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Wiener Zeitung

Nr. 48, 15. Juni 1796

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[1]

Jnländische Begebenheiten .

Wien .

Se . Maj . haben den Böhmischen Gu=
bernialrath
und Staatsgüter = Ad=
ministrator
, Johann Joseph v . Erben ,
in Rücksicht auf dessen langjährige Dienste
und erwiesenen auszeichnende Kenntnisse
zum wirklichen Hofrath bey dem Direc=
torium
zu ernennen geruhet .

Jngleichen haben Se . Maj . den Staats=
raths
= Konzipisten , Philipp v . Stahl , als
Hofsekretar zu dem Directorium übersetzt .

Se . K . K . Maj . , höchst Deren Auf=
merksamkeit
ächte Bürgertugend und Treue
nicht entgeht , haben den sechs Bürgern
der Königl . Freystadt Ofen , welche den
Subscriptionsplan zur Unterhaltung des
Ungarisch = Gyulaischen Freykorps von
1000 Mann entworfen , und die Sub=
scriptions
= Annahme besorgten , in Rück =

sicht dieses wahrhaft patriotischen Beneh=
mens
, goldene Ehrendenkmünzen zu verlei=
den
geruhet . Den 3 . d . M . geschah deren
Vertheilung auf dem Rathhause durch
den dasigen Stadtrichter , Herrn von
Kallmarfy , welcher hierzu den Auftrag
von der hohen Stelle hatte , bey ver=
sammelten
Rathe , und in Gegenwart
der gesammten Bürgerschaft . Nachdem
derselbe vorher eine dem Gegenstande an=
gemessene
Anrede gehalten hatte , hing
er jedem dieser sechs Biedermänner das
allerhöchst Königl . Ehrenzeichen an , nähm=
lich
dem Magistratsrathe Hrn . Franz Pa=
vianovich
, welcher die Hauptsubscrip=
tions
= Tabelle führet , und in seinem und
der andern Nahmen eine zierliche Dank=
rede
hielt , dem Hrn . Johann Magatti ,
ersten , Franz Xaver Niedermayer , bürgl .

[2]

Zimmermeister , zweyten , Franz Xaver
Gebhard , bürgerl . Handelsmann , drit=
ten
, Paul Antonovics , Tabaner Gr . R .
Richter , vierten , und Andrä Krautan ,
Tabaner katholischen Richter , fünften Sub=
scriptions
= Annehmer .

Nach Berichten aus Krakau ist die fey=
erliche
Einsetzung des neuerrichteten Appel=
lazions
= Gerichts durch den K . K . bevoll=
mächtigten
Landes = Einrichtungs = Hofkom=
missar
, Freyherrn v . Margelick , am 2 .
May vor sich gegangen . An diesem Tage
fand sich der Appellazions = Präsident , v . Ur=
banski
mit dem Vicepräsidenten v . Wit=
torf
, in des Hrn . Hofkommissars Woh=
nung
ein , wo sie in dessen und der Gu=
bernialräthe
v . Baum und Erggelet Ge=
genwart
, den Diensteid ablegten . Jnzwi=
schen
hatte sich das gesammte Personale
des Appellazions = Gerichtes in der St . Pe=
terskirche
versammelt , wohin dann der
Hr . Hofkommissar , unter Voraustretung
seiner Dienerschaft mit dem Hrn . Präsi=
denten
und Vicepräsidenten abfuhr . Hier
nahmen sie die ihnen angewiesenen Plätze
ein , und wohnten dem hohen Amte bey ,
das mit dem Veni Creator beschlossen wur=
de
. Hierauf ging der Zug in das Raths=
zimmer
des Königl . Appellazions = Gerich=
tes
, wo der Hr . Hofkommissar den Hrn .
Präsidenten und den Vicepräsidenten mit
einer Anrede dem gesammten Personale
vorstellte . Nachdem der Hr . Präsident ge=
antwortet
hatte , wurden die neuernann=
ten
Appellazions = Räthe aufgerufen , und
legte jeder den Diensteid ab . Auf gleiche
Art ward dann auch das untergeordnete
Personale aufgerufen und demselben der Eid
abgenommen . Zuletzt hielten der Appella=
zionsrath
Stojowsky , im Nahmen des
gesammten Personale , der Krakauer Bür=
germeister
Philipp Lichowski , im Nah=
men
der Stadt und des Magistrats , und
endlich der Advokat Johann Wolicki , im
Nahmen der Advokaten , angemessene
Dankreden . Als sodann der Hr . Hofkom=
missar
sich hinweg begab , ward er von
dem Präsidenten und Vicepräsidenten bis

an die Thüre des Rathssales , von den
Räthen aber bis an den Wagen beglei=
tet
, unmittelbar darauf aber die Raths=
sitzung
des Gerichts eröffnet .

Kriegsbegebenheiten .

Laut den weiters eingegangenen Berich=
ten
Sr . Königl . Hoheit des Erzherzogs
Karl , bestand der Verlust , den unsere Ar=
mee
in den verschiedenen am Unter Rhein
bisher vorgefallenen Gefechten erlitten hat ,
an Todten : in 1 Offizier und 17 Gemei=
nen
; an Verwundeten : in 149 Unteroffi=
zieren
und Gemeinen ; an Gefangenen und
Vermißten : in 1 Offizier , nebst 40 Unter=
offizieren
und Gemeinen .

Vorzüglich ausgezeichnet haben sich da=
bey
: der General v . Elsnitz , welcher mit
einigen Scharfschützen und einer Division
von Ulrich Kinsky den weit überlegenen
Feind so lang aufgehalten hat , bis er ,
durch die angerückte Verstärkung von Vec=
sey
Hussaren , in den Stand gesetzt wurde
den Feind zurück zu weisen . Eben so rühm=
lich
hat sich der Oberste Jellachich , durch
seinen tapfern Widerstand bey Neukir=
chen
, ausgezeichnet , so wie überhaupt die
Truppen mit Muth und Entschlossenheit
gefochten haben . Der Major Mamulla ,
von den Scharfschützen ; der Major , Ba=
von
Wodnianzky ; die Rittmeister , Graf
Trautmansdorf , und Schäfhüttel , von
den Uhlanen ; der Major Löhr , von den
Salzburgern ; und der Oberlieut . Vella ,
welcher letztere jedoch das Unglück hatte ,
verwundet und gefangen zu werden , ver=
dienen
besonders genannt zu werden .

Uebrigens dauern die feindlichen An=
griffe
ununterbrochen von allen Seiten fort .
Den 2 . griff der Feind die Vorposten des
F . M . L . Grafen Mercandin über Ar=
genthal
an , wurde aber zurückgeschlagen .
An eben dem Tage kanonirte er heftig auf
die bey Kirn stehenden kursächsischen Trup=
pen
, wodurch einige Grenadiers getödtet ,
und ein Hauptmann nebst mehreren Gemei=
nen
verwundet wurden ; allein auch hier
ward er durch die wirksamen Maßregeln

[3]

des F . M . L . v . Lindt bald zum schwei=
gen
und zum weichen gebracht .

Den 4 . Junius Nachmittags um 3 Uhr
machte der Feind einen Hauptangriff auf
die ganze Vorposten = Linie des unter dem
Generalen , Fürsten Hohenlohe stehenden
rechten Flügels von dem Korps des F . M .
L . Mercandin , drang in das Stromber=
ger
Thal ein , und erstieg mit 3 Bataillo=
nen
zwey Mahl die Anhöhen von Kandrich ,
wurde aber jedes Mahl mit Verlust zu=
rückgeworfen
.

Während dem dieses bey dem Korps
des F . M . L . Grafen Mercandin vorging ,
wendete der Feind mit einer grossen Macht
sich auch gegen das Korps des F . Z . M .
Prinzen von Würtemberg . Er drückte
am 3 . Junius unsere Truppen bis Alten=
kirchen
zurück . Der F . Z . M . ließ zwar
den Feind durch eine Abtheilung vom Re=
servekorps
angreifen , die ihn auch zurück=
schlug
, seiner Kavallerie vielen Abbruch
that , und die vorigen Posten wieder be=
setzte
; allein am 4 . kam er schon mit Ta=
ges
Anbruch mit einer verstärkten sich auf
24000 Mann belaufenden Macht neuer=
dings
zum Vorschein , und griff bey Al=
tenkirchen
und Krobach an . Der F . Z .
M . welcher einer so überlegenen Macht
nicht gewachsen zu seyn glaubte , beschloß
den Rückzug ; allein der linke Flügel war
schon zu sehr mit dem Feinde beschäftiget ,
als daß dieser Rückzug ohne Gefahr hätte
unternommen werden können . Unterdessen
bestieg der Feind mit Jnfanterie und Ka=
vallerie
die von uns besetzten Anhöhen ,
und griff das Regiment Jordis an . Drey
Mahl schlug dieß Regiment den mit Wuth
immer von neuen angreifenden Feind zu=
rück
ging mit gefälltem Bajonette auf
seine Kavallerie los , und that ihm vielen
Abbruch , bis es endlich der Uebermacht
gelang , diese zwey Bataillonen zu trennen ,
und sie zum Rückzug in den nahe gelegenen
Wald zu nöthigen .

Da auf diese Art unser linker Flügel
angangen war , fand der F . Z . M . Prinz
v . Würtemberg nothwendig , die Stei =

lung bey Krobach zu verlassen , und eine
solche zu wählen , in der er Verstärkungen
an sich ziehen , und in Vereinigung mit
dem General Fink bey Montabauer jene
beträchtlichen Truppen = Abtheilungen er=
warten
könnte , welche von der Unterrhei=
nischen
Armee zu ihm zu stossen bereits
beordert sind .


Nachricht an das Publikum .

Das Publikum wird benachrichtiget ,
daß das Verzeichniß über die bey der N .
Oest . ständischen Classen = Lotterie , welche
heute den 15 . Junius ihren Anfang ge=
nommen
hat , gezogenen Lose , und damit
verbundenen Gewinne von Morgen , als
dem 16 . dieses Monaths , angefangen , al=
le
Tage um vier Uhr Nachmittags , auf
Postpapier abgedruckt , das Stück zu drey
Kreuzer , in der von Kurzbeckischen N . Oest .
Landschafts = Buchdruckerey in der oberen
Breunerstrasse Nr . 1202 im ersten Stock=
werke
zu erhalten seyn wird .


