu
Deptfort über verschiedene Officier gehalten
werden solle, ist auf Morgen verschoben wor=
den
; an welchem Tag auch eine zahlreiche Ver=
sammlung
von denen vornehmsten Kaufleuten
seyn wird, um sich zu berahtschlagen, wie die
Engländische Fischerey auf denen Schottlän-
dischen
Küsten zur Vollkommenheit gebracht
werden könne. Heut ist das untere Haus wie-
der
eröfnet worden, und haben verschiedene
neu=erwählte Mitglieder das Jurament ab=
geleget
; und morgen wird das obere Haus
zusammen kommen. Von dem Schiffe, wovon
neulich gemeldet worden, daß man es mit
400. Teutschen für verloren gehalten, ist die

Nachricht eingegangen, daß es zu Carolina,
wiewol in schlechten Umständen eingetroffen
sey, und daß viele Personen darauf gestorben
seynd.

Jn diesen Königreich setzet sich von einigen
reichen Leuten eine Gesellschaft zusammen,
welche einer jeden Zunft deren Künstlern und
Manufacturisten jährlich für ihre arme und
nohtdürftige Mitgenossen ein gewisses Capital
zur Anschaffung des Vorrats und Materia=
lien
vorschiesset, und, was sie alsdann dar=
aus
verarbeiten, mit einem kleinen Abzug der
Helfte des Vorschusses, und der Gebung des
Arbeits Lohns zu Helfte über sich nimmt. Die=
se
so nutzliche Gesellschaft hat einen Plan ih=
rer
Einrichtung bereits der Ost=indischen Com=
pagnie
überreichet, und, ausser dem unmeßli=
chen
Nutzen, daß die Armut, welche in hie=
sigen
Landen eine der grösten Schande ist, da=
durch
vermindert wird, darinn gewiesen, wie
die Handels=leute ihre Waaren in guter Tüch=
tigkeit
, wolfeiler, und richtiger also erhalten
können, weilen von der Gesellschaft Leute zu
Ober=aufsehern genommen werden, so die
Waaren besichtigen, und was Kaufmanns=
Gut
ist, mit einem Königl. Stempel bemer=
ken
müssen. Ausser denen vielen besonders gu=
ten
Einrichtungen in diesem Königreich, und
deren zum Flor deren Studien errichteten So=
cietäten
seynd noch mehr andere Compagnien
angeleget ⟨w⟩orden. Die Feuer=Gesellschaft
nimmt allen Schaden auf sich; welcher aus
dem Brand entstehet: ihre Mitglieder veras=
securiren
die Häuser und alle Mobilien. Man
bezahlt an sie jährlich etwas leidliches, und
die verassecurirten Häuser seynd mit einer ver=
goldeten
Sonne, die Häuser aber, deren Jn=
wohnere
den Haus rat sich haben assecuri=
ren
lassen, haben zwey in einander gefügte
Hände zum Merkmal. Die Assecuranz=Ge=
sellschaft
nimmt den Schaden, der an Schif=
fen
und Gütern zur See entstehet, gemeini-
glich
auf sich. Die Fischer=Gesellschaft
besorgt das Aufnehmen derer Fischereyen. Al=
le
grosse Kaufleute des Reichs, absonderlich
alhier zu Landen stehen wieder in einer beson=
dern
Gesellschaft, und haben zu Deptford ein
grosses Haus, Triniten=Colliedge, worinn
die armen Schiffer versorgt werden. Dieses
Haus muß auf alles fleissig Obacht geben,
was die Themse in Schifbaren Stand erhal=
ten
kan: es schaft allen Schiffen tüchtige Pi=
loten
, besorgt die Zeig=tonnen und Feuer=

[4]

balken an denen Ufern und gibt acht auf die
Veränderung des Stroms an der Mündung
des Flusses, und deren Sand=bänken. Ueber
dieses gibt es noch andere Gesellschaften, als
die deren unverheyrateten und anderer Pri=
vat
=personen, welche zu gewissen Zeiten, auch
nur bey dem Eintritt etwas weniges einlegen,
und hernach im Fall der Krankheit, Armut,
oder des Todes die Verpflegung und Beer-
digung
geniessen. Hieher gehören so viele Witt=
wen
= und Waisen=cassen, woraus denen Witt=
wen
und Waisen die Unterhaltung gereichet,
und die letztern in denen so schön eingerichte=
ten
Liebes=Schulen (Charity=Schools) auf=
erzogen
werden. Jede dieser Particular=com=
pagnien
hat ihren besonderen Ort der Ver=
sammlung
, ihren Präsidenten, ihren Aeltesten,
ihre Gesätze, und gewisse Zeiten der Zusam=
menkunft
, und gemeinsame Berahtschlagungen.
Es stehen die vornehmsten Männer neben dem
gemeinsten Burgers-Mann, wann er nur ein
rechtschaffener Mann ist, darinnen; wie man
dann weis, daß der erst neulich verstorbene
General Crawford Präsident derer Wittwen=
und
Waisen=Cassen alhier gewesen, und nun
nach seinem Tod der ehevorige Lord Maire
Hr. Calvert durch die Wahl derer Mitglieder
an seine Stelle ernannt worden.

Aus Frankreich.

Paris 13. Jan.

