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Wiener Zeitung

Nr. 99, 10. Dezember 1791

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[1]

Jnländische Begebenheiten .

Wien .

Donnerstags den 7 . d . M . Vormit=
tags
um 10 Uhr , haben Se . Kais .
Maj . dem Herrn Ludwig Grafen v . Ko=
benzl
, Domprobsten zu Eichstett , auch
hochfürstl . Eichstettisch und Kemptischen
geheimen Rathe , als ersten , und dem
Herrn Jakob Negelin v . Blumenfeld
des heil . rom . Reichs = Ritter , hochfürstl .
Salzburgischen wirkl . Hof = und Regie=
rungsrath
, auch Kaiserl . Reichsagenten ,
als zweyten bevollmächtigten Lehensge=
sandten
des Bischofs und Reichsfürsten
zu Eichstett , von dem Kaiserl . Throne
die Belehnung über des fürstl Hoch=
stifts
Regalien und Weltlichkeiten aller=
gnädigst
zu ertheilen geruhet . Bey die=
ser
Feyerlichkeit wurden von den beyden
mit mehrern Staatswagen und unter

Vortretung einer zahlreichen Dienerschaft
in ansehnlicher Begleitung zur Kaiserl .
Burg aufgefahrnen fürstlichen Gesandten
und Bevollmächtigten , und zwar von er=
stern
die gewöhnliche Ansuchungs = von
letzterm die Dankrede gehalten .

Hierauf wohnten JJ . KK . MM . mit
Allerhöchstdero Familie und dem Hof=
staate
, dem öffentlichen Gottesdienste in
der Hofkirche bey .

Nach dem Gottesdienste , um 12 Uhr ,
haben Se . Kaiserl . Maj . ebenfalls dem
obengenannten Herrn Ludwig Grafen v .
Kobenzl , wie auch gedachtem Hrn Jakob
Negelin v . Blumenfeld , als bevollmäch=
tigten
Lebensgesandten des Fürsten und
Abten zu Kempten , der röm . Kaiserinn
Maj . beständigen Erbmarschalls , die Kai=
serl
. Reichsthronbelehnung über die Re=
galien
und Weltlichkeiten des fürstlichen

[2]

Stiftes Kempten allerhuldreichest zu er=
theilen
geruhet . Die fürstl . Herren Ge=
sandten
und Bevollmächten fuhren , wie
das erstere Mahl , unter ansehnlicher Be=
gleitung
, zur Kaiserl . Burg auf , und
haben bey der feyerlichen Handlung er=
steren
die Ansuchungs = , letzterer die
Dankrede gehalten .

Se . K . K . Maj . haben anstatt des
jüngst abgestorbene Freyherrn v . Hagen ,
den Kaiserl . wirkl . geheimen Rath und zeit=
herzigen
Reichshofraths Vicepräsidenten ,
des h . röm . Reichs Grafen v . Uiberacker ,
in gnädigster Rücksicht auf dessen bey ge=
dachtem
Kollegium geleisteten ersprießli=
chen
Dienste , zu Jhren wirkl . Kaiserl .
Reichshofrathspräsidenten allergnädigst
zu ernennen geruhet . Diesemnach wurde
der Hr . Präsident gestern Vormittags ,
nachdem vorher in die Hände Sr . Kaiserl .
Maj . abgelegten Amtseide , durch den K .
K . ersten obersten Hofmeister Fürsten v .
Starhemberg , förmlich eingeführt und
in das Amt auf die gewöhnliche Art
eingesetzt .

Gleichermassen ist heute der Feldmar=
schall
, Michael Graf v . Wallis , welchem
Se . Maj . vermöge des in dessen Person
gesetzten vollkommenen Vertrauens , die
bisher ledig gewesene Stelle eines Hof=
kriegsrathspräsidenten
, und zugleich die
Würde eines Kais . auch Kais . Königl .
wirklichen geheimen Raths zu verleihen
geruhet haben , nachdem derselbe die bey
Erlangung dieser Würden gewöhnliche Ei=
de
in Gegenwart Sr . Maj . , bey Hofe
abgelegt hatte , von dem K . K . ersten ober=
sten
Hofmeister , Fürsten v . Starhem=
berg
, in desselben eigenem sechsspännigen
Galawagen , unter Vortretung der Be=
dienten
und Hausoffiziere , in das Ge=
bäude
des Hofkriegsrathes und den zu
dieser Feyerlichkeit eigens zubereiteten
Rathssal begleitet , und im Nahmen Sr .
Maj . dem versammelten Rathe , durch ei=
ne
Anrede vorgestellet worden , welche
von dem Hofkriegsrathspräsidenten so =

wohl , als auch von dem Generale der
Kavallerie und Hofkriegsraths , Grafen v .
Tige , als bisherigen Stellvertreter des
Präsidiums , beantwortet wurde .

Nachdem Se . K . K . Maj . mit der
oberen Leitung des Studienwesens eine an=
dere
Einrichtung zu treffen , und solche
mit der Böhmisch = Oesterreichischen Hof=
kanzley
unmittelbar zu vereinigen beschlos=
sen
haben , hierdurch aber die bisher be=
standene
besondere Studienhofkommißion
aufhört , so haben Se . Maj . aus dieser
Rücksicht , den K . K . Hofbibliotheks =
Vorsteher , Freyherrn v . Swieten , von
dem bisher geführten Präsidium gedach=
ter
Studienhofkommission in Gnaden ent=
hoben
. Zugleich haben ihm Se . Maj .
durch ein gnädigstes Handschreiben vom
5 . d . M . bekannt zu machen geruhet , daß
Allerhöchstdieselben , da Sie dessen auch
in diesem Fache dem Staate geleisteten
⟨Die⟩nste vollkommen erkennen , ihm zum
⟨Merk⟩mahle Jhrer Zufriedenheit , die wirk=
liche
geheime Rathswürde , mit Nachsicht
der Taxen , verliehen hätten .

Se . K . K . Maj . haben das durch den
Tod des Grafen v . Stürgkh erledigte Gu=
bernium
von Steyermark , an den Prä=
sidenten
und Landeshauptmann von Kärn=
ten
, Grafen v . Wellsperg , übertragen ,
und an dessen Statt den K . K . wirkl . Käm=
merer
, Hofrath und Referenten von Ga=
lizien
bey der Böhmisch = Oesterreichischen
Hofkanzley , Grafen v . Odonell , zum Prä=
sidenten
und Landeshauptmann in Kärn=
ten
ernannt , des letzteren Stelle aber bey
der Böhmisch = Oesterreichischen Hofkanz=
ley
, dem bisherigen Kammeraladmini=
strator
von Galizien , Hofrathe v . Kranz=
berg
, verliehen .

Zugleich haben Se . K . K . Maj . den
neubestimmten Präsidenten und Landes=
hauptmann
in Kärnten , Grafen v . Odo=
nell
, zu Allerhöchstdero wirklichen gehei=
men
Rath zu ernennen geruhet .

Se . Maj . haben den kommandirenden
General in der Karlstädter = Warasdi =

[3]

ner Militargränze , Generalfeldzeugmei=
ster
Baron de Vins , zum Militargränitz =
Jnspector zu ernennen geruhet .

Se . Maj . haben dem Hofkriegsräthli=
chen
Registranten , Johann Paul Schul=
ler
, in Rücksicht auf seine vieljährigen
treu geleisteten Dienste , durch Dero K .
K . geheimes Kammerzahlamt einen gol=
denen
Gnadenpfenning zustellen zu lassen
allergnädigst geruhet .

Der neuerwählte Magistrat der hiesigen
Universität , und der Magistrat der Stadt
Wien , haben an dem Donnerstags den
8 . d . M . eingefallenen Festtage Mariä
Empfängniß , in der Metropolitankirche
dem feyerlichen Hochamte beygewohnet .

Durch die vorige Woche vor sich ge=
gangene
Wahl des Magistrats der Uni=
versität
, ist Hr . Joseph Edler v . Tobenz ,
der K . K . Erblande Ritter , und N . Oest .
Appellationsrathe , zum Rektor Magnifi=
kus
erwählet worden . Die Dekanen
sind : Von der Theologie , der ehrw .
Nikolaus Prandtner , aus dem Orden
der Minoriten , der Theologie Doktor ;
von der jurüdischen Fakultät : Herr An=
ton
Panstingl , beyder Rechte Doktor und
Hof = und Gerichtsadvokat ; von der me=
dizinischen
Fakultät : Herr Johann Mi=
chael
Schofulan , der Philosophie und
Arzney Doktor ; von der Philosophie :
Herr Anton Ambschel , der freyen Kün=
ste
und Philosophie Doktor , Domherr zu
Petina , der Ackerbaugesellschaft in Krain
Mitglied , und Professor der Experimen=
tal
= Naturlehre und Mechanik .


Ausländische Begebenheiten .

Spanien .

Das Carlsfest ist am 4 . Nov . am Ho=
fe
zu Madrid mit den üblichen Feyer=
lichkeiten
, aber ohne die sonst gewöhnli=
chen
Beförderungen , gehalten worden .

An diesem Tage gab der Minister der
auswärtigen Angelegenheiten , wie es

allzeit üblich ist , ein grosses Gast=
mahl
, wozu alle auswärtigen Bothschaf=
ter
Gesandte und Minister geladen wur=
den
. Der Französische Geschäftsträger ,
Hr . Urtübise , den man seit der Gefan=
gennehmung
des Königs von Frankreich
nicht mehr anerkannte , ward diesesmahl
wie die anderen fremden Minister , gelan=
den
woraus man den Schluß zieht , daß
der Spanische Hof die bisher in Anse=
hung
Frankreichs geäusserten Gesinnung=
gen
zu ändern anfange .

Der Hof hat beschlossen den neuen von
dem Sultan von Maroko nach Spanien
gesandten Bevollmächtigten , Hrn . Chiap=
pe
, anzunehmen und die Unterhandlungen
wieder in Gang zu setzen .

Die neuen wegen Räumung von Oran
entstandenen Streitigkeiten scheinen abge=
than
zu seyn . Dem zu Folge ist aus Ali=
cante
eine königl . Fregate abgesegelt ,
welche dem Dej von Algier ein Geschenk
von 44 , 000 Piastern in Silber über=
bringt
.

Zur Wiederherstellung des abgebrannt=
ten
Pallastes der sogenannten Hofkerker
werden alle Vorkehrungen gemacht ; da=
mit
aber deswegen der öffentliche Schatz
nicht noch mehr geschwächt werde , ist die
Erhöhung der Stämpelgebühren im An=
trage
.

Frankreich .

