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Wienerisches DIARIUM.

Nr. 71, 4. September 1765

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[1]

Num. 71. Mittwoch den 4. Septemb. 1765.

Wienerisches DIARIUM.

Gedruckt in dem Kais. Kön. privileg. Zeitungs=verlag und Buch=
druckerey
im neuen Michaeler=haus mit von Ghelischen Schriften.


Rom 5. Aug.

Se. Päbstl. Heiligkeit sind jüngsthin so
stark mit einem Flusse an den Augen
behaftet gewesen, daß Dieselbe Sich
genöthiget gesehen, verschiedene Tage hin=
durch
Dero Zimmer zu hüten. Dermalen
aber hat sich der Zustand so weit geändert,
daß Se. Heiligkeit heute ein geheimes Consi=
storium
wegen Bestättigung verschiedener Erz=
und Bischöfe zu halten entschlossen sind.

Das anhaltende Regen=wetter, welches vie=
les
auf dem Felde zurückgebliebenes Getraide
zum Keimen bringet, hat den Preis dergestalt
vertheuret, daß die Congregation, welche zur
Proviantirung dieser Stadt niedergesetzet ist,
den inneren Handel mit Getraide in dem Kir=
chen
=staat zu erlauben, für diensam gefunden
hat, damit uns auf diese Art die erste der Le=
bens
=bedürfnisse desto leichter zugeführet wer=
den
mögen.

Die Austrettung der Wässer hat an ver=
schiedenen
Orten, besonders aber in den Städ=

ten und dem Gebiete von Fano, Cagli, Fos=
sombrone
und Sinigaglia ein entsetzliches
Unheil gestiftet. Es sind unterschiedliche
Brücken und Häuser niedergerissen, und unter
dem Schutte der letztern eine Menge Men=
schen
verunglückt.

Auszug eines Schreibens von Constan=
tinopel
vom 12. Julii.

Der neue Großvezier vergißt keine der
Pflichten seines hohen Amts. Er untersu=
chet
alle die Mängel, welche während des
Ministerii seiner Vorfahren eingeschlichen und
auf das genaueste, und die Mittel, womit er
ihnen abzuhelfen bemühet ist, scheinen die be=
quemsten
zu seyn, seinen Zweck zu erreichen.
Niemand hat Ursache, sich über harte Ver=
fügungen
dieses Ministers zu beschweren.
Sein vornehmstes Augenmerk ist auf die
Aufnahme der Handlung gerichtet; es ist
daher gar nicht wahrscheinlich, daß die Pfor=
te
mit einer auswärtigen Macht brechen wer=

[2]

de. Es sollen vielmehr bereits mit den frem=
den
Ministern Unterhandlungen gepflogen
seyn, um das Commercium zwischen den tür=
fischen
Staaten und den Unterthanen ihrer
Mächte zu befördern. Bey dem allen wird
auch nichts versäumet; das Militair=wesen
in den besten Stand zu setzen; und dieser
Großvezier kau mehr, als die meisten seiner
Vorgänger, sich mit der Hofnung schmeicheln,
da er der Armee sehr beliebt ist, einigen bey
selbiger bisher eingerissenen Unordnungen zu
steuern. Es ist indessen zu bedauern, daß
allen seinen löblichen Anstalten, sonderlich
denen, die das Commerz=wesen betreffen, durch
die grossen Verheerungen, welche die Pest
hier und an einigen andern Orten des Reichs
anrichtet, viele Hindernisse in den Weg ge=
legt
werden. Die hiesige Hauptstadt ist wohl
nicht oft von Einwohnern so ledig gewesen,
als itzt. Viele derselben sind durch die Pest
weggeraffet worden, und noch mehrere ha=
ben
sich an andere Orte begeben. Allen
Handwerkern und Künstlern, welche noch hier
sind, fehlet es an Arbeit, und dabey wird es
ihnen um so viel sauerer, sich den nöthigen
Unterhalt zu verschaffen, weil die ansteckende
Seuche viele abhält, uns Lebensmittel und
andere Bedürfnisse zuzuführen, die daher zu
einem ganz unerträglichen Preise gestiegen
sind. Die ohnlängst in der Moldau ent=
standene
Unruhen sind nunmehro völlig durch
das dahin gesendete Corps gedämpfet wor=
den
.

London vom 16. Aug.

Die Vorfallenheit auf Terre Neuve ist
bis dahin noch in kein helleres Licht, als sie
am verwichenen Posttag war, gesetzt wor=
den
. Esheißt, diese Angelegenheit habe den
Haupt=gegenstand der vorgestern gehaltenen
Raths=versammlung ausgemacht, und sollen
bereits von der Admiralität die nöthigen An=
stalten
zur Ausführung der darinn genom=
menen
Entschliessungen getroffen werden.
Man sagt würklich, daß eine Verstärkung
von Kriegs=schiffen an den Capitain Palliser
abgehen dörste, davon das Commando dem
Lord Edgecumbe aufgetragen werden soll.
An eben gedachtem Tage ist nach Paris ein
neuer Courier abgefertiget worden, und will
man, daß in dessen Depeschen dem Versailli=

schen Hose die Entschliessungen unserer Kro=
ne
einer Seits angezeigt, anderer Seits aber
die Mittel vorgeschlagen werden, wie der=
gleichen
Schwierigkeiten zu heben seyn.

Ob nun gleich der Hof von dem Vorgang
auf dem See=striche von Terre Neuve noch
nichts bekannt gemacht, so geben einige Nach=
richten
davon folgende Umstände. Es hät=
ten
nämlich die zum Fischfange gebrauchten
französischen Schiffe, mehr als hundert an
der Zahl, über die ihnen durch den letztern
Friedens=tractat angewiesenen Gränzen gesi=
schet
; einige unter ihnen Schleichhandel ge=
trieben
; wie dann auch verschiedene dersel=
ben
auf den Jnsuln Se. Pierre und Mi=
quelon
sowohl Mund = als Kriegs = vorrath
ausgeschiffet. Da nun der engländische Com=
mandant
die Franzosen von dergleichen dem
Friedens=tractat und den so oft wiederholten
Gesinnungen der beyden Höfe zu wideren
Verfahren abzustehen gewarnet, diese aber
die gegen sie angebrachten Beschwerden auf
alle Weise verneinet, so hätte er sich gemüßi=
get
gesehen, diesen Schleichhandel mit der
Gewalt selbst einzustellen.

Parma 5. Augusti.

Unser jetzige gnädigste Herzog und Lan=
des
=herr ist in diesen Tagen aus Colorno, wo=
selbst
dieser junge Prinz seit dem tödtlichen
Hintritt seines Durchlauchtigsten Herrn Vat=
ters
Königl. Hoheit sich verweilet, und den
Zins gerechter Thränen in dem Uebermasse
entrichtet hat, in hiesiger Stadt eingetroffen.
Bey der Ankunft Se. Königl. Hoheit brach
die Liebe und das Zutrauen, so die Untertha=
nen
auf die vor verschiedenen Jahren in dem
jungen Prinz erkannten ausnehmenden Eigen=
schaften
gesetzet haben, in öffentliche Merk=
male
einer unbeschreiblichen Wonne aus, und
war das Zurufen so allgemein, daß in der
ganzen Stadt die Freuden = stimmen ertöne=
ten
. Se. Königl. Hoheit haben auch würklich
verchiedene Befehle auf die gegenwärtigen Um=
stände
, sowol was das Jnnere Dero Hofstaats
als Dero Regierung betrift, ertheilet. Auch
ist am Mittwoch, in Höchst=dero Gegenwart,
eine Rahts = versammlung gehalten worden,
welcher die Ministers des höchstseel. Herzogs
beygewognet haben.

[3]

Haag 19. August.

Am vorigen Montag ladete der Herr Graf
von Woronzow die Herren Gesandten von
Frankreich, Spanien, und England, nebst
verschiedenen anderen Ministern zum Mittag=
mahl
ein. Sie kamen und fanden einen
Fremden, der ihnen ganz unbekannt war,
und um welchen die übrigen Gäste einen Kreis
geschlossen. Der Herr Graf von Woronzow
präsentirte denen Herren Abgesandten diesen
Fremden unter einem ihnen ganz unbekann=
ten
Namen; da sie aber auf den Verdacht
gefallen, es möchte der Herzog von Biron
seyn, zogen sich die beyden ersteren Herren
Ambassadeurs zurück. Nach dem Mittags=
essen
machte der Herr Graf von Woronzow
eine Art von Entschuldigung, und versicherte
seine hohen Gäste, wie ihm von der Ankunft
dieses Reisenden nichts bekannt gewesen seye:
Er hätte ihm des Morgens Frühe eine Vi=
site
gemacht, und da er nur einen einzigen
Tag sich allhier aufhalten wollen, so hätte er
nicht umhin gekönnt, ihm sein Mittags=essen
anzubieten; es seye also dieses ein pures Ohn=
gefehr
gewesen. Man sagt, wie ermelter
Herzog Biron in Amsterdam dem Herzog
von York eine Visite machen wollen, Se.
Königl. Hoheit solches ausgeschlagen hätten.

