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Wiener Zeitung.

Nr. 11, 6. Februar 1793

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[1]

Jnländische Begebenheiten.

Sonnabends den 4. d. M. haben Se.
Kais. Majestät geruhet, dem Kur=
Kölnischen geheimen Rathe und Domherrn
zu Münster, Freyherrn v. Lünning, als
Abgeordneten und Bevollmächtigten des ge=
fürsteten
Abten von Corvey, über die dem
Reichsstifte Corvey anklebenden Reichsrega=
lien
, Weltlichkeiten und Hoheiten, von dem
Throne die Kaiserl. Belehnung allergnädigst
zu ertheilen. Diese Handlung hat besagter
Freyherr mit den gewöhnlichen Feyerlich=
keiten
, in Gegenwart der Kaiserl. Minister
und vieler hoher Standespersonen verrich=
tet
, und dabey sowohl die An= als Dank=
sagungsrede
gehalten.

Sonntags nach dem Gottesdienste, ist
die Gemahlinn des Rußischen Hrn. Both=
schafters
Gräfinn Rasumovski, bey J.
M. der Kaiserinn. und bey. JJ. KK. HH.

den Erzherzoginnen, in einer Privat=Au=
dienz
vorgestellt worden.

Zu Folge allerhöchster Entschliessung, ist
die Trauer für weil. des Königs von Frank=
reich
Ludwigs des XVI. Maj. an dem hie=
sigen
. K. K. Hofe, gestern den 5. d. M.
angezogen worden, und soll durch 20 Ta=
ge
folgendermassen getragen werden:

Die appartementmäßige Cavaliere, als
geheime Räthe, Kämmerer, und der äus=
sere
Hofstaat, wie auch Ordensritter ꝛc.
erscheinen die ersten 12. Tage in schwarztü=
chenen
Kleidern, mit seidenen Knöpfen,
und seidenem Unterfutter, Manschetten von
Batist mit einem schmahlen Saum mit
schwarz angelaufenen Degen und Schnallen;
die letzte⟨rn⟩ 8 Tage in voriger Kleidung, mit
Manschetten von Spitzen oder Entoilage,
mit gefarbten Degen und Schnallen, auch

[2]

mit ächtem Schmuck, und nach Belieben,
mit weissen Strümpfen, auch weissen mit
schwarz besetzten Vesten.

Die Damen erscheinen die ersten 12 Tage
in schwarzen glatten Grosdekour mit Kopf=
und Garniturenaufputz von weisser Gaze
d'Jtalie, ferner mit schwarzem Schmuck,
weiß= und schwarzen Fächern und Schu=
hen
; die letztern 8 Tage in voriger Klei=
dung
, mit Kopf= und Garniturenaufputz
von Spitzen, Blondes oder Entoilage, oh=
ne
Franzen, mit weissen Fächern, Schu=
hen
, und mit ächtem Schmucke.

Auch wurde den 5. Febr. Abends um halb
6 Uhr die Vigil und heute Morgens um
halb 11 das Seelenamt für weil. Se. al=
lerchristl
. Maj. in der Hofburgpfarrkirche
gehalten. JJ. MM. nebst JJ. KK. HH.
mit dem ganzen Hofsta⟨a⟩te und einem zahl=
reichen
Adel, haben dieser Trauer=Andacht
beygewohnet.

Gestern und heute war auch das Natio=
nal
=Hoftheater geschlossen, und die heuti=
ge
Redoute ist auf morgen verlegt worden.

Se. K. K. Maj. haben an den obersten
Directorial=Minister nachstehendes Kabi=
netsschreiben
erlassen:

Lieber Graf Kollowrat! So ange=
messen
auch der Beytrag, welcher von so
vielen würdigen Staatsgliedern geleistet
wird, den Umständen ist, in welchen der
Staat sich befindet, so ist Mir doch der
Gedanke noch weit willkommener, daß die
persönliche Liebe Meiner Unterthanen für
Mich der Hauptbeweggrund dieser freyen
Gaben ist. Diese Liebe Meiner Untertha=
nen
ist Mein Stolz, eine Glückseligkeit,
nach der Jch durch Meine ganze Lebenszeit
trachten werde, und für welche Jch so aus=
schliessend
eingenommen bin, daß Jch auch
die größten Gaben für nichts achten wür=
de
, wenn sie nicht aus diesem Beweggrun=
de
, wenn sie nicht mit ganzer Freyheit dar=
gereichet
würden. Der Magistrat der Stadt
Wien hat (Jch will es gerne glauben,) aus
übertriebenem Eifer sich zwischen Mir, und
Meinen Unterthanen zum Mittler eigenmäch=
tig
aufgeworfen, da er die Haus=Eigen=

thümer hat vorladen lassen, und sie zu ein=
ner
Gabe, sammt ihren Einwohnern, sogar
mit Bestimmung eines Termins, hat bere=
den
wollen. Jch will ihm darüber keinen
Vorwurf machen, aber Jch kann, und will
nicht dulden, daß man jemanden berede,
über seine Kräfte zu geben. Jch kann nicht
zulassen, daß man eine Art von Zwang,
sie mag auch noch so gelinde seyn, anwen=
de
, und dadurch Mir die Herzensfreude,
Mich von Meinen Unterthanen freymüthig
geliebt zu wissen, und Meinen Unterthanen
das Vergnügen, aus vollkommen freyen
Willen, für das allgemeine Wohl etwas
beyzutragen, benehme. Sie werden also
den Magistrat anweisen, dieses Unterneh=
men
gänzlich fallen zu lassen, und es jeder=
mann
anheim zu stellen, ob er sich vermö=
gend
genug befinde, etwas beyzutragen.
Da Jch selbst den Schein eines Zwanges
von allen diesen Gaben durchaus entfernet
wissen will, so wird auch der Magistrat,
wenn etwann jemand durch seine Einladung
bewogen, schon etwas beygetragen hätte,
oder noch beytragen sollte, dasselbe dem Ge=
ber
mit dem Bedeuten zurück stellen: daß
es ihm frey stehe, das Beygetragene wie=
der
zurück zu nehmen, oder dasselbe persön=
lich
Mir zu behändigen.

An freywilligen Beyträgen haben Sr.
Maj. neuerdings unterthänigst dargebothen⟨:
Ein Ungenannter 106 Guld. 40 Kr.; die
Graf Franz Colloredoischen Haus=Offi=
ziere
121 G. 30 Kr.; der Freyherr v. Du
Beine, gewesener Staats=Referendar, 225
Guld.; die deutschen Schauspieler, 1000;
der bürgl. Handelsstand von Wien, 16000;
ein Ungenannter, 4500; Epherin Fischel,
Handelsjude aus Prag, 150; die Alster
und Währinger Vorstadt, 1899; die Ge=
meinden
von Neudorf und Biedermänn=
storf
, 1249 G. 30. Kr.; ein Ungenannter
50 G.; die bürgerl. Glaser und Glashänd=
ler
592 G. 22 Kr.; die bürgerl. Strumpf=
wirker
=Meister, 1125 Guld.; die bürgerl.
Wachs=Händler, 378; die Gesellen der
bürgl. Kleidermacher, 450; die bürgl. Pfäd=
le⟨r⟩
, 162; eine Ungenannte, 450; 〈…〉 He=

[3]

denstreit, 2500; die bürgl. Drechslermei=
ster
, 900; Friedrich Kolleder, Hauseigen=
thümer
, 225; Jakob Leithner, tolerirter
Jude 50; die Frida⟨u⟩er Zitz⟨k⟩otton=Fa=
brik
, 1500; Jnaz, Freyherr v. Stern=
bach
, Gubernialrath, 400; die Gemein=
de
zu Si⟨e⟩mering, 430 Gud.; Johann
Andre Mar〈…〉g, Eigenthümer von Breiten=
furth
, 50 Centner Heu; die Wollhand=
lungs
=Gesellschaft auf der Landstrasse Nr.
309, 150 G.; Franz v. Sch⟨ön⟩feld, De=
chant
zu Reichstadt, 400 Guld., und ein
Pferd; das Haus Nr.449, 60 G.; die
bürgl. Binder=Meister, 310 G. 30 Kr.;
die Gemeinde bes. Marktes Brunn, 400 G.
30 Kr.; zehn von den ⟨1⟩1 bürgl. Kaffeesie=
dern
, welche mit Kammergütern versehen
sind, 338 G. 30 Kr.; Jgnaz P⟨izz⟩ala,
Tabacks=Trafikant, 54. Gulden.

Se. K. K. Maj. erkennen in diesen dem
Staate gebrachten Geschenken die Liebe der
Geber für das gemeine Beßte, und haben
dem Direktorium aufgetragen, demselben
höchstdero Dank zu bezeigen.

Die Stände von Steyermark haben Sr.
K. K. Maj. durch den Grafen Ferdinand
v.Attems, ebenfalls als ein freywilliges
Geschenk, zum Schutze der allgemeinen Ru=
he
, die Summe von 100,000 Guld. un=
terhänigst
darbringen lassen. Se. Maj.
haben den Ständen dafür durch ein gnädi=
ges
Handschreiben unmittelbar gedankt, und
zugleich durch ein Directorial=Hofdekret
allerhöchstdero Wohlgefallen bezeiget.

Nebst dem haben Johann Bucko von
Hirschfeld, K. K. Rath und Jnnerösterr.
Tabackgefälls= wie auch Siegelamts=Ad=
ministrator
, 142 Guld 30 Kr., und Jo=
seph
. Franz Klingner, Gerichts=Advokat
und Gräfl. Clam=Gallaßischer Justiz=Ver=
walter
zu Reichenberg, 100 Guld. zu eben
der patriotischen Bestimmung eingesendet.
Se. K. K. Maj. haben den Jhnen von
den hiesigen Zinngiessergesellen als ein frey=
williges
Geschenk allerunterthänigst über=
brachten
Willkommsbecher, zum besondern
Beweise allerhöchst Jhrer Zufriedenheit, an
die Hofschatzkammer gesandt, und dabey

an den Schatzmeister, Hofrath v. Deldo=
no
, folgendes Handschreiben erlassen:

Lieber Hofrath v. Deldono! Von der
Liebe meiner Unterthanen für Mich, von
ihrer gutgesinnten Denkungsart und jhrem
vorfreflichen Herzen kann Jch der Welt kein
sprecherendes, und zu ihrem Ruhm und
Meiner Erkenntlichkeit überzeugenderes Ken=
zeichen
vorlegen, als wenn Jch etwas von
demjenigen, was sie Mir zur Bestreitung
der Kriegskosten, so von ganzen Herzen dar=
biethen
, zum ewigen Andenken dieser inni=
gen
Verbindung zwischen dem Regenten
und seinen Unterthanen, aufzubewahren be=
sorgt
bin. Sie werden also den hier fol=
genden
silbernen Becher, welchen Mir die
hiesigen Zinngiessergesellen als ein freywil=
liges
Darlehen überreicht haben, in Mei=
ner
Schatzkammer zu ewigen Zeiten aufbe=
wahren
, damit auch Unsere Nachfolger und
jeder Fremde sich das Glück an das Herz
legen, welches ein Monarch genießt, der von
seinen Unterthanen so geliebt wird, daß auch
die weniger vermöglichen keinen Anstand
nehmen, zur Erhaltung der Ruhe in seinen
Staaten, und einer glücklichen Regierung,
das Kostbarste, was sie besitzen, aufzuopfern.
Wien den 21. Jänner 1793.

(Unterzeichnet:) Franz.

Se. K. K. Majestät haben den Joseph
S⟨c⟩olla, K. K. Haupt= Tabak= und Sie=
gelverleger
in der Stadt Teschen im Erb=
herzogthume
Schlesien, in Rücksicht auf
die von demselben dem allerhöchsten Aera=
rio
bey verschiedenen Gelegenheiten verschaf=
ten
Vortheile, und ausgezeichneten Verdien=
ste
, in den Adelstand mit dem Ehrenwort:
v. Seelandi, allergnädigst zu erheben ge=
ruhet
.