Der König hat den Minister vom Jn=
neren
, Hrn . Delessart , welcher seit Hrn .
Montmorins Entfernung das Departe=
ment
der auswärtigen Angelegenheiten , zur
grossen Zufriedenheit der Nat . Vers . ver=
sehen
hat , zum Minister dieses Departe=
ments
, und an dessen Stelle , wie ver=
lautet
, Hrn . Cahier de Gerville ernannt ,
der in eben dem Augenblicke einen Beweis
des öffentlichen Zutrauens dadurch er=
hielt
, daß er zum Procureur = Syndic der
Gemeinde von Paris die Stimmen der
Stadt erhalten hatte .

Jn der Sitzung der Nat . Vers . am 21 .
Novemb . überreichte Hr . Lavoisier , im

[4]

Nahmen des Finanzauschusses , das Ver=
zeichniß
von den Einnahmen des National=
schatzes
vom Monath October , deren Be=
trag
sich wieder nur auf 18 , 276 , 572 Liv .
belief .

Ein Mitglied des Gesetzgebungsaus=
schusses
schlug vor , in Beaucaire ein
aus 5 Richtern bestehendes Tribunal zu
errichten , welches über die in Avignon
begangenen Verbrechen urtheilen soll . Die
Erörterung darüber wurde bis zur Si=
tzung
am 23 . verschoben .

Auf den Vorschlag eben dieses Aus=
schlusses
ward folgendes Dekret gefaßt :

Die Nationalversammlung hat , in der
Absicht , sogleich das hohe Nationalgericht in
Thätigkeit zu setzen , um die Herren Varnier ,
Tardy und Noirot zu richten , gegen welche
sie den 12 . d . M . ein Anklagedecret hat erge=
hen
lassen , verordnet , was folgt :

1 . Sobald die Protocolle von den Wahlen
der Geschwornen , die noch nicht überschickt
sind , an die Nat . Vers . gekommen , wird sie
die Liste der von den Departementen erwählt=
ten
Obergeschwornen verfertigen ; diese Liste
soll alsbald der ausübenden Gewalt überschickt
werden , um sie drucken und in allen Depar=
tementen
des Reichs bekannt machen zu lassen .

2 . Jn der morgigen Sitzung werden sich die
Mitglieder der Versammlung in die Bureaux
begeben , um durch einzelne Stimmzettel und
durch die absolute Mehrheit der Stimmen zwey
Groß = Procuratoren der Nation aus dem Mit=
tel
der Nationalvers . zu wählen , welche bey
dem hohen Nationalgerichte , nach dem 10 . Ar=
tikel
des Konstitutions = Gesetzes , die Anklage
zu betreiben haben .

3 . Jn der morgigen Sitzung wird man durch
das Loos unter den Mitgliedern des Cassations=
gerichts
die vier Oberrichter wählen , welche die
Jnstruction vornehmen sollen . Man wird den
König bitten , zwey Kommissare abzuschicken ,
um diesem Geschäfte beyzuwohnen .

4 . Das hohe Nationalgericht soll sich in der
Stadt Orleans versammlen ; die vier Oberrich=
ter
und die zwey Groß = Procuratoren der Na=
tion
sollen sich sogleich dahin begeben ; Hr .
Varnier soll auch dahin abgeführt werden ,
desgleichen die Herren Tardy und Noirot ,
sobald sie werden ergriffen seyn .

Hr . Genson⟨t⟩e gab Nachricht von den
neuen Unruhen , welche in Departemente

der Vendee auszubrechen im Begriffe
sind . An mehreren Orten , sagte er , ha=
ben
sich die Bauern zusammengerottet ,
um die Urversammlungen zu hindern ; sie
haben Nationalgarden entwaffnet und Li=
nientruppen
beschimpft . Beeidete Geist=
liche
sind verjagt worden ꝛc . Man nahm
von daher Anlaß wieder zur Erörterung
des Dekretes wegen der Geistlichen zu
schreiten .

Der zehnte , elfte und zwölfte Artikel
wurden fast ohne Streitigkeiten angenom=
men
. Sie lauten also :

X . Das Directorium jedes Departements
soll zwey Listen verfertigen lassen ; die eine soll
die Nahmen und Wohnorte der beeidigten Die=
ner
der katholischen Religion enthalten , wobey
diejenigen besonders anzuzeigen sind , welche kein
Amt haben , und sich nützlich machen wollen ;
die andere soll die Nahmen und Wohnorte
derjenigen enthalten , die sich geweigert haben ,
den Bürgereid zu leisten , nebst den Klagen
und Protokollen , die gegen sie verfaßt wor=
den
sind .

XI . Nach diesen Listen sollen die Generalpro=
curatoren
dem Departemente von den Verfü=
gungen
Rechenschaft ablegen , welche in ihrem
Bezirke sind getroffen worden , um die Decrete
der konstituirenden Nationalversammlung vom
12 . und 24 . Julius und vom 27 . Novemb . 1790
in Ansehung des von der Nation besoldeten ka=
tholischen
Gottesdienstes auszuführen . Der
Bericht soll zugleich die Hindernisse anzeigen ,
welche der Ausführung dieser Gesetze im We⟨ge⟩
gestanden sind , nebst den Nahmen derjenigen ,
die seit der Amnestie neue Hindernisse haben
entstehen machen , oder dergleichen aus Bosheit
oder Nachlässigkeit begünstigt haben .

XII . Die Rathsversammlung jedes Depar=
temens
, oder , wenn sie schon auseinander ge=
gangen
ist , das Directorium , sollen über die=
sen
Gegenstand einen mit Gründen belegten
Schluß fassen , der , sammt einer Uebersicht
der Listen , welche die beeidigten und unbeeidig=
ten
Priester enthalten , und mit den Anmerkun=
gen
des Departements über die persönliche Auf=
führung
der letztern , oder über ihre aufrühre=
rische
Verbindung unter einander oder mit den
flüchtigen ausgetretenen Franzosen , sogleich an
die Nationalvers . soll abgeschickt werden .

Man kam nun an den dreyzehnten Ar=
tikel
, welcher vorschrieb , daß die Natio =

[5]

nalversammlung sich in einen General=
ausschuß
verwandeln soll , ( wobey die
Zuhörer den Sal verlassen müssen ) um
die verschiedenen von den Departementen
eingeschickten Protokolle , Listen und
Schlüsse zu untersuchen . Hr . Brissot
eiferte dagegen . Jch glaube , sagte er ,
daß Sie sich nur äußerst selten in einen
Generalausschuß bilden müssen . Man
ist viel gerechter , wenn man unter den
Augen des Volks berathschlägt . Wa=
rum
sollen Sie über diesen Gegenstand
die Oeffentlichkeit scheuen ? Besorgen Sie
dem Volke die Nahmen der widerspänsti=
gen
Priester bekannt zu machen ? Diese
Schonnung wäre sträflich . Fürchten sie ,
dem Volke die Köpfe zu bezeichnen , wel=
che
die Rache der Gesetze auffordern ?
Das Volk ehret das Gesetz , wenn es beob=
achtet
wird . Jch lasse also den Gesin=
nungen
des Volkes Gerechtigkeit wieder=
fahren
, indem ich die vorläufige Umfra=
ge
begehre .

So sprach auch Hr . Garron = Coulon
und der Artikel ward verworfen .

Der Artikel , welcher im Projecte der
vierzehnte ist , ward nun folgendermas=
sen
decretirt :

XIII . Wenn einzelne Personen oder Gesell=
schaften
, den öffentliche Amtsverrichtungen
aufgetragen sind , sich weigern , die Mittel zu
gebrauchen , welche das Gesetz ihnen in die Hän=
de
gibt , um einem Aufruhre zuvorzukommen
oder ihn zu stillen , so sollen sie dafür persön=
lich
verantworlich seyn , vor Gericht gezogen ,
verurtheilt , und nach dem Gesetze vom 3 . August
1791 . gestraft werden .

Der fünfzehnte Artikel verordnete , daß
anstatt des von den Priestern verlangten
besonderen Eides , bloß der Bürgereid
sollte geleistet werden ; daß die sogenannte
bürgerliche Verfassung der Geistlichkeit
den Titel : Gesetze über die bürgerlichen
Verhältnisse und äußern Regeln des ka=
tholischen
Gottesdienstes in Frankreich ,
führen , und daß der Geistliche nicht mehr
öffentlicher Beamte heißen und seyn sollte .

Der Bischoff von Lyon , Hr . Lamou=
rette
, sprach gegen diesen Artikel . Der

Titel : öffentliche Beamte , sagte er , hat
uns die Liebe und das Zutrauen der wah=
ren
Freunde der Konstitution verschafft .
Mit diesem Character war es uns mög=
lich
, von der Unterwerfung unter die Ge=
setze
, als von einer Pflicht zu reden , wel=
che
das Evangelium , dessen Diener wir
sind , vorschreibt : dieses Buch , das Frey=
heit
und Gleichheit lauter predigt als
alle Konstitutionen ; dieses Buch , dessen
Grundsätze für die Despoten immer beun=
ruhigend
, und die eigentliche Ursache der
Verfolgungen waren , die man gegen dieje=
nigen
erhob , welche die Lehren desselben
ausbreiteten , ehe ihre Ansprüche und
Reichthümer sie furchtbar machten . Wür=
den
Sie übrigens nicht dadurch , daß Sie
uns diesen ehrenvollen Titel nehmen , den
Triumph derjenigen bereiten , deren unru=
hige
Bewegungen Sie in Schranken hal=
ten
wollen , und hingegen diejenigen be=
straffen
, welche sich beeifern , Jhren neuen
Gesetzen sich zu unterwerfen , und als ihre
Pflicht ansehen , zu Festsetzung derselben
mitzuwirken ?

Hr . Boyer vertheidigte den Artikel des
Ausschusses , in so ferne er den Priestern
die Benennung öffentliche Beamten , ab=
sprach
. Die Priester , sagte er , üben ein
blos geistliches Amt , und nur über dieje=
nigen
aus , welche ihr Gewissen oder ihre
Religionsmeynungen ihnen freywillig un=
terwerfen
. Der Character des öffentlichen
Beamten ist ganz verschieden . Alle Bür=
ger
müssen in ihm den Mann des Gese=
tes
erkennen . Er bekennt sich zu Grund=
sätzen
, welche allgemein angenommen ,
allgemein in dem Staate befolgt wer=
den
.

Der Artikel ward dennoch auf eine
unbestimmte Zeit ausgesetzt , das heißt ,
so gut als ganz verworfen , und die Si=
tzung
aufgehoben .

Am 22 . meldete Hr . Amelot , daß man
diese Woche wieder für 6 Millionen As=
signate
verbrennen , und daß sich dann
die Summe der verbrannten Assignate auf
336 Millionen belaufen werde .

[6]

Der General = Procurator des Depar=
tements
von Cote d'or zeugte an , daß
Hr . Noirot , an welchen Hrn . Varniers
Brief gerichtet war , in Verhaft genom=
gen
sey .

