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Wienerisches Diarium

Nr. 29, 9. April 1766

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[1]

Staatssachen .


Londen den 21 . März .

Obgleich die Bill von Abschaffung der
Stempelacte ohne Widerspruch
durchgegangen ist , so äussert sich
doch bey verschiedenen Parlamentsgliedern
ein innerlicher Gramm , welchen sie in einen
öffentlichen Widerspruch einzukleiden kein Be=
denken
tragen . Man will , daß die heute in
Gegenwart des Königs zu St . James gehal=
tene
ausserordentliche Rathsversammlung ,
nebst anderen wichtigen Angelegenheiten , auch
diesen Umstand in Erwägung gezogen habe .

Jnzwischen sind die hiesigen Handelsleute
wirklich darauf bedacht , Sr . Majest . wegen
dieser eingestelten Abgaben den unterthänig=
sten
Dank abzustatten .

Es verlautet , daß Se . Königl . Hoheit der
Herzog von Glocester und des Herrn Erb=
prinzen
von Braunschweig Hochfürstl . Durchl .
diesen Sommer die italiänischen Länder be=
suchen
dörften . Man setzet noch hinzu , daß
die Reise über Lisabon gehen , und der Her=
zog
von Glocester von unsers Königs , Seines
Bruders Majest . einen Auftrag , der noch
sehr geheim gehalten wird , bey dem dor=
tigen
Könige zu vollziehen haben würde .

[2]

Ein zu besorgender Friedensbruch von Sei=
ten
des neuen Dey zu Algier , und die wehr=
hafte
Verfassung der Stadt und Festung
Gibraltar , sind zween Gegenstände , nach
welchen unser Ministerium sein vorzügliches
Augenmerk richtet . Auf sich ereignenden er=
steren
Fall hat Commodore Harrison , wel=
cher
in dem mittelländischen Meere kreutzet ,
laut der ihm mit einem Aviso zugeschickten
Verhaltungsbefehle , zu wachen . So ist auch
an den Gouverneur zu Gibraltar der Befehl
abgegangen , nach welchem er sich , sowohl in
Ansehung des durch einen Algierischen Frey=
beuter
in den dasigen Hafen gebrachten spa=
nischen
Schiffes , als der Sicherheit der Fe=
stung
zu verhalten hat .

Den 28sten abgewichenen Monats hat der
Hof an den Ritter Goodricke einen Courier
abgeschickt , welcher demselben die Genehmi=
gung
des Friedens = und Freundschaftstractats
mit der Krone Schweden überbracht ; dem=
selben
wollen einige noch zwey geheime Arti=
ckel
beyfügen , man kann aber zuverläßig ver=
sichern
, daß solche erdichtet , und der Jnhalt
des Tractats folgender seye : Art . 1 . Beyde
hohe contrahirende Mächten verbinden sich ,
für sich , Dero Erben , und Thronfolgern ,
wie auch Dero beyderseitige Unterthanen , daß
sie , als gute und getreue Freunde und Bunds=
genossen
, einander alle Vortheile und mögli=
che
Achtung verschaffen , und alles beytragen
wollen , was nur zur Befestigung einer auf=
richtigen
und dauerhaften Freundschaft vor=
täglich
seyn mag . 2 . Die Unterthanen bey=
der
Mächten sollen beyderseits in denen =
nigreichen
, Seehäfen Rheden , und Flüssen
alle Rechte , Nutzen , und Freyheiten genies=
sen
, welche die begünstigste Nationen allda
geniessen , oder künftighin geniessen können :
ausgenommen den einigen Fall , der in dem
zwischen der Krone Schweden und Frankreich
den 25 . April An . 1741 . geschlossenen Hand=
lungstractat
Art . 3 . der Präliminarien , be=
treffend
den Zoll der in dem Hafen zu Wis=
war
abgestattet werden solle , enthalten . 3 .
Dieser Freundschaftstractat solle zu nieman=
des
Trotz , am wenigsten aber zu Beleidigung
einer mit denen hohen Mächten in Freund=
schaft
und Bündniß stehenden Kron , sondern
nur allein zu Befestigung und Bestärkung der
Freundschaft und Vertrauens zwischen beyden

Königl . Majestäten , wie auch zu Aufrecht=
haltung
der Ruhe , und Wohlstandes deren
Königreiche und Unterthanen dienen . 4 .
Und damit diese Freundschaftsverbindung de=
sto
mehr zum Nutzen , Besten , und Sicher=
heit
beyder Kronen beytragen möge , so wer=
den
Se . Majest . wenn es die Zeit und Um=
stände
erfordern , unter sich ferner über das=
jenige
übereinkommen , was zu Dero Staa=
ten
Vortheil und Erforderniß verträglich zu
seyn erachtet wird . 5 . Jndessen verpflichten
sich Jhre Majest . der König von Schweden
und der König von Großbrittanien , als ge=
treue
Freunde und Bundsgenossen , einander
alle gute Dienste zu leisten , welche die Um=
stände
zur Sicherheit Dero Königreichen und
Staaten in Europa erfordern werden . 6 .
Dieser Tractat solle von beyden Mächten
inner zwey Monaten , oder noch eher , wann
es seyn kann , bestättiget , und ratifieiret wer=
den
; Zu dessen Gezeugniß unsere Bevoll=
mächtigte
diese Artickel unterschrieben , und
mit dero Pettschaft bekräftiget haben . Ge=
schehen
zu Stockholm .

Von Constantinopel wird geschrieben , daß
daselbst der Leibarzt des Großsultans , Herr
Caro , ein geborner Neapolitaner , von sei=
nen
Reisen , die er nach verschiedenen Höfen
Europens gemacht hat , wieder zurück gekom=
men
. Aus Algier vernimmt man , daß der
neue Dey zwar den Frieden mit Holland er=
neuert
, alleine den Schweden , Dänen , und
Venetianer würklich den Krieg angekündiget
haben solle .

Paris den 24 . März .

Man siehet hier ein Schreiben aus Avig=
non
, nach dessen Jnhalt in dem Läindchen
Gevaudan , welches unter dem 20 . Septemb .
verwichenen Jahres von dem reissenden Thie=
re
befreyet worden , ein dergleichen neues
Scheusal zum Vorschein gekommen ist , wel=
ches
gleich diesem tobend und wütende herum=
streifet
, und bereits einige Menschen entleibet ,
andere aber stark verwundet hat . Es werden
folglich diejenige Jäger , die das vorige er=
legt
haben , wieder aufgeboten werden müssen .

Brüssel den 24 . März .

Den 13 . dieses wurde das höchste Ge=
burtsfest
Sr . jetzt glorwürdigst regierenden

[3]

Kaiserl . Majestät Joseph des zweyten , da
Höchstdieselben das 26 . Jahrsalter glücklich
erreichet , auch allhier , wegen noch fürwal=
tender
Trauer aber nur in schwarzen Klei=
dern
und Equipagen gefeyret . Se . Königl .
Hoheit , unser Generalgouverneur begaben
sich um 11 . Uhr in die hiesige Collegialkir=
che
von St . Michael , und Gudula , und
wohnten daselbst der von dem Bischoffen von
Brügge abgesungenen grossen Meße , welche
mit einem feyerlichen Te Deum beschlossen
wurde , bey . Alle hiesige Rahtscollegia ,
und der gesamte Magistrat sind hiebey er=
schienen
. Nach geendigten Gottesdienst kehr=
ten
Se . Königl . Hoheit wieder in dero Pal=
last
zurücke , empfiengen die gewöhnlichen
Glückwünschungscomplimente , und Mittags
speiseten dieselbe öffentlich . Der gevollmäch=
tigte
Minister Hr . Graf von Cobenzel gab
dem hohen Adel , und denen Regierungs=
ministern
grosse Tafel . Wegen noch fort=
währender
Trauer wurden keine öffentlichen
Lustbarkeiten angestellet , die Cavaliers hat=
ten
bunte Degen und Schnallen , die Da=
men
aber waren geschmückt . Den 19 . wur=
de
das allerhöchste Nahmensfest beyder Kai=
serl
. Majestäten auf gleiche Weise gefeyret .