Jngleichen haben Se. Maj. dem Georg
Friedrich Erdmann Klette, in allergnädig=
ster
Erwägung seiner persönlichen Eigen=
schaften
und Verdienste, wie auch in der
Rucksicht, daß er das im Fürsterthume
Teschen liegende Rittergut Gr⟨o⟩dischtz
käuflich an sich gebracht hat, sammt seinen
eheligen Leibeserben männ= und weiblichen
Geschlechts⟨, den Adelstand⟨, mit dem Eh=

[4]

renworte: v. Klettenhof, gnädigst zu ver=
leihen
geruhet.

Se. Maj. haben den bey der K. K. ober=
sten
Theatral=Hofdirektion angestellt gewe=
senen
Direktionsrath, Franz Gotthardi,
auf sein bittliches Ansuchen, zur Pflegung
seiner Gesundheit, mit seinem ganz⟨e⟩n Ge=
halte
in den Ruhestand versetzt, und haben
ihm zum Merkmahle der allerhöchsten Zu=
⟨f⟩riedenheit
über seine geleisteten Dienste, den
Titel eines K. K. N. Oest. Regierungs=
raths
ertheilet.

Kriegsbegebenheiten.

Vermöge eins aus dem Hautquartiere
zu Trier, von dem F. Z. M. Fürsten v.
Hohenlohe, eingelangten Berichts vom
27. Jänner, hat der zur Beobachtung der
nach St. Veit gekommenen feindlichen De=
taschemente
, mit einer Abtheilung von Ka=
vallerie
und Jnfanterie nach Thom be=
orderte
Hussaren=Major Stephaics, von
Emerich Esterhazy, von dem gegen unsere
Quartiere patrouillirenden Französis. Dra=
gonern
5 Kriegsgefangene eingebracht. Als
hierauf der Feind aus Stablo und Mal=
medy
, in der Stärke von 600 Mann,
sich zusammenzog, und am 25. Jänner ge=
gen
Neundorf auf den Major Stephaics,
in zwey Kolonnen anrückte, ging dieser
mit seinen Hussaren dem Feinde entgegen,
hieb auf der Stelle, nebst einem Offiziere,
12 Dragoner zusammen, nahm 3 beritte=
ne
Dragoner, 1 Ober= 1 Unterlieutenant,
2 Feldwäbel mit 35 Jnfanteristen gefan=
gen
, und sprengte das feindliche Korps
gänzlich in die Flucht. Unser Verlust be=
stehet
in 1 todten Mann, und 3 Pferden;
an Verwundeten in 3 Mann, und 2 Pfer=
den
.

Jn der Zeitung Nr. 10 S. 289 soll es anstatt
die drey Pfarren ꝛc. heissen: die Pfarre Ga⟨i⟩n=
fahrn
, mit ihren Filialen Vößlau und Gros=
⟨sau⟩
. Und eben allda S. 200. Zeil 24 soll es
anstatt Kupferschmid=Meister, heissen, Ku=
pferschmid
=Gesellen, Jnländer und Auslän=
der
.

Ausländische Begebenheiten

Jtalien.

Aus Livorno schreibt man unter dem
23. Jänner. Diesen Abend wird die vor
einigen Tagen in dem hiesigen Hafen ein=
gelaufene
Französische Polacre, nachdem
sie ganz ausgebessert worden ist, wieder
von hier absegeln. Sie hat einen gross⟨en⟩
Vorrath von Schießpulver angekauft, u⟨nd⟩
geht nun zur Französischen in unseren Mee=
ren
be⟨f⟩indlichen Flotte ab. Die Nachrich=
⟨t⟩en
, welche man diesen Morgen aus Sar=
dinien
erhalten hat, melden, daß besag=
te
Französische Flotte, nachdem sie zwey
Mahl durch Stürme zerstreut worden ist,
sich neuerdings, mehr als 40 Segel stark,
ohne die zahlreichen Transportschiffe mitzu=
rechnen
, vereiniget hat, im Angesichte von
Cagliari (der Haupstadt von Sardinien)
erschienen ist, und nun diesen Hafen seit
den 31. Dez. gleichsam blokiret hält. Jn=
zwischen
soll sich diese Flotte der kleinen
Jnsel S. Pietro, und des darauf befind=
lichen
Schlosses Carlo Forte, welches
vorher von der Sardinischen Besatzung war
geräumet worden, wie auch der kleinen Jn=
sel
della Maddalena bemächtiget haben.

Briefe aus Rom vom 19. Jänner mel=
den
, daß daselbst wieder vollkommene Stil=
le
herrsche. Diese noch mehr zu sichern,
hat die päpst⟨li⟩che Regierung an die Pro=
vinzen
des Kirchenstaates den Befehl er=
lassen
, noch 3000 Mann zum Militar=
dienste
auszuheben, welche ohne Verzug
in Rom eintreffen sollen. Während des
jüngsthin erwähnten Tumults haben sich
mehrere Personen, und insbesondre einige
Geistliche sehr eifrig zur Stillung der Volks=
wuth
und zur Herstellung der Ruhe ver=
wendet
. Jhre Vorstellungen waren von
der glücklichen Wirkung, daß nur einige
Personen an den begangenen Ausschwei=
fungen
Theil nahmen. Der Papst ließ am
16. Jänner eine Kundmachung ergehen,
in welcher es heißt: Se. Päpstl. Heilig.
wären über die Ergebenheit des Römi=
schen
Volkes, und dessen Liebe, welche es

[5]

in den verflossenen Tagen geäussert hätte,
ausnehmend gerühret; gleichwohl sey es Sr.
Heil. nahe gegangen, daß, anstatt diese Ge=
sinnungen
durch ordentiche Handlungen zu
bestätigen, das Volk sich zu Ausschwei=
fungen
habe verleiten lassen, welche nicht
nur die öffentliche Ruhe störten; sondern
auch für eine Nation schimpflich wären,
die sich rühmen sollte, mehr als andere in
den Grundsätzen unterrichtet worden zu
seyn, welche Friede, Nachgiebigkeit und
Nächstenliebe zum Gesetze machen. Se.
Heil. hätten schon alle Mittel der Vorsicht
ergriffen, um die Ruhe des Staates und
die Sicherheit der Unterthanen herzustellen
und zu erhalten; Sie befehlen also allen
Unterthanen dabey mitzuwirken, sich alles
Geräusches und Auflaufes, wie auch aller
Zusammenrottungen, Vergreifungen und
Beleidigungen zu enthalten, und sich nur
die getreue Befolgung der Gesetze angelegen
seyn zu lassen.

Zugleich ist ein neues päpstliches Edict
wegen der Juden erschienen. Es wird ih=
nen
darin auf das schärfeste befohlen, sich
an keinem Orte öffentlich zu zeigen, ohne den
vorgeschriebenen gefärbten Fleck auf dem
Aermel zu tragen, nirgend anders als in
der Judenstadt zu wohnen, nach der Abend=
stunde
sich nicht ausser derselben sehen zu
lassen u. s. w.

Der Papst hat über die Vorfälle zu
Rom, am 12. und 14. Jänner, einen
umständlichen Bericht drucken lassen, wel=
cher
genau mit demjenigen zusammentrift,
der jüngsthin ist mitgetheilet worden. Der=
selbe
enthält auch sowohl das Memoire,
welches der Staatssekretar, Cardinal Ze=
lada
, dem Französischen Consul zu Rom
zugestellet hat, da derselbe die Erlaubniß
zur Aufstellung des neuen Französischen
Wappens ansuchte als die darauf erfolg=
te
beidigende Antwort des Französischen
Ministers in Neapel, welche der eigent=
liche
Anlaß zu dem bey dem Römischen
Volke ausgebrochenen Unwillen war.

Das erstgedachte Memoire ist vom 8.
Jänner, und lautet also:

Wenn man, nachdem in Rom das
Königl. Französische Wappen von dem Ge=
bäude
der Französischen Akademie und der
Wohnung des Hrn. Consuls abgenommen
worden ist, dafür das Wappen der soge=
nannten
Französischen Republik aufstellen
will, so darf wohl niemand glauben, daß
Se. Heil. dazu einwilligen und es geneh=
migen
werden.

So sehr Se. Heil. unwandelbar in den
friedlichen Gesinnungen, die Sie bisher in
mehreren Anlässen gegen die Französische
Nation gezeiget haben, verbleiben, und
stäts die Mäßigung, welche Jhrer apostoli=
schen
Würde angemessen ist, zu äussern sich
vorgenommen haben, eben so sehr glauben
Se. Heil. zum voraus erkennen geben zu
müssen, daß Sie der im Antrage stehenden
Aufstellung des Wappens besagter Repu=
blik
nie beystimmen werden. Sie finden sich
dazu durch den Zusammenfluß ganz beson=
derer
Umstände bewogen, welche theils geist=
liche
, theils weltliche Betrachtungen zum
Grunde haben.

Se. Heil. sind der allgemeine Hirt der
katholischen Kirche, und als solcher müssen
Sie für den Schutz derselben eifrig sor=
gen
, und dürfen darüber weder Gleich=
gültigkeit
noch Stillschweigen sich erlauben.
Jn den allgemein bekannten Breven, welche
Se. Heil. im abgewichenen Jahre erlassen
haben, sind die schweren Wunden gezeiget,
welche der katholischen Religion durch die
Französische Nation sind zugefüget worden,
und daher haben auch Se. Heil. nichts un=
terlassen
, um durch Unterricht, wiederhohlte
Ermahnungen und Aufforderungen zur Ei=
nigkeit
mit der Kirche, einen ruhmwürdigen
und wohlverdienten Theil derselben zurück
zu führen; aber dieses alles hat die ge=
wünschte
Wirkung nicht hervorgebracht,
sondern die heutigen Franzosen fähren fort
sich in der Trennung von dem Haupte der
Kirche zu erhalten. Daher, wenn Se.
Heil. die Aufstellung des Wappenbilds der
Republik bewilligten oder nur zuliessen, je=
dermann
die Folge daraus ziehen müßte,
der heil. Vater sey von den Gesinnungen

[6]

abgewichen, die zu erkennen zu geben seine
unausweichliche Pflicht war.

Aber Se. Heil. sind auch zeitlicher Sou=
vrain
, und üben durch ihre Weigerung nur
das Völkerrecht aus, vermöge dessen eine
Macht welche die Souvrainität einer an=
dern
verletzt, kein Recht hat eine Handlung
zu verlangen, wodurch sie anerkannt wür=
de
, bevor sie für die erwiesenen Beleidi=
gungen
Genugthuung geleistet hat.

Se. Heil. können nicht vergessen, daß
Jhr Ebenbild zu Paris schändlich ist ver=
brannt
worden, und das Jhr Nuntius,
so sehr er sich deswegen beschweret hat,
keine Genugthuung erhalten konnte, und
sich daher genöthiget sah, Frankreich
ganz zu verlassen; Se. Heil. dürfen nicht
mit Stillschweigen übergehen, die gewalt=
same
Besitzungnehmung von Avignon und
der Grafschaft Venaißin, und derselben
Vereinigung mit Frankreich, da doch nach
Recht und Besitz dem apostolischen Sitze
die volle Oberherrschaft nicht streitig gemacht
werden kann; eben so wenig können Se.
Heil. übergehen, was im verflossenen Mo=
nath
August zu Marseille vorgegangen ist,
wo das päpstliche Wappen von dem Hause
des päpstl. Consuls abgenommen, an den
Lanternenstrick gehangen, dann in Stücke
zerschlagen und zum Spielwerke des rohe=
sten
Pöbels ward. Zwar unterließ der
Consul nicht, seine gerechten Beschwerden
der Municipalität vorzutragen, welche
auch versprach, die Schuldigen zur Stra=
fe
z⟨u⟩ ziehen, aber dieses ist unterblieben,
und es ist für die geschehene Beleidigung
keine Genugthuung erfolget. Die ganze
Sache ward damit abgethan, daß der
Gemeinde=Anwalt dem besagten Consul be=
deutete
: ‚was das Wappenbild des Con=
sulathauses
betreffe, so schienen ihm die
Umstände nicht günstig, dasselbe wieder
aufzustellen, weder ausserhalb noch inner=
halb
der Consulat=Wohnung.