Nachdem die beyden Kommissare , wel=
che
der König ernannt hat , um der
Wahl der Richter des hohen National=
gerichts
beyzuwohnen , die Herren Du=
veyrier
und Bertolio , ihre Vollmachten
überreicht hatten , zog man die Nahmen
dieser vier Richter . Das Loos fiel auf
die HHrn . Marquis , Creuze = Latou=
che
, Albavet , Caluat . Die National=
versammlung
begab sich hierauf in die
Bureaux , um die beyden Großprocura=
ten
der Nation zu wählen .

Als sie sich wieder versammelt hatte ,
erstattete der ehemalige Lehrer des deut=
schen
Staatsrechts und der Geschichte ,
an der Universität zu Straßburg , der
durch mehrere Schriften rühmlich bekann=
te
Hr . Koch , welcher als Deputirter des
Niederrheinischen Departements in der N .
V . sitzet , im Nahmen des diplomatischen
Ausschusses einen Bericht über die Kriegs=
rüstungen
, welche auf deutschen Grund
und Boden gegen Frankreich gemacht
werden . Er kündigte zugleich einen an=
dern
Bericht an , welchen der Ausschuß
sich vorgenommen habe , der National=
versammlung
in Ansegung der Beleidi=
gungen
vorzulegen , denen französische
Staatsbürger , besonders aber Straß=
burger
, die ihrer Geschäfte wegen über
den Rhein gehen , täglich in den von
von dem Bisthume Strßßburg abhängi=
gen
, und in Schwaben gelegenen Am=
teyen
ausgesetzt sind . Der Berichtleger
stellte zwey Fragen auf : 1 . Sind die
Kriegsrüstungen , welche in den Staaten
einiger deutschen Fürsten , offenbar gegen
Frankreich , gemacht werden , nicht ge=
gen
die Gesetze des deutschen Reichs ?
Wer sind denn , sagte er , die Mächte ,
die uns mit diesen Vorspiegelungen von
Kriege bedrohen , und uns so viele Unru=
he
machen ? Sind es Fürsten , welche im

Besitze einer unabhängigen Souveräni=
tät
, keine anderen Gesetze kennen , als
die Staatskunst , von der die Gouverne=
ments
so lange einen sträflichen Mis=
brauch
gemacht haben ? Nein , meine
Herren ! Es sind drey Prälaten , drey
Stände , drey Vasallen des deutschen
Reichs , die Erzbischöffe von Maynz und
Trier , und der ehemahlige Bischoff von
Straßburg , alle drey erklärte Feinde
der neuen Constitution , die , um ihre
Schritte zu rechtfertigen , keinen andern
Vorwand haben , als den Verlust einiger
geistlichen und Feudalrechte . Aber kön=
nen
diese Fürsten , gegen das Völkerrecht
Rebellen verstatten , in ihren Staaten
sich zu sammeln ? Nein ! Die Reichsver=
fassung
spricht ihnen dieses traurige Vor=
recht
ab . Diese Gesetze haben dem
Rechte des Krieges und Friedens , dessen
die Mitglieder der deutschen Reichsver=
bindung
geniessen , genaue Schranken ge=
setzt
. Jeder Traktat , jedes Bündniß , wo=
durch
das Reich in einen auswärtigen Krieg
verwickelt werden könnte , sind ihnen aus=
drücklich
untersagt ; und nur souveränen
Fürsten dürfen sie erlauben , auf ihrem
Gebiethe zu werben . Ja ! durch die
Wahlcapitulation des jetzigen Kaisers ,
so wie durch die vorhergehenden Capitu=
lationen
, können sie diese Erlaubniß nur
solchen Fürsten ertheilen , welche innerhalb
des deutschen Reichs große , unmittelbare
Besitzungen haben . Dessen ungeachtet
werden die flüchtigen Franzosen , ohne
von einer gesetzmässigen Gewalt aner=
kannt
zu seyn , ganz öffentlich und mit
einer unerhörten Frechheit , für die soge=
nannte
Armee der Prinzen , in Offen=
burg
und Gengenbach , so wie in dem
Bisthume Strasburg : von da verbrei=
ten
sie sich in das Speyerische , und in
einige benachbarte Fürstenthümer , wo
man ihnen für die Anwerbungen zu ih=
rer
sogenannten Armee auf eine Art be=
hülflich
ist , welche Frankreich selbst nicht
berechtigt wäre zu verlangen . Es ist
ausser allem Zweifel , daß diese Unord =


[7]

nungen den deutschen Reichsgesetzen ganz
zuwider sind , und , was die Ausschwei=
fungen
betrifft , welche einige dieser Für=
sten
in ihren Ländern gegen patrioti=
sche
Franzosen begehen lassen , so sind
dieselben offenbar gegen den Landfrieden ,
welcher eines der Fundamentalgesetze der
deutschen Reichsverfassung ist . 2 ) Wel=
che
Mittel muß man ergreifen , um die=
se
Zusammenrottungen und Kriegsrüstun=
gen
zu zerstreuen , und den Gewaltthä=
tigkeiten
ein Ende zu machen , die man
sich gegen französische Bürger erlaubt ?
Ziemte es nicht der Würde unsers Gou=
vernement
, durch den Minister der aus=
wärtigen
Angelegenheiten bey diesen Für=
sten
ernstliche Maßregeln zu ergreifen ?
Sollte es so schwer seyn , ihnen begreif=
lich
zu machen , daß ihr Bestes und ihre
Ehre es fordern , diese Ausschweifungen
nicht länger zu dulden , und Verbin=
dungen
, die ihnen zuletzt nachtheilig wer=
den
müssen , nicht der Achtung vorzu=
ziehen
, die sie einer grossen Nation
schuldig sind , noch den Pflichten , wel=
che
ihnen die Gesetze des Reichs , dessen
Mitglieder sie sind , vorschreiben ? Nach
diesem ersten Schritte müßte der Mini=
ster
an die Stände der beyden Rheinischen
und des Schwäbischen Kreises eine förm=
liche
Aufforderungs ergehen lassen , um
durch die Oberaufsicht der Kreise , und
zufolge der Reichsgrundgesetze den Zu=
sammenrottungen
und Anwerbungen ein
Ende machen zu lassen , die sonst leicht
eine Verletzung des Gebieths zur Folge
haben könnten . Zu gleicher Zeit müßte
man am Reichstage zu Regensburg
förmliche Erklärungen eingeben , und in
denselben die Beschwerden auseinander
setzen , die wir gegen einige Fürsten zu
führen haben , die aus Rachsucht Unord=
nungen
dulden , welche die gute Nach=
barschaft
stören , und einen Krieg anzün=
den
könnten , der dem Besten des deut=
schen
Reichs sehr zuwider wäre . Man
wird uns bey dem Reichstage wahrschein=
lich
einwenden , daß wir zuerst in Ansehung

der deutschen Fürsten , die sich in ihren
Rechten , welche sie im ehemahligen El=
saße
genossen , gekränkt glauben , die Ver=
träge
verletzt haben ; allein hat nicht die
Nation , in dem Augenblicke , da sie die
unverjährbaren Rechte ihrer Oberherr=
schaft
ausführte , ihre Ehrfurcht für diese
Verträge bezeugt , da sie den Fürsten
Schadloshaltung anboth ? Hätten nicht
diese Fürsten , anstatt die Fackel eines
ungerechten Krieges anzuzünden , dieses
großmüthige Anerbiethen annehmen sol=
len
? Und ist nicht endlich das feyerliche
Versprechen , welche wir in dem Angesichte
von ganz Europa gemacht haben , daß wir
mit allen unsern Nachbarn Friede halten ,
und auf alle Eroberungen Verzicht thun
wollen , schon ein hinlänglicher Ersatz für
den Verlust von Feudalrechten , die man
nun so hoch anrechnet ? So mögen denen
unsere Nachbarn sich daran gewöhnen , un=
sere
Unabhängkeit anzuerkennen , wie un=
sere
Absicht ist , die ihrige zu ehren ! so
mögen denn Vasallen des Reichs aufhör=
ren
, die Gesetze ihres Vaterlandes zu ver=
letzten
, um gegen die unsrigen zu arbei=
ten
! mögen sie dem unsinnigen Wunsche ,
unsere Konstitution zu stürzen , die Freund=
schaft
einer großmüthigen Nation vorzie=
hen
, die immer die Beschützerinn ihrer
Freyheit und die Gewährleisterinn ihres
Glückes gewesen ist !

Zufolge dieses Berichts legte Hr . Koch
der Nationalversammlung das Projekt ei=
nes
Dekrets vor , welches die ausüben=
de
Gewalt einladet , gegen die fremden
Mächte die schleunigste und wirksamsten
Maßregeln zu ergreifen , um die Ruhe
an den Gränzen herzustellen , und für die
Beleidigungen , welche Französische Bür=
ger
haben erfahren müssen , hinlängliche
Schadloshaltung zu verlangen . Die
Nationalversammlung verordnete den
Druck des Vorschlags und verschob die
Erörterung .

Hr . Bruat , Deputirter vom Oberrheine ,
berichtete , daß dem Generale Wimpfen ,
welcher , unter dem General , Luckner ,

[8]

das Kommando am Oberrhein hat , eine
Summe Geldes angebothen worden sey ,
um die Festung Neubreysach den Fein=
den
auszuliefern . Die Nationalversamm=
lung
dekretirte , daß Hr . Wimpfen ein=
geladen
werden soll , eine umständliche Er=
klärung
über diesen Vorfall bey dem Ober=
rheinischen
Departementsdirektorium zu
machen , damit darüber ein Protokoll auf=
gesetzt
, und eine Abschrift davon in die
Nationalversammlung geschickt werde ,
und daß der Kriegsminister schriftlich be=
richten
soll , was ihm von dieser Sache
bekannt ist .

Großbritannien .

Das neuangekommene königl . Paar ,
der Herzog und die Herzoginn von York ,
hat den 22 . Novemb . einen Abendbesuch
von dem Könige , der Königinn und den
königl . Prinzeßinnen erhalten .

Vermöge der Parlamentsakten in Be=
ziehung
auf die Ehen der Personen aus
der königl . Familie , müssen die Trauun=
gen
in England geschehen , und hier in
die Trauungsbücher ordentlich eingetra=
gen
werden . Diesemnach ist die zweyte
feyerliche Trauung des Herzogs und der
Herzoginn von York , am 24 . Novemb .
vollzogen worden .

