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Wiener Zeitung

Nr. 20, 10. März 1792

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[1]

Jnländische Begebenheiten .

Wien .

Dieser Tagen ist nachstehendes Patent
erschienen :

Wir Leopold der Zweyte ꝛc . ꝛc .

Um unseren deutscherbländischen Gerichten
eine bestimmte Richtschnur zu geben , nach
welcher sie bey der Abhandlung von Ver=
lassenschaften
ungarischer , siebenbürgischer
oder illyrischer , in Unsern deutschen Erb=
ländern
verstorbener Unterthanen , vorzuge=
hen
haben , damit den Gläubigern und Er=
ben
einer Seits die Wohlthat der öffentli=
chen
Vorsorge zu Statten komme , und von
der andern Seite allen Jrrungen und ge=
rechten
Beschwerden vorgebeuget werde , ge=
ben
Wir Unsern sämmtlichen deutscherblän=
dischen
Gerichten nachstehende Vorschrift zur
allgemeinen und genauen Befolgung .

§ . 1 . Wenn in einem deutschen Erblan=
de
ein ungarischer , siebenbürgischer oder il =

lyrischer Unterthan stirbt , welcher entweder
in landesfürstl . Diensten gestanden ist , oder
als Hofagent bey der ungarischen , sieben=
bürgischen
oder illyrischen Hofkanzley al=
lein
, und nicht auch bey einer andern deutsch=
erbländischen
Stelle in gleicher Eigenschaft
gedienet hat , oder ein beglaubigter Ge=
schäftsträger
von den der augsburgischen
oder helvetischen Konfeßion oder der griechi=
schen
Kirche ergebenen Unterthanen besagter
Provinzen ist , oder welcher in Ungarn ,
Siebenbürgen oder an der illyrischen Grän=
ze
ansäßig war , oder endlich , welcher in
keinem deutschen Erblande , weder durch
ausdrückliche Erklärung noch durch Ansied=
lung
, Ansäßigkeit oder ununterbrochenen
zehnjährigen Aufenthalt einheimisch ( natio=
nalisirt
) geworden ist , hat die deutscherb=
ländische
Abhandlungsbehörde sich in Rück=
sicht
auf dessen in dem deutschen Erblande

[2]

zurückgelassenes bewegliches Vermögen nicht
weiter in die Verlassenschaftsbehandlung ein=
zulassen
, als daß sie a die Sperr anlege ,
b auch wenn der Fall es fordert , die Ver=
lassenschaft
in eigene Sperr nehme , c die
allenfalls vorfindige leztwillige Anordnung
eröffnet und kund mache , und d dafür
sorge , damit aus besagtem in dem deut=
schen
Erblande vorfindigen beweglichen Ver=
mögen
, alle diejenigen deutscherbländischen
oder in den deutschen Erbländern befindli=
chen
fremden Unterthanen , welche als Gläu=
biger
, aus was immer für einem Rechts=
titel
, oder als Erben und Legatarien aus
einer nach den deutscherbländischen Gesetzen
rechtsgültigen letztwilligen Anordnung , ei=
nen
gerechten Anspruch haben , vollständig
befriediget werden .

§ . 2 . Wenn aber dergleichen Erblasser in
den deutschen Erbländern liegende Güter
oder auf solche vorgemerkte Kapitalien be=
sitzen
, kommt den deutscherbländischen Ge=
richtsbehörden
die Verlassenschaftsabhand=
lung
in Rücksicht auf dieses Vermögen ,
nach dem ganzen Umfange zu .

§ . 3 . Was in den beyden vorstehenden
Absätzen angeordnet ist , hat auch auf die
Gattinnen , Wittwen und minderjährigen
Kinder der dort bezeichneten Personen seine
Anwendung .

§ . 4 . So weit den deutscherbländischen
Gerichten , nach obigen Grundsätzen , nicht
die vollkommene Abhandlung der Verlassen=
schaft
zukommt , soll von dieser auch keine
Erbsteuer , noch ein Mortuarium bezogen
werden , doch haben die Gerichte für die
ihnen eingeräumte Amtshandlung die gesetz=
mäßigen
Taxen zu beziehen .

( Die Fortsetzung folgt . )

Se . Königl . Maj . haben Jhre beyden
bisherigen Generaladjudanten , die Obersten
Grafen v . Lamberti und Hrn . Rollin ,
in Ansehung ihrer ausgezeichneten Verdien=
ste
, zu Generalmajoren zu erheben geruhet .

An die Stelle des verstorbenen Grafen
v . Krukowiecki , haben Se . höchst . Maj .
den Präsidenten der Landrechte , Grafen v .
Deyni , zum Präsidenten des Galizischen

Apellationsgerichtes zu ernennen geruhet .
Derselbe ist demnach in die neue Würde
am 25 . v . M . feyerlich eingesetzt worden .

Den 17 . d . M . nahmen in der Pfarrkir=
che
der PP . Augustiner in der Stadt ,
Abends um 6 Uhr , die Todtenvigilien für
des höchstsel . Kaisers Maj . den Anfang ,
und wurden auch an beyden folgenden Aben=
den
gehalten . Am ersten Tage hielt der Kar=
dinalerzbischof
, am zweyten der Bischof von
St . Pölten , und am dritten der Prälat von
Klosterneuburg , die Vigil , und des andern
Tages um 10 Uhr die Exequien , welchen
Trauerandachten durch alle drey Tage , in
Gegenwart J . MM . des Königs und
der Königinn , wie auch JJ . KK . HH .
der Erzherzoge und Erzherzoginnen , der
hiesige Adel beyderley Geschlechts und
die Staatsbeamten in tiefester Trauer ,
zahlreich beywohnten .

Zu dieser Trauerandacht war in Mitte
der Kirche ein herrliches Trauergerüste er=
richtet
, auch war die ganze Kirche schwarz
behangen , und mit Lustern , Wand = und
Spiegelleuchtern gezieret .

An den Tagen der Vigilien wurden Mit=
tags
von 12 bis 1 Uhr , und der Exequi=
en
, Vormittags um 9 Uhr , alle Glocken
in und vor der Stadt geläutet .

Die gräfliche Familie v . Schönborn hat
am 29 . Jänner von der Herrschaft Mun=
kats
, welche im J . 1788 in Ansehung des
sen , daß sie ein Krongut sey , dem Königl .
Fiskus zugesprochen worden , im verflossenen
Reichstage aber dieser gräflichen Familie ,
wie es der siebente Artikel der Reichstags=
gesetze
ausweiset , wieder zugefallen war ,
auf das feyerlichste in Besitz genommen .
Der Königl . Kammeraladministrator , Adam
v . Csato , hat im Nahmen des Königs ,
die Resignation auf diese Herrschaft vollzo=
gen
, Herr Ladislaus v . Lonyay , Vicege=
span
der Beregher Gespanschaft aber , im
Nahmen des Herrn Grafen , dieselbe über=
nommen
.

Der Französische Resident bey dem Ge=
neralgouvernement
zu Brüssel , Hr . de la

[3]

Graviere , hat am 18 . Febr . in einer bey
den durchl . Generalgouverneuren erhaltenen
Audienz , seine neuen Beglaubigungsbriefe
als bevollmächtigter Minister zu überreichen
die Ehre gehabt .

Die durchl . Generalgouverneure haben
durch ein Kreisschreiben vom 3 . Febr . allen
Magistraten in den Städten eine stäte und
sorgfältige Aufmerksamkeit auf alle Fremden ,
die dahin kommen , empfohlen .


Ausländische Begebenheiten .

Spanien .

Der neuernannte Französische Minister ,
Hr . Bourgoin , wurde gegen die Mitte
Februars in Madrid erwartet , wo es
hieß , daß derselbe neue Versuche machen
würde , das gute Vernehmen zwischen
Frankreich und Spanien herzustellen und
zu befestigten . Da Hr . Bourgoin schon
einen langen Aufenthalt in Spanien ge=
macht
hat , und durch ein über dieses Land
herausgegebenes Werk als ein Mann von
vorzüglichen Talenten bekannt ist , so ver=
spricht
man sich Französischer Seits sehr
viel gutes von seiner Sendung . Der Spa=
nische
Hof scheint indessen bey seinem bis=
herigen
Systeme zu verbleiben , und ohne
sich für noch wider die neue Französische
Konstitution zu erklären , den weiteren Er=
folg
von Jnnen und Aussen ruhig abwar=
ten
zu wollen , fest entschlossen .

Doch sieht man es als einigen Beweis
von Nachgiebigkeit an , daß zwey Franzö=
sischen
Kriegsfregaten im Hafen von Ca=
dix
zu länden , und Piaster für den Asia=
tischen
Handel zu laden , erlaubt , auch
gestattet worden ist , daß die Französische
Schiffsbesatzung an Land komme , und sich
mit der Französischen Nationalkokarde zeige .

Der Sekretar des Spanischen Both=
schafters
in London , Marquis del Cam=
po
, ist am 9 . Febr . mit wichtigen Depe=
schen
nach Madrid gekommen . Diese sol=
len
sich auf die Versuche beziehen , die man
gemacht hat , zwischen Frankreich und

Großbritannien eine Allianz zu bewirken ,
und nach anderen haben sie auf die Maro=
kanischen
Angelegenheiten Beziehung , in
denen der Englische Hof , als Beschützer
des seinem Falle nahen Sultans auftreten
will , indessen es den Anschein hat , daß
man Spanischer Seits die Partey des ge=
gen
ihn zu Felde gezogenen Prinzen Jslam
Mohämmed begünstiget . Wirklich wird
neuerdings im Hafen von Algesiras , un=
ter
den Befehlen des Generallieutenants
Barcelo , eine kleine Flotte von leichten
Schiffen ausgerüstet , welche noch Tanger
bestimmt sein soll .

Der Tajo , welcher voriges Monath
ausgetreten ist , hat nicht nur dadurch gros=
sen
Schaden angerichtet , sondern auch vie=
le
Pfützen hinterlassen , deren Ausdünstun=
gen
in mehreren Gegenden sehr verderbli=
che
ansteckende Krankheiten erzeugen .

Jn den Häfen von Cadix und Santan=
der
sind im Monathe Jänner verschiede=
ne
Schiffe aus den Südamerikanischen
Besitzungen angekommen , welche Piaster
und viele kostbare Waaren überbracht haben .

Jtalien .