Jedermann weiß, daß die Rechte der
öffentlichen Ehren, dergleichen die Ausstel=
lung
des Wappens ist, gegenseitig seyn
müssen. Die Franzosen waren in diesem

Falle die ersten, welche dieses Recht auf ei=
ne
entehrende Art verletzten: sie könn⟨en⟩
daher mit Grunde nicht verlangen, daß
in Rom das Wappen der Republik öf=
fentlich
ausgestellet werde, zu eben der
Zeit, da in Frankreich das Wappen des
Papstes mit unglaublicher Schmach ist ab=
genommen
worden.

Nebst dem ist auch auf das Haus des
päpstlichen Nuntius selbst keine Rücksicht
genommen, ist am abgewichenen Dezember
unvermuthet des Consuls Wohnung unt⟨er⟩=
sucht
, sind dessen Schränke eröffnet, und
ist alles auf das kleinste von zwey Ma=
gistratspersonen
durchspüret worden, ohne
daß sich das mindeste vorgefunden hätte,
was den Vorwand zu irgendeinerSchuld
hätte geben können.

Ein neues Unrecht ist Sr. Heil. bey
dem Anlasse zugefüget worden, daSie
sorgfältig, auf das erste Ansuchen des
Hrn. Mak⟨au⟩, die zwey Franzosen, R⟨a=
ter
, Bildhauer, und Chinard, A⟨rchi⟩=
tecten
, in Freyheit setzen ließen, obschon
beyde des Vorhabens, die öffentliche
Ruhe stören zu wollen, höchst verdächtig
waren. Die Loslassung derselben, die schon
damahls bewirket war, wurde hierauf
durch den Minister der auswärtigen Ange=
legenheiten
in Frankreich, vermittelst eines
an Se. Heil. geschriebenen Briefs verlangt,
der in verleumderischen und ungebührlichen
Ausdrücken abgefaßt war, und dennoch
öffentlich bekannt gemacht wurde, damit
die Unbild noch mehr ausgezeichnet sey.

Die angezeigten Beschwerden und Krän=
kungen
müssen in den Augen eines jeden
billigen Menschen eine hinreichende Ursach⟨e⟩
seyn, warum Se. Heil nicht einwilligen,
daß unter Jhren Augen das Wappen d⟨er⟩
Französischen Republik aufgestellt werde,
nachdem dieselbe in Frankreich das Wap=
pen
des Papstes nicht gelitten hat, und
Se. Heil. weder als allgemeinen Hirten
noch als Souverain erkennen will. Rom
den 8. Jänn. (Unterzeichnet:) Cardinal
Zelada, Staatssekretar.

Der Französische Consul, welchervon

[7]

dem Französischen Ministerium den aus=
drücklichen
Befehl erhalten hatte, wofern
die Aufstellung des neuen Wappens Wi=
derstand
fände, davon Bericht zu erstat=
ten
; hat wirklich am 9. mit diesem Me=
moire
einen Kurier nach Paris abgefertiget.

Um so unerwarteter mußte der Schritt
des Französischen Ministers in Neapel
seyn, welcher den Schiffsmajor La Flotte
als Kurier nach Rom sendete, und durch
ihn, in Gesellschaft des seit einiger Zeit
ohne öffentlichen Charakter Rom be=
findlichen
Hrn. Basville, am. 12. Jänn.
dem Kardinal=Staatssekretare nachstehen=
des
vermesene Schreiben überreichen ließ.

Monseigneur!

Jch habe Eu. Em. Beweise von meinen
friedfertigen Gesinnungen gegeben, und es
ist mir leid, daß Sie mich nöthigen, eine
andre Stimmung anzunehmen. Jm Nah=
men
der Französischen Republik und auf
meine Verantwortlichkeit, gebe ich dem
Französischen Consul den Befehl, binnen
2. Stunden den Wappenschild der Frey=
heit
aufzustellen. Wenn man es wagt,
sich zu widersetzen, und wenn ein Franzo=
se
beleidiget wird, so verspreche ich Jhnen
die Rache der Französischen Nation.

Jch halte allezeit mein Wort, Monsei=
gneur
, und das Vertrauen, womit mich
mein Vaterland beehret, wird von mir
stäts zu dessen Beßten und zu dessen Ehre
angewendet werden. Es kommt hier nicht
auf eine politische Sendung an; nachdem
man den Bürger Segür wohl sehr unbe=
dachtsamer
Weise nicht hat annehmen wol=
len
, ist die Französische Republik weit ent=
fernt
, deßwegen irgend einen Antrag zu
machen. Wir verlangen von keinem Sou=
vrain
die Anerkennung unserer neuen Re=
gierung
; wir haben unser Daseyn un=
serem
blossen Willen zu verdanken, die Ge=
rechtigkeit
allein schreibt uns Gesetze vor,
und wann Rom für uns das seyn wird,
was es seyn soll, so werden wir das gut
zu machen wissen, was Volksbewegungen
für den Souvrain von Rom Beleidigen=
des
hervorgebracht haben dürften. Der

Punkt der geistlichen Rechte, die wir eh=
ren
, was auch die Verleumdung dagegen
sagen mag, hat ganz keine Beziehung mit
der Nothwendigkeit, in der sich jeder Fran=
zösische
Consul befindet, das Wappen auf=
zustellen
, welches seine Regierung anzuneh=
men
für gut befunden hat.

Jch bin mit Hochachtung, Monseigneur,
von Eu. Em. der ergebenste, unterthänigste
Diener. Neapel, den. 10. Jänner, Ma=
kau
, Minister der Französischen Republik,
zu Neapel.

Die Ueberbringer dieses Schreibens setz=
ten
mündlich noch schmähendere Drohun=
gen
bey. Der Kardinal=Staatssekret⟨ar⟩
gab ihnen bloß die Antwort: er müsse
hierüber Sr. Heil. Bericht erstatten.

Jnzwischen verbreiteten diese Franzosen
und die Jhrigen selbst, den Jnhalt obiges
Schreibens, und ihre gemachten Drohun=
gen
, wodurch sie das getreue, und gegen
die gottlosen Neuerungen der Franzosen
lange schon erbitterte Römische Volkinei=
ne
Wuth setzten, welche endlich des Nach=
mittags
ausbrach, und wovon sie zum Theil
selbst das Opfer wurden.

Frankreich.

Sie ist vollbracht die schrecklichste der
Lasterthaten! Das geheiligte Haupt eines
schuldlosen, erhabenen und aller Verehrung
würdigen Königs, ist gefallen. Gottes=
vergessene
Unterthanen haben sich in dem
unschuldigen Blute ihres rechtmäßigen Sou=
verains
gebadet: nichts kann mehr dieses
Brandmahl von der Französischen Nation
verwischen; sie ist der Abscheu aller Völker,
aller tugendhaften Menschen geworden.

Diese ganze Verhandlung mit dem =
nige
ist mit einer Wuth und Grausamkeit
vollführet worden, die alle menschlichen Ge=
fühle
empöret, und nothwendig das Maß
der Erbitterung und des Abscheus voll ma=
chen
muß, wovon schon ganz Europa für
ein System durchdrungen ist, das alle La=
ster
ermuntert und alle Tugenden erstickt, das
alle Ordnung zerstöret, und alle bürgerliche
Glückseligkeit venichtet. Jn den Händen

[8]

von Menschen, die nach solchen Planen ar=
beiten
, und die daher für alles, was wahr
und gut ist, geblendet sind, wie hätte ein
gerechter, weiser und gütiger König, der
mit Eifer stäts das Gute gewollt und ge=
wirkt
, der sein Volk geliebt, geschätzt und
mit Wohlthaten überhäuft, die Religion
geehret, die Tugenden gelohnet, und die=
jenigen
, welche das Unglück und die Geis=
sel
des Volks sind, stäts als seine persön=
lichen
Feinde angesehen hat, wie konnte die=
ser
dem schrecklichen Schicksale entgehen,
das Opfer seiner erhabenen Gesinnungen da
zu werden, wo eine Horde von blutdür=
⟨sti⟩gen
, durch die wildesten Leidenschaften
⟨umh⟩ergetriebenen, gegen ihren Souvrain
empörten, und selbst unter dem drohenden
Ein⟨fl⟩usse des rohesten Pöbels stehenden Men=
schen
, sich zu dessen Richtern aufwarf?

Die einigermassen gemäßigtere Partey der
Nat. Konv. hatte verlangt, daß man we=
nigstens
die Vollstreckung des in der Sitzung
am 17. Jänner gesprochenen Todes=Urtheils
verschiebe, und hatte erhalten, daß über
diesen Verschub am 19. neuerdings gestimmt
wurde; aber derselbe ward durch 380 Stim=
men
gegen 310 verworfen, und demnach
wurde dem vollziehenden Rathe aufgetra=
gen
, am 20. von den Maßregeln Bericht
zu geben, die er zur Vollstreckung des Ur=
theils
, welche binnen 24 Stunden gesche=
hen
sollte, würde getroffen haben.

Am 20. kam der Justiz=Minister in die
Konvention, und berichtete, sämmtliche
Minister hätten sich zu dem Könige begeben,
und hätten ihm durch einen Sekretar, die
von der Nat. Konv. am 15., 16., 17.,
18 und 19. gefaßten Dekrete vorlegen las=
sen
; der König habe alles gelassen ange=
höret
und hierauf eine Schrift aus seiner
Brieftasche gezogen, und den Ministern
übergeben.

Die Konvention verlangte, daß diese
Schrift gelesen werde. Sie lautet also:

Jch verlange einen Aufschub von 3
Tagen, damit ich mich bereite, vor Gott
zu erscheinen Jch verlange mit den Per=
sonen
, die ich der Gemeinde anzeigen wer=

de, ohne Zeugen sprechen zu können.Jch
verlange von der beständigen Aufsicht wel=
che
die Gemeinde seit einigen Tagen bey
mir ausübt, befreit zu seyn. Jch verlan=
ge
mich mit meiner Familie frey und ohne
Zeugen unterhalten zu können. Jch verlan=
ge
, daß die Konvention sich mit dem Schick=
sale
meiner Familie beschäftigen wolle. Jch
verlange, daß diese sich hinbegeben könne,
wo sie es gut finden wird. Jch empfehle
der Nation die Personen, die mir ergeben
waren, und wovon mehrere für ihren
Unterhalt nichts anders, als eine mäßige
Pension haben, die ich ihnen gab⟨, so wie
jene Privatpersonen, die ihr ganzes Vermö=
gen
auf meine Person gesezt hatten. Die
Personen, die ich bey mir zu haben wün=
sche
, sind Herr Ed. Jobert oder He⟨rr⟩
Fermont.

(Unterschrieben:) Ludwig.

Die Konvention bevollmächtigte zwar den
Justiz=Minister dem Begehren Ludwigs
zu willfahren, und ihm zu erklären, da⟨ß⟩
die Nation für seine Familie sorgen würde,
allein nach dem Antrage des Bürgers ⟨La=
croix
, schritt sie wegen des verlangten
Aufschubs von 3 Tagen, einmüthigzur
Tagesordnung.

