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Wiener Zeitung.

Nr. 46, 10. Juni 1795

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[1]

Nro.

46.

Mit k. k. allergnä

digster Freiheit

Wiener Zeitung.

Mittewoche, den 10. Junius 1795-


Jnländische Begebenheiten.

Wien.

Se. K. K. Maj. haben allergnädigst ge=
ruhet
, dem Hofkaplan und ehemahli=
gen
Hofprediger, Johann Donat Holzmann,
zu Bezeigung Dero höchsten Zufriedenheit,
über seine auf der Hofanzel durch 11 Jah=
re
geleisteten Dienste, und vorzüglich in
Rücksicht der in der Charwoche in Höchst=
dero
Beyseyn vorgetragenen geistlichen Ge=
müthsversammlung
, eine grosse goldene
Ehrenmedaille überreichen zu lassen.

Hr. Leonhard Posch, welcher seit eini=
ger
Zeit, allhier im Sale der Mehlgrube
optische Vorstellungen, von seiner Erfin=
dung
, öffentlich zeiget, hat am abgewi=
chenen
Samstage die Ehre gehabt, diesel=
ben
zu Hetzendorf, JJ. KK. MM. dar=
⟨z⟩ustellen
, höchstwelche darüber Jhr beson=
⟨d⟩eres
Wohlgefallen zu äussern geruhet ha=
en
.

Fortsetzung des Verzeichnisses der Un=
deroffizier
und Gemeinen, welchen wegen
ihres tapferen Verhaltens gegen den Feind,
goldene und silberne Ehrenmünzen zuer=
kannt
und ertheilt worden sind:

Von Malovetz und Staray Grenadier=
Diviston.

Mir einer silbernen: Der Feldwebel,
Stephan Preger. Am 26. Junius hat er
bey Charleroy, mit 18 Mann, den weit
überlegenen Feind, der einen Graben be=
setzt
hatte, und auf das gegen ihn lang
unterhaltene Flintenfeuer nicht weichen woll=
te
, endlich mit dem Bajonette herzhaft an=
gefallen
und vertrieben.

Der Korporal, Matthias Matjasovs=
ky
. An demselben Tage, da seine wenige
Mannschaft durch das heftige Kartätschen=
feuer
des Feindes, in dem Walde zerstreuet
und zurückgedrückt worden war, hat er ste

[2]

durch eifriges Zureden wieder zusammenge=
bracht
, und von neuem belebet, zum Ge=
fecht
angeführt, dadurch aber die feindliche
Jnfanterie und Kavallerie von einem wei=
teren
Angriffe abgehalten.

Von Bideskuti Grenad. Bataillon.

Mit einer goldenen: Der Feldwebel, Pe=
ter
Maritsch. An der Spitze der Frey=
willigen
hat er bey dem Hauptangriffe des
wichtigen Postens Briche, am 29. April
sehr viele Tapferkeit bewiesen, und zu dem
guten Ausschlag wesentlich beygetragen.
Am 24. May bey Bestürmung der feindli=
chen
Redouten bey Esqueline, da seine
Mannschaft durch das feindliche Kartätschen=
und Gewehrfeuer zerstreuet wurde, hat er
dieselbe wiederhohlt gesammelt, und ist
muthvoll an ihrer Spitze in die feindliche
Redoute eingedrungen. Am 3. Junius end=
lich
hat er in der Stadt Pochlies den weit
überlegenen Feind nicht allein aufgehalten,
sondern auch zurückgeschlagen und verfolget.

Mit einer silbernen: Der Kadet, Se=
bastian
Bitsfey. Am 16. März 1793 bey
dem unweit Tirlemont vorgefallenen Treffen,
hat er, als er zum Lager=Ausstecken aus=
geschickt
wurde, freywillig einige Grenadier
gegen die feindlichen Jäger angeführt, die=
se
aus einem Graben vertrieben, und sich
in seiner Stellung behauptet. Den 7. Okt.
1793 hat er in der Blokade von Maubeu=
ge
, bey einem feindlichen Ausfalle zur Zu=
rückschlagung
des überlegenen Feindes, durch
seine Tapferkeit das meiste beygetragen.

Der Korporal, Johann Dußick. Amx
26. April war er bey Priche unter den
Freywilligen den ganzen Tag mit dem
Feinde im Gefechte, und hat standhaft aus=
gehalten
. Den 24. May bey Stürmung
der Redoute auf den Erqueliner Anhöhen,
hat er sie zugleich mit den Freywilligen
erstiegen, das feindliche Geschütz zum
sd weigen gebracht, dessen Bedienung nie=
dergemacht
, und den aus den Verschan=
zungen
vertriebenen Feind verfolgt. Den
3. Junius ist derselbe bey Räumung der
Stadt Pochlies, mit solcher Herzhaftig=
keit
in den Feind eingedrungen, daß die=

ser seiner Uebermacht ungeachtet, von dem
schon eroberten Posten getrieben, und bis
Marchiennes au Pont verfolget wurde.

Die Grenadier, Joseph Rovats und
Stephan Simon. Letzterer ist am 26.
April bey dem gegen das Dorf Priches un=
ternommenen
Angriffe, unter den Freywilli=
gen
stäts einer der ersten vorausgewesen,
und da der Oberlieutenant Apaty stark ver=
wundet
wurde, hat er denselben aus des
Feindes Händen befreyet, und nachdem er
ihn verbunden hatte, ist er gleich der den
Feind verfolgenden Mannschaft wieder nach=
geeilet
. Als in eben den Treffen das Bides=
kutische
Grenadier=Bataillon der Uebermacht
des Feindes weichen mußte, und der Kor=
poral
Papes, welcher mit den Plänklern
zurückgeblieben war, plötzlich von mehreren
Feinden umringet wurde, eilte er demsel=
ben
zu Hülfe, stieß zwey Fein⟨d⟩e nieder,
und verjagte die übrigen, so daß der Kor=
poral
befreyet wurde.

Die Grenadier, Franz Wolnar und
Joseph Wölk. Diese waren mit dem Kor=
poral
Johann Dußick die thätigsten unter
den Freywilligen, die am 26. April den
ganzen Tag sich mit dem Feinde schlugen.
Am 24. May haben sie bey Bestürmung
der Redouten auf den Erqueliner Anhöhen,
sie zu gleicher Zeit mit den Korporalen
bestiegen. Auch den 3. Junius zu Poch=
lies
, sind sie mit in den Feind einge=
drungen
, und haben zu dessen Vertreibung
thätig beygetragen.

Der Grenadier, Johann Bedö. Am
29. April, als die Freywilligen gegen das
Dorf Priches angeführt wurden, war er
stäts unter den ersten voraus; da der Feind
sich sammelte, die Freywilligen aber dar=
über
zu stutzen anfingen, sprach er ihnen
Muth zu. Als endlich die Feinde sehr stark
aus einem Hause feuerten, welchem sich
niemand nähern wollte, both er sich an,
es anzuzünden, führte auch das Vorha=
ben
aus, und indem sich hierauf der Feind
in der Gasse sammelte, die Freywilligen
aber deßwegen nicht vordringen wollten,
ging er unter stäter Aneiferung, zuerst vor=

[3]

ans, und drang ungeachtet sein Kammerad
an seiner Seite todtgeschossen wurde, mit
voller Herzhaftigkeit in den Feind, wurde
aber nun dergestalten durch beyde Backen=
beine
geschossen, daß er als todt zurückge=
tragen
wurde.

Don E. 5. Ferdinand Grenadier=Division.

Mit einer silbernen: Der Korporal,
Joseph Treu; der Grenadier, Johann
Pesko. Beyde haben bey dem Hauptan=
griffe
am 29. April, da der Oberlieutenant
Wazel mit den Freywilligen in Gefahr
war, von der feindlichen Kavallerie gefan=
gen
oder niedergehauen zu werden, in der
Eile einige Freywillige gesammelt, und
durch ihr rasches Feuer den Feind so lange
im Nachsetzen aufgehalten, bis der Ober=
lieutenant
das Gebüsch erreichte, aus wel=
chem
dieser sodann, als die feindliche Ka=
vallerie
die in der Nähe gestandenen Kano=
nen
und Haubitzen angriff, sie so lange
verhinderte, die Kanonen fortzubringen,
bis unsere Kavallerie ankam, die Feinde
zurückschlug, und so die Kanonen rettete.

Von Brye Grenadier=Bataillon und
Clerfayt Grenadier Division.

Mit einer silbernen: Der Feldwebel,
Philipp Pardolf. Am 16. Junius hat er
den Oberlieutenant Collenbach, der über
Hecken und Sträuche den Feind verfolgte,
diesen aber endlich selbst in die Hände siel,
dadurch gerettet, daß er mit einigen Mann
herbeyeilte, und mehrere Feinde mit dem
Bajonette theils verwundete, theils tödtete.

Die Grenadier, Peter Fortfere, und
Joseph Delcorte. Diese haben am 16.
April, bey dem Angriffe auf das Dorf
Priches, den in Feindes Hände verfalle=
nen
Korporalen Wilhelin Roch, aus der
Gefangenschaft befreyet, nachdem sie vor=
gedrungen
, und einige Feinde erleget hatten.

Von Beaulieu Grenadier: Division.

Mit einer silbernen: Der Feldwebel,
Heinrich Willmain. Er hat sich durch sei=
ne
schon in mehreren Gelegenheiten bewie=
sene
Tapferkeit, am 24. May abermahls
darin vorzüglich ausgezeichnet, daß er bey
der Einnahme der Redouten und Verschan=

zungen, auf den Anhöhen von Erqueline,
mit seiner wenigen Mannschaft viele von
dem Feinde getödtet, ihn verfolget, und
eine vierpfündige Kanone erobert hat.

Der Feldwebel, Franz Jaquemotte.
Dieser hat bey eben der Gelegenheit, mit
den Freywilligen eine an dem seindlichen
Lager angelegte Batterie, zwischen Kartät=
schen
= und Gewehr=Feuer bestürmt, eine
sechszehupfündige und achtpfündige Kanone
erobert, und den Feind mit dem Bajonette
stürmend bis in sein Lager verfolgt. Und da
eine Grenadier=Division nachsetzte, der in
Unordnung gebrachte Feind aber sich zum
Dorfe Erqueline zurück zog, wo sich die
Arriere=Garde formirte, um den Uebergang
der Sambre zu decken, eilte dieser Feldwe=
bel
, mit seiner Mannschaft in die Gärten,
griff des Feindes linke Flanke an, und zer=
streute
dessen Arriere=Garde dergestalten,
daß sie mit Verlust über die Sambre flie=
hen
, den Siegern aber Kanonen, Muni=
zion
und Magazine hinterlassen mußte.

Der Korporal, Jakob Deplessem. Bey
der Einnahme der Redouten und Verschan=
zungen
, auf den Anhöhen von Erqueline,
ist er unter den Freywilligen, mit der muth=
vollesten
Entschlossenheit immer einer der
ersten gewesen, die ungeachtet des feindli=
chen
Kartätschen=Feuers stürmend auf den
Feind losdrangen, ihn zum Weichen brach=
ten
, und mit grossem Verluste bis in die
Sambre verfolgten. Auch hat er in meh=
reren
Gelegenheiten, unter den Freywilli=
gen
, eine besondere Herzhaftigkeit bewiesen.

Der Korporal, Georg Cigonye. Bey
der osterwähnten Bestürmung des feindlichen
Lagers bey Erqueline hat er, mit einiger
Mannschaft, eine feindliche Kanone ange=
fallen
, die dabey befindlichen Feinde theils
getödtet, theils zum Fliehen gebracht, und
die Kanone erobert.