Briefe aus Neapel enthalten die Nach=
richt
von einem prächtigen und sinnreich er=
dachten
Feste , das allda in der Carnevals=
zeit
von dem Adel in der Absicht gegeben
worden ist , um die Freundschaft , welche
das Oesterreichische und Bourbonische Haus
vereiniget , zu versinnlichen , und wovon
man hier die umständliche Beschreibung ge=
wiß
nicht ohne Vergnügen lesen wird :

Der Hauptgegenstand dieses Festes , waren
die Geister der Oesterreichischen und Bourbo=
nischen
Häuser . Den Zug eröffneten die
Schanzgraber eines zahlreichen Corps Ungar=
rischer
Jnfanterie mit ihren Fahnen , unter
dem Schall einer ergetzenden Musik ; der Kom=
mandant
und die Offiziere sowohl als das
ganze Korps waren in Ungarischem Geschmack
bewaffnet . Nachdem folgten in militarischer
Ordnung , 40 Hussaren zu Pferde ; vor diesen
ritten 4 Trompeter , die einen Ungarischen
Marsch bliesen ; ihre Uniformen und die Pfer=
derüstungen
waren reich und prächtig , und all=
les
soviel möglich , im Ungarischen Kostume .

[4]

Dann kam ein grosser Wagen mit 8 auser=
wählten
, reich gezierten Pferden bespannt .
Der Wagen war mit Kränzen von Olivenzwei=
gen
und hieroglyphischen Bildern , die auf die
glückliche Vereinigung der zwey Königl . Häu=
ser
Anspielung machten , geziert . Obenauf
sah man die zwey durch das doppelte Band
des Geblüts und der Freundschaft vereinigten
Schutzgeister derselben : sie trugen ihre gegen=
seitige
Sinnbilder auf den vorstehenden Al=
tar
der Unsterblichkeit , welche in Bereitschaft
war , sie zu krönen . Zu den Füssen der zwey
Schutzgeister lagen Zwietracht , Krieg und
Neid . Etwas höher war eine angenehme Ge=
gend
vorgestellt , in der man den Jster und
den Sebet , um auf eine andere Art die glückli=
che
Vereinigung beyder Häuser zu versinnlichen ,
ihr Wasser vermischen sah . Aus dem Bette
dieser Flüsse erhob sich ein zahlreiches Gefol=
ge
, das mit blasender Jnstrumenten die Freu=
de
ausdrückte , von welcher sie beliebt waren .
Vorn stand der grosse Thaten bekanntmachen=
de
Ruf ; in der einen Hand hielt er eine Trom=
pette
, und mit der andern verbreitete er ver=
schiedene
, auf gegenwärtigen Triumph anpas=
sende
Gedichte . Unmittelbar vor dem Wagen
gingen 4 Deputirte der Nation . Dieser präch=
tige
Zug wurde von einer Division Ungari=
scher
Truppen geschlossen .

Die zahlreiche Menge der Leute die an al=
len
Fenstern standen , und auf den Strassen ,
durch welche der Zug ging , zusammen gelaufen
waren , ist unbeschreiblich . Man hatte sicher
nichts vernachläßiget , was dieses Fest präch=
tig
machen konnte . Die Regung der Liebe ,
für die Beherrscher , welche es in allen Gemü=
thern
erzeugte , und der Jubel mit dem sich
diese Regung äusserte , war eine neue Verherr=
lichung
dieses Schauspieles .

Der Ball , welcher Abends an demselben
Tage in dem Königl . Karlstheater zum drit=
ten
Mahle gegeben wurde , war nicht minder
prächtig . Es war bekannt , daß der jetzt be=
schriebene
Zug einen allegorischen Tanz daselbst
ausführen , und daß zu dieser Absicht das Thea=
ter
mit neuen Verzierungen versehen seyn wür=
de
. Daher war der Zulauf auch ausserordent=
lich
groß .

Die Ankunft des Zuges wurde durch eine
Simphonie angekündiget ; dann vereinigte sich
das Orchester mit den militarischen Jnstru=
menten
, und da der Marsch erschallte , traten
die zwey Ungarischen Korps und die 4 De=
putirten
der Nation ein . Da sie bis vor die
Loge JJ . MM . gekommen waren , schlug man

daselbst ein Zelt auf , bey welchem ein Theil
der Soldaten als Schildwache angestellt wur=
de
, indessen die andern in verschiedenen Hau=
fen
abgetheilt , sich der Freude überliessen ,
und ein Theil der Hussaren Ungarisch tanzte .
Es dauerte aber nicht lange , da traten die
Zwietracht , der Krieg und der Neid aus dem
Gezelte , mischten sich unter die Haufen , und
suchten Uneinigkeit und Jrrungen dahin zu
bringen , wo Freude und Zufriedenheit herrsch=
ten
. Jhre Absichten wurden aber durch die
Ankunft zweyer himmlischer Geister vereitelt ,
welche unter dem Schalle einer sanften Melo=
die
auf glänzenden Wolken erschienen . Auf
ihren Befehl mußten sich jene Furien sogleich
aus der freudigen Gesellschaft hinweg begeben ,
dann traten sie durch die Luft schwebend ,
vor die Königl . Loge , bothen Sr . Maj . dem
Könige eine Lorberkrone Jr . M . der Köni=
ginn
aber einen Blumenstrauß . Beyde waren
aus seidenem Zeuge , worauf verschiedene von
dem mitspielenden Adel selbst verfaßte Gedich=
te
abgedruckt waren , verfertiget . Die Geister
begaben sich dann auf die vorige Art zurück ,
und da sie über die Ungarischen Korps gekom=
men
waren , liessen sie ihre beyderseitigen
Wappen von Oesterreich und Bourbon aus
der Hand fallen . Diese wurden alsogleich von
den Deputirten der Nation wieder aufgeho=
den
, und indem Se . K . Maj auf die Geister
deutete , befahlen Sie dieselben als die Schutz=
enge
des Friedens , den die beyderseitigen Na=
tionen
jetzt geniessen , anzusehen . Die Geister
munterten die Soldaten , die über das was
sie gesehen hatten , erschrocken und entflohen
waren , auf , zurück zu kehren , und sich der
Freude wieder ganz zu überlassen . Dann ver=
einigten
sie sich alle und schwören dem Hause
Oesterreich und Bourbon , ewige Liebe und
Verehrung , und hierauf fing unter lautem
Freudengeschrey der Tanz wieder an . Dieser
war sehr künstlich zusammengesetzt , zu verschie=
denen
Mahlen sah man die Anfangsbuchsta=
ben
von Ferdinand , Carolina , Austria und
Bourbon recht gut von den Tänzern gebil=
det
Die Hussaren machten ebenfalls Figuren
mit ihren ausgezogenen Säbeln , und mit ei=
nem
ausdruckvollen von allen Tänzerin zusam=
mengesetzten
Bilde , nahm das Fest und der
Ball ein Ende . Der Sal ertönte vom Hän=
deklatschen
und Freudengeschrey .

Frankreich .

Nachdem gegen die Häupter der ausge=
wanderten
Franzosen ein Anklagedekret ab =

[5]

gefaßt worden ist , hat man auch vielmahls
verlangt , daß die Güter der Ausgewander=
ten
eingezogen werden sollen , und hat end=
lich
dem Gesetzgebungs = Ausschusse aufge=
tragen
, darüber sein Gutachten zu erstatten .

Dasselbe ward durch Hrn . Sedillez in
der Sitzung der Nat . Vers . am 9 . Febr .
gelesen . Der Ausschuß behauptete zwar
das allgemeine Recht der Auswanderung ,
glaubte aber doch , daß solches dann nicht
geltend wäre , wann der Staat in Gefahr
schwebet , und diese Gefahr durch die Aus=
wanderungen
vergrößert wird . Diejenigen ,
sagte er , welche ihr Vaterland in dem Au=
genblicke
der Gefahr verlassen , und , an=
statt
es zu vertheidigen , Sicherheit für sich
selbst suchen , verletzen offenbar den gesell=
schaftlichen
Vertrag , durch welchen man sich
gegenseiligen Schutz versprochen hat . Der
Ausschuß hat die Mittel aufgesucht , wie
man diesen Vorrath bestrafen könne . Sein
erster Gedanke war , die Güter , welche sie
zurückgelassen haben , als ein Pfand ihres
Betragens einzuziehen . Welchen Schutz ist
die Gesellschaft Menschen schuldig , welche
alle Bande zerrissen , alle Plichten verletzt
haben ? Allein der Ausschuß hat bemerkt ,
daß diese Sequestration großen Nachtheil
mit sich führten würde , daß daraus Ver=
legenheiten
aller Art , Versplitterungen und
Schwierigkeiten in der Administration ent=
stehen
würden . Er hat also ein einfache=
res
Mittel angenommen ; es schlägt vor ,
mit einigen Modificationen das Gesetz der
konstituirenden Nationalversammlung vom
12 . August zu erneuern , welches den Besi=
tzungen
der Auswanderer dreyfache Abga=
ben
auferlegt . ꝛc .

Dieser Vorschlag ward lebhaft besritten .
Hr . Bazire behauptete die Sequestration
sey schon durch die öffentliche Meinung so=
wohl
, als durch die Meinung der Natio=
nalversammlung
selbst entschieden . Das
Decret , welches verbiethet , irgend eine Be=
zahlung
an jemand zu machen , der nicht be=
weiset
, daß er seit 6 Monathen in Frank=
reich
wohnt , sey ein wahrer Sequester der
Einkünfte aller ausgewanderten Franzosen ,

welche ihr Vermögen dem Staate geliehen
haben . Warum sollten diese strenger behan=
delt
werden , als diejenigen , deren Vermö=
gen
in liegenden Gütern besteht ? Der Aus=
schuß
spreche nur von Auswanderern : die
Nationalversammlung aber könne die Bür=
ger
, welche jenseits des Rheins sind , nicht
als Auswanderer , sondern nur als Rebel=
len
ansehen , und habe daher auch gegen die
Häupter derselben ein Anklagedekret erge=
hen
lassen . Die Sequestration sey gerecht ;
den der Kriegsminister habe der Natio=
nalversammlung
angekündigt , daß das ein=
zige
Kriegsdepartement , ohne die National=
gendarmerie
, im Jahre 1792 , bis 180 Mil=
lionen
kosten würde ; es sey billig , daß die
Nation eine Entschädigung habe , und die
Sequestratton wäre dazu eine Vorbereitung ;
sie sey politisch ; denn es wäre besser , den
Rebellen die Mittel zu entziehen , um Krieg
gegen Frankreich zu führen , als gezwun=
gen
zu seyn , gegen sie zu streiten u . s . w .