Ausländische Begebenheiten .

Frankreich .

Das Directorium hat nach und nach die
meisten bey Baboeuf gefundenen Schrif=
ten
, die dessen Verschwörungs = Plan ent=
halten
, bekannt gemacht , zugleich aber
eine Warnung an die Franzosen erlassen ,
um ihnen gegen diese Verschwörung ei=
ne
Abneigung beyzubringen , und sie ge=
gen
Verführungen zu warnen . Jndessen
hat Baboeuf doch immer viele Anhänger ,
und es scheint , daß sie noch nicht alle
Hoffnungen aufgeben , eine neue Umwäl=
zung
hervor zu bringen .

Des verhafteten Drouet Sache ist noch
unentschieden , und nach einem Schrei=
ben
zu urtheilen , das er an den Rath
der 500 erlassen hat , und welches daselbst
öffentlich gelesen wurde , war er weniger
ein fürchterlicher Empörer , als ein thörich=
ter
demagogischer Schwärmer . Schon
von meinem 16 . Jahre an , heißt es da=
rin
, war ich für die Grundsätze der Gleich =

[4]

heit und Freyheit eingenommen , und
trug das einige zu deren Verbreitung
bey . Jn meiner Gefangenschaft tröstete
mich nur der Gedanke , daß diese Grund=
sätze
in meinem Vaterlande Wurzel gefaßt
hatten . Als ich nachher in Freyburg zu=
erst
die neue Konstituzion las , ward ich
über die zwey Kammern und andere Ein=
richtungen
ganz bestürzt , und noch mehr
dadurch , daß ich von den Feinden Frank=
reichs
diese Konstituzion loben hörte . Als
ich indessen nach Frankreich kam , faßte
ich vom Directorium wieder eine gute
Meinung , aber es war mir unausstehlich ,
Leute , die sich des Bürger = Nahmens
schämten , in öffentlichen Stellen , und die
wahren Apostel der Freyheit verkannt und
erachtet zu sehn . Da ich alles rückwärts
gehen sah , und den offenbaren Hang der
Regierung zum Royalisimus und zur Ari=
stokratie
bemerkte , entschloß ich mich ab=
zudanken
, und würde es schon gethan ha=
ben
, wenn mich meine Wunden und meine
Forderungen an die Regierung nicht auf=
gehalten
hätten . Von einer Verschwörung
weiß ich nichts . Jch läugne aber nicht ,
daß ich gegen die Regierung gesprochen und
geschrieben habe . Ja , ich machte auch Pla=
ne
, welche vielleicht manchem lächerlich
scheinen werden , die aber meinem Herzen
zur Erleichterung dienten . Die verfolg=
ten
Patrioten , sah ich wohl , würden sich
einst sammeln , und sich zu rächen suchen .
Dieses Uebel abzuwenden , erdachte ich
zwey Plane , einen unausführbaren und
einen ausführbaren . Der erstere war ,
daß die Regierung die kraftvollen Patrio=
ten
um sich versammeln , und um die , oh=
nehin
feigen , Aristokraten sich nicht beküm=
mern
sollte . Der andere war , daß , sobald
die Aristokratie ihr Regiment befestiget ha=
ben
würde , alle Patrioten in Masse auf=
stehen
, ihr undankbares Vaterland mit
Weib , Kind und Vermögen verlassen , und
unter dem wieder angenommenen Nahmen
der alten Gallier , sich auf einem feindli=
chen
fruchtbaren Boden mit Gewalt nie=
verlassen
, und die Grundsätze der Frey =

heit , Gleichheit und Bruderliebe in das
Werk setzen sollten . Dieses war meine
Verschwörung ; dieses sind die Plane , wor=
über
ich mich mit meinen Freunden unter=
hielt
. ( Drouet ist bey einem Frühstück
mit Laignelot und einigen andern verhaf=
tet
worden . ) Alle Republikaner wünschen
eine repüblikanische Vendee : ich wollte sie
auf feindlichen Boden errichten , um mei=
nem
Vaterlande Blutvergiessen zu erspa=
ren
. Zuletzt trägt Drouet noch darauf
an , daß man sein Schreiben öffentlich in
dem Rathe verlesen soll . Dieses würde
ihm ein Beweis seyn , daß man unpar=
teyisch
gegen ihn verfahre : die Verweige=
rung
seines Gesuchs aber werde er als
Probe der in Frankreich überwiegenden
Aristokratie ansehen . Jm letztern Falle
sey er seines Lebens satt , und habe auf
Erden keinen Wunsch mehr . Auch Ba=
boeuf
hat aus seinem Gefängnisse Frie=
densvorschläge
gethan . Man soll die Kon=
stituzion
von 1793 einführen , sonst wür=
de
die Empörung doch früh oder spät aus=
brechen
.

Jm Rath der 500 hat man am 24 .
May beschlossen , daß alle den Ausgewan=
derten
, Verwiesenen , Gefangenen oder
Hingerichteten gehörigen Güter , die in Be=
schlag
genommen worden sind , in Zeit von
3 Monathen , durch die Verwandten , wel=
che
darauf ein Recht zu haben glauben ,
in Anspruch genommen , nach Verlauf die=
ser
Zeit aber die rechtlich angesprochenen
zurückgegeben , die andern verkauft werden
sollen . Später überreichte Forderungen
können nur den Betrag des aus dem Ver=
kaufe
gelösten Geldes erhalten .

Zur Aufsicht über den Nazionalschatz
sind am 25 . May die Deputirten Camüs ,
Defermont , Monnot , Colombel und Ba=
lan
ernannt worden .

Am 26 . wurden verschiedene Berichte
und Vorschläge über die Einrichtung der
Finanzverwaltung , besonders in den De=
partementen
, vorgelegt , doch wurde die
Erörterung darüber vertaget .

Die Finanz = Kommißion schlug am 27 .

[5]

May vor , die Abgaben für das laufende
Jahr in Naturalien zu 300 Millionen Li=
vres
zu bestimmen , und dieselben halb in
Naturalien und halb in Gelde , das den
Werth der andern Hälfte der Abgabe gleich
käme , einzutreiben . Nach mehreren dage=
gen
gemachten Einwendungen , nahm man
den Grundsatz an , daß die Abgabe von
300 Millionen zwar in Getreide bestimmt ,
aber in Mandaten bezahlt werden soll .

Der zwischen Frankreich und Sardinien
geschlossen Friede ist sammt der Ratifika=
zion
des Raths der 500 nunmehr vollstän=
dig
im Druck erschienen , und lautet also :

Die Französische Republik und Se .
Maj . der König von Sardinien , gleicher=
massen
von dem Verlangen belebt , einen
glücklichen Frieden auf den Krieg , der sie
veruneinet , folgen zu lassen , haben er=
nannt
, nähmlich das vollziehende Directo=
rium
, im Nahmen der Französischen Re=
publik
, den Bürger Karl Delacroix , Mi=
nister
der auswärtigen Verhältnisse und
St . Maj . der König von Sardinien die
Hrn . Ritter v . Revel und v . Tonso , um
in ihrem Nahmen , die zur Herstellung
und Befestigung der Eintracht zwischen
den beyden Staaten , abzweckenden Be=
dingungen
festzusetzen , und nachdem die=
selben
ihre gegenseitigen Vollmachten aus=
gewechselt
hatten , sind sie über folgende
Punkte übereingekommen :

I . Es soll zwischen der Französischen
Republik und dem Könige von Sardinien
Friede , Freundschaft und gute Nachbar=
schaft
herrschen ; alle Feindseligkeiten sollen
von der Zeit der Unterzeichnung des ge=
genwärtigen
Traktates angefangen , zwi=
schen
beyden Mächten aufhören .

II . Der König von Sardinien entsagt
jeder öffentlichen oder geheimen Zustim=
mung
und Beytretung zu der gegen die
Französische Republik bewaffneten Koali=
zion
, und jedem Offensiv = oder Defensiv =
Traktate wider dieselbe , den er , mit was
immer für einer Macht , geschlossen haben
könnte . Er wird keiner der Mächte , wel=
che
mit Frankreich im Kriege verwickelt

sind einen Beytrag an Mannschaft oder
an Geld liefern , was dieser auch immer
für einen Grund oder Nahmen haben mag .

III . Der König von Sardinien entsagt ,
ohne allen Vorbehalt , auf immerwährende
Zeiten für sich , seine Nachfolger und Theil=
nehmer
, zu Gunsten der Französischen Re=
publik
, allen Rechten und Ansprüchen auf
Savoyen und die Grafschaften Nizza ,
Tenda und Beuil .

IV . Die Gränzen zwischen den Staaten
des Königs von Sardinien und den De=
partementen
der Französischen Republik
sollen durch eine bestimmte Linie auf den
äussersten Gränzen gegen Piemont festge=
setzt
werden ꝛc . ( Hier folgt eine aus=
führlichen
Bezeichnung der Gränzen von
Faucigny bis an die äussersten Eisberge ,
mit dem Zusatze , daß auch alle ausser der
Gränzlinie gelegenen Theile der benann=
ten
Orte zum Französischen Gebiethe ge=
hören
sollen . )

V . Der König von Sardinien verpflich=
tet
sich den aus der Französischen Repub=
lik
Ausgewanderten und Verbannten den
Aufenthalt in seinen Staaten nicht zu er=
lauben
; er kann jedoch Ausgewanderte aus
den Departementen von Montblanc , ( Sa=
voyen
) und den Alpen ( Nizza ) in seinen
Diensten behalten , so lange sie durch Un=
ternehmungen
und Ränke gegen die innere
Sicherheit der Republik keinen Grund zur
Klage geben .

VI . Der König von Sardinien entsagt
allen Forderungen , die er an die Franzö=
sische
Republik aus früheren Rechten ma=
chen
könnte .

