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Wienerisches DIARIUM.

Nr. 80, 4. Oktober 1760

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[1]

Madrid 1. Sept.

DIe Königin kan wegen einer kleinen
zugestossenen Unpäßlichkeit schon seit
etwelchen Tägen nicht aus ihrem
Apartement sich begeben; der Jnfant Don
Gabriel hingegen ist schon wiederum von
seiner Krankheit hergestellet; was Se. Ma=
jestät
den König anbelanget, so geniesset
derselbe, ungeachtet des grossen Eifers, mit
welchem er unermüdet seine wichtige Unter=
nehmungen
fortzusetzen geruhet, eines voll=
kommenen
Wolseyns. Die Absichten
des Königs sind so geheim, daß auch die
Scharfsichtigsten nicht entdecken können,
wohin die sowol zu Land als zu Wasser ge=
machte
grosse Vorkehrungen eigentlich ab=
zielen
, ja um die ereiferte Nachforscher
noch mehr in ihrer Einbildung zu verwir-
ren
, so höret man, daß der König derje=
nigen
Flotte, so man bald nacher Europa,
bald aber wider die Algierer bestimmet zu

seyn glaubte, den Befehl zugeschicket habe,
auf das eheste in unsere See=häfen zurü=
cke
zu kehren. Man sagt, daß unter de=
nen
hohen Ministern ehestens eine grosse
Veränderung vorgehen sollte. Der Herzog
von Albe, so vorhero, da er seine Ge=
sandschaft
bey der Krone Frankreichs mit
so vieler Geschicklichkeit vollendet, unter
dem Name eines Herzogs von Huescar sehr
berühmt gewesen, und bishero an denen
Haupt=anligenheiten unseres Reichs den
meisten Antheil jederzeit gehabt, hat wegen
seinem hohen Alter und beständig zustossen=
den
Unpäßlichkeiten bey seiner Majest. um
seine Entlassung allerunterthänigst angehal=
ten
, und der allgemeine Ruf gibt ihme den
Marquis von Villodarias zum Nachfolger.

Unter=Rheinstrom 12. Sept

Das Memorial, welches der General
Jorck unterm 14. abgewichenen Monats,

[2]

betreffend die Vorfallenheit zu Bengale,
eingegeben, ist bey denen Herren General=
staaten
in Betrachtung genommen, und zu
Erstattung des Berichts einer Commißion
aufgetragen worden, jedoch wird darüber
kein Schluß gefasset werden, biß man von
der Sache genauere Berichte wird einge=
zogen
haben. Die Herren Straten von
Gröningen wünscheten sehnlich ihre Strei=
tigkeiten
mit der Provinz Holland gütlich
beyzulegen, und da diese dazu ebenfalls
nicht abgeneigt, so ist mit fernerem ernst=
lichen
Entschluß inngehalten worden.

Londen 12. Sept.

Am 5. dies seynd 3400. Mann von Ports=
mouth
nach America abgesegelt, entweder
als Verstärkungstrupen nach Quebec, und
Neu=york oder, wie ander meinen einem
Versuche auf Martinique mit beyzuwohnen.
Zu gleicher Zeit gieng auch die Convoy nach
Lissabon und O=porto ab. Da sich seitdem
der Wind geändert hat, so möchten sie wol
vor der Hand Schwierigkeiten finden, durch
den Canal zu kommen. Des Herzogs von
Cumberland Königl. Hoheit sind völlig ge=
nesen
, und schon wieder bey Hofe erschie=
nen
. Die Rebellion in Jamaica ist noch
nicht gänzlich gestillt. Es halten sich noch
ungefähr 600. Aufrührer in den dortigen
Wäldern auf, aus welchen sie bisweilen
grausame Ausfälle thun. Sie werden
aber auch grausam gestraft wenn sie er=
tapt
werden. Denn man läst sie 6. bis
8. Tage lebendig am Galgen hängen, bis
sie vor Hunger, Durst, und Hitze sterben.
Auf dem grossen Land=gute des Capitains
Forest ist kein einziger Neger mehr. Sie
haben sich alle zu den Rebellen geschlagen.

Carolat 25. Sept.

Der nunmehro über die Kaiserl. Rußi=
sche
Armee en Chef commandirende Graf
Fermer hat seine weise Kriegs=anstalten, wie
folget gemachet.

Morgen wird der General Tottleben mit
denen leichten Trupen, 2000. Grenadiers,
und 2. Regimenter Dragoner über Socau
Pförde, Guben undPeskofnach Berlin
dergestalten den Marsch antretten, daß er
daselbsten den 1. Octob. eintreffen könne.
Herr General Graf Czernichef wird gleich=
falls
den 26. Sept. mit seinem Corps auf=
brechen
, und soll eben den 1. Octob. zu
Fürstenwald ankommen, zu gleicher Zeit
wird die ganze Rußische Armee dies= und
jenseits der Oder nach Crossen vorrucken.

Relation von dem Vorfall den 13.
Sept. zwischen dem Corps des
Königl. Französischen Herrn Ge=
neral
=leutenants, Grafen v. Stain=
ville
, und der Herren von Fer=
sen
und Bülow ihrem.

Auf eingegangene Berichte, wie den 11.
dieses ein beträchtlich feindliches Corps des
Herrn Erb=prinzens von Braunschweig, sich
gegen Marburg gezogen habe; erhoben sich
der Herr Marschall, Herzog von Broglie;
selbst nach Merdenhagen, allwo das Lager
der Stainvillischen Reserve war. Dieser
General wurde ungesäumt beordret, nach
der Gegend von Marburg aufzubrechen,
welches er den 12. in der Morgen=röhte
vollzogen, und noch den nämlichen Tag
Nachts bey Merdenhagen anlangte. Kaum
war das Lager allda geschlagen, so hörte
man einige Flinten=schüsse vor dem linken
Flügel des Regiments von Auvergne. Der
Herr General von Stainville verfügte sich
sogleich dorthin; es waren ungefehr 300.
Mann von den feindlichen Trupen, welche
von Marburg zurück nach Frankenberg
giengen, und in einem Wald von den =
gern
von der Division angegriffen wurden.
Sie büsten durch einige Stück=schüsse 1.
Officier, und etliche Soldaten ein; die =
nigliche
Legion aber machte auf dem linken

[3]

Flügel des Waldes 30. Gefangene. Den
13. brach mit dem frühesten Morgen die
Division gegen Frankenberg auf. Hier er=
fuhr
man durch verschiedene Wege, vor=
nämlich
aber von den Kriegs=gefangenen,
welche Tags vorhero in unsere Hände ge=
rahten
, wohin die Alliirten ihren Marsch
gerichtet hätten. Auf den Höhen des Dor=
fes
Radern bemerkte man: daß die Feinde
ungefähr eine Meile vorwärts des Dor=
fes
in Schlacht=ordnung stünden. Ein
kleiner Bach, und ein lichter Wald trennten
die Alliirten und Franzosen. Der Herr
Graf von Stainville ließ sein Corps Halt
machen, um dem Feind seine Stärke zu
verbergen; zugleich aber verfügte er den
Angriff. Der zwischen seiner Division und
den Feinden gelegene Wald wurde durch das
Fuß=volk der Legion, die Grenadiers und
Jägers besetzet. Die Feinde machten bald
auf den linken Flügel beständige Wendun=
gen
. Es schiene daß sie die Sache durch
ihren rechten Flügel entscheiden wolten, die=
serwegen
verstärkte der Herr General sei=
den
linken Flügel mit den zwey Bataillons
Bouillon, welche in dem Wald dem Schloß
Lichtenfels gegen über ihre Stellung neh=
men
musten. Um 10. Uhr war der Marsch
derer Feinde auf ihrem linken Flügel be=
schlossen
. Diesseits wurde die nöhtige Vor=
kehrung
zu dem Angriff gemacht. Das
Regiment Bouillon muste wieder zu seiner
Brigade zurückkehren. Die Grenadiers
und die Jäger der Division, wurden von
ihrem Platz aus dem Wald auf den rechten
Flügel geführet. Die Brigade von Au=
vergne
schwenkte sich auch auf dem rechten
Flügel um einen Wald, so zwischen den
Franzosen und Alliirten war. Während
deme marschirte die sämmtliche Reuterey
von der Legion, und die Brigade von de=
nen
Dragonern des Königs, welche wegen
de⟨n⟩en vielen Morästen einen beschwerlichen

Umweg machen musten, auf den rechten
Flügel der Jnfanterie.

Diese Reiterey stund an dem Fuß einer
Anhöhe, so der Feind um die nämliche Zeit
einnahm, als die Brigade von Auvergne,
die Grenadiers und Jäger der Division,
sich unten an dem Ufer eines breiten und
tieffen Flusses befanden. Uber diesen Fluß
setzte das sämtliche Fuß=volk in Schlacht=
ordnung
mit dem besten Willen. Die Dra=
goner
von diesen verschiedenen Corps bestie=
gen
alsdann die Anhöhen. Sie griffen dort
die feindliche Reiterey mit dem Säbel in
der Faust an. Alles wurde von dem Hrn.
Grafen von Seäy, Brigadier und Befehls=
haber
der Königl. Brigade, nebst seinen
Officiers, mit dem ihm beywohnenden be=
sonderen
Mut und Kriegs=erfahrung auf
das glücklichste vollbracht; auch der Herr
Graf von Melfort trug nicht wenig zu den
Vortheilen bey, welchen die Königl. Le=
gion
selbigen Tags erfochten, massen er
die verschiedene Angriffe der Jnfanterie so=
wol
, als Cavallerie auf eine geschickte
Weise zu dirigiren wußte. Ungeachtet das
von den Feinden besetzte Gebürge sehr steil
war, so erstiegen solches doch die Brigade
von Auvergne mit ihren Stücken, das Fuß=
volk
der Königl. Legion, die Grenadiers
und Jägers der Division fast um die näm=
liche
Zeit, als die Dragoner auf dem linken
Flügel die feindliche Cavallerie angriffen, und
verjagten. Der Herr Obriste von Fersen,
welcher mit dem Herrn von Bülow das
feindliche Corps anführte, wurde daselbst
getödtet, auch fielen einige Officiers in die
Kriegs=gefangenschaft. Der Herr von
Montroud, Hussaren=hauptmann der Le=
gion
, empfieng durch einen Säbel=hieb quer
durch den Leib eine tödtliche Blessur. Der
Herr Ritter du Chaislas, Aide=major des
Regiments des Königs wurde ebenfalls,

[4]

aber ohne Gefahr an verschiedenen Orten
bleßiret. Man zehlete noch mehrere leicht
verwundete Officiers der Brigade du Roi.