Der Grenadier, Peter Rind, welcher
dem Korporal Georg Cigonye, bey obge=
dachter
Unternehmung am meisten behülf=
lich
war.

Der Vice=Korporal, Peter Nicola, und
der Grenadier, Michael Califis. Da am

[4]

22. März 1793 der Vataillons=Adjutant
sammt der Fahne in die feindliche Hände
verfiel, der Fahnenträger aber von dem
Adjutanten angeeifert, noch durch den Feind
durchdrang, und sich in Freyheit setzte, der
Adjutant jedoch von einigen Französ. =
gern
fortgeführet wurde, so sind die obge=
nannten
, ungeachtet sie verwundet waren,
zugesprungen, und haben den Adjutanten
befreyet.

Von Mosel Grenadier=Bataillon.

Mit einer silbernen: Der Grenadier,
Joseph Raulfürst. Am 24. May hat er
eine in der Flucht begriffene feindliche Hau=
bitze
verfolgt, den Knecht zu Boden ge=
schlagen
, und sich der Haubitze bemächtiget.

Vom ersten Artillerie=Regimente.

Mit einer goldenen: Der Vice= Korpo=
ral
, Thomas Hutzeck.

Mit einer silbernen: Die Kanonier,
Johann Holland, und Wenzl Lantsch.
Diese drey haben am 18. May bey Leers,
durch 11 Stunden in der größten Gefahr,
mit ihren Kanonen so wirksam gearbeitet,
daß sie den Feind dreymahl mit grossen
Verluste, zum Rückzug genöthiget haben.

Der Vice=Korporal, Thomas Hutzeck
war wegen seines ausgezeichneten Wohlver=
haltens
, schon am 1. May mit einer sil=
bernen
Medaille belohnet worden.

(Die Fortsetzung folgt.)


Ausländische Begebenheiten.

Spanien.

Nach einem Schreiben aus Barcellona
vom 10. May ist der Feldzug von Seite
der Spanischen Armce am 5. eröffnet wor=
den
, und sind die ersten Angriffe ganz zum
Nachtheile der Franzosen ausgefallen, ob=
schon
man in der Französischen Konvention
sie für Siege ausgab. "Der Gen. Urru=
tia
, heißt es, sing seine Operationen am
5. d. M. an. Des frühen Morgens rückte
eine Kolonne von 6 bis 7000 Mann, mei=
stens
Katalonischer Micheletti, aus, und
that einen heftigen Anfall auf Sutella,

an der Rechten des Feindes. Dessen La=
ger
ward erobert, ausgeplündert, und in
Brand gesteckt. Noch aber kann man da=
von
keine umständliche Nachricht mitthei=
len
, so wie von dem Blendangriffe, der zu
gleicher Zeit auf den Mittelpunkt der feind
lichen Armee gerichtet war, und ebenfalls
für uns vortheilhaft ausfiel. Am 6.,
gleich nach Tages=Anbruch, wollten sich
die Feinde rächen, und griffen unsere Li=
nie
an drey Punkten an, wurden aber al=
lenthalben
mit Verlust zurückgeschlagen. Der
General hat eine so vortheilhafte Stellung
genommen und die Truppen sind durchaus
mit so vielem Muthe belebt, daß wir nichts
als glückliche Ereignungen zu erwarten ha=
ben
. Die Micheletti haben sich so tapfer
gezeigt, daß man sie so gut als geübte
Soldaten ansehen und gebrauchen kann."

Jtalien.

Nach Bericheen aus Genua vom 23.
May hat der Französische General Keller=
mann
die ganze Französische Armee in Jta=
lien
bereiset, und ist dann am 22. zu Ge=
nua
angekommen. Jnzwischen erhält die
Französische Armee noch täglich Verstär=
kungen
.

Ein Schreiben aus Turin vom 14. Mai
enthält von den Vorfällen bey Colle de
Monte folgende Umstände: Schon am 6
hatten die Franzosen die Vorposten jenseits
Thuille überfallen, und einige Offizier nebst
Gemeinen zu Gefangenen gemacht. Jn
der Nacht vom 12., bey einem heftigen
Sturm= und Regenwetter, da sich die Pie=
monteser
ganz keines Angriffs versahen, ka=
men
die Franzosen in grösserer Anzahl au
Colle di Monte, und überfielen das Pie=
montesische
Lager, wo sie 6 Kanonen ero=
berten
und gegen 200 Mann zu Gefange=
nen
machten. Da sie nun die Verschan=
zungen
von Principe Tomaso bedrohte
und durch dieselben sich leicht den Eingang
in das Thal von Aosta hätten eröffnen kön=
nen
, so sind gleich die nächsten Anhöhen
stark besetzt worden, um ihr Vordringen
zu verhindern. Auch ist seit dem von Tu

[5]

rin aus der Befehl ertheilt worden, daß
verschi⟨e⟩dene Abtheilungen vorrücken und al=
les
auf⟨b⟩iethen sollen, sowohl den Colle
del M⟨o⟩nte, als di S. Bernardo wieder
zu erob⟨e⟩rn.

Der Französische Minister, Hr. Miot,
hat sich gleich nach seiner Ankunft zu Flo=
renz
, zu dem ersten Staatssekretar, dem
Senat⟨o⟩r Serristori, begeben, und ist am
29. May, sammt dem Gesandtschafts Se=
kretar
, Freville, bey Hofe zur Antritts=
Audien⟨z⟩ bey Sr. K. H. dem Erzherzoge
Großhe⟨r⟩zoge, vorgestellt worden.

Der Fürst von Rosenberg, welcher im
Nahm⟨e⟩n Sr. K. K. Maj. den erstgebornen
Sohn Sr. K. H. zur Taufe gehalten hat,
ist am ⟨2⟩3. May nach Wien zurückgereiset.

Jm Hafen von Livorno kommen noch
täglich zahlreiche Schiffe mit Getreide be=
laden
an.

Die Englische Flotte befand sich am 23.
May zwischen Mahon und der Küste von
Frankr⟨e⟩ich, in Erwartung der aus Eng=
land
abgesegelten Verstärkung. Die Fran=
zösische
Flotte, bis 20 Linienschiffe stark,
nebst einigen Fregaten und leichteren Fahr=
zeugen
, ist aus dem Hafen von Toulon
abgesegelt, man weiß aber nicht, wohin
sie ihre Richtung genommen hat.

Frankreich.

Jn Briefen aus Paris vom 22. May
wird geschrieben: Vorgestern glich Paris
einem grossen Lager. Beynahe dreymahl
hundert tausend Bürger unter dem Gewehr
hatten alle nach dem Konvenzions=Sale
ziehende Strassen besetzt. So etwas sah
man noch nie, seit Paris steht, weder am
14. Julius noch am 10. August, noch am
10. May waren solche ausserordentliche
kriegerische Anstalten gemacht. Die meisten
waren entschlossen, ihr Leben für die Kon=
venzion
aufzuopfern, um sie zu vertheidi=
gen
, und die gänzliche Zerrüttung Frank=
reichs
zu hindern. Jetzt ist alles hier stille;
heute morgen sah man wohl hin und wie=
der
einige kleine Haufen, aber sie wurden
sogleich auseinander getrieben. Auch wur=

de heute mehr Brod als gewöhnlich aus=
getheilt
, denn jeder bekam 10 Loth, und
dieß war schon genug, um das Volk zu
beruhigen. Nur ist zu befürchten daß
durch dergleichen unruhige Auftritte das
Landvolk abgehalten werde, seine Erzeug=
nisse
hieher zu bringen, wodurch natürli=
cherweise
die Lebensmittel noch theurer wer=
den
müssen.

Von dem was in der Konvenzion in
der Nacht vom 20. zum 21. und weiter
hin vorgegangen ist, sind die nähern Um=
stände
diese: Als die Artikel verlesen waren,
welche das Volk verlangte, schlich sich ein
Mitglied der Konvenzion nach dem andern
weg, so, daß etwann nur noch 100 blie=
ben
. Hierauf hatte man einen scheusli=
chen
Anblick; das blutige Haupt des ermor=
deten
Deputirten Feraud wurde auf einer
Picke getragen, und auf den Schreibtisch
des Präsidenten geworfen.

Romme ließ die Stimmen über die vor=
geschlagenen
Artikel, deren Liste er in den
Händen hielte, sammeln, und man dekre=
tirte
: 1) Die Aufhebung der Regierungs=
Ausschüsse. 2) Die Verhaftnehmung sämmt=
licher
Mitglieder derselben. 3) Die Wieder=
besetzung
ihrer Stellen durch Prieur,
Bourbotte, Fayau, und andere. 4)
Die Loslassung aller seit dem 27 Jul.
verhafteten Personen. 4) Die Loslassung
des Duhem und der übrigen nach dem
Schlosse Ham gebrachten Deputirten. 6)
Die Zurückberufung des Barrere, Collot
und Billaud ⁊c. Jnzwischen kam gegen 11
Uhr eine bewaffnete kleine Armee zusam=
men
. An deren Spitze bestürmten Anguis
und Legendre den Konvenzions=Sal, dran=
gen
zweymahl vor, und wurden eben so oft
zurückgedrängt; bey dem dritten Angriffe
aber gaben die Aufrührer nach; Legendre
drang ein, und als er mitten im Sale
war, rief er aus: „Jm Nahmen des Ge=
setzes
befehle ich den hier anwesenden be=
waffneten
Bürgern sich weg zu begeben.
Nach einem kurzen Bedenken ging auch die
ganze Menge fort. Bald kamen mehrere
Deputirte wieder, und fingen die Berath=

[6]

schlagungen vom neuen an; alle Artikeln,
die Romme hatte dekretiren lassen, wur=
den
verworfen, und wurde beschlossen, daß
14 Deputirte, die den Aufruhr durch ihre
Reden und Vorschläge erregt oder gebil=
ligt
haben, arretiret werden sollten. Die=
se
sind: Duquesnoy, Prieur, =
roy
, Romme, Soubrany, Albitte,
Payssart, Lecarpentier, Pinet, Borie,
Ballot, Ruhl, Goujon und Bourbotte.
Die Konvenzion dekretirte ferner, daß alle
Traiteurs und Pastetenbäcker ihr vorräthi=
ges
Mehl in die Magazine bringen, und
dafür erhalten sollen, was es ihnen geko=
stet
hat. Es wurde eine Proklamation an
das Volk erlassen. Die Konv. beschloß
den Sitzungen bewaffnet beyzuwohnen,
und ging dann um 6 Uhr Morgens aus=
einander
. Nach drey Stunden um 9 Uhr
begann die Sitzung wieder, und es wurde
dekretiret, daß alles noch nicht ausgedro=
schene
Getreide sogleich ausgedroschen, ei=
ne
Nachsuchung nach dem vorhandenen ge=
schehen
, und das verheimlichte konfisziret
werden soll. Auf Bourdons Vorschlag
wurde das Dekret, welches erklärt hatte,
daß Gold eine Kaufmannsware sey, wie=
derrufen
.