Berlin 27. Augusti.

Am Sonntage des Vormittags trafen Se.
Königl. Hoheit der Prinz von Preußen bey
gutem Wohlseyn aus Potsdam allhier ein.
Des Mittags speiseten Dieselben nebst dem
hier befindlichen Königl. Hause bey Jhro
Maj. der Königin in Schönhausen. Gegen
Abend geruheten Se. Königl. Hoheit mit ei=
nigen
Dames und Cavaliers eine kleine Pro=
menade
unter den Linden vorzunehmen, und
hierauf war bey Jhro Königl. Hoheit der
verwittweten Prinzeßin von Preußen groß
Soupee, wo Jhro Maj. die Königin. das
hier anwesende Königl. Haus, und verschie=
dene
vom hohen Adel gegenwärtig waren.

Gestern Frühe setzten Se. Königl. Hoheit
der Prinz von Preußen Dero Reise zu Sr.
Maj. dem König nach Schlesien fort. Ge=
gen
Mittag trafen Jhre Königl. Hoheiten
die Frau Gemahlin des Prinzen von Preus=

sen, und die Prinzeßin Wilhelmine von Preus=
sen
aus Potsdam hier ein.

Rheims 18. Augusti.

Gestern hatten wir das ausnehmende
Glück, Jhre Majestät die Königin bey Aller=
höchst
=dero nach Commercy angetrettenen
Reise, mit einer Suite von 300. Pferden,
unter Abfeuerung der Canonen von den Stadt=
wällen
, und dem Geläute aller Glocken, in un=
seren
Ringmauern eintreffen zu sehen. Die
ganze Bürgerschaft stand unter dem Gewehr,
der Magistrat aber machte an dem Thore die
allerunterthänigste Aufwartung. Jhre Ma=
stät
erhoben Sich gerade nach der hohen Dom=
kirche
, wohnten daselbst dem Te Deum
mit Dero angestammten Andacht auferbau=
lichst
bey, und beliebten demnächst in dem
Erzbischöflichen Pallast Dero Absteigungs=
Quartier zu nehmen. Die ganze Stadt
war auf den Abend beleuchtet, und die Freu=
de
, unsere allertheuerste Königin zu besitzen,
bey allen Einwohnern unaussprechlich. Heu=
te
um halb 8. Uhr Morgens, erhoben Jhro
Majestät sich abermal zum Gebet nach der
hohen Domkirche, von da aber über den =
nigl
. Platz, allwo die Kunst volle Stand= säu=
le
des Königs vor einigen Wochen aufgestel=
let
worden, nach der Abtey=kirche St. Re=
migii
; warteten allda der heiligen Messe ab,
und setzten demnächst unter unseren allerseiti=
gen
getreuesten Segens=wünschen, die Reise
nach Commercy fort.

Kurz gefaßte Nachrichten.

Zu Pilen, am Nourd=Pol, war den 14.
Julii um 9. Uhr Abends ein mit starkem
Gesaus begleitetes Erdbeben. Die Uhren
an denen Wänden, und die Gläser in denen
Schränken wurden dadurch in Bewegung
gesetzet. Es kam von Westen, gieng nach
Osten, dauerte einige Minuten, und ist auch
an anderen Orten verspüret worden.

Das zu Petersburg anzustellende grosse Ca=
roussel
muß um so prächtiger werden, da
Jhro Kaiserl. Majestät allergnädigst geruhet
haben, Dero Stall für mehr denn 80000.
Rubeln an Juwelen zu schenken, und sowol
die Anordnungen desselben, als auch den Bau
des dazu nöthigen Gebäudes Dero Ober=

[4]

Stallmeister und Ritter, Prinzen von Rep=
nin
, auszutragen.

Die Kaufleute zu Danzig versorgen sich
jetzo mit einer Menge Getrald und anderen
Kauf = waaren, weil sie befürchten, daß der
bisher aufgehobene Zoll zu Marienwerder
wieder eingeführet werden möchte.

Zu London soll sich ein vornehmer Frem=
der
im Verborgenen aufhalten, welcher aus
Frankreich wegen Staats=verbrechen geflüch=
tet
sey; man sagt, daß der Graf von Guer=
chy
bey seiner Zurückkauft von Paris den
Hof um dessen Auslieferung ersuchen werde.

Laut Particular=briefen aus Paris, ist Herr
Wilkes daselbst abermal eingetroffen. Dieser
Ort, thut man hinzu, scheinet ihm der be=
quemste
zu seyn, um allda abzuwarten, was
seine Freunde jenseit des Wassers zu seinem
Vortheil ausrichten werden.

Se. Majestät, der König von Preußen,
lassen eine Erweiterung der Stadt Clene
von der Seite des Haagischen Thors an bis
an die Linde vornehmen.

Des Marggrafens Heinrich von Branden=
burg
Gemahlin Königl. Hoheit, die sich
bisher zu Collberg befunden, werden sich
mit Genehmhaltung des Königs nunmehro
beständig zu Dessau aufhalten.

Von Sinigaglia berichtet man, daß den
5. vergangenen Monats nach einem verschie=
dene
Tage angehaltenen Regen ein solcher
Sturm entstanden, dergleichen man bey Men=
schen
gedenken nicht erlebet, durch die ausge=
trettenen
Wasser seyen viele Waaren ver=
derbt
, und bey mehr dann 50. Schiffe zu
Grund gerichtet worden, auch entdecke man
noch täglich traurige Merkmahle des von
dem Wasser angerichteten Schadens, wo=
bey
sehr viele Leuthe das Leben eingebüsset
härten.

Zu Terre=neuve, und zwar an der Baye
von Plocentia, wollen die Engeländer eine
neue Stadt anlegen, welche zu Ehren der
Königin. den Ramen, Ren=Mecklenburg.
führen soll.


Wien den 4. Sept. 1765.

Von dem am Samstag begangenen traurigen
Leichbegängnüß ist die ausführliche Be=
schreibung
im beygelegten Anhang zu lesen.

Sonntag den 1. dieses Vormittags haben
Jhre Majestät die Röm. Kaiserin mit den
2. Erzherzogen Ferdinand und Maximilian
dann den 6. Erzherzoginnen Königl. Hoheiten
die K. K. Hof=burg bezogen. Diesen Mit=
tag
sind alle Glocken in = und vor der Stadt
von 12. bis 1. Uhr geläutet worden. Abends
5. Uhr wurde das prächtige Castrum Dolo=
ris
in derer WW. EE. PP. Augustiner=
baarfüsser
=hof=kirche beleuchtet. Um halb 6.
Uhr haben die 2. Durchlauchtigsten Erzher=
zogen
Ferdinand und Maximilian dann 5.
Durchlauchtigsten Erzherzoginnen Königl.
Hoheiten mit einem grossen Staat des hohen
Abels beyderley Geschlechts in tiefester Trauer
sich nach ersagter Hof = kirche öffentlich erho=
ben
, und der Vigil in dem obern Kirchen=
oratorio
beygewohnet; Jhre Maj. die Röm.
Kaiserin aber haben sich incognito nach der
Hof = kapelle begeben, und Dero Gebett allda
verrichtet.

Montag den 2. wurden alle Glocken Vor=
mittags
von 9. bis 10. Uhr, dann Nachmit=
tags
von 12. bis 1. Uhr geläutet, und haben
die oben Allerhöchst=gedachten Herrschaften
sich mit dem vorhergemelten Hochadelichen
Gefolge Vormittags um 10. Uhr wieder ⟨ ⟩
ersagter Hof=kirche erhoben, und der Lei=
chen
= predig nebst dem Seel=amt, Abends
aber der zweyten Vigil beygewohnet: Und
Jhre Majestät die Röm. Kaiserin haben De=
ro
Gebett abermal in der Hof=capelle ver=
richtet
. Auf gleiche Art ist dieses Trauer= ge=
pränge
gestern begangen worden. Die erste Vi=
gil
und Seel=amt haben Se. Hochfürstl. Emi=
nenz
der hiesige Hr. Erzbischof und Cardinal,
und die Leichen=predig der ordinari Hof= Sonn=
tags
= prediger A. R. P. Fritz e S. J. dann die
zweyte und dritte Vigil= und Exequien Se.
Weihbischöft. Gnaden Herr von Marxer ge=
halten
. Heute aber machte den Beschluß
deren Exequien ein ungarischer Abt (Titl.)
Herr v. Baissat.