(Die Fortsetzung folgt.)


Wien den 4. October 1760.

Mittwochs und Donnerstags, als den
1. und 2. October seynd für nach=
folgende
Hoch=adeliche Stern=kreutz=ordens
damen, als für (Titl) Frau Maria Ca=
tharina
Freyin von Haagen, gebornen Frey=
in
von Schoffmann, so in der Wienneri=
schen
Neustadt gestorben; dann für (Titl.)
Maria Francisca Gräfin von Neipperg ge=
bornen
Gräfin von Khevenhüller, welche
alhier in GOtt seelig verschieden, in der
grossen Hof=kapellen die Exequien gehalten
worden.

Eben besagten Donnerstags Vormittags
um 9. Uhr haben Se. Excell. der Päpstl.
Nuntius Monsig. Carolo Boromäo bey bey=
den
Kaiserl. Majestäten seine offentliche Au=
dienz
gehabt; dann Mittags seynd beyde
Kaiserl. Majestäten mit Sr. Königl. Ho=
heit
dem Durchl. Erz=herzogen Joseph, und
denen Durchl. Erz=herzoginnen Maria An=
na
, und Christina hinaus in das Bell=ve=
dere
abgegangen, und haben mit Jhrer =
nigl
. Hoheit der Durchl. Braut alda Mit=
tags
gespeiset, für die Dames und Caval=
liers
ist eine extra Tafel von etlich 40.
Couverts, dann Abends ein virtuoses Con=
cert
daselbst gehalten worden.

Dito nach 12. Uhr ist (Titl.) der Herr
Graf Marliani, Obrist=leutenant, und Ge=
neral
=adjutant Sr. Durchl. Prinzens von
Zweybrücken ꝛc. unter Vorreitung 10. bla=
sender
Postillionen, und 2. Post=meistern
mit der erfreulichen Nachricht von der Uber=
gab
der Festung Torgau alhier angelangt;
deme 1. Calesch mit 16. eroberten Preußi=
schen
Fahnen folgte.

Eodem kame die neu errichtete Königl.

Hungarische Adeliche Leib=garde Vormit=
tags
vor 12. Uhr alhier an, und bezoge
ihren Garde=hof in dem vorig=Fürstlich=
Trautsohnischen
Garten=haus.

Freytags den 3. Octob. Vormittags nach
9. Uhr haben besagt=Se. Excell. der Mon=
sig
. Nuntius bey Jhrer Majest. der Kaiserin,
als Königin von Hungarn und Böheim,
wie auch bey Jhren Königl. Hoheiten de=
nen
sammentlichen Durchl. jungen Herr=
schaften
seine gleichförmig=offentliche Au=
dienz
gehabt, dann nach 12. Uhr haben
beyde Kaiserl. Majestäten mit Jhren Königl.
Hoheiten einigen Durchl. jungen Herrschaf=
ten
, die von Preßburg hieher gekommen=
Hungarische
Noble=garde bey denen Kais=
Ställen
paradirter in allerhöchsten Augen=
schein
genommen, hierauf mit Jhrer =
nigl
. Hoheit der Durchl. Braut in dem
Bell=vedere Mittags wieder gespeiset, und
Abends ware alda mehrmalen ein virtuo=
ses
Concert.

Gleichfalls anheute Vormittags introdu=
cirten
Se. Excell. der erste Kaiserl. Herr
Obrist=hofmeister, Graf von Ulfeld die bee=
de
Kaiserl. Königl. würkl. Cammer=herren
Grafen von Taffe, und Grafen Sigmund
von Khevenhüller, dann die Herren von
Braun, und Gärtner mit denen gewöhnli=
chen
Ceremonien in das Kaiserl. Reichs=
hof
=rahts=collegium.

Heute aber, als den 4. Octob. und aller=
glorreichesten
Namens=tag Sr. Kaiserl.
Majest. zoge mehrmalen die Noble=garde
bereits fruh um 8. Uhr nach den Burg=
platz
auf, und wurde zum allergnädigsten
Hand=kuß gelassen.

Es geschahe auch der Aufzug der K. K.
Arcieren=Leib=garde, und jener derer
Schweitzer; nicht minder des K. K. Herrn
Obrist=stallmeisters, Herrn Obrist=jäger=
meisters
, und Herrn Obristen Falkenmei=

[5]

sters, und wurde zur offenlichen Tafel auf
dem Burg=platz mit Trompetten= und Pau=
cken
=schall das Zeichen gegeben.

Die anwesende Herren Botschaftere, aus=
wärtig
= und einheimische Herren Ministri,
und der hohe Adel erschiene in grosser Haupt=
gala
, legten ihren Glück=wunsch ab, und die
Letzteren wurden zum gnädigsten Hand=kuß
zugelassen.

Ubrigens haben Se. Majestät der Kai=
ser
den Herrn Feld=marschallen Frey=herrn
von Marschall in den Reichs=Grafen=Stand
allergnädigst zu erheben geruhet.

Von der K. K. Armee hat man zu ver=
nehmen
daß Se. Excell. der commandirende
Feld=marschall Graf von Daun den Gene=
ral
Lasey mit einem nahmhaften Corps den
28. Sept. aufbrechen lassen, welcher schon
den 30. ejusdem zu Bunzlau eintreffen sol=
len
, um sodann nach Beschaffenheit der
Umständen den Marsch einzurichten; ausser
deme hat sich bey der K. K. Armee nichts
Veränderliches ergeben, und stehet solche
noch in ihrer alten Position.

NB. Zukünftigen Montag als den 6. die=
ses
wird bey dem Verleger des Wiennerischen
Diarii die Lista von dem prächtig haltenden
Einzug zu haben seyn. à 3. kr.


Lista deren Verstorbenen zu Wien
in= und vor der Stadt.

Den 30. Sept.

Jn der Stadt.

  • Dem (Tit.) Hrn. Joh. Jos. de Lara, K. K. Jtal.
    Expedit.-secret., s. Frle T. Paulina, im Amo=
    nis
    . H. am rot. Thurn, alt 25. J.
  • Dem Hrn. Joh. Widmayr, Militar-pensions-can=
    cellist
    ., s. K. Mich., im Satleris. H. auf der ho=
    hen
    Bruck, alt 6. J.
  • Dem Jos. Schütz, Burgerl. Schneid., s. K. Fr⟨a⟩nz,
    beyn 3. Lil. am alt. Kien-m., alt 5. J.

Vor der Stadt.

  • Jos. Grimbach, Sticker, beym gold. Pflug bey Ma⟨=⟩
    ria
    =hülf, alt 90. J.
  • Dem Andre Hauser. Riem., s. W. Ap⟨o⟩l. im Tem=
    pel
    auf der Wied., alt 65. J.
  • Jacob Diersche, Bader=ges., bey der gr. Saul. i⟨n⟩
    der Rossau, alt 19. J.
  • Barb. Weberin, Wittwe, beyn 3. Hack. zu Mätz=
    leinstorf
    , alt 58. J.
  • Joh. Morawetz, Schneid., im Neiglis. H. in der
    Leopoldst., alt 55. J.
  • Georg Otzwirt, Tischler-ges., beyn 5. Sa⟨u⟩l. am
    Thury, alt 22. J.

Summa 9. Pers., darunter 2. Kind.

Den 1. Octob.

Jn der Stadt.

  • Dem Phil. Rößler, Lack., s. W. Elisab., im Fe-
    derl
    -hof, alt 48. J.

Vor der Stadt.

  • Jos. Gottl. T⟨u⟩bereuter, K. K. Trab., s. T. Rosal.,
    in s. H. am Thury, alt 26. J.
  • Dem Franz Tanzer, Toback=kram., s. K. Ros⟨in⟩a,
    im Sommerfeldis. H. in der Leopoldst., 3. J.
  • Eva Cllingerin, Wittwe, beym weis. Fasan am
    Neustift, alt 50. J.
  • Dem Mart. Melhart, Tag-löhn., s. W. Theres., bey
    dem gold. Löw. im Lerchenf., alt 56. J.

Summa 5. Pers., darunter 1. Kind.

Den 2. Octob.

Jn der Stadt.

  • Dem Mart. Nigl Maurern, s. K. Johanna, im En-
    gelshofis
    . H. in der Wolzeil, alt 6. J.

Vor der Stadt.

  • Theres. Clementin, Burgerl. Wittwe, bey der bl.
    Kug. in der Josephst., alt 50. J.
  • Veit. Zöhrer, Burgerl. Bind., im ⟨P⟩auselmayris. H.
    in der Leopoldst., alt 80. J.
  • Dem Joh. Fuchshofer, Burgerl. Schuh=mach., s.
    W. Eva, im Pfaidleris. H. in der Leopolst. 62. J.
  • Dem Jos. Cardinal, Lack., s. W. Anna, beym gold.
    Straus. im Lerchenf., alt 60. J.
  • Regina Huberin, Wittwe, bey St. Pet. und Paul
    in der Leopoldst., alt 67 J.
  • Franz Wagner, Tag=löhn, beym rot. Kreutz auf
    der Wied, alt 26. J.