Larivier versicherte, daß Robert Lin=
der
an der Spitze der Leitung des Aufruhrs
sey, und verlangte dessen Verhaftnehmung.
Ein anderer sagte, auf dem Pariser Rathhause
sey eine Zusammenrottung, die sich National=
Versammlung nenne, und sich Anhänger zu
verschaffen suche. Bourdon (de l'Oise) ver=
sicherte
, der Sicherheits=Ausschuß sey da=
von
schon unterrichtet, und ließ dekretiren,
daß alle auf dem Rathhause zu
sammengerottete Personen vogelfrey seyn
sollen. Merlin (von Douay) zeigte an,
daß ausser einem Frieden, der gegenwärtig
zu Basel unterzeichnet werde, und grossen
Einfluß auf den allgemeinen Frieden habe,
auch mit Holland ein Friedensbund ge=
schlossen
worden sey. Er las dann den
Allianz Traktat mit Holland vor, der mit
lebhaften Beyfalle aufgenommen wurde.

Tallien kündigte an, der Mörder des

Feraud sey arretiret; er heiße Peysard,
und wäre ein ehemahliger königl. Garde du
Corps. Andre Dümont kündigte an, daß
die flüchtigen Deputirten die Zusammenrot=
tung
erregt hätten, und verlangte, daß man
sie für vogelfrey erklären sollte. Ein ande=
res
Mitglied versicherte, daß 2 bis 3000
verführte und betrunkene Leute in dem Ge=
meindehause
wären, und den Cambon zum
Maire ernennt hätten. Hierauf dekretirte die
Konvention, daß die flüchtigen Deputirten
vogelfrey seyn. Ein Adjutant erschien, und
versicherte, daß auf dem Gemeindehause
keine Zusammenrottung sey. Garnier ver=
sicherte
, wenn es nicht daselbst sey, so wäre
es anderswo, und der Anfruhr ziehe sich
in die Länge. Die Konvention verordnete,
alle Glocken in Paris zu zerschlagen, und
daß die Nationalkokarde das einzige Zeichen
zur Versammlung der Patrioten seyn soll.

Als am 22. des Morgens die Sitzung
wieder vorgenommen wurde, schien in Pa=
ris
alles ruhig, und die Konv. beschäftigte
sich mit des Dübois Vorschlag, die Ab=
gaben
in natürlichen Erzeugnissen einzuhe=
ben
. Die Erörterung ward durch Treil=
hard
unterbrochen, der im Nahmen des
Wohlfahrts=Ausschusses, der Konv. an=
zeigte
, daß zu Basel mit dem Könige von
Preussen ein Addizional=Traktat geschlossen
worden sey, der zur Absicht hätte, den Frie=
den
mit Deutschland herbeyzuführen. Die
Konv. nahm hierauf verschiedene Maßre=
geln
, um die Ruhe in Paris zu sichern;
aber sie wurde noch an demselben Tage un=
terbrochen
. Derjenige, welcher Feraud's
Kopf auf einer Pike umhergetragen hatte,
wurde vor das Revolutions=Gericht ge=
bracht
. Er heißt Quinel und ist ein
Schlossergesell. Als das Gericht durch
Zeugen erfuhr, daß er es wirklich sey, so
wurde er ohne weiteres dem Scharfrichter
zur Hinrichtung übergeben; allein als er
schon auf dem Blutgerüste war, wurde er
von dem Pöbel dem Scharfrichter entris=
sen
, und im Triumph in die Vorstadt St.
Antoine abgeführet.

Während der Nacht nahm die Sektion

[7]

Montreuil der Sektion von Arsenal die Ka=
nonen
weg. Die Ausschüsse trafen ernst=
hafte
Anstalten zur Sicherheit, und 20,000
Mann patrouillirten. Die Konvention er=
ließ
ein Dekret, daß die Einwohner der
Vorstadt St. Antoine den Mörder des
Feraud sogleich ausliefern und ihre 6 Ka=
nonen
abgeben sollen, im widrigen Fall sie
als Rebellen angesehen werden, und die übri=
gen
Sektionen von Paris gegen sie mar=
schiren
, auch sie von der Austheilung des
Brods ausgeschlossen seyn sollen. Es wurde
gleichfalls dekretiret, daß sobald mehr als
5 Weiber auf den Strassen beysammen
seyn, sie auseinander getrieben werden sol=
len
. Wie dieser sehr ernsthaft gewordene
Aufruhr ausgegangen ist, erheliet aus ei=
ner
Depesche, welche Barthelemi, zu Ba=
sel
, durch einen Kurier erhalten und be=
kannt
gemacht hat, und die also lautet:

Brief des Wohlfahrts=Ausschusses an
die Volks=Repräsentanten bey den Armeen
und den Departementen. Paris vom 4.
Prairial, (23. May.) „Die Maßregeln
gegen die Aufrührer der Vorstadt St. An=
toine
haben ihre volle Wirkung erhalten;
es war hinreichend, die fürchterlichen Zurü=
stungen
der Gewalt zu zeigen, um die Auf=
rührer
zum Gehorsam zu bringen. Meh=
rere
von den Anführern sind gefangen ge=
nommen
worden, der morgende Tag wird
ihre Strafe beleuchten. Die Entwaffnung
der übrigen wird sie ausser Stand setzen,
zu schaden; und die guten Bürger können
hoffen, daß ihre Ruhe nicht wieder gestört
werde.

Vom 5. Prairial. (24. May.) „Die
Häupter der Aufrührer sind heute guillo=
tinirt
worden.

Vereinigte Niederlande.

Der Französische Volksrepräsentant Sie=
yes
hat während seines Aufenthaltes im
Haag mit seinem Collegen Reubel im
Statthalterischen Pallaste gewohnet, und
ist am 19. wieder nach Paris zurückgerei=
set
. An eben dem Tage reiseten Reubel
und Cochon nach Amsterdam und bey ih=

rer Durchreise durch Haerlem paradirte
die ganze bewaffnete Bürgerschaft, so wie
die Französische und Holländische Garni=
son
auf dem grossen Markte. Jm Haag
war am 17. die Bürgerschaft in dem Sa=
le
über dem Butterhause versammelt, wo=
selbft
ihr der Volkrepräsentant, Bürger
Swart, den mit Frankreich geschlossenen
Allianztraktat vorlas. Am 18. wurde hier=
auf
den Französischen Voltsrepräsentanten
ein prächtiges Mittagmahl gegeben. Abends
versammelten sich alle Offizier der Na⟨zio⟩=
nalgarde
auf der neuen Doele und zogen
in völliger Uniform und in Prozeßion nach
dem Statthalterischen Palaste, um den
Französischen Volksrepräsentanten die Freu=
de
der Haager Nazionalgarde über den
zu Stand gekommenen Allianztraktat zu be=
zeigen
.

Die Publikazion wegen Errichtung einer
allgemeinen Nazional=Leihbank für die Pro=
vinz
Holland ist nun erschienen. Die Ab=
sicht
dieser Bank ist, diejenigen zu erleich=
tern
, deren Vermögen größtentheils in
Effekten und Gütern bestehet, die bey je=
tzigen
Zeitumständen nur mit grossem Ver=
lust
zu Gelde gemacht werden können, da=
mit
sie ihre Beyträge zu der bevorstehen=
den
grossen Contribution oder Geldhebung
erleichtern können. Diese Bank soll drey
Jahre, vom 1. Julius 1795 bis dahin
1798 dauern, soll ihr Comtoir zu Amster=
dam
haben, und von 6 Commissaren diri=
girt
werden, deren jeder 3000 Guld. Jahr=
gehalt
ziehen soll. Jn der Leihbauk wer=
den
angenommen: Obligationen, Renten=
briefe
, dreyßigjäbrige Renten und accep=
tirte
Wechsel zu Lasten der Provinzen und
der Generalitäts=Lande, auch Obligationen
und Wechselbriefe zu Lasten der Ostindischen
Kompagnie, der Admiralitätskollegien ⁊c.
ferner Obligationen zu Lasten auswärtiger
Mächte, Aktien in den öffentlichen Fonds
anderer Nazionen, auch unbewegliche =
ter
und Kaufmannswaaren, welche einen
couranten Werth haben; Juwelen, Korn,
Reis und die übrigen Lebensmittel sind aus=
schlossen
. Wer noch andere Güter zur Leih=

[8]

bank bringen will, darf sich nur bey den
provisorischen Repräsentanten melden. Die
Summe, welche auf das Unterpfand ver=
langet
wird, soll sich nicht höher als 80
Prozent belaufen. Für die Summe die
der Verpfänder aufgenommen hat, erhält
er Bankbillets, jedoch nicht kleiner als zu
100 Guld, die bey der Contribution wieder
angenommen werden. An Zinsen werden
4 Prozent bezahlt.

Aus Amsterdam wird unter dem 23.
May geschrieben: „Seit der mit Frank=
reich
abgeschlossenen Allianz zeigen unsere
neuen Regenten sowohl in den Staats=
als
Stadt=Kollegien mehrere Entschlossen=
heit
und Muth; besonders ertheilt der Mi=
litar
=Ausschuß seitdem allen Offizieren, wel=
che
haufenweise ihren Abschied verlangen,
denselben auf der Stelle. Auch gegen an=
dere
von der Oranischen Partey ist seit kur=
zem
mehrere Schärfe gezeigt worden. Ver=
schiedene
Personen wurden in dieser Woche,
wegen Orangezeichen und auffallender Aeus=
serungen
, sehr mißhandelt. Die hiesige Bür=
germilitz
wollte ihr Ansehn sogar gegen die
in der Vorstadt Kattenburg wohnenden
Prinzlichgesinnten Schiffszimmerleute zei=
gen
; allein die Franzosen selbst, welche auch
seit einiger Zeit das Landesmagazin auf
Kattenburg besetzt haben, verjagten sie.

„Jn der ganzen Provinz drücken Man=
gel
, Theurung und die Französische Ein=
quartirung
den geringern Bürgerstand aus=
serordentlich
; man sieht jezt auch nicht so
viel bares Geld als vormahls, aber desto
mehr Französische Aßignaten und Hollän=
dische
Recepissen, bey deren Annahme und
Ausgabe manche heftige Auftritte vorfallen.
Zu Rotterdam sind am 18. und 19. wirk=
lich
unruhige Bewegungen gewesen und die
basige Regierung hat sich gezwungen ge=
sehn
, das Eindringen in die Hänser der
Einwohner, um Güter aus denselben mit
Gewalt zu höhlen, oder oranischgesinnte
Personen zu beleidigen oder zu mißhandeln,
auf das schärfste zu verbiethen. Aus meh=
rern
andern Orten der Republik gehn trau=
rige
Berichte über Mangel und Elend ein,

welche durch die vielen Einquartirungen
und Durchmärsche verursacht worden, so
daß in Twenthe mehrere Häuser leer stehn,
aus welchen die Familien nach Deutsch=
land
ausgewandert sind.

„Die Stadt Amsterdam läßt alles un=
gemünzte
Gold und Silber, das zusam=
mengebrache
worden ist, in die Kasse der
Provinz Holland legen. Die jetzige pro=
visorische
Municipalität wird auch bald ab=
tieten
, da die 20 Wähler bereits durch das
Los ernannt sind, und sich nun damit be=
schäftigen
, der Stadt 120 Personen vor=
zuschingen
.

„Der Rußische Geschäftsträger v. No=
vikoff
ist am 20. plötzlich, ohne Abschied
zu nehmen, aus bem Haag abgereiset, wel=
ches
dem Gerüchte mehrern Glauben gibt,
daß Rußland nun wirklichen Antheil an
der Coalition gegen Frankreich nehmen
und 12 Linienschiffe zur Englischen Florte
schicken werde.

Deutschland.