[5]

Lista deren Verstorbenen zu Wien
⟨nim⟩and vor der Stadt.
Den 30. Aug. Jn der Stadt.

Dem Sebast. Seeböck, Tambour vom Löbl. Har=
sisch
. Jnfant. regim., s. K. Reg., in der Casarm
am Salz-gr., alt 1. J.

Vor der Stadt.

Hr. Ludw. Zing, Gem. von der K. K. Schweizer-
garde
, im Spanis. Spit., alt 28. J.

Christian Schnosel, Herschaftl. Silber-wäsch. beym
gr. Thor auf der Wind-mühl, alt 57. J.

Dem Paul Weindl, Maurer-ges., s. K. Paul, des
der rot. Ent. auf der Wied., alt 2. J.

Dem Marco Kriechammer, Taglöhn., s. K. Bernh.
beym wild. Mann im Lercheuf., alt 6. J

Dem Ant. Wiernhier, Taglöhn., s. W. Johanna,
im fl. Peufelmacheris. H. zu Margar, 47. J.

Dem Gebust. Knauer, Seidenzeug-mach.-ges., s K.
Carl, im Palmis. H. zu Gumpend, alt 6. v. J.

Jos. Lammer, Schuhkn., so vom K. K. Stadt= und
Land=gericht beym gold. Hirsch. in der Josephst.
am Schlag-fluß beschauet worden, alt 44. J.
Summa 8. Person., darunter 4. Kind.

Den 31. Aug. Jn der Stadt.

Dem Mart. Hölzinger, gem. Herrschaftl. Koch, s.
W. Elisab. beym Hahnenbeis, alt 25. J.

Vor der Stadt.

Dem Georg Haler, Haus=inhab., s. W. Anna, in
s. H. auf der Wied., alt 18. J.

Joh. Wanbacher, Strümpfwürk=ges., bey der Stadt
Belgrad in der Josephst., alt 32. J.

Simon Dangl, Taglöhn., beym bl. Einhorn am
Neustift, alt 66. J.

Dem Jos. Feuerabend, Hausmeist., s. W. Regina,
bey der H. Oreyfalligk. auf der Laimgr., 57. J.

Dem Andre Lehrl, Tändl., s. K. Anna, beym gold.
Pelican zu St. Ulrich, alt 5. v. J.

Dem Math. Witzman, Taglöhn., s. K. Leop., beym
gold. Salee im Liechtenth., alt2. J.

Der Anna Huberin, Wittwe, ihr K. Theres., beym
schwarz. Eleph. im Liechtenth., alt 6. J.

Dem Maximil. Grill, Lack., s. W. Margar., beym
gold. Läm. zu Maria hülf, alt 24. J.
Summa 9. Person., darunter 3. Kind.

Den 1. Sept. Jn der Stadt.

Den Wol edel-geb. Hr. Joh. Balthas. v. Ante=
sperg
, K. Reichs-agent, im gros. Wag-H. am
Lug eck, alt 83. J.

Dem Carl Hubman, Burgerl. Kupserschm.-meist.
s. K. Jos., in Casamaten-zim. am Kärntner-th.
alt 2. J.

Vor der Stadt.

Dem Andre Paul, Burgerl Mehl = besch., s. W.
Franeisca, im Tuslis. H. auf der Wied., 45. J.

Phil. Keller, Jno., beym Rit. in der Ros., 84. J.

Dem Christian Follert, Taglöhn., s. K. Ant., bey
der H. Dreyfaltigk. am Thury, alt 1. J.

Franz Klinzauer, Herrschaftl. Kutsch., so sich er-
sallen
, und vom K. K. Stadt- und Land - gericht
im Dietrichsteinis. H. in der Rossan beschanet
worden, alt 60. J.

Summa 6. Person., darunter 2. Kind.

Den 2. Sept. Jn der Stadt.

Dem Math. Prandstätter, Hausmeist., s. T. Anna,
im Schmidis. H. in der Römerstr., alt 18. J.

Dem Joh. Harl, Hausmeist, s. W. Dorothea, im
Wenzellis. H. in der obern Brennerst., 41. J.

Vor der Stadt.

Anna Ostermanrin, Burgerl. Wittwe, beym gold.
Hirsch. in der Alster=ges., alt 60 J.

Josepha Strasserin, gew Kammer=jungs., im Got=
tes
-acker in der Leopoldst., alt 50. J.

Dem Steph. Münzinz, gew. Furrier, s K. Ther.,
bey der Schlang. im Liechtenth, alt 2. J.

Dem Jos. Mayr, Taglöhn., s. K. Joh., im alten
Baberis. H. zu Gumpendorf, alt 2. J.

Georg Oeitzner, Taglöhn, im Sandhoferis. H. zu
Erdberg, alt 40. J.

Margar. Böckin, Burgerl. Wittwe, welchs tobt- ge=
führet
, ist vom K. K. Stadt= und Land = gericht
im Gutis. H. auf der Laimgr. besthanet worden,
alt 68. J.

Dem Mich. Kampiller, Burgerl. Schust., f. K.
Jos., beym Adl. zu St. Ulrich. alt 3. J.

Dem Mich. Fux, Bier-abtrag., s. K. Jos., in Pin=
risten
=zim. auf der Landstr., alt 5. J.

Summa 10. Person., darunter 4. Kind.


NOTIFICATION.

Nachdeme verschiedene hierländige Herrschaf=
ten
, Gemeinden, und sonstige Partheyen für die
während fürgewesten leztern Krieg, und zwar
von 1ten November 1756. bis lezten October
1759. nacher Znaym, Datschüß, Brünn, und
Jglau gelieferte Haber= und Heu=Rarnralien von
denen bey daselbstigen Magazinen aufgstelit- ge=
westen
kaiserl königl. Proviant=officieren die Lie=
ser
-scheine empfangen; imgleichen wegen des
vom hiesigen Pontons=Stadl nach Böhmen, und
Währen transportirten Wehl, Haber, und Ger=
sten
die Proviant = amtliche Atteflata erhalten;
Dann ferners die von dem durchmarwirten Mi-
litari
für die augereichte Grod und Pferd Por-
tionen
empfangene Quittungen zu Handen der
kaiserl. königl. Proviant=Verwaltern, gegen Re=
cepissen
übergeben (sohin all vorberührte Liefer-
scheine
, Transportirungs-Atteftata; und Durch,
marche Recepissen allhier in Landhaus eingeleger,
und dagegen von dem damahligen Gründischen
Ober=einnehmer Herrn Joseph v. Mannagetta mit

[6]

dessen eigenhändigen Unterschrift ausgefertigte,
u verschiedenen quartaligen Ratis zahlbare Amts=
loder
Vergütungs-Recognitionen erhoben, oder
wenigst erbeben hätten sollen; jedoch unerachtet
deren in sothanen Amts=Recognitionē klar bemerkt
und vorlängst verstrichenen Zahlungs-terminen,
dennoch einige von diesen Partheyen mit ihrer
diesfälligen Forderung bis jetzo sich nicht gemel=
det
, ja sogar zum Theil ihre Vergütungs-scheine
nicht abgeholet haben. Als wird alljenen, so
derley Amts oder Vergütungs-Recognitionen an=
noch
bey Handen haben, oder an sich gebracht,
oder doch auf obige Zeit zu erbeben gehabt hät=
ten
, hiemit erinnert, daß sie entweder mit so=
thanen
annoch in Handen habenden Amts Recog-
nition
en
, oder aber sonstigen Legitimations- Noth=
durften
längstens bis Ende Octob. nächstkünftig
in der N. Oc. Landschafts Buchhalterey sich mel=
den
, und allda nach befundener Richtigkigkeit
die Anweisung zur Zahlung in dem Ständischen
Ober-einnehmer = amt erheden sollen, als im wi=
drigen
dieselbe nach Vorstreichung dieses Ter=
mins
mit berley von obigen Ursachen, und Zeit
herrührenden Forderungengen nicht mehr wur-
den
angehöret werden, sondern damit auf immer
abgewiesen seyn sollen. Wien den 29. Augusti
1765.


