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Wienerisches DIARIUM

Nr. 102, 22. Dezember 1751

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[1]

Aus Spanien .

Barcellona 4 . Nov .

NAchdeme die hiesige Hamburgische Kauf=
leute
die Gewißheit eingezogen , es be=
harre
Jhro Majestät der König von
Spanien dabey , daß das Decret wegen der
Stadt Hamburg alle in die Erfüllung ge=
setzet
werden , dieser Königl . Befehl auch durch
den Marquis de la Eucenada ersten Mini=
ster
deren ausländischen Sachen , an alle Gu=
bernators
deren See = plätzen seye abgeschicket
worden ; So haben dieselbe angefangen sich
zur Abreise aus hiesiger Stadt fertig zu ma=
chen
, zu dem Ende haben dieselbe 3 . Eng=
ländische
Transport = schiffe gemietet , um alle
ihre Waaren und Meublen , welche sie hier
nicht verkauffen können , auf denenselben an Bord
und anders wohin zu bringen . Gestern wur=
de
auf dem gewöhnlichen Platz dieser Stadt
ein Befehl abgekündiget , in welchem Seine
Majestät der König von Spanien jedermann
Erlaubnus gibt , Kriegs = schiffe , Fregatten ,
Galeeren , und gewafnete Fahrzeuge gegen
die Unterthanen des Königs von Marocco und
gegen die Africanische See = rauber auszurüsten ,
und solten für einen jeden eingebrachten Bar=
bar
15 . Ducaten als ein Geschenke auf denen
Canzleyen des Königs in denen See = plätzen ,
wo dergleichen See = rauber eingebracht wür=
den
, bezahlet werden . Vorgestern seynd aus
hiesigen Hafen auf einer Spanischen wol be=
wafneten
Fregatte 4 . Engländische Jngenieur
nach Corunna in die See geloffen , um da=
selbst
beym Schif = bau gebracht zu werden ,
weil Se . Majestät der König von Spanien

den Schluß gefasset , in denen See = häfen von
Gallicien 7 . neue Kriegs = schiffe bauen zu lassen .

Madrid 16 . Nov .

Vorgestern kamen beede Königl . Maje=
stäten
mit Dero ganzen Hof = staat in bester
Gesundheit von dem Escurial in den Pallast
Buen = ritiro zuruck : und der Cardinal
Jnfant kehrete zuruck nacher St . Hildephons .
Der Hr . Keene Königl . Groß = brittannischer
Bottschafter hat erst kürzlich wiederum zwey
Expressen von seinem Hof empfangen , und
Seine Excell . erwarten täglich noch einen ,
dessen Briefschaften , der Sage nach , den Aus=
schlag
seiner aufhabenden Abhandlung wer=
den
mitbringen können . Die beyden Articul
des am 22 . Februarii 1751 , zwischen der Re=
gierung
zu Algier , und der Stadt Hamburg
geschlossenen Tractats , welche unserm Hofe
die Gelegenheit gegeben haben , alles Com=
mercium
zwischen seinen Unterthanen und de=
nen
Hamburgern zu verbietten , seynd der 2te
und der 8te . Der erste von diesen Articuln
enthaltet , unter andern , daß man zu Algier
keine Abgaben von Munition , Masten , Holz
und andern zur Erbauung deren Schiffen , wie
auch zur Schiffahrt , nöhtigen Sachen , wel=
che
durch die Hamburgischen Schiffe dahin
möchten gebracht werden , bezahlen soll ; in dem
8 . Capitul aber ist denen Hamburgern bewil=
liget
worden , die Prisen , so die Algierer et=
wa
in der See dörften gemacht haben , zu
kauffen . Weil sich nun die Stadt Hamburg ih=
rer
Seits durch diesen Tractat verpflichtet hat ,
eine gewisse Menge von Artillerie , und Krie=
ges
= munition nach Algier zu liefern ; so erhiel=
te
der Hof letztens Ordre , 2 . Krieges = schiffe


[2]

von Cadix abzuschicken , um sich zweyer Ham=
burgischen
Schiffe , welche diese Präsente nach
Algier bringen sollen , zu bemeistern .

Aus Jtalien .

Neapel 27 . Nov .

Verwichenen Sonntag Abends endigte sich
die zu Ehren des Heil . Januarii , unsers Be=
schützers
, angestellte 9 . = tägige Andacht ; in=
gleichen
wurden auch die in unserer Dom=
kirchen
durch 8 . Tage gehaltene geistliche
Ubungen , um von GOtt die Befreyung von
dem Feuer des Bergs Vesuvii zu erbitten : ge=
endet
, indessen wird dieser Berg seit den 25 . des
abgewichenen Monats October nichts als Flam=
men
auf etliche Welsche Meilen weit mit Ver=
wüstung
deren Häusern und benachbarten Or=
ten
aus .

Neapel 30 . Nov .

Uber das jüngsthin ergangene Edict wider
die Müßig = gänger und unwürdige Bettler ,
welche innerhalb der ihnen bestimmten Frist
aus dem Königreich sich begeben müssen , so
auch beschehen , ist dieser Tagen wieder ein
anderes Gesatz verkündet worden , Kraft wel=
chen
wider die Verfälschere die Todes = straf
gesetzet ist . Mittwochs wurde vor dem Thor
des sogenannten neuen Castells ein gemeiner
Soldat von dem alhiesigen Schweitzer = regi=
ment
Fauch hingerichtet , weilen selber einen
seinigen Cammeraden bloß in der Meinung ,
bey ihme einiges Geld zu finden , so dieser ei=
nem
anderen abgeraubt haben möchte , meu=
chelmörderischer
Weise umgebracht hat . Am
Donnerstag Abends kame der gesamte Hof
von Portici in die Stadt herein , um alda zu
überwintern . Montags Vormittag verfügte
sich der König nacher Ligola auf die Rohr=
hennen
= jagd , deren Se . Königl . Majestät selbst
bis 300 . die dabey mit geweste Cavalier aber
alle zusammen bey 10000 . erlegt haben .

Livorno 3 . Dec .

Sowol von Barcellona als Marsilien wird be=
richtet
, daß in dasigen Gewässer verschiedene
Barbarische Raub = schiffe sich sehen liessen , wor=
durch
die Handelschaft beeinträchtiget werde .

Ein unseriges von Genua hieher mit 3000 .
Thalern und verschiedenen Waaren auf den
Weeg gewestes Schif ist Montags zu Nachts
unweit Porto = fino durch einen Sturm an un=
serige
Felsen geworfen , und zerscheittert wor=
den
. Nachdem sich jedoch das Volk ausser dem
Schif = patron ( welcher Krankheits halber sich
nicht helfen können ) gerettet hat .

Parma 4 . Dec .

Der aus Spanien hier angelangte neue Be=
vollmächtigte
Marches de Reville haltet mit
unseren Herzog öftere Unterredungen , und
wird mit besonderer Hochachtung tractiret .
Dieser Tagen ist die Herzogin mit einem Fie=
ber
überfallen worden : wovon man schon ge=
förchtet
, daß es in Kinds = blattern ausbrechen
wurde , welche dermalen alhier sehr im Schwung
gehen , sie befindet sich aber wieder besser .

Aus Groß = Brittannien .

Londen 27 . November .

Als sich der König Vorgestern nach dem
Parlament begab , und von dannen wieder zu=
ruck
kam , folgte jedesmal Seiner Majestät
eine grosse Anzahl Matrosen von denen Eng=
lischen
Herings = Buysen durch den Pare nach ,
und schrie zu wiederholten malen : GOtt seeg=
ne
den König ! es lebe der König noch lange
Jahre ! Glück und Segen zur Engländischen
Fischerey ! Diese Matrosen waren von denen
Buysen Chesterfield , Bedford und Shaftsbu=
ry
; sie trugen rote und blaue Maschen auf ih=
ren
Hüten , und hatten eben das Geschenk be=
kommen
, welches der Aldermann Jansen de=
nen
ertheilet hatte , die dieses Jahr die mei=
sten
Heringe gefangen . Das Schifs = volk vom
Chesterfield hat den ersten Preiß , nämlich
30 . Pf . Sterl . , das vom Bedford 20 . und das
vom Shaftsbury 15 . Pf . Sterling erhalten .
Aus Ostindien hat man Nachricht , daß die
Franzosen sich in keinen vortheilhaften Umstän=
den
befinden ; dahero auch Frankreich beschlos=
sen
hat , in dem Hafen von Orient 4000 . Mann
einschiffen zu lassen , und sie nach Pondichery
zu senden . Von hieraus geht gleichfalls ein
Kriegs = geschwader unter Commando des Chefs
Edgecumbe nach Ostindien ab . Die Stadt
Plymout hat dem Lord Anson das Burger =