Regensburg, vom 3. Junius. An
dem Orte der Reichsversammlung, und
beynahe zu gleicher Zeit an verschiede=
nen
Kur= und Fürstlichen Höfen, ist die
Nachricht verbreitet worden. „Es unter=
halte
der K. K. Hof durch den Grafen
Carletti Unterhandlungen in Paris, die
so weit auch wirklich gediehen wären, daß
das linke Rheinufer, gegen Wiederabtre=
tung
der Niederlande, und Beförderung
ihres Austausches gegen das Herzogthum
Bayern, den Franzosen überlassen, und
in Folge eben dieser Uebereinkunft nächstens
von dem Feind eingenommen werden soll.
Dieses Gerücht wird hiermit bestimmt und
förmlich, für das erklärt, was es ist, nähm=
lich
für eine abgeschmackte kindische Fabel,
deren weitere Verbreitung um so mehr für
eine Verleumdung angesehen werden muß=
te
, als der K. K. Hof seit Anfang des ge=
genwärtigen
Krieges niemahls, und am
wenigsten durch den sogenannten Grafen
Carletti, in eine Friedenshandlung mit
den Franzosen einzugehen, sich hat einfal=
len
lassen.

[9]

Anhang zur Wiener=Zeitung 1795. Nro. 46.


Wien.

Meteorologische Beobachtungen
auf der k. k. Sternwarte.
Vom 2. bis 9. Juni.


Barometerstand.


Täg
Den

2
3
4
5
6
7
8

2
3
4
5
6
7
8

8 Uhr früh
Z. L. 12Th

8 Uhr früh
Z. L. 12Th

28 3
4 2
4 4
3 9
2 11½
3
5 2

28 3
4 2
4 4
3 9
2 11½
3
5 2

3 U. nachm.
Z. L. 12Th

28 3
4 2
3 10½
3
3 0
3 2
5

28 3
4 2
3 10½
3
3 0
3 2
5

10 U. abend
Z. L. 12Th

28 3
4 1
3 8
3 4
3
3 8
5


28 3
4 1
3 8
3 4
3
3 8
5


Reaumur'scher Thermometerstand.


2
3
4
5
6
7
8

Grad

Grad

15 ober 0
15 4/5
17 1/6
17½
16 4/5
18
18 4/5

15 ober 0
15 4/5
17 1/6
17½
16 4/5
18
18 4/5

Grad

17 2/9 ober 0
19½
21
19 3/5
21
21 2/5
23 1/5

17 2/9 ober 0
19½
21
19 3/5
21
21 2/5
23 1/5

Grad

14 ober 0
15¾
17 1/6
14
16¼
17¾
19


14 ober 0
15¾
17 1/6
14
16¼
17¾
19


Anzeige des Windes.


2
3
4
5
6
7
8

S. schwach

S. O. still
S. schwach
S. stark

W. schwach

S. schwach

S. O. still
S. schwach
S. stark

W. schwach

S. stark
S. schwach
S. mittelm.
S S.O.sch.
S. stark

S. still

S. schwach
S. O. still
S. stark
S S.O.sch.
S. stark

S. still


Getreidepreis.

Zu Wien vom 1. bis 6. Juni.

Der Metzen Groschen.

Weitzen von 59 bis 90

Korn von 55 bis 67

Gersten von 47 bis 49

Haber von 29 bis 40

Zu Stockerau vom 1. Juni.

Der Metzen Groschen.

Weitzen von 52 bis 78

Korn von 46 bis 56

Gersten pr. 41

Haber von 32 bis 35

Zu Fischamend vom 4. Juni.

Der Metzen Groschen.

Weitzen von 66 bis 67

Korn von bis

Gersten von bis

Haber von 36 bis 37


Hofverordnung.

Jn Absicht auf die Censur der Druck=
schriften
und Kupferstiche ist folgende die
bisherigen Censursvorschriften in sich fas=
sende
allerhöchste General=Verordnung er=
gangen
:

§. I. Niemand soll unter den gegen
Einschwärzungen verhängten Strafen, eine
Druckschrift mit vorsätzlicher Umgehung der
Mauthämter und der Revisorate einführen,
und vor erhaltener Censursbewilligung zum
Verkanfe bringen.

§. II. Der Buchhändler, welcher ein
Buch, eine Broschüre oder irgend eine
Druckschrift, die verbothen, oder erga
Schèdam beschränkt ist, ohne eigenen Er=
laubnißschein
, welchen nur das K. K. ober=
ste
Directorum, und in den Provinzen die
Landesstelle ertheilen kann, verkauft, wird
im ersten Betretungsfalle mit 50 Guld. für
jedes Exemplar, und im zweyten, nebst
dieser Geldbusse, mit Verlust des Gewer=
bes
bestrafet.

§. III. Die den Buchhändlern auf den
Revisoraten zurückbehaltenen verbothenen
Bücher, wovon ein von dem Eigenthümer,
oder dessen Handlungsbestellten unterschrie=
benes
Verzeichniß mit beygesetzter Zahl der
Exemplare allda geführet wird, sollen bin=
nen
Zeit von 6 Monathen bey Strafe der

[10]

Konsiskazion, unter den vorgeschriebenen
Vorsichten, wieder aus den Erblanden ge=
schafft
werden. Sollten in einem oder dem
andern Falle besondere Hindernisse der Be=
folgung
dieser Vorschrift im Wege stehen,
so sind solche von den Eigenthümern oder
Administratoren anzuzeigen, wo dann nach
Beschaffenheit der Umstände, diese Frist auf
weitere 3 oder 6 Monathe wird erstrecket
werden.

§. IV. Kein Buchdrucker soll das Min=
deste
in Druck legen, ohne zuvor das Ma=
nuscript
in einer leserlichen Schrift und
richtig paginirt, auch mit einem weißgelas=
senen
Rande versehen, beym Revisionsamte
eingereicht, und die Zulassung vom Censurs=
departement
erhalten zu haben. Diese wird
nicht von den Censoren ertheilet, und ist
das von denselben gegebene Admittitur nicht
hinlänglich, sondern sie muß wegen der in
Censurssachen nöthigen Ordnung und Ma=
nipulazion
durch das vom Revisor eigen=
händig
, und mit dessen Unterschrift auf das
Manuscript beyzusetzende Imprimatur bestä=
tiget
werden, welches entweder ohne, oder
mit dem Beysatze omissis deletis, mit Aus=
lassung
der in der Handschrift ausgelösch=
ten
Worten oder Stellen, oder mit einem
anderen Beysatze und unter gewisser Be=
schränkung
gegeben wird. Hätte Jemand
ohne dieses Imprimatur einzuhohlen und er=
halten
zu haben, oder ohne sich nach des=
sen
Beysätzen oder Beschränkungen zu ach=
ten
, etwas, es sey was es wolle, in Druck
gelegt, so wird nicht allein die ganze Auf=
lage
mit Zerstörung des Schriftsatzes kon=
fiszirt
und eingestampfet, sondern es wird
auch der Uebertreter, sogleich mit Verlust
des Gewerbes, und überdieß mit 50 Guld.
für jedes in Umlauf gesetzte Exemplar, und
wenn er diese Geldbusse nicht erlegen könn=
te
, mit Arrest und am Leibe gestrafet, und
dabey jede Ausflucht, die Exemplare nicht
verkauft, sondern vertauscht, oder ver=
schenkt
, oder die Auflage auf auswärtige
Bestellung und zum Versenden in das Aus=
land
veranstaltet zu haben, so wie jede
Ausrede auf Versehen der Handlungsdiener

oder Handlanger als ungültig verworfen.

§. V. Die Manuscripte sind gewöhnlich
in zwey gleichlautenden Exemplaren einzu=
reichen
, doch kann nach Beschaffenheit des
Gegenstandes, nach Eigenschaft des Verfas=
sers
, und nach Umständen die Freyspre=
chung
vom Duplikate beym K. K. Direkto=
rium
, und in den Provinzen bey der Lan=
desstelle
angesuchet werden. Jn Fällen,
wo diese erfolgt ist, ist das Manuscript
nach vollbrachten Drucke, sogleich auf das
Revisionsamt nebst einem im Pappendeckel
gebundenen Exemplar wieder einzuliefern,
und würde jeder im Drucke ohne vorheri=
ge
Anzeige und erhaltene Erlaubniß gemach=
te
Zusatz, und jede erwiesene Verfälschung
des Originals (die Fehler in der Rechtschrei=
bung
oder im Styl, deren Verbesserung den
Sinn nicht ändert, allein ausgenommen,)
als Betrug und vorsetzliches Falsum stren=
ger
Ahndung unterliegen.

§. VI. Jeder, auf dessen Kosten und
Rechnung ein Buch oder kleinere Schrift
gedruckt werden soll, er sey Buchdrucker,
Buchhändler, Verleger oder Verfasser, ist
gehalten seinen Nahmen und Karakter nebst
seiner Wohnung zu Anfange des zur Cen=
sur
eingereichten Manuscripts, oder, wenn
es ein Nachdruck, oder neue Auflage ist,
des Originals leserlich beyzusetzen, und wird
von dem Revisionsamte nichts angenommen
werden, wo diese oder andere bey den
Manuscripten vorgeschriebenen Erfordernisse
ausser Acht gelassen sind.

§. VII. Die Manuscripte sollen von Nie=
mand
zu den Censoren gebracht, noch bey
denselben abgehohlet werden, sondern sie
sind ohne Unterschied unmittelbar bey dem
Revisionsamte einzureichen, wo sie der Ein=
reicher
mit dem Deciso abzuhohlen hat.
Die Censoren sind angewiesen, kein Exhi-
bitum
, welches ihnen nicht im ordentlichen
Wege durch das Revisionsamt zukommt,
in Censurirung zu nehmen, noch ein Censu=
rirtes
anderswohin als dahin abzugeben.
Niemand ist befugt sich den Censor seines
Buchs, oder Manuscripts selbst zu wählen,
oder dem Revisionsamte auf irgend eine Art

[11]

anzusinnen, daß es ein Stück eigends den
Censor A, statt des Censors B zur Censu=
rirung
zusende, noch soll der Eigenthümer,
wenn er den Censor erfahren hat, densel=
ben
selbst, oder durch andere überlaufen,
oder mit Bitten oder Vorstellungen behelli=
gen
, sondern jeder soll nach Einreichung
seines Werkes die Entscheidung ruhig ab=
warten
, und sich dieser ohne Widerrede und
Verunglimpfung der Censoren oder des Re=
visionsamtes
, welche allerdings nach dem
Grade des Frevels geahndet werden wür=
de
, geziemend fügen.

§. VIII. So wie zum Drucke neuer
Schriften, so muß auch zum Nachdrucke
eines schon erlaubten Werkes und eben so
zu jeder neuen Auflage die Erlaubniß mit=
tels
schriftlicher Anzeige und Einreichung des
Werkes selbst beym Revisionsamte und re-
spective
das Imprimatur, oder Reimpri-
matur
nachgesucht, und darf vor dessen
Erhaltung, unter gleicher Verpönung, we=
der
Nachdruck noch die neue Auflage veran=
staltet
werden.

§. IX. Wer solche Schriften in Geheim
druckt, oder nachdruckt, die nach den Straf=
gesetzen
in die Kathegorie der Verbrechen
gehören, macht sich derjenigen Strafen
theilhaftig, welche in den Gesetzen auf
die Verfassung dergleichen Schriften be=
stimmt
ist.