Den 21. ist der König nebst denen Mada=
mes
von Frankreich von Muette nach Versail=
les
zuruck gekommen; die Dauphinin nihmet
an ihrer Schwangerschaft glüklich zu, und ge-
het
nicht mehr aus ihren Zimmern. Obwolen
man abgewichenen Sommer sehr beschäftiget
ware, das See=weesen in besseren Stande zu
bringen, als selbes vor dem erfolgten Frie=
den
ware, so hat doch die Regierung neuen
Befehl gegeben, annoch verschiedene Fregat=
ten
, nebst 2. Kriegs=schiffen vom zweyten
Ran⟨g⟩ bald möglichst zu verfertigen. Den 7.
dieses Monats stellte der Herzog von Chaulnes,
Präsident der Königl. Academie deren Wissen=
schaften
, dem Könige den Hrn. Pereye, nebst
seinem iungen Schüler, den Hrn. d'A⟨zy⟩ d'E-
ta
, vor, der taub und stumm geboren
ist, und den der erstere seit 2. Jahren unter=
richtet
hat. Dieser iunge Mensch, der unge=
fähr
sein 20stes Jahr erreichet, genoß die
Gnade, dem König sein Compliment zu ma=

chen, welches er ganz deutlich aussprache. Er
lase auch verschiedene Zeilen aus einem Buch,
so man ihm, wie man sie fand, vorlegte. Man
bewunderte die Richtigkeit seiner mündlich= und
schriftlichen Antworten auf verschiedene Fragen,
die man ihm schriftlich vorlegte, und die man
durch seinen Lehrmeister an ihn thun liesse, der
sich durch ein Hand=alphabet zu verstehen gibt,
welches fast eben so geschwinde, als durch
Worte gehet.

Aus Niederland.

Brüssel 23. Januarii.

Am Dienstag Mittags speiseten Jhre -
nigl
. Hoheit unser General=gouverneur, mit
einigen deren vornehmsten Cavaliers auf dem
Schloß von Tervurien. Die Herren Stände
von Braband haben ihre Sessiones auf hiesi=
gem
Raht=haus eröfnet. Die Versammlung
ist sehr zahlreich. Der Magistrat hat
ein Edict publiciren lassen, vermög welchen
denen Wirten und anderen Personen, die
denen Fremden Quartier oder Zimmer ver=
lassen
, anbefohlen wird, eine Lista von allen
bey ihnen wohnenden Leuten nebst deren Na=
men
, Stand und Vatterland einzureichen.
Der Holländische Resident Herr von Kinschot
ist von Lüttich hier angekommen, welcher eine
Zeitlang allhier verbleiben wird.

Aus dem Russischen Reich.

St. Petersburg 13. Jan.

Gestern als an dem Neujahrs=tage versamm=
leten
sich Vormittags sämtlich inländische Mi=
nistres
, die Generaliät und übrige Standes=
Personen
beyderley Geschlechts an Hofe, um
sowol bey Jhro Majestät unserer allergnädig=
sten
Monarchin, als bey beyden Kaiserl. Ho-
heiten
zu dem eingetrettenen neuen Jahre ihre
Glükwünsche abzustatten. Nach geendigtem
GOttes=dienst in der Hof=kapelle geruheten
allerhöchst-Dieselben unter Abfeurung deren
Canonen von der Festung und Admiralität die
Gratulationen von obgemeldten Standes-Per-
sonen
anzunehnen, und sie zum Handkuß zu=
zulassen
; Abends ware eine zahlreiche Versamm=
lung
bey Hofe und wurde in der Gallerie Jta-
liänisches
Concert gehalten, worauf Jhro Kai-
serl
. Majest. sich nach Dero Zimmeren erhuben,
Jhre Kaiserl. Hoheiten aber in dem großen

[5]

Saal an einer figurirten Tafel von 200. Per=
sonen
, zu speisen geruheten. Nachts gegen
10. Uhr wurde auf dem gewöhnlichen Jllumi-
nations
=Theatro gegen über dem Kaiserl. Pa=
last
, eine schöne Jllumination angezündet, wel=
che
die Glükseligheit, als eine Statue auf ei=
ner
prächtigen Fontaine, vorstellte, die aus
ihren Quellen die an dem untern Postement
gese⟨z⟩te 4 Jahrs=zeiten überströhmete, und
von dar sich weiter durch die ganze Gegend,
wodurch das Russische Reich vorgebildet war,
ergoß. Zugleich war auch die Festung und an=
dere
offentliche Gebäude / nebst allen Häusern in
der Stadt bis Mitternachts illuminiret.

Aus Schweden.

Stokholm 16. Jan.

Seine Königl. Majestät, welche bey Dero=
selben
schwächlichen Leibes Beschaffenheit, und
der fürwährenden Winters-zeit, auf Einrahten
der Aerzte noch nicht öffentlich erscheinen, ge=
ruheten
am lezt=abgewichenen Montage, als
an dem, nach hiesigen alten Stil eingetroffe=
nen
Neu=jahrs=fest, die gewöhnlichen Glük-
wünschungen
nur von denen hohen Hren. Reichs=
Rähten
und einigen anderen Personen anzu=
nehmen
. Jhro Königl. Hoheit, der Erb Fürst
Prinz und die Kron=Prinzessin, befanden zwar
an ermeldten Neuen=jahrs tage sich nicht in
hiesiger Königl. Residenz, indem Dieselben
Tags vorher, benebst des Prinzen Gustavs =
nigl
. Hoheit, und Dero Hofstaat nach Dero
Lust=schloß Ulrichsdahl sich begeben haben; in=
zwischen
wurden auch bey Denselben besagte
Gratulationes, zu Dero ehegestrigen Tages
erfolgten Rukkunft abgeleget. Gestrigen Tages
ward am Königl. Hofe von denen Hof=cava=
liers
und Hof=dames ein abermaliges Schau=
spiel
, welches l'Adromae ist benannt gewesen,
zum grösten Vergnügen der Königl. Herrschaft
und gesamten Anwesenden aufgeführet.