Das königl . Paar , begleitet von dem
Prinzen von Wallis und dem Herzoge
von Clarence , begab sich zu dem Ende
des Abends in den Pallast der Königinn ,
und ward in den auf das prächtigste be=
leuchteten
Saal geführt , wo die königl .
Familie versammelt war , und Abends
um 9 Uhr der Erzbischof von Cantorbery ,
in Gegenwart des Bischofs von London
und des Lord Kanzlers die Trauung vor=
nahm
.

Tags darauf fuhr die Herzoginn von
York , zum ersten Mahle im öffentlichen ,
feyerlichen Staate bey Hofe auf , und
ward dem Könige , der Königinn und den
Prinzessinnen öffentlich vorgestellt . Hier =

auf hielten J . k . H . die Glückwünsche
des gesammten Hofes .

Die Ungewißheit , in der man sich in An=
sehung
der Ostindischen Angelegenheiten
befindet , unterhält die lebhaftesten Be=
sorgnisse
. Täglich und fast stündlich ent=
stehen
neue Gerüchte , welche verschie=
dentlich
auf die öffentlichen Fonds wir=
ken
. Man steht daher mit Sehnsucht
den Nachrichten entgegen , die aus Ma=
dras
stündlich erwartet werden .

Die Westindischen Pflanzer und Han=
delsleute
sind mit den Maßregeln nicht
zufrieden , welche auf ihr dringendes An=
suchen
, der Hof endlich zu nehmen be=
schlossen
hat , scheinen aber vor der Hand
keine weiteren Schritte thun zu wollen ,
weil man Ursache hat zu hoffen , die in
St . Domingo ausgebrochenen Unruhen
werden bald gestillet seyn und nicht wel=
ter
sich verbreiten .

Schweden .

Aus Stockholm wird unter den 18 .
Nov . geschrieben : Das Gerücht wird
immer wahrscheinlicher , daß der König
willens ist , die Stände zusammen zu be=
rufen
. Unsere Finanzen , die Bezahlung
der während des Krieges gemachten
Schulden , und der öffentliche Credit er=
fodern
es , daß die Stände selbst Kennt=
niß
davon erhalten und darüber urthei=
len
, und der König kann in diesen Ange=
legenheiten
von Niemand besser , als von
seinem eigenen Volke unterstützt werden .
Auch merkt man , daß verschiedene Per=
sonen
, selbst aus denen Provinzen , die
dem herrschenden Systeme völlig ergeben
sind , Zusammenkünfte halten , um die
Gemüter vorzubereiten . Uebrigens scheint
es nunmehr zuverläßig zu seyn , daß der
König zukünftiges Frühjahr einige Un=
ternehmungen
versuchen wird , zum Beß=
ten
des Französischen Prinzen , welches
auch daraus zu erhellen scheint , daß klei=
dem
Militare Urlaub gegeben wird .

[9]

Wien .

Vermöge Hofdekrets vom 28 . Oktober ,
haben Se . K . K . Maj , beschlossen , daß
sowohl die gegenwärtig bey Privatperso=
nen
schon anliegenden Kirchen = und Stif=
tungskapitalien
, als auch jene , welche
noch künftig anzulegen seyn werden , ge=
gen
die landesüblichen Zinsen , bey Pri=
vaten
anliegen können , wenn sie mit
Pragmatikal Hipothek , das ist : wie bey
Pupillargeldern , gesichert sind . Wien
den 6 . Dezember 1791 .


Se . K . K . Maj . haben vermöge Hofdekrets
vom 25 . November in Ansehung der wieder
gestatteten Einfuhre der fremden Weine nach=
träglich
zu beschliessen geruhet : daß der in dem
Tariffe vom Jahre 1775 unter der Rubrike :
Jnsulaner Wein , begriffene Spanische Cana=
riensekt
, gleich dem Jnsulaner Weine mit 5
Guld . vom Eimer , die Florentiner Weine mit
2 Guld . 30 Kr . vom Eimer , endlich der Kap=
wein
mit 36 Krn . für jede Bouteille , und
zwar so , wie alle übrigen ausländischen Wei=
ne
nicht nur bey den Hauptzollämtern , son=
dern
auch bey allen Legstätten in die Verzol=
lung
genommen werden sollen . Wien den 3 .
Dezember 1791 .


Verstorbene zu Wien .

Den 3 . December . Jn der Stadt

  • Dem Hrn . Jos . Ant Wittigauer , k k . Hofkon=
    trolor
    , s . Stieft . Mar . Ther . Stekhofen , alt
    16 J . im Burgerspit .
  • Jos . Lechner , bürg . Soldarbeit . alt 68 J . im
    Fischhof N . 508 .

Vor der Stadt .

  • Hr . Wenzl Paller k . k . Oberstwachtmeist . u . Ober=
    feuerwerksmeist
    . alt 51 J . auf d . Laimgr . N . 12 .
  • Mich . Buchleitner bürg . Webermeist . alt 72 J .
    zu Erdberg N . 288 .
  • Hr . Wilhelm Steinmetz , k . k . Unterlieut . alt 40
    J . auf d . Wieden N . 23 .
  • Sebast . Regius , bürg . Schuhmach . alt 65 J . zu
    Mariah . N . 71 .
  • Joh . Mich Günter , Lehenbedient . alt 50 J . auf
    d . Laimgr . N . 171 .
  • Dem Thomas Tomschütz , Tapezierer , s . K . Da=
    vid
    , alt 2 J . zu St . Ulrich N . 1 .
  • Dem Jos . Zimmermann , Schuhmach . s . K . The=
    resia
    , alt 1 J . auf d . Wieden N . 341 .
  • Jos . Bernhard , alt 26 J .
  • Wilhelm Riewe , alt 37 J .
  • Andre Wartaz , alt 42 J .
  • Joh . Schubert , alt 23 J . alle 4 Gem . i . Militärsp .
  • Leop . Huber , Gartner , alt 55 J .
  • Barb . Posecker , Bedient . Wit . alt 58 J .
  • Jos . Rotler , Schuhmach alt 60 J .
  • Theresia Karasek , Heuduk . Wit . alt 72 J .
  • Anna M . Simerschitz , Polizeysoldat W . alt 57 J .
    alle 5 im allg . Krankenh .
  • Summa 18 Personen , darunter 2 . Kind .

Den 4 December . Jn der Stadt .

  • Cath Oth , pens k k . Salzübergeh . Wit . alt 56
    J . in d . Wollzeil N . 829 .

Vor der Stadt .

  • Fr . Cath Steineck , pens . k . k . Kammerdien . Wit .
    alt 82 J . auf d Laimgr . N . 8 .
  • Magd . Mayr , Gypsniederlagsfakt . Wit . alt 66 J .
    auf d Wieden N . 94 .
  • Friedr . Högel , Kellner , alt 25 J . am Neust N . 58 .
  • Dem Carl Günther , Vergoldt . s . W . Theresia ,
    alt 46 J . in d . Leopoldst . N . 398 .
  • Johanna Beydinger , led . alt 22 J . in d . Josephst .
    N . 20 .
  • Dem Mich . Sellner , Friseur , s . S . Franz , alt 17
    J . zu Mariah . N . 122 .
  • Dem Franz Rein , Fragner , s . K . Josepha , alt 1
    J . am Neustift N . 32 .
  • Dem Georg Rener , Weber , s . K . Jos . alt 1 J .
    im Lichtent . N . 126 .
  • Dem Philipp Piringer , Weber , s . W . Theresia ,
    alt 65 J . auf d . Landstr . N . 212 .
  • Joh . Hanecker , Waisen K . alt 2 J . auf der neu
    Wieden N . 264 .
  • Dem Jos . Donnath , schutzv . Wurstmach . s . W .
    Barb . alt 58 J . in d . Alstervorst N . 146 .
  • Dem Ferd . Schiller , Galleriedien . im Belved . alt
    53 J . am Rennweg N . 2 .
  • Athanasius Sudatovitz , Maler , alt 25 J . in d .
    Leopoldst . N . 222 .
  • Dem Joh . Kögel , Tagl . s . W . Maria A . alt 38
    J . auf d . neu Wieden N . 174 .
  • David Kaiser , Kanonier , alt 36 J .
  • Franz Senker , alt 22 J .
  • Jandeck , Putscheck , alt 20 J . bede Gem .
  • Jgnaz Klätzer , Hauskn . a . 48 J . alle 4 i Militärsp .
  • Josepha Rankl , Schuhmachermeist . W . alt 23 J .
  • Maria A . Wagner , Schneidermeist . W . alt 46 J .
[10]

  • Theresia Bergmüller , Tagl . W . alt 54 J . alle 3
    im allg . Krankenh .
  • Summa 22 Personen , darunter 3 Kind .

Den 5 . December . Jn der Stadt .

  • Hr . Wolfg . Amadeus Mozart , k . k . Kapelmeist .
    u . Kammerkomposit . alt 36 J . in d . Rauhen=
    steing
    . N . 970 .
  • Hr . Nikol Mosel . k . k . Hofkapellan , alt 62 J .
    in d . k . k . Burg .
  • Frl . Anna Edle v . Bree , k . k . Prizipalkommiß .
    zu Regensb . Offizial . K . alt 9 J . in d . Singerstr .
    N . 923 .
  • Carl Stutter , gew . Handlungsdien . alt 70 J . auf
    d . Fischerst N . 452
  • Cath . Ulrich , Bedient . Wit . alt 92 J . am Salz=
    grieß
    N . 440 .
  • Dem Barthol . Maskoz , Florfabrik . s . W . Mo=
    nika
    , alt 48 J . in d . vord . Schenkenstr . N . 28 .
  • Franziska Pereyra , herrs . Stallmeist . Wit . alt
    50 J . an Hafnersteig N . 686 .

Vor der Stadt .

  • Fr . Theresia Schmid , k . k . Hauptm . Wit . alt
    84 J . in d . Josephst . N . 45 .
  • Susanna Heyberger , k . k . Leiblaq . Wit . alt 41 J .
    zu Mariah . N . 118 .
  • Dem Franz Müller , Tagl . s . W . Theresia , alt 45
    J . auf d . Landstr . N . 163 .
  • Dem Mich . Mexner , Bedient . s . K . Josepha , alt
    6 J . am Himmelpfortgr . N . 53 .
  • Dem Franz Schweinsteiger , Schuhmach . s . W .
    Cath . alt 45 J . am Strotzischengr . N . 53 .
  • Dem Math . Freund , Eyerhändl . s . T . Maria A .
    alt 22 J . auf d . Landstr . N . 161 .
  • Eine unbek . Mannspers . alt b . 50 J . wurde im
    Prater in einem Fischergeschir ertrunk . gefund .
  • Jos . Weiß Hausmeist . alt 50 J . hat sich unglück=
    licher
    Weise erfallen .
  • Timko Boßowa . alt 25 J .
  • Joh . Gakowitz , alt 20 J .
  • Christian Algeyer , alt 26 J .
  • Jos . Grenzner , alt 28 J . alle 4 Gem . i . Militärsp .
  • Math . Polsterer , Tagl . alt 78 J .
  • Barb . Hink , Steinschneid . Wit . alt 60 J .
  • Heinrich Hirsch , Anstreich . alt 49 J .
  • Jgnaz Lukofetz , Schneider , alt 25 J .
  • Fr . Apolonia v . Perego , k k . Oberlieut . Wit .
    alt 81 J . alle 5 im allg . Krankenh .
  • Summa 24 . Personen , darunter 1 Kind .