[3]

recht verliehen , und ihm das Diploma , davon
in einer goldenen sehr künstlich gearbeiteten
Dose überreichet . Den 25 . erhielte Nummer
40718 . den Gewinn von 10000 . Pf . Ster=
ling
. Auf der Küste von Jarmouth seynd die=
ses
Jahr 370 Holländische und 120 Franzö=
sische
Buysen gewesen , und man rechnet , daß
dieselben für 178000 . Pf . Sterling Heringe
gefischet haben . Nachdem das neue Reglement ,
dem übermässigen Gebrauch der starken Ge=
tränke
Einhalt zu thun , eingeführet worden ist ,
hat man befunden , daß bey der Accise von de=
nen
Getränken einige 1000 . Pfund Sterling
weniger , als zuvor , eingenommen worden
seynd . Die Commissarien der Flotte sollen
wieder 10500 . Wagen = holz erhandeln haben ,
wo von auf den Werften zu Deptford , Wol=
wich
und Chatam neue Schiffe gebauet wer=
den
sollen . Wie man versichert , wird die
Reise des Königs nach Dero Teutschen
Erbländern im künftigen Jahr sehr frühe
vor sich gehen . Man will Nachricht haben ,
daß die Corsaren von Algier , zwey Engländi=
sche
Schiffe hinweg genommen haben , welche
von der Jnsul Minorica gekommen , um ihre
Handlung im Mittelländischen Meer zu trei=
ben
; Solte diese Nachricht bestätiget werden ,
so hat man abermalen einen Beweis , wie
schlecht diese See = räuber ihre Versprechungen
und eingegangene Tractaten halten . Der
dritte Sohn des verstorbenen Prinzen von
Wallis ist den 25 . Nov . in das 9te Jahr sei=
nes
Alters getretten . Der König und die Frau
Mutter desselben haben hierüber die Compli=
menten
empfangen . Der Lord = Canzler ware
damals krank , als sich das Parlament ver=
sammlete
, deswegen , konnte er nicht darbey
erscheinen . Der König hat den Lord Anson
zum Gouverneur der Garnison von Portsmouth
an die Stelle des verstorbenen Prinzen von
Wallis , imgleichen Charles Townley den Jün=
gern
zum ersten Wappen = herolde vom Nord=
lichen
Theile Englands ernannt . Die Ostin=
dische
Compagnie hat 160 . Tonnen Eisen , 40 .
Tonnen Stahl und eine grosse Menge anderer
Waaren nach ihren Colonien in Asien einschif=
fet
, und läst in diesem Lande Truppen werben ,
um dieselben nach ihren Colonien zu schicken ,
und sie für alle Einfälle , woher sie auch kom=
men
möchten , in Sicherheit zu setzen , indeme
die Compagnie in Ansehung des Künftigen sich
gerne in Sicherheit wissen will . Sie erwartet

auch das Corpo Schweitzer nebst denen Trup=
pen
, die alhier geworben werden , welche
man künftigen Monat auf die ordinari = Schif=
fe
, die Segel fertig ligen , einschiffen wird . Die
General Cornwallis , Gouverneur von Neu=
schottland
, hat dieser Tagen der Regierung
gemeldet , daß 2 . Kriegs = schiffe von 40 . Ca=
nonen
aus England in der Bay von Chehucto
angekommen wären , um alda zur Beschützung
der See = küsten vertheilt zu werden , da er in=
dessen
sich der besten Vorsicht zu Lande bedien=
te
, um die Colonie für die Einfälle deren
Jndianer in Sicherheit zu setzen , welche an=
jetzo
biegsamer wären , als vorhin , und die
Colonie nicht mehr so sehr , als jemals , mit
ihren Einfällen beunruhigen . Dieser Gene=
ral
, dessen Aufführung die Colonisten nicht ge=
nung
rühmen können , hat sich neulich bey dem
neuen Gouverneur von Louisburg beklaget ,
daß die Franzosen in der See , die zu der Jn=
sel
Canjo gehöret , fischeten , und er hat den
Gouverneur ersuchet , zu verhindern , daß sol=
ches
inskünftige nicht mehr geschehen möge .

Londen 30 . November .

Die Dank = schrift des Unter = hauses ist eine
Wiederholung der Anrede des Königs , und voll
der unterthänigsten Versicherung der Treue und
der Erkanntlichkeit gegen die weise und recht
vätterliche Regierung Sr . Majestät . Wir über=
gehen
sie daher . Heute , als an dem Geburts=
tage
der verwittibten Prinzeßin von Wallis , da
Dieselbe in ihr 33stes Jahr getretten , hat der
König und die Königl . Familie die Glückwün=
sche
deswegen empfangen . Die Gesellschaft der
Antiquarien dieser Stadt , welche von dem =
nige
den 13 . dieses ein Privilegium erhalten , be=
stehet
aus 20 . Mitgliedern . Se . Majestät seynd
Schutz = herr der Gesellschaft , und der Herr Fol=
kes
, Präsident der Königl . Societät der Wissen=
schaften
, ist gleichfalls Präsident davon .

Gestern wurde im Unter = hause ein=
stimmig
beschlossen , dem Könige die be=
nöhtigten
Subsidien zu bewilligen . Man hat
Nachrichten erhalten , welche gewiß bestättigen ,
daß die Franzosen in Ost = indien den grösten
Theil ihrer erhaltenen Vortheile wiederum ver=
loren
haben . Auf Königl . Befehl muß sich alle
Donners = tage eine besondere Commission aus
dem Unter = hause versammlen , welche über Re=
ligions
= sachen sich berahtschlagen soll , um Mit=
tel
auszufinden , der einreissenden Frechheit ,

[4]

und der groben Freydenkerey , als wodurch alle
gute Ordnungen kraftloß bleiben , Einhalt zu
thun . Da die hiesige Stadt begierig ist , die
prächtigen Festins auch der Nachwelt bekannt zu
machen , welche sie bey Gelegenheit der beyden
Vermählungen des Dauphins gegeben hat , so
hat Herr Viondel , Königl . Baumeister , und
Mit = glied der Königl . Mahler = Academie ,
die Original = Zeichnungen davon durch die ge=
schicktesten
Zeichner und Kupfer = stecher in zweyen
besonderen Bänden stechen lassen . Die Ver=
mählung
des Dauphins mit der Jnfantin von
Spanien machet den ersten Band aus , der mit
einem allegorischen Gemählde gezieret ist , und
aus 20 . Platten bestehet . Die andere Vermeh=
lung
dieses Prinzens mit der Königl . Prinzessin
von Polen machet den andern Band aus , der
gleichfalls mit einem allegorischen Gemählde ge=
zieret
ist , und aus 7 . Blatten bestehet . Bey
jedem Bande befindet sich eine Beschreibung ,
davon die Schrift in Kupfer gestochen , und die
Seiten mit Einfassungen gezieret seynd , die sich
zu der Sache schicken . Das Werk ist prächtig
und der Aufmerksamkeit derer würdig , die
sich auf Zeichnungen und Kupferstiche verstehen .
Es kostet aber auch 144 . Livres . Man hat
Nachricht erhalten , daß der Hafen Honsteur
in der Normandie , der seit einiger Zeit durch
den Schlamm , den das Meer in denselben
hingeworfen , sehr beschädiget worden , nun=
mehro
völlig wieder davon befreyet ist , und
daß man die Ein = und Ausfuhr in diesem Ha=
fen
so sicher und leicht gemacht , als dieselbe
vorhin gefährlich und mühsam gewesen .

Londen 3 . December .