§. X. Niemand soll ein Werk, davon
die Handschrift bey einem deutscherbländi=
schen
Revisionsamte eingereichet worden,
die Zulass⟨u⟩ng aber nicht erfolgt ist, in das
Ausland zum Druck und Verbreitung schi=
cken
. Der Uebertreter wird mit einer nach
dem Grade der Anstößigkeit der Schrift,
und wenn es eine Schmähschrift ist, nach
dem Jnteresse der dadurch angegriffenen
Personen abgemessenen Strafe belegt werden.
Das Vorgeben, daß ihm das Manuscript
von Handen gekommen, und der auswär=
tige
Dr⟨u⟩ck ohne sein Wissen und Willen
veranstaltet worden sey, wird um so weni=
ger
angenommen, als Niemand ein von der
inländischen Censur verworfenes Manu=
script
andern mittheilen, oder mit Gefahr

weiterer Ausbreitung aufbewahren soll.

§. XI. Niemand soll mit Büchern hau=
siren
, solche kolportiren und damit heimli=
cher
Weise Gewerb treiben; die Uebertreter
werden nebst Konfiskazion, aller bey den=
selben
vorgefundenen Bücher in Verhaft ge=
zogen
, und nach Befund der Umstände, je
nachdem die also verkauften Bücher im ho=
hen
Grade sittenverderblich, religionswidrig
oder staatsgefährlich sind, mit schwerer an=
gemessener
Strafe, und wenn sie Auslän=
der
sind, auch mit der Landesverweisung
belegt werden.

§. XII. So wie allen und jeden Privat=
personen
, die nicht zum Buchdrucker= Ge=
werbe
gehörig befugt sind, Buchdrucker=
oder
Handpressen, und Druckcharaktere zu
haben untersagt ist, so wird auch allen
Buchdruckern bey Verlust ihres Gewerbes,
nebst Konfiskazion ihrer Werkzeuge, und
nach Beschaffenheit der Umstände noch wei=
terer
Geld= oder Leibesstrafe verbothen, an
entlegenen oder unzugänglichen oder verbor=
genen
Orten Pressen aufzustellen, und auf
heimliche Weise und durch lichtscheuende
Anstalten setzen oder drucken zu lassen.

§. XIII. Obstehende Verfügungen sind
zugleich von Kupferstichen jeder Art und
Vorstellung, wie auch von Landkarten und
Prospekten, Rissen von Städten, Festun=
gen
, Gränzen, Küsten, zu verstehen, von
welchen, wenn sie zum öffentlichen Verkau=
fe
bestimmt sind, vor der Gravirung jedes=
mahl
das Original ober die Zeichnung bey
dem Revisionsamte einzureichen, und die
Censursbewilligung einzuhohlen ist, so wie
alle auf Uebertretungsfälle bey Schriften
und Büchern fetzgesetzte Pönfälle sich auf
die Kupferstiche in gleichem Maße erstrecken.

§. XIV. Wer Verzeichnisse von verkäuf=
lichen
Büchern den Zeitungsblättern beyle=
gen
, oder auf andere Art durch den Druck
bekannt machen will, hat solche aufs spä=
teste
zwey volle Tage vor der Bekanntma=
chung
beym Revisionsamte in zwey gleich=
lautenden
Handschriften einzureichen; diese
Verzeichnisse müssen rein, leserlich geschrie=
ben
, die Titel der Bücher gehörig nach ih=

[12]

rem wahren Verfasser, wenn dieser genannt
ist, allezeit aber nach dem wahren Jn=
halte
, und dem Druckorte und Jahre ohne
Verdrehung, Verfälschung, oder unver
ständliche Abkürzung aufgesetzt, und alle
unmittelbare unschickliche Zusammensetzung
von Werken, biblischen und geistlichen,
oder andere ehrwürdige Gegenstände be=
treffenden
Jnhalts mit Werken einer von
jenen ganz verschiedenen und solcher Gat=
tung
, daß daraus Anlaß zu ungebührlichen
Beziehungen entstehen könnte, vermieden
werden. Wenn über dergleichen Verzeich=
nisse
das lmprimatur nicht unbedingt, son=
dern
mit der Beschränkung omissis deletis
ertheilt wird, so sind dieselben vor gänzli=
cher
Vollendung des Drucks bey dem Re=
visionsamte
noch einmahl vorzulegen, da=
mit
dasselbe sich von der geschehenen Weg=
lassung
der ausgestrichenen Artikel überzeu=
gen
, und das unbedingte lmprimatur bey=
setzen
könne. Das nähmliche ist bey Ver=
zeichnissen
von Kupferstichen und Lizita=
tionskatalogen
zu beobachten. Letztere sind
nach Verhältniß ihrer Größe früher, als
bey einzelnen Blättern erforderlich ist, zur
Censurirung einzureichen.

§. XV. Wenn Buchhändler Kataloge
oder kleinere Verzeichnisse von Büchern, die
sie zum öffentlichen Verkaufe ausbiethen,
bey dem Revisionsamte einreichen, und dar=
unter
verbothene gefunden werden, so sind
sie schuldig, solche an das Revisionsamt
abzugeben, wo dieselben so lange aufbehal=
ten
werden, bis die Eigenthümer entwe=
der
einen Käufer, der die besondere Erlaub=
niß
erhält, finden, oder bis sie solche un=
ter
dießfalls gewöhnlicher Vorsicht außer
Land schicken werden. Keines von beyden
kann bey solchen Stücken, die im hohen
Grade Religions Sitten oder Staats=
widrig
, oder pasquillantisch, ebrenrührisch
und ossenbar boshaft sind, statt haben,
als welche ohne Weiteres vom Revisions=
Amte zu vertilgen sind.

§ XVI Wenn ein Buchhändler oder
ein Privatmann Ansuchungszettel um Er=
laubniß
verbothener, oder erga Schedam

beschränkter Druckschriften einreicht, und da=
zu
catweder eine falschen Nahmen, der die=
se
Erlaubniß ansuchenden Person gebraucht,
oder nach erhaltener Erlaubniß ein bey der
Einreichung des Gesuches auf dem Zettel
nicht gestandenes derglichen Buch beysetzt,
hat dafür in jedem Falle eine Strafe im
Geld von 50 fl. zu entrichten. Eben diese
Strafe findet statt, wenn ein Buchhänd=
ler
oder anderer mehr als einmahl um die
Erlaubniß für das nähmliche Buch unter
dem Nahmen der nähmlichen Person an=
sucht
, und dadurch die das Censurfach di=
rigirende
Stelle frevelhaft zu täuschen ver=
sucht
. Derjenige, der die für diese Ueber=
trettungsfälle
bestimmte Geldstrafe zu erle=
gen
nicht vermöchte, hat für jeden Gulden
einen Tag im Gefängnisse zuzubringen.

§. XVII. Gleichwie die Revisionsäm=
ter
angewiesen sind, jeden ohne Unterschied
mit Befolgung ihrer Amtspflichten nach
Thunlichkeit ohne unnöthigen Aufenthalt
zu befördern, so wird auch, wer immer
bey denselben, es sey wegen Revidirung
seiner Bücher und Kupferstiche, oder auf
andere Art Geschäfte hat, dem dort ange=
stellten
Personale die Achtung, welche jeder
dem sein Amt handelnden Beamten zusteht,
mit gleicher Bescheidenheit bezeigen, und
sich von Zudringlichkeit, von heimlicher
oder offener Wegnehmung eines dort zu=
rückbehaltenen
Stückes, von unanständigen
Reden, oder Gezänke und von aller Unge=
bühr
, unter sonst unausbleiblichen Ahn=
dung
zu enthalten wissen; sollte Jemand
glauben, allda über Ordnung und Vor=
schrift
beeinträchtiget zu seyn, so hat er
solches im ordentlichen Wege in Wien bey
dem K. K. Directorium, und in den Provin=
zen
bey der Landesstelle mit Grund und
Beweis anzuzeigen, und von da den ord=
nungsmäßigen
Bescheid nach geschehener Un=
tersuchung
abzuwarten.

§. XVIII. Da gegenwärtige General=
Verordnung einestheils die Berichtigung al=
ler
vorgeblichen Unwissenheit, oder Unbe=
stimmtheit
und andererseits die Abstellung
aller ungebührlichen Schleichwege, Ver=

[13]

wirrungen und Mißbräuche zum Hauptge=
genstand
und Zweck hat, so wird sich Je=
dermann
nach der allgemeinen Pflicht, die
Landesgesetze treulich zu befolgen, nach dem
Jnhalt derselben genau zu achten, und je=
der
sowohl von den wirklich bestehenden
Buchdruckern, Buchhändlern, Kupferste=
chern
und wer immer den Censursanstalten
unterliegende Geschäfte führet, als auch
von denjenigen, welche in Zukunft zu die=
sen
Gewerben eintreten, sich solche anschaf=
fen
, und zu seiner im allen Fällen unver=
brüchlichen
Richtschnur aufbewahren und
gegenwärtig halten. Welches in Folge
höchster Hofentschliessung vom 30. May
d. J. durch die K. K. Nied. Oest. Landes=
regierung
zu Jedermanns Wissenschaft hier=
mit
bekannt gemacht wird. Wien den 3.
Junius 1795.


Verstorbene zu Wien.

Den 31. May. Jn der Stadt.

Hr. Joh. v. Märkhl, k.k. Obereinnehm. d. Kupfer=
amis
= u. Berwerkszahlungshauptkasse, alt 15 J.
in d. Wollzeille N. 828.

Hr. Franz Melzer, Wechslerskaßier, alt 22 J. in
d. unt. Bäckersir. N. 762.

Jfr. Ther. Hedwig Hölzl, gew. Kammerjr. alt 36
J. im Laurenzerg. N. 695.

Theresia Liechtenegger, led. alt 57 J. am Domi=
nikanerpl
. N. 725.

Vor der Stadt

Hr. Otto Lubw. Conrad d. b. r R. Graf v. Burk
hausen, k. k geb Rath u. Feldmarsch. Leut. alt
84 J. zu Mariah. N. 63.

Dem Peter Heimmerl, Gem. v. Jägerkorps, s. W.
Franziska, alt 42 J. im Lerchenf. N. 44.

Christian Siberitz, herrs. Reitkn. alt 26 J. in der
Noveranig. N. 174.

Fr. Elis. Lippinger, bgl. Oehlerers Wit. alt 82 J.
in i. H. auf d. Windmühl N. 19.

Jos. Faber, Schneid. alt 40 J. am Himmelpfortgr.
N. 7.

Dem Math. Mayer, Löhnkutsch. s. K. Agnes, alt
4 J. auf d. Wieden. N. 86.

Dem Heinrich Trageda, Kutsch. s. K. Eleon. alt 2
J. auf d. neu Wieden N 259.

Dem Hrn. Math. Hillwein, gew. Fabriksdirektor,
s. K. Theresia alt 6 J. auf d. Landstr. N. 430.

Maria A. Heytrüch, Bedient. Ehew. alt 34 J. b.
Elisabeth.

Hire Fierko, alt 18 J.

Ostab Czuzula, alt 18 J.

Nikols Horodnik, alt 20 J.

Joh. Wieszek, alt 26 J.

Migira Wasilow, alt 28 J.

Steph. Gaida, alt 20 J. alle 6 Gem. im Militärsp.

Barb. Walter, Dienstm. alt 24 J.

Maria A. Schanl, Tischl. Ehew. alt 42 J.

Barb. Ziegler, Dienstm. alt 45 J.

Anna Lausegger, Schuhmach. Ehew. alt 41 J.

Anton Soplitan, Tagl. alt 63 J.