Mehrere Personen sprachen für die Seque=
stration
, nur meinten Hr . Boisrot = La=
cour
und Hr . Vaublanc sie müsse nicht
allgemein seyn , und nicht auch die unschul=
digen
im Lande gebliebenen Väter und =
ter
, Kinder und Weiber der Ausgewander=
ten
treffen . Endlich , nach langen Erörte=
rungen
, in welcher die vorzüglichsten Redner
auftraten , ward folgender Schluß gefaßt :

Die Nationalversamlung dekretirt , daß
die Güter der Auswanderer der Nation und
der Aufsicht der Administrationskörper sol=
len
übergeben werden , und trägt ihrem Ge=
setzgebungs
= Ausschusse auf , ihr wegen der
Ausnahmen und der Ausführung Bericht
abzustatten .

Der Minister der auswärtigen Angele=
genheiten
, Hr . Delessart kam am Ende
der Sitzung und theilte der Versammlung
die aus Koblenz erhaltenen Depeschen mit .
Es sind Noten , welche zwischen dem dor=
tigen
Französischen Minister , Hrn . La Croix
und dem Kurtrierischen Staatsminister ,
Freyherrn v . Düminique , sind gewechselt
worden , und von Seite des Kurfürsten
wiederhohlte Zusicherungen friedlicher und

[6]

freundschaftlicher Gesinnungen in Anse=
hung
Frankreichs enthalten . Hr . Deles=
sart
setzte hinzu , daß die Ausgewander=
ten
sich nun zum Theil nach Breisgau ,
theils nach den Marggrafthümer von An=
spach
und Bayreuth ziehen , wo ihnen
von dem Kaiser und dem Könige von Preu=
ßen

ßen erlaubt worden sey , friedlich und un=
bewaffnet
zu wohnen ; daß der Herzog v .
Würtemberg sich sehr ernstlich angelegen
seyn lasse , die Bewaffnungen zu zerstreuen ,
die in den Staaten des Kardinals Rohan
sich zusammen gezogen haben ; daß der Land=
graf
von Hessenkassel bey Hanau einen
Kordon ziehe , und der König von dem Kai=
ser
noch keine Antwort erhalten habe , die=
selbe
aber ehestens erwarte .

Das merkwürdigste , was in den folgen=
den
Sitzungen bis zum 15 . Febr . vorgefal=
len
ist , besteht in folgendem :

Den 11 . Febr . las Hr . Dumolard einen
Brief des Departementsdirectorium von
Jsere , worin dasselbe berichtet , daß alle
Officiere des Regiments Soissonnois , bis
auf 5 , zu den Auswanderern übergegangen
sind ; daß jedoch das Regiment noch genaue
Mannszucht beobachtet , und längst schon
Hrn . Choisy und dem Kriegsminister ge=
richtliche
Beweise von Mangel des Bürger=
sinns
der Officiere vorgelegt , und um die
Versetzung des Regiments gebethen , aber
unter allerley Vorwand aufschiebende oder
abschlägige Antworten erhalten habe .
Hierüber würde beschlossen , durch den Prä=
sidenten
den Unterofficieren und Soldaten
des Regiments Soissonnois das Wohlge=
fallen
der Versammlung bekannt zu machen ,
und von dem Kriegsminister über jene An=
zeigen
Rechenschaft zu fordern .

Hr . Thuriot schlug vor , den Soldaten
der Linientruppen das Recht zu den Offi=
cierstellen
zu wählen , einzuräumen , so wie
es den Nationalgarden eingeräumt ist ;
man würde , sagte er , dann keine Officiere
mehr sehen , die zu den Ausgewanderten
gehen . Hr . Lacue erinnerte , daß Gesetze
über diese Ernennungen schon vorhanden
sind . Hr . Vaublanc erwiederte aber , daß

man in diesem Augenblicke darauf denken
müsse , die Armee in Bewegung zu setzen ,
aber nicht die Gesetze über ihre Organisa=
tion
abzuänderen , welches äusserst unpoli=
tisch
wäre .

Ein Mitglied berichtete , daß im Depar=
temente
von Sarthe für 40 Millionen Na=
tionalgüter
wirklich verkauft und für 3 Mil=
lionen
noch zu verkaufen sind , außer man=
cherley
Rechten , die auf 2 Millionen , und
mehrern Gütern , deren Verkauf verschoben
ist , und die auf 5 Millionen geschätzt wer=
den
. Von der gelöseten Stumme sind schon
9 , 192 , 006 Liv . bezahlt .

Hr . Obsoy meldete , daß 600 Bauern
mehrere Schiffe mit Getreide , welches für
Paris bestimmt ist , zu Noyon angehalten
haben .

Hr . Cahier , Minister des Jnnern , über=
schickte
der Versammlung einen Brief von
Hrn . Brissac , nebst einem Verzeichnisse ,
worin Nachricht gegeben wird , wie stark
die Garde des Königs gegenwärtig ist , und
welche die dabey , angestellten Officiere sind .
Er versichert , daß kein freywilliger noch
überzähliger darunter ist , und daß die Ge=
rüchte
, welche die Anzahl derselben vergrös=
sern
oder vermindern , ungegründet sind .

Ein Brief des Ministers dies Seewesens
benachrichtigte die Versammlung , daß meh=
rere
von den nach St . Domingo bestimm=
ten
Schiffen , welche Truppen an Bord hat=
ten
, durch üble Witterung gezwungen wor=
den
sind , in die Häfen des Reichs , und
zwar zum Theil beschädigt , zurückzukehren .
Jn 10 oder 12 Tagen würden indessen die
beschädigten Schiffe wieder in segelfertigem
Stande seyn .

Man las darauf einen Brief des Königs ,
worin er der Versammlung die Schwierig=
keit
vorlegte , daß er , da er jetzt seine Leib=
wache
errichte , die Schweizergarde nicht
mehr bezahlen könne , weil sonst mehr als
1800 Mann in seinem Solde ständen ,
welches eine Verletzung der Konstitution
wäre . Die Ehre der Nation , welche die
Traktaten zu halten gebiethet , und die Wich=
tigkeit
des Bündnisses mit der Schweiz ,

[7]

mache es zur Pflicht , dieses Regiment bis
zur bevorstehenden Erneuerung der Capitu=
lation
mit der Schweiz , auf den Fuß fort
zu besolden , wie man es einmahl bewilli=
get
hat . Damit aber dadurch nicht die
Konstitution verletzt werde ; so sey es noth=
wendig
, daß der Sold nicht von der Ci=
villiste
, sondern von dem öffentlichen Scha=
tze
gegeben werde .

Der Kriegsminister stellte darauf der Ver=
sammlung
vor , wie wichtig es sey , den
Vorschlag des Königs anzunehmen . Der
Bund der Schweiz würde sonst nicht wie=
der
erneuert werden können . Man arbeitet
demselben ohnehin stark entgegen . Der Ver =

lust dieser 12 , 000 geübten Soldaten wäre
sehr beträchtlich , und Frankreich müßte
dann die Gränzen noch auf einer neuen
Seite besetzen . Er sprach auch von der
Nothwendigkeit , über den Eid der Königl .
Garde einen Schluß zu fassen . Er gab
zuletzt über die Klagen des Departements
von Jsere eine sehr befriedigende Auskunft .

Nach Hrn . Loustalot's Antrage wurde
Hr . Narbonne von dem Präsidenten ge=
fragt
: ob es wahr sey , daß auch alle Of=
ficiere
des Regiments Champagne ausge=
wandert
seyn ? Der Minister antwortete ,
daß sie allerdings ihre Fahnen verlassen
hätten , aber er wisse nicht , ob sie ausge=
wandert
wären . Alle Bemerkungen des Mi=
nisters
wurden an den militarischen Aus=
schuß
gewiesen .

Endlich wurde der Bericht des Gesetzge=
bungs
= Ausschusses über den Eid der Königl .
Garde vorgelesen . Es soll der gewöhnliche
Bürgereid seyn , mit dem Zusatz : die Per=
son
des Königs zu schützen , und sich zu
nichts , was nicht zur Bewachung des =
nigs
gehört , gebrauchen zu lassen .

Jn der Sitzung am 13 . wurde die Liste
der von dem Könige neuerdings sanctionir=
ten
Dekrete gelesen , und man fand darun=
ter
auch das Dekret wegen Sequestrirung
der Güter der Ausgewanderten .

Der Minister der auswärtigen Geschäfte
las eine Note vom 8 . Febr . , welche das
Generalgouvernemente der österreichischen

Niederlande Hrn . Legraviere , Französi=
schen
Gesandten in Brüssel , übergeben hat ,
und wodurch ihm eröffnet wurde , daß von
dem Generalgouvernemente dem bevollmäch=
ten
Minister Sr . K . K . Maj . aufgetragen
worden sey , den in den Niederlanden be=
findlichen
Auswanderern zu erinneren , daß
sie die Note , welche er ihnen in An=
sehung
ihrer Zusammenrottungen bereits zu=
geschickt
habe , nicht aus den Augen ver=
lieren
, und alle Anstalten treffen mögen ,
damit über die Absicht des Gouvernements ,
in den Niederlanden keine Zusammenrot=
tungen
, welche die Französische Regierung
beunruhigen könnten , zu dulden , kein Zwei=
fel
mehr bleibe .

Hr . Chambon berichtete , daß der Nati=
onalschatz
vom 1 . Nov . 1791 bis zum
Febr . 1792 für 20 Millionen bares Geld
gekauft habe , wovon 12 , 387 , 000 Liv . für
den Sold der Landtruppen , und 884 , 115
Liv . für den Sold der Seeleute ausgege=
ben
worden sind .

Der Minister der öffentlichen Auflagen
überschickte das Verzeichniß der bis jetzt ge=
schlagenen
kleinen Münzen . Sie betragen
bis den 5 . Febr . 10 , 814 , 000 Liv .

Der Rest dieser Sitzungen war der Er=
örterung
vielfacher Berichte , welche von
den Auschüssen erstattet wurden , oder der
Anhörung anderer gewidmet , die man ih=
nen
zutheilte , ohne daß darüber etwas ent=
schieden
worden wäre .

Vereinigte Niederlande .