Heut haben die vom Unter = haus des Par=
laments
über die Anzahl Matrosen , so künfti⟨g⟩ =
Jahr im Dienst zu halten seynd , deliberirt .
Jn denen Jnsulen Sottovento ist ein entsetzli=
cher
Sturm gewesen , wodurch eine grosse An=
zahl
Engländischer Fahrzeuge verunglücket , und
andere auf das Land geschmiessen worden . Ein
gleiches ist auch in andern Jnsulen geschehen .
Die Spanier haben letztlich in der Baye von
Honduras 6 . Chaloupen und 25 . Fahrzeuge ,
auf welchen sich in allem 164 . Mann befunden ,
weggenommen . Man hat deßhalben Vorstel=
lungen
gethan , aber nur 19 . Mann wider loß
machen können . Hingegen haben die Schiffe ,
welche die Holländer von Curacao ausgeschicket ,
um das Commercium zu beschützen , 4 . Spani=
sche
Schiffe , welche selbe sehr beunruhiget ha=
ben
, weggenommen . Dieser Tagen kamen 2 .

reisende Damen mit einem Französischen Kauf=
fardey
= schif zu Londen an , deren Bagage am
Zoll weggenommen wurde , weil man darunter
sehr viele Französische Galonen , und andere
Waaren angetroffen hat . Der Orcan , den
wir hier den 27 . November gehabt haben , war
überaus heftig . Der Sturm = wind wähete
viele Schorn = steine von denen Dächern , und
auf dem Feld war seine Gewalt so stark , daß er
eine Menge Bäume mit denen Wurzeln aus der
Erden risse . Auf der Temse wurden die Schif=
fe
von denen Ankern loßgerissen , und verschie=
dene
derenselben auf den Grund gejagt . Der
Fall , den am Montag der Herzog von
Cumberland nahe bey Croyden mit dem Pferd
auf der Jagd gethan , ist für diesen Prinzen sehr
fatal abgeloffen , indeme Jhro Königl . Hoheit
verschiedene Wunden am Leib davon bekommen ,
auch eine Gattung von Seiten = stechen dazu ge=
schlagen
, woraus man nichts gutes schliesset :
Man hat Jhro Königl . Hoheit bereits verschie=
dentlich
zur Ader gelassen , allein Sie befinden
sich diesen Morgen noch sehr übel .

Aus Frankreich .

Toulon 16 . Nov .

Die Fregatte , la Flore , welche armiret
wird , soll sich nach Civitavecchia begeben ,
und alda den Französischen Bottschafter am
Röm . Hof , Herzog von Nivernois , an Bord
nehmen , und nach Frankreich führen . Das
Kriegs = schif , le Triton , und die Fregatte ,
la Gratiosa , seynd am 7 . dieses von Louis=
burg
, wohin sie 500 . Quintalen Pulfer von
hier überbracht haben , alhier angelangt . Man
hat mit diesen Schiffen vernommen , daß zwi=
schen
denen Französischen , und Engländischen
Commandanten deren beeden Gränz = forten
von Neu = schottland , und der Königl . Jnsul
einige Streittigkeiten entstanden gewesen , aber
wiederum gütlich beygeleget waren . Der Hr .
Chabert , welchen der Hof in Nord = america
gesandt gehabt , um alda Astronomische Ob=
servationes
zu machen , ist mit dem Schif le
Triton zuruk gekommen .

Paris 6 . Dec .

Die Schwangerschaft Jhro Königl . Hoheit ,
Madame la Dauphine , wird in mehr und
mehr bestättiget , und hoch = besagte Prinzes=
sin
befindet sich bey erwünschtem Wolseyn . Die
Angelegenheiten des Parlaments , welche seit
einiger Zeit in hiesiger Stadt so vieles Aufse=
hen
, und Redens verursachet , seynd endlich

[5]

zum Vergnügen Seiner Majestät des Königs
gänzlich beendiget . Verwichenen Mittwoch
haben sich die Glieder dieses höchsten Gerichts =
Hofes jedes in seine Kammer erhoben , allein
kein Advocat ist dabey erschienen : der erste
Präsident erhielte von Sr . Majestät dem =
nig
ein Patent , worinnen dem Parlament bey
Straf des Ungehorsams , und Königl . Unwil=
lens
befohlen worden , seine Verrichtungen fort=
zusetzen
, und die Advocaten , und Procurato=
res
zu ihrer Pflicht anzuhalten . Das Parla=
ment
versammelte sich hierauf des Nachmit=
tags
, und man hat beschlossen , etliche Com=
missarien
zu ernennen , um den Hof von dem
erhaltenen Patent Nachricht abzustatten ; wel=
ches
verwichenen Freytag würklich geschahe ; in
der Versammlung des Nachmittags wurde
dieses Patent einregistriret , und verordnet ,
daß das Parlament seine Verrichtungen wie
gewöhnlich , wieder vor die Hand nehmen
wolle : letzteren Samstag versammelten sich die
Präsidenten , und Parlaments = rähte , die Ad=
vocaten
erhielten Befehl sich dabey einzufin=
den
, die Gerichts = sachen wurden vorgenom=
men
, und verhandelt , und auf solche Weise
ist dieses Geschäft völlig zu Ende gebracht . Das
Schif der Cumberland genannt , ist von der
Jnsul St . Dominique in dem Hafen zu Brest ,
und die Fregatte Amarante , welche man auf
denen Küsten von Jrrland gescheittert zu seyn
geglaubet , ist ebenfalls alda sehr übel zuge=
richtet
zuruk gekommen . Das von Havre de
Grace nach Cap = breton ausgeloffene Schif
Victor Amadeus , ist auf denen Küsten der
Normandie zu Grunde gegangen , die Waa=
ren
, und Menschen aber seynd noch gerettet
worden . Das Schif , die Sultanin ist von
Cap = breton zu Rochelle nach einer 85 . tägi=
gen
Schiffahrt glüklich eingeloffen .

Aus Niederland .

Haag 1 . Dec .

Die Herren General = Staaten , und alle an=
dere
Collegia , haben sich bisher nach und nach
im Corpore in den Hof von Holland begeben , um
daselbst die Leiche Sr . Durchl . Prinzen Erb =
Statthalters , welche in besagtem Hofe , und
zwar in dem Saale , wo der Prinz die Audien=
zen
zu ertheilen pflegte , auf einem Parade=
behte
ligt , zu sehen . Der Zulauf von Perso=
nen
beederley Geschlechts , die stündlich herzu
eilen , und diesen verwesenden Sitz der irr=
dischen
Herrlichkeit betrachten , hat fast kein
Ende . Die Ausschmückungen , die man allent =

halben wahrnimmt , seynd nicht prächtig ; dann
dieser Ausdruck wurde zu schwach seyn , son=
dern
man muß sie in der That recht Königl .
nennen . Die vielen Wachen , ihre verschiede=
ne
Arten , ihre Eintheilungen , die in denen
Zimmern befindliche hohe und niedere
Hof = bediente , alles dieses ist vortreflich an=
geordnet
. Der Saal , in welchem das Parade=
behte
stehet , desgleichen die daranstossende
Vorzimmer , seynd schwarz ausgeschlagen , und
so dunkel , daß dardurch Ehrforcht , und Schmertz
erwecket werden . Die wol angebrachten sil=
bernen
Kron = leuchter schaffen doch durch die
darauf steckende und brennende Wax = ker=
tzen
viel Helligkeit in dem Saale . Das Beh=
te
, welches sich zwischen einem schwarzen , und
versilberten Geländer befindet , hat man mit
silbernem Mohr belegt . Die Leiche selbst ist
in silbernen Mohr gekleidet , und hat darüber
eine Art von einem Oberkleide von schwar=
zem
Satin , mit schwarz seidenen Band = schleif=
fen
. An denen 4 . Ecken des Behtes erblicket
man so viele Tabourets , mit Küssen von schwar=
zen
Sammet , worauf der Fürsten = hut , der
Mantel , der Orden des blauen Hosen = ban=
des
, der Helm , der Degen , und der Comman=
do
= stab ligen . Zur rechten Seite des Behtes
ist eine Pyramide , deren Basreliefs die Atro=
pos
, mit ihrer grausamen Scheere , zeigen ,
und zur linken eine andere Pyramide , so die
Zeit , mit der jenigen Sense , womit sie Sce=
pter
, und Hirten = stab , abmähet , vorstellet .
Diese Pyramiden seynd mit Sieges = zeichen ,
und mit dem Wappen des Prinzens gezieret .
Uber denen beyden Saal = thüren siehet man
die gewöhnlichen Sinn = bilder der Unsterblich=
keit
, und des Todes . Diese ganze Auszie=
rung
ist mit Jnscriptionen , und Devisen ge=
schmükt
. Die Aussetzung der Leiche wird 14 .
Tage dauren , und sodann soll die prächtige
Abführung nach Delft geschehen .

Utrecht 3 . Dec .

Gestern langeten Se . Hochfürstl . Durchl .
der Erb = prinz von Braunschweig = wolfenbüttel
aus dem Haag alhier an , um die Merkwür=
digkeiten
hiesiger Stadt in Augenschein zu neh=
men
, und heute seynd Sie weiter nach Amster=
damm
abgereiset .

Antwerpen 3 . Dec .

Am Dienstag Morgens ist der Fürst von Liech=
tenstein
, nach wieder erlangter Gesundheit ,
mit der Fürstin seiner Gemahlin , und ganzen
Gefolge , von hier nach Brüssel abgereiset .

[6]

Wien den 22 . December . 1751 .

Samstag , den 11 . dieses .