Wir Burgermeister und Raht der Stadt Wien
geben hiemit durch dieses offene Edict jedermän=
niglich
zu vernehmen, wasgestalten wir über ferner
schriftlich beschehenes Anlangen und gehorsamstes
Bitten Johann Hofstätter, als derer Gößischen
Kindern gerichtl. aufgestellten Curatoris ad actum
unterm 3. dies in ein nochmaliges Licitations=
edict
gewilliget und verordnet haben, daß die
Gößisch-oder sogenannt Betten=kramerisch in der
Stadt am grün Anger ligende Behausung nochma=
len
offentlich ausgesellet, und dem Meistbietenden
verkaufet werden solle. Da nun hierzu der 6.
Monats-tag Novemb. laufenden 1765. Jahrs zur
Tagsastung bestimmet worden ist, als wird ein
solches hiemit jedermann, wer etwann dieses Haus
käufl. an sich zu bringen gesinnet ist, mit diesem
Edict zu dem Ende kund und zu wissen gemacht,
damit sich ein hervorthuender Kaufer bey obbe=
melt
= bestimmten Licitations tagsatzung fruhe um
9. Uhr, oder da wir selbigen Tags etwann anderer
Geschäften halber nicht zu Raht sitzeten, bey nächst
darauf folgenden Rahts tag vor uns erscheinen,
und sich bey unser und Gemeiner Stadt Pupillen-
rait
kammer durch den daselbstigen Amtsschreiber
anmelden lassen möge, allwo sodann das weiter
Behörige tractiret werden solle.


Von des Hochfürstl. Erzbistums Wien über die
Pfarr Perchtoldstorf Grundbuchs wegen, wird
durch dieses offentliche Edict jedermänniglich
kund und in wissen gemacht: Es habe eine Hoch-
löhl
. N. Oe. Regierung zu Berkaufung denen bey

denen den 12. Martii und 3. Junii dies Jahrs
fürgewesten Licitations tagsatzungen aus Mangel
einiger Kaufern unverkauft gebliebenen andero
dienstbaren Freyherrl. von Plöcknerischen Grund=
stücken
, benanntlich: ein Rächel Weingarten, an=
jetzo
Acker im neuen Zuckermäntel, ferners 4. Pfund
Weingärter, anjetzo Acker im Zuckermäntel, dann
ein Weingarten im Goldbüchl, weitershin zu ver-
ordnen
geruhet, daß respcetu abgedacht annoch
unverkauft Freyherrl. von Plöcknerischen Grund=
stücken
eine drittmalige Licitations, tagsatzung
angeordnet, und solche dem Meistbietenden hindan-
gelassen
werden sollen; da nun hierzu in Folge
dessen der 16. Sept. Vormittag um 9. Uhr zur Li=
citations
-tagsatzang anberaumet worden, als wer=
den
alle diejenige, welche sothane Grund=stücke käufl.
an sich zu bringen gedenken, am obbestimmten
Tag und Stund in dem Pfarrhof zu gedachten
Perchtoldstorf entweder selbst persönlich, oder
durch hierzu genugsam Bevollmächtigte zu er-
scheinen
haben, allwo sodann mit dem Meistbie=
tenden
gegen alsogleich leistender baaren Bezah=
lung
der Kauf geschlossen, und das Weitere hehö=
rig
gehandelt werden solle.


Wir Burgermeister und Raht der Stadt Wien
geben dem Joseph Paul Stögmiller, oder dessen
Kindern und Erben hiemit zu vernehmen: Es
haben uns die Maria Francisca vereheligte Weß=
mayrin
, und Eva Theresia verehligte Ettingerin,
beede geborne Stögmillerinnen zu vernehmen ge=
geben
; wasmassen der wetl. Magdalenä Theresiä
Höllin burgerl. Wittib seel. nachgelassener geistli=
cher
Sohn Fr. Ambrosius Ord. St Benedicti ihnen
Stögmillerischen Kindern ein Legat pr. 300. fl.
verschafer; zumalen nun sein des Joseph Paul
als ihres Bruders Amheil auf Gemeiner Stadt
Pupillen-rait kammer ad fructisicandum verwahr=
ter
anlige, aubey aber derselbe schon über 33.
Jahre abwesend wäre ohne daß von ihm etwas
Wissentliches beywohne, als haben sie gebetten,
womit eröstert ihr Bruder Joseph Paul per Edi-
ctum
ad Valvas zu Richtigstellung der Abhandlung
einberufen werden wöchte. Rachdeme nun in
dieses billige Ansuchen gewilliget worden, als hat
er Joseph Paul Stögmiller, oder allenfalls seine
Kinder und Erben den 1. Martii künftigen 1766.
Jahrs auf unser und gemeiner Stadt Wien Pu=
pillen
- rait = kammer entweder persönlich selbst,
oder durch einen hierzu hinlänglich bevollmächtig=
ten
Gewalthaber sich alsogewiß zu melden, und
behörig zu legitimiren, wie im widrigen oh=
ne
Rucksicht auf ihn Joseph Paul und allenfalls
dessen Kinder und nächste Erben mir der Abhand-
lung
fürgegangen, und sothanes Legats antheil de=
nen
darum supplicirenden zweyen Schwestern ver=
abfolget
werden solle. Welches man durch die=
ses
offene Edict hiemit kund und zu wissen machen
wollen.

[7]

Von der Gräfl. Dietrichsteinischen Herrschaft
Ulrichskirchen Amts=canzley wegen, wird hiemit
jedermänniglich kund und zu wissen gemacht, was=
gestalten
das diesseitig im Markt Ulrichskirchen be=
findliche
herrschaftliche Bräuhaus vom 1. Novem-
bris
dies laufenden Jahrs an bestandweis zu ver=
lassen
seye. Wer demnach solches zu beziehen ge=
denket
, kan sich nach Belieben bey besagter Herr=
schafts
-canzley anmelden, allwo man mit ihme we=
gen
des Bestandes das Weitere schliessen wird.


Von der Kaiserl. Königl. Majestät N. Oe.
Landrecht wegen, wird hiemit allen und jeden, so
an weil. Herrn Franz Anton Grafen v. Lamberg
Sprinzenstein, Jhro K. K. Maj. würki. geheimen
Rath seel. Verlassenschaft Schulden halber einige
Sprüche und Anforderungen haben, oder zu haben
vermeinen, kund und zu wissen gemacht: Wel=
chergestalten
über Absterben des obernannten Herrn
Franz Ant. Brasen v. Lamberg Sprinzenstein auf
Anlangen des Joh. Baptist Liechtenstein, als Gräfl.
Franz Anton Lamberg Sprinzensteinischen Curato-
ris
bonorum, zu Ausfindigmachung des Æris alie-
ni
eine peremptorie clausulirte Convocations und
Liquidations tagsatzung auf den 4ten Novemb.
dies Jahrs Nachmittag um 3. Uhr in des Herrn
Ludwig Freyherrn v. Pechman, K. K. N. Oe Land-
raths
, und der gerichtl. aufgestelten Concurs- com-
mißion
der Zeit verordneten Präsidis, in der Kru-
ger
=strasse nächst dem Wallfisch in dem klein Sa-
ckischen
Haus im ersten Stock habenden Wohnzim=
mern
zu erscheinen pro 1mo. 2do. 3tio. ac ultimo
termino bestimmet worden seye; Solchemnach
werden alle und jede Jntereßirte, so an des obbe=
melten
Hrn. Franz Ant. Grafen v. Lamberg Sprin=
zenstein
seel. Verlassenschaft Schulden halber eini=
ge
Sprüche und Anforderungen haben, oder zu ha=
ben
vermeinen, an obgedachten Tag, Stund, und
Ort entweder persönlich, oder durch genugsam Be=
vollmächtigte
alsogewiß erscheinen, ihre habende
Sprüche anmelden; und zugleich mit Beybringung
behöriger Documenten rechtens liquidiren, als im
widrigen von denen Anwesenden und dem Curatore
ad Lites die Nothdurften vernohmen, hierüher ex
Officio relationiret, denen Ausbleibenden aber das
ewige Stillschweigen auferleget werden solle.


Von N. Richter und Rath des Kaiserl. Markts
Stockerau wegen, wird allen und jeden Credits-
partheyen
, welche sich bey der über des Joseph
Hartz, burgerl. Handelsmann allhier, ad Cridant
gediehene Vermögen den 6ten Febr. dies Jahrs an=
geordnet
gewesten Convocations=tagsatzung gemel=
det
, hiermit kund und zu wissen gemacht: Wel-
chermassen
dieselbe den 18. des Monats Sept. Vor=
mittag
um 8. Uhr bey Publicirung des diesfälligen
Cridä=⟨⟩ ⟨⟩schieds auf dem allhiesigen Rathhaus al-
sogewiß
zu erscheinen haben werden, als im widri=

gen mit der Publicirung ex Officio fürgegangen
werden solle.