Warschau den 14 . März .

Jn unserer Stadt wird es alle Tage leb=
hafter
. Viele Grosse des Reichs schlagen
ihre ordentliche Wohnplätze allhier auf , und
ganze Familien vom Lande kommen , sich bey
uns niederzulassen ; auch Ausländer halten
es der Mühe werth , uns zu besuchen , so
daß wir deren schon eine grosse Menge zehlen
können . Bald wird unsere Stadt sich nicht
mehr ähnlich sehen . Es sollen verschiedene
Häuser und auch einige Palläste aufgefüh=
ret
werden , und man erwartet nur das schöne
Wetter , um den Bau würklich anzufangen .
Der Königl Pallast wird ebenfals erwei=
tert
und viel ansehnlicher gemacht werden .

An dem Tage da der Zweykampf zwischen
dem Grafen Branicky und dem italiänischen
Cavalier Casanova vorgefallen , hat der bis=
herige
Oberste der leichten Truppen und
Königl . Oberstallmeister Biszewsky , nach=
dem
er erfahren , daß gedachter Graf Brani=
cky
durch einen Jtaliäner verwundet wor =

den , aus unüberlegtem Eifer , ohne sich ge=
nugsam
zu erkundigen , durch wen dieses ge=
schehen
sey , um 6 . Uhr des Abends den
Grafen de Tomatis in seiner Wohnung über
fallen , und nach demselben geschossen , aber
zum Glück gefehlet , und zugleich den Grafen
Mosynski , welcher sich dazwischen legen wol=
len
, mit dem Säbel gefährlich im Gesichte
verwundet , worauf er sich sofort zu Pferd mit
der Flucht gerettet Se . Majest . haben an
dessen Stelle sogleich den Herrn Kurinski zu
Dero Stallmeister ernennet , auch zugleich
dem Kron = Marschallamte empfohlen , gedach=
ten
Biszewsky sorgfältigst aufsuchen zu las=
sen
, und mit demselben den Rechten gemäß
zu verfahren . Der König selbst besu=
chet
den Grafen Branicky , welcher im
Palais des Kron = Kammerherrn , des Fürsten
Poniatowsky , bisher noch nicht ausser Ge=
fahr
ist , öfters in höchster Person . Das
Schloß Ujasdow wird fleißig repariret , und
dabey viele neue Werke angelegt . Da Se .
Maj . nach Ostern daselbst zu residiren ge=
sonnen
sind ; so arbeiten täglich über 200 .
Leute daran , um solches gegen diese Zeit in
gehörigen Stand zu setzen .

Regenspurg der 24 . März .

Am 20sten dieses ist ein Schreiben des
Herrn Herzogs zu Braunschweigwolfenbüttel
Hochfürstl . Durchlaucht durch eine Dictatur
publiciret worden , worinn Höchstdieselbe , in
obhabender fürstl . Oraniennassauischen Vor=
mundschaft
, der Reichsversammlung eine
rechtliche Ausführung ꝛc . vorlegen .

Die Rechtssache betrift die durch Abster=
ben
des churmaynzischen Staathalters zu
Erfurt Hrn . von Bicken , als dem letzten seines
Geschlechts , verschiedentlich besessenen , theils
im fürstl . Darmstädtischen , theils im fürstl .
Nassaudillenburgischen gelegen , und dem
gräfl . Sayn = wittgensteinischen Hause 1732 .
heimgefallenen Manns Lehnstücke , da dann bey
der von dem Hrn . Grafen von Sayn in besag=
tem
Jahre nehmen wollenden Posseßion ein
und andere Jrrungen entstanden , weshalb
es beym Reichscammergerichte zur Klage und
Proceß gekommen . Die Sache blieb bis im
Jahre 1756 . liegen , in welchem sie wieder
rege gemacht jedoch erst 1762 . ein Rescriptum

[4]

citationis ad reassumendum gegen sämmtliche
hohe Beklagte aufgebracht wurde . Jn be=
sagtem
Jahre 1762 . gab bemeldter Hr . Graf
an des Hrn . Herzogs zu Braunschweig Durchl .
mittels eines Schreibens zu erkennen , wie bey
dem Cammergerichtl . Processe voraus zu se=
hen
wäre , daß durch einen erfolgenden Be=
scheid
in der Hauptsache kein Ganzes gemacht
werden würde , sondern die versteckt gebliebe=
nen
Lehnstücke erst noch eruiret werden müßten .
Da nun solches am füglichsten geschehen wür=
de
, wann höchstgedachter Hr . Herzog ein oder
zween Commissarien aus der Dillenburgischen
Regierung zu ernennen geruheten , welche
mit dem gräfl . Saynischen Gevollmächtigten
zusammen treten , und zur Ausfindung sotha=
ner
Lehnstücke die Hand böthen , so würde da=
durch
der zeitherigen Klage das abhelfliche
Maaß in der Kürze gegeben werden können .
Jn der darauf unterm 18 . März 1763 . er=
folgten
herzogl . Antwort habe Hochderselbe
auch , wann Er , Hr . Graf den beym Cammer=
gerichte
anhängig gemachten Proceß gegen die
Nassaudillenburgischen ihm angeblich zehnt=
pflichtigen
Unterthanen , da in einer Sache
unmöglich in 2 . Gerichten zugleich geklaget
werden mag , fallen lassen , und solches ad Acta
anzeigen würde , die Versicherung erhalten ,
daß durch verordnete Commissarien diese An=
gelegenheit
auf die kürtzeste Weise abgethan ,
solche auch behörig angezeigt werden würde .
Gleichwohl sey unterm 20 . Decemb . 1764 .
die Sentenz dahin publiciret worden , daß die
eingewandten exceptiones Fori declinatoriæ
zu verwerfen , und dahero allerseits Herren
Beklagte innerhalb 2 . Monate in der Haupt=
sache
sich einzulassen und zu handeln schuldig
seyn .

Höchsigemeldeten Hrn . Herzogs Durchl . er=
suchen
demnach die höchsten und hohen Reichs=
stände
, und empfehlen den hier versammelten
Comitialgesandschaften dieses Anligen zur
günstigen Berichtserstattung , damit durch ein
Reichsgutachten an Kaiserl . Majestät alles
vom Reichscammergerichte vorgenommene ab=
gethan
, und dasselbe dahin angewiesen werde ,
den Hrn . Grafen von Sayn lediglich ad Forum
primæ instantiæ gegen die Unterthanen des
Fürstenthums Nassaudillenburg zu verweisen .

Am vergangenen Donnerstag hat der hol=
ländische
gevollmächtigte Minister , Hr . von

Galleris , die Jnstallation des Durchl . Prinzen
von Oranien zur Statthalterschaft ; Frey=
tags
aber der königl . französische bevollmäch=
tigte
Minister Freyherr v . Buat , den Todes=
fall
des Königs Stanislai von Pohlen , durch
ihres beyderseitigen Gesandschaftsecretairs ,
den Comitialgesandschaften notificirten lassen ,
worauf beyden Ministern die wechselseitige
Gratulations = und Condolenzcomplimente durch
die Gesandschaftssecretarios abgestattet wur=
den
.

Bey dem freytägigen Reichsrathe sind die
Rathsversammlungen , wegen der Osterwoche
auf 14 . Tage ausgesetzt worden .

Preßburg den 5ten April .

Jhre Kaiserl . Königl . Apost . Majest . un=
sere
allergnädigste Landesfürstinn haben erst
vor kurzem einen neuen Beweis Jhrer müt=
terlichen
Sorgfalt für den Flor , und das
Aufnehmen der Königl . Hungarischen Frey=
städte
an den Tag gegeben . Da die Bevöl=
kerung
, und Vergrößerung vieler Städte durch
die bisher üblich gewesenen Taxen des Bürger=
rechts
, und der Meisterschaft , merklich gehem=
met
worden ; so haben Jhre Majestät auch die=
se
Hinderniß zu heben geruhet , und den Be=
fehl
ertheilet , die Taxen für das Bürger=
recht
also einzurichten , daß sie bey den Bür=
gerssöhnen
die Summe von sechs Gulden ,
bey den Landskindern von acht Gulden , und
bey den Ausländern von vier Gulden nicht
übersteigen sollen . Jn solchen Städten aber ,
wo man gewisse Künstler und Handwerker
noch immer vermisset , oder ihrer in größerer
Anzahl benöthiget ist , soll auch den Aus=
ländern
, die sich dort als solche niederzu=
lassen
willens sind , das Bürgerrecht sowohl ,
als die Meisterschaft ohne alles Entgeld , und
also völlig umsonst gegeben , auch ihnen über=
dies
drey Jahre durch , alle Contributionen
nachgesehen werden .