Aus Dännemark.

Copenhagen 17. Jan.

Nachdeme Se. Majestät der König am vo=
rigen
Dienstage Abend auf Dero Lust=schloß
Friedrichsburg eingetroffen, geruheten Die=
selbe
die Stutterey daselbst in Augenschein zu
nehmen, wobey Se. Majest. über den Anwachs
deren schönen Pferden ein besonderes Ver=
gnügen
bezeiget, auch einige davon auslöseten
und selbige hieher führen lassen. Am Donner=
stage
aber trafen Se. Majestät von dannen
auf hiesigem Königl. Residenz=schloß wieder

ein. Jn dem abgewichenen 1749sten Jahre
seynd in hiesiger Haupt= und Residenz=stadt
789. Paar getrauet, 2813. Kinder getauffet,
und 2649. Menschen begraben worden. Man
hat rund um den Königl. Platz alle Bäume
weggenommen, um einen öffentlichen Markt=
platz
daraus zu machen, zu welchem Ende
man solchen zu bepflasteren nächster Tagen an-
fangen
wird. Den 13. dieses entstunde auf dem
Parterre der hiesigen Danischen Schau=bühne
Lärm. Zwey Officiers ruften: die Hüte her-
unter
, auf dem Parterre! Einige Personen zo=
gen
selbige ab, andere aber sagten: weil man
bishero nach der Gewohnheit die Freyheit ge=
habt
hätte, sich zu bedecken, so würde eine ho=
he
Ordre erfordert, wann man gehorsamen
sollte. Man gieng soweit, daß man einen Par=
ticulier
den Hut mit Gewalt abnahm. Das
Schau=spiel wurde unterbrochen, und man
gebot denen Comödianten nicht eher zu spielen,
bis jedermann den Hut abgezogen hätte. Den
15. dieses vermutete man einen neuen Tumult,
allein es regte sich niemand, weil beyde Offi=
ciers
unterdessen Ordre empfangen hatten, kei=
nen
Lärm mehr zu machen.

Copenhagen 20. Jan.

Dieser Tagen erhielte der Rußisch=Kaiserl.
Minister, Herr Baron von Korf, abermals
wichtige Briefschaften von seinem Hofe, mit
welchen er sich sogleich nach hiesigem Hofe ver=
fügte
, und seiner Königl. Majestät davon Nach=
richt
gabe. Am vorigen Sonnabend hat sich
in der Wagmacher-strasse ein unglüklicher Zu-
fall
ereignet, indem durch Unvorsichtigkeit zweyer
Brauer=Knechte die Pferde loß geworden,
und sogleich ein Kind von 8. Jahren überge=
loffen
, welchem dadurch der rechte Arm. ge=
schmettert
, darauf sie einen Soldaten vom Hol=
steinischen
Regiment völlig zu Schanden getret-
ten
, daß man an dessen ⟨Aufk⟩unft zweifelt, und
hiernächst ist ein Mägdlein von 11. Jahren völ-
lig
zu Tode gerichtet worden.

Aus der Schweitz.

Zürch 8. Jan.

Die Nachricht, daß der König in Frankreich
allen Hauptleuten, und anderen Officieren de=
rer
Schweitzer=regimentern, die in Französi=
schen
Diensten stehen, den Sold vemehret
habe, ist dem gesammten Schweitzer=Corpo,
zu vernehmen, sehr angenehm gewesen, und
wird eben dieses Anlaß geben, daß sich die
Leute um Französische Dienste hinführo 〈…〉

[6]

mehr beeiferen werden, als bis anhero besche=
hen
. Es hat übrigens auch der Papst an die
Catholische Cantonen, insonderheit Solothurn,
und Freyburg das Ersuchen gethan, etliche hun-
dert
Recruten für die Päpstl. Leib=wacht nach
Rom für dieses Jubel=jahr anzuwerben, dahe=
ro
bereits verschiedene ansehnliche Leute dahin
abgegangen.

Aus Teutschland.

Halle 12. Jan.

Der hiesige Stadt- und Land=Physicus
Hr. Doctor Brokmann, hat von allen Umstän=
den
der Begebenheit mit denen 10. Geburten zu
Besenstädt genaue Erkundigung eingezogen,
und sich bemühet, der Geburten selbst theil-
haftig
zu werden, wovon er aber nur 4. derer
gestalteten erlanget, weilen die Kinderfrau
die übrigen in den Garten verscharret gehabt,
und solche nicht wieder zu finden gewesen
seynd. Man hat die Kinderfrau deswegen
gerichtlich vernommen, und ihre Aussage trift
mit denen ersten Nachrichten von der Sache
vollkommen überein. Der Hr. D. Brokmann
wird nächstens eine ausführliche Beschreibung
dieser merkwürdigen Begebenheit durch den
Druck bekannt machen. Er hat über alles,
was bishero in der Sache ergangen ist, ein
Notariats=Jnstrument verfertigen lassen. Von
der Ursache der erfolgten ausserordentlichen
Würkung ist noch anzumerken, daß, als der
Mann die alte Querfurtische Begebenheit sei=
ner
Frau vorgelesen, und zwischen ihnen über
derselben Glaubwürdigkeit ein Wort=wechsel
entstanden, da dann der Frau hierdurch ein
desto stärkerer Eindruck gemacht worden.