VII . Es soll unverzüglich zwischen den
beyden Mächten , ein Handlungs = Vertrag
nach billigen und solchen Grundsätzen ge=
schlossen
werden , die der Französischen Na=
zion
wenigstens ganz gleiche Rechte mit
denjenigen verschaffen , welche in den Kön .
Sardinischen Staaten von den am meisten
begünstigten Nazionen genossen werden .

VIII . Der König von Sardinien ver=
pflichtet
sich eine volle und gänzliche Ver=
zeihung
allen denjenigen seiner Unterthanen


[6]

zu gewähren , welche wegen ihrer politi=
schen
Meinungen verfolgt worden sind .
Alle Prozesse , die ihnen deswegen gemacht
wurden , so wie alle darüber erfolgten Ur=
theils
= Sprüche sind aufgehoben ; alle ihre
beweglichen und unbeweglichen Güter , oder
wären sie veräussert worden , derselben
Betrag , sollen ihnen ohne Verzug zurück=
gestellt
werden ; es soll ihnen frey stehen ,
damit zu schalten , in die Sardinischen
Staaten zurück zu kehren und allda zu
verbleiben , oder sich hinweg zu begeben

IX . Die Französische Republik und der
König von Sardinien verpflichten sich den
Beschlag von allen Gütern und Einkünften
aufzuheben , welche wegen des gegenwär=
tigen
Kriegs auf die Bürger oder Unter=
thanen
des einen oder anderen Staates
gelegt worden sind , und sie gegenseitig in
ihre Besitzungen und Rechte wieder ein=
zusetzen
.

X . Alle gegenseitig gemachten Gefange=
nen
werden einen Monath nach Auswechs=
lung
des gegenwärtigen Traktats , jedoch
mit Bezahlung der Schulden , die sie wäh=
rend
ihrer Gefangenschaft gemacht haben
dürften , zurück gegeben . Die Kranken
und Verwundeten sollen indessen fortwäh=
rend
in den gegenseitigen Spitälern ge=
pfleget
, und nach ihrer Herstellung zurück=
gesendet
werden .

XI . Eine der kontrahirenden Mächte
kann den gegen die andere Macht feindse=
ligen
Truppen den Durchzug durch ihr Ge=
bieth
nicht verstatten .

( Die Fortsetzung folgt .

Großbritannien .

Die Parlaments = Erneuerung ist nun
durch ganz England in voller Bewegung ,
und viele Wahlen an kleinen Orten sind
schon geendiget . Die Wahl für die 4 neuen
Glieder der Hauptstadt London hat am
25 . angefangen . Die Anwerber Curtis
( Lord Major ) und die Aldermen Watkin
Lewes , Picket , Combe und Lushing=
ton
erschienen einer nach dem andern auf
dem Gerüste , und hielten an das zahl =

reich versammelte Volk sehr bündige Re=
den
, worin sie ihr bisheriges unabhängi=
ges
Betragen erhoben , und für die Zukunft
alles mögliche versprachen . Picket und
Combe um sich dem Volke gefällig machen ,
verwünschten den Krieg . Der am Poda=
gra
krank liegende Aldermann , Anderson ,
ließ für sich eine Rede an das Volk hal=
ten
. Jeder dieser Candidaten hatte seine
Partey , welche ihm Beyfall zujauchzte .
Nach Endigung der Reden hoben die Par=
teyen
, jede für ihren Candidaten die Hän=
de
in die Höhe , um zu ersehen , wer
die meisten Stimmen dadurch erhielt .
Die Sherifs erklärten , daß die meisten
Hände für Curtis , Watkin Lewes , Pi=
cket
und Combe wären . Dieses entschied
aber nichts , sondern man schritt zum wirk=
lichen
Stimmen , welches einige Wochen
dauern kann , da bey der letzten Londner =
Wahl über 19000 Stimmen abgelegt wor=
den
sind . Der Minister Pitt ist nach Cam=
bridge
gereiset , um sich dort wieder wäh=
len
zu lassen . Der Herzog von Bedford ,
welcher verschiedene Glieder der Opposizion
in ihren Wahlen unterstützet , soll jetzt jähr=
lich
130000 Pf . Sterl . Einkünfte haben .
Die Londner Blätter vergleichen die Par=
laments
= Candidaten , welche ihre Unab=
hängigkeit
und Vaterlandsliebe den Wäh=
lern
so glänzend schildern , mit den armen
Bräutigamen , die ihren reichen Bräuten
alles mögliche Gute versprechen , aber nach
der Hochzeit fast alles Versprochene ver=
gessen
.

Die jetzige Parlamentswahl hat schon ein
Unglück veranlaßt . Lord Friedrich und
Lord Charles Townshend , zwey Brüder
aber von entgegengesetzter Partey , kehr=
ten
von Yarmouth zurück , wo letzterer
zum Parlamentsglied erwählt worden war .
Unter Wegs zankten sie sich heftig , und
Lord Friedrich Townshend erschoß mit
einer Pistole seinen Bruder in dem Wagen .
Der Postillion , der gerade abwesend war ,
fuhr , ohne zu wissen was vorgegangen
sey , weiter . Als er vor London ange=
kommen
war , fragte er Lord Friedrich ,

[7]

nach welchem Hause er fahren sollte .
"Fahr zum T . . " war die Antwort . Als
hernach der Postillion den Wagen öffnete ,
versuchte Lord Friedrich wegzuspringen ;
da der Postillion aber den in Blut schwim=
menden
Leichnam sah , machte er Lärm ,
und ließ den Lord in Sicherheit bringen .
Die Sache wird nun gerichtlich unter=
sucht
.

Die Staats = Papiere sind seit einigen
Tagen , weil eben die Zahlungsfrist zu den
öffentlichen Anleihen einging , um einige
Prozent gefallen . Auch die Ostindischen
Actien sind in etwas herabgesunken seit
dem man weiß , daß es der Holländischen
Flotte gelungen hat , den Weg nach Ost=
indien
einzuschlagen , und man besorgen
muß , nicht so sehr , daß sie das Vorge=
bürge
der guten Hoffnung und die Ostin=
dischen
Besitzungen der Holländer wieder
erobert , als das ihr die aus Ostindien
erwarteten reichen Schiffsladungen in die
Hände fallen .

Desto günstigere Nachrichten erwartet
man aus Westindien , wo der General
Abercrombie zu Ende des Monaths März
auf der Jnsel Barbados 14 , 000 Mann
versammelt hatte , wovon er 4000 nach
St . Domingo geschickt hat , und mit den
übrigen eine Unternehmung auf St . Lu=
cie
und Guadaloupe machen wollte .

Auf der Jnsel Jamaika ist der Krieg
mit den Maroon = Negern gänzlich geendig=
get
. Die Hofzeitung vom 21 . May ent=
hält
darüber Amtsberichte . Sie sind von
dem dort kommandirenden General , Gra=
fen
Balcarras , vom 26 . März , und fol=
genden
Jnhalts : Dem Eifer und den
Talenten des Generals Walpole sind wir
die nunmehriger Bcendigung des Aufstan=
des
unter den hiesigen Negern schuldig .
Am 17 . und 21 . d . M . haben die letzten
Ueberreste der Aufrührer die Waffen nie=
dergelegt
, und in Beyseyn von Kommissa=
ren
, auf ihren Knieen , dem Könige treu
zu seyn geschworen . Um sie bis in ihre
letzten Schlupfwinkel zu verfolgen , haben
die gegen sie kommandirten Truppen un =

glaubliches Ungemach ausstehen , Wege ein=
schlagen
und Anhöhen erklettern müssen ,
wo zuvor noch kein Europäer den Fuß
hingesetzt hatte ; nahmentlich mußte die
letzte Kolonne , welche gegen sie anrückte ,
fünf Tage lang ohne Wasser marschiren ,
und sich nur mit den saftigen Pflanzen be=
helfen
, die sie auf ihrem Wege in der
Wildniß antraf . Jezt ist auf der ganzen
Jnsel alles ruhig , und die Sklaven arbei=
ten
wieder auf dem Felde ꝛc . " Ein spä=
terer
Brief aus Jamaika , vom 1 . April ,
meldet : daß zu Verhütung neuer Unruhen ,
die Vornehmsten von den aufrührerischen
Maroon = Negern , durch Mehrheit der
Stimmen , verurtheilt worden sind , von
Jamaika weg und nach Sierra Leon⟨a⟩
auf der Küste von Afrika überschifft zu
werden .

Am 26 . May würde die jährliche grosse
Händelsche Musik in der Kirche des Whi=
thall
Pallastes aufgeführt . Um 12 Uhr
kam der König , die Königinn und . 5
Prinzeßinnen in Begleitung der zum Hof =
Etat gehörigen Personen . An beyden
Seiten der Königl . Loge sassen der Erb=
statthalter
, die Bischöfe , die Herzoge ,
Lords und Gesandten , und auch die übri=
ge
Gesellschaft machte ein Gemählde von
Pracht , Grösse und Schönheit . Das
Orchester bestand aus etwann 400 Virtuo=
sen
; unter den Sängern zeichneten sich ein
Baßist , Hr . Braham , und unter den
Sängerinnen Miß Leak aus . Die Mu=
sik
dauerte bis gegen 4 Uhr . Die Ein=
nahme
ist zum Unterhalt der Witwen ab=
gelebter
Tonkünstler und ihrer Familien
bestimmt . Der König gab 100 Guineen .

Aus Bengalen ist das Schiff Britan=
nia
, in der äusserst kurzen Zeit von 4 Mo=
nathen
und 12 Tagen zu Plymouth an=
gekommen
. Es ist ganz mit Reis bela=
den
, und noch 30 andere Ostindienfahrer ,
deren jeder im Durchschnitte 1000 Schiffs=
tonnen
, die Tonne zu 20 Centner am Ge=
wicht
gerechnet , enthält , sollen ehestens
mit gleicher Ladung folgen , und dem Man=
gel
an Getreide in England abhelfen .