Anstatt des sonst gewöhnlichen Artikels von ver=
mischten
Neuigkeiten geben wer heute eine Lesens=
würdige
historische Beschreibung der politischen
Verfassung des berühmten Freystaats der verei=
tigten
Niederlanden , und der Gewalt welche dem
Erbstaathalter über denselben zusteht . Wir schmei=
cheln
uns wenigstens einem Theil unserer Leser ,


[5]

besonders da wir erst kürzlich die Jnstallations=
ceremonien
beschrieben haben , einen Gefallen da=
durch
zu erweisen .

Die Republick der vereinigten Niederlande be=
stehet
nicht sowohl aus sieben vereinigten Pro=
vinzen
, als vielmehr aus eben so vielen be=
sonderen
Republiken , deren keine von der an=
dern
anders als durch das zu ihrer gemeinsamen
Vertheidigung freywillig geknüpfte Band der Ver=
einigung
, abhänget . Die Veranlassung und Art ,
wie sich dieser Staat dem spanischen Scepter ent=
zogen
, setzen wir billig als bekannt voraus ; im
Nothfalle kan man sich in dem nächsten besten
historischen und geographischen Handbuche Rahts
erholen .

Jedwede Provinz hat ihr eigenes und in Anse=
hung
der innerlichen Verfassung , von den übri=
gen
ganz unabhängiges Regiment , welches alle
Souveränitätsrechte exercirt , das Recht des Krie=
ges
und Friedens und was demselben anhängig
ist , ausgenommen welches die sämmtlichen Pro=
vinzen
denen im Haag versammelten Generalstaa=
ten
überlassen haben . Jedoch ist die Gewalt der
Provinzen wiederum solchergestalt eingeschränkt ,
daß sie nichts wichtiges ohne Vorwissen und Ein=
willigung
der Städte thun dürfen .

Die Versammlung der Generalstaaten bestehet
aus den Abgeordneten der 7 . Provinzen , deren
jede zwar so viele , als ihr beliebt , schicken kann ,
die aber zusammen mehr nicht denn eine Stimme
haben , daß also niemals mehr als 7 . Stimmen
gezehlt werden . Jn dieser Versammlung führt
immer der erste Deputirte der 7 . Provinzen von
einem Sonntag zum andern den Vositz , nach dem
Rang den die Provinzen untereinander haben .
Der Präsident von der Woche giebt den fremden
Gesandten Audienz , eröffnet die einlauffende De=
pechen
, Memorialien und Bittschriften , trägt die
Angelegenheiten der Versammlung vor , sammlet
die Stimmen und fertigt die Schlüsse aus . Die
Mehrheit der Stimmen gilt blos , wenn von schon
vorhandenen Gesetzen die Rede ist ; wenn neue
eingeführt , oder Krieg , Friede und Bündnisses
beschlossen werden sollen , müssen alle 7 . Stim=
den
vereinigt seyn ; wiewohl auch diese Regel in
dringenden Fällen eine Ausnahme leidet .

Die Generalstaaten werden Hochmögende Her=
ren
, die Glieder aller folgenden Collegiorum ,
wie auch der Versammlungen in den Provinzen ,
aber Edelmögende Herren genennt .

Von dieser Versammlung der Generalstaaten ist
unterschieden der Staaten = oder Staatsrath , wel=
cher
aus 12 . Deputirten der 7 . Provinzen bestehet ,
nämlich 1 . von Geldern , 3 . von Holland , 2 . von
Seeland , 1 . von Utrecht , 2 . von Westfriesland ,
1 . von Oberyssel und 2 . von Grönningen .

Anfänglich war dieser Staatsrath das einzige
höchste Collegium ; allein nachdem die Republick
ihrer grösten Schützerin der Königin Elisabeth von

England unter andern auch das Recht zugestan=
den
hatte , daß der Engländische Gesandte Sitz und
Stimme im Staatsraths haben sollte , dessen Ge=
genwart
aber bald beschwerlich wurde ; so errichte=
ten
die Provinzen unter dem Vorwand : der Staats=
rath
nehme sich zu viel Gewalt heraus , eine Ver=
sammlung
unter dem Namen : Generalstaaten ,
wohin die geheimsten Affairen gezogen wurden .

Dieses Collegium hat , insbesondere was die in=
nerlichen
Angelegenheiten anbelanget , eine gros=
se
Gewalt , und kann von demselben nicht wei=
ter
appelliret werden , obwohl die Herren General=
staaten
als vorderste Repräsentanten der Provin=
zen
das Recht haben seine Bescheide , wie aller an=
dern
Gerichtshöfe ihre , zu revidiren . Es cor=
respondirt
mit den Generalstaaten über die Ange=
legenheiten
der Republick , stellet sein Gutachten
an dieselben , und formirt die sogenannten Petitio=
nen
d . i . Entwürfe desjenigen , was zum Bedürf=
fen
und Nutzen des Staats contribuirt werden
muß . Jngleichen liegt ihm die Vollziehung alles
dessen , was von den Generalstaaten beschlossen
worden , ob .

Kurz : Die Generalstaaten stellen den Sou=
verains
vor , der Staatenrath aber dessen Mini=
sterium
.

Ausser diesem sind noch die Rechenkammer , der
Finanzrath , das Admiralitäts = und Münzcollegium
nebst verschiedenen Gerichtshöfen , welche insge=
samt
dem Staatsrathe nachgeordnet und dessen
Befehle zu volziehen gehalten sind .

Das vornehmste Glied dieses Staatskörpers ist
nun der Erbstatthalter , Generalcapitain und Ad=
miral
der 7 . vereinigten Provinzen , und es sind viel=
leicht
Monarchen , die in ihren Königreichen weniger
Ansehen und Gewalt als er haben ; deswegen auch
Wilhelm III . scherzweis König von Holland und
Statthalter von England genennt wurde . Er ist
das Oberhaupt von allen Gerichtshöfen , deren
Urtheile in seinem Namen ausgesprochen werden ;
er besetzt alle Aemter der Republick ;

Wohl verstanden : diejenigen Aemter und Stel=
len
ausgenommen , die den Souverain repräsen=
tiren
, z . E . Die Deputirten zur Versammlung der
Generalstaaten , die Glieder des Staatsraths ꝛc .
Wiewohl auch kein Bürgermeister , Schöpfer oder
Rathsherr , als die Repräsentanten der Souverä=
nität
der Provinzen , ohne seine Genehmigung ge=
wählt
werden können .

Er schlichtet alle Streitigkeiten der Provinzen
und Städte unter einander , und die ganze Macht
der Republick zu Wasser und zu Land steht in sei=
nen
Händen , weil er alle Stellen besetzt ; er ist
zugleich das Oberhaupt der Ostindischen Compa=
gnie
.

Wilhelm IV . des jetzigen Herrn Erbstaathalters
Vater , war der erste , der im Jahr 1747 . und
1748 . diese Würde von allen Provinzen erhielte
und erblich auf seine Nachkommenschaft beyderley

[6]

Geschlechts brachte . Denn seine Vorfahren biß
auf Wilhelm I . den Stammvater der holländi=
schen
Freyheit , befassen dieselbe nur in einigen
Provinzen , und nicht mit allen Gerechtsamen die
gegenwärtig damit verknüpfet sind , worunter in=
sonderheit
die Erbfolge des weiblichen Geschlechts
merkwürdig , die jedoch unter dem Beding er=
theilt
worden , daß sich keine Prinzeßin aus dem
Hause Oranien anders als mit Bewilligung der
Generalstaaten , und zwar an keinen König und
Churfürsten vermählen darf .