Jndessen wurden die Anstalten zu der
schrecklichen Hinrichtung gemacht, und sie
ist am 21. wirklich vor sich gegangen. Die
umständlichen Erzählungen, die man davon
hat, da sie bloß aus FranzösischenBlättern
herrühren, sind wohl schwerlichgetreu.
Der Haupsache nach, enthalten sie Fo⟨l=
gendes
:

Schon zwischen 7 und 8 UhrMorgens
war die ganze bewaffnete Machtunter dem
Gewehr, und alle Bataillone begaben sich
auf ihre Posten. Der König nahm⟨noch⟩
am 20. des Abends Speisen zu sichund
schlief die ganze Nacht ruhig, am 21. ⟨Mor=
gens
gegen 6 Uhr aber wachteer plötzlich
auf, sprang aus dem Bette und klei⟨dete⟩
sich an, ohne ein Wort zu reden.Seine
Kleidung bestand aus einemdunkelbraunen
Rock, weisser Weste, grauen Beinkleid⟨ern⟩

[9]

und weissen Strümpfen. Gegen 9 Uhr,
nach einem Abschiede von seiner Familie
(deren Schmerz sich nur denken, nicht be=
schreiben
läßt,) brachte man Se. Maj.,
ohne daß Sie etwas zu sich genommen hät=
ten
, in den Wagen, um nach dem Richt=
platz
zu fahren. Sein Beichtvater und ein
Offizier von der Gendarmerie fuhren mit
ihm. Auf dem Wege sprach er kein Wort,
sah nachdenkend, doch aber nicht niederge=
schlagen
aus und bethete mit Andacht.

Alles ging auf dem ganzen Wege stille
und ruhig vor sich, und nur bey dem
herausfahren aus dem Tempel, schrien
einige Stimmen: Gnade, Gnade! Ein
Viertel nach 10 Uhr langte er auf dem Re=
volutionsplatze
, ehedem Platz Ludwigs
XV. an. Das Blutgerüste war an dem
Fußgestelle, worauf noch vor 4 Mo=
nathen
die Statue seines Großvaters stand.
Hier blieb er noch einige Minuten in der
Kutsche, endlich stieg er mit seinem Beicht=
vater
aus, und bestieg herzhaft das Gerü=
ste
, wo die Guillotine (Köpfmaschine)
schon zubereitet war. Er ging bis an
den Rand mit erhabenem Haupte, warf
seine Blicke überall ruhig herum, wendete
sich dann an das Volk, und sagte mit
lauter Stimme: Franzosen ich sterbe un=
schuldig
. Von diesem Schaffote herunter,
in dem Augenblicke, da ich bereit bin vor
Gott zu erscheinen, sage ich euch diese
Wahrheit⟨! doch ich verzeihe meinen Fein=
den
, und wünsche das Frankreich —.
Hier wirbelten die Trommeln, damit die
Stimme des Königs, und die Stimmen
derjenigen, die Gnade riefen, erstickt wur=
den
. Die Exekution dauerte nicht 8 Sekun=
den
, und kaum war der Streich geschehen,
als sich ein (höllenmäßiges, vermuthlich
aber von des Königs Mördern bezahltes)
Geschrey erhob: Es lebe die Nation! Es
lebe die Republik! Der Henker nahm hier=
auf
das Haupt des gemordeten Königs,
und zeigte es dem Volke. Der Rumpf
ward in einem Korb gelegt, und nach der
Magdalenen=Kirche abgeführt.

So schimpflich, aber in den Augen der

gerechten Welt, vielmehr geehret als be=
schimpft
, starb Ludwig XVI, im 39.
Jahre seines Alters, nachdem er durch 18
Jahre regieret, immer sich groß, edel und
keinem Laster ergeben gezeigt, und unab=
läßig
an dem Wohl seines Volkes gear=
beitet
hatte, von dem er auch geehrt und
geliebt war, bis die unselige Revolution
ausbrach, und alle Bande der Sittlichkeit
und Treue zerriß.

Großbrittannien.

Auf das von Hrn. Chauvelin, im Nah=
men
des ausübenden Rathes von Frank=
reich
, unter dem 13. Jänner neuerdings
übergebene Memoire, ist ihm von dem
Staatssekretare, Lord Grenville, unter
dem 18. Jänner, nachstehende Antwort er=
theilet
worden.

Jch habe, mein Herr, mit der größten
Aufmerksamkeit die Schrift erwogen, die
Sie mir am 13. d. M. zugestellet haben.
Jch kann Jhnen nicht verhehlen, daß ich
darin nichts Genugthuendes finden konnte.
Die Erläuterungen, die es enthält, gehen
ungefähr auf eben die Punkte hinaus, die
ich schon umständlich beantwortet habe.
Die Erklärung, in die inneren Angelegen=
heiten
anderer Länder sich einmengen zu
wollen, wird darin wiederhohlet, und man
bemühet sich gar nicht die beleidigenden
Maßregeln, wovon ich in meinem Schrei=
ben
vom 31. Dezember gesprochen habe,
in Abrede zu stellen, oder gut zu machen,
vielmehr behält man sich das Recht bevor,
die Verträge zu brechen, und die Rechte
unserer Alliirten zu kränken, indem man
über diesen Gegenstand bloß eine täuschen=
de
Unterhandlung anträgt, die man eben
so wie die Räumung der Niederlande
durch die Französischen Truppen, auf den
unbestimmten Zeitpunkt, nicht nur des ge=
endigten
Krieges, sondern auch der Befesti=
gung
dessen, was man die Freyheit der Bel=
gier
nennt, hinaussetzt. Diesem fügt
man bey: daß wenn diese Erläuterungen
uns nicht zureichend schienen, wenn Sie
noch einmahl genöthiget wären die Spra=

[10]

che des Hochmuths zu hören, wenn die
Kriegsvorkehrungen in den Englischen =
fen
fortwährten, man sich, da man alle
Mittel den Frieden zu erhalten erschöpft
hät⟨t⟩e, zum Krieg anschicken würde.

Wäre mir diese Eröffnug, oder die=
jenige
, welche Sie in Beziehung auf den
Handlungs=Tractat übergeben haben, in
rechtmäßiger und offizieller Gestalt gemacht
worden, so hätte ich mich in der Nothwen=
digkeit
befunden darauf zu antworten, daß
⟨e⟩ine Drohung, den Krieg zu erklären, weil
England für dienlich erachtet, seinen Wehr=
stand
zu vergrössern, und eben so die Er=
klärung
, einen feyerlichen Tractat brechen
zu wollen, weil England für seine ei=
gene
Sicherheit Vorsichts=Maßregeln von
eben der Art annimmt, wie solche in Frank=
reich
bereits bestehen, für nichts anders als
neue Beleidigungen angesehen werden kön=
nen
, die, so lange sie beständen, die Wege
zu jeder Unterhandlung sperren müßten.

Aber in der Gestalt einer nichtoffiziel=
len
Mitheilung, däucht mich, sey es mir
noch erlaubt, Jhnen, nicht zwar mit Hoch=
muth
, aber auch ohne Umwege zu sagen,
daß man Jhre Erläuterungen nicht befriedi=
gend
findet und alle Gründe, welche un=
sere
Rüstungen veranlasset haben, noch be=
stehen
. Diese Gründe machte ich Jhnen,
in meinem Schreiben vom 31. Dezember
bekannt, wo ich deutlich die Bestimmun=
gen
ausgedrückt habe, welche allein zur
Aufrechthaltung des Friedens und der
Eintracht beytragen könnten. Jch se=
he
nicht, daß es zu einer Ausglei=
chung
nützlich seyn könne, noch länger mit
Jhnen, in dieser Form, einzelne Punkte
zu erörtern, worüber Jhnen unsere Gesin=
nungen
schon eröffnet worden sind. Hät=
ten
Sie jedoch, auch in dieser Form, mir
einige Erläuterungen zu geben, welche
alle Punkte, wovon ich in meinem Schrei=
ben
vom 31. Dez. Erwähnung gemacht
habe, und alle Umstände der gegenwärti=
gen
Lage, in Rücksicht auf England,
dessen Alliirte, und das allgemeine System
von Europa, in sich begriffe, so wollte ich

noch in dieselben einzugehen mich gerne her=
beylassen
. Jch glaube jedoch in Antwort auf
dasjenige, was Sie wegen unserer Kriegsrü=
stungen
sagen, Sie in den bestimmtesten
Ausdrücken verständigen zu müssen, man
werde hier unter gegenwärtigen Umständen,
auf allen Maßregeln beharren; die man
für zuträglich erachten wird, um sich in den
Stand zu setzen, die Sicherheit, Ruhe, und
Gerechtsame dieses Landes zu schüzen, die=
jenigen
unserer Alliirten zu bewahren und
solchen Planen des Ehrgeizes und der Ver=
grösserungssucht
Einhalt zu thun, die dem
übrigen Europa zu allen Zeiten gefährlich
wären, die es aber noch weit mehr werden, da
man ihre Ausführung durch die Verbr⟨eit⟩ung
von Grundsätzen, welche alle bürgeriche Ord=
nung
zerstören, zu befördern sucht. Jch
habe die Ehre ꝛc.

(Unterzeichnet) Grenville.

Dänemark.

Ein unter dem 28. Dezember aus der
General=Zollkammer erlassenes Königl.
Plakat, setzt zur Erleichterung für die
Handelnden und Seefahrenden fest, daß
vom Anfange des Jahres 1793 an, in
den Königreichen Dänemark und Nor=
wegen
, die Accise von Schiffen und Waa=
ren
, bey allen Zollstädten, von den Zoll=
bedienten
zugleich mit dem Zolle erhoben,
und daß dafür gar keine Schreibgebühren
bezahlt oder genommen werden sollen.

Aus Hoier bey Tondern ist folgende
traurige Nachricht eingegangen: Der
Deich in der Wieding Harde ist ganz
eingestürzt, und die dortige Gegend völlig
unter Wasser gesetzet worden; die Schleus=
senthüren
wurden zersprengt und das Was=
ser
drang auf das Feld ein. Die Schiffe,
welche in der Schleusse bey dem Deich la=
gen
, erlitten grossen Schaden; eines der=
selben
, mit Rosinen beladen, sank unter,
ein anderes wurde zertrümmert, und zwey
kamen auf den Deich zu stehen. Citronen,
Aepfelsina, Renetäpfel, trieben an einigen
Orten in Menge an das Land. Bey Sil⟨t⟩
sind viele Schiffe gestrandet, worunter ei=
nes
, welches mit 3000 Tonnen Waitzen

[11]

beladen war.

Das Patriotische Beyspiel, welches die
Vorsteher aller Gemeinen der Hauptstadt
und auch einiger anderen Städte in Däne=
mark
, nach und nach durch die sehr nütz=
liche
Einrichtung von Arbeitshäusern zur
Beschäftigung der Armuth gegeben haben,
muntert in allen Gegenden der Dänischen
Staaten zur rühmlichen Nachahmung auf.
Zu Friedrichshall in Norwegen hat der
Kaufmann Niels Anker zur Unterhaltung
der dasigen Armen ein Kapital von 8000
Thalern, und ausserdem einen Hof, der
2800 Thaler werth, und der zu einem
freywilligen Arbeitshause eingerichtet ist,
geschenkt. Dieses Haus ist durch die Zin=
sen
des Kapitals stäts mit den nöthigen
Spinnmaterialien an Hanf, Flachs, Hee=
de
u. s. w. versehen, und der großmüthige
Geber führt selbst die Aufsicht über diese
sehr nützliche, des allgemeinen Dankes wür=
dige
Anstalt.

Schweden.

Briefe aus Stockholm vom 8. Jänner
geben von einem neuen unruhigen Auftritte
Nachricht, der daselbst vorgegangen ist.