Summa 7. Pers, darunter 0. Kind.


Von der durch die Hoch=löbl. N. Oe. drey ⟨o⟩be=
re
Herren Stände über die käuflich übernommene
Vicedomische Stück, und Gülten aufgestellten Ver=
waltung
wegen, wird hiemit jedermänniglich kund
und zu wissen gemacht, welcher gestalten zufolge
ergangenen Schlusses sowol Grund=büchliche als
anders vorhin Vicedomische nunmehro aber Stän=
dische
Geföhl, wie auch die in allen vier Vierteln
des Landes zerstreute Urbar=steuer und Robaten
nunmehro gänzlichen verkäuflich hindann gelassen,
und darmit durch folgende Licitations=tag-sa-
tzungen
als den 20. Octob. 24. Novemb. und 15.

[6]

Decemb. innlebenden Jahrs continuiret werden
wird. Dahero all=diejenige, welche von ob=berührt=
vorhin
Vicedomischen, jetzo aber Ständischen Stü=
cken
etwas zu erkauffen gedencken, zuvor die An=
schläge
allhier zu erheben, und damit am ob be=
meldeten
Tag Vormittag um 10. Uhr bey einer
Hoch-löbl. N. Oe. Ständischen Haupt=deputation
⟨i⟩m Land⟨=⟩haus entweder in Person oder durch Be-
vollmächtige
ad traantum & concludendum
zu erscheinen haben werden.


Den 9. Octob. und folgende Täge werden auf
Verordnung einer Hoch=löbl. N. Oe. Regierung
im grünen Gattern auf dem Kohl=markt im 2ten
Stock verschiedene in Gold, und Silber, Kleider,
Lein-wäsch, Zinn, und Meßing, bestehende Ver=
lassenschafts
effecten Vormittags von 9. bis 12. und
Nachmittags von 3. bis 9. Uhr licitando dem
Meistbietenden hindann gegeben werden.


Es wird hiemit dem Publico zu wissen gemacht,
wie daß den 22. künftigen Monats Novemb.
fruh um 9. Uhr auf dem alhiesigem Raht=haus
das in der Rossau in der Serviten-gassen ligend,
dem Löbl. gemeiner Stadt Wien Grund=buch
dienstbar, sogenannt Anzenbergerische Bäcken=
haus
nochmalen dem Meistbietenden licitando
verkauffet wird; wer nun also so⟨t⟩hanes Back=
haus
käuflichen an sich zu bringen gedenket, hat
sich auf obbemeldten Raht=haus anzumelden.


Dem respective Publico machet Herr Johann
Gottfried Haid, K. K. previlegirter Kupfer=stecher
alhier bekannt, daß er das Partrait Sr. =
nigl
. Hoheit des Herrn Erz-herzogs Josephs ꝛc. ꝛc.
in schwarzer Kunst auf Regal=bogen=grosse verfer-
tiget
habe. Das Exemplar dovon kostet 2. fl.
auch hat derselbe in gleicher Grösse das Portrait
Jhrer Königl. Hoheit der Prinzeßin von Parma
Erz⟨=⟩herzogin von Oesterreich ꝛc. ꝛc. fertig, welches
ebenfals 2. fl. kostet, von diesem Künstlers Hand ist
auch geliefert worden, die Abbildung der höchsten
K. K. Famille, in der Grösse von vier Geometri=
schen
Schuhen in der Höhe und Breite, dieses
Famille=stück wird für 3. Ducaten verkauft. Es
sind auch noch alle von demselben verfertigte Por=
taits
, nämlich von Sr. Excellenz Herrn General=
feld
=marschall Leopold Grafens von Laun ꝛc. Sr.
Excellenz Herrn General Francisei Grafens von
Nadasti ꝛc. und des Herrn Generals Freyherrn von
Loudon, in Regal=bogen=grösse, jedes für 51. kr.
zu haben. Alle obbenannte Stücke sind in nach=
stehenden
Buch= und Kunst=handlungen um bey=
gesezten
Preys zu finden. Als bey Herrn Johann
Thomas Trattner K. K. Hof⟨=⟩buchdrucker in Buch=
händler
, in seinem Gewölbe auf dem Kohl=
markt
in dem Fischerischen Hause. Jtem bey Hr.
Johann Bapist Praßer Buch=kunst=händlern in
seinem Gewölbe zum Schild Johannes in der
Wüsten, in dem neuen Michaeler=hause nächst der

K. K. Burg, und ferner bey Herrn Josep⟨h⟩
Krüchten Buch=händler in dem Seitzer=hof in se⟨y=⟩
nem Gewölbe zum Schild bey der Welt=kugel.


Künftigen Mittwoch als den 8. Octob. und
folgende Täg werden in der Schuller-straß bey
der goldenen Enten im dritten Stock verschiedene
Verlassenschafts=effecten, als: etwas Silber,
Spallier, Kästen, Sessel, Tisch, Spiegel,
Bilder, Zinn, Kupfer, Meßing, dann andere
Mobilien Vormittags von 9. bis 12. Nachmittags
von 3. bis 6. Uhr denen Meistbietenden licitando
verkauffet werden.


Es seynd auf der Wieden in einer bestehenden
Wohnung einige Fenster, allwo man den Einzug
ganz bequemlich sehen kan, zu verlassen; wer sol=
che
bestehen will, hat sich um das Weitere bey
dem Verleger des Wienerischen Diarii anzumelden.


Bey Frau Maria Anna verwittibten Peichber-
nerin
, anjetzo verehlichte Kaiserl. Areierin Klosin,
und Kaiserl. Spanische Waxmacherin, welche
die Gnade schon seyd Verflossenen 33. Jahren die
hohe Hof=canzleyen, und Königl. Tax=ämter zu
bedienen hat, nach folgendes Spanisches Petschier=
War
zu bekommen, als fein rottes à 3. fl. à 2. fl.
45. kr. à 2. fl. 30. und à 2. fl. 15. kr. das schwarze
à 2. fl. 30. das Pfundz sie logiret auf dem Alten=
fleisch
=markt im weissen Wolfen hinten im Hof im
2ten Stock im Kaiserl. Arcier=quartier.


Den 9. dies Monats und nachfolgende Täg wer=
den
in dem Neuberger=hof im ersten Stock im Hof
rechter Hand der Stiegen unterschiedliche Effecten,
als glatte feine tüchene Manns=kleider mit bor=
dirten
Vesten, und auch andere Kleider, Japo=
nisches
Porcellain, Kästen, Tisch, Sessel, Behter,
nebst anderen Haus=geräthschaften Vormittags
von 9. his 12. Nachmittags von 3. bis 6. Uhr
licitanto verkauffet werden.


Auf Verordnung eines Löbl. Land-marschalli=
schen
Gerichts werden den 9. Octob. dies Jahrs
in dem vom Streckerischen haus am ober Jesuiter=
platzel
im ersten Stock verschiedene Egelmayrische
Verlassenschafts=effecten, als: gute Perln Creutz,
und Ohr-wuckeln mit Rauten, einige Ring, Sil=
ber
und andere Preciosa samt Frauen-kleidern,
und Wäsch Vormittags von 9. bis 12. und Nach=
mittags
von 3. bis 6. Uhr licitando plus offerenti
verkauffet werden.


Von des Löbl. Herren=stifts St. Dorotheä
Grund=buchs wegen, wird hiemit all dessenje=
nigen
, welche an des Joseph Conrad Kandtler,
gewest=behausten Nachbarn und Burgerl. Bin=
der
=meistern am Frey-grund Thuri seel. Ver=
lassenschaft
einige Anforderung zu haben vermei=

[7]

nen, zu vernehmen gegeben, was massen be
der den 7. Julii dies Jahrs fürgewes⟨t⟩en Tagsa=
tzung
veranlasset worden, daß wegen Licitirung
dessen Behausung alda das Licitations=edict aus=
gefertiget
werden solle, und hierüber der gericht=
lich
verordnete Herr Curator ad Aum die Aus=
fertigung
besagten Edicts unterm 18. Augusti er=
halten
. Wann nun zur Licitations=tagsatzung
der 22. Novemb. fruh um 9. Uhr in allhiesiger
Conrad Kändtler seel. einige Sprüch oder Anfor=
derungen
zu haben vermeinen, an obgedachten
Grund=stuben zu erscheinen bestimmet worden.
Als werden all diejenige, welche an obgedachte
Kändtlerische in der Haupe=strassen am Frey=
grund
Thuri ligende Behausung zu erkauffen Wil=
lens
seynd, an obgedachten Tag, Stund und
Ort zu erscheinen haben, wo sodann mit denen=
selben
das Weitere tractiret werden solle.


Von der N. Oe. Regierung wegen, wird mit
gegenwärtig-offenem Edict jedermänniglich, so
wol An=als Abwesenden, deme daran gelegen,
kund und zu wissen gemacht: Es habe Regie=
rung
nach erfolgt=tödtlichen Hintritt deren in
dem Spanischen Spitall zur Heil. Dreyfaltig=
keit
allhier verstorbenen Maßbergerischen Con=
leuten
auf Anlangen des gerichtlichen aufgestellten
Curatoris ad actum N. Haggenmüller, J. U. D.
zu Erfindung desselben etwa vorhandenen Æris
alieni, folgends auch zu sicherer Abhandlung solcher
Verlassenschaft für nöthig befunden, die samment=
lichen
sowol in=als ausser Land befindliche Maß=
bergerische
Glaubiger zur Anmeld- und Liquidi=
rung
ihrer an wiederholte Maßbergerische Verlas=
senschaft
zu stellen habender Sprüch, und Forde=
rungen
gerichtlich vorzuladen, und einzuberuffen;
zu welchem Ende denenselben der 29. Tag des
künftigen Monats Octob. 1760. Nachmittags um
4. Uhr zur gewöhnlichen Convocations= und An=
meldungs
=tagsatzung zu all=endlicher Frist anbe=
raumet
worden. Solchemnach werden alle und
jede, welche beygedacht=Maßbergerischen Verlas=
senschaft
um rechtmäßiger Forderung-willen einige
Sprüche haben, oder zu haben vermeinen, an ob=
bestimmten
Tag, und Stund vor Regierung in
der daselbst zu solchem Ende offen haltenden Com=
mißions
=stuben entweder selbst persönlich, oder
durch hierzu genugsam gevollmächtigte Gewalt=
trägere
also gewiß zu erscheinen, und ihre an sol=
che
Verlassenschaft habende Anforderungen anzu-
melden
, auch rechtlich zu liquidiren haben; als im
widrigen die Abha⟨n⟩dlung gleichwolen vorgenommen
und ungehindert deren etwa vorhandenen Glau=
bigern
, so sich mit ihren Anforderungen in be=
stimmter
Zeit nicht angemeldet, solche Verlassen=
schaft
denen Maßbergerischen Testamental=erben
eingeantwortet, auch ansonsten ex officio vorge=
lehret
werden solle, was Rechtens ist. Wornach
sich also ein jeder zu richten wissen wird.