( Das übrige künftig . )


Wien den 9 . April 1766 .

Samstags den 5ten wurden über die Ver=
mählung
der Durchlauchtigsten Erzher=
zoginn
Maria Christina mit dem Durchlauch=
tigsten
Prinzen Albert von Sachsen die Ehe=
pacten
von den dazu beyderseits bevollmäch=
tigten
hohen Ministern , als des kais . und kais .
kön . ersten Obersten Hofmeisters Grafen v . Ul=
feld
Excellenz , des kais . Reichsvicecanzlers ,
Hrn . Fürsten von Colloredo , und des kais . kön .
Hof = und Staatscanzlers , Hrn . Fürsten von
Kaunitz = Ritberg fürstl . Gnaden : Sächsischer
Seits aber von dem Hrn . Grafen Vitzdom
von Eckstätt , Chursächsischen gevollmächtigten
Minister am hiesigen Hofe , in dem Hause
des vorgenannten ersten Hrn . Obersten Hof=
meisters
unterzeichnet , und gegeneinander
ausgewechselt .

Sonntag den 6ten hat der Kaiserl . Hof
der feyerlichen Jahrsbegängniß der Weihung
hiesiger Erzdomkirche bey St . Stephan ,
und dem dortigen Gottesdienste beygewohnet .
Noch vorher hatten die Deputirten der Kai=
serl
. und des Heil . Röm . Reichs freyen Stadt
Hamburg , Herr Syndicus Faber , und Herr
Senator Wagener , welche am 30 . letztver=
wichenen
Monats März dahier angelanget
sind , um im Namen vorerwehnter Stadt bey
dem Kaiserl . und Kaiserl . Königl . Hofe die
Beyleides = und Glückwünschungscomplimente
abzulegen , bey beyden regierenden Kaiserl .
Majestäten Audienz . Zu Mittag war eine
Tafel von etlichen und zwanzig Couverts bey
Jhro Maj . der Kaiserinn Josepha , und des
Abends Apartement , wobey Jhro Königl .
Hoheit die Erzherzoginn Maria Christina von

den anwesenden fremden Ministern , und dem
hiesigen Adel die Abschiedscomplimenten , und
Glückwünsche zu der bevorstehenden Abreise
aufgenommen haben . Diese ist auch

Montag den 7ten nach dem K . K . an der
Hungarischen Gränze gelegenen Lustschloß Hof
an der March , als dem zum hohen Beylager
bestimmten Ort , erfolget . Jhro Maj . die
Kaiserinn Königinn sind schon morgens um
7 . Uhr mit der Erzherzoginn Maria Anna
Königl . Hoheit , und einigen Hofdamen da=
hin
voraus gegangen . Der Aufbruch aber
beyder Kaiserl . Majestäten geschah erst nach
dem Mittagmahle um 2 . Uhr mit der Durch=
lauchtigsten
Erzherzoginn Braut , welche in
dem Wagen Jhro Maj . der Kaiserinn nebst
Jhrer eigenen Frau Obersthofmeisterinn sas=
sen
, und von dem ganzen Hofstaat mit desto
lebhaftern Seegenswünschen begleitet wurden ,
je mehr jedermann von dem vorzüglichen Wer=
the
Höchstdero Verehrungs = und liebenswür=
digsten
Eigenschaften überzeuget ist .

Da die hohe Vermählung auf dem Lan=
de
, und ohne öffentliches Gepränge zu ge=
schehen
hatte , bestunde auch das Hofgefolge
nach Schloßhof in sehr wenigen Cavaliers
und Damen : der durchlauchtigste Bräuti=
gam
Prinz Albert von Sachsen , sind erst
folgenden Tag in aller Fruhe mit dero durch=
läuchtigstem
Herrn Bruder dahin nachgefolgt :
und gestern ist daselbst die hohe Trauung
und priesterliche Einsegnung vor sich gegan=
gen
.

Se . Röm . Kais . Maj . hatten gleich bey
dem Antritte dero glorreichester Regierung
dem hochpreißlichen Reichshofrathscollegio
allergnädigst aufgetragen , die Rathsversamm=
lungen
bis auf dero weitere Verordnung fort=
zuführen
; nachdem aber vor 14 . Tagen die
in dergleichen Fällen gewöhnliche allergnä=
digste
Entlassung desselben Personalis erfol=
get
ist , so haben Se . Majestät die Wiederein=
führ
= und Bestättigung des besagten Reichs=
hofrathscollegii
allerhöchstgefällig beschlossen ,
und den 5ten dieses Monats durch Se . Ex=
cellenz
dero ersten kaiserl . Obristhofmeister ,
Hrn . Grafen von Ulfeld vornehmen lassen :
gedachter Minister hat sich demnach densel=
ben
Tag um 7 Uhr Vormittags mit des Hrn .
Ferdinand Bonaventura Grafens von Har =

[7]

rach Excellenz , als wieder ernannten , und
bestättigten kais . Reichshofrathspräsidenten ,
bey Hof eingefunden , wo Se . Majest . den
Letztern in allerhöchst dero Gegenwart , und
in Beyseyn des ersterwehnten ersten Herrn
Obristhofmeister Excellenz , des mitersten k .
Hrn . Obristhofmeisters Fürsten von Kheven=
hüller
Metsch Fürstl . Gnaden , und des kais
Hrn . Obristkämmer Grafen Anton von Salm
Excell . den Präsidenten = eid ablegen zu lassen
beliebten : die Eidesformul wurde demselben
von des Herrn Reichsvicekanzlers Fürsten von
Colloredo fürstl . Gnaden , vorgehalten , die
Pflichten aber von dem kais . wirkl . Hofrath ,
und Reichsreferendario Hrn . von Beck vor=
gelesen
.

Hiernach begabe sich der Herr Reichsvi=
cekanzer
voraus allein nach der Rathstube
des kais . Reichshofrathscollegii gerade hin=
über
; der erste kais . Herr Obristenhofmei=
ster
hingegen verfügte sich mit dem Herrn
Reihshofrathspräsidenten durch die Ritter=
stube
, wo die deutsche und ungarische adeli=
che
Leibgarden in zwo Reihen stunden , nach
dem inneren Burghof , und fuhren in dero
sechsspännigen schwarz überzogenen Staats=
wagen
von dort über den grossen Burgplatz ,
auf welchem die ganze Hauptwache das Ge=
wehr
präsentirte , nach dem Reichshofraths=
gebäu
, und in dessen Hof hinein : die Lau=
fer
und Livereybedienten beyder hohen Mi=
nistern
tratten in der Trauerkleidung vorher ,
und derselben Hausofficiers folgten nebstder
eigenen zweyspännigen Kutsche des Herrn
Reichshofrathspräsdenten , nach . An
der Stiege unweit des Wagens stunden der
Herr Reichsvicekanzler , und der Herr Reichs=
hofrathsvicepräsident
mit dem gesammten
Rathscollegio , empfiengen die gedachten zween
Kaiserl . Minister , und begleiteten dieselben die
Stiegen hinauf bis in die Rathstube .

Nachdem daselbst der Kaiserl . Herr Obrist=
hofmeister
, der Her Reichshofrathspräsident ,
der Herr Reichsvicekanzler , der Herr Reichs=
hofrathsvicepräsident
, und die sämmtlichen
Herren Reichshofräthe , wie auch die beeden
Secretarien ihre gewöhnlichePlätze eingenom=
men
hatten , so machten des Herrn obersten
Hofmeisters Excellenz eine nach dem allerhöch=
sten
kaiserl . Auftrag eingerichtete Anrede bey

offen gehaltener Thüre der Rathstube ; wo=
rauf
der Hr . Vicepräsident , und dann auch
die sämmtliche Herren Reichshofräthe die Ei=
despflicht
leisteten .