Frankfurt 22. Jan.

Ob gleich Herr Dockor Taylor etlichemal
den Schluß gefasset hate, von hier seine Reise
nach Hessen-Cassel, Gotha und so weiter fort=
zusezen
, sich aber inzwischen eine grosse Men=
ge
Menschen aus verschiedenen Orten Teutsch=
lands
eingefunden, welche durch seine Wun=
der
-curen sich zu ihm zu hegeben, bewogen
wordé so findet er sich doch verpflichtet, noch die=
se
Woche hier zu bleiben, Die Anzahl derie=
nigen
⟨P⟩ersonen denen er mit einer ausseror=
dentlichen
Geschwindigkeit wieder zu ihrem Ge=
sicht
verholfen, hat das Publicum aufmerksam
gemacht, und so viele Zuschauer herbey gezo=
gen
, daß sich fast kein Raum mehr für diesel-
be
in seiner Wohnung sindet. Man glaubet,
daß er bis Montag des Morgens von hier ab=
reisen
werde.

Frankfurt 25. Jan.

Vorgestern hat der Herr Doctor Taylor,
dem Herrn Herdt, Sr. Hochfürstl. Durchl.
des Herrn Land-Grafens von Hessen-Darm=
stadt
, Hof=raht, sein Gesicht wieder völlig her=
gestellet
, ohne daß dieser Herr die geringste Un-
ruhe
hierbey ausgestanden. Es ist nun gewiß,
daß Herr Doctor Taylor seine Reise diese Wo=
che
antretten werde, ungeachtet der vielen
Menschen, welche täglich anlangen, um sich
seiner Hülfe zu bediedenen.

München 27. Jan.

Am 24. dies fruhe um 7. Uhr ist allhier Hr.
Franz Joseph Freyherr von Unertl, Hr. zu
Schönbrun, Wayern, Egenhofen, und Sim=
mertshausen
jetzt regierenden Churfürstl. Durch-
leucht
in Bayern würklich geheimer Raht und
Conferenz=minister, auch geheimer Rahts=
canzler
, Obrist-lehen-probst und Pfleger zu
Te⟨y⟩spach, nachdeme derselbe unter dreyer
Durchl. Churfürsten Regierungen diese obge=
habte
ansehnlich= und wichtige Stellen beglei=
tet
, im 75. Jahr seines Alters in GOtt ent=
schlaffen
.



Wien 7. Feb. 1750.

Mittwoch, den 4. dieses

HAben Seine Exell. (Tit.) Herr Johann
Christoph Heinrich Graf von Oed, Frey=
und
Panier=Herr zu Helfenberg, Gözendorf
und Schmiding, der Röm. Kaiserl. Königl.
Majest. würklicher Geheimer Raht, Kammer=
er
wie auch Repräsentation und Kammer=
Präsident
des Ertz=Herzogtums Oesterreich un=
ter
der Enns, seines Alters 75. Jahr am
Schlag=flus; wie auch Seiner Excell. (Tit.)
Herrn Rudolph Joseph Korzensky, des H. R.
R. Grafens von Tereschau ꝛc. der Röm. Kai=
serl
. Königl. Majest. würklichen Geheimen
Raths, Kammerern und Präsidentens bey der
Kaiserl. Königl. Obristen Justiz=Stelle, wie
auch Obrist=Erb=Paniern des Herren=Standes
im Königreich Böheim, seine Frau Gemah=
lin
(Tit.) Frau Jsabella, geborne Reichs=
Gräfin
von Breiner ihres Alters 61. Jahr,
am innerlichen Brand, dieses zeitliche geseg=
net
.

Eben heute Nachmitag, da Jhro Majestät
die Regierende Röm. Kaiserin, Königin zu
Hungarn und Böheim, unsere Allergnädigste
Landes=Fürstin immer mehr und mehr verspüh-
rete
, daß die Zeit Dero höchst=gesegneten Leibs=

[7]

Entbindung herannahete, so wurden deswe=
gen
sogleich bey Hof alle nohtwendige Veran=
staltungen
vorgekehret, auch darumen sowol in
denen Kaiserl. Hof=kapellen, als in denen
alhiesigen Pfarr= und mehrern Kirchen das
Hochwürdigste Altars=Sacrament unter Zu=
lauf
deren alhiesigen getreuesten Jnwohnern
zu Erbittung einer höchst=beglükten Entbin=
dung
für Jhro Kaiserl. Königl. Majestät aus=
gesetzet
: auch hatte ein zahlreicher hoher Adel
nach Hofe sich erhoben; worauf sodann um 9.
Uhr Abends unsere Allermildeste Landes=Mut=
ter
mit einer schönen und gesunden Erz=Her=
zogin
, GOtt Lob, glücklich zu allgemeiner Freu=
de
deren unterthänigsten getreuen Jnwohnern
alhiesiger Kaiserl. Königl. Haupt= und Resi=
denz
=Stadt Wien, entbunden worden: auch
seynd viele Botten zu Pferd und zu Fuß von
hier abgeschicket worden, diese glückliche Zei=
tung
auch auf dem Land kund zu machen. Fol=
genden
Tag darauf, nämlich