Die Generalstaaten haben den jedes Jahr
in unsern Provinzen gewöhnlichen allgemei=
nen
Buß = und Betrag für dieses Jahr auf
den 14 . März festgesetzt . Das zu diesem
Ende an sämmtliche Staaten erlassene Cir=
kularschreiben
hat folgenden Eingang : Edel=
mögende
Herren ! Es ist eine traurige , aber
unstrittige Wahrheit , daß der ununterbro=
chene
Genuß von Wohlfahrt und Glückse=
ligkeit
, anstatt in den Herzen der Menschen
Empfindungen der Erkenntlichkeit und Dank=
barkeit
gegen den allmächtigen Schöpfer
und Herrn der Welt , die einzige Quelle

[8]

alles Guten , zu erwecken , gewöhnlich nur
Gleichgültigkeit und Sorglosigkeit erzeugt ,
und uns eine gefährliche Sicherheit einflößt .
Die tägliche Erfahrung beweiset die Wahr=
heit
dieser , Bemerkung in Ansehung jedes
einzelnen Menschen , und die Geschichte al=
ler
Länder und aller Zeiten bestätiget diesel=
be
nicht weniger in Absicht auf ganze Na=
tionen
. Wenn aber je ein Volk mächtige
Beweggründe hatte , sich vor einer solchen
Undankbarkeit zu hüten , ist es nicht das=
jenige
, welches so zu sagen , auf jeder
Seite seiner Geschichtbücher den Finger der
Vorsehung eingerückt findet ? Jst es nicht
das Volk dieser Provinzen ? Und können
uns unsere Gewissen von einem so verhaß=
ten
Laster frey sprechen ? Der Allerhöchste
hat sich auch in dem verflossenen Jahre
augenscheinlich als unser mächtiger Beschü=
tzer
gezeigt ; er hat unserm Lande und des=
sen
Einwohnern die schätzbarsten Gnaden
erwiesen ; wir haben den innern und äus=
sern
Frieden erhalten , und indeß un=
sere
Nachbarn beständig durch die gewalt=
samsten
Unruhen erschüttert und zu Grun=
de
gerichtet werden , ist dieses von der Vor=
sehung
begünstigte Land immer der Sitz
der wahren Freyheit , des Friedens , der
Sicherheit und des Ueberflusses geblieben .
Wir geniessen in dem reichsten Maße alle
Vortheile , welche eine wohleingerichte Ge=
sellschaft
den Menschen verschaft ; die Rech=
te
der Bürger bleiben unangetastet und ge=
eyrt
; die Gerechtigkeit wird mit Unpartey=
lichkeit
und ohne Ansehen der Person aus=
geübt
; die Gesetze sind kräftig zum Schu=
tze
und zur Sicherheit aller , vom angese=
hensten
bis zum niedrigsten Bürger . Die=
se
Vortheile sind wesentlich und unschätzbar ;
ihr sanfter Einfluß verbreitet sich über alle
Glieder der Gesellschaft , ohne Unterschied
und in allen ihren verschiedenen Verhältnis=
sen
; sie sind so groß und wichtig , daß es
die höchste Thorheit seyn würde , sie dem
Hirngespinste einer eingebildeten und unaus=
führbaren
Vollkommenheit aufopfern zu wol=
len
, u . s . w .

Pohlen .

Da die auf dem Reichstage versammel=
ten
Repräsentanten der Nation , einstimmig
mit dem Könige den Willen derselben durch
die Stimmenmehrheit entscheidend ausdrü=
cken
, so hat die neue Konstitution einer
weiteren Bestätigung zwar nicht bedurft ,
doch haben der König und alle Freunde der
neuen Ordnung mit Vergnügen vernom=
men
, daß der auf den Landtagen in den
Palatinaten und Distrikten versammelte
Adel , allenthalben diese Gelegenheit aus
freyem Antriebe benutzt hat , um der neuen
Konstitution eine feyerliche und ausdrückli=
che
Beystimmung zu geben . Sieben und
zwanzig solcher Landtage haben sich durch
einen Eid verbunden , Gut und Blut zur
Aufrechthaltung der neuen Konstitution zu
weihen , acht haben ausserordentliche Depu=
tationen
ernannt , um dem Könige und dem
Reichstage die Huldigung ihres Dankes ,
und die Versicherung darzubringen , daß
sie aus allen Kräften die neuen Gesetze zu
unterstützen bereit seyn , und alle diejenigen ,
welche sich derselben widersetzen und dagegen
handeln , als Feinde des Vaterlandes und
Störer der öffentlichen Ruhe ansehen ; sie=
ben
andere haben ähnliche Erklärungen ih=
ren
ordentlichen Abgeordneten bey dem
Reichtstage aufgetragen .

Dieser patriotische Eifer äusserte sich nicht
bloß in den gesetzmässigen Versammlungen ,
er brach zu Lonza auch während der An=
dachtsübungen
aus , da alle Anwesende
nach dem Meßopfer die Schwerdter zogen ,
und darauf den feyerlichen Eid schwornen ,
sie nur zur Vertheidigung der neuen Konstitu=
tion
des Vaterlandes gebrauchen zu wollen .

Da die Versammlung des dritten Stan=
des
, welcher voriges Jahr zur Wahl der
städtischen Bevollmächtigten am Reichstage
ist zusammen berufen worden , gleichen
Eifer für die neue Konstitution gezeiget
hat , so darf man die Zustimmung des
größten Theiles der Nation nicht mehr in
Zweifel ziehen .

[9]

Anhang zur Wiener = Zeitung 1792 . N ro . 20 .

Verstorbene zu Wien .

Den 2 . März . Jn der Stadt .

  • Hr . Zacharias Heß , Protokollist . Adjunkt b . d
    kön . Hofkriegsr . alt 58 J im Salvatorg . N . 456
  • Regina Hauer , Maurerswit . alt 87 J . im Hüh=
    nerg
    . N . 521 .
  • Dem Math Mayer , herrs Bedient . s . W . Maria
    Magd . alt 59 J . im Krebseng . N . 460 .
  • Dem Franz Kordy , Friseur , s . K . Carl , alt 9 J .
    in d . Krugerstr . N 1047 .

Vor der Stadt .

  • Dem Hrn Blasius v . Carriere , gew . k . k . Hauptm .
    s . Fr . Karolina , geb . v . Roland , alt 70 J . zu
    Erdberg N . 303 .
  • Fr . Helena v . Gärtner , gew . k . k . Hauptm . Wit .
    geb . v . Camion , alt 68 J . in der Alstervorst .
    Nr . 155 .
  • Hr . Jos Scheibert , Kadet , alt 19 J . zu St . Ul=
    rich
    N . 5 .
  • Hr . Jos . Weinberger , Weltpriest . alt 76 J . zu
    Mariah . N . 22 .
  • Hr . Joh . Schwarzmann , Weltpriest . alt 63 J .
    auf d . Landstr . N . 59 .
  • Hr . Franz Stuker , pens . Rechnungsführ . b . der
    gew . k . k . Schweizergarde , alt 79 J . zu Ma=
    riah
    . N . 63 .
  • Hr . Mich . Schäffer , bürg Schneidermeist . alt
    36 J . am Neustift N . 73 .
  • Dem Ant . Reinhard , Jnvalid . Korporal , s . W .
    Cath . alt 37 J . am Rennw . N . 2 .
  • Dem Hr Vinzenz Hofmann , Numerant b . d . k .
    Lottogefällendirekt s Stiefsohn Jos . Mauser ,
    alt 15 J . am Neustift N . 29 .
  • Math . Wiegerer , Maurer , alt 72 J . zu Margar .
    N . 55 .
  • Jakob Steirer , herrs . Lustgärtn . alt 61 J . auf
    d Landstr . N . 427 .
  • Anna M . Batitsch , Spitzklöpl . alt 42 J am
    Neubau N . 158 .
  • Dem Hrn . Jos . Tschaker , bürg Wagnermeist .
    s . K . Vinzenz . alt 3 J unt . Weißgärb . N . 15 .
  • Dem Georg . Meyka , Schloss . s K . Susanna , alt
    5 J . in der Roßau N . 136 .
  • Dem Math Hisch , Weber , s . K . Jos . alt 3 J . im
    Lichtent . N . 108 .
  • Dem Leop . Jngerisch , Dintuchmach . s . K . Leop .
    alt 2 J . am ob . Neustift N . 35 .
  • Der Anna Roth , Soldat . Wit . i . K . Kaspar , alt
    1 J . in d . Alsterg . N . 36 .
  • Wenzel Karlinger , Eisentändler , alt 63 J . in s .
    H . am Althanischengr . N . 5 .
  • Joh . G . Hanko , Lehenkutscher , alt 56 J . in s . H .
    in d . Neudeggerg . N . 95 .
  • Dem Peter Hubert , Tuchmacher , s . W . Susanna
    Justina , alt 31 J . auf der Wieden N . 20 .
  • Der Theresia Ram , Tabackkram . Wit . i . S .
    Franz , alt 14 J . in der Josephst . N . 4 .
  • Dem Jos . Krone , schutzv . Schloss . s . K . Sebast .
    alt 3 J . in der Alstervorst . N . 65 .
  • Franz Palliar , Zigeldeckerlehrj . alt 20 J . hat sich
    untern Tuchlaub . N . 261 unglücklicher Weise
    erfallen .
  • Joh . Schweiger , Kutscher , alt 46 J .
  • Math . Fröschl , Büchsenschäft . alt 57 J . beede b .
    Barmh .
  • Georg Langenberg , alt 26 J .
  • Tobias Müller , alt 20 J .
  • Thom . Jagtelsky , alt 20 J .
  • Voitek Olzaby , alt 24 . J . alle 4 Gem . i . Militärsp .
  • Joh . v . Linde , Zögling v . Waisenh . alt 14 J .
  • Math . Kleindl , Schuhmacherlehrj . alt 22 J .
  • Jakob Wolf . Bäckerj . alt 43 J .
  • Math . Weber , Schreiber , alt 54 J .
  • Anna Grienesberger , Dienstm , alt 85 J .
  • Franz Ranner , Wais alt 13 J .
  • Simon Perwisch , gew . Laufer , alt 79 J .
  • Cath . Slawik , Jnvalid . W . alt 55 J . alle 8 im
    allg . Krankenh .
  • Summa 41 . Personen , darunter 7 . Kind .

Den 3 . März . Jn der Stadt .

  • Hr . Philipp v . Williar , gew . Schloßhauptm . im
    Belveder , alt 88 J . in d . Bischofg . N . 615 .
  • Fr . Theresia Heim , Solizitat . Wit . alt 60 J .
    auf der Gestätten N . 402 .
  • Hr . Expedits Haager , Mediz . Canditat , alt 25 J .
    im tiefen Graben N . 407 .
  • Eine unbekannte Mannspers . alt b . 30 J . ist im
    Burgersp . an Schleimschlag tod gefund . word .
  • Hr . Martin Harpfner , bg . Schuhmachermeist .
    alt 54 J . im Elend N . 348 .
  • Jakob Rinberger , Maurer , alt 64 J . nächst Ma=
    riastieg
    . N . 400 .
  • Margar . Eber , Dienstm . alt 52 im tief . Graben
    N . 370 .
  • Abraham Niego , Jud , alt 26 J . nächst d . roth .
    Thurm N . 683 .