Nach diesem stellte der erste kaiserl . Herr
Obersthofmeister das von Sr . Majestät bey
dieser Gelegenheit besonders empfangene De=
cret
, dem Herrn Reichshofrathspräsidenten zu ,
um solches ablesen zu lassen , welches derselbe
eröfnete , und sofort einem der Herren Reichs=
hofrathssecretarien
zur Ablesung überreichte ,
zugleich aber auch den Thürhüter erinnerte ,
die Thüre der Rathstube zuzuschlüssen ; Nach
geendigter Ablesung des kaiserl . Decrets , und
vollbrachten Auftrag wurde die Thür wieder
eröfnet , und der erste Herr Obersthofmeister
von dem sämmtlichen Reichshofrathscollegio
die Stiege hinunter bis auf etwelche Schritte
zum Wagen begleitet . Die Rathsseßionen
haben den Montag hierauf wieder angefangen .

Den 5 dies ist allhier die Ziehung der k . k .
Lotterie vor sich gegangen , und seynd die Nri .
38 . 13 . 69 . 49 . und 20 . mit vielen Ambi ,
Terni , dann beträchtlichen Estratten gehoben ,
wie dann in der Amtcollectur sub Lit A . ein
Estratto mit 448 . fl . bey dem sub Nro . 9 .
in der Waldzeil angestellten Collectanten 3 .
Estratten , der eine pr . 658 . der zweyte pr .
714 . und der dritte pr . 448 . fl . bey jenen sub
Nro . 10 . in tiefen Graben ein Terno mit 100 .
Ducaten , bey jenem sub Nro . 16 . auf dem
Peter 4 . Terni , worunter einer mit 130 . der
anderte mit 100 . Ducaten , bey diesem sub
Nro 25 . in der obern Breunerstrassen ein det=
to
mit 100 . Ducaten , bey dem sub Nro . 29 .
in der Kärntnerstrassen ein Estratto mit 700 .
fl . bey dem sub Nro . 33 im Rothgässel ein
Terno mit 100 Ducaten , bey dem sub Nro . 54 .
auf der Wieden 6 . Terni , und 2 . Quaterni ,
bey jenem sub Nro . 63 . in der Rossau ein
Quaterno , bey dem sub Nro . 70 . bey Maria
Hülf 6 . Terni , bey diesem sub Nro . 81 . zu
Erdberg ein Ambo mit 100 . Ducaten , bey
dem sub Nro . 107 . in der Neustadt ein Ter=
no
mit 100 . Ducaten , dann bey dem sub Nro .
109 . zu Linz 4 . Terni , und ein Quaterno ge=
wonnen
und abgeführet worden .

Die fernere Ziehung wird den 19 . dies
in der königl . Freystadt Preßburg vorgenom=
men
werden .

[8]

Lista deren Verstorbenen zu Wien
in = und vor der Stadt .

Den 4 . April . Jn der Stadt .

  • Hr . Joh . Mich . Lautterbacher , gew . Tobackcommis .
    im Streinzis . H . auf der Wasserk . Past . 67 . J .
  • Der Fr . Anna Hegradin , Wittwe , ihr K . Anna , im
    Spitzelkrammer . H . am Salzgr . alt 5 . v . J .
  • Cath . Brandin , led . St . im Seitzerhof , alt 17 . J .
  • Dem Jac . Zimt , Handel . Bed . s . K . beym goldnen
    Straußen auf der Freyung , alt 1 . J .
  • Dem Jos . Heß , Bed . s . W . Bibiana , beym weissen
    Rössel am Salzgr . alt 42 . J .

Vor der Stadt .

  • Joh . Angerer , K . K . Kalchmesser , im Kais . Brunn=
    haus
    auf der Wieden , alt 33 . J .
  • Justus Jneiger , von der Kais . Schweitzergarde , im
    Spani . Spital , alt 27 . J .
  • Dem Joh . Rafelsperger , Burgerl . Holshandl . s . K .
    Phil . bey der Schwan . in der Rossau , alt 1 . J .
  • Jos . Dernberger , Burgl . Tischler , bey St . Anna in
    der Josephst . alt 47 . J .
  • Dem Lor . Burger , Kichenmusic . s . S . Mich beym
    roten Krebsen auf der Laimgr . alt 21 . J .
  • Math . Greis , Burgl . Schust . beyn br . Hirschen am
    Spitalb . alt 74 . J .
  • Dem Lor . Merz , K . K . Reitkn . s . K . Theres . beym
    Adler auf der Laimgr . alt 5 . J .
  • Cath . Zambrain , led . St . beym gold . Engel in der
    Leopoldst . alt 40 . J .
  • Dem Franz Kirchmayr , Kais . Reitkn . s . K . Joh . b
    3 . Kron . auf der Wieden , alt 1 . J .
  • Math . Schweinzer , Tagw . im Lechneris . H . zu Ni=
    colstorf
    , alt 96 . J .
  • Summa 15 . Person . , darunter 4 Kind .

Den 5 . April . Jn der Stadt .

  • Der Wohledle Hr . Barthol . Habit , Gmnr . Stadt
    Wien Buchhalt . Raitoff . im Kupferschmidis . H .
    im tiefen Graben , alt 76 . J .
  • Dem Wohledl . Hrn . Math . Zohl , K . K . Mehlauf=
    schlags
    Einnehmer , s . Fr . Elisab . auf der Mehl=
    gruben
    , alt 36 . J .
  • Dem Paul Saurkamerer , Burgl . Bierw . s K . Paul ,
    im Pilgramis . H . in der gr . Dorotheg . alt 7 . v . J .
  • Dem Seb . Withalm , Burgl . Schneid . s . K . Vinc .
    im Spitzelkram . H . am Salzgr . alt 5 . v . J .

Vor der Stadt .

  • Eva Walserin , Wit . in ihrem H . im Liechtenth . 95 . J .
  • Jos . Frank , Trager , beym roten Hahn am Himmel=
    pfortgr
    . alt 53 . J .
  • Gabr . Gruber , Tagw . beym goldnen Fäßl bey der
    Währingerlinie , alt 72 . J .
  • Theres . Mandlin , Wittwe , beym grünen Kranz zu
    Mätzleinst . alt 45 . J .
  • Barb . Niklin , im Sonnenhof , alt 66 . J .
  • Summa 9 . Pers . darunter 2 . Kind .

Den 6 . April . Jn der Stadt .

  • Der Wohlehrw . P . Cordian Mayer , Ord . Min . .S .
    Franc . im Klost . hintern Landh . alt 60 . J .
  • Der hochedelgeb . Hr . Joh . Nic . Dresenreuter von
    Teutschenbrunn , Höchst . Brandenb . Culmbach .
    Justizraht , im Stephanis . H . am Haidens . 22 J .
  • Dem Wohledeln Hrn . Joh . Jac . Biwald , K . K .
    alter Leibgarde Adiut . s . Fr . Cath . im Schusteris .
    H . in der Römerstr . alt 66 . J .
  • Joh . Reichart , gew . Burgl . Greißler , im Aumüll=
    neris
    . H . im Krautgäs . alt 68 . J .
  • Jos . Grieß , gew . Arceßist bey der Jnval . Cassa , beyn
    schw . Thor in der Schenkenstr . alt 38 . J .

Vor der Stadt .

  • Der Wohledelgeb . Hr . Philipp v . Solte , gew . K .
    K . Resident in Portugall , beym Rinocero zu Ni=
    colstorf
    , alt 73 . J .
  • Marg . Frankin , led . St . so sich zu Todt gefallen , ist
    vom K . K . Stadt = und Landger . im Kreutzeris . H .
    auf der Landstr . beschaut worden , alt 24 . J .
  • Dem Sebast . Hof bauer , Herrs . Kutscher , s . K Jos .
    im roten H . vorn Schottenth . alt 1 . J .
  • Franz Kerschenhamer , Wais , beym gold . Stern zu
    Mäzleinstorf , alt 4 . J .
  • Summa 9 . Pers . darunter 2 . Kind .

AVERTISSEMENT .