Jfr. Carolina Bajet, k. k. Platzmas. T. alt 43 J.
alle 6 im allg Krankenh.

Sumna 25 Personen, darunter 3 Kind.


Den 1 Juni Jn der Stadt.

Hr. Simon Wilh. Düpont, jubil. k. k. Kammer=
dien
. alt 78 J. in d. Singerstr. N. 871.

Cath. Prohask, pens. k. k. Leiblak. Wit. alt 49 J.
im Ramhofg. N. 948.

Dem Joh. Grazofzky, Landkram. s. W. Cath. alt
47 J. am Graben N 1120.

Dem Hrn. Georg Brauner, bgl. Schneidermeist.
s. K. Georg, alt 4 J. in d. ob. Breunerst. N. 1173.

Vor der Stadt.

Mich. Lenhart, Jnvalid, alt 79 J. zu Mariah. N.89

Dem Math. Häfer, Fragner, s. W. Barb. alt 65
J zu Mariah. N 95.

Hr. Jos. Wagner, Apothek. Subjekt, alt 24 J. auf
d. Landstr. N. 390.

Fr. Josepha Albrecht, k. k. Hauptm. Wit. alt 64 J.
auf d. neu Wieden N. 261.

Dem Jos. Czizeck, gem. Soldat, s. W. Elis. alt 50
J. in d. Josephst. N. 144.

Math. Czerny, kais. Roßwart. alt 79 J. in d. Jo=
sephst
. N. 103.

Joh. Puchinger, Schneid. alt 28 J. im Lerchenf.
N. 114.

Dem Joh. Greiner, Bestandwirth, s K. Anna, alt
1 J. am Spitalb. N. 31.

Dem Joh. Schober, herrs. Gartner, s. K. Franzis=
ka
, alt 1 J. zu Mariah. N. 48.

Maria A. Rothmüllerin, Holzhack. Wit. alt 62 J.
am Thury N 54

Joh. Ant. Preschler, Sattlergs. alt 19 J.

Jakob Bertel, Schleisergs. alt 29 J.

Laur. Sippenauer, Bindergr. alt 25 J.

Georg Weigl, Strumpfwirkergs. alt 40 J.

Math. Rasmeister, Bedient. alt 53 J.

Thom. Ledr, Tagl. alt 70 J alle 6 b. Barmb.

Fried. Klein, gew. bg Strumpfwirk u. Pfründl u.
Burgersp. alt 97 J. zu St. Marx.

Cath. Steinbaur, led. alt 20 J. im Versorgb. am
Alsterb.

Mich. Tardonides, Fourier, alt 73 J.

Joh. Brath, Gem. alt 50 J. bede im Jnvalidend.

Mich. Hecht, alt 20 J.

[14]

Georg Nagy, alt 46 J.

Andrä Marschall, alt 27 J.

Wenzl Schürrak, alt 46 J.

Joh. Schwie⟨⟩, alt 22 J.

Kost Liewin, alt 24 J. alle 6 Gem.

Anna Franz, Soldat. W. alt 46 J. alle 71 Militsp.

Maria A. Bierbaum, Tagl. T. alt 12 J.

Maria A Haldvog, Mühlers T. alt 14 J.

Gertrau⟨d⟩ Dunckl, Postilltons Wit. alt 67 J.

Anna M. Hafner, Dienstm. alt 22 J.

Cath. Neumayer, Hauers Wit. alt 60 J.

Anna M. Schrefier, Löhnkutsch. Ehew. alt 45 J.

Franziska Sodidan, Dienstm, alt 66 J.

Franz Quit⟨⟩, Potigeysold. alt 58 J.

Joh. Aufrichtig, Schuhmach. alt 67 J.

Sebast Thurner, Pfründl. v. gr. Arinenh. alt 62 J.

Anna Kappeler, Kutsch. Wit. alt 27 J.

Justina Wagner, Dienstm. alt 27 J.

Philipp Prambost, Mustius, alt 55 J. alle 13 im
allg. Krankenh.

Summa 44. Personen, darunter 3 Kind.


Den 2. Juni Jn der Stadt.

Hr. Joseph des h. r. N. Graf v. Stockhammer,
k. k. Mundschenk u. Truchses, alt 71 J. in der
Grünangerg. N. 884.

Fr. Cath. Grilparzer, Traiteurs Wit. alt 77 J. am
Hohenmarkt N. 527.

Vor der Stadt.

Dem Hrn. Toussaint v. Bourgeois, k. k. Oberster
u Direkt. d Jngenieurakademie, s. K. Heinrich,
alt 3 J. auf d. Wieden N. 23.

Hr. Joh. Gärtner, gew. k. k. Oberlieut. alt 78 J.
auf d. neu Wieden N. 255.

Dem Franz Müller, herrs. Bedient. s. W. Rosina,
alt 40 J. am Spitalb. N. 125.

Dem Hrn. Sebast. Trappel, bgl. Perückenmach. s.
S Erhard alt 24 J. in d. Leopoldst. N. 241.

Dem Hrn Eilas Rabisch, bg. Schneidermeist. s. Fr.
Rosalia, alt 28 J. in d. Josephst. N. 79.

Hr. Joh. Bruckner, bgl. Bäckermeist. alt 72 J. in
s H. am Neustift N. 54.

Franz Schifmann, Maurergs. alt 42 J. in d. Roß=
au
N. 8⟨0⟩.

Dem Carl Weber, herrs. Bedient. s. W. Josepha,
alt 26 J in d. A⟨l⟩stervorst. N. 13.

Jos. Wachtl, gew. herrs. Jäger, alt 55 J. in d. Al=
stervorst
. N. 163.

Carl Schmidratner, Trager, alt 63 J. zu St. Ul=
rich
N. 41

Theresia Hautz, Bedient. Wit. alt 36 J. zu St.
Ulrich N. 9.

Dem Joh. Pflug, gem. Soldat, s. K. Franz, alt
3 J in d. Alstervorst. N. 36.

Stanisl. Jendruzizick, alt 25 J.

Mich. Kawekl, alt 19 J.

Andrä Meschak, alt 20 J.

Dominik Braunek, alt 33 J.

Jvan Limberth, alt 24 J. alle 5 Gem.

Peter Pfleger, Tambour, alt 15 J.

Jos. Ratz, Gem. alt 28 J. alle 7 im Militärsp.

Oswald Rundl, Bäckerj. alt 20 J.

Mich. Bauer, Schuhmacherlehrj. alt 17 J.

Georg Pöckl, Tagl. alt 73 J.

Hr. Franz Heinr. Jungen, Magistr. Sekret. a. 40 J.

Eva Matzner, Tagl. Ehew. alt 39 J. alle 5 im allg.
Krankenh.

Summa 26. Personen, darunter 2 Kind.


Erledigte Stipendien.

Wir Rector & Consistorium der uralten und
weitberühmten Universität allhier geben hiermit
allen der hohen Schule allhier die öffentliche Vor=
lesungen
Besuchenden zu vernehmen, daß bey
allhiesiger hohen Schule aus nachbenannten Stif=
tungen
einige Stipendien ledig seyn, nämlichich:
Aus der Thomas Crönnischen Stiftung für ei=
nen
aus Krain von Laybach, oder Oberburg ge=
bürtigen
Studenten, welcher aber die vorläufige
Präsentation von dem Hrn. Erzbischofen von
Laybach zu bewirken hat. Aus der Geißlerischen
Stiftung, erstens für jene von des Stifters
Freundschaft Abstammende, zweytens für die
aus seinem Geburtsorte gebürtige, drittens für
Lausnitzer und Schlesier, viertens für die an
Lausnitz und Schlesien angränzende. Aus der
Gerdesischen Stiftung für einen von des Stif=
ters
Freundschaft, in dessen Ermanglung für ei=
nen
aus Westphalen gebürtigen Studenten. Aus
der Kilbervillinischen Stiftung für 2 aus Un=
tersteyermark
gebürtige Studenten, deren einer
die Präsentation von dem Markte Leibnitz zu be=
wirken
hat. Aus der Molitorischen Stiftung
für die von des Stifters Freundschaft Abstam=
merde
, erstens von der männlichen= nachhin
weiblichen= und endlich Seitenlinie. Jn Abgang
der Befreundten für Elsaßer, und angränzende
von Elsaß. Ans der Pretterschneggerischen
Stiftung für einen was immer für einen Stu=
dium
obliegenden, von dem Markt Weißlichen
in Obersteyermark gebürtigen, oder in deren
Ermanglung für einen andern aus Steyermark
gebürtigen Jüng⟨l⟩ing, welcher aber die vorläufi=
ge
Präsenation von dem Marktgericht Weiß=
kirchen
zu bewirken hat. Aus der Rosenbursi=
schen
Stiftung für einen Jungling aus der Kha=
romannischen
Familie, oder in deren Abgang
für einen von Korneuburg gebürtigen, und von
dem alldasigen Stad⟨t⟩magistrat presentirten Kna=
ben
. Aus der Salzerischen Stiftung für 2
arme Studenten, nämlich einen aus der Stadt
Steyer im Lande Oesterreich ob der Ens ge=

[15]

bürtigen, welchen der Magi⟨st⟩rat erstbemeldter
Stadt zu presentiren hat, oder in dessen Abgang
für einen aus Oedenburg in Ungarn gebürtigen
weiters für einen von Waldhofen an der Ybbs
in Oesterreich unter der Enns gebürtigen, von
bemeldter Stadt presentirten Jüngling. Aus
der Sorbaithischen Stiftung für 2 aus des
Hrn. Stifters Freundschaft abstammende Jüng=
linge
, in Ermanglung derselben ader für jene
aus denen Niederlanden gebürtige. Aus der
Zwierschlagischen Stiftung für 2 Jünglinge,
vorzüglich des Hrn. Stifters Blutsverwandte, nach=
hin
aber für andere aus Deutschland gebürtige. Da=
her
haben jene Studenten, welche um Verleihung
der vorangeführten Stipendien anlangen wollen,
ihre Bittschriften pro 1mo Semestri 1795
von heute an bis 20. Juni 1795 einzureichen, in
solchen aber das Behörige von der Ortsobrig=
keit
ausgefertigte, und von dem Hrn. Pfarrer
bestättigte Armutszeugniß beyzubringen, dann
bey senen Stiftungen, wo die Präsentation, oder
das Geburtszeugniß erforderlich ist, sich unver=
wellt
um sothane Urkunden zu bewerben, und
solche beyzubringen, widrigenfalls die später ein=
reichende
und nicht behörig belegte Bittschriften
nicht mehr angenommen werden würden.


Veriohrne Quittung.

Freytags den 29. May ist von dem Keller=
hofe
aus über den hohen Markt und Wipplin=
gerstrasse
bis in das Rath aus eine auf 5 Gro=
schenstempel
geschrieben Abfertigungsquittung des
Joh. Michael Wieser, Korporals von Kaiser
Chevaux=Legers, zwischen halb 11 und 12 Uhr
verloren gegangen. Der redliche Finder wird
ersucht, diese Niemanden dienliche Quittung in
das Gewärzgewölb am Ecke des Kellerhofes ge=
gen
billige Belohnung zu bringen.


Geld auszuleihen.