[8]

Vereinigte Niederlande

Man hat Nachricht , daß in Folge der
erschienenen Holländischen Kriegserklä=
rung
, die Englischen Kriegsschiffe den Be=
fehl
erhalten haben , alle aus den Hollän=
dischen
Häfen kommenden oder dahin ge=
henden
neutralen Schiffe zur nehmen , auch
schon einige Dänische Schiffe aufgebracht
worden sind .

Der zur Verabredung der Kriegs = Unter=
nehmungen
nach Paris abgesandte Contre =
Admiral de Winter , ist nach einer Abwe=
senheit
von 3 Wochen , nach dem Haag
zurückgekommen .

Jn der Naz . Vers . sind verschiedene wich=
tige
Vorschläge über die allgemeine Bür=
gerbewaffnung
, die Einführung einer allge=
meinen
Religions = Freyheit , und die Auf=
hebung
der föderativen Verbindung einzel=
ner
Provinzen ꝛc . gemacht und die Erör=
terungen
darüber ausgesetzt worden .

Der lärmende Widerstand , den ein Theil
der Amsterdamer Bürgerschaft gegen das
Einrücken des Französischen Militärs mach=
te
, hat diese Maßregeln nur um kurze Zeit
verzögern können . Es sind bereits einige
hundert Mann Französischer Hussaren ein=
gerückt
, denen am 29 . May noch ein Ba=
taillon
Jnfanterie folgte . Der Gemein=
derath
hat nun auch bekannt gemacht , daß
diejenigen Bürger = Artilleristen , welche
an den Unruhen vom 10 . May Theil ge=
nommen
haben , sich weder bewaffnet noch
in ihren Montirungen auf öffentlicher
Strasse sollen sehen lassen , folglich ganz ent=
lassen
sind . Bey der neuen Organisirung
dieses Artillerie = Korps sollen bloß die wie=
der
angestellt werden , welche gehorsam ge=
belieben
sind und wirklich ihre Waffen abge=
legt
haben , oder welche Beweise bringen
können , daß sie an Ablegung der Waffen
verhindert worden , und keinen Antheil an
den Unruhen genommen haben . Am 28 .
ist auch eine Kompagnie von der bürger=
lichen
Kavallerie entwaffnet worden , und
gleiches Schicksal haben um alle die Bür=
ger
= Korps , die sich nicht ruhig halten ,

zu erwarten . Der General Beurnonville
hat sogar darauf angetragen , einen Fran=
zösischen
General als Kommandanten in
Amsterdam anzustellen , welches aber noch
nicht bewilligt worden ist .

Der Französische Gesandte Noel hat im
Haag um die Ausfuhr von 5000 Stück
Rindvieh und 10 , 000 Schafen für die
Sambre = und Maaß = Armee angehalten ,
und überhaupt müssen die Französischen
Truppen am Nieder = Rhein aus der Re=
publik
die nöthigen Zufuhren erhalten .

Dänemark .

Das zur Beschützung der Norwegischen
Küste ausgerüstete kleine Geschwader des
Kommandeurs Wleugel ist am 23 . May
dahin abgesegelt . Nach wenigen Tagen
erwartet man , daß der übrige Theil der
Flotte aus dem Baum legen würde .

Durch ein Königl . Plakat vom 20 . May
ist die Ausfuhr aller Arten Getreides , so=
wohl
aus den beyden Königreichen als den
deutschen Provinzen wieder erlaubt worden .

Der Kronprinz und die Kronprinzeßinn
haben die Reise nach Pyrmont angetreten ,
und sind am 24 . May zu Schleswig ein=
getroffen
.

Während der Abwesenheit des Kron=
prinzen
wird nur einmahl in der Wochen
Staatsrath gehalten , und alle wichtigen
Sachen bleiben bis zu Sr . K . H . Zurück=
kunft
ausgesetzt .

Schweden .

Nach Berichten aus Stockholm vom 20 .
May fangen die in Finnland zusammen
gezogenen Truppen schon an , nach ihren
Standquartieren zurück zu marschiren .
Auch das in Stockholm eingetroffene =
dermannländische
Regiment hat am 17 .
May seinen Rückzug angetreten .

Der von dem Mecklenburg = Schwerini=
schen
Hofe nach Stockholm gesandte Mar=
schall
und Kammerher , Bar . v . Bülow ,
ist nach einer bey Hofe erhaltenen sehr
gnädigen Abschieds = Audienz , am 17 . nach
Mecklenburg zurück gereiset .

[9]

Anhang zur Wiener = Zeitung 1796 . Nro . 48

Wien .

Meteorologische Beobachtungen
auf der k . k . Sternwarte .

Vom 7 . bis 14 . Juni .


Barometerstand .

Täg 8 Uhr früh 3 U . nachm . 10 U . abend
Den Z . L . 12 Th . Z . L . 12 Th . Z . L . 12 Th .
7 28 4 4 28 4 8 1 / 2 28 5 10 1 / 2
8 6 11 1 / 2 6 8 6 4
9 5 11 4 8 4 9
10 5 10 1 / 2 6 3 1 / 2 6 8 1 / 2
11 5 9 1 / 2 4 9 4 2
12 4 4 4 7 5 10
13 7 5 7 4 7 7

Reaumur'scher Thermometerstand .

Grad Grad Grad
7 10 ober 0 14 1 / 2 ober 0 12 1 / 3 ober 0
8 13 16 1 / 2 13 1 / 3
9 15 183 / 4 16
10 14 17 141 / 6
11 15 3 / 4 20 162 / 5
12 18 1 / 4 20 〈…〉 16 3 / 4
13 17 3 / 4 201 / 5 17 1 / 2

Anzeige des Windes -

7 N . stark N . stark N . mittelm .
8 N . schwach N . schwach N . W . still
9 S . O . still S . stark S . stark
10 N . O . schw . N . O . mtlm . N . O . still
11 S . schwach S . stark S . stark
12 W . mitelm . S . schwach W . stark
13 W . mittelm . N . O . still

Getreidepreis .

Zu Wien von 6 . bis 11 . Juni

Der Metzen Groschen .
Weitzen von 50 bis 70
Korn von 25 bis 37
Gersten von 24 bis 30
Haber von 20 bis 25

Zu Fischamend den 7 . und 9 . Juni .

Der Metzen Groschen .
Weitzen von 53 bis 58
Korn von 24 bis 28
Gersten von 23 bis 24
Haber von 18 bis 20

Zu Stadt Großenzerstorf vom 8 . Juni .

Der Metzen Groschen .
Weitzen von 50 bis 60
Korn von 28 bis 31
Gersten pr . 21
Haber

Löbliche Handlung .

Von dem Magistrate der k . k . Haupt = und Resi=
denzstadt
Wien wird hiermit bekannt gemacht : Es
habe der hiesige Florentinerspitzfabrikant , Mathias
Opferkuh , eine neue Art von Weberstuhl erfunden ,
worauf Lahme und solche Menschen gebrauchet wer=
den
können , welche nur einen Fuß , oder eine Hand
haben . Das zur Untersuchung dieses Stuhls bey=
gezogene
bürgerl . Webermittel hat sich durch diese
gute Erfindung bewogen gefunden , den Mathias
Opferkuh freywillig in das Mittel aufzunehmen ,
welche löbl . Handlung der hiesigen bürgerl . We=
berinnung
hiermit öffentlich belobet wird . Wien
am 8 . Juni 1796 .


Verstorbene zu Wien .

Den 5 . Juny Jn der Stadt .

  • Hr . Franz Steiglöhner , geprüft . Wundarzt , alt 50 J .
    am Hohenmarkt N . 554 .
  • Dem Jos . Buchinger , Hausmeist . s . K . Jos . alt 3 J .
    in d . Rauhensteing . N . 991 .

Vor der Stadt .

  • Dem Andre Schmid , Traiteur im k . k . Militärsp . s W .
    Johanna , alt 42 J . allda zu Gumpend . N . 37 .
  • Anna M . Moßbrucker , Dienstm . u . Pfründl . v . Jo=
    hannesspit
    . alt 57 J . im Lerchenf . N . 4 .
  • Franz Neubauer , Trager , alt 73 J . in d . Leopoldst .
    N . 478 .
  • Dem Joh . Schzarl , Tagl . s . K . Jos . alt 2 J . auf der
    Wieden N . 519 .
  • Hr . Anton Grott , Oberschneidermeist . in d . k . k . Oeko=
    nomie
    , alt 66 J . auf d . Landstr . N . 434 .
  • Dem Jos . Müllner , schutzv . Zeugmach . s . S . Joh . alt
    12 J . am Oberneust . N . 133 .
[10]

  • Joh . Schabatka , herrs . Küchenschreiber , alt 30 J . zu
    Mariah . N . 84 .
  • Dem Philipp Walkshofer , schutzv . Schneid . s . K . An=
    tonia
    , alt 5 J . zu Erdberg N . 11 .
  • Dem Jgnaz Szetsengi , herrs . Hussar , s . K . Emerik ,
    alt 1 J . zu Erdberg N . 11 .
  • Jos . Moser , Tagl . alt 72 J . zu Erdberg N . 108 .
  • Dem Adam Baßl , Weinwirth , s . W . Elis . alt 29 J .
    in s . H . zu Margaret . N . 95 .
  • German Obresse , alt 22 J .
  • Fried . Nikel , alt 19 J .
  • Sebast . Dluyon , alt 22 J . alle 3 Gem . im Militärsp .
  • Fr . Theresia Rumin , bg Riemermeist Eheg . a . 28 J .
  • Anna M . Erlinger , Handarbeit . alt 21 J .
  • Elis . Fortner , Pferdwart . Ehew . alt 65 J .
  • Cath . Nachtigall , Steinmetzges . Wit . alt 39 J .
  • Eleon . Mayer , Ansagers Wit . alt 40 J . alle 5 im allg .
    Krankenh .
  • Summa 21 Personen , darunter 4 Kind .

Den 6 Juny Jn der Stadt .

  • Frle . Maria A . v . Schaub , hinterl . pens . k . k . Hauptm .
    T . alt 44 J . am Haarmarkt N . 682 .

Vor der Stadt .