NB. Es wird allen, absonderlich aber denen
Herren Liebhabern der Rechen=kunst zu wissen ge=
macht
, wie daß der das fünftemal aufgelegte, hin
und wieder corrigirte, mit einem sehr nutzlichen
Beytrag ergrösserte Haupt=schlüssel, das ist:
fundamentalischer Begrif der Welschen Practic,
und dazu nohtwendigen Teurschen Rechen=kunst,
worinnen auf die kürzest=verfaste Welsche Manier
die 5. Species in Gemein, Münz, und Brü=
chen
, die vortheilhafte Multiplications, Divi=
sions
, Abbreviations, und Theil eines Guldens=
practic
, die denen Kauf=leuten höchst=dienlich=
leicht
= und geschwindeste (im Druck noch niemal
gesehene) Groschen=practic, der Algorithmus,
die Regula de Tri, Regula Conversa, Regula
Societatis, oder Crida=rechnung in Ganzen,
wie auch Brüchen, die Jnteresse-rechnung mit
kurz= und leichtester Art, nebst vielen specialen
Vortheilen, die Schuß-rechnung, Schätzung
deren Gütern, Grund=stücker, und Häuser,
nebst allerseits beygefügten General= und Special=un=
terrichten
und Proben, sodann ingeniosæ Variatones
vorgestellet werden, durch Norbe⟨rt⟩ Johann Schel=
liesnigg
.

NB. Es ist auch der das viertemal aufgelegte
Tabellen-zeiger=büchel, worinnen verschiedene
Jngenio⟨s⟩a, neu ausgesonnene kurz= und nutzliche
Tabellen zu finden seynd.

Zu bekommen unter dem alten Fleisch=markt
im sauer=kräutlerischen Haus neben denen 12.
Aposteln im zweyten Stock im Hof, alle 2. Stuck
eingebundener pr. 1. fl. 17. kr.


Auf Verordnung des Löbl. Gräfl. Wallseggi=
schen
Vormundschaft Judicii Delegati, wird hie=
mit
von der Herrschafts=canzley zu Schottwien
durch gegenwärtig=offenes Valval=edict kund
und zu wissen gemacht: wie daß nach Absterben
Mariä Annä Heroldin, geborner Lieblerin seel.
Wittib alhier dero ruckgelassene Verlassenschaft=
abhandlungs
=geschäft nunmehro zur völligen End=
schaft
gediehen, jedoch, daß der zu dieser Erb=
schaft
gehörige Johann Christian Liebler, des
Andreas Liebler gewesten Burgerl. Weber-mei-
sters
in Radtkerspurg seel. Sohn als angegebener
nächster Befreundter annoch unwissend und ab=
wesend
ist. Solchemnach wird ermeldtem Jo=
hann
Christian Liebler, oder dessen sich legiti=
miren
könnende Erben, und Nachkommen hie-
mit
ein Termin von heut gesetzten Dato an,
als den 28. Martii 1760. inner Jahr, 6. Wo=
chen
, und 3. Täg inclusis feriis anberaumet,
und zur hiesigen Herrschafts-canzley zu Schott=
wien
vorgeforderet, binnen welcher Zeit sich der=
oder
dieselbe also gewiß zu melden, und zu der
Mariä Annä Heroldin geborner Lieblerin seel.
Verlassenschaft Rechts erforderlich zu legitimiren
haben; als im widrigen nach Verlaufsothaunen

[8]

Termins, wegen der von der Maria Anna Köh=
rerin
, gebornen Lieblerin, und der Anna Ma=
ria
Kleibenzedlin, gebettener Erfolglassung des
wegen Abwesenheit obbesagten Johann Christian
Lieblers, von der ersagt=Maria Anna Heroldin,
gebornen Lieblerischen seel. Verlassenschaft zuruck
behaltenen Drittels mit rechtlicher Erkanntn⟨u⟩ß ex
officio vorgegangen, und hierüber von der er-
wehnten
Maria Anna Köhrerin, und der Anna
Maria Kleibenzedlin, wegen Erfolglassung wie=
derholten
Verlassenschafts-drittel das Weitere
der Ordnung nach vorgekehret werden solle. Wor-
nach
sich also zu richten ist. Actum in der Hoch=
gräfl
. Wallseggischen Herrschafts=canzley zu
Schottwien den 28. Martii 1760.


Land marschall.

Entbiette N. allen und jeden, was Standes
und Würden die seynd, der Gebühr nach meinen
respective Dienst und guten Willen zuvor, und
füge hiemit zu vernehmen:

Es haben bey dem mir allergnädigst anvertrau=
ten
N Oe. Landmarschall=gericht Johanna Pach=
nerin
von Eggenstorf, Jgnatius Pachner von Eg=
genstorf
, und Josepha von Cothmann, geborne
Pachnerin von Eggenstorf, als weil. Annä Jo=
annä
Pachnerin von Eggenstorf, Geborner von
Bernardi seel. Erben schriftlich vorgestellet: wel=
chergestalten
ermeldte verwittibte Anna Johanna
Pachnerin von Eggenstorf, seel. in dem untern
10. Novemb. 1743. ergangenen Frey-herrlichen
Franz Wilhelm von Walterskirchischen Cridä=
relations
- und Claßifications-ausschlag mit de=
nen
auf die Kuglerische Obligation de Dato 27.
May 1731. angemeldten 800. fl. Capital samt
dem à 6. pro Cento ausständigen Jnteresse gegen
deme (daß dieselbe darthue, daß der Doctor Her=
zog
seel. von denen Kuglerischen Gerhaben bevoll=
mächtiget
gewesen, dieses Capital von ihr zu em=
pfangen
) claßificiret worden wäre. Nun aber
mittlerweil sowol der Doctor Herzog, als auch
die Pachnerin selbsten mit Tod abgegangen, und
der Doctor Führer, welcher nomine der Pach=
nerin
als Ablöserin dieses Capitals, das Ablö=
sungs
-quantum pr. 800. fl. laut Quittung de
Dato 12. Jenner 1734. ausgezahlet hätte, ver=
loren
gegangen, auch nicht mehr zum Vorschein
gekommen wäre, mithin dann ihnen Pachneri=
schen
Erben die diesfällige Darthuung anthun=
lich
fallete, unterdessen jedoch für selbe die recht=
liche
Vermuthung aus der in Handen habenden
Original-obligation samt Quittung streitete, so-
mit
sie Pachnerische Erben solches bey denen für=
gewesten
Liquidations=tagsatzungen geziemend re=
monstriret
, und dahero allen dießfälligen Anstand
zu heben, um Ausfertigung eines Amortisations=
edicts
gehorsamst und demütig gebetten haben,
hierinfalls auch nach sein des Herrn Joseph Frey=

herrns von Walterskirchen, welcher die Richtig⟨=⟩
stellung
deren noch unbezahlten claßificirten Cre⟨=
ditoren
übernommen, von sich gegebenen Erkl⟨ä=⟩
rung
gewilliget worden ist.

Als ist im Namen Jhrer Kaiserl. Königl. M⟨a=⟩
jestät
unser allergnädigsten Frauen ꝛc. mein Be⟨=⟩
fehl
, daß der=oder diejenige, so an Eingang
gedacht=von der Anna Johanna Pachnerin vo⟨n⟩
Eggenstorf, Gebornen von Bernadi seel an sic⟨h⟩
gelöst, und nunmehro an obgedacht=Pachnerisch.
Erben, erblich gediehenen Capital pr. 800 f⟨l⟩.
cum sua causa einen rechtlichen Anspruch haben
oder zu machen gedenken, solches innerhalb eine⟨m⟩
Jahr, 6. Wochen, und drey Tägen bey diese⟨m⟩
Gericht also gewiß vorbringen, und rechtliche⟨n⟩
darthuen; wie im widrigen nach Verfliessun⟨g⟩
dieses Termins keiner mehr gehöret, sondern
causa null und nichtig seyn, sodann sothanes
Capital cum sua causa mehr=erwehnten Pachne=
rischen
Erben, als rechtmäßigen Jnnhabern der
abgelösten Baron Franz Wilhelm von Walters=
kircherischen
Obligation de Dato 27. May 1731.
pr. 800. fl. ausgefolget, und bezahlet, sohin
diese Obligation getilget werden solle. Und
es beschiehet hieran allerhöchst=gedacht Jhrer
Kaiserl. Königl. Majest. gnädigster Willen und
Meinung. Wien den 8. Julii 1760.


Bey Herrn Leopold Vötter, Handlsmann zum
goldenen Männl am Schotten=thor seynd extra
gute Hungarische und Ausländer=weine um bil=
ligen
Preis zu haben, wie auch Togeier 1. Bou=
teille
3. fl. Hungarischer Ausbruch 1. Bouteille
36. kr. extra guter neuer Monte Pulciano, die
Flaschen 1. fl. 15. kr.