Zehentausend Gulden in baarem Gelde wer=
den
aber nur auf Häuser in der Stadt, ober
auch auf Herrschaften in Oesterreich gegen aus=
weisender
hinreichender Sicherheit gegeben; dann
sind auch verschiedene grössere auch kleinere Po=
sten
, jedoch nicht alles in baarem Gelde allda
zu erhalten, welche aber auch in die Vorstadt,
jedoch gegen Papilarsicherheit gegeben werden.
Weiters sind auch allda verschiedene Häuser in
als vor der Stadt mit oder ohne Gärten zu
verkaufen, auch Landwirthschaften, Häuser auf
dem Lande, oder Herrschaften in Oesterreich zu
erfahren; nähere Auskunft erhält man in dem
Ballgässel wo die Schmiedte ist Nr. 975 der
Eingang bey dem grossen Thor rechts die Stie=
ge
im ersten Stock vormittag von 9 bis 12 Uhr,

und wird jenen, welche die Originaldokumenten
vorzeigen können nähere Auskunft gegeben.


Vortheilhaftes Anerbiethen.

Gegen sichere Hypothek werden 4 oder 5000
fl. baar, nebst einem grossen Bauplatz, gegen
1600 Klafter, welcher in der gesündesten und
schönsten Gegend in Wien ligt, und worauf we=
nigstens
6 Häuser können gebauet werden, pr.
8000 fl. hindangegeben. Nähere Auskunft. ist
i. der Kärntnerstrasse Nr. 960 im Niemerge=
wölb
zum weissen Wolfen bey Herrn Welzho=
fer
einzuhohlen.


Anzeige.

Verschiedene von mir acceptirte und bey Ver=
fallzeit
aus gründlichen Ursachen nicht eingelöste
Wechsels haben in ein und adern Handlungs=
plätzen
einiges Aufsehen verursachet, und mir da=
durch
einen äußerst nachtheiligen Ruf zugezogen.
Jch ersuche daher alle diejenigen, die einigen
Anspruch auf gedachte Wechsels zu haben glau=
ben
, sich damit an hiesige Hrn. Winzer &
Comp. zu wenden, mit denen ich mich desfalls
verglichen habe. Sollten ein und andere Freun=
be
nähere Aufklärung über diesen Vorfall zu
haben wünschen, so werden es auf Verlangen
gedachte Hrn. Winzer & Comp. dahier nebst mir
geben. Welches ich hiemit zu jedermanns Nach=
richt
und Rechtfertigung meines guten Namens
öffentlich anzeige. London den 27. April 1795.

Ludwig Kubach aus Wien.


Warnung an das Publikum.

Nachdem ich in sichere Erfahrung gebracht,
daß böse Leute unter den falschen Vorwand, als
wenn sie Forderungen an mich zu machen hätten,
und von mir keine Bezahlung erhalten könnten,
auf meinen Namen Geld zu borgen suchen, als
will ich hiemit öffentlich das gute Publikum für
solche Betrüger warnen, mit der Erklärung,
daß ich weder jemanden etwas schuldig, noch
einer Geldaufnahme benöthiget sey, somit in
keinem Fall eine Zahlung des auf meinen Na=
men
fälschlich geborgten Geldes leisten werde.
Wien den 3. Juni 1795.

Anna Regina Schmidt, gebohr=
ne
Rogalsky v. Rogallowitz.


Handlungskompagnon wird gesucht.

Man wünscht zu einer mit einer eigenen, al=
ten
und aufrecht stehenden Fabrike verbundenen
Waaren=Niederlage in Wien sich mit einem
den Handlungsgeschäften und zu Führung des
diesfälligen Briefswechsels erfahrnen Mann, wei=
cher
, um als Theilnehmer an dem betreffenden
Handlungsnutzen selbst beytretten zu können, mit

[16]

einem eigenen Einlagsvermögen von 15000 oder
wenigstens 10000 Gulden versehen seyn soll,
zu vergesellschaften. Des Näheren wegen hat
man sich schriftlich oder mündlich an den k. k.
Herrn Hofagenten v. Breßlern, auf der hohen
Brücke Nr. 396 im 3ten Stock wohnhaft, zu
wender.


Reise=Gesellschafter wird gesucht.

Ein Reisender, der in seinem eigenen bedeckten
Wagen von hier über Prag, Leipzig, Braun=
schweig
und Hannover nach Hamburg zu reisen
gewilliget ist, wünscht sich bis dahin für gemein=
schaftliche
Kosten einen Reisegefährten. Nähere
Nachricht ist hierüber in der Kärntnerstrasse im
weißen Schwann im ersten Stock im Zimmer
Nr. 3 zu erfragen.


Gärtner sucht Dienst.

Ein Kunstgärtner, welcher in seinem Metier
wohl erfahren ist, sucht Dienst: er hat haupt=
sachlich
von Treiberey und englischen Gärten gu=
te
Kenntniß zugleich treibt er nicht nur a⟨uch⟩in
alle Sorten von Obstfrüchten, sondern auch die
Weinstöcke ohne Feuer oder Ofenhitze, und kom=
men
selbe so früh, als wenn sie mit Feuer ge=
trieben
wären, und werden fast noch schöner und
delikater, welches grosse Monarchen schon bezeugt
haben; das übrige werden seine gute Rekom=
mendationen
aus verschiedenen Ländern zeigen.
Er ist zu erfragen zu Mariahilf im Blumenstock
Nr. 25.


Weinschauks. Nachricht.

Einem verehrungswürdigen Pubilkum wird
hiemit angezeigt, daß das Burgerspital in Wien
den 4. Juni das Schankhaus daselbst eröffnet
hat, und ihre eigenen beygeschaften ächten und
guten Weine wie vormals pr. 9, 11, 15, 18
und 24 kr. die Maß ausschänkt. Auch ist der
dem Bürgerspital zugehörige Keller am neuen
Markt neben dem Caffeehaus bereits eröffnet,
woselbst auch eigener Wein pr. 8 kr. die Maß
ausgeschänkt wird.


Gesundheitswässer.

Bey Andreas Hubiner, burgl. Handelsmann,
am neuen Markt zu den sieben Säulen, sind zu
bekommen nachstehende von einer löbl. medicini=
schen
Fakultät=porobirte Gesundheitswässer, als:
Robitscher Sauerbrunn, Egerischer deto, Bislt=
ner
Sauerbrunn in grossen Krügen, deto in klei=
nen
, Saldschitzer Bitterwasser in grossen Krügen,
deto in kleinen, Selterwasser und Stecknitzer Mi=
neralwasser
. Man kann alle diese Wässer ein=
zeln
und auch schon in ganzen Kisten verpackter
bekommen, und verspricht die beste Bedienung.

Um an Sonn= und Feyertägen mit obigen Wäs=
sern
bedienet zu werden, können sich Liebhaber
deshalb in der Wohnung zum schwarzen Rössel
neben dem goldenen Ochsen anfragen.


Mineral und Gesundheitswässer.

Einem hochzuverehrenden Publikum wird hie=
mit
bekannt gemacht, daß in der seit undenkli=
chen
Jahren ohnehin schon bekannten Haupwer=
schleiß
= Niederlage am Wildprätmarkt beym blau=
en
Jgel Nr. 571 alle Gattungen Jn= und Aus=
länder
= Mineral= und Gesundheits=Wässer frisch
angekommen, von der medienischen Fakultät wie
gewöhnlich geprüft und ächt befunden worden,
und um folgende Preise täglich, auch zu allen
Stunden in der Nacht zu haben sind. Als:

Nohitscher .. 20

Selterwasser . 45

Pyrmonterwasser . 1 10

Eger Sauerbrunn, grosser Krug. 48

kleiner detto. 33

Salsschitzer Bitterwasser, grosser Krug 20

kleiner detto 13

Billiner Sauerbrunn, grosser Krug 18

kleiner deto 12

Füreder . 20

Freudenthaler 24

Sternbirger . 20

Sedlitzer Bitherwasser 18

Jn diesem Verschleißgewölbe, welches sich durch
promte Bedienung, und Aechtheit der Wässer,
durch unzählige Jahre vorzüglich ausgezeichnet
hat, kömmt den Abnehmern noch der besondere
Vortheil zu statten, daß jeder nicht ächte oder
ungenußbare Krug oder Flasche, welches bey all
möglicher Sorgfalt hoch nicht vermieden werden
kann, wieder zurück genommen, und gegen einen
andern ohne Anstand ausgewechselt wird. Uiber
die bey denen zwey Ausländerwässern erhöhten
Preise schmeichelt man sich von dem einsichtsvol=
ten
Pubilkum um so gewisser entschuldiget zu
werden, da nicht Gewinnsucht, sondern lediglich
die bey dermaligen Umständen so sehr gestiegene
Frachtlohne die unvermeidliche Ursache ist. NB.
Durch Beweise vollkommen überzeugend, daß bey
den dermaligen Kriegsumständen nicht einmal
Bestellungen von Spaawasser in Loco können
gemacht werden, mithin auch kein frisches von
der Quelle ausser Land darf verführet werden,
so hat sich die Niederlage mit jenen von aus=
wärtigen
H. Spediteuren vielfältig angetragenen
alten Spaawasser nicht abgeben wollen, ist dero=
halben
für dieses Jahr alhier gar keines zu be=
kommen
.

Nohitscher .. 20

Selterwasser . 45

Pyrmonterwasser . 1 10

Eger Sauerbrunn, grosser Krug. 48

kleiner detto. 33

Salsschitzer Bitterwasser, grosser Krug 20

kleiner detto 13

Billiner Sauerbrunn, grosser Krug 18

kleiner deto 12

Füreder . 20

Freudenthaler 24

Sternbirger . 20

Sedlitzer Bitherwasser 18

Jn diesem Verschleißgewölbe, welches sich durch
promte Bedienung, und Aechtheit der Wässer,
durch unzählige Jahre vorzüglich ausgezeichnet
hat, kömmt den Abnehmern noch der besondere
Vortheil zu statten, daß jeder nicht ächte oder
ungenußbare Krug oder Flasche, welches bey all
möglicher Sorgfalt hoch nicht vermieden werden
kann, wieder zurück genommen, und gegen einen
andern ohne Anstand ausgewechselt wird. Uiber
die bey denen zwey Ausländerwässern erhöhten
Preise schmeichelt man sich von dem einsichtsvol=
ten
Pubilkum um so gewisser entschuldiget zu
werden, da nicht Gewinnsucht, sondern lediglich
die bey dermaligen Umständen so sehr gestiegene
Frachtlohne die unvermeidliche Ursache ist. NB.
Durch Beweise vollkommen überzeugend, daß bey
den dermaligen Kriegsumständen nicht einmal
Bestellungen von Spaawasser in Loco können
gemacht werden, mithin auch kein frisches von
der Quelle ausser Land darf verführet werden,
so hat sich die Niederlage mit jenen von aus=
wärtigen
H. Spediteuren vielfältig angetragenen
alten Spaawasser nicht abgeben wollen, ist dero=
halben
für dieses Jahr alhier gar keines zu be=
kommen
.

[17]

1795.

Nro. 46.


Nachricht von Chinesischen Malereyen.