Vor der Stadt .

  • Fr . Rosalia Baumann , herrs . Kammedien . Wit .
    alt 66 J . in der Roßau N . 72 .
  • Wolfg . Buechner , Vergoldter , alt 78 J . zu Ma=
    riah
    . N . 88 .
[10]

  • Dem Jos . Blümel , Schneid . s . Stieff . Heinrich
    Eich , alt 18 J . zu Mariah . N . 96 .
  • Dem Math . Streibl , Wäscher , s . K . Math .
    alt 1 J . zu Margaret . N . 40 .
  • Andre Stroh . Bedienter , alt 66 J . in der Jo
    sephst . N . 49 .
  • Dem Math . Lorcher , Schuhmach . s . K . Franzis=
    ka
    , alt 2 J . zu Gumpend . N 68 .
  • Wenzel Steininger , Gem . alt 60 J . im Jnvalidh .
  • Christ . Ulrich , alt 46 J .
  • Laur . Bauer , alt 40 J .
  • Ant . Kobinka , alt 32 J . alle 3 Gem . im Militärsp .
  • Maria A . Sulzbacher , Bedient . Wit . alt 70 J .
  • Elis . Hauser , Handarbeit . alt 23 J .
  • Maria A . Fraubaum , Dienstm . alt 23 J .
  • Ursula Huseck , Pfründl . alt 75 J .
  • Hr . Ambros Kaltenbach , bg . Schlosserm . a . 42 J .
  • Ferd . Kronister , gew . Postmeist . alt 50 J .
  • Mich . Wießner , Tagl . alt 89 J .
  • Gertr . Prauer , Maurers W . alt 72 J . alle 8 im
    allg . Krankenh .
  • Summa 26 . Personen , darunter 2 . Kind .

Den 4 . März . Jn der Stadt .

  • Fr . Oktavia verwit . Freyin v . Gudenus , geb .
    Gräfin v . Nimpsch , alt 66 J . in i . H . nächst
    d . kön . Burg N . 3 .
  • Hr . Jos . Ant . Wolframb , kön . Kammerthürhüt .
    alt 62 J . im Roßmaring . N . 453 .
  • Hr . Mich . Ricker , bürg . Goldarbeit . alt 40 J . im
    Blutg . N . 867 .
  • Dem Hrn . Franz Stainer , bg Erdengeschirhandl .
    s . K . Maria A . alt 8 J . unt . Tuchlaub . N . 578 .

Vor der Stadt .

  • Dem Jos . Gall , Zimmermaler , s . K . Franz , alt
    2 J . in der Roßau N . 124 .
  • Maria A . Stramer , bürg . Zimmermeist . T . alt
    22 J . auf der Wieden N . 49 .
  • Hr . Franz Ant . Huber , bürg . Goldarbeit alt 62
    J . am Rennw . N . 26 .
  • Hr . Jakob . Unzeit , gew . bürg . Fleischselch . alt
    70 J . auf der Windmühl N . 62 .
  • Maria A Piller , kön . Blachenkn . Wit . alt 81 J .
    in der Leopoldst . N . 151 .
  • Dem Peter Lantenhamer , Kellner , s . W . Cath .
    alt 29 J . zu Erdb . N . 201 .
  • Magd . Rott , Tischlerswit , alt 71 J . am obern
    Neustift N . 72 .
  • Dem Jos . Varvolia , Seidenzeugmach . s . K . Jos .
    alt 1 J . zu Margar . N . 131 .
  • Dem Franz Dranfellner , Zeugmach . s . K . Elis .
    alt 2 J . am ob . Neustift N . 68 .
  • Dem Hrn . Franz Zarzy , bürg . Seidenzeugmach .
    s . K . Magd . alt 6 J . am ob Neustift N . 85 .
  • Barb . Truchs , alt 65 J . im Versorgh . am Alsterb .
  • Jgfr . Josepha Ruhmfeld , alt 21 J . b . Elisabet .
  • Joh . Zislok , alt 30 J .
  • Joh . Sortschäck , alt 21 J .
  • Jurko , Ollitscheck , alt 40 J . alle 3 Gem .
  • Andre Liebling , chyrurgis . Praktik . alt 34 J . alle
    4 im Militärsp .
  • Felix Hartl . , Hausmeist . alt 80 J .
  • Joh . Weber , Tagl . alt 62 J .
  • Jos . Zipfelmayer , Bauer , alt 82 J .
  • Franziska Albert , Dienstm . alt 27 J .
  • Elis . Steinmetz , Handarbeit . alt 40 J .
  • Simon Hiermann , Tagl alt 61 J .
  • Rudolph Schmid , Soldat S . alt 17 J .
  • Susanna Preisenan , alt alle 8 im allg . Krankh .
  • Summa 28 Personen , darunter 5 Kind .

Den 5 . März . Jn der Stadt .

  • Hr . Joh . Heinr . v . Ursiny , kön . Hofkriegsraths
    Hofrath , alt 73 J . in d . Tainfaltstr . N . 75 .
  • Fr . Ursula Götz , bürg . Schneidermeist . Wit . alt
    56 J . am Graben N . 586 .
  • Dem Hrn . Adam Sturch , bürg . Taschnermeist .
    s . K . Franz alt 3 J . in d . Himmelpfortgr . N . 986 .
  • Joh . G . Fruhwürth , herrs . Portier , alt 52 J .
    in der Wallnerstr N . 148 .
  • Hr . Jos . Schinka , herrs . Zuckerbäcker , alt 59 J .
    am Burgpl . N . 2 .
  • Dem Andre Schultuß , Maurerpall . s . W . Magd .
    alt 40 J . in d . Himmelpfortgr . N . 981 .

Vor der Stadt .

  • Hr . Anton Mölzer , bürg . kl . Uhrmach . alt 91 J .
    auf der Laimgr . N . 11 .
  • Hr . Joh . Leidschacher , bürg . Sticker , alt 74 J .
    in s . H . am Spitalb . N . 102 .
  • Dem Joh . Mich . Kassel , Lustgartner , s . S . Joh .
    alt 20 J . am Neubau N . 171 .
  • Theresia Hepfl , Schuhmach . Wit . alt 65 J . zu
    St . Ulrich N . 29 .
  • Georg Konrad , Tagl . alt 74 J . in d . Jägerz . N . 9 .
  • Dem Martin Schmeitzel , beurlaubt . Soldat , s .
    K . Eleon alt 2 J . im Lichtenth . N . 52 .
  • Fr . Theresia Runker , bürg . Bierwirthswit . alt
    48 J . in i . H . auf d . neu Wieden N . 149 .
  • Dem Joh . Mich . Schnitzler , Tagl . s . K . Anna ,
    alt 1 . J . im Lerchenf . N . 32 .
  • Dem Joh . Jungwirth , Lustgartn . s . W . Maria
    A . alt 36 J . auf d . Landstr . N . 207 .
  • Dem Hrn . Georg . Held , bürg . Schneidermeist .
    s . K . Barb . alt 1 J . in d . Währingerg . N . 102
  • Joh . Weimar , Arrest . alt 40 J . in d . Leopoldst .
    N . 203 .
  • Barb . Schönbäur , bürg . Goldarbeit . Wit . alt
    82 J . zu St . Marx .
  • Georg Rodometzky , Gefreyt . alt 71 J .
  • Dem Martin Lenz , Gefreyt . s . W . Rosalia , alt
    57 J . bede im Jnvalidenh .
  • Adalbert Sieber , Wagner , alt 46 J .
[11]

  • Franz Hauser , Unterkanonier , alt 20 J .
  • Math . Salvinsky , Gem . alt 30 J . alle 3 i . Militsp .
  • Franz Nelmbauer , Tagl . alt 31 J .
  • Juliana Rauscher , Tagl . W . alt 83 J .
  • Maria A . Neritz , Dienstm . alt 62 J .
  • Ludw . Ferery , verabsch . Soldat , alt 46 J .
  • Andre Bugel , Tagl . alt 46 J . alle 5 im allgem .
    Krankenh .
  • Summa 28 . Personen , darunter 4 Kind .

Kundmachung .

Se . K . K . Maj . haben schon im verflosse=
nen
Monat November 1791 dem K . K . Oberst=
lieutenant
v . Fürnberg mittelst einer allergnä=
digst
erlassenen Hofresoluzion die Freyheit zu
ertheilen geruhet , in der Zwischenstrecke von
Mölk über die Donau nach Budweis drey
neue Poststazionen , und zwar die erste in
Lübereck , gerade an der Donan gegenüber von
Mölk , die zwote 1 1 / 2 Post weitershin in dem
Markte Peckstall , und die dritte 1 Post in dem
Markte Gutenbrunn am grossen Weinsperg=
walde
errichten zu därfen , derer Herstellung
man nebst Rücksichtnehmung auf die Anschaf=
fung
aller nur immer nöthigen Geräthe , und
Einrichtungsstücke dergestalt beschleuniget hat ,
daß diese drey Poststazionen nunmehr schon durch
eine geraume Zeit zur ordentlichen Bedienung
eines jeden sie allenfalls Bereisenden in den voll=
kommensten
Stand gesetzt sind . Man glaubt
sich verbunden , dem geehrten Publikum , und
überhaupt einem jeden Reisenden von der neuen
Errichtung dieser Poststazionen Nachricht er=
theilen
, und sich zu derselben besseren Ankom=
men
ergebenst empfehlen zu müssen . Der ei=
gentliche
Vortheil dieser zum Nutzen des ge=
schätzten
Publikums , und zur Bequemlichkeit
der Reisenden errichteten Poststazionen wird
jedoch erst dazumal den wahren Endzweck er=
reichen
, wenn mittelst allerhöchster Bewilligung
zwischen Annaberg und Scheibs der Weg
Chausseemäßig gebauet , zu Scheibs eine Post=
stazion
errichtet , und somit ein neuer Cours
an der bereits bis Lubereck bestehenden Post=
strasse
eröffnet seyn wird , als wodurch alle aus
Steyermark , Kärnten , Krain , dem Gra=
diskanisch
= Friaulschen , und überhaupt die aus
dem ganzen Littorale nach Böhmen reisende
Passagiers , wenn sie von Bruck an der Muhr
aus ( als wohin dermal ohnehin jeder fahren
muß , und welche Stazion stäts als das Cen=
trum
zu betrachten ist ) über Seewiesen , Ma=
riazell
, Annaberg , der neu zu errichtenden
Poststazion Scheibs , Lubereck , Peckstall ,
Gutenbrunn nach Schwarzbach , und von da
nach Prag ihren Weg nehmen werden , nicht