NB. Bey diesem eintrettenden 4ten Jah=
res
=quartal werden abermalen die Lieb=
haber
dieses Wienerischen Diarii, wie auch
des Post=täglichen Frag= und Kund=
schafts
=bogens, nach Standes=würden,
um deren gewöhnliche vorhinein=Bezah=
lung
ersuchet. Und wann jemand das
Diarium Bestallungs=weise nehmen will,
so haben sich die hier in Wien anwesen=
de
in der diesfälligen Schreib=stuben in
dem neuen Michaeler=haus, die aus=
wärtige
Liebhabere aber in dem Obrist=
Post
=amt diesfalls anzumelden.

Aus
[9]

Fortsetzung der Reise Jhrer Königl. Hoheit der
Durchl. Prinzeßin Braut des Durchl. Königl.
Kron=prinzens Josephi Königl. Hoheit.

Clagenfurt 25. September.

Es geruheten Jhre Königl. Hoheit die Durchl. Braut gestern frühe um 7. Uhr nach alltäglich
üblicher Anhörung der Heil. Messe von Spittal abzureisen, traffen aber erst gegen 3.
Uhr allhier ein. Es wurden die Canonen abgefeuret, die hiesige Burgerschaft und Verla=
⟨c⟩hische
Gewehrs=fabricanten alle gleich und wol mundirter sowol, als die Garnison para=
dirten
bey Höchst=deroselben Ankunft, und dem Graf Rosenbergischen Hause gegen über, in
welchem die Durchl. Braut abgestiegen, ware ein Triumpf=porten aufgerichtet, auf welcher
sich Paucken und Trompetten hören liessen; Jhre Königl. Hoheit wurden beym Absteigen
von dem hiesigen Hrn. Präsidenten, und dem ganzen Adel empfangen, welche alle und die
Officiers der Garnison zum Hand=kuß, vorhero aber der von beeden Kaiserl. und Königl.
Majestäten, wie auch Sr. Königl. Hoheit dem Durchl. Bräutigam abgeschickte würkliche
Cammer=herr und General Anton Graf von Hamilton zur gnädigsten Audienz gelassen, wor=
auf
Höchst=dieselbe offentlich bey Aufwartung der Hof=staat und des Adels zu Mittag ge=
speiset
, Nachmittags aber einer Höchst=dero Ehren vorgestellte Jtaliänische Comödie in
dem hiesigen Theater beyzuwohnen geruhet.

Heute als den 26. Septemb. beliebten Jhre Königl. Hoheit die Durchl. Braut den
anhero gekommenen General=feld=wacht=meistern Hrn. Anton Grafen von Hamilton wiede=
rum
nacher Wien zuruck zu senden. Um 11. Uhr Vormittags aber in die hiesige Pfarr=
kirchen
unter Begleitung Dero ganzen Hof=staat sich zu erheben, einfolgsam allda dem offent=
lichen
GOttes dienst, welcher von dem Hrn. Prälaten von Viktria gehalten worden, auf
das auferbaulichste beyzuwohnen.

Und nachdeme Jhre Königl. Hoheit aus erwehnter Pfarr=kirchen zuruck gekommen,
geruheten Höchst=dieselbe die hiesigen Dames abermals zum Hand=kuß zu lassen, und als=
dann
unter der gewöhnlichen Bedienung offentlich zu speisen, Nachmittags aber in das hier
schön ausgezierte Theater sich zu verfügen, und einer Jtaliänischen Comödie beyzuwohnen.

Bey Dero Zuruckkunft aus der Comödie fanden Jhre Königl. Hoheit die gegenüber
Dero Wohn=zimmer aufgerichtete Triumpf=porten bereits beleuchtet, wie dann überhaupt
die hiesige Stadt nach ihren möglichsten Kräften ihre unterrhänigste Devotion, und Freu=
de
über die Anwesenheit der Durchl. Prinzeßinn Braut zu bezeugen, sich lobwürdig äusserst
bestrebet hatte.

Schrattenberg 27. Septemb.

Wiezumalen nun Jhre Königl. Hoheit die Durchl. Prinzeßin Braut heute Fruhe um
7. Uhr unter Erweisung der nämlichen Ehren=bezeugungen, die bey Höchst=deroselben An=
kunft
beobachtet worden, von Clagenfurt abgereiset, als sind Höchst=dieselben in fortdau=
rend
=erwünschten Wolseyn allhier in dem Fürstl. Schwarzenbergischen Schloß um 2. Uhr
Nachmittags angelanget, und von Sr. Fürstl. Gnaden beym Wagen empfangen worden.

Als man an der Gränze von Steyermarkt, nämlich zu Einnöde die Pferde gewechs=
let
, so fande sich der Hr. Landes=hauptmann von Steyermarkt, Graf von Künburg, neb⟨st⟩
anderen Deputirten daselbsten ein, und machte seine unterthänigste Aufwartung.

[10]

Auf dem Weeg von Clagenfurt bis alhero paradirte bey jedwederer Post=wechslung
ein Commando von de⟨n⟩en Carlstädtischen Hussaren, gleichwie auch allhier von denen näm=
lichen
eine Compagnie, dann von dem Neupergischen Regimente 50. Mann bey dem Schloß
aufwarteten. Se. Fürstl. Gnaden von Schwarzenberg liessen die Weege sehr gut zurich=
ten
, und selben, wie auch die Auffahrt zum Schloß sehr schön mit Triumpf-porten auszieren.
Jhre Königl. Hoheit hatten bey Dero Ankunft allhier nicht nur der hier Landes die Trupen
commandirende Hr. General=feld=zeug=meister, Freyherr von Andlau, sondern auch der Hr.
Landes=hauptmann, Graf von Kyuberg, und die übrige Deputirte ihre gehorsamste Devo=
tion
bezeuget, und Höchst=dieselben speiseten auch allhier bey gewöhnlicher Aufwartung,
und einer Tafel=music offentlich. Nachmittags aber wohnten sie einer zu Dero höchsten
Ehren aufgeführten Serenada bey, und beliebten Abends die besonders schöne Jllumina=
tion
von dem Schlosse und Garten in höchsten Augenschein zu nehmen, auch dero gnädig=
stes
Wolgefallen zu vernehmen zu geben.

Spielberg 28. Septemb.

Wie nun Jhre Königl. Hoheit heute frühe nach 7. Uhr aus der Nacht=station von
Schrattenberg aufgebrochen, und gegen 12. Uhr Mittags in dem von Lackowitzischen Schlosse
Spielberg bey höchst=vergnüglichen Wolstand abgestiegen, so paradirten abermals eine
Compagnie von dem Carlstädter Hussaren, ingleichen ein Commando von dem Neupergischen
Regiment, und fande sich auf denen ersteren zwey=Pferd=abwechslungen ein Commando von
denenselben ein. Allhier hatten sowol die Herren Deputirte von Steyermarkt und der Hr.
Bischof von Seckau, Graf von Firmian, ihre unterthänigste Aufwartung abgestattet, wel=
che
alle, als auch die Frau von Lackowitz nebst ihrem unmündigen Sohn, deme dieses
Schloß zugehörig, zum Hand=kuß gnädigst zugelassen wurden. Die Durchl. Prinzeßin Braut
speiseten sodann bey gewöhnlicher Aufwartung, offentlich, wobey der Hr. Bischof und Fürst
von Seckau das Tisch=gebett gesprochen. Nachmittags erlustigten Sich Jhre Königl.
Hoheit mit Spatzieren=gehen, in der nächst dem Schloß gelegenen Alee, und hatten Sich
sodann retiriret.

Neu=wieden 29. Septemb.

Da Jhre Königl. Hoheit die Durchl. Prinzeßin Braut heute Morgens bereits um 6. Uhr nach
allgehörter Heil. Meß aus der Nacht-station Spielberg aufgebrochen, so sind auch Höchst=dieselbe um 12.
Uhr Mittags glücklich allhier eingetroffen. Es paradirte bey Jhrer Königl. Hoheit Ankunft allhier
ein Commando von dem Bareytischen Jnfanterie-regiment, und ein Escadron von denen Carlstädter=
hussaren
, gleichwie auch von denen letztern ein Commando auf denen zwey Pferd=abwechslungen die Auf=
wartung
machte. Höchst-gedachte Durchl. Prinzeßin Königl. Hoheit wurden beym Absteigen aus De=
ro
Wagen von dem hier Landes die Trupen commandirenden Hrn. General=feld=zeug meistern Freyherrn
von, dann dem Hrn. Präsidenten in Steyermarkt, Grafen von Schafgotsch, und einigen Her=
ren
Deputirten sowol, als auch von denen Steyermarktischen in grosser Anzahl anhero gekommenen Adel
unterthänigst empfangen, und Höchst=dieselben geruheten sodann denen ersteren gnädigste Audienzen zu
ertheilen, und sie sowol, als den sammentlichen Adel zum Hand=kuß zuzulassen. Jhre Königl. Hoheit
beliebten hiernach das Mittagsmal bey zahreicher Aufwartung offentlich einzunehmen, webey der Hr.
Bischof v. Seckau, Graf von Firmian, das Benedicite gesprochen. Der Adel wurde hierauf zum Theil bey
der Hof=tafel, theils aber von des Kaiserl. und Königl. gevollmächtigten Hrn. Commissari Fürsten
von Liechtenstein Fürstl. Gnaden bewirtet. Zu einiger Unterhaltung für Jhre Königl. Hoheit wurde
bey dem Schlosse ein grosser Platz zu einem Amphi=theater auf dem Felde ungemein zierlich zugerich=
tet
, worauf eine Bauern=hochzeit mit dem Einzug auf Wägen, einer Tafel, und Tanz nach denen hiesigen
Landes=gebräuchen angenehm aufgeführet und vogestellet worden, welchen sehr schön und artig ausge=
fa⟨ll⟩enen
Feste Jhre Königl. Hoheit Nachmittags in einer eigenen zubereiteten Loge zuzusehn, und ein
ausnehmendes gnädigstes Wolgefallen darau zu tragen geruhet. Höchst dieselben gedenken morgen mit
dem frühesten von hier aufzubrechen, um in das letztere Nacht=lager Stuppach bey guter
Zeit eintreffen zu können.