Jn der vergangenen Nacht, schreibt man,
gab es in einer der hiesigen Vorstädte, dem
Südermalm, eine Schlägerey zwischen 2
Bürgern und 2 Soldaten von der Gothi=
schen
Garde. Der Kapitain Freese kam
dazu, und wollte sie auseinander bringen,
ward aber von den Bürgern so übel behan=
delt
, daß er sich genöthiget sah, den De=
gen
zu ziehen, womit er einen von ihnen
verwundete. Jndem dieses vorging, zog
eine Patrouille vorbey. Diese rief er an,
und ließ die beyden Bürger in Verhaft se=
tzen
. Diesen Morgen wurde über sie Ver=
hör
gehalten, und es war nun alles ruhig.
Am Abend aber zwischen 7 und 8 Uhr ver=
sammelte
sich ein Haufen Leute auf den
Schloßhöfen, und verlangte den Herzog
zu sprechen. Die Leute wurden gefragt,
was sie wollten, und sie sagten: der Ka=
pitain
Freese sollte ebenfalls in Verhaft ge=
setzt
werden. Der Herzog schickte den Gene=
rallieutenant
, Grafen Schwerin, und ließ

dem Haufen sagen, das sey eine Sache,
die sie nichts angehe. Wem zu viel geschehen
sey, dem sollte Gerechtigkeit wiederfahren,
und sie sollten nach Hause gehen. Da sie
noch nicht gingen, so kam der Herzog
selbst herunter, und bedeutete ihnen,
wenn der Kapitain Freese schuldig wäre, so
würde er arretirt werden; sie möchten nun
aber nur nach Hause gehen. Einige leichte
Dragoner, mit einem Offizier, Nahmens
Wright an ihrer Spitze, waren aufge=
sessen
, um nöthigenfalls bey der Hand zu
seyn und Ordnung zu erhalten. Der Of=
fizier
brachte durch gutes Zureden und halb
im Scherz das versammelte Volk dahin,
daß es ruhig ward und aus einander ging.
Nun ward auf des Herzogs Befehl, der
Kapitain Freese arretirt, und man erwar=
tet
den Ausgang der Sache. Beym Ab=
gang
der Post ist wieder alles stille und
ruhig.

Unter dem 11. schrieb man aus Stock=
holm
: Die beyden Bürger, welche den
Auflauf des Volkes verursachet haben, sind
noch im Verhaft und die Untersuchung ih=
rer
Sache wird täglich fortgesetzt. Jndes=
sen
ist wegen des am 8. vorgefallenen Un=
wesens
, unter dem 10. eine Königl. Ver=
ordnung
erschienen, welche nicht nur alles
ungebührliche und ungewöhnliche Zusam=
menlaufen
auf den Strassen, Märkten und
öffentlichen Plätzen, sondern auch alle an=
dere
verdächtige und widerrechtliche Zusam=
menkünfte
, besonders die sogenannten Klubs,
wie auch alles Verbleiben in den Kellern
und Wirthshäusern nach 9 Uhr des Abends,
auf das ernsthafteste und schärfste verbie=
thet
. Dergleichen Auflaufe und Zusammen=
künfte
sollen, wenn gütliche Vorstellungen
nichts vermögen, sogleich, wo man sie an=
trifft
mit militarischer Macht aus ein=
ander
gerieben werden; die⟨j⟩enigen, welche
sich gegen dieses Verboth zu vergehen er=
dreisten
, sollen auf der Stelle festgenommen,
gerichtlich verfolgt, und als öffentliche Frie=
dens
= und Ruhestörer nach der Strenge der
Gesetze exemplarisch gestraft werden. Eine
Belohnung von 500 Rthlrn. wird demjenigen

[12]

versprochen, welcher den Frevler, der die ver=
brecherische
Dreistigkeit gehabt hat, in der
königl. Burg auf die Wache zu schießen,
wie auch die nicht weniger grossen Frevler,
welche die Befehlshaber und Offiziere auf
dem Schlosse verhöhnt und beleidiget ha=
ben
, entdecken wird. Dem Oberstatthalter
und der Polizey wird die genaueste Beob=
achtung
und Befolgung dieser königl. Ver=
ordnung
anbefohlen, so werden auch die Ein=
wohner
dieser Stadt gewarnet, bey einer
sich ereigenden Unruhe mit ihren Hausge=
nossen
und Gesinde sich ruhig in ihren ver=
schlossenen
Häusern zu halten.

Uebrigens sind alle möglichen Maßregeln
genommen, den Endzweck dieser Verord=
nung
zu erreichen. Die Patrouillen sind
vermehrt; die Garnison ist mit scharfen Pa=
tronen
versehen worden u. s. w.

Nach Briefen aus Stockholm vom 15.
Jänner, war die Stadt damahls ganz ru=
hig
. Der Herzog, schreibt man, hat heu=
te
eine Deputation, welche aus dem Gou=
verneur
, dem Vice=Gouverneur, den Bür=
germeistern
, den übrigen Magistratsgliedern
und den Aeltesten der Stadt bestand, erhal=
ten
, welche ihn von der Treue und unver=
änderten
Zuneigung der Einwohner von
Stockholm versicherte, und bezeugte, daß
keiner von ihnen an dem neulichen Aufstan=
de
Theil genommen habe. Auch hat zu=
gleich
die Deputation dem Herzog für die
Ernennung eines allgemein geschätzten und
geliebten und aus ihrer Klasse genommenen
Mannes, zum Vice=Gouverneur, ihren
Dank abgestattet.

Deutschland.

Die am jenseitigen Ufer der Roer po=
stirten
Französischen Truppen machen noch
immer von Zeit zu Zeit Versuche, über
den Fluß zu setzen, und die jenseitigen
K. K. Posten anzugreifen, werden aber
stäts mit Verlust zurückgeschlagen. Ein
neuer Vorfall dieser Art wird aus Drove
unter dem 23. Jänner folgendermassen be=
richtet
: Am 20. d. M. um 2 Uhr Nachts
brach eine Französische Abtheilung von 200
Mann zu Pferde und 300 zu Fuß aus der

Gegend von der Geyen gegen den Posten
Schlagstein auf, welchen die Oesterrei=
cher
mit 17 Gemeinen und einem Führer,
Nahmens Milacowich, besetzt hatten.
Diese wenige Mannschaft hielt den Feind
durch ganze 3 Viertelstunden auf, und
verwehrte ihm den Uebergang über die
Roer, bis die Macht der Franzosen sie
endlich zwang, sich zu der hier in Drove
unter den Befehlen des Oberlieutenantes
Mallinarich stehenden halben Kompagnie
von 87 Mann, zurückzuziehen. Sobald
dieser das Piket an sich gezogen hatte,
ging er beherzt auf die Franzosen los,
und trieb dieselben nicht nur mit einem
Verluste von 5 Todten, 6 Verwundeten
und 3 Gefangenen zurück über die Roer,
sondern auch aus dem jenseits dieses Flus=
ses
gelegenen Dorfe Ma⟨u⟩bach. Hierauf
ging der Herr Oberlieutenant wieder zurück,
um allda einen ferneren Angriff abzuwar=
ten
; da aber dieser nicht erfolgte, sondern
die Franzosen nicht mehr zum Vorschei⟨n⟩
kamen, so rückte er wieder hier ein. Seit=
dem
ist alles ruhig.

Aus Trier schreibt man unter dem
16. Jänner, daß mehrere tausend Mann
der Bournonvillischen Armee den General
Cüstine zu verstärken beordert, und zum
Theil schon im Saarbrückischen eingerü=
cket
seyn. Jn und um Trier aber, ist
es, seit den letzthin erfochtenen Siegen,
ganz ruhig. Die Stadt und alle Gegen=
den
umher sind sehr stark mit K. K. Mann=
schaft
von dem Korps d'Armee des Für=
sten
v. Hohenlohe besetzt, und alle Zu=
gänge
werden täglich mehr verschanzt.

Den 28. Jänner marschirte das K. K.
Jnfanterie=Regiment Preyß bey Regens=
burg
vorbey, und hielt in der einige
Stunden von dieser Stadt gelegenen Ge=
gend
Nachtquartier. Der Stab über=
nachtete
zu Stadt am Hof. An demsel=
ben
Tage traff eine Division des Chevaux=
leger
=Regiments Karaczai ein, welche
in Regensburg einquartirt wurde, und
am folgenden Morgen nebst gedachtem Jn=
fanterie
=Regimente den Marsch fortsetzte.

[13]

Wien.

Meteorologische Beobachtungen
auf der k. k. Sternwarte.

Vom 29. Jänner bis 5. Februar.



Barometerstand.


Täg 8 Uhr früh 3 U. nachm 10 U. abend
Den Z. L. 12 Th Z. L. 12 Th Z. L. 12 Th
29 28 4 6 28 3 4 28 3 11
30 3 10 3 2 3 4
31 3 8 4 1 4 6
1 4 8 4 1 4 1
2 5 0 5 9 5 11
3 5 5 5 3 5 3
4 5 1 4 0 3 2


Reaumur'scher Thermometerstand.


Grad Grad Grad
29 1 1/4 ober 0 2 ober 0 3 unter 0
30 2 1/2 4 4 ober 0
31 3 1/2 3 1/2 2
1 2 3 0
2 1 unter 0 0 1/3 unter 0 1 unter 0
3 2 0 1/2 1
4 1 1/2 0 1/2 0 1/2


Anzeige des Windes.


29 W. stark W. stark W. stark
30 W. mittelm. W. mittelm. W. schwach
31 W. mittelm.
1 N. O. still N. O. still N. O. still
2 N. schwach N. schwach N. schwach
3 S. schwach
4 S. schwach S. schwach W. schwach


Getreidepreis.

Zu Wien vom 28. Jäner bis 2. Februar.
Der Metzen Groschen.
Weitzen von 37 bis 51
Korn von 26 bis 28
Gersten von 23 bis 27
Haber von 17 bis 21
Zu Stockerau vom 28. Jäner.
Der Metzen Groschen.
Weitzen von 40 bis 50
Korn von 21 bis 24
Gersten von bis
Haber von 12 bis 16
Zu Fischamend vom 31. Jäner.
Der Metzen Groschen.
Weitzen von 44 bis 45
Korn von 21 his 24
Gersten von 19 bis 21
Haber von 14 bis 16

Nachricht.

Vermöge höchsten Hofdekrets vom 18. dies
haben Se. Majestät denjenigen Lieferanten,
die Viktualien zur k. k. Armee am Rhein zu
liefern sich anheischig machen, alle Essito- und
Transito-Gebühren in den Erblanden von
den dahin ausführenden Hülsenfrüchten, aller
Art Zugemüse, Kraupe, Sauerkraut, geräu=
cherten
Fleisch, Speck und Reis ganz nach=
zusehen
geruhet, doch haben sie sich bey den
Zollämtern mit Vorzeigung der von den Län=
derstellen
ihnen zu ertheilenden Pässe zu legi=
timiren
, um dieser Begünstigung theilhaftig zu
werden. Gegen diese Pässe werden nach Um=
ständen
bey den Zollämtern entweder gegen Vor=
merkung
der Gebühr, oder Depositirung des
Essito- und Transito-Betrags die Freypässe er=
theilet
werden, wo sodann sie Lieferanten sich
binnen drey Monaten bey den Zollämtern, über
welche die Viktualien ausgeführet werden, mit
Zeugenschaften der Generalkommandi, daß sie
ihre Feilschaften zu den k. k. Armeen rich=
tig
geliefert haben, auszuweisen haben wer=
den
, gegen welche Ausweisung hernach ent=
weder
die Vormerkung abgethan, oder die de=
positirten
Beträge werden zurückgestellet wer=
den
. Welche höchste Entschliessung zu jeder=
manns
Wissenschaft zu dem Ende bekannt ge=
macht
wird, damit sich die zu dergleichen Lie=
ferungen
herbeylassen wollende Parteyen we=
gen
Uiberkommung der dazu nöthigen Pässe
an die ni. öst. Landesregierung zu wenden
wissen mögen. Wien den 28. Jänner 1793.