Es wird anmit jedermänniglich kund ge=
macht
, wasmassen Se . kaiserl . Majest . aus
allerhöchst zu den hiesigen Publico allermildest
hegenden Zuneigung Sich allergnädigst ent=
schlossen
, und verordnet haben , daß künftighin
und von nun an , zu allen Zeiten des Jahrs ,
und zu allen Stunden des Tags , ohne Un=
terschied
jedermann in den Bratter sowohl ,
als in das Stadtgut frey spatzieren zu gehen ,
zu reiten , und zu fahren , und zwar nicht nur
in der Hauptallee , sondern auch in den Sei=
tenalleen
, Wiesen und Plätzen ( die allzu ab=
gelegene
Orte , und dicke Waldungen , wegen
sonst etwa zu besorgenden Unfugs und Miß=
brauchs
alleinig ausgenommen ) erlaubet , auch
Niemanden vermehrt seyn soll , sich daselbst
mit Ballonschlagen , Keglscheiben , und an=
dern
erlaubten Unterhaltungen eigenen Gefal=
tens
zu divertiren : wobey man sich aber ver=
siehet
, daß niemand bey solcher zu mehrerer
Ergötzlichkeit des Publici allergnädigst ver=
stattenden
Freyheit sich gelüsten lassen werde ,
einige Unfüglichkeit , oder sonstig unerlaubte
Ausschweifungen , zu unternehmen , und anmit
zu einem allerhöchsten Mißfallen Anlaß zu
geben . Wien den 7 . April 1766 .

[9]

Copenhagen vom 21 . März .

Von dem am 18 . dieses vor sich gegange=
nen
Leichenbegängnisse Sr . höchstseel .
Majestät , Königs Friedrich des Fünften ,
glorwürdigsten Andenkens , kann man jetzo
folgende Nachricht ertheilen :

Zwischen 2 . und 3 . Uhr Nachmittags ,
versammelten sich alle zu dieser Feyerlichkeit
eingeladene Minister , Cavaliers und Bedien=
te
auf dem königl . Schlosse . Um 3 . Uhr
verfügten desselben sich nach der Schloßka=
pelle
, wo sie von 4 . Hausmarschällen em=
pfangen
wurden , die jeder Parthey ihre Plä=
tze
anwiesen . Unten in der Kapelle , rings
um die königl . Leiche , waren die neulich schon
beschriebene königl . Jnsignien , ingleichen die
Fahnen , 17 . an der Zahl , placiret . Der
königl . Stallmeister , Hr . Sperling , mit dem
goldenen Harnisch und Helm angethan , und
mit einer weissen Feder auf dem Haupte , stel=
lete
sich mit dem blossen Schwerdt in der
Hand darneben . Als darauf des Königs
Majestät und die königl . Familie gleichfalls
angekommen , und dero Plätze eingenommen
hatten , begunte der Gottesdienst mit einer
kurzen Trauermusik , worauf der Hr . Bischof
und königl . Beichtvater Harboe die dänische
Predigt hielte . Hiernächst wurde wieder
musiciret , wornächst der Herr Hofprediger
Bluhm deutsch predigte , und dann war aber=
mals
Musik , nach welcher der Hr . Professor
Holm eine lateinische Rede ablegte , und end=
lich
war zum Beschlusse wieder Musik , un=
ter
welcher die Reichsinsignien nach dem
Zimmer , wo sie gewöhnlich aufgehoben wer=
den
, zurück gebracht , und die aufgestellten
Fahnen von dem Hrn . Stallmeister Sper=
ling
zu der Proceßionsstelle geführet wurden .
Die königliche Leiche wurde von 12 . Ober=
sten
, nämlich 7 . von der Cavallerie und 5 .
von der Jnfanterie ausgetragen , und zwar
unter einem Himmel , welchen 4 . Kammer=
herren
trungen . Zugleich begab sich nun auch
das hohe Leichengefolge , in behöriger Ord=
lung
, aus der Kapelle . Mittlerweile hatten

die Bürgerschaft der Stadt , die Garnison ,
und die Handwerker bey der Marine , sich
auf den angewiesenen Plätzen und Gassen
in Parade gestellt , durch welche hiernächst
die Proceßion , unter wechselweiser Läutung
mit allen Glocken der Stadt , Musik und dem
Singspiele von der Frauenkirche , wie auch
dem Minutenschusse von den bey den Hol=
men
liegenden 2 . königl . Huckern , von dem
königl . Zeughause und den Batterien der
Stadtwälle , wobey in allem 144 . Schüsse
geschahen , in nachstehender Ordnung vor
sich gieng :

1 ) Ein Escadron von der Leibgarde zu
Pferde . 2 ) Der älteste Hoffourier zu Pfer=
de
, in tiefer Trauerkleidung . 3 ) Die sämt=
liche
fürstliche Personen und Minister in ih=
ren
sechsspännigen Trauerwägen , die von
niederem Range voraus , und die Vornehm=
sten
zuletzt . Eines jeden Bediente giengen
in Trauerliberey mit Fackeln voran . Der
Wägen waren 42 . 4 ) 12 . königl . Pagen
mit ihrem Hofmeister zu Pferde , in tiefer
Trauertracht . 5 ) Die sämtliche königl . Hof=
trompeter
und Paucker zu Pferde , in Trauer=
liberey
. 6 ) Die grosse Blutfahne , getragen
von einem Major und einem Seecapitain .
Voran 2 . Stallknechte mit Fackeln . 7 ) Der
königl . Reisestallmeister , Herr Kammerherr
von Staffeldt . 8 ) Die andere Hauptwa=
penfahne
mit allen Provinzen und dem Dan=
nebrogkreuze
, getragen von einen Capitain .
Voran 2 . Fackelträger . 9 ) Zween Second=
leutenants
mit dem Provincialpferde von
Delmenhorst . Voran 2 . Fackelträger . 10 )
Ein Secondleutenant mit der Provinzfahne
von Delmenhorst . 11 ) 2 dergleichen Leu=
tenants
mit dem Provincialpferde von Ol=
denburg
. 12 ) Einer mit der Fahne von
Oldenburg . 13 ) 2 . Secondleutenants mit
dem Provincialpferde von Dithmarschen . 14 )
Einer mit der dithmarsischen Fahne . 15 )
2 . dergleichen Leutenants mit dem Provin=
cialpferde
von Stormarn . 16 ) Einer mit
solcher Provinzfahne . 17 ) Ein Premier=
leutenant
von Landstaat , und ein Second =

[10]

leutenant vom Seestaat , mit dem Provin=
cialpferde
von Holstein . 18 ) Ein Second=
leutenant
mit der holsteinischen Fahne . 19 )
Ein Seekapitainleutenant mit der Fahne von
Dannebroge . 20 ) Das Provincialpferd
von Schleswig , eben so , als das holsteinsche ,
geführt . 21 ) Ein Secondleutenant vom
See = etat mit der schleswigschen Fahne . 22 )
Das Provincialpferd der Gothen , wie die
2 . vorigen geführt . 23 ) Ein Secondleute=
nant
vom See = etat mit der gothischen Fah=
ne
. 24 ) Das Provincialpferd der Wenden ,
auf gleiche Weise geführt . 25 ) Ein Pre=
mierleutenant
vom Landetat , mit der wendi=
schen
Fahne . 26 ) 2 . Premierleutenants
mit dem Provincialpferde der 3 . Kronen .
27 ) Ein dergleichen mit der Fahne . 28 )
Das Pferd für Norwegen , geführt wie das
holsteinische . 29 ) Ein Secondleutenant
mit der norwegischen Fahne . 30 ) 2 . Pre=
mierleutenants
mit dem Pferde für Dänne=
mark
. 31 ) Ein Secondleutenant vom See=
etat
mit der Fahne von Dännemark . 32 )
Die erste Hauptfahne , getragen von einem
Rittmeister . 33 ) 2 . Premierleutenants von
der Artillerie , mit dem darzu gehörigen Pfer=
de
. 34 ) 2 . königl . Bereiter . 35 ) Die
Friedensfahne , getragen von 3 . Obristleute=
nants
und 3 . Commandeurcapitains , in ih=
rer
besten Uniform . 36 ) Der königl . Stall=
meister
Sperling , auf dem vordersten weissen
Friedenspferde , mit dem goldenen Harnisch
und Helm . 37 ) 2 . weisse Friedenspferde ,
jedes von 2 . Capitains , in der Uniform , ge=
führt
. 38 ) Eine Trauerfahne , von einem
Obristleutenant und 2 . Commandeurkapi=
tains
, in ihrer besten Uniform , getragen .
39 ) 3 . Trauerfperde , jedes von einem Ca=
pitain
beym Landetat , und von einem Capi=
tainleutenant
beym See = etat , geführt . Vor
jedem von allen vorbemeldeten Pferden wur=
den
2 . weisse Fackeln getragen . 40 ) Hr .
Marschall Moltke zu Pferde , mit überzoge=
nem
Marschallsstabe , und hinter ihm ein
Trupp von 40 . Rangspersonen zu Pferde .
41 ) Jhro Majestät der verwittibten Köni=
gin
Juliana Maria , Trauerwagen . Voran
8 . und an den Seiten 4 . Personen von der
königl . Liberey , mit Fackeln . 42 ) Des
höchstseel . Königs Leibwagen , bey welchem