Der Schluß von dieser Reise wird mit nächsten mitgetheilet werden.

[11]

JOURNAL

Der combinirt=Kaiserl. Königl. und des Reichs Execu=
tions
=armee aus dem Haupt=quartier Dorf Weidenhayn vom
23. bis 27. Septemb. 1760.

Den 23. liessen Se. Durchl. der commandirende Hr. General alle Veranstaltungen zu
einer gegen den Feind zu machenden Bewegung vorkehren, zu diesem Ende muste
der Obriste Zettwitz mit seinem unterhabenden Commando von Mühlber aufbrechen, die
Elbe paßiren, und nach Malitschen vorrucken, allwo selber mit Jnfanterie und Artillerie
verstärket wurde, zugleich ruckte General Weczey nach Elsnig, General Kleefeld nach Wolf=
sang
, und das Grenadier=corps nach Weidenhayn, und da zufolge der mit Sr. Durchl.
dem Herzogen von Würtemberg getroffenen Einverständnuß Höchst=dieselbe mit Dero Corps
d'Armee zu nämlicher Zeit von Pitterfeld aufgebrochen, und über Düben nach Pretsch abge=
rucket
, so wurde Hr. General Luztusky mit seinem unterhabenden Corps nach Domitz beor=
deret
, und an des Hrn. Herzogs Durchl. zu bevorstehenden Operationen Kriegs=gebräuchig
angewiesen, auch ihme ein Train Pontons zugegeben.

Den 24. ist sodann die Armee aus dem Lager bey Strehla aufgebrochen, und nach=
deme
im Vorrucken alle feindliche Vorposten von Siptitz, Cinna, und Wölsau zuruck ge=
trieben
worden, wobey der Feind die 2. Dörfer Cinna und Wölsau in Brand gestecket, so
hat die Armee das neue Lager auf denen Siptitzer=anhöhen also bezogen, daß der rechte
Flügel gegen Großwig, der linke an dem Wald, und das Grenadier=corps vor dem Dorf
Siptitz zu stehen gekommen, General Kleefeld wurde mit seinen unterhabenden Trupen
von der Fronte der Armee postiret, und Obrist Zettwitz, nachdeme er den Feind von Bene=
witz
und Loßwig delogiret, hat seine Stellung zwischen dem grossen Teich und der Elbe ge=
nommen
, das Haupt=quartier wurde anbey nach Weidenhayn verleget, nach Einruckung
der Armee in das Lager verfügte sich der commandirende General nach Domitz, und hatte
allda eine Unterredung mit des Hrn. Herzogs von Würtemberg Durchleucht über die weitere
Operationen.

Den 25. bliebe die Armee stehen, der commandirende General recognoscirte mit denen
Generals von Haddick und Maquire, dann mit denen Jngenieurs= und Artillerie=officiers
das feindliche Lager, aus welchem beede Täge stark canoniret wurde, worauf dann beschlos=
sen
worden, den folgenden Tag durch verschiedene Bewegungen sich in solche Verfassung zu
setzen, um sodann den Feind von allen Seiten mit Nachdruck angreiffen zu können.

Welchem zu Folge dann noch selbigen Tag die Brucken bey Domitz über die Elbe ge=
schlagen
, auch die Cavallerie des Luzinskyschen Corps nebst 2. Bataillons Jnfanterie dar=
über
gesetzet wurde.

Den 26. um Mittag muste die Armee das Lager abbrechen, ausrucken, und sich en
Ordre de Bataille formiren, wo zugleich General Luzinsky mit seiner Cavallerie die jenseits
der Elbe längs des Wassers hinauf stehende feindliche Posten bis an Torgau zurucktriebe,
da nun bey Ank⟨u⟩nft des Hrn. Herzogs von Würtemberg Durchl. so sich die feindliche Po=
sition
, und die Bewegung der diesseitigen Armee in Augenschein zu nehmen, in das allhie=
sige
Lager erhoben hatte, die Armee den Marsch anzutretten in Begrif stunde, wurde der
feindliche General Hülfen dadurch, und da selber zugleich nicht ungegründet besorgte, es
möchte ihme durch den Generalen Luzinsky, und das Herzog Würtembergische Corps d'Ar=

[12]

mee die Retraite jenseits der Elbe coupiret werden, in solchen Allarme gebracht, daß er
sein Lager in gröster Geschwindigkeit aufgehoben, und mit seinem Corps sich auf das eil=
fertigste
in die Stadt retirirte, General Kleefeld, und Obrist Zetwitz verfolgten solchen mit
denen unterhabenden Trupen auf den Fuß, erreichten die feindliche Arrier=garde bey dem
Retranschement, und attaquirten solche, wie dann, diesen Angrif zu souteniren, die Löbl. Ba=
taillons
von Chur=cölln und Chur=bayern mit zur Attaque anruckten, das sammentliche
Grenadier=corps aber unter Commando des Hrn. Feld=marschall=leutenants von Quasco
solche unterstützte, wobey zugleich der Prinz von Stollberg mit dem rechten Flügel zum
Soutien bis auf den Rahts=weinberg nachruckte, der Ueberrest der Armee aber bey Zinn⟨a⟩
in Schlachtordnung stehen biebe, das Feuer ware dabey heftig, und der Widerstand des
Feindes hartnäckig, da aber das Löbl. Haddickische Regiment der ob=erwehnt feindlichen Ar=
rier
=garde in Rucken zu kommen, und solche von der Stadt abzuschneiden suchte, so retirir=
te
sich selbe in gröster Confusion in die Stadt, allwo sie sich vom neuen mit vieler Stand=
haftigkeit
zu souteniren trachtete, da indessen das feindliche Corps in gröster Geschwin=
digkeit
die Elbe über die Stadt=brucken, und eine andere dergleichen von Pontons pas=
sirte
; Es liesse hierauf der commandirende General einige schwere Canons und Haubitzen
gegen beede Brücken, wovon der Obriste Zettwitz die von der Stadt bereits canonirte, auf=
führen
, und zugleich durch die ob=bemerkte Trupen die Stadt attaquiren, alle diese mit so
vieler Geschwindigkeit als Bravour vollzogene vorsichtigste Veranstaltungen hatten die gu=
te
Würkung, daß der Feind durch die Bannalistische Grenadiers=compagnie das Chur=cöl=
nisch
=Wildensteinische Bataillon, und das Haddickische Regiment die Pontons=brucken denen
Unsrigen zu überlassen, gezwungen, zugleich aber auch durch des Obrist Zettwitz kluge An=
kehrungen
die grosse Stadt=brucken in Brand gebracht wurde. Da nun bey solchen Um=
ständen
denen noch in der Stadt befindlichen Trupen alle Retraite abgeschnitten ware,
so liessen der commandirende General Abends gegen 7. Uhr durch den K. K. General=ad=
jutanten
, Obristen von Drechsel, dann durch den Chur=pfälzischen General=adjutanten Obrist=
leutenant
Baron von Müller den feindlichen Commendanten, Major von Normann, or=
dentlich
aufforderen, worauf dann nach einigen Unterredungen die beykommende Capitula=
tion
fruh Morgens um 3. Uhr geschlossen worden, welcher zufolge sogleich das Dresd=
ner
= und Elbe=thor mit 4. Grenadiers=compagnien nebst 4. Canonen unter Commando
des Majors von Burmann besetzet wurden; Da dann heute

Den 27. die feindliche in ungefehr 2400. Mann bestehende Garnison Mittags
um 12. Uhr mit klingendem Spiel, und fliegenden Fahnen durch das Dresdner=thor,
wobey das gesammte Grenadier= und Carabinier=corps Spallier machte, ausgezogen, so=
dann
das Gewehr, nebst 16. Fahnen gestrecket, und unter Bedeckung eines Bataillons Jn=
fanterie
vom Baaden=Baadischen Regiment, dann 2. Escadrons Würtembergischer Drago=
ner
, beede von dem Löbl. Schwebischen Creise nach Meisen abgeschicket worden. Vermög
deren eingelangten Tabellen bestehet die in Torgau gelegene, und in diesseitige Gefangen=
schaft
verfallend=feindliche Garnison in 1. Obristen, 6. Majors, 12. Capitaines, 28. Leute=
nants
, 15. Fähndrichs, dann an Unter=officiers und Gemeinen in 2495. Köpfen, weiters die
Anzahl der eroberten Artillerie in einer 12=pfündigen, 2. 4=pfündigen, 12. 3=pfündigen, und
2. 2=pfündigen mettallenen, dann 7. 3=pfündigen eisernen Canons, und 4. 50=pfünd, met=
allenen
Pöllern, nebst einer beträchtlichen Quantität an Munition, Kugeln, anderen Artille=
rie
=gerätschaften und Armaturs=sorten, wie auch 27. brauchbaren, und 20. unbrauchbaren
blechenen Pontons nebst ihren Requisten, dann einigen Mundirungs=sorten, und endlichen
in einem ansehnlichen Magazin, sowol am Mehl, als hart= und rauchen Futter. Der diesse⟨i⟩=

[13]

tige Verlust dabey ist sehr gering, und erstrecket sich an Todt= und Bleßirten nicht über 100.
Mann, worunter sich 1. Croaten=hauptmann todt, dann 5. Officiers bleßirt befinden.