nur allein mehr , als vier Posten Wegs erspa=
ren
, sondern durchaus auf den drey neu errich=
teten
Stationen eine best hergestellte Strasse
antreffen werden . Auch für alle aus dem Di=
strickte
Zwettel nach Oberösterreich , und in das
römische Reich reisende Partheyen , zeigt sich
hiedurch ein bequemerer Weg , da sie statt dem ,
daß sie vormals gebürgigt ungemachten Land=
weg
nach Linz fahren müßten , nun mehr von
Zwettel aus über Gutenbrunn , Peckstall ,
Lubereck , sogleich nach Kemmelbach mittelst
der Post kommen können , dabey beständig an
der gemachten Straffe sich befinden , wegen der
guten postmäßigen Bedienung nichts werden zu
besorgen haben , und noch über dies gegen den
vormalig Chausseemäßigen Weg auf zwo Po=
sten
ersparen , welcher Vortheil auch für alle
aus den Viertel Ober Wiener Wald ( beson=
ders
die Eisen und Proviantmärkte betreffend )
nach Zwetel , und die dortigen Gegenden rei=
sende
Partheyen hier auf eine ähnliche Art ein=
tritt
. Nachträglich findet man anzumerken =
thig
, daß die Poststazion Lubereck mittelst ei=
ner
weiteren allerhöchsten Hofentschliessung die
Gerechtigkeit besitze , von da aus sowohl nach
Krems , als St . Pölten und Kemmelbach di=
rekte
die Ritte verführen zu därfen , wobey
man zugleich Gelegenheit findet anzumerken ,
daß jeder von Lubereck nach St . Pölten und
Kemmelbach führende Passagier unentgeltlich
über die Donau geführet wird .


Nachricht .

Von dem Magistrate der k . k . landesfürstl .
Hauptstadt Linz in Ni . Oe . ob der Ens wird
hiemit allen Herren Niederlegern , Handels=
männern
, privil . und nichtprivilegirtn Fa=
briken
, Fabrikanten und überhaupt allen Fie=
ranten
, welche die hiesigen 2 Jahrmärkte mit
ihren Waaren besuchen , bekannt gemacht : daß
gemäß der von der hierländigen hochlöbl . Re=
gierung
herabgelangten Bestättigung zu Hin=
danhaltung
alles Unfugs , und Beybehaltung
guter Ordnung , denselben aller Kauf und Ver=
kauf
der Waaren vor den mittels der Glocke
angezeigten wirklichen Anfang des jedesmal
durch die den 30 . April 1753 ergangene aller=
höchste
Verordnung auf 14 Täge bestimt hie=
sigen
Oster = und Bartholomäimarkt dergestalt
verbothen sey , daß von jedem , der sich in einer
Ueberschreitung dieses Verbots heimlich oder
öffentlich betretten läßt , jedesmal zu Erlegung
einer Geldstrafe von 50 fl . unnachsichtlich ver=
halten
werden würde . Wornach sich also die=
selbe
zu achten , und künftig zu benehmen ha=
ben
. Linz den 1 . März 1792 .

[12]

Nachricht .

Unterzeichneter macht einem hohen Adel ,
und verehrungswürdigen Publikum bekannt ,
daß er mit gnädigen Erlaubniß der hohen ni .
öst . Landesregierung , mit Begnehmigung der
löbl . medizinischen Fakultät , der Polizeyober=
direkzion
, und des hiesigen Stadtmagistrats ei=
ne
öffentliche Wach = und Krankenwärterstube
für ganz Wien männlich und weiblichen Ge=
schlechts
errichtet habe , aus welcher taugliche ,
abgerichtete , und besonders vertraute Kran=
kenwärter
= und Krankenwärterinen auf Verlan=
gen
abgegeben werden . Der eines Kranken=
wärters
, oder einer Krankenwärterin benöthigte
Patient beliebe nur seinen Wohnungsort in die
öffentliche Stube durch jemand zu schicken , wo
alsdann die weitere Vorkehrung von dem Un=
ternehmer
getroffen , und jedermann mit taug=
lichen
Personen versehen werden wird . Für
Tag und Nacht ist die Bezahlung an einen Kran=
kenwärter
beyderley Geschlechts bey denen des
ersten Ranges 1 fl . , von denen der mittlern
Klasse hingegen 40 kr . , und wird solcher Be=
trag
dem Unternehmer mit dem Beysatze ab=
gereicht
, daß jeder Kranke sich gefälligst äussern
möchte , in was für eine von diesen beyden
Klassen derselbe gesetzt werden wolle . Er selbst
aber wird täglich jedem dienststehenden Kran=
kenwärter
gehörig nachsehen , damit Pflicht und
Schuldigkeit nicht verabsäumet werde , schmei=
chelt
sich eines gnädigen Zuspruchs , und ver=
spricht
zugleich , allen Fleiß und Thätigkeit an=
zuwenden
, um sich allgemeine Zufriedenheit
zu erwerben .

Andreas Hübner , Mediziner , und
Unternehmer der privil . Wach und Kran=
kenwärterstube
. Wohnhaft auf der Land=
strasse
in der Rauchfangkehrergasse N . 262 .


Anzeige .

Am 8 . d . v . M . Hornung ist hier eine
verdächtige Mannsperson mit einem Bündel
Bethgewand , und mehreren abgeschnittene =
Schweifen von Wolssfellen zu Verhaft ge=
kommen
. Da besagte Stücke allem Ansehen
nach in der Zwischenzeit vom 1 . bis 8 . besag=
ten
Monats entwendet worden sind , so hat
sich der diesfällige Eigenthümer bey dem Kri=
minalsenate
des hiesigen Magistrats hierum
zu melden . Wien den 8 . März 1792 .


Nachricht .

Bey dem hiesigen Magistrat befindet sich
eine goldene Sackuhr in Verwahrung , welche
die Polizeybezirksdirekzion in der Leopoldstadt
dahin , nebst dem eingebrachten vermutlichen

Dieb , übergeben hat . Daher sich derjenige ,
der sich hiezu als Eigenthümer wird auswei=
sen
können , sich bey dem Magistrate zu mel=
den
haben wird . Wien den 9 . März 1792 .


Verlohrne Bankozetteln .

Es hat jemand den 25 . Hornung 1792 auf
die Nacht gegen 3 / 4 auf 8 Uhr vom alten
Fleischmarkt an durch das Zwölferischer Haus
und die übrigen Durchhäuser bis auf die Post
eine kleine alte Schreibtasche verlohren , worin
einige Briefe , eine in griechischer Sprache ver=
faßte
Anweisung , dann 2 Bankozettel jedes
mit 1000 fl . , ferner 3 Bankozettel jedes mit
500 fl . , und 3 zu 100 fl . waren . Wer diese
Bankojettel gefunden hat , wird gebeten , die=
selben
in die Rothenthurmstrasse im Steyerhof
Nr . 679 im ersten Stock zum griechischen Geist=
lichen
gegen ein Rekompens von 600 fl . zu
überbringen .


Geld wird ausgeliehen

Auf Haussätze , Obligationen , sichere Hypothe=
ken
und Pfänder , auch Besoldungs = und Pen=
sions
= Monats = und Quartalsbögen , auf der
Windmühle im blechenen Thurm neben der
Schmiede Nr . 4 im zweyten Stock .


Geld auszuleihen .

Wer 900 fl . gegen eine gute Hypothek und
billigen Jnteresse haben will , kann sich bey
Herrn Derringner , Posamentirer bey den drey
Kronen am Graben anmelden , um das meh=
rere
zu vernehmen .


Frauenzimmer suchet Dienst .

Ein Frauenzimmer von gesetzten Jahren , die
mehrere junge Damen zu erziehen die Ehre
hatte , und dieserwegen mit Empfehlungen ver=
sehen
, auch der Französischen Sprache wohl kün=
dig
ist , sucht bey einer Herrschaft auf dem
Lande , in welcher Provinz immer , als Gou=
vernante
angestellt zu werden . Mit einer An=
frage
oder Zuschrift ihrerwegen hat man sich
in der Schulerstrasse beym grünen Baum im
ersten Stock an Hrn . Raitrath von Loibl zu
verwenden .


Dienstsuchender .

Ein junger Mensch , ein Tapezierer von
Profeßion , welcher lange in Frankreich gear=
beitet
hat , französisch und deutsch gleich gut
spricht , rasiren und frisiren kann , wünscht bey
einer Herrschaft als Kammerdiener oder als
Haustapezierer anzukommen . Jst zu erfragen
bey Herrn Genthon , Kaufmann in der Nag=
lergasse
Nr . 189 zu ebener Erde .

[13]

Bedienter wird gesucht .

Ein Bedienter , der gut frisiren und schrei=
ben
, aber sich zugleich über Rechtschaffenheit
und Treue besonders ausweisen kann , wird
gesucht , und hat sich solcher in der Bogner=
gasse
Nr . 219 im 2ten Stock anzufragen .


Nachricht

Wir Endes unterzeichnetes machen hiedurch
dem Publikum vorläufig bekannt , daß wir im
Begriff sind , eine Fabrik zu Nachod in Böh=
men
zu errichten , in welcher Vitriolöl , oder
konzentrirte Vitriolsäure ( Oleum vitrioli
aus Schwefel bereitet werden soll . Wir be=
halten
es uns vor , den Herren Fabrikanten ,
Materialisten und Apothekern zu seiner Zeit
durch ein besonders Avertissement umständli=
chere
Nachricht von Gattungen und Preisen
zu geben , glauben aber , daß wir dem Publi=
kum
, und besonders denen , die es benöthiget
sind , keinen unangenehmen Dienst erweisen ,
wenn wir dieser vorläufigen Kundmachung die
Versicherung beyfügen , daß wir dieses unent=
behrliche
Produkt in der beßten Qualität , um ei=
nen
beträchtlich wohlfeiler Preis zu liefern ge=
denken
, als es bisher anzuschaffen möglich war .
Nachod in Böhmen den 24 . Februar 1792 .

Franz Sperling .
E . P . F . Erxleben .


Bandagenmacher .