NAch beygewohntem Rorate = amt in der
Kammer = kapellen seynd beede Kais . Ma=
jestäten
mit Staats = sachen beschäftiget gewe=
sen
. Abends wurde bey Hof in Beyseyn Aller=
höchster
Majestäten von denen Durchlgsten
jungen Herrschaften , auch jungen Damen , und
Cavalieren die Französische Piece zum letzten=
mal
wiederholet .

4ter Sonntag im Advent , den 19 . dieses .

Nach dem Rorate = amt haben beede Kais .
Majestäten mit dem Durchlgsten Erb = und
Kron = prinzen Erz = herzogen Joseph , und Jhro
Königl . Hoheit der Prinzessin Charlotte von
Lothringen in Erscheinung Sr . Excell . des
Päpstl . Hrn . Nuntii Fabricii Serbelloni , und
Sr . Excell . des Venetianischen Hrn . Botschaf=
ters
Cav . Andrea Tron , dann in Begleitung
des gewöhnlichen Hof = gefolgs , dem wochentli=
chen
Gebett , und dem feyerlichen GOttes = dienst
offentlich , und hernach nach = Mittags um 5 .
Uhr der Französischen Predig , wie auch der Li=
taney
de Sanctissimo unter Aussetzung des
Hochwürdigsten Altars = Sacrament in der Hof=
kapellen
beygewohnet . Eodem haben Jhro
Majestät die Kaiserin Vor = mittags , Seine
Majestät der Kaiser aber Nach = mittags of=
fentliche
Audienzen ertheilet .

Eben diesen Mittag wurden von 12 . bis 1 .
Uhr wegen des den 21 . dieses als am Fest des
H . Apostels Thomas vorigen Jahrs erfolgten
höchst = betrübten zeitlichen Hintritts Weil . Jh=
rer
Majestät der Römischen Kaiserin Elisabetha
Christina seligster Gedächtnuß , gewester aller=
mildesten
Frauen Mutter unserer Allergnädig=
sten
Landes = fürstin , die Glocken aller hiesigen
Kirchen und GOttes = häusern in = und vor der
Stadt geläutet , und Abends in der Josephini=
schen
Kapellen bey Hof mit Beywohnung Aller=
höchster
Herrschaften all’ incognito , wie auch in
der Kirche deren WW . EE . PP . Capucinern am
Neuen Markt , alwo die Kaiserl . Königl . Kruf=
te
ist , die Todten = vigilien gehalten .

Montag , den 20 . dieses .

Fruhe um 7 . Uhr haben sich Jhro Majestät
die Kaiserin in die ob = besagte Kirchen deren
WW . EE . PP . Capucinern all’ incognito
verfüget , in aldasiger Kaiserl . Königl . Begräb=
nuß
= krufte zweyen heiligen Messen beygewoh=
net
, und sich sodann wiederum in die Burg
zuruck begeben , alwo bey Dero Zuruck = kunft

sodann beede Kaiserl . Majestäten dem Rora=
te
= amt , und nach solchem da indessen Vormit=
tags
von 9 . bis 10 . Uhr abermalen in allen
hiesigen GOttes = häusern und Klöstern wegen
des Jahr = tags obgedachten seligsten Hintritts
Jhrer Majestät der Kaiserin Frau Mutter
die Glocken geläutet worden , mit Höchst=
besagt
Seiner Durchl . dem Erz = herzogen
Joseph und denen älteren Durchleuchtigsten
Erz = herzoginnen , wie auch Jhro Königl . Hoheit
der Prinzessin Charlotte um 10 . Uhr denen Exe=
quien
für allerhöchst = besagt Jhro Majestät
der verstorbenen Kaiserin in obbenannter Jo=
sephinischen
Kapellen incognito beygewohnet ,
und hierauf diesen Tag Sich retirirter gehal=
ten
haben . Nachmittags um 5 . Uhr haben
Se . Majestät der Kaiser , in Erscheinung des
Päpstlichen Herrn Nuntius , und des Veneziani=
schen
Herrn Botschafters , wie auch deren Her=
ren
Ritteren des Goldenen Vlieses , der Toison=
vesper
in der Hof = kapellen offentlich abge=
wartet
.

Dienstag , den 21 . dieses , Fest des H .
Apostels Thomæ .

Vormittags vor 11 . Uhr haben allerhöchst=
besagt
Seine Majestät der Kaiser in aberma=
liger
Erscheinung deren hochgedachten Herren
Bottschaftern und Rittern des goldenen Vlie=
ses
dem feyerlichen Toison = amt in der Hof=
kapellen
beygewohnet . Jhro Majestät die Kai=
serin
aber haben nach dem Rorate = amt denen
geistlichen Exercitiis ( so bis den 23 . dieses
inclusivé seyn werden ) in der Josephinischen
Kapellen all’ incognito abgewartet .

Ubrigens ist heute vor 8 . Tagen alhier in
der Vorstadt nächst Maria = hülf ein namhaf=
ter
Diebstahl beschehen , und hat der diesfäl=
lige
Thäter durch den Wiener = wald die Flucht
zu Pferd ergriffen , es hat aber der Dorf=
richter
zu Ried ausserhalb des Wiener = walds
zufolge dem jüngsthin wegen all = ortiger An=
haltung
deren müßig und verdächtigen Leuten
ergangenen Patent seine diesfällige Schuldig=
keit
dergestalten rühmlich beobachtet , daß be=
sagter
Dieb alsogleich bey seiner Ankunft al=
daselbst
auch ohne sonstiger Anzeige als ver=
dächtig
angehalten , und sodann hieher gefäng=
lich
eingeliefert worden ist , womit ernannter
Richter bey alhiesig hohen Obrigkeiten ganz
besonders sich verdient gemacht , und die=
ses
als eine sehr ersprießliche Würkung und
Folge von erbeuteten Patent anzusehen ist .



[7]

Lista deren Verstorbenen zu Wien
in = und vor der Stadt .

Den 18 . Decemb .

Jn der Stadt .

  • Elisab . Weiglin , im Burger = spital , alt 80 . J .

Vor der Stadt .

  • Dem Hrn . Jos . Bahl , Verwalt . im Zucht = und Arbeit =
    H . , s . Ehew . Anna Regina , alda , alt 45 . J .
  • Dem Jos . Wetschiato , Burgerl . Seiden = färb . , s . K .
    Cathar . , im Herdis . H . in der Leopoldst . , alt 3 . J .
  • Dem Casp . Voll , Gold = arbeit . , s . K . Barb . , bey der
    gold . Sul bey St . Ulrich , alt 5 . v . J .
  • Anna Schmidin , Wittwe , bey denen 3 . Taub . im Ler=
    chenf
    . , alt 79 . J .
  • Dem Franz Trater , Lack . , s . W . Cathar . , bey der gold .
    Preß auf der Wied . , alt 44 . J .
  • Andre Markart , Geiger , bey dem gestreiften Stiefel in
    der Leopoldst . , alt 23 . J .
  • Wenzel Kolich , alt 46 . J . , bey denen Fr . Mis .
  • Summa 8 . Personen , darunter 2 . Kinder .

Den 19 . Decemb .

Jn der Stadt .

  • Dem Rudolph Hammer , Burgerl . Huterern , s . S . Ru=
    dolph
    , im Latzen = hof , alt 22 . J .
  • Dem Joh . Christoph Roht , Wechsel = schreib . , s . K . Chri=
    stoph
    , bey dem braun . Hirsch . am rot . Thurn , 5 . J .

Vor der Stadt .

  • Dem Joh . Breitschmid , Lust = gart . , s . K . Joh . , im
    Palmis . H . zu Gumpendorf , alt 10 . J .
  • Dem Eliä Mayr , Schuh = mach . , s . K . Michael , beym
    bl . Mond = schein in der Leopoldst . , alt 6 . J .
  • Theres . Wätzlin , Wittwe , in der Bründel = mühl am
    Alster = bach , alt 34 . J .
  • Der Anna Wascherin , Wittwe , ihr S . Jacob , bey de=
    nen
    5 . Lerch . am Neustift , alt 12 . J .
  • Joh . Schaafwalter , Zimmer = ges . , bey denen 5 . Kro=
    nen
    im Liechtenth . , alt 25 . J .
  • Summa 7 . Personen , darunter 3 . Kinder .

Den 20 . Decemb .

Jn der Stadt .

  • Hr . Math . Mariat , behauster Burger , in s . H . im tief .
    Graben , alt 66 . J .
  • Simon Bach , Hausmeist . , im Margaret . = hof , 79 . J .
  • Ant . Jos . Mayrbeitl , Lack . , im alt . Futer = amt , 44 . J .

Vor der Stadt .