der älteste Page und Leibdiener voran ritten .
43 ) Der Königl . 8 = spännige Leichenwagen ,
deren Pferde mit Königl . Wappenschildern
an der Stirne und an den Seiten versehen
waren , von 5 See = Capitains und 3 Majors
geführt . Zur rechten Seite ritte der Hr .
geheime Conferenzrath Gram , und zur linken
der Hr . Stiftsamtmann , Graf Knuth . Ue=
ber
dem Königl . Sarge lag eine schwarze
sammetene Decke mit silbernen Franzen , und
bordirt mit goldenen Kronen , dessen Ziepfel
wurden von 4 . Kammerjunkern getragen .
Die 4 . Kammerherren , welche den Himmel
getragen hatten , der nun über den Leichen=
wagen
bevestiget war , ritten zu den Seiten
der Leiche . Es folgten auch zu den Seiten
des Leichenwagens 24 . Königl . Renteschrei=
ber
und andere dergleichen Bediente mit Fa=
keln
, imgleichen 12 . Trabantendienste ver=
richtende
Premier = Lieutenants , in tiefer
Trauer , mit überzogenen Partisanen , die sie
verkehret trugen . 44 ) Der Hr . Hofmar=
schall
, Graf von Moltke , zu Pferde , mit
bezognen Marschllastabe , und hinter dem=
selben
ein Haufen von 40 . Rangspersonen .
45 ) Se . Königl . Majestät , deren lan=
ge
Schleppe von dem Herrn Oberkam=
merer
getragen war , wurden von dem
Herrn Oberhofmarschall und dem Herrn
Oberceremonienmeister zum Wagen begleitet .
Voran ritte Sr . Majestät Kammerpage
und Leibdiener , und zwölf . Personen der
Königl . Liberey giengen daselbst mit Fackeln .
Zunächst an den Seiten des Wagens gien=
gen
2 . Heyducken , und neben denselben 12 .
Trabantendienste verrichtende Premierlieute=
nants
. Zur rechten Seite ritten Se . Excel=
lenz
, der Hr . Oberkammerherr , und zur lin=
ken
Se . Excellenz der Hr . Oberstallmeister .
46 ) Jhro Majestät , der verwittibten Köni=
gin
Sophia Magdalena Trauerwagen ; vor=
an
und zu den Seiten 12 . Personen von =
nigl
. Liberey mit Fackeln . 47 ) Sr . Königl .
Hoheit des Prinzen Friderichs Trauerwa=
gen
. Zu den Seiten ritten der Hr . gehei=
me
Rath , Graf Scheel , und der Hr . Mar=
schall
v . Ranzau . Voran ritten Kammerpa=
gen
, und giengen 8 . Libereybediente mit Fa=
ckeln
. 48 . 49 . und 50 ) Jhro Königl . Ho=
heiten
, der Kronprinzeßin , der Prinzeßin

[11]

Louise und der Prinzeßin Charlotta Amalia
Trauerwägen . Vor jedem derselben giengen
8 . Libereybediente mit Fackeln . 51 ) End=
lich
schloß den Zug ein Eskadron von der
Leibgarde zu Pferde .

Diese Proceßion gieng solchergestalt unter
gedämpftem Tone von Paucken und Trom=
peten
von dem Schloß aus , über der Stadt
vornehmsten Plätze und Gassen , wo die auf=
gestellten
Posten der Bürgerschaft , Garni=
son
ꝛc . die Trommel mit gedämpftem Lau=
te
, bis die königlichen Leiche und die =
nigl
. Personen vorüber waren , rührten , durch
das Westerthor hindurch , bis zu dem soge=
nannten
Königsthore , wo die Proceßion eben
vor Mitternacht anlangte . Hier begab sich
die Proceßion auseinander : Die reitende
Truppe , Renteschreiber , Pagen , Trompeter ,
und diejenigen , welche die Fahnen und Pro=
vinzpferde
führten , wendeten sich ab in die
Allen , anstatt daß das fahrende Gefolge auf
dem Wege blieb . Der fürstlichen Personen
und königl . Minister Wägen beobachtete die
vorige Ordnung nicht eher wieder , als bis
sie den 19ten , Morgens , in Rothschild an=
kamen
, wohin sich auch Se . Majestät der
König begaben , und wurde daselbst noch et=
was
geruhet . Die königl . Leiche ward in=
zwischen
von 30 . Mann Reuterey , unter
Anführung eines Majors und eines Leute=
nants
, escortiret . Vor derselben ritten 24 .
Stallbedienten mit Lanternen und Fackeln .
Unterweges ward an allen Orten , wo man die
Königl . Leiche von den Thürmen sehen konn=
te
, so lange man dieselbe im Gesicht hatte ,
mit den Glocken geläutet .

Bemeldeten 19ten , des Vormittags um
10 Uhr , paradirte die ganze Bürgerschaft in
Rothschild in den Gassen , durch welche die
Königl Leiche zur Domkirche , unter Läutung
aller Glocken des Orts geführet wurde . Bey
der Domkirche hatten 2 . Compagnien Rei=
ter
die Wache . Die Proceßion geschahe in
derselben Ordnung , wie sie des Abends vor=
her
hier , in Copenhagen geschehen war , aus=
genommen
, daß die bemeldete reitende Trupps ,
nebst den Fahnen und Pferden , die sich nach
den Alleen abgewendet hatten , nicht zugegen
waren , und auch , weil es itzo Tag war , keine
Fackeln dabey getragen wurden .

Jn der Domkirche empfiengen Se . Königl .
Maj . und das anwesende Gefolge die hohe
Leiche , unter einer Trauermusik , welche so .
lange , bis alles vorüber war , währte . Die
Königl . Leiche , der Himmel und die Zipfel des
Leichentuchs wurden , wie bey der Austra=
gung
aus der Copenhagener Schloßkapelle ,
getragen ; und 12 Trabantendienste verrich=
tende
Premier = Lieutenants giengen dabey
rings umher . Voran traten Se . Excellenz ,
der Hr . Ober = Hofmarschall mit dem Mar=
schallsstabe
, und auf den Seiten der Hr .
Ober = Jägermeister , und der Hr . Stiftsamt=
mann
, Graf Knuth .

Sobald die königl . Leiche auf die erstge=
dachte
Weise Sr . Majestät dem König vorü=
ber
getragen war , trat der Herr Oberhof=
marschall
zurück ; worauf der König selbst
folgeten , und alsdann kam das ganze Ge=
folge
.

Jn dem königl . Begräbnisse waren die
nöthigen Leuchter , mit Flor und Schildern be=
hangen
; und da wurde nun die Königl . Lei=
che
auf eine mit Kronen bordirte , und mit
silbernen Franzen besetzte sammetene Decke
niedergesetzt .