  • Hr . Joh . Mich . Halmschlöger , bg . Sauerkräutl . alt
    69 J . in s . H . in d . Leopoldst . N . 147 .
  • Elis . Hermann , gew . bgl . Schneidermeist . Wit . u .
    Pfründl . v . Burgersp . alt 78 J . in d . Jägerzeil N . 9 .
  • Dem Hrn . Joh . G . Offner , bg . Posamentiermeist , s .
    K . Elis . alt 6 J . am Neubau . 100 .
  • Jfr . Cath . Hartman , hinterl . bgl . Posamentirermeist .
    T . alt 33 J . am Neustift N . 19 .
  • Dem Martin Lichtner , Hausmeist . s . W . Maria A .
    56 J . zu Mariah . N . 56 .
  • Dem Joh . Mayer , Riemergs . s . W . Anna M . alt 66
    J . am Neubau N . 163 .
  • Dem Hrn . Jos . Schlunt , bg . Tischlermeist . s . K . The=
    resia
    , alt 3 J . am Spitalb . N . 83 .
  • Cath . Florhamer , verwaist . Zeugmach . K . alt 1 J .
    auf d . Wendlst . N . 84 .
  • Joh . Pelapp , gew . Fuhrkn . alt 71 J . im Versorgh . im
    Langenkeller am Neubau .
  • Caspar Adam , Lederergs . alt 67 J . b . Barmh .
  • Jos . Leitschack , Schlossergs . alt 24 J .
  • Hr . Peter Butz , bg . Schneidermeist . alt 49 J .
  • Barb . Leporin , Bedient . Ehew . alt 35 J .
  • Maria A . Haßlinger , Tagl . Wit . alt 70 J .
  • Laur . Unger , Tagl . alt 72 J .
  • Maria A . Braunhagl , Tagl . Ehew . alt 32 J .
  • Fr . Anna Smiral , bgl . Posamentiers Eheg . alt 56 J .
  • Karl Raffelsperger , Fourier , alt 43 J . alle 8 im allg .
    Krankenh .
  • Summa 19 Personen , darunter 3 Kind .

Den 7 . Juny Jn der Stadt .

  • Dem Hrn . Joh . Polloni , bgl . Schneidermeist . s . K .
    Leop . alt 5 J . auf d . Brandstadt N . 670 .

Vor der Stadt .

  • Wenzl Schmid , Zeugmachergs . alt 19 J . am Hungelgr .
    N . 11 .
  • Dem Karl Seemann , Schuhmach . s . K . Martin , alt
    1 J . am Himmelpfortgr . N . 82 .
  • Clara Aschmüller , gew . herrs . Dienstm . alt 78 J . auf
    d . Wieden N . 199 .
  • Dem Hrn Ferd . Schnell , bgl . Vergoldter , s . K . Elis .
    alt 4 J . auf d . Windmühl N . 59 .
  • Dem Adam Stumpf , Kupferdruckergs . s . K . Jos . alt
    3 J . in d . Josephst . N . 35 .
  • Dem Hrn . Anton v . Braun , Mediz . Dr . s . Fr . Theres .
    alt 26 J . in d . Ungerg . N . 290 .
  • Hr . Jos . Ernest Breyer , akadem . Maler , alt 50 J . in
    s . H . auf d . Wieden N . 237 .
  • Dem Franz Wanck , Fourier b . k . k . Fuhrwesen , s . W .
    Cath . alt 26 J . im Lerchenf . N . 67 .
  • Regina Kellner , Tagl . Wit . alt 72 J . zu Gumpend .
    N . 30 .
  • Jos . Schachtner , Schweintreiber , alt 34 J . auf der
    Landstr . N . 172 .
  • Dem Martin Wacha , Bedient . s . W . Anna M . alt
    33 J . auf d . Wieden N . 311 .
  • Dem Hrn . Ernest Conrad , k . k . Lieut . s . K . Karl , alt
    4 J . in d . Alsterkassärn .
  • Joh . Georg Graf , pens . k . k . Tabackunteraufseher , alt
    57 J . am Neubau N . 94 .
  • Dem Hrn . Joh . Georg Walter , bg . Schuhmach . s . Fr .
    Anna , alt 25 J . zu Mariah . N . 80 .
  • Dem Caspar Gor , k . k . Leibkutsch . s . T . Josepha , alt
    20 J . am Oberneust . N . 199 .
  • Eine unbek . Mannspers . alt b . 30 J . ist in d . Donau
    ertrunken gefund . worden .
  • Joh . Jorny , alt 30 J .
  • Wenzl Petz , alt 64 J . bede Gem . im Jnvalidenh .
  • Wenzl Schimanech , Fourierschütz v . d . Artill . alt 30 J .
    im Militärspit .
  • Laur . Käudl , Tagl . alt 74 J .
  • Franz Jost , Spiegelmachergs . K . alt 5 J .
  • Anna M . Baumgartner , Krankenwart Ehew . a . 26 J .
  • Gertraud Hirt , Bedient . Wit . alt 66 J . alle 4 im allg .
    Krankenh .
  • Summa 24 Personen , darunter 6 Kind .

Pantomimisches Feuerwerk ,

Sonntag den 19 . Juni , unter dem Titel :

Das Kirchtagsbaum = Fest in den Elyseischen
Feldern , oder die Unterhaltungen im Elysiun
bey Ankunft des Werthers und Lottchen .

Bey Bearbeitung dieses gewiß sehr unterhaltli=
chen
, prächtigen und sehenswürdigen Feuerwerk
wich ich zwar von der allgemein angenommenen
Mytheologie in so weit ab , als es zur Ausführung
der in dem Feuerwerk anzubringenden vorzüglic⟨h⟩
schöneren mechanischen Einrichtungen , und auffallen

[11]

überraschenden Vorstellungen nothwendig war , um
ein verehrungswürdigstes Publikum nach meinem
Wunsch bestens zu unterhalten , und mich dadurch
dessen ferneren Gnade würdiger zu machen . Der
Hauptstoss dieser pantomimischen Vorstellung be=
steht
darin , daß bey Ankunft des Werthers und
seiner geliebten Lottchen die eliseischen Geister ein
allgemeines Freudenfeste anstellten , um dieser zwey
Romanhelden niedergeschlagenes Gemüth , wegen
in der Oberwelt ausgestandenen so vielfältigen Lie=
besleiden
aufzuheitern . Es wurde daher in dem
besonders prächtigen Elysiums = Garten in einer der
angenehmsten Gegenden für Lottchen eine Hutsche
zubereitet , wo sie sich sichtbarlich unterhalten wird .
Dann erscheinet ein überaus prächtiger und herrlich
beleichteter Redouten = Saal , wo Werther und Lott=
chen
zusamm treffen , und im Taumel ihrer ersten
Freude einen Langaus sichtbarlich tanzen werden .
Um aber auch die neuen Gäste nach dem Tanz
mit einer weiteren Uiberraschung zu ergötzen , haben
die Geister in den offenen Gefilden des Elysiums
ein ordentliches Feuerwerk mit Dekorazien und
Seiten = Luftstücken errichtet , worauf endlich der
vor mehreren Jahren in der Oberwelt berühmt ge=
weste
Kirchtags = Baumsteiger Stephan Wastl den
in dem grossen und prächtigen Rondo des Elysiums
errichteten bey 20 Klafter hohen Kirchtagsbaum
sichtbarlich steigen , und an dessen Gipfel die Ge=
sundheit
sämmtlicher Zusehern ausbringen wird ,
wobey unterdessen in der unter dem Baum errich=
treten
Laubhütte Werther mit Lottchen ein Pas de
deux tantzen werden . Dies ist nur eine kleine
Uibersicht des ganzen , womit ich mir den unge=
theiltesten
Beyfall einzuerndten schmeichle , und da=
her
mir die Freyheit nehme , ein Hochzuverehren=
destes
Publikum gehorsamst dazu einzuladen .
Johann Georg Stuwer ,
k . k . priv . Kunst = und Lustfeuerwerker .


Verlohrne brillantene Sonnenrosem

Den 22 . May in der Nacht ist auf der Sai=
lerstadt
eine grosse brillantene Sonnenrosen au jour
gefaßt , verlohren worden . Der redliche Finder ,
oder wer davon eine Auskunft geben kann , wird
höflichst ersucht , solche gegen 20 Dukaten Recom=
pens
, in die Papier = Niederlage im Schönbrunner=
haus
unter den Tuchlauben zu überbringen .


Verlohrne Brieftasche .

Den 9 . Juni Abends von 9 bis 10 Uhr ist
auf dem Weg von dem Wirthshaus zu den drey
Hacken auf der Freyung durch die Renngasse auf
die hohe Brücke , Judenplatz in die Theinfaltstrasse
eine rothlederne Brieftasche , in welchen sich ein
Bankozettel von 100 fl . eines von 50 , gegen 100
Gulden in kleinern Zetteln , 5 kaiserl . und 2 Hol =

länder = Dukaten , dann verschiedene Schriften , nebst
einem kaiserl . Paß befinden , verlohren gegangen .
Der redliche Finder wird ersucht , diese Brieftasche
gegen einem Rekompens von 50 Gulden in das deut=
sche
Zeitungskomtoir abzugeben .


Warnung .

Den Herren M . Hönig Söhne ist nachstehen=
der
von den Herren Joh . G . Schuller & Comp .
an Zahlung überkommener Wechsel in Verlust ge=
rathen
: " Fl . 2000 dd . 25 . März . 796 . 2 m t . d .
Da Pourtales l'aine in Neufchatel ord . Isac
Lazar Schif , auf die Herren N . Arnsteiner &
Comp . gezogen und von ihnen auch acceptirt . "
Da die Amortisirung erst nächster Tagen in dieser
Zeitung eingerückt werden wird , so will man in=
dessen
einen jeden warnen , diesen Wechsel von
Niemanden an Zahlungsstatt , oder als Hypothek
anzunehmen .


Erledigte Stipendien .