Franz Ant. v. Scheibtl, Naturaltenmaler,
gibt sich hiemit die Ehre einem hohen Adel und
verehrungswürdigen Publikum anzuzeigen, daß
er von seiner Reise aus Koppenhagen eine voll=
ständige
Sammlung Chinesischer Figuren mitge=
bracht
habe. Sie enthält, nebst aller Kaiser,
aller Chinesischen Stände, Kleidertrachten, und
Handlungen, insbesondere aber 1) den dortigen
Staatsrath, die Gerichtsbarkeiten, und das Mi=
litär
; 2) alle Arten von Künstlern und Professi=
onisten
in 187 Blättern; 3) die 4 Chinesischen
Hauptprobulte, als, die Pflanzung des Thee
in 19 Blättern, des Porzelain in 27 Blättern,
die Pflegung des Seidenwurms, in 18 Blät=
tern
, und die Bauung des Reises in 25 Blät=
tern
von ihrer Entstehung bis zu ihre Ausfuhr;
dann 4) einige sehr sehenswürdige Prospekte, und
5) Segel und andere Schiffe in 25 Blättern;
wie auch 6) eine reickhaltige Parthie Jnsekten
mit ihren Generazionen, und besonders sehens=
würdige
Papilionen in 24 Blättern. Er läßt
sich zwar hier in kein besonders Detail über die
sehenswürdigen Eigenheiten dieser Stücke ein,
sondern schmeichlet sich mit Zuversicht, daß diese
Sammlung, welche überhaupt sowohl in Rück=
sicht
der Gegenstände selbst, als auch des rich=
tigen
Kolorits eine äußerst interessante Gallerie
bildet, und den Beyfall des Natur= und Kunst=
liebhabers
erhalten werde. Sie ist zu sehen auf
dem sogenanaten Platzl beym Egyptischen Joseph
Nr. 2 im ersten Stock, und zwar von 3 bis 6
Uhr Nachmittag. Sollten hohe Herrschaften
diese Sammlung in ihren Wohnungen zu sehen
wünschen, so ist derselbe bereit, solche gegen
(Discretion) hinzubringen. Wer in das Haus
kommt, und die Sammlung allda besehen will,
zahlt die Person 20 kr. Es ist allda auch ein
Paperl (weis Würbel) genannt von der Jnsel
Martinik, nebst einer großen Flüg sammt Mu=
sicalien
um billigen Preis zu verkaufen.


Nachricht

der k. k. privil. Argent-hagée Fabrik in der
Naglergasse am Haarhof Nr. 189.

Joseph Heinrich Begmann, k. k. privil. Ar-
gent-hagée=Fabrikant hat die Ehre einen ho=
hen
Adel und verehrungswürdigen Publikum be=
kannt
zu machen, daß man bey ihm alle Gat=
tungen
Argent-hagée=Waaren nach dem neue=
sten
Geschmack st den kann, als Truppen=Töpf,
Schüsseln, Tefler, Vorleg und Caffeelöffeln,
Messerschaflen, Caffee=Milch= und Theekandeln,
Reschu, Lavor, Gläser=Tassen, Eßig= und Oehl=
Chokolade und Caffee=Aufsätze, verschiedne
Schreibzeuge, Zuckerschachteln, malzfäffer Giran=

dolles, Spiel= und Tafelleuchter, auch derley
silberblatirte und bronce. Auch werden bey ihm
alle Gattungen alter Arbeiten auf das beste re=
novirt
, und gleichsam wieder neu gemacht, Da
er selbst der Erzeuger seiner Waaren ist, und
sowohl für deren Güte und Dauer sich verbür=
get
, als auch die billigsten Preise abschliessen
kann, so hoft er den geneigtesten Zuspruch. Auch
verfetigt derselbe alle Gattungen seidene und ka=
nefasene
Parapluis, dergleichen werden auch bey
ihm um den billigsten Preis ausgebessert.


Hammerschmiedswaarenverschleiß.

Gabriel Helm, welcher von einer hohen Lan=
desstelle
zufolge hoher Verordnung die Erlaub=
niß
zu Eröffnung eines Lagers seiner überhaupt
erzeugenden Hammerschmiedswaaren erhalten hat,
macht dem hochschätzbaren Publikum, insonder=
heit
aber den Herren Sattlern, Schmied= Schlos=
sermeistern
und Waschinenbereitern bekannt, daß
er allhier in der Stadt in der Johannsgasse Nr.
1004 neben der fürstlich Schwarzenbergischen
Murauer=Eisenniederlage in seinem errichteten
Gewölbe, alle Gattungen von Hammerschmied=
waaren
, insonderheit aber zu den Wägen, ganz
eisene Bäum, Bögen, zu verkleideten Bäumen,
ingleichen Bögen mit kurzen Federn, sowohl mit
Kanniß als glatt, eisene Axer, Axmuttern, Leg=
eisen
und Vorhauben; Schmied= und Schlosser=
ambos
; Vorschläghämmer, und andere verschie=
dene
Hammeischmiedswaaren in billigsten Prei=
sen
nach den allda zu jedermanns Einsicht be=
stehenden
Preiskurant verkaufet werden. Nicht
minder können von allen Gattungen derley Ar=
beiten
zu Maschinen und Mühlwerkern nach Mu=
ster
gefrümet werden, zu welchem Ende sich dann
sowohl wegen des Verkaufes und Bestellung an
den fürsil. Herrn Niederlagsfaktor allda zu ver=
wenden
seyn wird.


Zwey Forte-piano zu verkaufen.

Jm Grasserischen Haus Nr. 570 unter den
Tuchlauben im ersten Stock steht ein Forte-piano auserlesen schönen Magoniholz und feinster
Arbeit, es hat einem so ungewöhnlich starken
Ton, daß es 2 neben ihm stehende überstimmen
würde, dann kann man darauf so piano spielen,
daß es ganz dem sanften Ton einer Harmonie
gleicht, kurz seine innere Güte entspricht vollkom=
men
dem schönen äußeren Baue. Dann ist auch
ein großes englisches Forte-piano von unge=
wöhnlich
seltener Art, dann es geht bis in das
5mal gestrichene C, und kann in einem Augen=
blicke
um einen halben Ton höher oden tieser
gestimmt werden, von schöner Arbeit ebenda=
selbst
zu verkaufen.

[18]

Bey Joseph Frister,

Kunst= und Buchhändler am Michaelerplatz neben
den 3 Laufern, ist zu haben:

Oesterreichischer Militair=Allmanach für das
Jahr 1795. Auf Schreibpapier, und illu=
minirt
, in grünem Band 2 fl. Auf Druck=
papier
, in blauem Band 1 fl.

Außer einer genauen Anzeige der Miltiair=
veränderungen
seit May 1794, welche alle an
ihrem Orte gehörig angebracht sind, erscheinen
auch diesmal: 1) Ein Verzeichniß der bey je=
dem
k. k. Regimente, Corps ⁊c. meistens selt
ihrer Errichtung auf einander gefolgten Obersten.
2) Der jetzige Personalstand sowohl der Artille=
rieoffiziere
, als auch von der Militairgeistlichkeit,
und der Milliairchyrurgie. Die übrigen Bran=
chen
hat man bestmöglichst zu vervollkommnen
gesucht. Dieses sechste Bändchen einer Samm=
lung
, welche dem verehrungswürdigen Publikum
bisher immer willkommen war, bedarf wohl kei
ner weitern Empfehlung mehr. NB. Von den
vorhergehenden 5 Bändchens, sind nur wenige
Exemplare noch vorräthig.

Militairische Denkmünze, oder Belohnungs=
geschichte
der k. k. obligaten Mannschaft
in dem dermaligen Kriege, 12. Wien 1795.
gebunden 30 kr.


Bey Aloys Doll,

Buchhändler am Stephansfreydhofe im deutschen
Hause ist ganz neu zu haben:

Der verständige und sichere Wetterpropher,
welcher die natürlichen und künstlichen
Witterungszeichen besonders zum Beßten
des Feld= und Gartenbaues auf eine leicht=
faßliche
und deutliche Art erkläret. Her=
ausgegeben
von Christian Friedrich Ber=
ger
. 8. Wien, ungebund. 24. kr. blausteif 30 kr.

Jnhalt: I. Natürliche Witterungszeichen.

1) An Thieren: An Menschen. An Hausthie=
ren
sowohl als an wilden Thieren. An Haus=
geflügel
sowohl als wilden und Wasservögeln.
Von Fischen und andern Wasserthieren. Zeichen
von Jnsekten und Würmern 2) An Gewächsen
3) An leblosen flüßigen Materien. 4) An leb=
losen
festen Körpern. 5) Von Meteoren und ben
Hinmelsköpern: Vom Thaue. Vom Reise.
Vom Hagel. Vom Nebel. Von Wolken. Vom
Regen. Tom Schnee. Vom Negenbogen. Vom
Zustande das Luftkreises, und den davon abhangen=
den
Erscheinungen. Vom Nordlicht. Von Sternen
und Sternenschießen. Vom Aussehen der Sonne;
des Mondes. Von Mondsbrüchen. Vom Mondes=
zirkel
. 6) Vom Witierungslaufe. Jn Frühlings=
monaten
. Jn Sommermonaten. Jn Herbstmo=
naten
. Jn Wintermonaten, II. Künstliche Wit=

terungszeichen. Vom Barometer als Wetterglas.
Herrn Pfarrers Höslin Beobachtungen über den
Barometer zur wittern Prüfung. Herrn Pfar=
rers
Christ, Regeln für den Gebrauch der künft=
lichen
Barometer.

Der Erdmuthe Hülfreichinn Unterricht für
Hausmütter ihren Geschäften, welche
sie in der Küche. im Garten, im Vieh=
stalle
, und im Geflügelhofe zu besorgen
haben; nebst dem was ihnen vom Spin=
nen
der Weberey, von Zurichtung der
Bette und Wäsche zu wissen nothwendig
ist Ein Gegenstück zum Erdmuth Hülf=
reich
. 8. Wien 1795. ungebunden 24 kr.
blausteif 30. kr.


Bey Joseph Stahel u. Comp.

Buchhändlern, in der Wollzeile, ist ganz neu
zu haben:

Girtanners (Christoph) historische Nachrichten
und politische Betrachtungen über die französt=
sche
Revolution, 10ter Band, gr. 8. Berlin
1795. 2 fl. 15 kr.

Ebenderselbe Band in klein 8. 1 fl. 15 kr.
Ebendasselbe Werk alle 10 Bände in gr. 8. 18
fl. 15 kr.

in klein 8. 10 fl.


Ankündigung.

Genaue und umständliche Schilderung der
letzten eraurigen Revolution zu Genf.
Zum warnenden und belehrenden Bey=
spiele
für andere Völker und Nationen.
8. Deutschland 1795. lostet geheftet in einem
Umschlage 10 kr.

und ist zu haben zbey Franz Rötzl, Buchhändler
in der Singerstrasse neben dem Duggatischen
Caffeehaus, dem rothen Apfel gegenüber; und
Johann Schulmeister, Buchbinder in der Woll=
zelle
Nr. 808, und in den meisten Buchhand=
lungen
, sowohl in als außer Wien.


Bey Ludwig Mausberger,

k. k. priv. Buchbrucker, in seinem Anmeldungs=
gewölbe
, in der Seizergasse hinter der großen
Kriegs=Kanzley neben der kaiserl. königl. Ober=
Polizey=Direktion Nro 232, dann bey Johann
Schulmeister, bürgerl. Buchsinder in der Woll=
zeile
Nro 808 sind nebst vielen andern Bücher

auch folgende zwey Stücke ganz neu zu
haben. als:

Ein paar Worte an Marforius Vindohonen-
sis
: 8vo. Wien, 1795 auf Druckpapier bro=
schirt
10 kr. Auf Schreibpapier aber bro=
schirt
12 kr.

Sendchsreiben von Hannswurst aus dem
Reich der Todten, an seine würdige Nach=

[19]

folger bey den Wiener Vorstädt=Theatern, in
Geschmack des lustigen Eipeldauers abgefaßt.
8. Wien 1795 broschürt 10 kr.