Donnerstag, den 5. dieses

Jst der Tauf=Actus um 11. Uhr Vormittag
bey Hof in der Kaiserl. Königl. Ritter Stu=
ben
prächtigst unter Abfeuerung deren Cano=
nen
von hiesgen Stadt Wällen, auch dreyma=
ligen
Salve des alhier in Besazung ligenden
Löbl. Max=Hessischen Jnfanterie=Regiments be=
begangen
worden, wobey Seine Majestät der
Glorwürdgst=Regierende König von Groß=
Britannien
Georgius II. Churfürst von Han-
nover
, der Tauf=Pate, und Jhro Königl.
Hoheit die Prinzessin Charlotte von Lothrin=
gen
gewesen, und in Seiner Groß=Brittani=
schen
Majestät Namen von Seiner Durchl.
Prinz Ludwig v. Braunschweig-Wolfenbüttel die
neu-geborne Prinzessin über die Heil. Tauf ge=
halten
, und derselben die Namen Joanna Ga=
briela
Josepha Antonia beygeleget worden:
die Geistl. Function haben bey diesem feyer=
lichen
Actu des alhiesigen Päpstl. Hrn. Nun=
tii
Fabri⟨cii⟩ Serbelloni Excell. mit seinen 2.
Assistenten, des (Titl.) Herrn Bischof=
fen
zu Chrysopolis Franz Anton Marxer,
des alhiesigen Hrn. Cardinal Erz=Bischoffen
Suffraganei, und Vicarii-Generalis mit
6. Prælaten, als von Kloster=Neuburg, von
St. Dorothe, von Göttweig, von heiligen
Kreuz, von Mölk, und von Seiffenstein, wie
auch des Kaiserl. Königl. Cæremoniarii und
Ober=Hof=Kappellans Hrn. Franz Leichnam=
schneider
, des Hof und Burg=Pfarrers Hrn.
Bartholomæi Trillsam, und 7. Herren Hof=
Kappelanen
; in Beyseyn Seiner Majestät des

Kaisers, der gesamten Kaiserl. Königl. ju⟨n⟩gen
Herrschaft, und des in gröster Anzahl und
prächtigster Gala, welche auch durch die 2. fol-
gende
Tagen gedauret, erschienenen hohen
Adels verrichtet.

Mittags haben Allerhöchst=besagt Se. Ma-
jestät
der Kaiser unter der gewöhnlichen Auf-
wartung
des Päpstl. Hrn. Nuntii, und des
zahlreichen hohen Adels offentlich gespeiset.
Abends haben Se. Excell. (Tit.) der Herr
Ajo Graf von Bathiani denen Durchlgsten
jungen Herrschaften samt einigen jungen Da=
mes
und Cavalieren in seiner Wohnung bey
Hof einen Ball und prächtiges Abendmahl
gegeben. Die Theatra nächst der Kaiserl. Burg
und dem Kärntner=Thor waren des Abends
prächtig illuminiret, und seynd alle Stadt=
Thöre
Sperr=frey gewesen.

Freytag, den 6. dieses

Nach dem gewöhnlichen GOttes=dienst in
der Kammer=kapellen haben Seine Majestät
der Kaiser in inneren Landes=anligenheiten
der Conferenz beygewohnet. Jhro Majestät
die Regierende Kaiserin unsere Allergnädigste
Landes=Mutter befinden Sich in Dero Wo=
chenbeht
, GOtt=lob! soviel als immer mög=
lich
wol auf.

Es haben Seine Majestät der Kaiser
aus angeborner Milde die schon etliche Wochen
anhaltende sehr rauhe Winters=Zeit in aller=
gnädigste
Erwegung gezogen und zum Behuf
deren Armen 500. Klafter Holz angeschaffet,
welche auch durch 3. Täge auf die um hiesi=
ge
Stadt ligende Vorstadts=Gründe an die
Richters abgeliefert, und von denenselben de=
nen
Bedürftigen ausgetheilet worden.

Dito ist in der Kaiserl. Hof=kirche bey de-
nen
WW. EE. PP. Augustinern Baarfüssern
das Anniversarium für alle abgestorbene Hoch=
adeliche
Stern=kreutz=ordens=Dames gehal=
ten
worden.


Lista deren Verstorbenen zu Wien in
und vor der Stadt.

Den 4. Februarii.

Jn der Stadt.

  • Franz Kaiser, Burgerl. Bier=leut=geb., im Geroldis. H.
    am Salz-gries, alt 40. J.

Vor der Stadt.

  • Jacob Mayer, Hofbefr. klein=Uhr=mach., bey der H.
    Dreyfaltigk. am Spitalberg, alt 75. J.
  • Adam Huber, Burgerl. Schuh=mach., bey dem wild.
    Mann am Spitalberg, alt 59. J.
  • Georg Artner, Bestand=Wirt, bey der H. Dreyfaltigk.
    zu Margar., alt 41. J.
[8]
  • Dem Max ⟨Si⟩ner, Tüchel=mach., s. K. Zachar., bey
    der gold. Rosen ober dem Neustift, alt 10. J.
  • Jgnaz Wen⟨i⟩sch, Tagw., im Zimmermanisch. H. am
    ⟨Hunds⟩-th., alt 50. J.
  • Cathar. N., ar. W., bey dem weis. Kreuz amNeustift,
    alt 82. J.
  • Dem Math. Heinz, Tagw., s. K. Anna, im Palmisch.
    H. zu Gumpendorf, alt 6. v. J.

Summa 8. Personen / darunter 2. Kinder.

Den 5. Februarii.

Jn der Stadt.