Jm k. k. Nationalhoftheater

wurde Sonnabend den 2. dieses zum ersten=

[14]

mal aufgeführt: la Donna bizzarra. Ein
neues komisches Singspiel in zwey Aufzügen,
mit Musik vom Herrn Marcello von Capua.


A⟨uf⟩ Aschermittwoch den 13. Februar und
folgenden Freytag, und so alle Sonntag, Dien=
stag
⟨u⟩nd Freytag die ganze Fasten hindurch,
wird in der italienischen Nazionalkirche prä=
cise
um 11 Uhr die Predigt in italienischer
Sprache gehalten werden.


Verstorbene zu Wien.

Den 29 Jä⟨n⟩er. Jn der Stadt.

  • Hr. Ant. Oktavian Graf v. Ko⟨l⟩lalto, alt 75 J.
    am Hof N 235.
  • Dem Hrn. Franz Günther v. Sterneck, k. k. Re=
    gierungsrath
    , s. Fr Gemahl. Johanna, geb.
    Gußmann, alt 71 J. in d. Wipplingerst. Nr.287
  • Dem Hrn. Franz Fischer, Seidenzeugfabrik. s. K.
    Paul, alt 6 J. in d. Krugerstr. N. 1047.
  • Joh. Leonh. Berger, herrs. Kutscher, alt 49 J.
    in d. Wipplingerstr. N. 289.

Vor der Stadt.

  • Hrn. Math. Schupp, k. k. Sattlknecht, alt 67 J.
    auf d. Laimgr. N. 1.
  • Dem Hrn. Klemens Messerer, k. k. Hofmusik. s.
    Fr. Elis. alt 64 J. in s. H. auf d. Wind⟨m⟩. N. 8
  • Dem Hrn. Andre Reiner, bg. Schlossermeist. s.
    T. Barb. alt 23 J. am Spitalb. N. 64.
  • Dem Mich. Burgmann, Schlosser, s. W. The=
    resia
    , alt 65 J. in d. Währingerg N. 116.
  • Regina Hubert, Hausmeist. Wit. alt 76 J. zu
    Mariah. N. 134.
  • Leop. Treutler, Porzelainmaler, alt 55 J. am
    Thury N. 26.
  • Dem Berhard Buch, Schneid s Stief T. Rosal.
    Schurian, alt 16 J. am ob. Neustift N. 34.
  • Dem Joh. ⟨B⟩istel, Tischler, s. K. Rosina, alt 2 J.
    am Neubau N. 163.
  • Jgnaz Obermeyer, gew. bg. Schuhmach. alt 64
    J. zu St. Marx.
  • Wenzl Weinberger, Tagl. alt 46 J.
  • Anton Schmid, Schuhmach. alt 28 J.
  • Math. Moßer, Tischler, alt 37 J.
  • Jos. David, Friseur, alt 70 J.
  • Maria A. Kugler, Dienstm. alt 20 J.
  • Anna M. Simon, Dienstm. alt 20 J.
  • Anna Gunder, Dienstm alt 56 J. alle 7 im allg.
    Krankenh.
  • Summa 20 Personen, darunter 2 Kin.

Den 30. Jäner. Jn der Stadt.

  • Hr. Joh. Ant. Heim, k k. Hauptma⟨ut⟩hkassaoffiz.
    alt 35 J. am Salzgrieß N. 444.
  • Pat. Gerard Schmiedsberger, a. d. Cisterzienser
    Ord.n. Ho⟨f⟩meist. im h. Kreuzerhof, alt 46 J.
    alda in d. schön Laterng.
  • Pat. Sigebert Graf, a. d. Franziskanerord. alt
    41 J. in i. Klost. b St. Hieronimo.
  • Hr. Simon Fr. Dworzach, herrs. Hausverwalt.
    alt 79 J. in d. Augustinerg. N.1131.

Vor der Stadt.

  • Hr. Franz Mayr, jubil. k. k. Hofbankoliquitat.
    alt 93 J. in d. Leopoldst. N. 133.
  • Dem Georg Mächel, Weber, s. W. Marger. alt
    36 J. im Lichtent. N. 99.
  • Cath. Schittmayr, Musikuswit. alt 59 J. zu
    Mariah. N. 134
  • Dem Ferd. Kollinger, Landkramer, s. K. There=
    sia
    , alt 3 J. auf d. neu Wien N. 156.
  • Fr. Sophia v. Schreibersdorf, Majorswit. alt
    59 J. b. Elisabet.
  • Jos. Huba⟨t⟩sek, alt 24 J.
  • Dinitro Stephura, alt 33 J. bede Gem. i. Militsp.
  • Jos. Geißrigel. Kutscher, alt 41 J.
  • Joh. Geyer, Schuhmach. alt 40 J.
  • Fr. Maria A. Rutter, Kammedien. Fr. alt 47 J.
  • Georg Stangl, alt —. alle 4 im allg. Krankenh.
  • Summa 15. Personen, darunter 1. Kind.

Den 31. Jäner. Jn der Stadt.

  • Pat. Franz Weiß, Senior a. d. Predigerord. alt
    82 J. in i. Klost. am Dominikänerpl.
  • Peter Ma⟨d⟩el〈…〉eter, herrs. Bedient. alt 53 J. in
    d. Dorotheg. N. 1144.
  • Jos Schultes, Friseur, alt 24 J. in d. Strauchg.
    N. 206.

Vor der Stadt.

  • Sophia Wester⟨h⟩am, schutzb. Schwerd⟨s⟩eg. Wit.
    alt 23 J. in d Neuschotteng. N. 83.
  • Anna M. Steringer, Hauerswit. alt 80 J. auf
    d. Landstr. N. 345.
  • Dem Hrn. Sebast Resch, bg. Tischlermeist. s. K.
    Jgnaz, alt 4 J. in d. Leopoldst. N. 230.
  • Hr. Andre Kraack, bg. Webermeist. alt 53 J. in
    s. H. am Himnmelpfortgr. N. 22.
  • Dem Hrn Leop. Beyer, priv. Seidenzeugfabrik.
    s Fr. Maria A. alt 31 J. auf d. Wied. N. 63.
  • Dem Hrn Joh. A⟨lt⟩enberger, bg. Tandler, s Fr.
    Franziska, alt 63 J. auf d. Laimgr. N. 14.
  • Anton Fritz, Polizeyschreib. alt 61 J. zu Mariah.
    N. 121.
  • Dem Hrn. Jgnaz Rosenberg, Soliziator, s K.
    Franziska, alt 2 J. auf d. Landstr. N. 323.
  • Dem Joh. Jelge, Kutscher, s. K. Joh. alt 2 J.
    auf d. neu Wien N 157.
  • Dem Joh. Seidl, Roßwarter, s. K. Susanna, alt
    1 J. auf d. Windmühl N. 8.
  • Dem Joh. Eisen, Küchergartn. s. K. Theresia,
    alt 1 J. zu Erdberg N. 282.
[15]
  • Hr. Joh. Stadlbaur, k. k Kammeralhauptbuch=
    halt
    . Raitoffiz alt 53 J b. Barmh.
  • Sebast. Spitzer, Gem. alt 59 J. im Jnvalidenh.
  • Joh. Cze⟨sch⟩ka, alt 50 J.
  • Jasko Chapko, alt 23 J. bede Gem. im Militärsp.
  • Gregor Bachlitsch, Weber, alt 54 J.
  • Mich. Riß, Schlosser, alt 20 J.
  • Ludwig Nöbel, P⟨frün⟩dl alt 91 J.
  • Sebast. Ton⟨ha⟩user, Lehnkutscherkn. alt 36 J.
  • Barb. Schönbach, Dienstm alt 20 J.
  • Theresia Wilhelm, Hauersw. alt 42 J.
  • Joh. Maurer, Chyrurg. alt 25 J.
  • Fr. Regina Auerbacher, bgl. Schuhmach. Wit.
    alt 80 J. alle 8 im allg. Krankenh.
  • Summa 26 Personen, darunter 5. Kind.

Nachricht.

Von der k. k. ni. öst. Regierung wird der
höchsten Entschliessung vom 2. Jänner 1789
g⟨em⟩äß hiemit kund gemacht, daß all jene,
welche sich in der Folge um eine ordentliche
besoldete Bürgermeister= oder Rathmannsstelle
bey einem Magistrate auf dem Lande in Con=
currenz
setzen wollen, sich längstens bis Ende
Hornung d. J. bey dieser Landesstelle zur
Prüfung zu melden haben. Wien den 25.
Jänner 1793.


Prodigalitätserklärung.

Nachdem Kaiserl. Mayst. auf Allerunter=
thänigstes
Ansuchen Dero Kaiserlichen Reichs=
hofraths
=Agenten, Christian v. Klerf, sich
allergerechtest bewogen gefunden haben, dessen
Sohn, Acha⟨tz⟩ v. Klerf, unter heutigem Da-
to
, pro prodigo zu erklären, und denselben
der Curatel gedacht=seines Vaters zu überlas=
sen
; so wird solches auf Allerhöchst Dero Be=
fehl
zu jedermanns Warnung hiemit öffentlich
bekannt gemacht.

Ex consilio Imper. Aulico.

Wien den 25. Januar 1793.

Johann Niklas von Schwabenhausen.


Verlohrner Ring.

Den 23. Jänner Abends ist auf der Sai=
lerstadt
, oder in der Franziskanergasse, ein
brillantener Rosenring, der mit 10 kleinen Bril=
lanten
karmoisirt ist, welche 2 Karat, und
dessen Mittelstein 1 7/8 Karat wägen, verloren
worden. Wer selben gefunden hat, wird er=
sucht
ihn gegen eine gute Belohnung in die
Bischofsgasse Nr. 624 im 3ten Stock zu über=
bringen
.


Es sind alltäglich auf nachstehende Beding=
niß
800 fl. zu haben.

Ein Mann, seines Alters von 54 Jahren und

3 Monate, ist gesinnet 800 fl. gegen jährliche
15 pro Cento auf Leibrenten, das ist auf Ab=
sterben
des Geldgebers hindanzugeben, mit
dieser Bedingniß, daß obgedachte 800 fl. mit
dem ersten Haussatze versichert werden sollen; die
nähere Auskunft hievon kann man täglich bey
dem Hrn. Georg Schultheis, Sollicitator,
wohnhaft auf dem Spitalberg in der breiten
Gasse Nr. 20 im 2ten Stock erfahren.


Verschiedene Kapitalien.

Eines von 10000 fl. und eines von 6000 fl.
werden auf Häuser in der Stadt, gegen 5
Prozent Jnteressen, dann zwey Posten jede
von 2000 fl. auf Häuser in der Vorstadt,
und verschiedene grosse Posten auf Herrschaf=
ten
ausgeliehen. Die Herren Hausbesi⟨t⟩zer,
welche ein oder anderes aufnehmen wol=
len
, belieben sich selbst im goldenen Kreuz bey
dem rothen Thurm Nr. 676 auf der hintern
Stiege im 3ten Stock täglich von 9 bis 11
Uhr, nachmittag von 2 bis 4 Uhr zu melden.


Nachricht.