Von dem Magistrat der Hochfürstl. Lichtenstei=
nischen
Stadt Leobschütz in Ober=schlesien, =
nigl
. Preußischen Antheils, werden ad Instantiam
der Ludomilla Sanckowitz gebornen Fuchsin zu
Brünn, deren Bruders des von hier gebürtigen
Cosmas Damian Fuchs, gewesenen Auditeurs bey
der Kais. Königl. Garnison zu Kapronitz in Scla=
vonien
, allwo derselbe vermöge eines beygebrach=
ten
Todten=scheins im Jahr 1734 verstorben seyn
soll, eheliche Leibes=erben oder sonstige nächste
Verwandte hiemit edictaliter vorgeladen, inner=
halb
12. Wochen, vom 3ten Sept. a. c. an gerech=
net
, besonders aber in Termino peremptorio den
26. Novemb. a. c. allhier zu Rathhause Vormittag
um 9. Uhr zu erscheinen, und prævia Legitimatio-
ne
die von besagtem Cosmas Damian Fuchs allhier
vorhandene und in einigen hundert Gulden beste=
hende
Gelder in Empfang zu nehmen, im Fall ih=
res
Aussenbleibens aber zu gewärtigen, daß sie wer=
den
präcludiret, und sothane Gelder Anfangsge-
dachter
Sanckowitz verabfolget werden. Leobschütz
den 16. Aug. 1765.


Von des K. K. Stift Herrschaft Eberstorfischen
Judicii Delegati wegen, wird hiemit jedermann
kund und zu wissen gemacht: Welchergestalten auf
Anlangen des über des Johann Christ, gewesten
Wirth und Gastgeb zum heil. 3. Königen in dem
Markt Schwechat, ad Cocursum gediehenes Ver=
mögen
ausgestelten Curatoris ad Lites, Hrn. Franz
Xaveri Leonhard Högg, J. U. D. auch K. K. Hof=
kriegs
=raths= und Gerichts = advocaten, zu Aus-
findigmachung
all und jeder Johann Christischen
Patzin=schulden, dann zu Handlung der Nothdurft
und Erörterung der Frage: ob die von dem ernann=
ten
Johann Christ untern 11. Julii dies Jahrs an=
gemeldete
Cessio bonorum statt habe, oder nichtI
wie auch zu Benenn= und Aufstellung eines Cura-
toris
bonorum, ein pro Termino primo, facundo,
tertio peremptorie clausulirte Convocations= tag=
satzung
auf den 6ten künftigen Monats Novemb.
Nachmittag um 2. Uhr mit Einschluß deren kom=
menden
Weinlös=ferien bestimmet worden seye.
Solchemnach haben all und jede, welche an obge=
dachten
Johann Christ qaocuque demum
jure, & nomine einige Sprüch und Anforderungen
zu haben vermeinen, an dem obbestimten Tag und
Stund in mein Judicis Delegati in dem Minoriten=
haus
hinter dem Landhaus im 1sten Stock habenden
Wohnung entweder selbst persönlich, oder durch
genugsam Bevollmächtigte alsogewiß zu erscheinen,
ihre Anforderungen anzumelden, auch rechtlichen
zu liquidiren, wie im widrigen die Ausbleibende
nicht mehr angehöret, sondern von dem Johann
Christischen Vermögen gänzlich ausgeschlossen, die
nicht genugsam Liquidirende aber von gegenwärti=

[8]

ger Criba abgewiesen, dann in puncto der von ge-
dachtem
Ehrist angesuchten Cessionis bonorum die
Nothdurften von den Anwesenden in Conruma-
ciam
angehöret, und hierüber ex Officio was rech-
tens
ist, erkennet, wie auch wegen Nahmhaftmach=
und Aufstellung eines Curatoris bonorum, die Aus=
bleibende
mit dem mehreren Theil deren Anwesen=
den
verstanden zu seyn gehalten werden sollen.
Wornach sich jedermann zu richten, und vor Scha=
den
zu bütten wissen wird.


Obrister Hofmarschall ⁊c.

Geben mit gegenwärtigen Edict dem Erasmo
Blötner zu vernehmen: Wasmassen uns der Jo=
seph
Blötner, die Theresia und Ursula Blötnerin,
dann der Philipp Jacob Wittmann mandatario
nomine des Philipp Jacob Blötner Schuhmachers
zu Därnig nächst Ried in Bayern gehorsamst und
respect, demütigst vorgestellet, wie daß derenselden
allschon vor mehreren Jahren abgelebte Vetter Jo=
hann
Held, gewest weltl. Priester und Kaiserl. Hof=
musicus
in seinem unterm 26. Martii 1737. errich=
teten
Testament §pho 5to & 6to ihnen von der Re-
gina
Blömerin gebornen Heldin abstammenden 5.
Kindern, benanntl. Philipp, Joseph und Erasmo
Blötner, dann Ursula gebornen Blötnetin, einer
jeden derselben 50. fl. der Thereßä gebornen Blöt=
nerin
aber 100. fl. legiret und vermachet habe, sie
auch bis auf ihne Erasmo Blötner mit ihren Le=
gat
bereits hindan gefertiget worden wären. Zu=
malen
aber das producirt von der Churfürstl.
Hauptstaet Straubing sub D2to 3. April dies in=
lebenden
1765sten Jahrs ausgestellte Attestarum
⟨⟩ ⟨⟩thuete, daß er Erasmus Böttner, als de-
ner
vorberührter Legatarien Brüder den 9. No-
vemb
.1728. in die Lehre der Zengschmmid Hand=
thierung
gegeben, und nach zurückgelegter 3= jäbri-
ger
Lehrzeit die Wanderschaft angetretten habe,
seltdeme aber, näml. durch 33. Jahre der von ihme
nichts gehöret, noch gesehen worden, solgl. die nach
österreichischen Landes=brauch ausgemessene Ver=
jährungs
=zeit bereits verstrichen wäre, und weilen
sobin nach sothaner Verjährung derselben das
Recht zukommete, mehr besagt ihres Bruders
Erasmi Blötner in Deposito besindliche Erbs= por=
tion
pr. 50. fl. samt denen von 16. Augusti 1740.
hievon ausständigen Jnteressen, und den ihme
Erasmo Blötner weizers zukommenden Erb=rest
pr.14. fl. 27. kr. einzutretten, als hatten diesel=
be
um Aussertigung sothanen Brüderlichen Erb=
antheils
in Betrag zusammen 64. fl. 27. kr. cum
sua causa bittlich angelanget. Da mit nun aber
dict deren Supplicanten Gesuch dahin verbeschei=
hat
haben, daß das Begebren der Zeit nicht statt
habe, sondern selbe vorläufig um Affigirung deren
Valval-edicten zu Einberufung ihres mehr erhol-
ten
Bruders Erasmi Blötner Anlangen und deren=
selben
Expirirung abwarten sollen, sie Heldische

Legatarien auch in Folge dessen um Ausfertigung
sothanrr verordneten Valval - edicten geziemend
gebetten. Als wird ihme Erasmo Blötner durch
gegenwärtig offenes Valval edict anbefohlen, daß
er a Doto dieses Edicts dinnen 1. Jahr, 6. Wo=
chen
3. Tägen vor dem uns allergnädigst anver=
traut
K. K. Obrist=hofmarschallen amt alsogewiß
erscheinen, und sich alda behörig anmelden lassen
solle, wis im widrigen dessen Geschwistrigten in
die Ersolglassung seiner obberührten Erbs portion
cum sua cansa auf serneres Anlange gewilliget wer=
den
wurde. Wor nach sich also derselbe zu richten
wissen wird. So beschehen Wien den 17. Aug. 1765.


Von des Fürstl. Stists und Jungfräulichen Klo=
ster
zur Himmelpforten Grundbuchs wegen, wird
hiemit jeberwänniglich durch gegenwärtiges Edict
kund und zu wissen gemacht: Es habe der nach ab
intestaro erfolgten Absterben weil. Ursulä Donisin
gewest diesseitigen Grundholdin am Spörckendiechl
gerichtl. verordnete Verlassenschafts-curetor Herr
Franz Xaveri Leonhard Högg, beeder Rechten Do=
ctor
, auch K. K. Hof = kriegs - raths- und Gerichts=
advocat
, des mehreren angereiget, welchergestalten
die Nothdurft zu seyn scheine, doß zu behöriger
Richtigstellung dieser Denisischen Verlassenschaft
nicht nur vorläufig das etwa vorhandene æt alie-
num
erufret, sondern auch die ab intestano sucer=
dirende
Erben ausfindig gemacht, und zu dem En=
de
alle diejenige, welche an sothane Verlassenschaft
ex quocunqas demum capite Sprüch oder Ausor=
derungen
zu haben vermeinen, durch ordentliche
Valval = edicta sub clausula præcloli einberusen
werden mögen; Da nun auch in dieses curatorische
Gesuch sub hodierno dato würklichen gewilliget,
und zu Anmeld, und Liquidirung der 25. künstigen
Monats Sept. dies laufend 1765. Jahrs Find um
2. Uhr pro 1mo. 2do. & ultimo termino für das
diesseitige Grundbuch zu erscheinen bestimmet wer=
den
ist. Als werden alle diejenige, welche an die
ernannt Ursulä Denifische Verlassenschast ex quo-
cunque
titulo vel causa Sprüch oder Anforderun-
gen
haben, oder zu haben vermeinen, auf den ge=
dacht
25. Sept. dies 1765. Jahrs Fruh um 8. Uhr
für diesseitiges Grundbuch alsogewiß zu erscheinen,
ihre Forderungen der Ordnung nach anzumelden,
auch solche untereinstens rechtsbeständig zu liquidi=
ren
, und sich zu legithniren haben, wie im widri=
gen
denen Ausbleibend= und nicht Liquidirenden,
oder sich behörig nicht Legitimirenden das ewige
Stillschweigen auferlegt, selbe von gegenwärtige,
Massa gänzlichen ebgewiesen und ausgeschlossen r
sohin ex Officio & in Contumaciam fürgekehres
werden solle, was rechtens ist.