Die den 2 . dies verstorbene Fr . Nothburga Lind=
huber
war eine geb . v . Aschauer , v . und zu
Achenrain und Liechtenthurn .

Nachricht .

Von dem Magistrate der k . k . Haupt = und
Residenzstadt Wien wird hiemit kund gemacht :


es seyen zwey Steinische Stiftungsstipendien
jedes von jährlichen 150 fl . wozu die Söhne
der hiesigen Herren Magistratsräthe vorzüg=
lich
, dann die Söhne verdienter hiesiger Ma=
gistratsbeamten
, oder auch hiesige Burgers=
kinder
laut Stiftbrief berufen sind , zur Ver=
leihung
erlediget . Diejenigen , welche sich
hiezu geeignet glauben , und selbes zu erlan=
gen
gedenken , haben daher längstens bis 16 .
Dezember d . J . mittels einer mit allen Stu=
dienzeugnissen
ordentlich belegten Bittschrift
bey dem Magistrate gehörig darum anzulangen .

Erinnerung .

Jn der Absicht der Verbreitung einer dies=
falls
entstandenen Jrrung zuvorzukommen ,
wird hiemit öffentlich bezeuget , daß die De=
korationen
der letzthin aufgeführten Opera
feria , Tasso a Stige , von der Erfindung und
Ausführung des k . k . Theatral Dekorateurs ,
Herrn Plazer , sind .


Nachricht ,
von Phylidors Physikalischen Kabinet .

Hr . Phylidor schon seit langer Zeit beschäf=
tigt
den Kunstliebenden Bewohnern Wiens ,
welche seine bereits seit 2 Jahren allhier be=
wirkten
sogenannten Geistererscheinungen mit
einem ausnehmenden gütigen Zuspruch und un=
getheilten
Beyfall beehrt haben , auch etwas
belustigendes und vielmehr unterhaltendes in
diesem Fach vorzustellen , hat zu diesem End=
zweck
keine Kösten und Mühe gesparet , um
ganz besondere Optische Jllusionen in der voll=
kommensten
Ausübung darzustellen . Zur Voll=
ziehung
dieses suchte er die Optik und Mecha=
nik
, die ohnedieß schon sehr interessante beyde
Theile auf das Möglichste zu verbinden , von
einem berühmten Tonkünstler , eine zu diesem
Fache passende vortrefliche Musik bearbeiten
lassen , und die mannigfaltige in diesen Vor=
stellungen
vorkommende sehr täuschende Gegen=
stände
damit zu verherrlichen . Da seine Haupt=
absichten
sich lediglich darauf gründen , diese
neue Art Unterhaltung ganz nach dem allge=
meinen
Geschmack des hochschätzbarsten Wie=
ner
= Publikums zu richten , so hat er auch die
ganze Einrichtung darauf angetragen , um nicht
nur allein die bereits angekündigten sogenann=
ten
Geister in Elisäischen Feldern erscheinend
zu machen , sondern auch alle die von Zeiten der
Feen allgemein angenohmenen Begriffe der so=
genannten
guten und bösen Geister , Hexen=
fahrten
, den Tanz der Hexen auf den Bloks=
berg
, die vorgebliche magischte Kraft und Ver=
wandlung
derselben auf das Natürlichste vor =


[11]

stellen zu können . Die täuschende Vorstellung
der bemeldten Handlungen werden denen un=
schätzbaresten
Zuschauern gewiß eine ungemein
angenehme Unterhaltung verschaffen , besonders
da er mit diesem neu errichteten Fach nicht nur
allein das Bemeldte , sondern auch alle immer
mögliche in der Natur existirende Phönomen
auf das Natürlichste vorstellen kann , als Luft=
erscheinungen
, die nachahmende Wirkung
der Planeten die natürlichste Bewegung
und Vorstellung der im Wasser und auf Erde
befindlichen Thiere die Vorstellung des Mee=
res
von seiner Stille an bis zu dem schau=
dervollen
Sturm mit allen sich dahin bezie=
henden
Luftveränderungen u . dgl . Eine aus=
führliche
Beschreibung hievon wird durch die
Anschlagzettel kund gemacht werden .


Mechanisches Theater , welches alle Abends
im Bürgerspital zu sehen ist .

Ungeachtet es schwer ist , etwas ganz neues
zur angenehmen Unterhaltung zu erfinden ,
so habe ich um diesen Zweck zu erreichen , we=
der
Fleiß , Mühe , noch Kosten gesparret ein
mechanisch musikalisches Theater zu verferti=
gen
, worin die Musik , die Maler = und Bild=
hauerkunst
mit der Mechanik verbunden , die
Hauptgegenstände ausmachen , die in Gestalt
lebendscheinender Automate , oder künstlich be=
weglicher
Figuren erscheinen , und zusammen
bereit , durch ihre Geschicklichkeit und künst=
liche
Einrichtung jeden resp . Zuschauer über=
raschen
und auf das angenehmste unterhalten
werden . Jch habe also die Ehre eine hohe
Noblesse und das verehrungswürdige Publi=
kum
zu dieser neuen Kunstarbeit einzuladen ,
ich schmeichle mir zum voraus , daß jeder
resp . Zuschauer das ganze über seine Erwar=
tung
finden wird . Damit aber alle Klassen
von Zuschauern an dieser Unterhaltung Theil
nehmen können , so habe ich nach Maaßgab
meiner grossen Unkosten die Preise so niedrig
als möglich eingerichtet , und zwar auf dem
ersten Platz 20 kr . auf dem zweyten 10 kr .
die vordern Reihen gesperrter Sitze 40 kr .
Kinder bezahlen die Hälfte . Der Schauplatz
ist im Burgerspital in der Kärntnerstrasse .
Die erste Vorstellung ist um 5 Uhr , und die
zweyte um 7 Uhr .

Carl Enslen , Mechanikus .


Verlohrner Opal

Den 20 . November abends zwischen 10 und
11 Uhr wurde von der Schwanne bis zu dem
Loprestischen Haus in der Kärntnerstrasse ein
grosser runder mit Brillanten besetzter Opal

verlohren . Der redliche Finder wird , gegen
ein ansehnliches Geschenk , höflichst ersucht ,
sich bey dem Hausmeister des Loprestischen
Hauses zu melden , welcher die weitere Aus=
kunft
geben wird .


Nachricht .

Es sind bey Urselbrunn vor der Linie von
einem Feldhütter einige Kleidungsstücke ge=
funden
worden ; wer solche verlohren hat ,
und sich hierüber als Eigenthümer auszuwei=
sen
vermag , hat sich bey k . k . Polizeybezirks=
direktion
auf der Wieden zu melden .


Nachricht .

Es ist den 1 . Dezemb . d . J . ausserhalb dem
Markt Schwechat auf der dasigen Poststrasse
ein ledernen Bethsack mit darin vorfindig ver=
schiedenen
ungarischen Kleidungen , und Kauf=
mannswaaren
gefunden worden . Der Eigen=
thümer
hat sich in der Amtskanzley der k . k .
Herrschaft Eberstorf an der Donau zu melden ,
und gehörig zu legitimiren .


Geld auszuleihen .

Es sind 24000 fl . baar vorhanden , wer sol=
che
gegen hinreichender Sicherheit zu leihen
verlangt , hat sich dieserwegen an den Herrn
Hofagenten Dietmann am Bergel nächst dem
rothen Thurm hinter den Schabdenrüssel Nr .
658 im ersten Stock zu verwenden .


Geld wird ausgeliehen

auf Haussätze , Obligationen , sichere Hypothe=
ken
und Pfänder , auch Besoldungs = und Pen=
sions
= Monats = und Quartalsbögen , auf der
Windmühle im blechenen Thurm neben der
Schmiede Nr . 4 im zweyten Stock .


Nachricht .

Von Seiten des Herrn Adam Fürsten v .
Czartorizky Durchl . wird hiemit den Besitzern
der von gedacht hochdieselben ausgestellten Ob=
ligationes
, jede von 1000 fl . W . C . bekannt
gemacht , daß die hierauf mit 1 . Jänner 1792
verfallende halbjährige Jnteressen gegen die
diesfällige Jnteressen Coupons bey den hiesi=
gen
Banquiers Herrn Johann Georg Schuller
u . Comp . zu erheben seyen .


Nachfrage .

Ein gewisser Paul Harmada , herrschaftl .
Koch , gebürtig aus dem Dorfe Balemby in
preußisch Schlesien , nahe an der sogenannten
Stadt Byron , ist seit vielen Jahren von Hau=
se
abwesend : da sich derselbe bereits seit ge=
raumer
Zeit in Diensten eines Schlesischen

[12]

Grafens als Koch in den k . k . Staaten , hof=
fentlich
in oder ausser Wien befinden soll , so
wird jedermann , der von ihm Wissenschaft hat ,
auf Ansuchen eines seiner sich hier befindenden
Verwandten , der Familienangelegenheiten we=
gen
mit demselben sobald möglich zu sprechen
wünscht , hiemit ergebenst gebeten , die Nach=
richt
entweder von seiner Person oder dessen
Aufenthaltsort an den Portier des kön . pohl=
nischen
Gesandten , wohnhaft in der Teinfalt=
strasse
im Baron Wetzlarischen Hause oder so=
genannten
Klepperstall gütigst zu hinterbringen .


Nachfrage .

Nachdem Hr . Dokt . Medicine , Baylaruzy ,
welcher sich öfters hier aufgehalten , dermal
aber nicht in erfragen ist , so wird jedermän=
niglich
ersucht , von seinem gegenwärtigen Auf=
enthalt
, wegen einer für ihn wichtigen Sa=
che
hier im Krebsgässel Nr . 459 im 4ten
Stock Nachricht zu geben .


Reiskompagnon wird gesucht .

Den 16 . dies gehet jemand mit Extrapost
von hier nach München , und wünschet einen
Reisekompagnon zu finden . Der weitern Aus=
kunft
wegen ist sich in der Wollzeile Nr . 808
im zweyten Stock zu melden .


Hofmeisterstelle Suchender .

Karl v . Pasigni , ein Jtaliener , welcher so=
wohl
in der italienischen Sprache , als auch
in der Violin ungemeine Geschicklichkeit be=
sitzt
, suchet eine Hofmeisterstelle . Sein Logie
ist hintern hohen Markt in der heil . Drey=
faltigkeit
im zweyten Stock Nr . 21 .