Ein Frauenzimmer ledigen Standes, katho=
lisch
, 25 Jahr alt, welche deutsch und fran=
zösisch
spricht, gut Damen frisiren kann; kurz
alles was eine Kammerjungfer nöthig hat zu
wissen, besitzt, hat schon gedient, ist mit gu=
ten
Zeugnissen ihres Wohlverhaltens versehen,
so wie auch mit ächten Anempfehlungen; sie
wünschet in einem ihren Eigenschaften ange=
messenen
Dienst, wenn es auch in einer Pro=
vinzialstadt
, oder auch auf dem Lande wäre,
bey einer Herrschaft eintretten zu können. Man
kann in der untern Bäckenstrasse Nr. 765 im
2ten Stock mehrere Auskunft erhalten.


Bekanntmachung.

Von Seite der k. k. octroyrten> Komerzial=
Leih= und Wechselbank in Wien wird hiemit
bekannt gemacht, daß obbesagte privil. Bank
die den A⟨kz⟩ionairen stipulirten jährl. 4 pr. Ct.
Jnteressen, samt der, nach bereits zu Stande
gebrachten volständigen Abschluß, ausgefalle=
ne
Dividende von 2 pr. Ct. auf die erlegte
Raten für das verflossene 1792ste Jahr in die=
sem
Monat auszahlen werde. Wien den 4.
Februar 1793.

Pr. k. k. octroyrte Kommerzial=
Leih= und Wechselbank.


Jnteressante Ankündigung

aus dem am Kohlmarkte Nr. 167 im ersten
Stocke, ober dem bekannten Millanischen
grossen Kaffeehause, befindlichen Kunst=
Kabinet.

Herr Müller hat seit 4 Jahren in seinem

[16]

Kunst=Kabinet manche interessante Abbildung
aufgestellet, welche sowohl von der hohen
Noblesse, als auch von einem verehrungswür=
digen
Publikum, mit dem gütigsten Beyfalle
aufgenommen wurden, weil die Abbildungen
alle denen Originalen bis zur Täuschung ähn=
lich
sind, so hat derselbe auch dermal den von
allen edeldenkenden Menschen so herzlich be=
dauerten
, unglückli⟨c⟩hen guten König in Frank=
reich
, Ludwig den XVI, lebensgroß, sprechend
ähnlich, und zwar in der Gestalt aufgestellet,
wie Hr. Müller vor 7 Jahren diesen bekla=
genswerthen
König selbst in Versail vielmahl
gesehen hat, wer den guten König auch je ge=
sehen
, wird die frapanteste Aehnlichkeit in die=
ser
Abbildung finden, und aus seiner edlen
Bildung die Güte seines Herzens wahrnehmen,
welche von seinem undankbaren Volke so sehr
verkannt, und so übel gelohnt ward. Ausser
diesem sehr interessanten Stücke ist das Kunst=
Kabinet noch beträchtlich vermehrt, und mit
sehr kostbaren Kunstwerken verschönert worden.
Beym Eintritt zahlen hohe Noblesse und
Standespersonen nach Belieben, sonst aber wird
das Eintrittsbillet mit 20 kr. gelöset. Wer
aber die darin befindliche anatomisch bearbei=
tete
weibliche Figur zerlegter sehen will, zahlt
doppetes Leggeld.

Nota. Ausser den aus 3 grossen Zimmern
bestehenden Kunst=Kabinet wird in einem be=
sondern
Zimmer das durch den Chevalier Mo=
rety
verfertigte prächtige Theater=Modell ge=
zeiget
, wofür die besondern Eintrittbillets pr.
20 kr. gelöset werden.


Nachricht.

Ein unlängst angekommener Engländer wün=
schet
in irgend einem Hause als Lehrer der
englischen Sprache unterz⟨u⟩kommen. Sollte nun
jemand in dieser Sprache, die er nach Grund=
sätzen
auf eine leichte Art beyzubringen sich an=
gelegen
seyn lassen wird, unterrichtet werden
wollen; so beliebe man auf der Schottenbastey
Nr. 1276 im 3ten Stock die nähere Auskunft
einzuhollen.


Kostbare Krapfen.

Anna Anglin macht einem geehrten Pub=
likum
bekannt, daß bey ihr im v. Trattneri=
schen
Haus am Graben, im zweyten Hof wo
die Buchhandlung ist, im Brodladen recht gu=
te
und schmackha⟨ft⟩e Krapfen täglich zu be=
kommen
sind: näm⟨l⟩ich ordinaire das Stück
zu 1 und 2 kr. gute gefüllte zu 3 und 4 kr.
abgetriebene ungefüllte zu 3 und 4 kr. derley
gefüllte zu 5 und 7 kr.; doch bittet sie die

abgetriebenen einen Tag zuvor, oder am näm=
lichen
Tag früh zu bestellen, und kann man
die Füll selbst nach Belieben wählen.


Nachricht.

Am Minoritenplatz, neben dem grossen Land=
haus
, Nr. 36, sind einige 100 Rebhühner von
der allerfrühesten und schönsten Gattung an=
gekommen
, und das Stück pr. 15, 18, und
21 kr. zu haben, und wird das Publikum auf
das beste damit bedient.


Fasanen zu verkaufen.

Auf der Möl⟨k⟩erpastey Nr. 86, linkerhand
das lezte Haus, sind einige 100 Stück Fasa=
nen
um billigen Preis zu verkaufen.


Tokajerwein in Seitelbouteillen zu verkaufen.

Der jüngst angezeigte in Kommißion zu ver=
kaufende
gute Tokajerwein ist von 1240 Bou=
teillen
bis auf 100 vergriffen. Um den ⟨viel=
fältigen
diesfälligen Beschwernissen auf 〈…〉
überhoben zu werden, hat man sich entschlos=
fen
, wenn eine Quantität von 25 Bouteillen
auf einmal genommen wird, den Preis von ei=
ner
Bouteille pr. 2fl., auf 1 fl. 30 kr. herab=
zusetzen
. Wer diese 100 Bouteillen komplet zu=
sammen
nehmen wird, erhält überdies von ei=
ner
jeden Bouteille 1 Groschen Nachlaß. Un=
ter
der Zahl von 25 Bouteillen wird aber kei=
ne
unter irgend einem Vorwand geringer als
2 fl. verabfolget werden. Man beliebe sich in
der Leopoldstadt in der neuen Gasse Nr. 430,
gegen den Augarten rechts, im ersten Stock
Nr. 8 des Morgens bis 10 Uhr deswegen an=
zumelden
.


Mannsschneider=Anzeige.

Franz Heizmann, burgl. Schneidermeister,
wohnhaft rückwärts vom Rathhaus auf der Fi=
scherstiege
im alt Wagnerischen Haus Nr. 449
im 3ten Stock rechts die zweyte Thür, wo F H
angezeichnet ist, erbietet sich gegen baare Be=
zahlung
fein gut und wirthschaftlich zu arbei=
ten
; er zeigt hier wie hoch mittergrosse Klei=
der
von eingelassenen Tuch mit feinen Kana=
sasfutter
und gleichen Knöpfen zu stehen kom=
met
, mit Chalon, Damis oder Kottunfutter
um 1 fl. 20 kr. mit Croise um 4 fl. 20 kr.
höher als hier angemerkt ist; bittet aber alles
selbst einzukaufen, oder zur Auslage einen Vor=
schuß
zu geben. Rock, Weste und Hosen von 6 fl.
Tuch 25 fl. 30 kr. von 4 fl. Tuch 20 fl. 30 kr.
von 2 fl. 36 kr. Tuch 16 fl. von 25 Groschen
Tuch 11 fl. 30 kr. von breiten Halbtuch 15
fl. Rock und Hosen von 6 fl. Tuch 19 fl.

[17]

30 kr. von 4 fl. Tuch 16 fl. von 2 fl. 36 kr.
Tuch 12 fl. 36 kr. von 25 Gr. Tuch 9 fl. 30 kr.
Ein englischer Kaput von 6 fl. Tuch 21 fl.
von 4 fl. Tuch 17 fl. von 2 fl. 36 kr. Tuch
12 fl. Ein Kaputfrak ist um 2 fl. minde=
rer
, oder, nachdem die Bestellung seyn
wird. Ein Chemis von 4 fl. Tuch 21 fl. 30 kr.
von 2 fl. 36 kr. Tuch 14 fl. 30kr. von 1 fl. 30 kr.
Tuch 10 fl. von 25 Gr. Tuch 9 fl. Eine Ho=
sen
von schwarzen Sartin mit rauhen Bar=
chetfutter
3 fl. 15 kr. Auch werden Pekesche nach
der neuesten Facon gemacht. Uebrigens versi=
chert
er, durch Beweis der dauerhaften Arbeit
⟨f⟩erneren Beyfall zu erhalten.


Friedrich Gürtler

empfiehlt sich allen Damen und übrigen Frau=
enzimmern
in Verfertigung verschi⟨e⟩dener Gat=
tungen
Mieder oder Miederleibeln, indem er
schon von Jugend an sich darauf verleget hat,
und auch sein Vater einer der berühmtesten
Miederschneider war. Durch vieljährige Uebung
und Fleiß hat er sich grosse Geschicklichkeit und
Kenntniß der Leiber erworben, indem er den
meisten scheel gewachsenen Frauenzimmern durch
seine Mieder ein gerades Ansehen gibe, ohne
den Leib dadurch im mindesten zu schaden. Sei=
ne
Geschicklichkeit ist hier und auswärts be=
konnt
, indem er viele fremde Frauenzimmer
zu bedienen hat. Er wohnt beym rothen Thurm
in der Kohlmessergasse neben den 7 Kurfürsten
Nr. 668 im 5ten Stock die weisse Thür.


Ankündigung.

Mein eigenes geprüftes Kochbuch,
erster, zweyter und dritter Theil.

Wovon jeder enthält: eine besondere ganz
neue Sammlung der ausgesuchtesten, nied=
lichsten
und besten Speisen, von verschiede=
nen
Gattungen Suppen, Fleischspeisen, Zu=
speisen
an Fleisch= und Fasttägen, Pasteten,
Eyerspeisen, Mehl= und Fastenspeisen, Fi=
schen
, Köchen, Wandeln, Torten, Teigen,
Bäckereyen, Krapfen, Sulzen, Eingesotte=
nen
, Säften, Krenn und Kandirten.
Eingerichtet für alle Gattungen der Stände,
durchgehends neu selbst verfaßt, und zum
Druck herausgegeben von M. A. Rudisch.

8. Wien 1791.

Dieses Kochbuch bedarf keiner weiteren
Empfehlung, ihr Werth und ihre Nutzbarkeit
sind bereits bekannt genug. Der beträchtliche
Absaz der vielfältig geschehenen Auflagen, und
von jedem Käufer geäußerte vollkommene Zu=
friedenheit
müssen jedermann Bürge seyn, der
darin enthaltenen gewiß ächten und vortrefli=

chen Speisen. Um der ärmeren ⟨Kla⟩sse den An=
kauf
zu erleichtern, welche nicht allezeit im
Stande ist, sich alle 3 Theile bei⟨zu⟩schaffen, und
dieser doch ein vollkommenes Werk in die Hän=
de
zu liefern, habe ich jeden Theil so einge=
richtet
, daß er als ein förmliches Kochbuch an=
gesehen
werden kann, und daher in dem Be=
lieben
eines jeden steht, was immer für einen
Theil sich zu wählen. Zugleich habe ich den
möglichst mindern Preis dergestalt festgesetzet,
daß der erste. Theil ungebunden 1 fl. 30 kr.,
der zweyte 1fl., der dritte 1 fl. kostet, und diese
sind zu haben: in der Zierchischen Buchhand=
lung
in der Singerstrasse im deutschen Hause,
dann in der Hutstolpergasse im Tabackgewölbe,
und im Jakobergässel Nr. 1362 bey mir

der Herausgeberin M. Anna Rudisch.


Ankündigung.