Bey Georg Ludwig Schulzens seel. Wittib ist zu haben:
zu haben:

Trauerlied über den höchstbetrübten Tobfall Jh=
re
Majest. des Kaisers ⁊c. ⁊c. in 4to pr. 7. kr.

[9]

Num. 71. Mittwochs = anhang den 4. Sept. 1765.

Gedruckt in dem Kais. Kön. privilegirten Zeitungs=verlag und Buchdrucke=

rey im neuen Michaeler = haus mit von Ghelischen Schriften.


Ausführliche Beschreibung des feyer=
lichen
Leichenbegängnisses Weyl. Sr. Maje=
stät
des römischen Kaisers Francisci des I.
welches den 31. Augusti vollzogen
worden.

Uber deme, was in dem jüngst=rorigen sam=
stägigen
Zeitungs=blat den 31. Augusti dem
Publico bereits sowohl in Ansehen der schreck=
samen
hiesigen Ankunft = als der darauf besche=
henen
öffentlichen Aussetzung des entselten
Kaiserl. Cörpers weil. Sr. Majestät der Röm.
Kaisers Francisci I. höchst=seligsten Gedächt=
nüß
vorläuffig bekannt gemacht worden, eilte
endlich noch auch nämlichen Abends den 31.
Aug. der unglückliche Zeit=punct herbey, daß
zu der feyerlichen Beysetzung dieses todts= ver=
blichenen
grösten Welt=monarchens würklich
geschritten werden müste. Unter den kennba=
resten
Zeichen eines an jedermann wahrgenom=
menen
mithin allgemein getragenen rührenden
Beyleids wurde hierzu in aller Ordnung, auch
mit dem diesem grossen Kaiser gebührenden
letzten Gepränge nach 3. Uhr Nachmittags fol=
gender
Gestalten der Anfang gemacht. Dann
um diese desfalls bestimmte Zeit erfolgte in der
Ritter=stube neben dem dasigen Leichen= parade=
beht
, mittels dem Herrn Hof= burg= pfarrer
secundùm rituale die priesterliche Einsegnung
des mit schwarzem Taffet verhülten Herz, sel=
bes
erhoben, darauf die Herren Hof= cammer=
fouriers
, und übergaben es denen darzu er=
nannten
2. Herren Hof=cammer=dieneren, um
solches nach der Loreta=kapellen der Augusti=
ner
=hof=kirche zum Beysetzen tragen zu sollen;
Die ehrerbietigste stille Begleitung dahin wa=
re
nachstehende: Voraus giengen beede Her=
ren
Cammer= fouriers, welchen 2. Herren
Cammer=dieners folgten alle in schwarz= tüche=
nen
Mantel = kleidern, weiters eben also die
beeden zu Tragung des Herz ausgewählte Her=
ren
Cammer = dienere mit demselben, darne=
ben
keine Kaiserl. Herren Edel=knaben wegen
des noch hellen Tags zu leuchten hatten, und

tratten demenächst zur Begleitung nach 2. Kai=
serl
. Königl. Herren Cammerern in Schurz,
und langen Trauer=mänteln, zur Seiten aber
bedeckten 4. abeliche Garden mit verwendeten
Carabinern, und zwar rechts 2. adeliche Kais.
Kön. Herren Areiern, hingegen links 2. =
nigl
. Herren hungarische Adel=garden. Gleich
bey dem Eintritt in die Kirche machte der Au=
gustiner
P. Prior una cum Conventu an der
Stiegen=thür den andächtigen Empfang, voll=
zohe
alda die geistliche Ceremonien, und be=
gabe
man sich alsdann in die Loreta=capelle,
allwo das Herz more solito hinter dem dasi=
gen
Altar nach denen gewöhnlichen Gebetten
in die kleine Gruft eingelegt worden. Mit=
lerweile
versamleten sich zu Fortführung des
Kaiserl. Eingeweides die 3. erforderliche Hof=
wägen
, und zwar ein 6=spänniger 4=sitziger auf
dem sogenannten Spännier, nebst 2. zwey=
spännige
4=sitzige auf dem Burg=platz. Zu die=
sem
Ende geschahe auf vorige Art ab Seiten
des Hof=burg=pfarrer ebenfalls die Einsegnung
des Eingeweides dem Herkommen gemäß nach
4. Uhr Nachmittags. Die Erhebung, Uber=
reichung
, Hinabtragung zum Wagen, und Be=
gleitung
derselben dahin wurde auf gleiche,
schon oben des Herzes halben beschriebene Wei=
se
, doch von anderen darzu genommenen 2.
alten Kaiserl. Herren Cammerern vollbracht,
der Kessel in dem 6 = spännig = 4=sitzigen Hof=
wagen
von denen Cammerdieneren oben an
allein hineingestellet, in welchem die beede
Herren Cammerern unten an ruckwärts fah=
rend
Platz nahmen. Der Zug nach der St.
Stephans=kirche gienge dann in der Ordnung
also: Voraus rikten 2. Kaiserl. Einspannier,
nach diesen fuhre der Wagen mit denen Hof=
fouriers
, darauf jener mit denen 4. Cammer=
dienern
, sofort der 6=spännige mit den Ein=
geweid
, samt darinn begleitenden 2. Kaiserl.
Herren Cammerern, und dieser Hof=wagen
ist, wie bey dem Herzen zu Fuß, zur Seiten
rechter Hand von 4. Mann der Kaiserl. Adel.
arciern=leib=garde, zur Linken gleichmäßig

[10]

durch 4. der Königl. Hungar. adelichen Leib=
garde
zu Pferd, und nicht nur ganz schwarz
uniformirt, sunderu auch schwarz equipirt be=
decket
worden. An der grossen St. Stephans=
kirchen
=eingangs=thür ausserhalb befanden sich
vorhin schon in besagter gleichen Rüstung zum
Empfang des Eingeweides, und Begleitung
dessen zur dasigen Gruft 2. Mann einer jeden
berührten Leib=garde zu Fuß postirt. Kurz vor
Ankunft sothanen Zugs mit Vortragung des
Creutzes, Vortrettung des Kirchen=cleri samt
dem Dom=capitel erschiene in Pontificalibus
der Herr Weih = bischof selbst an eben dieser
Thür. Bey Anlangung des Wagens wurde
von denen Cammer = dienern das Eingeweid
aus solchem gehoben, und unter der Kirchen=
thür
more consueto eingesegnet, hiernächst
in der gehörigen Ordnung unter Leuchtung
der Herren Cammer=fsuriers mit Wind= lich=
tern
in die Grust nebst der ganzen Geistlichkeit
begleitet, und nach denen nöhtigen Gebetten
und Ceremonien dorten beygesetzt. Und gleich=
wie
die Stunde zu dem Trauer=vollen Kais.
Leichen=conduct um 7. Uhr Abends bestimmet
worden ware; so fanden desfalls die P. P.
Augustiner und Capuciner in der Leib= garde=
wacht
stube die Herren Hof=kapläne mit der
Hof=musie; in der Aussetzungs=ritter=stube die
zu Führung der Kaiserl. Leiche hinter dem
Sarg allerhöchsten Orts eigends bestimmte
4. hinterlassene Herren Obriste Hof=ämter,
nebst übrigen, und zwar mit der grossen Ordens=
collana
umgebene Herren Toisonisten, samt
Sr. Eminenz dem Heren Cardinal Erzbischo=
sen
mit dem hiesigen Dom=capitul, und ihrem
Crentz, dann die Herren Ministri, geheime
Rähte, Cammerern, auch die Hof=truchsessen,
und zwar nach Belieben, theils nach der ersten,
theils nach der anderten Anti=camera in schwar=
zen
Schurz = kleidern, und langen Mänteln
durchgehends von geyeperlten Poy, daun die
Hof = wie die Stadt=dames in ungemein star=
ker
Anzahl, der inzwischen regulirten Trauer=
kleidung
gemäß; in der ersten Anti=camera
Sr. Majestät des jetzo regierenden Kaisers
sich nach und nach ein, und eben also versam=
leten
sich an ihren Plätzen in der Augustiner=
hof
=kirche immittels sonstige Ordens=geistliche,
Dicasterial= und andere mitgehende Perso=
nen
, da bereits einsweilen vor der Kirche

die Spitäler in Ordnung gebracht wurden.
Hiernachst nach 7. Uhr vollzohe der Herr
Hof = bung = Pfarrer mit dem Cusiode bey dem
Parade Leichen = beth endlich seine letztere
geistliche Einseegnung des dahier im Sarg
stäts verschlossen verbliebenen Kaiserl. Leich=
nams
. Man setzte aus denen ersagten Kai=
serl
. Zimmern allgemach all= und jede über
den laugen Gang in gehörigen langsamen
Vorschritt.