Dienstsuchender .

Ein junger Mensch , welcher Deutsch und
Französisch spricht , von Profeßion ein Tape=
zirer
, wünschet in einem herrschaftl . Hause
als Kammerdiener Tapezierer unterzukommen .
Da er lange in Frankreich und sonderlich in
Paris gearbeitet , so getrauet er sich einen sol=
chen
Dienst aufs beste vorzustehen . Er logirt
hinter der Staatskanzley an der Bastey Nr .
40 zu ebener Erde .


Dienstsuchender .

Ein Mensch von ansehnlichen Eltern , und
mit guten Empfehlungen versehen , der sowohl
Fresiren als Barbiren kann , etwas von der
Musik versteht , auch durch vieles Reisen gut
und nützlich packen gelernet hat , Herrschaften
sowohl in Servirung bey Tafeln als andern
Gelegenheit durch seine Kenntnisse gewiß nach
Standesgebühr zu bedienen weiß , auch sich mit

der Feder gebrauchen läßt , sucht eine Kammer=
diener
oder sonstige Offiziantenstelle . Hoch=
gnädige
Herrschaften können seinen Aufenthalt
im Starhembergischen Haus in der Wipplin=
gerstrasse
Nr . 411 im 2ten Stock erfragen .


Aechtes Botzner Kletzenbrod .

Jst wieder , wie seit mehreren Jahren , zu
haben beym goldenen Kreuz Nr . 676 auf der
Hauptstiege im 3ten Stock nächst dem rothen
Thurn das Pfund pr . 30 kr . Sollte jemand
Laibe von grössern Gewicht oder von besserer
oder minderer Gattung , oder im Sommer , um
es länger aufbehalten zu können , verlangen ,
so muß vorher die Bestellung gemacht werden .
Ausser meiner Wohnung wird kein solches
Brod verkauft .

Anna Hoferin .


Nachricht .

Theresia Mayer , privil . Seidenpuzerin in
Wien , bietet dem hochgeehrtesten Publikum
ihre neu erprobten Versuche im Maalausbrin=
gen
ergebenst an . Sie putzt alle Arten Tücher ,
Halbtücher , Baumwollne und Kasemire , sie
seyen gestickt , bordirt , unzertrennt , und ver=
macht
die in Tüchern oft befindlichen Schaben=
löcher
unkennbar fest und dauerhaft . Ja auf
Sammet und Manschester erhebt sie den Spie=
gel
, und giebt die verschossene Farbe wieder .
Alle Arten Sommermanschester putzt sie tro=
cken
, und bürgte für die vorige Farbe und Glanz .
Alle Seidenzeuge ohne Unterschied der Farbe
gestickt mit Gold , Silber und Seide putzt sie
trocken , und bekommen nebst dem neuen Glanze
auch ihre Steife wieder . Broschirte und un=
broschirte
Attlasse werden wie neu vom Schnit=
te
. So auch alle Arten Spaliere , Sophen
und Sesseln , erstere putzt sie auch an den Wän=
den
. Buntgestickte Museline , Batiste , türki=
sche
Damenkleider und Tücher putzt sie trocken ,
und giebt ihnen auch die Steife und den Glanz
der Neuheit wieder . Weisse und buntseidene
Frauenröcke putzt sie theils trocken , theils feucht ,
so auch alle Sorten Bänder , und erhalten im=
mer
die gehörige Reinheit und Glanz . Gold ,
Silberporten und Meßgewand , Kirchenschmuk
ohne etwas zu zertrennen , Vorhänge , Tisch =
und Fußteppich reiniget sie ohne etwas zu ken=
nen
. Westen und Beinkleider jeder Art Farbe
Zeuge und Stickerey putzt sie auf eben diese
Art . Auch putzt sie jedes Düntuch , welches
Atlasstreife in sich hat . Jhre bereits so man=
nigfaltig
abgelegten Proben , und der darüber
so allgemein erhaltene Beyfall der höchsten Herr=
schaften
Wiens , und sogar des allerhöchsten k .
k . auch k . Neapolitanischen Hofes bürgt für die

[13]

Wahrheit dessen , wovon sie hier in Kürze ei=
ne
Anzeige macht . Sie wohnt am Ecke der
Singerstrasse im Müllerischen Hause Nr . 863
im 4ten Stock . Es belieben daher die hohen
Herrschaften und jede andere respektive Per=
sonen
auch von entfernteren Gegenden sich un=
ter
dieser Addresse an sie zu wenden , wo sie
sodann gewiß keine Mühe sparen wird , die Er=
wartung
zu befriedigen , um sich des genosse=
nen
Beyfalls noch würdiger zu machen .
Uebrigens ist ihre Bedienung prompt , und die
Preise sind sehr billig .


Bandagenmacher .

Anton Gayard , Bandagenmacher , hat bey
der hochlöbl . k . k . ni . öst . Regierung um Er=
laubniß
, hier in dieser Haupt = und Residenz=
stadt
Wien Bruchbänder von verschiedener Art ,
wie solche von den Herrn Doktoren und Aerz=
ten
nach Beschaffenheit der Umstände für un=
schädlich
befunden werden , für das hochgeehrte
Publikum machen , und öffentlich verkaufen zu
dörfen angelanget , und hiezu nach bey hiesig
löbl . medizinischer Fakultät abgelegt , und un=
schädlich
befundenen Proben , auch die gnädig=
ste
Erlaubniß erhalten . Er schmeichelt sich ,
allen denjenigen , die bey ihm Bruchbänder ,
Nabelbruchbänder , Bruchbeitel , von allen Gat=
tungen
von elastischer und mechanischer Art ,
für beyderley Geschlecht von jedem Alter Bauch=
gurten
, Bandagen für kleine Kinder , Ban=
dagen
für diejenigen , welche sich im Reiten ,
Tanzen , Fechten und dergleichen Leibesübungen
für Schaden präserviren wollen , neu bestellen ,
oder auch alte Bandagen repariren , und frisch
überziehen lassen , und sich somit seiner Arbeit
bedienen werden ; alle Zufriedenheit zu ver=
schaffen
, und hoffet , daß seine Arbeit nicht
minder , als der billige Preis bey dem hoch=
geehrten
Publikum für ihn die beste Empfeh=
lung
bewirken werden . Er wohnet auf der
neuen Wieden in der Preßgaffe im schwarzen
Adler im Barbierischen Haus Nr . 368 im
ersten Stock . Er ist auch zu bestellen in der
Kärtnerstrasse beym Daniel in der Löwen=
grube
Nr . 1078 im Glaserergewölb .


Vollständiges electrischen Kabinet , und Ge=
mäldesammlung
.

Auf der hohen Brücke im stadtanwaldischen
Hause Nr . 396 ist auf der ersten Stiege im
ersten Stocke links ein sehr vollständiges elek=
trische
Kabinet um sehr billigen Preis täglich
zu verkaufen . Die Elektrisirmaschine selbst ist
ganz nach dem Muster , und in der Grösse der
als vorzüglich stark bekannten Maschine des

( Titl ) Herrn Appellazionsrathes Baron v .
Kienmayer verfertiget , und im besten Stande ,
so wie die beyden grossen Batterien , deren je=
de
aus 16 Flaschen in eignem Kasten bestehet :
eines der Donnerhäuser verdient als ein Mei=
sterstück
gerühmt zu werden , unter den Blitz=
scheiben
ist eine , welche über 8 Quadratfuß
belegte Oberfläche hat , und in einem schönen
Rahmen gefaßt ist , verschiedene prächtige Be=
leuchtungsstücke
, 6 Kästen mit den sogenann=
ten
mechanischen oder Zauberversuchen , 2 elek=
trische
Lampen , elektrische Pistolen , und Ka=
nonen
, auch in Bildern , die Jagden , Festun=
gen
ꝛc . vorstellen , 2 Luftpumpen mit dem dazu
gehörigen Apparate , ein Sonnenmikroskop ,
eine Kamera obscura , eine schöne Boussole
sind die vornehmsten Artikeln des aus mehr
als 100 Rubriken bestehenden Jnventariums ,
das jedem Kauflustigen zur Einsicht vorgelegt
wird . Ferners sind verschiedene Gemälde in
neuen schön vergoldeten Rahmen von den be=
rühmten
Meistern : Janeck Orient , Hans
Graff , Georg Lelli , Kastillion , Steinswick ,
Hölzel , Hamilton , Legran , und Martin
Schmid zum Verkauf ausgesetzet , und können
nebst obbenannten elektrischen Kabinete täglich
von 10 bis 12 Uhr früh , und von 2 bis 4 Uhr
nachmittags angesehen werden .


Nachricht .

Am neuen Markt neben der Kapuzinerpforte
im Porzelainhandlerischen Haus Nr . 1370 ist
im Gewölbe , und im ersten Stock Nr . 2 nebst
verschiedenen Wienerporzelain auch vieles ja=
ponisches
zu bekommen : als grosse Schlüssel ,
die im Durchschnitt zwey Schuh messen , mit
dergleichen grossen Töpfen , 2 Töpfe ohne De=
ckel
, die gegen 60 Maß halten , dann kleinere
Schlüssel , Suppen = und Kaffeschalen , Confekt=
teller
, verschiedene Kräuter = Pot = pourri = und
Punschtöpfe , auch Vasen , dann japonisch chi=
nesisch
= speckstein = bärnstein = und elferbeinene
Figuren , grosse Vasen , und verschiedene Scha=
len
von Terra Sigillata , ein schön verziertes
Krippel , wobey sämtliche Figuren von rothen
Corallen sind , Büsten vom schwarzen englischen
Porzellain von den berühmtesten Meistern ,
samt vielen indianischen Lack als Kästen , Tru=
hen
, Tische , Zupfttatzen , Zupftrüherl , Kaffee=
schalen
in Silber gefaßt , und verschiedene an=
dere
Kleinigkeiten ; ein heil . Grab von Jeru=
salem
samt den Tempel Salomonis , nebst der
ganzen Beschreibung , welches von innen und
aussen mit Perlmutter häufig verzieret und
eingelegt ist , dann ein grosses Schneckenkabi=
net
und viele Bronzfiguren , auch viele petri =

[14]

ficirte und andere geschliffene Steine , nebst
einer Menge anderer Seltenheiten , die sämt=
lich
zu beschreiben hier zu weitläufig fiel .


Anzeige .

Bey Johann Podlessay , Saamenhandler ,
Lust = und Ziergärtner , am neuen Markt zur
sogenannten englischen Gärtnerin Nr 1370 ne=
ben
der Kapuzinerpforte , sind nebst allen Gat=
tungen
Küchengewächs = und Blumenwerks = Saa=
men
und Pflanzen , annoch 41 Gattungen Blu=
menkiele
von den besten Sorten , so erst aus
Holland angekommen , um die billigsten Preise
zu haben .