Den die öffentlichen Vorlesungen der hiesigen
hohen Schule Besuchenden wird hiemit bekannt ge=
macht
, daß aus folgenden Stiftungen einige Sti=
pendien
erlediget sind , nämlich : Aus der Andre
Crönnischen Stiftung für einen aus Krain von
Laibach , Krainburg oder Oberburg gebürtigen
Studenten , welcher die vorläufige Präsentation
von dem Magistrate von Laibach zu erhalten hat .
Aus der Thomas Crönnischen Stiftung für 2 aus
Krain von Laibach , oder Oberburg gebürtige Stu=
denten
, welche die vorläufige Präsentation von dem
Hrn . Erzbischofen von Laibach zu erhalten haben .
Aus der Geißlerischen Stiftung erstens für die von
des Stifters Verwandschaft Abstammende ; zwey=
tens
für die aus seinem Geburtsorte Gebürtigen ;
drittens für Laußnitzer und Schlesier ; vierdtens für
solche , die aus den an die Laußnitz und Schlesien
angränzenden Ortschaften gebürtig sind ; doch müssen
die auswärtigen Schüler in Folge hoher Regierungs =
Verordnung bereits die philosophischen Laufbahn
vollendet haben . Aus der Kilbervillinischen Stif=
tung
für 2 aus Untersteuermark gebürtige Studen=
ten
, deren einer die Präsentation von dem Magi=
strat
zu Gratz zu bewirken hat . Aus der Knafli=
schen
Stiftung für 3 aus Krain gebürtige Studen=
ten
. Aus der Molitorischen Stiftung für die von
des Stifters Verwandschaft Abstammenden , erstens
von der männlichen , nachhin weiblichen , und end=
lich
Seitenlinie . Aus der Pretterschneggerischen
Stiftung für einen was immer für einen Studium
obliegenden , von dem Markt Weißkirchen in Ober=
steyermark
gebürtigen , oder in dessen Ermanglung
für einen andern aus Steyermark gebürtigen Jüng=
ling
, welcher die vorläufige Präsentation von dem
Marktgericht Weißkirchen zu bewirken hat . Aus

[12]

1758


der Salzerischen Stiftung für einen von Wayd=
hofen
an der Ybbs in Oesterreich unter der Enns
gebürtigen , von bemeldten Markt präsentirten Jüng=
ling
. Aus der Sorbaitischen Stiftung für 2 aus
des Hrn . Stifters Anverwandschaft abstammende
Jünglinge , in Ermanglung derselben aber , für
solche , die aus den Niederlanden gebürtig sind .
Aus der Stupanischen Stiftung für einen Studiosum
Medicine von was immer für einer Nazion . Es
haben daher diejenigen Studenten , welche um
Verleihung der vorangeführten Stipendien anlan=
gen
wollen , ihre Bittschriften für das erste halbe
Jahr 1796 von heute an bis 30 . Juni 1796 ein=
zureichen
, in solchen das behörige von der Orts=
obrigkeit
ausgefertigte , und von dem Hrn . Pfar=
rer
bestättigte Armuthszeugniß beyzubringen , bey
denjenigen Stiftungen aber , wo die Präsentation
oder das Geburtszeugniß erforderlich ist , sich un=
verweilt
um diese Urkunden zu bewerben , und sol=
che
beyzubringen , indem sowohl die später einge=
reichten
, als nicht behörig belegten Bittschriften
nicht angenommen werden würden . Ex Consisto-
rio
Universitatis Wien den 24 . May 1796 .


Erziehungsgeschäft Suchender .

Ein Mann vom besten Alter wünscht sich noch=
mals
in einem angesehenen adelichen Hause dem
Erziehungsgeschäfte zu unterziehen . Er spricht und
schreibt rein latein , deutsch und französisch ; und
besitzt alle jene Kenntnisse , die sowohl zur thore=
tisch
als praktischen Pädagogik erforderlich sind .
Vieljährige Erfahrung , und geprüfte Redlichkeit
lassen ihn das Zutrauen solcher Eltern , denen das
künftige Glück ihrer Söhne am Herzen liegt , im
vollem Masse erwarten . Uibrigens werden un=
verwerfliche
Zeugnisse das , was ihm nur Beschei=
denheit
hier anzuführen verbeut , hinlänglich be=
weisen
. Das weitere ist zu erfragen auf der Wie=
den
im Freyhaus im II . Hof , XI . Stiege , ersten
Stock Nr . 84 .


Nachricht an Aeltern und Vormünder .

Maria Kaiser , Jnhaberin der Mädchenschule
in der Salvatorgasse Nr . 455 im ersten Stock ,
wünscht noch einige Mädchen aus gesitteten Stän=
den
in die Kost zu nehmen , um ihnen eine förm=
liche
Erziehung zu geben . Diese wird hierin be=
stehen
, daß man sie in der Religion , in der deut=
schen
, französischen und italienischen Sprache so=
wohl
, als auch in der Geschichte und Geographie
vollkommen unterrichten wird , und so auch in der
Wirthschaft und üblichen Handarbeiten . Die Un=
ternehmerin
verspricht die strengste Aufsicht über
die Sitten der ihr anvertrauten Zöglinge zu füh=
den
, und keine Mühe zu spahren , um ihnen die
Grundsätze einfliessen zu lassen , die allein das Glück

des Lebens befestigen können . Wenn Aeltern oder
Vormünder , denen die Gelegenheit fehlt , ihre
Kinder erziehen zu lassen , sie mit ihren Zutrauen
beehren wollten , so hofft sie ihren Wünschen zu ent=
sprechen
, und mit dem Erfolge zu zeugen , daß sie
nicht zu viel verspricht , wenn sie sich schmeichelt ih=
re
Zöglinge zu edle , tugendhafte und nutzliche
Glieder des Vaterlandes zu bilden .


Kost und Wohnung für junge Mädchen .

Die Wittwe eines jüngst verstorbenen k . k . Be=
amten
von guter Familie hat den Entschluß gefaßt
junge Mädchen vom Lande oder aus der Stadt
in Kost und Wohnung zu nehmen , und ihnen an=
bey
die unentbehrlichsten weiblichen Kenntnisse , als :
Nähen , Stricken , Sticken , Putzmachen , Reinlich=
keit
, häusliche Ordnung , Sittlichkeit u . d . gl . bey=
zubringen
. Daß sie all diesen Gegenständen ge=
wachsen
sey , wird eine persönliche Bekanntschafft
jene Aeltern , Verwandte , oder Vormünder über=
zeugen
, welche sie mit ihrem Zutrauen beehren
wollen . Die Bedingnisse , unter welchen sie ein
Kind zu sich nehmen wird , können mit ihr selbst
nach Verschiedenheit der Umstände ausgemacht wer=
den
. Jhre Wohnung ist im Ballgässel bey dem
Blumenstöck Nr . 986 im ersten Stock .


Dienstsuchende .

Eine Frau vom Stande und gesetzten Jahren ,
mit vieler Weltkenntniß , und übrigen Eigenschaf=
ten
, wünschet bey einer Herrschaft , oder auch in
einem bekannten Privathaus als Gouvernante bey
erwachsenen Fräulen , oder als Gesellschafterin , oder
bey einer Wirthschaft als Aufseherin anzukommen .
Die nähere Auskunft kann diesfalls in der Thein=
faltstrasse
bey der schönen Latern Nr . 77 im zwey=
ten
Stock rechterhand eingeholet werden .


Geschäftsuchender .

Ein Geschäftsmann , der in allen möglichen vor=
kommenden
Geschäften lange geübet ist , und sich
auch in Ansehung seiner Pünktlichkeit , Rechtschaf=
genheit
und Verschwiegenheit in jeder Art von Auf=
tragen
hinlänglich ausweisen kann , wünscht noch
mehrere Geschäfte auf sich zu nehmen ; sey es in
Verfertigung verschiedener schriftlichen Aufsätze , in
Untersuchung aller Art Rechnungen , in Admini=
strirung
von Gütern und Häusern , in Kauf = und
Verkauffen ; er nimmt auch Bestellungen von Ar=
beiten
für Künstler und Handwerker an , mit wel=
chen
er viele Bekanntschaft hat , und von welchen
er gute , solide , geschwinde und redliche Besorgung
versprechen kann . Er empfiehlt sich deshalb den
hohen Herrschaften und allen übrigen Ständen .
Wer ihm das Zutrauen schenken will , der ist ge=
betten
, ihm bey Hrn . Mathias Scheberl , burgl .

[13]

Stadttandler , in der Weihburggasse im Eisenhut=
terischen
Hause nachzufragen .


Reisecompagnon wird gesucht .

Es sucht jemand einen Reisekompagnon von hier
nach Hamburg , oder Berlin . Er gedenkt gegen
Ende des Monats , oder auch früher , wenn es =
thig
ist , abzureisen ; hat aber keinen eigenen Wa=
gen
. Man kann nähere Kundschaft im Comptoir
der Herren Schuler und Comp . erfragen .


Capitalsposten und baares Geld .

Verschiedene Kapitalsposten , unter welchen eini=
ge
im baaren Gelde , und unvertheilter , andere aber
auch in verschiedene Posten abgetheilt , welche auf
Häuser in oder vor der Stadt , auch auf Herrschaf=
ten
in Oesterreich , jedoch nur gegen ausweisende ,
und bey einigen Posten gegen pragmatischen Sicher=
heit
auf mehrere Jahre gegen angenehme Beding=
nisse
verlegt werden . Nähere Auskunft erhält man
täglich von 10 bis 12 Uhr in dem Blutgassel
Nr . 899 im ersten Stock .


Jahrmarkt = Nachricht .

Von dem Markte Kirchberg am Wagram wird
hiermit kundgemacht : Es werde , um in Zukunft=
an
jeden Vormarktage der beyden Jahrnärkte all=
hier
, als am Dienstag nach Laurenti , und am
Dienstag vor dem Aschermittwoch die Unordnun=
gen
zu vermeiden , keinen Kramer oder Handels=
mann
ohne Ausnahme gestattet , einen Stand oder
Bude an jeden dieser Vormarkttage Vormittag auf=
zurichten
; indem diese Vormarkttäge wegen Man=
gel
des hinlänglichen Raums blos dem bisher Vor=
mittag
gewöhnlich abgehalten werdenden Holz = und
Pferdmarkt gewidmet sind ; welche Gewohnheit auch
neuerdings unterm 12 . April 1796 von der hoch=
löbl
. Landesregierung bestättiget wurde . Jn glei=
cher
Absicht wird ferner hinzugesetzet , daß allhier
am Charfreytag niemals ein Jahrmarkt bestanden
hat , und daher auch an diesem Tag keinem Han=
delsmann
oder Kramer mit Schnittwaare einen
Stand aufzurichten erlaubt werden könne .