  • Dem Albrecht Grim , Burgerl . Schnür = mach . , s . W .
    Magdal . , bey denen 6 . Schim . bey St . Ulrich , alt
    35 . J .
  • Leop . Livitsch , Herren = koch , bey dem gold . Löw . auf
    der Wind = mühl , alt 66 . J
  • Der Veronica Zetlin , Wittwe , ihr K . Elisab . , beym
    bl . Stern in der Alster = gas . , alt 5 . J .
  • Dem Jacob Hiter , Vieh = mayrn , s . K . Georg , in s . H .
    zu Erdberg , alt 9 . J .
  • Georg Biglmayr , in St . Joh . Nep . Spit . , alt 70 . J .
  • Dem Mart . Reisinger , Schif = kn . , s . T . Anna , im Kais .
    Spital = gart . in der Leopoldst . , alt 15 . J .
  • Agnes Artnerin , alt 20 . J . , Carl Gschwindl , alt 24 .
  • J . , und Jos . Minibauer , alt 40 . J . , alle 3 . im
    Kranken = H .

Den 21 . Decemb .

Jn der Stadt .

  • Der Ehrw . Fr . Zeno Peter , Ord . S . Franc . , im Klo=
    ster
    bey St . Hieron . , alt 63 . J .
  • Joh . Cronberger , ar . M . , im Kais . Senften = stall , alt
    83 . J .

Vor der Stadt .

  • Dem Adam Bernhard , Tagw . , s . K . Anna , im Stab=
    leris
    . H . in der Leopoldst . , alt 5 . v . J .
  • Dem Joh . Bogiberger , Tagw . , s . K . Anna , bey dem
    grün . Säbel im Liechtenth . , alt 6 . J .
  • Ant . Claus , alt 50 . J . , bey denen Fr . Mis .
  • Sabina Schmidin , alt 91 . J . , und Eva Omaplin , alt
    90 . J . , beyde im Kranken = H .

EDICT .

Gleichwie die Ministerial = Banco = Depu=
tation
lezthin durch ein Edict vom 9 . Augusti
dieses Jahrs die in dem Stadt = Banco übernom=
mene
von Anno 1740 . bis inclusivé 1745 .
mit der Zahlung verfallene Subsidien = Capita=
lien
aufgekündiget , und darzu einen drey Mo=
natlichen
Termin anberaumet hat ; dieser aber
nunmehro bereits verflossen ist ; als geschihet
die gegenwärtige neue Kundmachung , daß nun=
mehro
auch alle die jenige pro Subsidiis præ=
sentaneis
erlegte = von dem Stadt = Banco über=
nommene
Capitalien , welche von Anno 1746 .
bis inclusivè 1750 . mit dem Zahlungs = Ter=
min
verfallen seynd , aufgekündiget , und ent=
schlossen
worden seye , solche Capitalien samt
denen pro rata temporis gebührenden Jnte=
ressen
an jedermänniglich , ohne Unterschried
auf Anmelden , von heutigen Dato an , inner
Zeit dreyer Monaten , baar hinaus bezahlen
zu lassen , mit dem Anhang , daß denen jeni=
gen
Partheyen , welche ihre in vorermeldten
Jahren von Anno 1746 . bis inclusivè 1750 .
verfallene Capitalien binnen gedachten dreyen
Monaten in Stadt = Banco nicht erheben wur=
den
, nach Verlauf dieses gesetzten Termins kein
Jnteresse mehr bezahlet werden solle : Wel=
ches
dann , gleichwie deswegen das gewöhnli=
che
Edict zu Stadt = Banco affigiret worden ;
also auch durch offentlichen Druk jedermänni=
glichen
kund gemacht wird .

Wien den 10 . Decemb . 1751 .

NB . Bey Hrn . Augustin Bernardi , Buchhand=
ler
, bey der Ober Jesuiter = Pforten gegenüber ,
sein Gewölb habend , seynd nachstehende =
cher
zu haben :

  • Heilige Christ = Nacht Metten , das ist , son =



[8]
  • derbare Andacht in der H . Nacht hindurch samt
    denen 3 . Heil . Messen von Wort zu Wort , wie
    solche von denen Priestern gelesen werden ,
    samt Geistlicher Lesung von der Geburt JEsu
    Christi , nebst vorhergehenden Morgen , wie
    auch Beicht = und Communion = Gebettern un=
    gebunden
    17 . kr . gebunden 24 . kr .
  • Heilige Faschings = Andacht bestehend in 3 .
    tägigen Sacramentalischen Ergözlichkeiten zu
    dem Hochwürdigsten Sacrament des Altars
    ungebunden 12 . kr . gebunden 17 .
  • Heil . Andachts = Übungen bestehend in kurzen
    Tag = zeiten , Litaneyen , und Gebettern zu de=
    nen
    vornehmsten Heiligen aus der Gesellschaft
    JEsu , 12 . kr .
  • Communion = buch enthaltend verschiedene
    Betrachtungen , wann man zum Tisch des Herrn
    gehen will . pr . 45 . kr .

Neben denen 7 . Büchern in dem grossen ro=
ten
Krebsen ist der erste Stok , welcher durchaus
neu = reparirt , und allerdings commod für eine
grosse Herrschaft , Gesandschaft , oder hohe
Canzley eingerichtet , samt Kellern , Holz = ge=
wölbern
, Pferd = stall , und Wagen = schupfen ,
entweder ganz = oder abgetheilter , Monat ,
oder Jahrweis täglich zu verlassen , und ist sich
so ein = als anderen Falls bey aldasigem Haus=
meister
anzumelden .

Den 29 . dieses Vormittag von 9 . bis 12 . ,
dann Nachmittag von 3 . bis 5 . Uhr werden im
Schlosser = hof auf der Setler = stadt einige
Verlassenschafts = effecten dem Meist = biettenden
verkauffet werden .

Den 3 . Jan . 1752 . Vormittag von 9 . bis
12 . dann Nach = mittag von 3 . bis 5 . Uhr wer=
den
in dem Gräfl . Paarischen Garten auf der
Landstrassen verschiedene Verlassenschafts = ef=
fecten
dem Meistbiettenden verkauffet werden .

Es dienet hiemit denen Herren Bücher = Lieb=
habern
zur Nachricht , daß auf den 10 . Jan .
1752 . und folgende Täge Vormittag von 9 .
bis 12 . , Nachmittag von 3 . bis 6 . Uhr , in dem
Zwettel = hof bey St . Stephan im ersten Stok ,
ein sehr schöner Vorrat von nutzlichen =
chern
, in verschiedenen Sprachen , wie nicht
weniger verschiedene schöne Kupferstiche von
denen berühmtesten Meistern , ingleichen
cher = kästen mit eingeschnittenen Gläsern dem
Meistbiettenden verkauffet werden . Der Ca =

talogus deren Büchern , ist in der Buchhand=
lung
zum Goldenen Vlies auf dem Juden = platz
gratis zu bekommen .

Wir N . Richter und Raht der Landsfürstl .
Stadt Crems fügen hiemit jedermänniglich zu
wissen ; wasmassen wir zu Verkauffung deren
in Weil . Frauen Barbara Sophia Molitorin ,
gewest verwittibten Burgerin alhier sel . Ver=
lassenschaft
vorgefundenen in 1739 . , 43 . , 44 . ,
45 . , 46 . , 47 . , 48 . , 49 . , 50 . und 51ster
Gewächsen bestehend in 1800 . Emer sich be=
lauffenden
Weinen , samt denen Fassen in eisen=
nen
Banden eine Licitations = Tagsatzung auf
den 31 . Jan . Vormittag um 9 . Uhr bey dasi=
ger
Stadt Crems Rahthaus zu erscheinen an=
geordnet
haben . Wer nun solche Weine ,
und Fässer an sich käuflich zu bringen geden=
ket
, hat sich an dem bestimmten Tag , Stund ,
und Ort anzumelden .

NB . Il se trouvent chez Monsr . Briffaut
Libraire , plusieurs nouveautez trés conside=
rables
, que chacun peut voir dans sa Bi=
bliotheque
, im Stadt = anwaltischen Haus
au premier Etage : vis = à = vis les Peres Caê=
tans
: sur le haut Pont .

Almanach de Table pour l’Année bisexti=
le
1752 . contenant un detail exacte de tout
ce qui fert à la Vie de de l’homme , dans
chaque Saison .

Les Tables les plus frugales , relié en 〈…〉
roquin avec dentelle d’Or .

Calendrier : ou Etrennes Mignones , cu=
rieuses
& utiles avec les Ephemerides aug=
mentées
, de plusiers evenemens , singu=
liers
& remarquables pour l’Année 1752 .
relié en mignature avec devise miroir , &
porte = feuille .

Item : le même en mignature , sans mi=
roir
, avec Etuis doré .

Item : le même : relié en maroquin doré
sur tranche , avec dentelie d’Or .