Gleichwie nun die Banalistische Croaten, dann die Haddickische und Selavonische
Hussaren, die Löbl. Chur=Cölln=Wildenstein= und Chur=Bayerische Creis=regimenter,
und das gesamte Grenadiers=corps nebst denen Bataillonen Valloner von Sachsen=gotha die
rühmlichste Probe ihrer Tapferkeit, Mut und Eifer abgeleget, also haben vorzüglich die
Herren Generals Klefeld, Quasco, und Seckendorf, dann die Herren Obristen Orschitz von
Croaten, Spalbeck, und Major Kleist von Chur=Cölln, Obrister Sprung, Obrist=leute=
nant
⟨R⟩ostrowitzky, und Major Ziska des Haddickischen Hussaren= der Major Vela des
Selavonischen Regiments, dann die bey dem Grenadier=corps commandirte Staabs=offi=
ciers
, Obrist=leuntenant v. Byrne, und Egglofstein, dann Majors Burmann, Kling, und
Hamilton, welch=letzterer auch leicht bleßirt, ein billiches Lob verdienen.

Der Herr General Luzinsky, so nach dem ihme gemachten Auftrag seine Bewegun=
gen
jenseits der Elbe mit so vieler Bravour, als Geschicklichkeit eingerichtet, und dadurch
den Feind in die gröste Verlegenheit versetzet, hat nicht minder einen besonderen Antheil an
diesem glücklichen Erfolg gehabt, und da die ruhmwürdigste Sorgfalt des commandirenden
Herrn Generalens hauptsächlich auf die Conservation der Stadt gerichtet ware, so ist auch
solche, ungeachtet des über 6. Stund angehaltenen lebhaften Canonen= und Haubitzen=feuer
vor allem Unglück erhalten, auch an der Brucken nicht mehr dann 3. Joch, so viel nämlich
dem Feind die Retraite abzuschneiden nöhtig ware, verbrennet worden. Ubrigens hat die
Armee theils gestern, theils heute das von dem Feind verlassene Lager bezogen, die Stadt
Torgau aber ist, nebst dem Tete de Pont durch das Hussaren Darmstädtische Battaillon
besetzet worden; das feindliche Corps hat seine Retraite jenseits der Elbe längs des Flus=
ses
genommen, also zwar, daß die Cavallerie von dem Luzinskyschen Corps sich diesen Mor=
gen
bey Damitz über die Brucken zuruck zu ziehen genöhtiget wurde, der Feind verfolgte
solche bis an die Brucken, und machte gegen selbe ein heftiges Canonen=feuer, allein der
Herr General Luzinsky beantwortete solches mit seiner Artillerie so scharf, daß der Feind
sich zu retiriren bemüßiget wurde, und seinen Marsch gegen Jessen und der Elster fortsezte,
da dann gedachter General Luzinsky also gleich samtliche Cavallerie und leichte Trupen wie=
derum
über die Elbe=brucken nachrucken, und durch solche den Feind verfolgen liesse.


CAPITULATIONS-PUNCTA,

Wegen der Stadt Torgau, und der darinnen befindli=
chen
Garnison.

Art. 1mus Die Garnison marschiret aus, und strecket das Gewöhr vor der Stadt, und
zwar mit klingendem Spiel auch fliegenden Fahnen.

Ad 1mum accordiret, und marschiret die Garnison noch heute Vor=mittags aus
der Stadt.

Art. 2dus Sammentliche Officiers und Unter=Officiers, wie auch Gemeine behalten ihre
Bagage, und die Herren Officiers tragen ihre Degen und völliges Feld=zeichen nebst Pferden
und Wägen behalten sie auch.

Ad 2dum Accordirt, und wird nur verstanden auf die Herren Officiers von der
Garnison, nebst Unter=offciers, und Gemeinen.

Art. 3tius Die Mondirungs=Stücke der Chefs der Compagnien, welche sie auf eigenes
Geld angeschaffet, werden ihnen gleichfalls zugestanden, und gelassen.

[14]

Ad 3tium Accordiret, ausser denen grossen Mondirungs=stücken, und was gedach⟨t⟩
Officiers auf ihre Officiers=parola angeben werden.

Art. 4tus Gedachte Officiers. so keine Pferde und Wagen hinlänglich haben, werdenzur
Fortbringung ihrer Person und Bagage bis zu ihren destinirten Ort sonder Entgeld v⟨on⟩
plattem Lande versehen.

Ad 4tum Wird nur ihr Fortkommen gesorget, und 50. Wägen Vorspann unen⟨t=
geltlich
accordiret, dann 1. Schif bis Wüttemberg, und sicher Geleit bis Magdebu⟨rg⟩
zu Transportirung der unnöhtigen Equipage.

Art. 5tus Alle unter der Garnison sich befindende Desserteurs erhalten Pardon.

Ad 5tum Accordiret.

Art. 6tus Alle Civil=Bediente behalten ihre Bagage, und geniessen den Vorspan glei⟨ch=
denen
Herren Officiers.

Ad 6tum Wird mit ihnen auf die nämliche Art, gleichwie mit denen Herren O⟨f=
ficiers
gehalten.

Art. 7mus Die Königl. Preussische Kranke und Blessirte so allhier vorhanden, geniesse⟨n⟩
ihr Tractament Brod und gehörige Pflege: deshalb die benöthigte Medici und Feldscherers
dabey bleiben.

Ad 7mum Accordiret nach dem gewöhnlichen Kriegs=gebrauch.

Art. 8vus Alle Officiers=Dames und Bediente, so nicht mitgehen, erhalten freyen
Abzug und die benöthigte Vorspan ohnentgeltlich und sicher Geleit.

Ad 8vum Accordiret, und werden die zu Wasser nach Wüttemberg geschaffet.

Art. 9nus Die Herren Officiers behalten ihre Domestiquen in der Gefangenschaft, auch
diejenige Soldaten für welche sie garantiren.

Ad 9num Accordiret.

Art. 10. Die Garnison haltet alle Posten besetzet, und zwar so lang, bis die völlige
Anstalt zur Abfuhr veranstaltet worden.

Ad 10mum Werden sogleich 2. Thor, worunter das Elbe=thor mit begriffen, ein=
geraumet
, und von denen Trupen der K. combinirten Reichs=armee besetzet werden.

Art 11. Sammentliche Herren Officiers leben der Hofnung, daß alle Puncta unver=
brüchlich
gehalten werden würden, vermög gnädig zustellenden Ordre Jhrer Hochfürstlich.
Durchl. von Zweybrücken.

Ad 11mum Es wird all=obiges gehalten, und hat der Commendant hingegen ge=
treulich
anzuzeigen, alle Artilierie=gewöhr, Munition=kästen, Archiven, K. Mondi=
rungen
, und Requisiten, Magazinen, benebst diesen, was Kön. Polnisch. auch Chur=
sächsisch
vorfindig, sowol in der Stadt, und Schanze über die Elbe, und solte sich eine
Besatzung in der Schanze befinden, so sind ebenfals diese gleich der übrigen
Garnison als Kriegs=gefangene anzusehen.

Torgau 27. Sept. 1760.

Feld=lager Torgau 27. Sept. 1760.

Von Normann, Major
und Commendant.

Von Drechsel, Obrister, und
General=adjutant.

Auf Befehl Sr. Hochfürstl. Durchl. den commandirenden
Hrn. Generalen F. M. Prinzen von Zweybrücken.

[15]

Wien den 4ten October.

Es haben Jhre Kaiserl. Königl. Apostolische Majestät vor einigen
Monaten zu erkennen zu geben geruhet, wie es Aller=höchst De=
roselben
zum besonderen Wolgefallen gereichen würde, wann durch die
Beywürkung des gesammten Königreichs Hungarn eine Hungarische
Adeliche Leib=garde errichtet wurde. Die Comitaten, Districten,
und Frey=städte vorbenannten Königreichs, wie auch die Croatische
Land=stände wurden dieser allergnädigsten Gesinnung durch den =
nigl
. Hungarischen Hof=canzler Herrn Grafen Niclas Palfy von Er=
död
Excellenz nicht so bald verständiget, als dieselbe für sothane der
ganzen Nation andurch zufliessende ausnehmende Gnad den allerunter=
thänigsten
Dank mit denen verpflichtesten Ausdrückungen erstattet, den
Fundum zur Verpflegung besagt=errichtender Adelichen Leib=garde all=
jährlich
abzureichen, aller=unterthänigst anerboten, junge ansehnliche
Magnaten, und Edel=leuts=söhne, um in obber⟨ü⟩hrte Leib=garde an=
genommen
zu werden, vorgeschlagen, und ansonsten auch diesem erdeu=
teter
Hungarischen Nation zur sonderbaren Ehre, Zierde, und Nutzen
gereichendem Werk all nur möglichen Vorschub gegeben. Diesem Ruhm=
vollen
Beyspiel haben sohin auch die durch den Siebenbürgischen Herrn
Hof=canzler Grafen Gabriel von Bethlehem Excellenz davon benach=
richtigte
Siebenbürgische Land=stände ebenmäßig gefolget, als sohin das
Fürst=Trautsohnische vor dem Burg=thor allhier gelegene Garten= ge=
bäude
zur Unterbringung gedachter Garde erkauffet, und zur diesfälli=
gen
Bewohnung behörig zugerichtet, auch die benöhtigte Stallungen er=
bauet
, die Uniforms, Pferde, und all=übrige Erfordernüssen angeschaffet,
die von denen Hungarischen und Siebenbürgischen Comitaten in Vor=
schlag
gebrachte Magnaten, und Edel=leuts=söhne nach ihrer befunde=
nen
Tüchtigkeit in die Garde an und aufgenommen, sodann oft= berührt=
Adeliche
Leib=garde in der Königl. Hungarischen Freystadt Preßpurg,
und dem allda befindlichen obbenannt=Königl Hungarischen Hof= canz=
lers
zugehörigen Garten=gebäude untergebracht, und endlichen vollstän=
dig
errichtet worden; so geruheten hierauf Jhre Kaiserl. Königl. Apo=
stolische
Majestät vor=erwähnten Königl. Hungarischen Herrn Hof=
canzler
Excellenz zu dem mit aller Feyerlichkeit vorzunehmen veranlasten
Beeydigungs=actu erdeuteter Adelichen Leib=garde in aller Höchst=
deroselben
Namen abzuordnen. Da nun wegen desselben Empfang, und
dem vor=bemeldten Beeydigungs=actu all=Benöhtigtes veranstaltet