Ankündigung

eines sehr dauerhaften und schönen von Herrn Hof=
statuarius
Müller erfundenen Machoni = Firniß .
Die manigfaltigen schönen Meubels , die sich in
der Kun⟨st⟩gallerie des Herrn Müllers finden , sind
beynahe allgemein bekannt . Ein grosser Theil der=
selben
von gewöhnlichen hartem inländischen Holz
ist mit diesem von ihm selbst erfundenen Machoni =
Firniß so ähnlich kolorirt , daß selbst Kenner bey
aufmerksaner Betrachtung derselben sich getäuscht
haben . Auf vieles Begehren hat sich nun Herr
Hofstatuarius Müller entschlossen , solchen in dem
Gewölbe bey der goldenen Schlange am Kohl =

markt Nr . 1220 in Kommißion zu geben und dem=
selben
einen ausführlichen Gebrauchszetel beyzule=
gen
. Die Ankündigung desselben möchte um so
eher bey dem Publikum Beyfall finden , als die
mit demselben zubereitete Meubels vor denen von
wirklichem Machoniholz , ausser den weit geringern
Kosten , auch noch den Vorzug haben , daß sie , weil
ihnen weder Nüsse , noch die Sonnenhitze etwas
schadet , zum Gebrauch dienlicher und vorzüglicher
werden . Die Seitel = Bouteille mit dem Gebrauchszetel
wird um 2 fl . verkauft . Auswärtige Fremde kön=
nen
sich directe an Hrn . Hofstatuaris Müller , Jn=
haber
der k . k . priv . Kunstgallerie , am Kohlmarkt
Nr . 297 wenden , und zugleich den Betrag für ihre
Bestellungen dahin addreßiren , nur bittet man si 〈…〉
die Briefe postfrey aus .


Nachricht .

Endes Gesetzter verkündiget andurch dem hiesi=
gen
und auswärtigen Publikum , hohen und nie=
dern
Standes seine Ankunft allhier in Wien , mit
den allenthalben unter so vielen Beyfall aufgenom=
menen
, und nur durch ihm bekannt gewordenen
neu erfundenen Wetteranzeiger , und Wetteruhren ,
welche die Veränderungen der Witterung in allen
ihren vorkommenden Verschiedenheiten 36 bis 40
Stunden vorher mit vieler Zuverläßigkeit sogar
im Verhältnisse der grössern oder mindern An=
haltung
anzeigen , ohne jemals eine Reparater =
thig
zu haben , oder daß sich nach noch so langer
Zeit ihre Wirkung im mindesten verringerte , und
kostet der Wetteranzeiger nebst Anweisung 1 fl . 30 kr .
und die Wetteruhr 2 fl . , imgleichen auch Cammera
obscura , nicht auf die alte , sondern auf eine ganz
neue Art verfertiget , ohne nöthig zu haben , daß
man sich verfinstere , sondern man kann dieselbe auf
dem freyen Felde ( jedoch unter einen Baum ) ge=
brauchen
, man sitzt oder steht vor derselben als vor
einem Tisch , und hat auch nicht nöthig zu kopieren ,
ist also eine sehr bequeme Maschine , um Gegen=
den
aufzunehmen , und zu zeichnen , auch Silhouet=
ten
zu verfertigen , und kann man , vermittelst die=
ser
Maschine , auf die leichteste und geschickteste Art
zeichnen und malen lernen und für diejenigen ,
welche zeichnen können , erleichtert es ihre Arbeit ,
indem es alle Gegenstände ganz natürlich darstel=
let
, es sind zweyerley Sorten zu bekommen , vom
starken Pappendeckel gemacht kostet das Stück 4 fl .
30 kr . , von Holz gemacht kostet das Stück 6 fl . ,
beyde Sorten sind sauber und gut , und dauerhaft
gemacht ; auch Perspective , womit man rückwärts
sehen kann , dieses ist ein schönes physikalisches Stück ,
da man alles , was rückwärts ist , sieht , als ob man
es vor sich hätte , es hat 4 Röhre , sie sind sehr com=
mod
auf Spatziergänge zu gebrauchen , das Stück
kostet 1 fl . 48 kr . , wie auch Perspective , womit

[14]

man durch ein Brett sehen kann , welches auch ein
auffallendes und belehrendes Stück ist , das Stück
2 fl . 24 kr . Der magische Teller , nebst Zahlen
und Charakteren , mit 6 figurirten Steinen , und
einer Dosen , welches ein unterhaltendes Stück in
Gesellschaft ist , und welches noch jeder hohen Herr=
schaft
gefallen hat , kostet 1 fl . 48 kr . ; der Zau=
berstern
mit 2mal 10 Spitzen , ein aufmerksames
Stück kostet 36 kr . , zu allen gemeldeten Stücken
kommt eine Anweisung ; alle Stücke welche ich
verfertige , lassen sich ohne alle Gefahr von einem
Orte zum andern transportiren , ohne ihnen Scha=
den
zufügen zu können , sowohl durch die Post , als
auch fahrend und gehenden Bothen , es mag so
gehen als es will . Man bittet Briefe und Geld
frey einzusenden . Logirt allhier in Wien , in der
Leopoldstadt im weissen Rössel in der Taborstrasse
Nr . 280 , eine Stiege hoh im Zimmer Nr . 7 .
Joseph Barth , Physiens .


Nachricht
wegen allen Gattungen von Militar = Feuergewehr .

Nachdem ich im verflossenen Jahre wegen mei=
nen
mit dem königl . spanischen Hof angestossenen
sehr beträchtlichen Gewehrlieferungs = Kontrakten ,
viele andere an mich ergangene Anträge von der
Hand weisen mußte , nunmehr aber alle diese Ver=
bindlichkeiten
zur größten Zufriedenheit dieses Ho=
fes
erfüllt habe , so mache ich allen hohen Geschäfts=
trägern
von auswärtigen Höfen , und allen Herren
Kommissionärs bekannt , daß ich halbjährig eine sehr
grosse Partie Militarfeuergewehr , Karabiner , Stu=
tz
, und Pistolen nach jedem beliebigen Muster
in den billigsten Preisen , und volkommenster =
te
zu erzeugen , und jeden diesfälligen Lieferungs =
Kontrakt zu befriedigen vermag ; jedoch kann keine
mindere Bestellung , als wenigstens auf 2000 Stück
angenommen werden .
Nicolaus Oesterlein , k . k . priv . Feuer=
gewehr
Fabriks = Jnhaber in der Alster =
Vorstadt .


Ankündigung

Jm Edlen v . Hellenbergschen Hause auf der Wien
Nr . 26 die Stiege rechts im zweyten Stock , wer=
den
nach Art der natürlichen Steine durch eine
ganz neue eigene Erfindung denselben ganz ähnlich
gemachte Tisch = und Trumeauxplatten um die bil=
ligsten
Preise verfertiget , wovon der Quadratschuh
zu 1 fl . 30 kr . gerechnet wird . Dergleichen Tisch =
und Trumeauplatten sind nach modernester Art
der meublirten Zimmer mit verschiedenen Arabes=
cen
, und geschmackvollsten Bourduren eingegraben
nach Belieben finden , die an Härte , Dauer ,
und Pollitur den ächten Steinen nichts nachgeben ,
dergleichen sind auch bey dem Eigenthümer daselbst

wirklich schon vorräthig zu sehen ; er verspricht auch
zugleich , daß , wenn eine dergleichen Steinblatte
im ein oder mehrere Stücke sollte zerbrochen wer=
den
, dieselbe wieder unkennbar vollkommen herzu=
stellen
. Auch kann man daselbst kleine Tisch = Des=
seursplatten
mit Aufsätzen nach aller Art anschaf=
fen
, oder auch einige schon verfertigt erhalten , wo=
mit
man gewiß mit aller Zufriedenheit bedient
werden wird .


Nachricht

von vielen in = und ausländischen Porzelain , und
Antikgeschirr , welches auf dem neuen Markt nächst
der Kapuzinerpforte Nr . 1119 zu ebener Erde im
Gewölbe , oder auch im ersten Stock Nr . 2 zu
haben ist , als : Tafel = Service von verschiedenen
Größe und Farben , mit oder ohne Aufsatzspiegel ,
gemalten oder weißen Figuren , verschiedene Caffee =
Service und Cioccladegeschirr , Confectteller , Sup=
penschallen
, und mehr dergleichen Stücke . Dann
vieles Japonisches Porzelain , bestehend in Töpfen ,
Schüsseln , Confecttellern , Kräuter = Potpourris ,
Punschtöpfe und Caffeeschallen , nebst vielen großen
und kleinen Vasen . Schwarz und blaue mit weiß
aufgelegte Figuren , englische Caffeschallen , Thee=
kandeln
und dergleichen Blumen = oder Gartenge=
schirre
. Verschiedene große Vasen und kleines Ge=
schirr
von Terra sigillata . Nicht minder sind auch
um die billigsten Preise sehr viele Stücke vom
ächten Jndianischen Lak zu haben , als Nachtzeug=
spiegel
, Schatullen , Zupf⟨t⟩atzen , Zupftrüherln , und
in Silber gefaßte Caffeeschallen , wie auch Vasen ,
die zugleich Leuchter vorstellen ; desgleichen auch
nebst sehr vielen andern Antiken eine sehr schöne
große Schnecken = Sammlung und Bronce = Figuren .
Kristallene Muscheln und Leuchter / und dergleichen
von Granatgläsern . Auch sind die ächten Nacht=
lichter
das Schächtgen für 9 kr . allda zu bekommen .


Nachricht .