  • Hr. Joh. Pet. Fässel, Burger, und Kaiserl. Leib=⟨kir⟩sch.,
    bey der gold. Kron am Graben, alt 70. J.
  • Jungf. Josepha Kä⟨p⟩lerin, in ihrem H. bey Mari⟨e⟩=
    Stiegen
    , alt 36. J.
  • Dem Hrn. Franz Kärpf, Erz=Herzogl. Kammer=heiz.,
    s. K. Franz. im Keimis. H. in der Dorothe-gas., 4. J.
  • Joh. Palmberger, Burgerl. Perücken=mach., bey dem
    grün. Fässel am Kohlmarkt, alt 63. J.
  • Jacob Tauber, Kaiserl. Hof Koch, im Bachmannisch.
    H. in der Römerstr., alt 53. J.
  • Jacob Spiz⟨p⟩auer, Wax=kerzl.=dien., bey dem gold.
    Leichter in der Römerstr., alt 49. J.

Vor der Stadt.

  • Carl Mittereder, Burgerl. Rad⟨i⟩er, im Witmanis. H.
    auf den Landstr., alt 54. J.
  • Dem MichaelStreit, Kutsch., s. S. Mart., im Tisch=
    leris
    . H. auf der Wied., alt 12. J.
  • Dem Mart. Böhm, Trag., s. S. Joh., bey dem schwarz.
    Thor zu Erdberg, alt 20. J.
  • Dem Jacob Kizler. Tagw., s. K. Magdal., bey dem
    Englis. Gruß zu Margar. alt 2. J.
  • Math Bachschneider, Tagw., bey denen 5. Kronen
    im Liechtenth., alt 86. J.
  • Jos. Riedermayr, alt 19. J., und Ferd. Fleischer, alt
    56. J., beyde im Kranken=H.

Summa 13. Personen / darunter 2. Kinder.

Den 6. Februarii.

Jn der Stadt.

  • Hr. Joh. Michael Edlauer, gew. Kaiserl. Hof=Musicus,
    bey dem bl. Krebs. am Hohen markt, alt 85. J.
  • Dem Jos. Derée, Herren=Koch, s. Ehew. Theres., im
    Gianinis. H. auf der Kärntner=Bastey, alt 37. J.
  • Der Elisab. Freundin, Wittwe, ihr K. Adam, im Wag=
    neris
    . H. am Salz=gries, alt 6. J.
  • Jos. Pirkner, Apotheckerges., bey dem rot. Krebs. am
    Hohenmarkt, alt 27. J.

Vor der Stadt.

  • Fr. Gertr. Gellnerin, Wittwe, im ⟨Einsid⟩lis. H. in der
    L⟨e⟩op, alt 78. J.
  • Dem Paul ⟨Ka⟩ber, s. K. Math., in s. H. ⟨o⟩ber dem Neu=
    stift
    , a⟨l⟩t2. J.
  • Dem Jos. ⟨Her⟩zog, Burgerl. Zeug mach., s. K. Anna,
    im Maurermeisteris. H. auf der Wied., alt. 8. J.
  • Dem Frantz Straubinger, Perücken mach., s. W. The=
    res
    ., bey dem gold. Schif bey St. Ulrich, alt 60. J.
  • HelenaHei〈…〉in, Wittwe, bey dem gelb. Adler im. Ler=
    chenf
    ., alt. J.
  • ⟨Georg⟩ ⟨Z⟩eiser, Kaiserl. Burg=Wacht., bey dem weissen
    Drachen bey Maria=Hülf, alt 70. J.
  • Justina Fischerin, led. W., bey der gold. Weintr., in
    der Josephst., alt 78. J.
  • Dem Joh. G〈…〉ch⟨tl⟩hofer, Maurer=⟨〈…〉al⟩ ., s. K. Jos., im
    Bißlis. H. auf der Wied., alt 8. J.
  • Jos. Definger, Kutsch., im Blümel=macherisch. H. auf
    der Laimgr., alt 49. J.

Summa 13. Personen / darunter 4. Kinder.


NB. Die letzte 3. Faschings=täge wird der
Distinctions=ball auf der Mehl=gruben ge=
halten
werden, wobey, wie vorhin sowol al=
len
caracterisirt, und in Dicasterien, oder Aem=
tern
, und Canzleyen engagirten Personen,
nicht minder denen Herren Negotianten, gegen
von der Manns=person erlegenden Ducaten,
und von dem Frauen=zimmer2fl der Eintritt ge=
stattet
wird. Der Anfang ist um 7. Uhr, und
wird bis 4. Uhr dauren.


NB. Auf Verordnung einer Hochlöbl. Ni. Oe.
Regierung in Jusitz=Sachen haben sich all=
die
jenige, welche an des Samuel Simons
Judens ad Convocationem gediehenen Ver=
mögen
einigeSprüchoder Anforderung auf
was immer Art undWeis zustellen vermeinen,
auf den 13. April〈…〉stehendenJahrs Nach=
mittag
um 4. Uhr, in Jhro Regierungs=Mit=
tels
=Rahts Hrn. Franz Joseph von Bratsch,
in der goldenen Sonn bey dem roten Thurn
in zweyten Stock habenden Wohnung perem-
ptorie
zu erscheinen, und ihre vermeintliche
Anforderung⟨en⟩behörig anzumelden, und zu li-
quidi
ren
.


NB. Auf Hochrichterliche Verordnung wer=
den
auf den Hohen markt hinterhalb des ro=
ten
Krebsen bey dem weissen Stern in zweyten
Stock den 12. dieses Monats, und nächstfol-
gende
Täg Vormittag von 9. bis 12. Uhr, und
Nachmittag von 3. bis 6. Uhr verschiedentlich
in Silber, Porcellan, Kleidungen, Weiß=zeig,
Spallier, Tisch, Sesseln, K⟨äst⟩en, Zinn, kupfer,
Wein, Roß und Wagen bestehende Effecten
und Mobilien dem Meistbietenden verkauffet
werden.