Anton Gayard , Bandagenmacher , hat bey
der hochlöbl . k . k . ni . öst . Regierung um Er=
laubniß
, hier in dieser Haupt = und Residenz=
stadt
Wien Bruchbänder von verschiedener Art ,
wie solche von den Herrn Doktoren und Aerz=
ten
nach Beschaffenheit der Umstände für un=
schädlich
befunden werden , für das hochgeehrte
Publikum machen , und öffentlich verkaufen zu
dörfen angelanget , und hiezu nach bey hiesig
löbl . medizinischer Fakultät abgelegt , und un=
schädlich
befundenen Proben , auch die gnädig=
ste
Erlaubniß erhalten . Er schmeichelt sich ,
allen denjenigen , die bey ihm Bruchbänder ,
Nabelbruchbänder , Bruchbeitel , von allen Gat=
tungen
von elastischer und mechanischer Art ,
für beyderley Geschlecht von jedem Alter Bauch=
gurten
, Bandagen für kleine Kinder , Ban=
dagen
für diejenigen , welche sich im Reiten ,
Tanzen , Fechten und dergleichen Leibesübungen
für Schaden präserviren wollen , neu bestellen ,
oder auch alte Bandagen repariren , und frisch
überziehen lassen , und sich somit seiner Arbeit
bedienen werden , alle Zufriedenheit zu ver=
schaffen
, und hoffet , daß seine Arbeit nicht
minder , als der billige Preis bey dem hoch =

geehrten Publikum für ihn die beste Empfeh=
lung
bewirken werden . Er wohnet auf der
neuen Wieden in der Preßgasse im schwarzen
Adler im Barbierischen Haus Nr . 368 im
ersten Stock . Er ist auch zu bestellen in der
Kärtnerstrasse beym Daniel in der Löwen=
grube
Nr . 1078 im Glaserergewölb .


An die Liebhaber der schönen Gartenkunst .

Unterzeichneter , welcher bey der gegenwär=
tigen
allgemeinen Revolution der Gärten nach
dem englischen Geschmack , auf einer Reise durch
Europa begriffen ist , um den Liebhabern der
modernen Gartenanlagen mit seinen während
einem mehrjährigen Aufenthalt in den berühm=
testen
Brittischen Gärten und Parks nach der
Theorie eines Hirschfelds gesammelten Kennt=
nissen
nützlich zu seyn , und allbereits die Gnade
gehabt hat , mehrern regierenden hohen Häuser
und Standespersonen , Plane zu Gärten in den
jetzt herrschenden ganz reinen Geschmack zu ent=
werfen
, und die Ausführungen zu leiten : hat
die Ehre einem nach Stand zu verehrenden
Publikum hiemit seine hiesige Ankunft mit dem
Anhang bekannt zu machen , daß , weil ihm
schon verschiedene hiesige hohe Herrschaften mit
diesfälligen Aufträgen beglückt haben , sein
hiesiger Aufenthalt zur Leitung der Anlangen
auf einige Jahre festgesetzet ist . Er ergreifet
diese Gelegenheit seinen seitherigen Gönnern ,
für die ihm geschenkte Achtung , Zutrauen und
weitern Empfehlungen seinen unterthänigsten
Dank abzustatten , und sich in hoch dero fer=
neren
Gnade zugleich zu empfehlen . Er schmei=
chelt
sich im voraus , daß diejenigen hohe Herr=
schaften
, welche ihm bisher die ersten Gelegen=
heiten
angebothen haben , den von einem Hirsch=
feld
festgesetzten ganz reinen Geschmack der Gär=
ten
in hiesiger Gegend einzuführen und zu ver=
breiten
, bey Endigung der Anlangen durch die
grosse und äußerst vortheilhafte Einwirkungen ,
welche diese nie an Belustigung leer werdende ,
und durch ihren ganz besondern Geschmack sich
so sehr auszeichnende jüngste der schönen Künste ,
auf die Einbildungskraft und auf die Empfin=
dung
des Menschen beweiset , in die angenehmste
Verwunderung sich werden versetzt finden .
Da derselbe die besten Addressen an Baum=
händler
besitzt : so erbietet er sich die in einen
solchen Garten etwa erfoderliche ausländische
Gehölzer zu verschreiben ; auch auf Verlangen
Gärten von einem nicht zu grossen Umfang in
Akkord zu übernehmen , und mit allem Nöthi=
gen
zu versehen . Briefe sind zu richten , an

Berhard Perti , schönen Garten=
künstler
, wohnhaft bey dem k . k . ni . öst .

[14]

Wechselgerichts = Kanzellisten Hrn . Koll=
mann
, in der Leopoldstadt in der Tan=
delmarktgasse
beym rothen Rössel Nr .
177 .


Nachricht .

Jakob Baumann der jüngere , Saamenhänd=
ler
zur rothen Rose im deutschen Haus auf
dem Stephansplatz in Wien , verkauft um bil=
lige
Preise ächte Saamen aller Arten der Ge=
müspflanzen
, Futterkräuter und Forstbäume ,
wovon die Verzeichnisse bey ihm unentgeltlich
zu haben sind . Er findet es auch einer gewis=
sen
Ursache wegen für nothwendig bekannt zu
machen , daß er jeder von ihm versendet wer=
denden
Waare einen gedruckten Lieferschein
beylegte , auf welchem jedesmal der Tag der
Absendung die abgegebene Artikeln und deren
Preise bemerkt sind . Er ersucht daher seine
auswärtige respektive Herren Abnehmer keine
Saamen für von ihm abgegeben anzusehen ,
bey denen sich nicht ein obbesagter Schein be=
findet
, weil er für die Aechtheit einer solchen
auf einem anderen Platz erkauften Waare nicht
im geringsten haften kann .


Auserlesene Erdäpfel zu verkaufen .

Der heuriges Mangel an Erdäpfel ist be=
kanntlich
dadurch entstanden , daß durch die
zu früher Fröste und Schnee über 30000 Me=
tzen
in der Erde erfroren sind , so sind auch
jene , die zu Wasser herunter geführt werden ,
in dem Wienerkanale erfroren . Partheyen ,
die sich noch frühzeitig genug Erdäpfel am
Wasser zum Hausvorrath erkauften , erfuhren
es alle Jahre , daß diese Wassererdäpfel sich
bis in die Fasten , ohne zu verfaulen , gar
nicht halten können . Bey dem jetzigen Man=
gel
an dieser ausgiebigen , allgemeinen und
äußerst wohlfeilen Speise wird es den Ein=
wohnern
Wiens lieb seyn müssen , zu verneh=
men
, daß einiger Vorrath der besten hol=
ländischen
Landkartofeln am Bauernmarkt im
Altwagnerischen Durchhause Nr . 531 , wo
man sich deßwegen im 2ten Stocke links an=
trägt
, der gekupfte Metzen a 51 kr . oder 17
Groschen , auch a 16 Groschen zu haben seyen .
Diese sind äußerst gut verwahret , von einem
sehr lockeren Grunde am Rosenberge ober Atz=
gersdorf
. Darum sind sie auch nicht nur sehr
leicht zu verdauen , was andre Erdäpfel von
einem schweren Grunde , die zugleich sehr blä=
hen
, nicht sind ) sondern sie sind auch die
tauglichsten zu verschiedenen Auflaufköchen ,
Wandeln , Torten u . d . gl . die man für
wahre Mandelköche , Wandeln und Torten

mit Wohlbehagen speist . Sie sind aus der
ersten Hand von dem Eigenthümer , und dar=
um
so wohlfeil . Man verspricht sich daher ,
daß die Titl . Herren Zeitungsleser diese Nach=
richt
den Hausfrauen und Wirthinnen zum
wahren Vortheile näher bekannt machen werden .


Säcke zu kaufen .

Auf der Landstrasse im grünen Kranz Nr .
176 sind Säcke von dem besten Zwilch , die
recht gut 2 Metzen halten , um billigen Preis
täglich zu bekommen , und ist sich deshalb
alda beym Hausinhaber zu melden .


Anzeige .

Mathäus Petz , Jnhaber der k . k . priv . weiß
Alaun , dann sämisch Gärberey und französi=
scher
Handschuhfabrik in der Rossau Nr . 75 .
der Porzelainfabrik gegenüber , macht hiemit
dem gesamten Handelsstand und dem berech=
rungswürdigen
Publikum bekannt , daß sowohl
in gedacht seiner Fabrik , als in seiner Waa=
renniederlag
am Bauernmarkt im Gundelhof ,
verschiedene Gattungen von weiß Allaun und
sämisch gearbeiteten Leder , dann alle Sorten
und Farben von französischen gestickten und ge=
druckten
Frauen = und Mannshandschuhen um
die billigsten Preise zu haben sind . Er verspricht
sich daher geneigten Zuspruch , und versichert
dagegen jedermann der reelesten Bedienung .


Kupferstichsammlung zu verkaufen .

Die prächtige Sammlung der in dem Kunst=
kabinet
des in Bruxelles verstorbenen Hrn . Rath
del Marmol enthaltenen Kupferstiche , welche
im Gränzen zu verkaufen angebothen wird , ist
den Kennern und Liebhabern so bekannt , daß
ein weiterer Ruhm davon überflüßig zu seyn
scheint . Die in mehrern tausend Abdrücken
bestehende Kunststücke eines Rubens und von
Dyck sind gewiß die vollkommensten und reiche=
sten
in ganz Europa ; die andern , obschon nicht
in so grosser Zahl , sind dennoch eben so gut
gewählt , enthalten Gegenstände der grösten
Seltsamkeit , und bestehen hauptsächlich aus den
Werken des Jordaens , Teniers , Wonwermans ,
Lairesse , des Grafen v . Gondt , des Kabinets
von Reynst , aus der welschen Schule ; theils
auch aus den Werken des Rembrandt , Hollaer ,
Woolet und Strange , alle in den schönsten
und besten Drücken ; weiters aus den Werken
und besten Drücken des Labrun , Mignard ,
Edelmeck , Balechon , Bartollozi , Tardieu ,
Vernet und Vonet . Kurz dieses Kunstkabi=
net
verdient hauptsächlich dieserwegen von einen
Fürsten gekauft zu werden , weil es eine grosse

[15]

Zahl vor = und einziger Stücke des Rubens und
van Dyck enthält , unter welchen es auch meh
rere von diesen großen Meistern unbeendigte und
retouchirte Probdrücke giebt , nämlich der be=
rühmte
Christ am Kreuz mit dem Schwamm
( dit á l'Eponge nach van Dyck , der heil .
Jldephonsus und Franziskus von Rubens , so
auch eine grosse Zahl anderer . Diejenigen ,
welche dieses Kunstkabinet an sich zu bringen
wünschen , belieben sich an die Hrn del Mar=
mol
in der Goldgasse zu Bruxelles zu wenden .


Allgemeine Erdbeschreibung
für die Herren Abnehmer des Universalat=
lasses
nach und zu Herrn Büschings
großer Erdbeschreibung .