NB . Bey dem Verleger des Wienerischen
Diarii ist zu haben :

  • Calendarium Tyrnaviense , ad Annum
    JESU Christi M . DCC . LII . Bissextilem . Ad
    Meridianum Tyrnaviensem , & elevationem
    Poli 48 . Graduum , 30 . m . in usum Regni
    Hungariæ , ac vicinarum Provinciarum . Jn
    harter Decken eingebunden mit dem Schreib =
    Wort , das Stuck à 40 . Kr .







[9]

Wien .

WJr MARJA THERESIA von GOttes Gnaden Römische Kaiserin ,
in Germanien , zu Hungarn , Böheim , Dalmatien , Croatien , Sclavonien ,
Königin ꝛc . ꝛc . Entbieten allen und jeden Unseren treu = gehorsamsten
Unterthanen , und Jnnwohnern , was Würden , Standes , oder Weesens die
in Unseren gesamten Teutschen Erb = landen befindlich seynd , Unsere Kaiserl .
Königl . Gnade , und alles Gutes , und geben denenselben gnädigst zu verneh=
men
, was gestalten schon zu verschiedenen mahlen der Antrag beschehen , wo=
mit
in Unseren Kaiserl . Königl Erb = landen eine wol regulirte Loterie , gleich
es in anderen Königreichen , und Staaten üblich ist , eingeführet werden =
ge
. Dahero seynd Wir hierzu um so mehrers bewogen worden , als Uns
glaubwürdig beygebracht worden ist , daß viele in Unseren Erb = landen befind=
liche
Jnnsassen , und besonders die Fremde hierzu eine Neigung , und Verlan=
gen
tragen , auch würklich auf auswärtigen Loterien spielen , von welchen Lo=
terien
nicht allein hier in Wien , sondern auch in vielen anderen Haupt = städten
und Orten die Collectores und Commissarien aufgestellet seynd .

Weilen nun unter denen verschiedenen Arten deren Loterien , diejenige vie=
len
Beyfall findet , welche in Jtalien unter dem Namen Loto di Genova be=
kannt
, und nicht allein in Unseren und Unsers Herz = geliebtesten Herrn Gemahls
des Römischen Kaisers Majestät und Liebden Erb = landen , sondern auch von
vielen Jahren her , in dem Päpstlichen Gebiet , und fast in allen anderen Län=
dern
und Staaten eingeführet ist , massen dieser Loto di Genova den leichte=
sten
Begrif , und geschwindesten Ausgang hat , auch dergestalten beschaffen ist ,
daß jedermann den Preis des Spiels , auch in der mindesten Gattung des
Gelds von selbsten erwehlen , mithin in vollkommener Freyheit , nach seinem
Vermögen , Stand , und Neigung , etwas aussetzen , und dem Glück unter=
werffen
kan .

Dahero haben wir nach reiffer Uberlegung , und eingeholten Raht , auch über ei=
nen
umständlich abgestatteten Vortrag , den gnädigsten Entschluß gefast , daß
vorzüglich dieser Loto di Genova , auf eben die jenige Art und Weis , wie sol=
cher
in obbemeldten Jtaliänischen Staaten reguliret ist , auch in Unseren Kai=
serl
. Königl . Teutschen Erb = landen eingeführet , und gehalten werden möge .

Damit also dieser Loto Ordnung = und Regul = mässig zu Stand komme , ha=
ben
Wir eben dem jenigen , welcher vor Jahren solchen Loto in dem Groß =
Herzogtum Toscana , mit allseitiger Zufriedenheit aufgerichtet , und durch ge=
raume
Zeit bestritten hat , nemlichen Unserem Getreuen Lieben Octavio Edlen
von Cataldi auf sein allerunterthänigstes Anerbieten , ein förmliches Privilegium
unter Unserer höchsten Signatur , noch sub Dato 18 . Augusti instehenden Jahrs ,
mit nachfolgenden von Uns gnädigst gemachten Anordnungen , und eingestande=
nen
Bedingnussen ausfertigen lassen , welche hiemit zu allseitiger Wissenschaft ,
und respectivè Beobachtung , durch gegenwärtiges gedruktes Patent kund ge=
macht
werden .


[10]

Erstens haben Wir obgedachten Octavio Edlen von Cataldi , ein Privile=
gium
privativum auf zehen Jahr anfangend vom ersten April des eintretten=
den
1752ten Jahrs , bis letzten Mertzen 1762 . in Gnaden ertheilet , inner wel=
cher
Zeit selber den sogenannten Loto di Genova , auf Art und Weis , wie sol=
cher
zu Rom , Florenz , Mayland , Mantua ꝛc . reguliret ist , auch in allen Un=
seren
Böhmisch = und Oesterreichischen Erb = landen , auf eigene Gefahr und Un=
kösten
, mithin auf Gewinn , und Verlust , aufrichten und halten möge , mit
der gnädigsten Zusage , und Versicherung , daß während diesen 10 Jahren , in
gedacht = Unseren Teutschen Erblanden keine andere Lotterie , oder Glüks = ha=
fen
, unter was Vorwand es immer seyn möge , eingeführet , oder gehalten ,
mithin auch jene in Unserem Marggraftum Mähren aufgehoben werden solle ;
mit dem alleinigen Ausnahm , daß die Silber = Glücks = hafen welche mit Unserer
unmittelbaren allerhöchsten Bewilligung in denen grösseren Städten gedachter
Länder gehalten werden , noch ferners continuiret werden mögen .

Andertens solle auch keinem von Unseren Kaiserl . Königl . Unterthanen , und
Jnwohneren bemeldter Länder für das künftige mehr erlaubet seyn , auf aus=
wärtigen
Loterien zu spielen , oder sich dahin directè , oder indirectè zu interessi=
ren
, noch weniger aber gestattet werden , daß jemand für auswärtige Loterien
in diesen Ländern einiges Geld colligire , oder eine Correspondenz dahin führe ,
weder darum einige Plan , oder Looß habe . Sofern jemand wider diesen , und
den vorigen Articul zu handeln betretten , oder in Erfahrenheit gebracht wur=
de
, solle ein solcher in eine empfindliche Geld = straf , nach Maaß seines Standes ,
auch des hoch = oder niederen Spiels nach richterlicher Erkanntnuß condemni=
ret
werden , von welcher Geld = straf ein Drittel dem Denuntianten , ein Drit=
tel
Unserem Ærario , und ein Drittel der Loterie = Cammer zufallen wird .

Drittens solle es in freyer Willkuhr des obgedachten Impresario stehen , die=
se
Loterie nicht allein hier in Wien , sondern auch zugleich in all = anderen Or=
ten
, und Städten Unserer Teutschen Erb = landen aufzurichten , auch durch die=
se
10 . Jahr , sowol für seine , als auswärtige fremde Ziehungen , die Einlage
einzunehmen , und jährlichen so viele Ziehungen , als er kan , und will , zu ver=
anstalten
. Zu welchem Ende der Loterie = Cammer erlaubet seyn wird , an al=
len
Orten Officianten , Collectores , und Correspondenten , so ihme Impresa=
rio
nach selbst eigenem Belieben anzunehmen , und zu erwehlen frey stehet ,
aufzustellen , und zu halten ; wie auch diese privilegirte Lotterie jemand ande=
ren
ganz = oder Stuk = weis zu cediren , und zu überlassen .

Viertens haben Wir verwilliget , daß der Impresario , wie auch alle seine
subalterne Officianten jener Vorzüge , und Freyheiten sich zu erfreuen haben
sollen , welche andere Pachtere Unserer Kaiserl . Königl . Gefählen , und ihre
Beamte geniessen .

Fünftens solle in diesem privilegirten Werk , und was dahin einschlaget ,
kein anderes Gericht , als der jedes Orts aufgestellte Consessus in Causis Prin=
cipis
, & Commissorum einige Ingerenz , oder Judicatur haben , welcher Con=
sessus
verbunden ist , alle vorfallende Anstände , und Strittigkeiten , welche

[11]

zwischen dem Impresario , dann A⟨f⟩ter = pachteren , oder Officianten , wie auch
zwischen denen sich in die Loterie einlassenden Partheyen in specie wider die
Uebertrettere des erst = und anderten Articuls ergeben können , summarissime zu
entscheiden , besonders aber wider diejenige criminaliter zu verfahren , welche
die Loose abzuänderen , oder zu verfälschen , und hierdurch einen unrechtmässi=
gen
Gewinn zu machen , oder zu suchen , sich vermessen wurden , massen solche ,
und alle ihre Mit = helfere nicht anderst , als Diebe , und Falfarii angesehen ,
auch nach Maaß des Betruges , und deren obwaltenden Umständen am Leib
bestraffet werden sollen .