( Das Uebrige künftig . )


Wir Burgermeister und Rath der Stadt Wien ,
geben hiemit durch dieses offene Edict jedermän=
niglich
zu vernehmen , wasgestalten wir über fer=
ner
schriftlich beschehenes Anlangen und dienst .
Bitten Hrn . Franz Joseph Seeger J . U . D als
gerichtl . aufgestellt = Horwartischen Curatoris ad
actum unterm 15 . März in ein nochmaliges Lici=
tationsedict
jedoch mit Präsigirung eines 14 . =
gegen
Termins ) gewilliget , und verordnet haben ,
daß die Horwartische in der Leopoldstadt ligende
zwey Häuser , das eine in der Sterngassen , das an=
dere
in der Fuhrmannsgassen , samt Garten , noch=
malen
offentlich ausgefeilet , und dem Meistbieten=
den
verkaufet werden sollen , da an hierin der
19 . Monatstag April laufenden 1766sten Jahrs
zur Tagsatzung bestimmet worden ist , als wird ein
solches hiemit jedermann , wer etwann diese Häu=
ser
samt Garten käufl . an sich zu bringen gesinnet
ist , mit diesem Edict zu dem Ende kund und zu
wissen gemacht , damit ein sich hervorthuender
Kaufer bey obbemelt = bestimmten Licitationstag=
satzung
fruhe um 9 . Uhr , oder da wir selbigen Tags
etwann anderer Geschäften halber nicht zu Rath
sitzeten , den nächst darauf folgenden Rathstag vor
uns zu erscheinen , und sich bey unser und Ge =

[12]

meiner Stadt Pupillenraitkammer , durch den da=
selbstigen
Amtsschreiber anmelden lassen möge ,
allwo sodann das Weitere behörig tractiret werden
solle .


Von des Hochfürstl . Erzbistums wienerischen
Gerichts wegen , wird durch gegenwärtig offenes
Edict jedermänniglich , sowohl An = als Abwesen=
den
, deme daran gelegen , kund und zu wissen ge=
macht
: Es habe dasselbe nothwendig zu seyn be=
funden
über des Peter Lienhard Müllnermeisters
zu Möllerstorf ad Cridam gediehene Vermögen ei=
nen
ordentlichen Concurs anzuordnen , und dessen
sammentliche sowol in = als ausser Land befindliche
Glaubigere zur Anmeld = und zugleich Liquidirung
ihrer an erstermelten Peter Lienhard zu stellen ha=
bender
Sprüchen und Forderungen einzuberuffen ,
zu welchem Ende der 27 . des künftigen Monats
May fruhe um 8 . Uhr zur gewönlichen Tagsatzung
für die erst = andert = und dritte , auch allendliche
Frist sub clausula præclusi anberaumet worden .
Solchemnach werden alle und jede , welche an ob=
erwehnten
Peter Lienhard ex quacunque causa
vel titulo Sprüche und Anforderungen haben , oder
zu haben vermeinen , an obbestimmten Tag und
Stund in des Hochfürstl . Erzbistums Wien Hof=
meisteramte
allhier entweders selbst persönlich ,
oder durch hierzu genugsam gevollmächtigte Ge=
walttragere
alsogewiß zu erscheinen , ihre etwann
habende Sprüche und Anforderungen nebst Mit=
bringung
der diesfällig = und zugleich auf behöri=
gen
Stempelpapier in glaubwürdigen Abschriften
einzulegen kommenden Liquidations = und respect .
Legitimationsdocumenten gehörig anzumelden ha=
ben
, wie im widrigen die nicht erscheinend = Lien=
hardische
Glaubigere von sothaner Concursmassa
gänzlichen ausgeschlossen , und denenselben das
ewige Stillschweigen auferlegt , die nicht rechtl .
Liquidirend = oder sich nicht genugsam Legitimi=
rende
hingegen abgewiesen werden sollen . Wornach
sich ein jeder , deme daran gelegen , zu richten , und
seinem Recht bestens zu invigiliren wissen wird .


Wir Burgermeister und Rath der Stadt Wien ,
geben den Erben und nächsten Anverwandten der
weil . Theresia Herlin , verwittibt gewesenen Land=
schulmeisterin
hiemit zu vernehmen : Es wäre
ebenbesagte Herlin bereits unterm 26 . April 1764 .
ohne Zurucklassung einer letztwilligen Verordnung
allhier verstorben ; da nun von ihren Erben und
nächsten Anverwandten eigentlich nichts kann in
Erfahrung gebracht werden , so ist für nöthig be=
funden
worden , dieselben durch ein öffentliches
Valvaledict zu Richtigstellung der diesseitigen Ver=
lassenschaftsabhandlung
einzuberufen . Es haben
dahero alle diejenigen , welche zu obgedachter Her=
lischen
Verlassenschaft als rechtmäßige Erben und
nächste Anverwandten sich zu legitimiren vermögen ,
auf den 4 . künftigen Monats Junii dies Jahrs bey

unser und gemeiner Stadt Pupillenraitkammer
entweder persönlich selbst , oder durch einen hierzu
hinlänglich bevollmächtigten Gewalthabere sich also=
gewiß
anzumelden , und behörig zu legitimiren ,
wie im widrigen , was Rechtens ist , fürgekehret ,
und die Verlassenschaft dem uxorio und manda-
tario
nomine darum supplicirenden Franz Serin
ohne weitern Rucksicht auf dieselben eingeantwor=
tet
werden solle . Welches man durch dieses ofene
Edict hiemit kund und zu wissen machen wollen .


Von der gräflich Wallseggischen Herrschaft
Schottwien aufgestellten Judicii Delegati wegen ,
wird all und jeden , so an des weil . Hrn . Franz
Gottlieb Wibmer , K . K . Gränitzmautheinnehmer ,
und behausten Burger des Hochgräfl . Wahlseggi=
schen
Markts Schottwien seel . hinterlassenen Ver=
mögen
einige Sprüche und Anforderungen haben ,
oder zu haben vermeinen , durch dieses offene Edict
kund und zu wissen gemacht : Es habe die Noth=
durft
erheischet , über des ersagten zu Schottwien
mit Hinterlassung vieler Schulden verstorbenen K .
K . Gränitzmautheinnehmers , und behausten Bur=
gers
, Hrn . Franz Gottlieb Wibmer seel . ad Cridam
gediehene Verlassenschaft ein ordentliche Concurs=
handlung
anzuordnen , und zu dem Ende alle so=
wohl
in = als ausser Land befindliche Creditores per
Edicta ad Valvas ad liquidandum sub clausula
præclusi einzuberuffen , annebens auch dessen sam=
mentliches
Verlassenschaftsvermögen , bestehend in
einem Haus , so ein Viertl Lehen in dem Hochgräfl .
Wahlseggischen Markt Schottwien , samt Haus=
äckerl
, Tisch , Kästen , Bethstätte , Bethgewand ,
Leinwäsch , Bilder , und andere Geräthschaften li=
citando
zu verkauffen ; Da nun auf Anlangen des
gerichtl . verordnet Franz Gottlieb Wibmerischen
Curatoris ad Lites , Hrn . Franz Xaverii Leonhard
Högg , J . U . D . auch K . K . Hofkriegsraths = und Ge=
richtsadvokatens
, in Ausfertigung deren hierzu er=
forderlichen
Edicten gewilliget , und hierzu der 17 .
künftigen Monats May Fruhe um 8 . Uhr pro 1mo ,
2do , 3tio , ac ultimo Termino bestimmet worden ;
Als werden sowohl diejenige , welche obbemeltes
Haus , Grundstück , und Mobilien , ganz oder zum
Theil zu kauffen gedenken , ad tractandum & con-
cludendum
, als auch alle und jede , sowohl in = als
ausser Land sich befindliche Gottlieb Wibmerische
Glaubigere , an obbemeldten Tag und Stund bey der
Gräfl . Wälseggisch . Herrschaftskanzley zu Schott=
wien
entweder selbst persöhnlich , oder durch genug=
sam
Bevollmächtigte wohl instruirter erscheinen ,
und ihre Forderung anmelden , zugleich aber auch
alsogewiß liquidiren , als im widrigen die Anwe=
sende
mit ihren Liquida⟨t⟩ionsbehelfen angehöret ,
der Claßificationsverlaß ex Officio abgefasset , und
die nicht angemeldte oder nicht liquidirende Gott=
lieb
Wibmerische Creditores von dieser Concurs=
massa
abgewiesen , und ihnen das ewige Stillschwei=
gen
auferleget werden solle .

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