NB. Es ist ein Postillion=Zug bestehend in
vier Falben, ingleichen zwey schönen grossen
Dähnischen Stangen=Rappen zu verkauffen,
und in sich dieserwegen in dem ⟨Schweitzharti=
schen
Haus auf demPeterbey dem Kutscher
im Stall anzumelden.

[9]

Aus Niederland.

Haag 25. Januarii.

VOrgestern begabe sich der Herr de la Bas=
secourt
in die Versammlung deren Ge=
neral
=Staaten, und legte alda das Jnstru=
ment
als General=Einnehmer der Vereini=
gung
ab, und folgenden Tag wurde selber in
dieser Qualität in den Staats=Raht gefüh=
ret
. Der Herr Fagel, welcher dermalen das
Amt eines Staats=Secretari allein versiehet,
hat auch das Jnstrument darüber abgeleget.
Der Obriste Jmhof hat auf Vorstellung des
Printzen Statthalters den Titul eines Gene=
ral
-Wachtmeisters erhalten. Man hat Nach=
richt
, daß die verwittibte Prinzeßin von Nas=
sau
=Siegen den 6. dieses im 63. Jahr ihres
Alters zu Siegen gestorben. Der Erb=printz
von Anspach, und die 2 Printzen von Usin=
gen
seynd nach Utrecht zuruk gegangen. Der
Königl. Preußische Minister Herr de Commun
beklaget sich in einem Pro=Memoria, daß in
Geldern ein Preußischer Ober= und Unter=
Officier
von der Besatzung zu Wesel, unter
dem Vorwand, daß sie Werber wären, an=
gehalten
worden, ungeachtet sie erwiesen, daß
sie als Reisende dieses Land betretten hätten;
Dahero Jhre Hochmögende verschaffen möch=
ten
, daß selbige schleunigst in Freyheit gesetzt
würden. Jndessen da alhier darüber de Er=
wegung
genommen wurde, so vernimmet man,
daß der Gouverneur zu Wesel Repressalien
gebrauchet, und einen Hauptmann von dem
Baden=Durlachischen Regiment von dem Post=
Wagen
ab= und in Arrest setzen lassen.

Brüssel 27. Januarii.

Seine Königl. Hoheit der Herr General=
Gouverneur
hat dem Herrn Franque, Obrist=
Leutenant
von dem Regiment Arberg, aufge=
tragen
, für die vier National-Regimenter de
los Rios, Ligne, Prie, und Arberg 3000.
Mann anzuwerben, und zu dem Ende in de=
nen
Oesterreichischen Niederlanden die Werb=
Plätze
aufzuschlagen; immassen die Gesinnung
Jhrer Kaiserl. Majestät dahin abgehet, daß
kunftighin Dero National=Regimenter aus
lauter Niederländischen Unterthanen bestehen
sollen; die Recruten werden nur auf vier oder
acht Jahr verpflichtet seyn.

Hiesiger Orten wird um die Anlegung eines
der Handelschaft so ersprießlichen Canals von
Löven bis Mecheln bald vor sich gehen. Den
21. letzt=abgewichenen Decembris ist der end=
liche
Schluß in dieser Sach ergangen. Der
Pensionarius von Löven hat den 24. dieses
Seiner Königl. Hoheit unserem Herrn Guber=
natorn
deswegen die Danksagung erstattet,
und gebetten, daß Seine Königl. Hoheit durch
Dero Gegenwart der Stadt Löven die Ehre,
und dem Werk durch die Einstossung der er=
sten
Schauffel den glücklichen Fortgang geben
möchten. Dieser Canal wird bis nach Liere
gegraben werden; Seine Königl. Hoheit haben
zu dem Ende den Jngenieur=Obrist=Leute=
nant
Spallart, und zwey andere Jngenieurs
benannt, hierzu den Cordon zu ziehen, wel=
cher
bey Mecheln vorbey, bis nach;
und von dar in die grosse Nethe, und bis
nach Liere gehen wird. Die Strasse, welche
man von Hall nach Engien anlegen will, ist
bewilliget, wozu das Terrain mit Stäben be=
reits
abgezeichnet ist. Hierauf haben die Ein=
wohner
von Aath Abgeordnete anhero gesen=
det
, um gleichfalls die Erlaubnus zu Anle=
gung
eines Weges von ihrer Stadt bis E⟨n⟩gien
zu erhalten. Aath würde dabey Vortheil ha=
ben
, weil der Weg von Gent nach Ryssel län=
ger
ist, und durch den von Aath dahin fünf
Meilen erspahrt werden.

Hiernächst befindet sich ein Jtaliäner alhier,
welcher das Geheimnuß besitzet, Z⟨i⟩tze zu ma=
chen
, wo die Farben durch den Cotton derge=
stalt
gehen, daß er auf der einen Seite, wie
auf der andern vollkommen gedrukt ist. Die
Farben seynd überaus fest, und man hat auf
alle Weise versuchet, sie zu ändern oder heraus
zu bringen, also daß man sie in starken Wein=
Essig
mit Alaune und Kalk, und sogar mit
Scheid=Wasser benetzet hat, ohne daß sie im
geringsten anders geworden wären. Seine
Königl. Hoheit haben ihm allen Vorschub, den
er wünschen kan, verheissen.