Sechstens : Damit die Loterie = Cammer für die auszustellen kommende
Looß = Zettuls = und Ziehungs = Listen , oder andere sowol vor = als nach der Zie=
hung
vorkommende nöhtige Publicationes , um so mehrers sicher gestellet werde ,
haben Wir deroselben die Befugnuß eingeraumet , in Loterie = Sachen eine ei=
gene
Druckerey zu Wien , oder in anderen Orten , wo selbe ihre Ziehungen an=
zustellen
gedenket , zu halten , jedoch , daß in solcher Druckerey bey Straf sechs
Thaler von jedem Bogen , nichts anderes , als was die Loterie betrift , ge=
drucket
werden solle .

Siebendens haben Wir dem Impresario versprochen , diese aufrichtende Lo=
terie
in Unseren höchsten Schutz , und Protection zu nehmen , und wider alle
beeinträchtig = oder unbillige Zumuthungen , wie andere Unsere Kaiserl . Königl .
Cameral = Gefähle durch Unsere Landesfürstl . Hof = Cammer = Procuratores , und
Fiscalen hand zu haben , und verthätigen zu lassen . Gleichwie dann auch denen
Loterie = Haupt = Büchern ( wann solche in behöriger guter Ordnung geführet
werden ) jener rechtliche Glauben beygeleget werden solle , welcher anderen
Haupt = und Hand = Büchern Unserer Landesfürstl . Aemtern gebühret ; zu wel=
chem
Ende Wir Uns vorbehalten , solche Bücher auf jedesmaliges Gut = befin=
den
durchsehen , und untersuchen zu lassen .

Achtens muß diese Loterie auf die nemliche Weis eingerichtet , und gehal=
ten
werden , wie solche zu Rom , Florenz , Mayland , und Mantua eingefüh=
ret
, und approbiret ist , und zwar vollständig nach dem zu Ende dieses Patents
beygefügten Entwurf , welcher ohne Unserem höchsten Special = Consens durch
die Loterie = Cammer nicht im mindesten überschritten , noch abgeänderet wer=
den
mag . Damit aber das Publicum um so mehrers in Sicherheit , und aus=
ser
allem Verdacht einer ungleichen Manipulation gesetzet werde , als haben Wir
Uns gnädigst vorbehalten , an jedem Ort , alwo eine Loterie aufgerichtet wer=
den
wird , einen besonderen Officianten unter dem Titul eines Lotterie = Secre=
tarii
zu benennen , welchem nach abgelegter Pflicht bey Unserer jedes Orts
aufgestellten Kayserl . Königl . Repræsentation , und Cammer ein Schlüssel des
mit doppelten Schloß versperrten Loterie = Archivs ( worinnen alle Original =
Ziehungs = Listen deren Collectoren , und alle bey einer jeden Ziehung bezahl=
te
Gewinns = Zettuln aufbehalten werden müssen ) zuzustellen seyn , und auf die
vorgeschriebene Manipulation Obacht zu tragen , ansonsten aber der Loterie =
Cammer in deroselben Angelegenheiten seine Dienste zu leisten obligen wird :

[12]

desgleichen wird auch Unsere Kayserl . Königl . Repræsentation und Cammer
bey jedesmaliger Loterie =Ziehung , vier besondere Commissarien bestellen , da=
mit
selbe auf alles , was vorgehet , die genaue Obsicht tragen sollen , die Lo =
terie = Cammer aber ist schuldig , besagtem Unseren Kayserl . Königl . Loterie =
Secretario , und zwar alhier in Wien jährlich 300 . fl . , in denen anderen Orten
aber jährlich 150 . fl . , dann denen vier Commissariis bey jedesmaliger Ziehung
zusammen zwölf Ducaten in Gold als ein Honorarium abzuführen . Nicht we=
niger
denen nach Gut = befinden der Loterie =Cammer in denen Listen aufge=
zeichneten
ehrbaren armen Mägdlein , unter deren Namen die fünf Loose ge=
zogen
werden , jeder dererselben 30 . fl . zusammen also 150 . fl . abzureichen .

Neuntens wird obgedachter Impresario Octavio Edler von Cataldi zur Si=
cherheit
deren ausfallenden Gwinnen , in die alhiesige Stadt = Banco =Haupt Haupt =
Cassa , drey Monat vor Anfang der Loterie dreymal hundert tausend Gul=
den
erlegen , woran das erste Ratum mit 50000 . Gulden würklichen abgeführt ist .

Welchemnach also der alhiesige Wienerische Stadt = Banco nach Maaß des
eingelegten Cautions = Quanti pr . 300000 . fl . das Versprechen , und die Garan=
tie
auf sich nihmet ( sofern die Loterie =Cammer in der bestimmten Zeit nicht
zuhalten solte ) die ausfallende Gewinn , und zu was der Impresario sonsten
verbunden ist , aus der Stadt = Banco Haupt = Cassa , ohne mindesten Aufent=
halt
baar zu bezahlen , in welchem Fall aber , bis das Cautions = Quantum auf
die 300000 . Gulden wiederum ergänzet seyn wird , die Loterie , und alle wei=
tere
Ziehungen sogleich eingestellet werden sollen .

Wir gebieten demnach allen , und jeden , besonders aber Unseren Kayserl .
Königl . in denen Ländern aufgestellten Repræsentationen und Cammern , daß
selbe mehr = benannten Unseren Impresario der privilegirten Loterie bey denen
ihme gnädigst = verliehenen Freyheits = Articuln , kräftigst handhaben , und schü=
tzen
, anbey aber auch nicht zulassen sollen , daß von ihme , oder seinen Offi=
cianten
darwider gehandlet , oder was anderes , als ihme ausdrücklich einge=
standen
worden , unternommen werde . Dann hieran wird vollzogen Unser gnä=
digster
Will und Meinung . Gegeben in Unserer Kayserl . Königl . Haupt = und
Residenz = Stadt Wien den 13den Monats = Tag Novembris im Siebenzehen=
hundert
Ein = und fünfzigsten , Unserer Reiche im zwölften Jahre .

MARIA THERESIA .

L . S .

Frid . Wilh . Graf von Haugwitz .

Rudolph Graf Choteck .

Joh . Carl Graf Choteck .

Ad Mandatum Sacræ Cæsareo =
Regiæ Majestatis proprium .

Anton Maria Stupan
von Ehrenstein .

[13]

Entwurf der Plan

Nach welchem die neue Loterie , oder der sogenann=
te
Loto di Genova eingerichtet ist .

ES wird eine Verzeichnuß von 90 . Loosen à Num . 1 . bis Num . 90 . inclu=
sivè
verfertiget , und jedes Looß mit dem Namen eines armen Mägd=
leins
, welches der Impresario zu erwehlen hat , bezeichnet werden .

Durch sothane in Druk heraus = gebende Verzeichnuß , oder Lista wird
der Tag benennet , wann die würkliche Ziehung vor sich gehen wird ; bey wel=
cher
zu Abwendung alles Verdachts , nachfolgende Ordnung , und Formalität
beobachtet werden muß .

Es werden nemlichen an einem bestimmenden Ort , in Gegenwart vier
von Hof aus verordneten Commissarien , und des Kayserl . Königl . geschwor=
nen
Loterie = Secretarii , dann einiger von der Loterie = Cammer darzu bestellten
Personen , die 90 . Loose , oder Billets , nach offentlicher Ablesung , und unter
Jedermanns Einsicht , eines nach dem andern , in das hierzu bereitete Gefäs
geleget , und wohl vermischet , wornach sogleich von einem jungen Knaben ,
hiervon fünf Looß eines nach dem anderen gehoben , da inzwischen nach jedes=
maliger
Ziehung eines Looß das Gefäs der besseren Vermischung halberge=
drähet
werden wird .

Die also heraus gezogene fünf Looß seynd die jenige , welche den Ge=
winn
constituiren , und nach Maaß der Einlage , bezahlet werden , welche gezo=
gene
fünf Numeri sogleich publiciret , auch den Tag darauf durch offentlichen
Druk in allen Orten werden kund gemacht werden , dahingegen verbleiben
die übrige 85 . Numeri zuruk , und ohne Gewinn .

[14]

Denen jenigen fünf armen Mägdlein , deren Namen in denen gezo=
genen
fünf Lossen ausgezeichnet seynd , wird von der Loterie = Cammer einer
jeden zu einer Heurath = Steuer 30 . fl . zusammen also 150 . fl . abgereichet .

Wer in dieser Loterie sein Glük versuchen will , erwehlet sich von ge=
dachten
90 . Numeris einen , oder mehrere , und bestimmet hiervor den Preis ,
und die Art des Spiels , nach seiner Willkuhr , dargegen er die Einlag , und
Bezahlung sogleich zu leisten hat .