Die zum tragen gewählte Herren Camme=
rer
mit dem Fleck vor den Angesichtern,
und von Huth abhangenden kurzen Flor, un=
ter
Beyhülf der Cammerdieneren erhoben an
Schlingen von Parade = beth die Kaiserl. Lei=
che
, man bevestigte auf dem Sarg gesamte
schon den 31. Augusti beschriebene Jnsignien
nebst dem Crucisix; der Sarg wurde auf ei=
ne
kleine Trage vestgebunden, alsdann erst
von dem Herrn Cardinal Erzbischoffen selbst
unter Aßistenz der Hof = auch übrigen Geist=
lichkeit
eingeseegnet, und dann nach der He=
bung
durch 24. Cammerherren über eröster=
ten
Gang an Schlingen getragen. Der höch=
ste
Leichnam wurde rechts und links ganz
nächst der Bahr von denen beeden ältesten
anwesenden Toison Ordens = rittern mit der
Collana, nämlich des Herrn Herzogs von
Sachsen Hildburgshausen Durchl. und des
Herrn Johann Michael Grasens v. Althann
Excell. etwas weiter vorwerts aber von de=
nen
anderen Herren Toisonisten, wie nicht
minder ganz nächst an der Bahr durch die
3. Herren Leib = garde = Capitaius, an selbe
aber mittels 12. Mann der zweyer schwarz
uniformirter adel. Leib = garden, und auswerts
auch von der schwarz gekleideten commandir=
ten
Schweitzer = mannschaft überhaupt zur
rechten und linken Hand ehrerbiethigst beglei=
tet
. Hinter dem Kaiserl. Leichnam oder
Sarg giengen zu Führung dieser höchsten
Leiche nur die desfals allergnädigst befehlig=
te
obbemelte hinterlassene Kaiserl. 4. Obrisse
Hof = ämter, ohne dabey umgehängt gehab=
ten
grossen Toison Ritter = ordens = collana,
Paarweise ganz allein, und zwar des Herrn
Grafens v. Ulfeld Excell. nebst denen 3. Her=
ren
Fürsten v. Khevenhüller, v. Schwarzen=
berg
, und von Auersperg Fürstl. Gnaden.
Nach benenselben folgte gleich der regieren=

[11]

den Kaiserin Majest. Obriste Hofmeister in
Frau Gräfin v. Aspremont Lynden Excel.
dahingegen gleich hinter derselben einschichtig
die hiesigen Frauen Fürstinnen, und alsdann
die Hof=auch Stadt=dames nach ihren Rang
wie gewöhnlich eingetheilter. Bey dieser
Ankunft in der Augustiner Hof=kirche be=
fande
sich auf einem gelegten schwarz tüche=
nen
Teppich die grosse lange Leichen=trage
gestelter, worauf dann die bisherzu in
Schlingen getragene kaiserl. Sarg gestellet,
befestiget, erhoben und von dannen über die
Gassen auf der gemachten Bretter=brücke
förmlich auf denen Achseln ab Seiten der
Kammerherren nebst 12. zwischen diesen mit
höltzernen Stützen eingetheilten Kammerdie=
nern
, unter Leutung aller Glocken in wie aus=
ser
der Residenz=stadt nach der hiesigen
Stadt Capuciner=kirche getragen wurde.

Die Ordnung im Gehen dahin ist bey die=
ser
Trauerbegebenheit folgender Gestalten
eingeleithet worden:

Ein Commando Dragoner der hie=
sigen
Garnison ritte um Platz zu machen,
voraus, nebst 2. Einspännier.

1) Alle Spitäler.

2) Alle Ordens=personen ihrer Ordnung
nach mit weissen Wachslichtern.

3) Die Pfarrere.

4) Der Stadrath.

5) Die Landstände.

6) Die Kais. Reichs=Hof und andere
Dirasterial=räthe von verschiedenen Stel=
len
und Jnstantien.

7) Die Hof=livre=leuthe.

8) Die Officiers der Hofstaaten.

9) Die Herren Edelknaben in ihren Klag=
kleidern
, samt ihren Herren Hofineistern und
Instructoren.

10) Die sammentliche Herren Hof= pat=
res
und ihren Gesellen mit brennenden Wax=
kerzen
.

11) Die Mundschänck, Vorschneider und
Truchsässe mit dem Obrist=stabelmeister.

12) Die k. k. Herren Kammerer ohne
Rang.

13) Die k. k. Herren geheime Räthe,
und zwar nicht nur diese sondern auch alle
sub Nro. 11. und 12. benannte im Schurz
und langen Mänteln unbedeckt, ohne Visire

mit weissen Windlichtern, jedoch die Herren
geheime Räthe in ihrem Rang.

14) Die k. k. Musik mit weissen Kerzen.

15) Das Conduct=kreutz von Hof mit dem
Burgpfarrer.

16) Das Domkapitul mit weissen Wax=
kerzen
.

17) Der Clerus Secularis mit weissen
Wachskerzen zur Assistenz des Pontifican-
tens
, worunter auch die k. k. Hofkapelane in
Pluvialibus.

18) Die Herren Prälaten und Jnsulirte
in ihren Pontifical=kleidern und weissen Wind=
lichtern
.

10) Zu beeden Seiten ausser der Geist=
lichkeit
, wie bey denen Corporischristi Pro=
cißionen
, die Herren Ritter des goldenen
Vlieses ihrer Ordnung nach mit der großen
Ordens=colana und weissen Windlichtern.

20) Neben denen Toisonisten aussenher
die wienerische Universität, des ist: Herr
Rector Magnificus, und die 4. Herren Deca=
ni
der 4. Facultäten mit denen Bedellen.

21) Se. Eminenz Herr Cardinal und Erz=
bischof
Fürst v. Migazzi mit zweyen Prälaten.

22) Die Kais. Leiche mit denen Jnsignien
ausgebahret, welche von 24. Kammerherren
nach Maß des Raumes getragen wurde,
womit abermal 12. Kammerd. mit ihren
hölzenen starken Stützen zum Rasten machen
eingetheilet giengen, darneben auch 12. kais.
Edelknaben mit seinen weissen Waxtafeln in=
gleichen
wurde die Kais. allerhöchste Leiche zu
jeder Seiten durch einen ältesten Herrn Toison
Ritter, und ebenmäßig den gewöhnlichen Ge=
brauch
von denen Kais. Herren Leibguarde
Capitains von beeden Seiten begleitet, wie
annebst rechter Hand durch 6. Mann der
Kais. adelichen Arcieren=Leibgarde, und
zur Linken ob Seiten der Königl. hungari=
schen
adelichen Leibgarde mittelst ebenso vie=
ler
Mannschaft auswärts, darneben aber durch
die Schweizer=garde bedecket.

23) Nach der Kais. Leiche führeten den
Trauer=conduct die 4. Kais. und Kais. Kön.
Herren obriste Hof=ämter, mit in der Hand
habenden feinen weissen Wax=fackeln.

24) Gleich nach denen führenden hinter=
lassenen
Kais. 4. Herren obristen Hof= äm=
tern
haben die Hof= und Staats=damen nach

[12]

ihrem Rrug eingetheiter den Leichen= con=
duct
begleitet, und haben dem zufolge sich
in der Kais. ersten Anti=camera allhier zu
versammlen gehabt.

25) Unter Anführung derer Herren Ober=
officiers
folgete ein Detaschement der Kön.
hungarischen adelichen Leibgarde zu Pferde
mit ihren schwarz überzogenen Paucken und
gestillten Trompeten, und

26) Schlosse ein Jnfanterie=commando
der hiesigen Garnison unter Anführung ihrer
Herren Ober=officiers, mit dem Trauer=
spiel
.