Nachricht .

Einem geehrten Publikum wird hiemit be=
kannt
gemacht : daß in der Kärntnerstrasse ne=
ben
dem wilden Mann Nr . 962 in dem Ge=
wölbe
rechter Hand im Hof , eine Parthie fei=
ner
Schlesischer Leinwanden von bester Gattung
Schockweis hindangegeben wird . Diese Par=
thie
ist von 18 36 fl . das Schock zu 44
Wr . Ellen .


Piano Forte .

Ein grosses Forte piano von einem guten
Meister ist in der obern Bäckenstraß Nr . 790
im 3ten Stock um billigen Preis täglich zu
verkaufen .


Forte Piano .

Es ist ein gut gearbeitetes grosses
Forte piano um billigen Preis zu verkaufen .
Das mehrere ist unter den Tuchlauben im Nürn=
bergergewölbe
, zur Stadt Wien , zu erfragen .


Ländlerische Tänze .

Leopold Metz , ein 21 jährigen berühmter ober=
österreichischen
Landgeiger , bedanket sich für
den Beyfall , mit welchen ein hochgeehrtes
Publikum seinen ersten Theil der Ländlerischen
Tänze beehret hat . Seinem Versprechen ge=
mäß
kündigte er hiemit den zweyten Theil der
ländlerischen Tänze an : dieser bestehet eben=
falls
aus 6 Tönen , jeder Ton zu 12 Tänze a
2 Violino e Basso . Allein , da er bey dem
ersten Theil durch die Ankündigung des No=
tenschreibers
Lausch Schaden gelitten hat , so
ist er gezwungen einen Preis herunter zu setzen ,
und jeden Ton um 40 kr . folglich das ganze
um 4 fl zu geben . Diese Tänze sind zu ha=
ben
in Wien am Kohlmarkt beym goldenen
Brunn Nr . 144 im Posamentirergewölbe .
Sollte jemand wünschen , sie von ihm vor=
getragen
zu hören , so erbietet er sich , wenn
es verlangt wird , sie selbst zu geigen , und die

Art zu zeigen , wie sie gespielt werden müssen ,
wo er sich Ehre zu verschaffen hoffet .


Musikalienankündigung .

Wer die Harmoniemusik in 8 Stimmen ,
oder die Quartetten samt Arien auf das Kla=
vier
aus der beliebten Maschinkomödie unter
dem Titel der Fagotist verlangt , beliebe die=
selbe
zu bestellen . Auch ist zu haben aus
dem Sonnenfest der Braminen die Harmonie
in 8 Stimmen samt Violinquartetten oder Arien
auf das Klavier , wie auch Duetten in 2 Flau=
ten
gesetzt . Man hat sich deswegen in der obern
Bäckenstrasse beym schmeckenden Wurm im
Durchhaus im Haarbeutelgewölbchen , und bey
mir in der Leopoldstadt beym kleinen Ring
Nr . 456 in der Schmelzgasse im Laden zu
melden .

Joseph Haydenreich , Uebersetzer .


Neue Musikalien .

Es sind 12 neue Original = Menueten , und
24 Deutsche samt einer Coda , welche Ferdi=
nand
Kauer , Compositor und Verfasser der
bekannten Clavierschule , für das Jahr 1792
componirt hat , in seiner Wohnung in der
Leopoldstadt in der Praterallee im Bar . Gu=
demischen
Haus um 3 fl . zu haben . Ferner
findet man alda eine neuverfaßte General⟨ba⟩ß=
schule
um 1 fl . 30 kr . Den Nutzen dieses be=
sondern
Werkes versieht man aus folgenden
Jnhalt : 1 ) von den Klängen , 2 ) von den
Jntervallen , 3 ) von den Bewegungen , 4 ) von
den Arcorden , 5 ) von der Harmonie , 6 ) von
dem Dreyklang , 7 ) von dem Unisonus , 8 )
von der Sekund , 9 ) von der Terz , 10 ) von der
Quart , 11 ) von der Quint , 12 ) von der Sept ,
13 ) von der Sepima , 14 ) von der Oktav ,
15 ) von der Non , 16 ) von Begleitung unbe=
zifferter
Grundnoten , 17 ) dreyßig Uibungen
in allen Tonarten , 18 ) von den Präambuli=
ren
, und der Verwandschaft der Tonarten , 19 )
von der Composition .


Neue Musikalien .

Bey Artaria und Comp . Kunsthändlern am
Kohlmarkt sind folgende Arien aus der neuen
Opera die Zauberflöte von Mozart , fürs
Clavier übersetzt zu haben , als :

Aria , Der Vogelsänger bin ich ja , 8 kr .

Terzetto , Du feines Täubchen nur herein , 15 kr .

Terzetto der 3 Knaben , Zum Ziele führt dich
diese Bahn , 10 kr .

Glockenspiel und Coro , dann Duetto , zwischen
Plamina und Papagero , 10 kr .

Duetto , Bey Männern welche Liebe fühlen .

Bewahret euch für Weiber Tücke , 6 kr .

[15]

Aria , Alles fühlt der Liebe Freuden , 10 kr .

Jn diesen heil'gen Hallen

Ach ich fühle es ist verschwunden , 10 kr .

Terzetto , Soll ich dich Theurer nicht mehr
sehen , 24 kr .

Aria , Ein Mädchen , oder Weibchen , 10 kr .

Terzetto der 3 Knaben , Seid uns zum zwey=
tenmal
willkommen , 10 kr .


Zweytes Verzeichniß von Tanzmusikalien .

Bey F . A . Hoffmeister , Musik = Kunst = und
Buchhändler in der Wollzeile Nr . 803 neben
dem Schwebbogen , sind zu haben :

6 Ungarische Tänze für das Klavier 24 kr .

12 Deutsche , vollstimmig , aus der Opera der
dumme Gärtner von Ossowsky , 1 fl . 30 kr .

—— im Klavierauszug 40 kr .

12 Deutsche vollstimmig , nach landlerischem
Geschmack , von deto , 1 fl . 30 kr .

6 Kosaky Deutsche deto , 40 kr .

6 Contratänze deto 1 fl . 20 kr .

12 neue englische Tänze , mit vollstimmiger
Musik , gestochen mit Touren , 2 fl .

12 Deutsche a la Mongolfie , vollstimmig , von
deto , 1 fl . 30 kr .

12 —— Loudons Belagerung von Novi , voll=
stimmig
, von deto , 1 fl . 30 kr .

12 —— aus der Opera Talismano , 1 fl . 30 kr .

12 Menuetten aus deto von deto , 1 fl . 30 kr .

12 —— aus l'Arbora di Diana , 1 fl . 30 kr .

6 Deutsche von Mozart , vollstimmig 1 fl . 40 kr .

12 Redoutdeusche v . d . im Klavierauszug , 48 kr .

24 Deutsche vollstimmig v . Heidenreich , 2 fl . 30

12 Menuet und Trio von Kauer , vollstimmig ,
1 fl . 40 kr .

24 Deutsche , vollstimmig , die heuer im Re=
doutensal
aufgeführt worden , 2 fl . 30 kr .

7 Redoutdeutsche von Mirbach , 1 fl . 15 kr .


Landkarten nach der Erdbeschreibung
zum Gebrauche der lateinischen Schulen in
den k . k . Staaten .

Es ist bekannt , wie sehr es bisher an Land=
karten
mangelte , die mit den 5 Theilen der
Erdbeschreibung ( zum Gebrauche der lateini=
schen
Schulen ) übereingestimmt hätten , und
also für die studirende Jugend brauchbar ge=
wesen
wären . Die veranlaßte den Unterzeich=
neten
, einen eigenen Atlas zu diesem Endzwecke
zu entwerfen , und nunmehr auf seine Gefahr
jedoch mit römisch kaiserl . allergnädigsten Pri=
vilegium
herauszugeben , und zwar um dem
ausländischen Nachdrücke vorzubeugen , da dem
inländischen ohnehin ein allerhöchsten Verboth
entgegen stehet . Er wagt es , den Plan dieses
Werkchens hiemit bekannt zu machen , und es

allen mit dem Unterrichte Beschäftigten zu em=
pfehlen
. Es besteht der Atlas aus 36 Land=
karten
, worin die 5 Theile der obbenannten
Erdbeschreibung erschöpft sind , weil auf den=
selben
alle geographischen Gegenstände darge=
stellt
sind , die in jenen 5 Theilen vorkommen .
Da sie alle nach dem Grundsatze entworfen wur=
den
, sie dem Buche auf das genaueste anzu=
passen
, so erwächst daraus für die Lehrenden
und Lernenden die Bequemlichkeit , daß sie alle
Gegenstände als : Oerter , Flüsse u . s . s . die
im Buche vorkommen , auch zuverläßig auf den
Karten finden , und umgekehrt , daß sie nichts
auf den Karten antreffen , was nicht auch im
Buche beschrieben stünde , oder wenigstens be=
rührt
würde . Es steht also gar nichts umsonst
da . Unter dem Titel jedes Blattes ist das Wap=
den
des Landes zu sehen , das auf der Karte
abgezeichnet ist . Die Sprache ist durchaus
deutsch , doch sind den Oertern und Flüssen auch
ihre lateinischen Namen dort beygesetzet , wo sie
im Buche gleichfalls zu finden sind . Endlich
stimmt auch die Ortographie auf den Blättern
des Buches und den Blättern dieses Attlasses
bis auf die unbeträchtlichste Kleinigkeit zusam=
men
. Das Format ist Quersolio , welches für
die Jugend am bequemsten ist , weil es leicht
zu übersehen , leicht fortzubringen , und also
auch besser zu erhalten ist , als Formate von
grösserem Umfange . Stich und Druck sind rein
und lesbare . Das Papier ist gut und dauerhaft
und die Jllumination einfach . Der Preis für
jedes Blatt ist 7 kr . Schon jetzt sind alle 36
Blätter dieses Atlasses entworfen , zum wirk=
lichen
Verkaufe aber liegen gegenwärtig erst
einige der erstern Blätter fertig , denen aber
längstens in 6 oder 8 Wochen alle übrigen fol=
gen
werden . Sie sind von jetzt an täglich bey
Karl Krill , . k . k . Lottokollekteur , in der Singer=
strasse
dem deutschen Zeitungskomptoir genüber
zu haben . Jn den übrigen k . k . Erbstaa=
ten
besorgt den Verkauf dieser Karten : Für
Niederöstreich ausser Wien Hr . Buchh . Anton
Möstel in Krems . Für Oberöstreich Hr .
Handelsmann Joseph Roth in Linz . Für
Steyermark Hr . Buchh . Franz Ferstl in Grätz .
Für Kärnten und Krain Hr . Buchh . Wilh .
Heinrich Korn in Laybach . Für Tirol Hr .
Buchh . Franz Paul Merx in Jnnsbruck .
Für Vorderöstreich Hr . Buchh Wagner in
Freyburg . Für Mähren und Schlesien Hr .
Buchh . Joh . Georg Gastl in Brünn . Für
Böhmen Hr . Buchh . Kaspar Widtmann in
Prag . Für Galizien Hr . Buchh . Karl Gott=
lob
Pfaff in Lemberg . Für Siebenbürgen

[16]

Hr Buchh . Martin Hochmeister in Herrmann=
stadt
. Für Oberungarn Hr . Buchh . Jg .
Anton v . Strohmayer in Pest . Für Nieder=
ungarn
Hr . Lek⟨tü⟩rkabinetsinhaber Gottfried v .
Weissenthal in Preßburg Für Kroatien
und Slavonien Hr . Buchh . Jakob Körner in
Agram Und nun ist nur noch nöthig hier
anzumerken , daß dieser kleine aus 36 Karten
bestehende Atlas mit dem für Erwachsene be=
stimmten
grössern Atlas des Unterzeichneten ,
welcher nach und zu Büschings grosser Erdbe=
schreibung
noch immerfort herauskommt und
dem geehrten Publikum bereits bekannt ist , in
gar keinem Zusammenhang stehe . Wien den
26 . Oktober 1791 .