Bey Rubolph Sammer, Buchhändler im Bar.
Loprestischen Hause am Kärntnerthor; in der
Zierchischen Buchhandlung in der Singerstrasse
im deutschen Hause; bey Jgnaz Grund nächst
S⟨t⟩. Stephan, und in der Grosserischen Buch=
druckerey
in der Theinfaltstrasse Nr. 76
ist zu haben:

  • Der Französische Freyheitsbaum, in einer
    Rede über das Evangelium vom Senf=
    körnlein
    , am 25. Sonntag nach Pfing=
    sten
    von öffentlicher Kanzel vorgetragen,
    und zur heilsamen Belehrung des deut=
    schen
    Bürgers herausgegeben im Jahre
    1792. Zweyte Originalauflage, 8. Botzen,
    kostet gebunden 10 kr.
  • Glossarium Slavicum, 119 Quartseiten stark,
    30. kr.

Nachrichs von Ovids Verwandlungen.

Die Hrn. Pränumeranten, welche in der
Gräfferischen Buchhandlung am Michaelerplatze
pränumerirt haben, belieben die Fortsetzung von
diesem Werke bey Hrn. Hohenleitter, Kunst=
und Buchhändler am Kohlmarkte neben der
Löschenkohlischen Kunsthandlung, abzuhohlen.

Die Herausgeber.


Forte Piano.

Es sind zwey Forte piano〈…〉 zu verkaufen.
Kauflustige können sich deshalb in der Sin=
gerstrasse
am Eck im Müllerischen Hause Nr.
863 im 4ten Stock anmelden.


Neue Musikalien.

Jn dem musikalischen Magazin in der untern
Breunerstrasse N. 1158 sind folgende ganz
neue Musikalien zu haben, nämlich:

  • L. Koz⟨elac⟩h, Partie XII, contenante Trois
[18]

  • Sonates pour le Clavecin ou P. F. avec
    l'Accompagnement d'une Flute ou Violon
    & Violoncelle, Op. 37. à 3 fl.
  • Partie XIII. contenante Trois Sonates
    pour le Clavecin ou P. F. Op. 38. à 2 fl.
  • Sta⟨r⟩ay (Mr. le C. M. de) Six Polonoises
    pour le Clavecin ou P. F. d'un Violon &
    Violoncelle, Op. 3. à 1 fl.
  • Pleyel, Une Sonate pour le Clavecin ou P.
    F. avec l'Accompagnement d'un Violon &
    Violoncelle, Op. 25. Nr. 1. à 1 fl.
  • Une Sonate pour detto detto, Op. 25.
    Nr. 3. à 1 fl.
  • 12 Ländlerische Tänze in C. beym Clavier,
    à 20 kr.

Ne⟨u⟩e Tanz=Musikalien.

Jn dem musikalischen Magazin in der untern
Breunerstrasse Nr. 1158 sind ganz neue Tanz=
Musikalien von der Komposition des Hrn. Sta=
nislaus
d'Ossowski auf die gegenwärtige Fa=
schingszeit
zu haben. Als:

  • 12 Deutsche aus der Opera die Zauberflöte von
    Hrn. Mozart, 2te Lieferung, vollstimmig,
    1 fl. 30 kr.
  • 12 Deutsche aus der Opera Pizzichi, vollstim=
    mig
    , 1 fl. 30 kr.
  • 12 Jagddeutsche von eigener Erfindung einge=
    richt
    zum Langaus, 2ter Theil, vollstim=
    mig
    , 1 fl. 30 kr.
  • 12 Menuetti von eigener Erfindung, vollstim=
    mig
    , 2te Lieferung, 1 fl. 30 kr.
  • 12 Menuetti von ganz neuer Erfindung a 2 Vio=
    lini
    con Violoncello für die kleinen Haus=
    Bälle 1 fl.
  • 12 Deutsche ebenfalls in 3 Stimmen a 2 Vio=
    lini
    e Violoncello 1 fl.
  • 12 Landlerische von Streicher, 1te Lieferung
    20 kr.
  • 6 Contre=Tänze aus der Zauberflöte, vollstim=
    mig
    , 1 fl. 30 kr.

Ferner ganz neu:

  • 6 englische Contre=Tänze mit Touren, von der
    Erfindung des Hrn=Friemann, k. k. Hof=
    tanzmeister
    , vollstimmig, 1 fl. 30kr.
  • 12 Landlerische für 1 Geige, von Hrn. Wik=
    ser
    , einen Oesterreicher, 1. Lieferung, 20 kr.
  • Ein jeder Klavierauszug von obbenannten
    Musikalien ist für 40kr. zu haben.
  • 12 Menuetti mit 12 Trio von den schönsten des
    Hrn. Mozart übersetzt in 3 Stimmen 1 fl. 30 kr.
  • 12 Deutsche mit 2 Trio von Hrn. Mozart in
    3 Stimmen übersetzt 1 fl. 30 kr.
  • 12 Menuetti und 12 Deutsche, Langaus, für
    1 Violin, sehr brauchbar für Tanzmeister,
    das Stück 40 kr.

Neue Landkarten.

Bey Artaria & Comp., Kunsthändlern am
Kohlmarkt ist ganz neu erschienen und zu
haben:

  • Kriegstheater, oder Gränzkarte zwischen
    Frankreich und Jtalien. Auf einen gros=
    sen
    Regalbogen von Hrn Jngenieur Wo=
    tescky
    entworfen, und von Hrn. Müller
    gestochen. Kostet illum. 1fl.

Auf dieser mit vielem Fleiße gestochenen
Karte findet man mit aller Genauigkeit vorge=
stellt
: die Staaten des Königs von Sardinien,
Savoyen, Piemont und Montserat, nebst der
Grafschaft Nizza. Die österreichische Lombar=
die
. Die Republiken Genua, Lucca und Ve=
nedig
. Modena, Parma und Mantua. Das
Bisthum Trient, Tyrol, und die ganze Schwei⟨z⟩.
Von Seite Frankreichs: die Provence, Dau=
phine
, Languedoc, Auvergne, Lionois, Bour=
bo⟨n⟩ois
, Avignon, Venalssin, Bourgogne und
Franche=Comte.

  • Kriegstheater, oder Gränzkarte zwischen
    Deutschland und Frankreich. Auf einen
    grossen Regalbogen von Hrn. Jngenieur
    Wotescky entworfen, und von Hrn. Mül=
    ler
    gestochen. Kostet 1 fl.

Diese enthält die ganzen österreichischen
Niederlande, die Erzbisthümer Cöln und Trier,
das Bisthum Lüttich, Chur=Mainz und Pfalz,
den ganzen Rheinstrom, Schwaben nebst Breis=
gau
, das Bisthum Speyer, und Fürstenthum
Zweybrücken, nebst einen Theil von Holland.
Das französische Flandern, Artois, He=
negau
, Picardie, Isle de France, mit Paris,
Champagne, Lothringen, und Elsaß ꝛc.

Diese zwey Kriegskarte⟨u⟩, sind in gleicher
Größe und nach einem Maßstabe eingerichet,
und können nach Belieben zusammengefüget
werden.

  • Neueste Karte von Pohlen und Litthauen.
    Sammt den Oesterreichischen, Russischen,
    und Preußischen Antheile, nebst den übri=
    gen
    angränzenden Länden: auf einem
    grossen Regalbogen entworfen von Herrn
    Schü⟨tz⟩, und gestochen von Herrn Müller,
    Preis 1 fl.

Faschings=Spiele:

Arlechino, und Arlechinetto
(zwey ganz neue, kurz, unterhaltlich und leicht)
von Joseph Freyenfels.
Für 20, und 10 kr.
Item Spielmarken und Kartengeld
(der neuesten Mode:)
von mehr als fünf⟨z⟩gerley Sorten, und drey=
erley
Klassen das Paquet zu 18 und 24 kr.

[19]

Dann ferners von eben dem Author:

1 Tagbuch um 18 kr.
1 Schuldbuch 18 kr.
1 Reisejournal 18 kr.
1 Waschtabelle auf 3 Jahre 18 kr.
1 dergleichen auf 1 Jahr 7 kr.
1 Spieltabelle auf 3 Jahre 18 kr.
1 dergleichen auf 1 Jahr 7 kr.
1 Waschzettel auf 3 Jahre 17 kr.
1 detto auf 1 Jahr 6 kr.

Jedes der iz⟨t⟩ersagten neun Stücke all=
schon
gebunden.

Bicolor, zwey auch neue Spiele à 40 kr.
Die Tuchfabrick, ein doppeltes Spiel, 20,
24, 30 und
36 kr.
Magazin, des Gesellschafts Lotto, und Mas=
kenspieles
Behältniß, mit diesem und jenem
auch Marken, und Marken=Kassabechern ver=
sehen
, für
18 fl.
ein detto kleines um 6 fl.

sind sämtlich gleich Anfangs der Himmelpfort=
gasse
bey Blanchards Luft=Ballon zu bekommen.


Die doppelte Cabbala des Ptolomäus
für Liebhaber der Zahlenlotterie.

Unstreitig die schönste, beste, und seltenste
Cabbala, von der man gut stehen kann, das
sie sich bisher nicht mehr, als in einer einzi=
gen
Hand befunden habe; diese Cabballa ist
theils einfach, theils zusammengesetzt, bey je=
ner
kommen nur die Himmelszeichen, bey die=
ser
hingegen nebst diesen auch die Sonne, der
Mond, und die übrigen Planeten in die Rech=
nung
, welche Rechnung nach der beyliegenden
Erklärung von jedermann gleich beym ersten
Anblick kann begriffen werden. Die zusam=
megesetzte
gibt 5, die einfache hingegen höch=
stens
3 Numern. Diese einfache Cabbala gab
erst den 5. Jänner d. J. ohne der übrigen häu=
figen
Gewinste der vorhergehenden Ziehungen
zu erwähnen, mit ihren einzigen 3 Numern
6. 59. 71. einen Terno secco, wovon sich die
Liehhaber im Tabacksgewölbe des Seitzerhofes,
allwo diese doppelte und allerseltenste Cabbala
für 6 fl. 40 kr. zu haben ist, durch das ge=
⟨druckte⟩
dort aufbewahrte Loos von dieser Zie=
hung
selbst überzeugen können. Zu mehrerer
Bequemlichkeit sind die nach dieser Cabbala aus=
fallenden
Numern auf alle künftige Ziehungen
d. J. schon berechnet, und werden den Abneh=
mern
um selben alle weitere Mühe auf dieses
ganze Jahr zu ersparren, auch mitgegeben.


Nachricht,

Unterzeichneter machet dem hohen Adel und
verehrungswürdigen Publikum bekannt, daß

bey ihm eben so wie voriges Jahr, alle Gat=
tungen
von Masken in seiner Wohnung unterr
den Tuchlauben im Auge Gottes Nr. 577
im 4ten Stockwerke über die Hauptstiege um
den billigsten Preis zu maskirten Bällen aus=
geliehen
werden. An jenen Tagen, da Bälle
in den k. k. Redoutensälen gegeben werden,
können auch die Masken von 8 Uhr Abends
alda bestellt werden, in seiner Butik beym
Eingang in den großen Redoutensaal, wo man
zugleich alle Gattungen von Handschuhen, Lar=
ven
, ꝛc. ꝛc. haben kann, auch abgegebene Man=
telkleider
gegen Empfang eines Zeichens ordent=
lich
aufbewahrt werden. Zur Umkleidung der
Masken sind die beym Eingange des großen
Redoutensaales hiezu bestimmten Zimmer mit
bester Bedienung bereit gehalten, wo ebenfalls
alle Gattungen Masken, Handschuhe, Larven,
Schminke, ꝛc. ꝛc. zu haben sind.

Peter Neumayr.


Pariser Schminke.

Joseph Merlin, priv. Fabrikant der Vege=
talen
von den Fakultäten zu