NB. Il se trouve chez Monsr. Briss⟨ou⟩t-
Libraire
, plusieurs nouveautez tres conside
rables, que chacun peut voir dans sa Bi-
bliotheque
, im Stadt-anwaldtischen Haus au
au premier Etage: vis-à vis les peres Caê-
tans
: sur le h⟨aut⟩ Pont.

[10]

La magnifique mappe-monde, d'autant
plus curieuse, & nouvelle, qu'elle dega-
ge
la Geographie de la Gêne q'u⟨ci⟩le a
toujours eté: outre cet avantage Mons.
Pelin a fait entrer dans-certe grande Car-
te
, ceque nous avons aujourdhui de plus
certain, tant sur la Russie, la Siberie, la
Tartarie & la Chine, que sur l'Amerique,
qui dans cette Carte se trouve raprochée
de l'Asie; les augmentations qui se trou-
vent
dans les parties Septentrionale & Me-
ridionale
de l'Amerique, sont si conside-
rables
, quelle peut passer pour nouvelle-
ment
découverte, à 3. fl. 15. kr. 1750.

La fameuse histoire des Oiseaux, ornée
de 306. Estampes, qui les représentent par-
faitement
au Naturel, dessinées & gravées
par Eleazar Albin, augmentée, de remar-
ques
curieuses, par le celebre Derham,
1750. Sur papier fin, en 3. grand Vol.
4to.

Glossarium ad Scriptores mediæ & in-
⟨fi⟩mæ
Latinitatis editio nova, opera & stu-
dio
Monachorum Ord. S. Bened. ex Con-
gregatione
S. Mauri. VI. tom. Folio,
& en feuilles.

Histoire General des Voyages par mer
& par terre, avec nombre de figures, 4to.
tom. 8e. Separés pour la Suite de ceux qui
ont le 7e. 1750.

Leçons Mathematiques, avec l'utilité &
l'algebre demontrées sans calcul Litteral.
en 8vo. reliè, Vol. 2. 4 fl.

Les principes de la Science & des Ma-
thematiques
, 8vo. 1750. Vol. 1.

Histoire de Charles XII. par Nordberg.
en 4to. Vol. 4., relié à 24. fl.

Histoire de l'Univers de Puffendorf. 8v.
Vol. 12.

Spectacle de la Nature, en 8vo. Vol. 7.
Paris 1748.

Grammaire Geographique, la premiere
donnée aujour, 1749. 8vo. Paris.

Abregez de l'Histoire de France par le
president Henault. 8vo. Paris 1749. Vol.
2. à 4. fl.

Memoires de Puysegur, marechal de
France. Vol. 8vo. relié à 4. fl.

Synonymes François. 8vo. relié, à 2. fl.
belle Edition.

Oeuvres completes, du fameux Possuet,
4to, Vol. 17.

Le Fameux Traité de Police. Fol. Fig.
Vol. 4.

Le grand & fameux Dictionaire de l'A-
cademie
dit de Trevour. Paris 1744. aug-
mentée
de 4000. Articles, grand Fol. Vol 6.

La fameuse Maison Rustique, augmen-
tée
1750. fig. 4to. Vol. 2.


NB. Sonntags, als den 8. Februarii wird
in dem so=genannten Stamppischen Haus,
unter denen Tuch=Lauben, im anderten Stok
ein proprer Ball (gleichwie vorige Jahr hin=
durch
in dem Haasen=Haus gehalten worden)
mit einer wol=besetzten Musik und derglei=
chen
Tafel, dann einem guten Glas Oesterrei=
cher
=Wein, wie auch Thee und Caffee, ohne
Masquera gehalten. Das Leg=geld für eine
Manns=Person ist ein species Ducaten, das
Frauenzimmer franco. Der Anfang ist präci-
se
um 6. Uhr.


NB. Bey Hrn. Johann Paul Kraus, Buch=
führern
nächst der Kaiserl. Burg, ist zu haben:
Grundlegung einer teutschen Sprach=kunst,
nach denen Mustern der besten Schriftsteller,
des vorigen und jetzigen Jahrhundert, abge=
fasset
von Johann Christoph Gottscheden 1748.
8vo. Leipzig pr. 1. fl. 15. kr.

Le Tableau de la Cour, Comedie en
cinq actes. gr. 12. Amsterdam 1749. per 15. kr.

Neue Fabeln und Erzehlungen, in gebunde=
ner
Rede. gr. 8vo. Hamburg 1748 per 45. kr.

Erste Gründe der gesamten Weltweisheit,
darinne alle Philosophische Wissenschaften in
in ihrer natürlichen Verknüpfung in zweyen
Theilen abgehandlet werden, von Joh. Chri=
stoph
Gottscheden 2. Theile mit Kupfer, gr. 8vo.
Leipig 1748. per 2. fl. 30. kr.


NB. Bey dem Verleger des Wienerischen
Diarii ist zu haben:

Antonii Sandini historia Familiæ Sacræ,
ex antiquis Monumentis collect, à 30. xr.

Deinde ejusdem historia Apostolica, ex
antiquis Monumentis collecta, à 26. xr.

Der berühmte Oppo Balsam, von glaubwür=
digen
Leuten aus Arabien, alwo selber gesam=
let
wird, überbracht. Dienet demnach denen
⟨i⟩enigen, welche sich nicht schon versehen, zur
Nachricht, daß noch einige Fläschel vorhanden,
wer also hierzu ein Belieben traget, kan da=
mit
bedienet werden. Das Fläschel per 1. Duc.

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