[16]

worden; so haben sich des Hungarischen Herrn Hof=canzlers Excellenz
den 27. Sept. nach Preßpurg verfüget, wo sohin derselbe bey seiner An=
langung
auf dem jenseitigen Donau=ufer durch drey Rähte des Königl.
Locumtenential-Consilii, als benanntlich dem Baron Joseph Rebay,
dem Canzley=director Barinay, und dem von Herlein mit all=respe=
ctueuser
Ehr=bezeugung empfangen, und mittelst einer von dem Baron
Rebay gehaltenen wol=verfasten Anrede bewillkommet worden, welche
Anrede sohin auch gedachter Königl. Hungarischer Herr Hof=canzler
auf die dem ihme allergnädigst anvertrauten Amt, und Würde beykom=
kommende
Art beantwortet. Hierauf seynd obgedachte von dem Königl.
Locumtenential-Consilio abgeordnete drey Rähte in eben so viel sechs=
spännigen
Wägen voraus gefahren, welchen ermeldter Hungarischer Hof=
canzler
in einem gleichfals sechs=spännigen Wagen unter Vortrettung
deren Livree=bedienten und Haus=officiers gefolget, von dem Donau=
ufer
, bis zu dem für denselben bestimten Quartier ware die Preßpurger
Burgerschaft beederseitig mit Präsentirung des Gewöhrs, und klingen=
dem
Spiel postiret. Bey dem Wedritzer Stadt=thor erwartete ihn der
gesamte dasige Stadt=magistrat und der Stadt=richter Gombos hielte
eine wol=gesetzte Anrede, nach dessen Beantwortung erwähnter Stadt=
magistrat
oft=benanntem Hungarischen Herrn Hof=canzles Excellenz
neben dem Wagen gehend bis in das bestimmte Quartier begleitet, all=
wo
demselben der Capitan der Garde Feld=zeug=meister Graf Leopold
Palfy Excellenz, samt denen übrigen sowol Garde=als Garnisons= und
anderen Officiren an der Stiegen empfangen, auch von dem samment=
lichen
in Preßpurg befindlichen Adel, und Mitgliedern deren dasigen Di=
casterien
die Ehren=visite gemacht, von des verstorbenen Palatini Gra=
fens
Johann Palfy hinterlassenen Frauen Witwe Excellenz sodann zum
Soupee eingeladen, und mit diesfälliger guten Bewirtung der erste Tag
beendiget wurde.

Den folgenden Tag als den 28. Sept. ist anforderist die oft=erwehn=
te
adeliche Leib=garde in ihrer kostbaren Ausrüstung, als benanntlich
rot gekleidet mit silbernen Knöpfen, Schnüren, und Crepins grün=sei=
dener
mit Silber vermischten Gürtl und Tiger=häuten gezieret, dann
durchaus mit Schimeln beritten fruh um 8. Uhr gegen den Primas=gar=
ten
in der Stille marschiret, und hat sich von erst=besagtem Garten in
zwey Glieder rangiret, es ruckte auch die Cron=wacht, und die zu
Preßpurg befindliche Garnison von des Erz=herzog Carl Königl. Hoheit
Regiment aus, und wurde die Cron=wacht rechter Hand, die Garnison

[17]

aber linker Hand ruckwärts deren zu obberührt solennen Actu aufge=
schlagenen
Zeltern postiret, und da auch all=übriges, so von wegen die=
ses
solennen Beeidigungs=actus vorläuffig verordnet wurde, in die Be=
würkung
gesetzet worden, begabe sich oft=erwehnter Hungarischer Herr
Hof=canzler Excellenz um 9. Uhr fruh in seinem sechs=spännigen Gala=
wagen
unter Vortrettung deren Livree=bedienten und Haus=officiers
auf das vor dem Primas=garten zu obgedachter Feyerlichkeit bestimmte
Ort; bey dessen Anlangung wurde von der vorbemerkter=massen rangir=
ter
Cron=wacht und Garnisons=militz das Spiel gerühret, und die ge=
wöhnlichen
Ehren=bezeugungen geleistet, bey dem Aussteigen aber aus
dem Wagen vor denen aufgemachten Zeltern von dem Capitain der Gar=
de
der sammentlich alldasigen Noblesse Dicasterien, Deputirten deren
Comitaten und Edel=leuten, wie auch dem Preßpurger=staat=magistrat
mit all=seitiger Bezeugung des vor dem begleitenden Caracter eines =
nigl
. Commissarii schuldigsten Respects empfangen. Als sich sodann er=
deuteter
Hungarischer Herr Hof=canzler samt all=übrigen in das aufge=
machte
Altar=zelt an den für=selben zur Seiten des Evangelii besonders
zugericht= und ausgezierten Ort verfüget, der Capitain de Garde, samt
dem erst= und anderten Leutenant sich ihme zur linken Hand postiret, die
Paucken=fahnen aber durch einen deren Garde Second=wacht=meister un=
ter
Anführung des die Adjutandens=dienste verrichtenden Premier=wacht=
meisters
getragen, und gegen dem Altar über auf zwey Stühle geleget
worden; so wurde hierauf von dem Bischoffen von Fünf=kirchen Klimo
Excellenz das Hoch=amt mit dem gewöhnlichen Salbe=schiessen gehalten,
bey dem Evangelio von dem Capitain, wie auch erst= und anderten Leu=
tenant
die Säbel entblösset, nach geendigten Hoch=amt die Pauken=fah=
nen
nach dem vorgeschriebenen Ritual durch obbenannten Bischoffen ge=
weihet
, alsdann vor dem äusseren Zelt die Garde einen halben Creiß zu
schliessen, commandiret, wo sohin oft=gedachter Hungarischer Herr Hof=
canzler
als Königl. Commissarius mit bedecktem Haupt hervortrettend
eine kurze Anrede an die Garde gehalten, und in solcher den Capitain in
beeder Kaiserl. Königl. Majestäten Allerhöchsten Namen vorgestellet, so=
mit
die Königl. Adeliche Leib=garde ihm übergeben, und dieselbe zu der
ihm zu leisten schuldigen Parition angewiesen, worauf erdeuteter Capi=
tain
seine Danksagung in denen verpflichtesten Ausdrückungen gemacht.

Es wurden hernach durch erwehnten Hungarischen Herrn Hof=canz=
ler
ermeldtem Capitain die für oft=berührte Garde aller höchsten Orts
vorgeschriebene Statuta, samt der Eides=formul behändiget, welche

[18]

demnach der Auditor der Garde zu Pferd sitzend mit entblößtem Haupt
bedeutlich abgelesen, das Jurament aber von denen Premier= und Se=
cond
=wacht=meistern, wie auch denen sammentlichen Garden zu Pferd
sitzend mit entblößtem Haupt, und aufgehobenen dreyen Fingern laut
nachgesprochen. Nach vorbemerkter=massen abgelegtem Jurament wur=
de
durch viel=berührten Hungarischen Herrn Hof=canzler das von Jhrer
Kaiserl. Königl. Apostol. Majestät obgedachter Garde allermildest ver=
liehene
, und sehr zierlich ausgefertigte Privilegium dem Capitain der
Garde mittelst einer abermalig=kurzen Anrede, in welcher Jhrer Maje=
stät
für die gesamte Hungarische Nation hegende ausnehmende Gnad
auf das nachdrücklichste zu erkennen gegeben worden, zugestellet, welches
dann ebenmäßig durch den Auditor der Garde mit entblößtem Haupt laut
abgelesen worden. Hierauf hat gedachter Hungarischer Herr Hof=canz=
ler
mittelst einer nochmalig=kurzen Anrede die für den Capitain, wie auch
übrige Officiers, und das sammentliche Corps des Gardes zur behörigen
Nachachtung ausgefertigte Jnstruction dem Capitain behändiget, wel=
che
aber nicht abgelesen, sondern gleich hierauf von dem Frey=herrn v. Kol=
ler
, und Nagy=Manya Kön. Hungarischen Hof=raht, und des Barsien=
ser
=comitats Ober=gespann eine wol=gesetzte Rede an alle Anwesende ge=
halten
, und nach dessen Endigung das Te Deum laudamus unter wieder=
holtem
Salve-schiessen, und Abfeuerung deren Pöllern durch oberwehnten
Bischoffen von Fünf=kirchen abgesungen wurde. Hiemit endigte
sich nun dieser solenne Actus, oft=erwehnter Hungarischer Herr Hof=canz=
ler
besahe darauf die in 2. Gliedern rangirte Garde; diese defilirte so=
dann
bey dem Zelt vorbey, und begabe sich in behöriger Ordnung in das
bis nun zu innengehabte Quattier, von wannen aber das sammentliche
Corps des Gardes bald wieder zurück kame, und samt dem ganzen Adel,
denen oberwehnten Dicasterien, Deputirten deren Comitaten, und Edel=
leuten
durch den Capitain der Garde in dem Primas=garten an verschie=
denen
Tafeln mit aller Anständigkeit bewürtet. Des Abends sohin bey
oberwehnter verwittibten Frauen Gräfin Palfy Exellenz eine zahlreiche
Gesellschaft gehalten, bey welcher auch die Garden sich Abwechslungs=wei=
se
eingefunden, und sich mit allgemeinem Beyfall produciret haben. Und
auf solche Weis ist dann endlichen dieser feyerliche Actus mit all=seitig=
bezeugtem
Jubel=frohloken, und gröster Zufriedenheit
beschlossen worden.

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