Viele der Herren Abnehmer dieses Atlasses
haben schon lange den Wunsch geäußert , da=
zu
eine Erdbeschreibung zu erhalten , welche
ihn näher erläuterte . Wirklich ist auch ein
solches Werk nothwendig , weil die meisten
bisherigen Geographieen entweder wegen zu
großer Kürze die Wißbegierde nicht genug be=
friedigen
, oder wieder zu ausgedehnt und weit=
läufig
sind , als daß sie für jedermann lesbar
wären . Auch enthalten die wenigsten dieser
Werke die ganze Erde , wie denn selbst =
schings
nur Europa und einen kleinen Theil
von Asien abhandelt . Dieses bewog mich ,
ein Werk zu bearbeitet , welches dem lesenden
Publikum überhaupt , besonders aber den Hrn .
Abnehmern des Universalatlasses , dem inneren
Gehalte nach , willkommen , und auch der be=
quemen
Art der Herausgabe wegen leicht an=
zuschaffen
wäre . Der Plan desselben ist im
Auszuge dieser : Das ganze Werk theilt sich ,
wie der Universalatlas , in drey Theile . Der
erste Theil enthält genau nach der Ordnung
des Atlasses , das östliche und nördliche Eu=
ropa
, nämlich : 1 ) Ungarn und das osmani=
sche
Reich in Europa , 2 ) Polen und Preussen ,
3 ) das russische Reich in Europa , 4 ) Däne=
mark
, Norwegen und Schweden , 5 ) Groß=
britannien
und Jreland . Der zweyte Theil
beschreibt das westliche und südliche Europa ,
oder 1 ) Deutschland und die Schweitz , 2 )
Jtalien und seine Jnseln , 3 ) Frankreich und
die Niederlande , 4 ) Spanien und Portugall .
Der dritte Theil handelt von den vier übri=
gen
Welttheilen , also 1 ) von Asien , 2 ) Afri=
ka
, 3 ) Amerika , 4 ) den Südländern . Jn
Rücksicht der wesentlichen Einrichtung des
Werkes wird sich darin soweit nach Büsching
gehalten , als er selbst gegangen ist , nämlich
durch ganz Europa und einen Theil von Asi=
en
. Es wurde hier dem Auszuge gefolgt , den

Büsching selbst von seinem größern Werke ge=
macht
hat , und zwar wörtlich , denn es wäre
eine alberne Geschäftigleit , den Lesern die
nämliche Sache auf eine neu Art sagen wol=
len
, die schon zuvor ein anderer entschieden
besser sagte . Dort , wo sich seit der Erschei=
nung
des Büschingschen Auszuges , etwas oder
alles veränderte , werden ganz neue Abhand=
lungen
an die Stelle der alten gesetzt , oder
Zusätzen eingeschaltet , als : bey Frankreich ,
( von welchem Reiche wir , seinem jetzigen Zu=
stande
nach , ohnehin noch gar keine Beschrei=
bung
haben ) bey der russisch türkischen Grän=
zen
u . s . w . Bey Bearbeitung des größten Thei=
les
von Asien , dann bey Afrika , Amerika
und den Südländern wurde zwar der nämli=
chen
Ordnung der Gegenstände gefolgt , wie
bey Europa , doch waren hier andere Quellen
nothwendig , da Büsching diese Welttheile nicht
selbst geographisch bearbeitete . Jch wählte
hiezu , so wie zu den Zusätzen bey Europa , die
Werke eines Wernher , Fabri , Schlötzer ,
Bruns , wie auch die Beyträge des Pfenning ,
Kleinsorg u . a . Zu Ende des dritten Theiles
wird ein vollständiges Register über das gan=
ze
Werk beygesetzt . Um sich dieses Werk be=
quem
anschaffen zu können , wird es vom kom=
menden
April an in vierwöchentlichen Lieferun=
gen
ausgegeben werden , und bis zum künfti=
gen
neuen Jahre ist es vollständig . Jede Lie=
ferung
besteht aus 16 Bogen , und kostet 24
Kreuzer . Die erste erscheint am letzten April ,
und hierauf alle vier Wochen eine . Zu jedem
Theile wird ein unentgeltlicher , gestochener
Titel gegeben , und zum ersten Theile auch
noch ein eben solches Zueignungsblatt . Ausser
der Pränumeration wird diese allgemeine Erd=
beschreibung
so wenig als der Atlas selbst für
irgend jemand zu haben seyn . Die Hrn . Ab=
nehmer
belieben sich also in Wien längstens
bis 1ten April , ausser Wien aber bis 15ten
an eben den Orten zu melden , wo sie bisher
die Karten des Universalatlasses erhielten , und
daselbst gegen einen gedruckten Pränumera=
tionsschein
24 Kreuzer auf die erste Lieferung
zu bezahlen . Uebrigens wird das Werk in
Oktav auf schönem Druckpapier mit neuen
Lettern , und unter der sorgfältigsten Korrek=
tur
abgedruckt , eben so ununterbrochen und
ordentlich fortgesetzt , und bis zum künftigen
neuen Jahre geschlossen werden , als bisher
der Atlas selbst immer zur Zufriedenheit sei=
ner
Abnehmer erschienen ist . Wien den 4 .
Hornung 1792 .

Franz Joh . Jos . v . Reilly .

[16]

Ankündigung .

Aufgemuntert durch mehrere Musikfreunde
und Kenner habe ich mich entschlossen einige
meiner musikalischen Launen , die ihr Daseyn
denen mir von meinem sonstigen Berufsgeschäf=
ten
übrigen Stunden zu danken haben , mo=
natlich
auf Pränumeration in leslich korrekten
Stich herauszugeben . Den Anfang sollen 12
Variationen für Violin und oblig . Violoncello
machen , und so bin ich gesinnet mit 1 . jeden
Monats Duetten und Trio folgen zu lassen .
Die Stücke werden sich durch Eigenhein und
Neuheit der Gedanken von selbst empfehlen ,
so wie man mir bey dem geringen Pränume=
rationspreis
pr . 20 kr . Eigennutz nicht vorwer=
fen
wird . Vom 22 . d . M . an , kann man sich
hierauf in der Singerstrasse im Zeitungskom=
toir
pränumeriren , und dann gegen die em=
pfangene
Scheine den 1 . April die erste Aus=
gabe
ablangen , und auf die weitere Folge
neuerdings mit 20 kr . pränumeriren . Es wird
sich zeigen , ob aufgemuntert oder abgeschrekt
zu werden verdient

der Herausgeber , Leopold Neuhauser


Neue Musikalien .

Bey Sukowaty , Hoftheater Copist , am
Petersplatz im Mazischen Haus Nr . 554 . im
Hof rechts im dritten Stock sind folgende
Stücke aus der sehr beliebteb Oper des Hrn .
Cimarosa : Il Matrimonio Segreto fürs Kla=
vier
gut übersetzt , und mit beygeschriebenen
Singstimmen zu haben :

Duetto : Cara non dubita . 56 kr .

Jo ti lascio , perche uniti che ci trovi . 40 kr .

Terzetto : Le faccio un inchino Contessa gar-
bata
1 fl . 8 kr .

Aria : Perd nate Signor mio , se vi lascio , e
so partenza . 52 kr .

Duetto : Se fiato in Corpo avete . 1 fl . 28 kr .

Terzetto : Cosa fate , via su parlate 56 kr .

Aria , poi Quintetto : Deli lasciate ch'io re-
spiri
. 1 fl .

Aus der Oper : Il Teseo a Stige .

Aria : Qual terror ! qual tetra idea . 40 kr .

-- Odi bell' ombra ama a i⟨ll⟩ebili lamenti . 40 k .

Cavatina : Senza di te ben mio vivere non
poss'io . 20 kr .

Aus La Vendetta di Nino . Aria : Vado ma
dove o Dio . 30 kr .

Quartetti a due Violini , Viola e Violoncello
aus Mondo della Luna des Herrn Pai
fiello . 5 fl . 30 kr .

Quartetti a due Violini , Viola e Violoncello
aus Discordia Fortunata des Herrn Pai-
fiello
. 5 fl . 30 kr .

Bey Franz Anton Hoffmeister ,
Musik = Kunst = und Buchhändler in Wien , in
der Wollzeile Nr . 803 . und zu Linz in dessen
Buchhandlung Nr . 82 . sind folgende ganz
neue Musikalien zu haben .

Pleyel 6 ganz neue Quartetten für 2 Viol . Alto
e Violoncello , Opera XXXV . 3 fl . 30 kr .

6 detto a detti Sr . Maj . dem König von Nea=
pel
dedicirt , Op . 34 . 3 fl . 40 kr .

3 detto a detto , Op . 10 . 2 fl . 30 kr .

6 Duos a 2 Violons , Op . 18 . 3 fl .

6 detti a detti , Op . 19 . 3 fl .

6 Duos p . Violon & Violoncelle , Op 16 . 3 fl .

Sestetto in F . a 2 Viol . 2 Alto , Violoncello
abl . e Basso . 1 fl . 45 kr .

3 Duos pour 2 Flutes , Liv . I . 2 fl .

detti a detti , Liv . II . 2 fl .

Sonate a 4 Mains in 9 Minore 1 fl . 20 kr .

Sonat . pour Fortepiano , Violon & Violon-
celle
, Liv . III . 2 fl .

Sinfonia in C . a grand Orchestra . 2 fl . 20 kr .

3 Trios pour Violon , Alton e Violoncelle .
1 fl . 30 kr .

Collection des plus agrables & faciles ,
Rondos , Airs , Var . Men . Allegro's & c .
pour Fortepiano avec un Violon ad libitum
Nro . I . 40 kr .

detto Nro . II . 40 kr .

detto Nro . III . 40 kr .

Clementi , Muzio , eine ganz neue Sonate in F
per Fortepiano solo 40 kr .

3 Sonat . per Fortepiano e Violino . 2 fl . 30

3 detto a detti , 2 fl . 30 kr .

Capricio par Fortepiano solo . 1 fl .

3 Trios per detto avec Flute , ou Violone
Violoncelle . 2 fl . 30 kr .

Viotti Concerto per Violini in C con tutti Stro-
menti
2 fl .

Giornowick G Ars variees pour Violon e Basso
1 fl . 12 kr .

Arien aus der beliebten Oper : Die Zuberflöte ,
vom Herrn Mozart , beym Klavier zu singen :

Aria : Jn diesen heil'gen Hallen . 8 kr .

Alles fühlt der Liebe Freuden . 9 kr . ( die der
Mohr singt . )

Ach ich fühl , es ist verschwunden . 9 kr .

Der Vogelsänger bin ich ja . 7 kr .

Ein Mädchen oder Weibchen . 9 kr .