Wann hernach an dem bestimmten Tag die fünf Looß gezogen werden ,
so empfangen selbe , welche einen , oder mehrere von denen heraus gekomme=
nen
fünf Numeris erwehlet haben , den Gewinn nach Maaß der Einlage , und
des gemachten Spiels , welches nachfolgende Reguln , und ausgemachte Preis
hat .

Sofern nur ein Numerus erwehlet wird , und dieser befindet sich unter
denen heraus = gezogenen fünf Loosen , so empfanget der Jnhaber des Billets
von diesem Numero gegen Einreichung des Original = Billets zwölf = mal soviel , als
er darauf eingeleget hat , als zum Exempel für einen Groschen 12 . Groschen ,
für einen Gulden 12 . Gulden , für 10 . Gulden hundert zwanzig Gulden , und
sofort .

Wann jemand seinen Numerum dergestalten erwehlet , und gleichsam
mit der Loterie = Cammer in die Wette stellet , daß diese benante Ziffer un=
ter
denen fünf bey der Ziehung heraus kommenden Loosen , das erste , das
anderte , das dritte , das vierte , oder das fünfte seyn werde , und dieses
hernach in der That also einschluge , so zahlet ihme die Loterie darfür 60=
mal
so viel , als er eingeleget hat , zum Exempel für einen Groschen 60 . Gro=
schen
, für 1 . Gulden 60 . Gulden , für 10 . Gulden 600 . Gulden , und sofort .

Dahingegen , wann ein solcher Numerus auf jenes Ort , dahin das Ge=
wette
gestellet worden , nicht ausfallet , so hat der Jnhaber dessen von der
Loterie nichts zu haben , es wäre dann , daß er diesen seinen Numerum zu=
gleich
für ein einfaches Looß gelten liesse , und darfür die Einlag besonders
entrichtete , so hätte ein solcher , wann auch der Numerus nicht auf den ge=
wetteten
Platz ausfallet , gleichwolen den schon erwehnt = einfachen Gewinn
der zwölffachen Einlag zu forderen .

Der sein Looß auf zwey Numeros ( als ein sogenanntes Ambo richten
will , und solche zwey Numeri werden unter denen fünf Loosen gezogen , so
hat derselbe zwey hundert fünf und zwanzigmal so viel , als er auf solch = sein
zwey = faches Looß , oder so = benamstes Ambo eingeleget hat , aus der Lot = terie zu empfangen ; zum Exempel für einen Groschen 225 . Groschen , oder
11 . fl . 15 . kr . , für einen Gulden 225 . Gulden , für 10 . Gulden 2250 . Gulden ,
und sofort .

Jm Fall aber unter denen gezogenen fünf Numeris nur eines , und nicht
das andere von einem solchen Ambo heraus kommete , so hat der Jnhaber des=
sen
nichts zu forderen , es wäre dann , daß er seine zwey Numeros nicht allein
für einen Ambo , sondern auch ein jedes für ein einfaches , in das besondere

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gelöset hätte , in welchem letzten Fall ihme der einfache Gewinn auf ein = oder
auf das andere , da aber beyde heraus kommen , nebst dem Preis des Ambo
auch der Gewinn vor jedes einfaches Looß besonders vergütet werden muß .

Sofern jemand ein Looß auf drey Numeros einrichtet , so ein Terno
heisset , und fallen alle drey solche Numeri unter die mehrgedachte fünf Treffer ,
so empfanget der Jnnhaber eines solchen Terno drey tausendmahl so viel , als
er darfür eingeleget hat , zum Exempel für einen Groschen 3000 . Groschen ,
das ist 150 . Gulden , für einen Gulden 3000 . Gulden , für 10 . Gulden 30000 .
Gulden .

Und kan annebst der Jnhaber eines solchen dreyfachen Looses , oder
sogenannten Terno dasselbige auch zugleich auf drey Ambi einrichten , in wel=
chem
Fall da alle seine drey Numeri unter denen fünf Treffern heraus kämen ,
er nicht allein den Preis des Terno , sondern auch die Preise deren dreyen
Ambi ( alles nach Maaß seiner Einlage gerechnet ) zu gewinnen hat , gestal=
ten
ein Terno 3 . Ambi in sich enthaltet , als nemlichen die Zahlen 1 . und 2 .
machen einen Ambo , 2 . und 3 . machen ebenfalls einen Ambo , und 1 . und 3 .
machen auch einen Ambo ; Es muß aber in solchen Fall das Looß sowol
für einen Terno , als auch für ein jedwederes deren besagten dreyen Ambi bey
der Einlage besonders gelöset werden :

Als zum Exempel , welcher für einen Gulden spielet , hat für den Ter = no 1 . Gulden , und für jedes Ambo auch 1 . Gulden zusammen also 4 . Gulden zu
bezahlen : da nun die erwehlte drey Numeri unter denen fünf gezogenen Loosen ,
oder Treffern befindlich seyn , so bekommet der Jnhaber eines solchen vierfach
bezahlten Loos , erstlich wegen des Terno 3000 . Gulden , dann wegen eines
jedwedern darunter sich befindlichen Ambo 225 . fl . ( welches dreyfach gerechnet ,
betraget 675 . Gulden ) mithin in Summa 3675 . Gulden , wann aber nur zwey
von seinen Numeris heraus kommen , so hat er nichts anderes , als ein Ambo
pr . 225 . fl . zu empfangen .

Auf eine gleiche Weis kan man sein Looß auf vier , oder auch auf
alle fünf heraus = ziehende Numeros einrichten , und da einer das Glük hätte ,
das sothane fünf Numeri bey der Ziehung ins gesammt heraus kommeten , so
empfangete er ( weilen diese fünf Treffer zehen Terni , und zehen Ambi in sich
begreiffen ) falls er alle diese in das besondere bey der Einlag zum Exempel
jedes mit einem Gulden zusammen mit zwanzig Gulden gelöset hätte , nicht
allein wegen deren zehen Terni 30000 . fl . , sondern auch wegen deren zehen
Ambi 2250 . Gulden mithin solchergestalten in Summa 32250 . Gulden .

Die Einlage zu dieser Loterie beschiehet obbemeldter = massen an denen
hierzu bestimmenden Orten , und bey denen diesfalls von der Loterie = Cam=
mer
bevollmächtigt = aufgestellten Collectanten , oder Einnehmern , denen die
erwehlende Numeri , und die Art des Spiels anzudeuten , auch zugleich das
Geld , um wieviel auf jedes Loos obbeschriebener = massen gesetzet werden will ,
baar zu erlegen ist , dargegen wird der Einnehmer einen Interims = Schein ex = tradiren , auf welchen unter der Marginal = Zahl , die erwehlte Numeri , und
der bezahlte Preis , wie auch , was im Fall des Gewinns zu empfangen =

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re , angemerket seyn wird . Es wird aber dieser Interims = Schein einige Täge
darnach mit einem von der Loterie = Cammer , und von dem Impresario selbst
gefertigten Original = Billet eingetauschet werden .

Die Zahlung des Gewinns muß jedesmal 24 . Stund nach der Ziehung
gegen Einreichung deren Original = Loosen an die Uberbringere derenselben be=
schehen
, wiewohlen auch jene , die sich etwann später , jedoch längstens inner
6 . Monat darumen anmelden , sich gleich = mässiger Richtigkeit zu versicheren
haben , und wird von allen diesfälligen Gewinnen nicht das mindeste abgezo=
gen
.

Jm jenen Fall aber , da die Original = Loose nicht vorgebracht werden
könnten , ist die Loterie = Cammer nicht verbunden , einige Zahlung zu leisten ,
noch auch , nachdeme die obbemeldte sechs Monat von dem Tag der Zie=
hung
anzurechnen , verflossen seyn werden , wann auch das gewinnende Ori = ginal = Billet beygebracht wurde , massen aus wohl = überlegt = erheblichen Ursa=
chen
alle Looß = Zettul nach Verfliessung deren 6 . Monat , ohne mindesten Aus=
nahm
, oder Vorbehalt , für ungültig und kraftlos erkläret werden , es =
gen
nun die Jnhabere derenselben Jnn = oder Ausländer seyn .

Schließlichen , und im Fall bey denen Original = Loosen entweders in de=
nen
Numeris , oder sonsten wider Vermuthen einiger Verstoß sich äusserte ,
hat man sich dessentwegen an die Original = Vormerkungen deren Collectoren ,
( welche in dem Archiv werden verwahret werden ) zu halten , sowohl in Anse=
hung
der Loterie = Cammer , als auch des Loos = Jnhabers , der solches in
Originali vorzuweisen hat .

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