Franz Joh . Jos . v . Reitly .


Jn der Aloys Dollischen Buchhandlung
am Stephansfreidhof im deutschen Hause
ist neu zu haben :

Neues Hand = und Hausbuch für junge Frau=
enzimmer
. 2 Bde . 8 . Wien 792 . 1 fl . blau=
steif
1 fl . kr .

Dies Werk bedarf eben keiner Empfehlung ,
sein Jnhalt ist schon so gemeinnützig , daß kein
Frauenzimmer ohne gründlicher Kenntniß der
darin abgehandelten Gegenstände eine Haus=
haltung
würdig führen kann . Es lehret =
hen
, Stricken , Sticken , Bordiren , Marlet ,
Filet , Schnüre und Franzen machen , Zeich=
nen
und Mahlen . Es giebt Anweisung wel=
sche
Blumen von Leinwand , gewickelte Seiden=
blumen
, Galanterieblumen zu verfertigen ; wie
man die sogenannte Kastor und Streuarbeit
machen , wie man geschmelzte Blumen von Drat ,
gegossene Blumen aus Pergamentspänen , wie
Wachsblumen , Wasser = und Oelblumen zu ma=
chen
. Es lehret Kupferstiche auf Glas abzu=
ziehen
, Holz , Bein , Horn und Stroh auf
allerley Art zu färben , und künstlich zu ver=
arbeiten
. Es handelt von allerley Färberey=
künsten
, von Seidenfarben , von Scharlach=
farben
. Wie schwarz zu färben , wie wollenes
Tuch , wollenes und leinenes Garn , Felle und
Pelzwerk zu färben , wie Leinwand von aller=
ley
Farben zu waschen . Es zeiget wie aller=
hand
Flecke aus der Wäsche zu bringen ; wie
gelbe Wäsche , Spitze , seidene Flöre , seidene
Strümpfe ꝛc . zu waschen und zu putzen ; wie
aus Sammet , seidenen Zeugen , Tüchern , die
Fette , Wagenschmier , Oel , Wein , Dinten ,
und andere Flecke herauszubringen ; wie Klei=
der
vor Motten und Schaben zu bewahren ;
wie Perlen , Edelgesteine , Korallen , Gold = und
Silberschmuck , Kupfer , Zinn , und Silberge=
schirr
, Spiegel , auszuputzen und schön zu ma =

chen . Es lehret Vieh und Geflügel auf dem
Stall zu mästen und fett zu machen , Fische
und Krebse lebend zu erhalten , daß die Hüner
viele Eyer legen , und selbe lang , frisch und
gut aufzubehalten . Es giebt Unterricht von
Käs , Butter Schmalz und Oel . Wie Fleisch
und Stockfische zu peitzen , zu räuchern , und
wie Früchte einzumachen . Von Verfertigung
der Wachs = und Unschlittlichter , wie auch von
der Seite , von Zubereitung des Leinen und
Flachses , und Spinnung sowohl der Baum=
als
gemeinen Wolle , vom Garnsieden und Blei=
chen
, von Störken und Piegeln , und von den
Betten .


Jn der J . D . Hörlingischen Buchhandlung
in der Bognergasse Nr . 220 neben dem To=
denkopf
und nebst vielen andern Büchern auch
nachstehende um die billigsten Preise zu
haben :

Thaten und Feinheiten renomirter Kraft und
Knifgenies . 2 . Bd . enthaltend Carl Prices ,
und der bayerische Hiezel , 8 . Berlin 791 . 1
fl . 30 kr .

Die graue Mappe , aus Ewalds Rinks Ver=
lassenschaft
. 3 . Bd . 8 . das . 791 . 1 fl . 30 kr .

Margaretha von Oesterreich , Gemahlin des un=
glücklichen
Königs von Hohenstaufen , aus
dem XIII . Jahrhundert . 2 Thle . 8 . Leipzig
792 . 2 fl . 15 kr .

Graf Heinrich von Nassau und Amalia von Met=
ternich
, eine deutsche Familiengeschichte . 8 .
das . 791 . 2 fl . 45 kr .

Alexander Freyherr v . Sind , und Viktoria
Gräfin v . Putbus , eine Begebenheit neuerer
Zeit , bey Veranlassung eines Sommerauf=
enthalts
zu Spaa , 8 . das . 792 . 1 fl .

Liebschaften und Galanterien der Regenten und
Aristokraten Frankreichs , älterer und neu=
erer
Zeiten , aus merkwürdigen Quellen . 8 .
das . 791 . 1 fl .

Reisen der jüngern Anacharsis durch Griechen=
land
, vierthalbhundert Jahre vor der gewöhn=
lichen
Zeitrechung ; a . d . Franz . des Hrn .
Abris Barthelemy nach der letzten Ausgabe des
Originals übersetzt von Hrn . Bibliothekar
Binester . 5ter Band m . Kupf . gr8 . Berlin
791 . 2 fl . 30 kr

Hunte ( David ) über die menschliche Natur ,
a . d . Engl . nebst . kritischen Versuchen zur
Beurtheilung dieses Werks , von Hrn . Pro=
fessor
L . H . Jakob . 2ter Bd . über die Leiden=
schaften
. gr8 . Halle 791 . 1 fl . 15 kr .

Jstlaubs ( A . W . ) die Kokarden ; ein Trauer=
spiel
in 5 Aufzügen . 8 . Frankf . 791 . 30 kr .

[17]

Bey Christoph Peter Rehm , Buchhänd=
ler
unter den Tuchlauben im Auge Gottes ,
dem Seitzerhof gegenüber , ist ganz neu
zu haben :

Allgemeiner Haus = und Wirthschafts = Ka=
lender
für das Schaltjahr nach der Ge=
burt
Jesu Christi 1792 , worinn nebst sehr
vielen Hausmitteln und Kunststücken , auch
die neueste Geneologie , Planetenlauf , Zeit =
und Festrechungen , Sonn = und Mondes=
finsternisse
, Zins = und Liedlohnstabellen ,
Münzberechnungen , auch alle Jahrmärk=
te
, wie auch das Verzeichniß aller ankom=
menden
und abgehenden Posten und Post=
wägen
enthalten ist . Von dem Verfasser
der ökonomischen Zeitung .

Da dieser Kallender im vorigen Jahre mit
so vielem Beyfalle aufgenommen worden , daß
er sich in Zeit von 4 Monaten ganz ergriff ,
so erscheint auch der zweyte Jahrgang ( und
ist auf allgemeines Verlangen bearbeitet wor , ) zu dessen Empfehlung darf ich weiter
kurz sagen , daß für unser Vaterland dieser
Kalender an Reichhaltigkeit und Auswahl der
Materien , die für jedermann nützlich sind , am
zweckmäßigsten seyn wird , welches der nachste=
hende
Jnnhalt dieses ganz so gemeinnützigen
Volkskalenders erklären wird ; zudem ist der
Verfasser davon ( durch die allgemeine Wr . öko=
nomische
Zeitung , die zu seinem Ruhme durch
7 Jahre schon allgemein bekannt ist ) Bürge
und Hoffnung genug , daß er unserm Vater=
lande
ein angenehmes und nützliches Geschenk
gemacht hat , da er selben noch alle Jahre
mehr Jnteresse und Vollkommenheit geben wird ,
wodurch dann dieser Kalender vor allen andern
das gewinnt , daß selber in ein paar Jahren
ein allgemeines Kunst = und ökonomisches Hand=
buch
zum Gebrauche für Jedermann , seyn wird ;
man kauft also nicht nur den durch ein Jahr
zum Gebrauche dienenden Kalender , sondern
er wird in der Folge obiges Handbuch seyn ,
und zum immerwährenden täglich vorfallenden
Gebrauche jedermann dienen . Zum Beweise
wie sehr unser gelehrter Verfasser um in bey=
den
Fällen nützlich zu seyn , alle Aufmerksam =

keit verwendet hat , soll der folgende Jnnhalt
dem Werke das Wort reden . Innhalt des
Kalenders : Zeit = und Festrechnung = Beweg=
liche
Feste . Erklärung der vorkommenden Zei=
chen
. Planetenlauf . Sonn = und Mondesfin=
sterniße
. Die Quatemberfeste ꝛc . Tabellen :
zur Einnahm und Ausgabe . Zins = und Lied=
lohns
= Tabellen . Münzberechnungen . Jahr=
märkte
: Alle Jahrmärkte . Benealogie
der je⟨tz⟩t lebenden hohen Häuser , im Jahr 1792 .
Post und Postwagen : ein richtiges Ver=
zeichniß
derselben , so wie sie ankommen und
abgehen , sammt Expedizion . Weisheit=
sprüche
, witziger Einfälle , Sinngedichte und
Räthsel . Bewährte Mittel aus der Haus =
und Landwirthschaft : Mittel wider Hals=
schmerzen
. Korn = und Baumwürme auf eine
gewisse und sehr leichte Art zu vertreiben .
Bestättigung dieses Mittels . Merkwürdiger
Beytrag zur Wetterkunde für das Stadt = und
Landvolk . Eine neue Erfindung für Lohgär=
ber
. Die Gefahr der hervorbrechenden Zähne
der Kinder aus wiederholten Erfahrungen ab=
zuwenden
. Etwas