Jn der Capuciner=kirche selbst wurde der
Kaiserl. Sarg auf den mit einem schwarzen
Gold=stückenen Teppich überdeckten Tisch ge=
setzet
, von selbem das Crucifix nebst allen Jn=
signien
, Wappen und dem reichen Bahr=tuch
abgehoben, durch die Hof=musik das Libera
me Domine &c. gesungen, von des Herrn
Cardinals hiesigen Erzbischofs Eminenz die
Einsegnung verrichtet, und der uneröfnet zu
bleibende Kais. Sarg mit dem entfeelten höch=
sten
Körper von den fürnehmsten Priestern des
Capuciner=klosters in Gefolge Sr. Eminenz
samt denen Herren Pälaten=aßistenten, Hof= ka=
plänen
, nebst Sr. Excell. dem ersten Hrn. obri=
sten
Hof=meisteren, auch Sr. Fürstl. Gnaden
dem Herrn Obristen Cammerern, dann des
Ober= und Unter=cammer=sonriers hinab in
die Gruft getragen. Alda beschahe mittels
hochgedachten Sr. Hochfürstl. Eminenz nach

der bevor ordentlich vollzogenen Beysetzung
nun die letzte Einsegnung. Des ersteren Herrn
Obristen Hofmeisters Grafens von Ulfeld Ex=
cellenz
hingegen rersicherten dem Putti Quar=
diano
: daß des Kaisers Majestät höchster
Leichnam zu Jnspruck in Beyseyn zulänglichen
Zeugen in gegenwärtigen ohuzuerösnenden
Sarg gelegt worden, ach also darinn noch
befindlich wäre, darauf zeigten Seine Excel=
lenz
dem Patri Quardiano das noch versi=
gelte
Papier mit denen Schliesseln, eröfnete
solches, empfahle dem Quardiano die beste
Sorgfalt zu tragen, welches er ebenfalls an=
gelobte
. Hiernähst überreichte Se. Excel=
lenz
Sr. Ehrwürden einen Schliessel zu der
Sarg, liessen den anderten Schliessel Tags
darauf aber in einem Papier verperschierter
mit der üblichen Uberichrist dem hiefigen Hof=
schatz
=meister Herrn v. Schonppe zur Bewah=
rung
in der Schatz=cammer gegen Recipisse
zustellen. Jn der Capuciner=kirche wurden
nach Gestattung des engen Raums sowohl ab
Seiten der Herren Toisonisten Groß=creutzen
des Militairs=theresiä=ordens geheimer Räh=
ten
Hof=auch Stadt=dames, Cammerern, als
deren Rittern oder klein Creutzen des Militair=
Theresiä=ordens (welche Letztere mit denen
Herren Groß=creutzen directe von Haus, ohne
mit dem Conduct zu gehen, sich in der Kirche
eingefunden) in denen desfalls zubereiteten
Bänken die unterschiedene Plätze eingennom=
men
.

[13]

INSCRIPTIONES

AUCTORITATE SACRA DEDICATAE

DIVO

FRANCISCO LOTHARINGICO,

DUM

AUGUSTA PIETAS AUSTRIACA

LAURETANAS AD ARAS

AN. JESU CHR. MDCCLXV.KAL. SEPT.

PARENTARET.

EPITAPHISTA PALATINO

JO. CAR. NOB. A NEWENSTEIN, S. R. I. EQ.


M. TUL. CICERO.

PRO T. ANNIO. MILONE.

Amplissimum est praemium Gloria, quae brevitatem vitae posteritatis memoria conso-
latur
; quae efficit, ut adsimus absentes, mortui vivamus: haec denique est, cujus Gradibus
etiam homines in coelum videntur ascendere.


A. . .

INSCRIPTIO I.

D. OPT. MAX. SAC.

IMP. CAES. AUG. INVICTO

FRANCISCO. PRIMO. MAGNANIMO.

P. FEL. P. P.

SEXUS. SUI. SIDUS.

RELIGIOSISSIMA. HEROINARUM.

THERESIA.

HONOREM. SUPREMITATIS. EXHIBET.

HIC. DOLOR. SECULUM. IMPLET.

QUIS. ENIM. IMPERATOREM. TANTUM. SATIS. FLEAT.
LACRUMAE. NOBIS. DEERUNT.

ANTE. QUAM. CAUSSAE. DOLENDI.

INSCRIPTIO II.


AB. INCARNATIONE. DOMINICA. MDCCVIII. VI. ID. DEC.

MAGNO. GENTIS. BONO.

SCEPTRIS. CORONIS. IMPERIIS. NATUS.

DATUS. DONATUS. DESTINATUS.

SAPIENTIA. MAGNANIMITATE. MAGNIFICENTIA.
CETERISQUE. VIRTUTIBUS. REGIIS. HEROICIS. CHRISTIANIS.
BENEFACIENDO. CUNCTIS. NUNQUAM. DIEM. PERDIDIT.
BONITATE. TRAJANUM. INDULGENTIA. TITUM. SAPIENTIA. ANTONINUM.
TOGATIS. SAGATISQ. DOTIBUS.

CAROLUM. M. LOTHARIUM. GODOFREDUM.

ATAVOS. REGES. EGREGIE. AEMULATUS. EST.

SED. QUORSUM. VIATOR. TE. MOROR.

OMNES. MORIMUR. TEMPORI. ET. NASCIMUR. AETERNITATI.

[14]

INSCRIPTIO III.

A. DEO. HOMINE. MDCCXXXVI. PRID. ID. FEBR.

HOC. FORMOSUM. SECULI. SPECIMEN.

PULCHERRIMAE. DATUM. THERESIAE.

QUAM. PROBA. ANIMI. CONSTITUTIO.

AMOR. ET. REVERENTIA. MARITI.

CONCORDIA. ET. PIETAS. MUTUA. COMMENDANT.

HOC. PROIN. FELICI. CONNUBIO. JUNCTUS.

THORI. REGNIQUE. CONSORS.

PROLIS. NUMEROSAE. PARENS.

DOMUS. PATRIAEQ. PATER. FELICISSIMUS.

AN. MDCCXLV. IDIB. SEPT.

A. DEO. ET. IMPERIO. ELECTUS.

ET. IV. NON. OCTO.

CUM. SUMMA. OMNIUM. EXULTATIONE. ORDINUM.
AUSPICATO. AUGUSTEQUE. INAUGURATUS.

PRISCORUM. GLORIAS. ET. MAGNALIA. CAESARUM. ADAEQUAVIT.
QUAM. DIGNUS. FUERIT. IMPERIO.

AVGUSTISSIMUS. IMPERATOR. OSTENDIT. IMPERANDO.


INSCRIPTIO IV.

HOC. ANNO. CHRISTIANO. MDCCLXV. XV. KAL. SEPT.

DIVINUS. HIC. MONARCHA.

AD. SANCTAM. CIVITATEM. ILLAM. JERUSALEM.
FELICITATE. FELICISSIMA. PROFECTUS.

JAM. CIVIS. SANCTORUM. ET. DOMESTICUS. DEI.
NULLUM. HERCULE. MONUMENTUM. CLARIUS. RELINQUERE. POTUIT.
QUAM. EFFIGIEM. MORUM. INGENII. SAPIENTIAE. JOSEPHUM. II.
VIRTUTE. ET. EXEMPLO. AUGUSTISSIMUM.

IN. PRINCIPE. QUI. FATO. CONCESSIT. (EX. ORACULO.
PLINII.) UNA. ITEMQUE. CERTISSIMA. DIVINITATIS.

FIDES. EST. BONUS. SUCCESSOR.

TE. VERO. AUGUSTE. QUI. PATREM. VERIUS.

QUAM. PRINCIPEM. GESSISTI. NON. ABSCONDET. HOC.
MAUSOLEUM. NON. AUREA. HAEC. URNA. TUUS. ENIM.

TUMULUS. NOSTRA. BRUNT. CORDA. IN. SEMPITERNO.
TESTATISSIMOQ. HOC. MONUMENTO.

SACRI. CINERES. TUI. FLOREBUNT. ET. AETERNABUNT.


SYMBOLA IV. HEROICA.

CORONA IMMORTALITATIS RADIATA PROMERITUM
HEROI DECUS TRIBUIT. LEMMA:
QUIS DICERE LAUDES.

CORONA IMPERIALIS, QUA CONDECORATUS IMPERATOR DIFFICILLIMIS
TEMPORIBUS PAS ET JUS UBIQUE OBSERVAVIT. LEMMA:
ORNAT ET ONERAT.

CORONA NUPTIALIS MYRTEA, AB OCCIDENTE SOLE OBUMBRATA. LEMMA:
DUM RECREAT, CESSAT.

CORONA DENIQUE LAUREA, QUAE OMNIBUS ORNAMENTIS EST OR-
NAMENTO. LEMMA:

POST CINERES MAJOR
ET ADHUC SPES AVORUM.

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