Es wird hiermit bekannt gemacht , daß Unter=
zeichneter
den Verschleiß , und Hauptverlag des in
so vielfältigen Krankheitsumständen bewährt befun=
denen
, sowohl von der löbl . hiesigen , als auch Pra=
ger
medizinischen Fakultät approbirten Sedlizer , oder
sonst genannten Kreuzherrn Bitterwasser übernom=
men
hat , und mit solchen die realleste Bedienung
verspricht . Man glaubt nun weiter nicht ein Ge=
sundheitswasser
dieser Art erst anrühmen zu dür=
fen
, welches sich bereits durch seine gute Wirkung
allgemein anempfohlen hat , und bis in das ent=
fernteste
Ausland verführet wird . Dieses durch
Siegel und Schild wider alle Verfälschung gesi=
cherte
Bitterwasser wird zur Vermeidung alles mög=
lichen
Unterschleifes , in der Comenda des ritterli=
chen
Ordens der Kreuzherren mit dem rothen Stern

[15]

zu St . Carl , in einem eigens dazu bestimmten gu=
nen
Keller aufbewahret , und der Verkauf desselben ,
sowohl in einzelnen Krügen von verschiedener Grös=
se
, als auch in ganzen Küsten , in meinem Hand=
lungsgewölbe
zum schwarzen Adler Nr . 276 in
der Leopoldstadt besorget , und an nachstehenden Or=
ten
, als : Bey Hrn . Franz Lehrner , Handelsmann
zum goldenen Kranz auf der Landstrasse Nr . 43 ;
Hr . Anton Köck , Handelsmann zum schwarzen Ad=
der
auf der Wieden Nr . 193 ; Hrn . Michael
Kilian , detto zum schwarzen Elephanten , nächst
Mariahilf Nr . 5 ; und bey Hrn . Joseph Kraus ,
detto bey St . Joseph , in der Leopoldstadt in der
Neuengasse Nr . 81 , zur Bequemlichkeit des Pub=
likums
verschliessen werden , nämlich : Der ganz
grosse Krug zu 24 Kreuzer , der von gewöhnlicher
Grösse 20 Kr . , und der kleineren Gattung 12 Kr .
Jenen aber , so dieses Wasser Küstenweise abneh=
men
, wird ein nach Proportion billiger Preis ge=
macht
werden . Wien den 1 . Juni 1796 .
Jgnaz Kleebinder .

NB . Anleitung zum Gebrauch dieses Wassers ,
nebst angemerkter vorläufigen Enntdeckung desselben ,
werden sowohl bey mir , als auch an benannten Or=
ten
unentgeldlich ausgegeben .


Forte piano .

Es ist ein gutes Forte piano zu verkaufen .
Kauflustige belieben sich deswegen in der Wollzeil
Nr . 909 im 2ten Stock beym eisenen Gatter täg=
lich
von 9 bis 12 Uhr zu melden .


Nachricht

Bey dem k . k . Kommerzial . Zollamte zu Ober=
drauburg
sind durch mehrere Jahre nachstehende
nicht kontrebandirte Waaren erliegen geblieben ,
nämlich : An Hrn . v . Brun in Wien 1 Küstel
Farben , 1 Schachterl Farben ; Hrn . Meßner in
Laibach 1 Packel mit 1 Bockfell , 1 / 4tel Pfund
wollene Strümpfe , und 1 1 / 4tel Pfund Leinwand ;
Alessandro in Wien 1 Schachterl Gallanteriewaar ;
Philipina in Görz 1 Packel 22 Loth floretseidene
Tüchel und 8 detto seidene Flecke ; P . Hilario in
Klagenfurt 1 Packel Kramerey ; Passoti in Wien
1 Küstel Leinwand ; Hofmaler in Wien 1 Packet
Kauschgold ; Pritzmann in Klagenfurt 1 Schach=
tel
seidene Tüchel ; Michael Klein in Klagenfurt
1 Packel mit 1 seidenen Tüchel , und 2 Stück
Seidenbänder ; v . Donazi in Klagenfurt 1 Packel
mit 4 Stück baumwollenen Tücheln , 2 Stück Bän=
der
, und 2 Stück Seidentücheln ; Sign . Maiss al
Maison in Wien 1 Packel mit 2 Fächern ; Jg=
naz
de Bombardi in Wien 1 goldene Sackuhr .
Die Eigenthümer werden daher aufgefordert , sich
um vorbenannte Waaren längstens binnen den nach=
folgenden
drey Monaten , nämlich vom 10 . Juni

bis 10 . September d . J . zu melden , wie im wie=
drigen
sämmtlich diese Waaren nach Verlauf die=
ser
Zeit in Gegenwart eines gerichtlichen Com=
missars
ämtlich eröffnet , geschätzt , die erlaubten
an die Meistbietenden , die verbotenen aber nach
Triest veräussert , und die dafür einlösende Be=
träge
pro ærario verrechnet werden würden .


Jn der Dollischen Buchhandlung
am Stephansplatz im deutschen Hause , ist neu
zu haben :

Die unruhige Matrone von Pfort . Seitenstück
zum Alten überall und nirgends . Dritter und
letzter Band . 8 . Leipz . 796 . 1 fl . Alle 3 Thei=
le
3 fl . 30 kr .

Lalotte und Fanfan , oder Begebenheiten zweyer
auf eine wüste Jnsel ausgesetzten Kinder . 4 Thle .
8 . das . 789 . 2 fl . 30 kr .

Die Geisterburg . Eine abenteuerliche Geschichte
aus dem vorigen Jahrhundert . Mit Kupf . u .
Vign . 8 . das . 796 . 1 fl . 30 kr .

Rinold , der Maler für menschliche Herzen . Er=
zählungen
: 1 ) Zoraide . 2 ) Was vermag die
Rache nicht ? 3 ) Alm⟨a⟩usor u . Elvira . 4 ) Ver=
hinderte
Grausamkeit . 5 ) Fall der Besitzer von
Staunheim . Dramatisirt . Mit Titelkupf . 8 .
das . 796 . 1 fl . broschirt 1 fl . 3 kr .

Neue Sammlung deutscher Schauspiele . 5 Bän=
de
; enthalten die allerneuesten und besten Stücke
von Kozebue , Jffland , Jünger , Götze ꝛc . 8 .
796 . 2 fl . 30 kr .

Winkelmann ( L . v . ) Neues Malerlexikon , zur
nähern Kenntniß alter und neuer guter Gemäl=
de
, nebst einem Anhang von Monogrammen .
gr . 8 . 796 . 1 fl . 45 kr .

Garde ( Christ . ) Versuche über verschiedene Gegen=
stände
aus der Moral , der Litteratur , und dem
gesellschaftlichen Leben . 2ter Theil . 8 . Breslau
796 . 2 fl . 15 kr . Alle 2 Theile 4 fl . 30 kr .

Stoll ( Max . ) Heilungsmethode in dem praktischen
Krankenhause zu Wien . Mit praktischen Zusätzen
begleitet von G . L . Fabri . 7ter , ober deutschen
Ausgabe 12 ter und letzter Theil . gr . 8 . das . 796 .
1 fl . 45 kr .

Der kunsterfahrne Spargelgärtner und immerwäh=
rende
Spargelkalender , oder Anweisung zu Er=
zeugung
und Planung des Spargels , nebst Un=
terricht
was in jedem Monate dabey zu thun .
8 . Agram 796 . 10 kr .

Unterricht in der Baumgärtnerey , worin die leich=
teste
Art gezeigt wird , in kurzer Zeit , und oh=
ne
alle Kosten eine Menge der besten Obstbäume
und der herrlichsten Obstsorten zu erlangen . Eine
gekrönte Preisschrift , von F . X . Geiger . 8 . 795 .
12 kr . broschirt 15 kr .

[16]

Bey Alois Doll ,
Buchhändler , am Stephansfreythof in deutschen
Hause , ist ganz neu zu haben :

Neuer und richtiger Taschenrechner
oder sogenannter Faulenzer .
Neue verbesserte , und mit einer vollständigen
Münztabelle versehene Auflage .
8 . Wien 1796 . Taschenformat gebunden 30 kr .

Jnhalt : Eine Tabelle zeigt , wie theuer jede
zu erkaufende oder verkaufende Waare , es sey in
Maaß oder Gewicht , und zwar durch die Tabelle
von 1 bis 59 Kr . , und mit dieser durch ein soge=
nanntes
Einmaleins in Gulden und Kreuzer zu ste=
hen
komme . Diesem ist beygefügt : 1 ) Eine voll=
ständige
Münztabelle über die französischen Laub =
und Niederländer = Kronthaler zu 2 fl . 16 kr . Laub =
und Krongulden zu 1 fl . 8 kr . Viertelthaler zu 34
kr . Ueber die viertel , halbe und ganze Dukatons
zu 2 fl . 32 kr . Ueber die spanischen Mat⟨i⟩en zu 2 fl .
4 kr . und Thaler zu 2 fl . 3 kr . Ueber die May=
länder
ganze Scudi zu 1 fl . 46 kr . und halbe zu 53
kr . Ueber die alten Rußischen Rubel zu 1 fl . 45 kr .
und neuen zu 1 fl . 28 kr . Ueber die halben und
ganzen Souverain d'or zu 13 fl . 20 kr . Ueber die
kaiserl . und Kremnitzer Dukaten zu 4 fl . 30 kr . Hol=
länder
zu 4 fl . 28 kr . Venetianer und Florentiner
Zechin zu 4 fl . 22 kr . Saltzburger und Bayrische
Dukaten zu 4 fl . 20 kr . und andere ordinäre Du=
kalten
zu 4 fl . 18 . kr . Ueber die französischen Schild=
louisd'or
zu 9 fl . 12 kr . Sonnenlouisd'or zu 8 fl .
34 kr . Bayrische und Würtembergische Carolins zu
8 fl . 52 kr . Ueber die Mayländer doppelte Dop=
pien
zu 14 fl . 24 kr . und einfache zu 7 fl . 12 kr .
dann Bayrische Maxd'or zu 5 fl . 54 kr . 2 ) Wurf=
tabellen
über die Siebzehner , Siebner und Gro=
schen
. 3 ) Die richtig berechneten Jnteressetabel=
len
zu 3 1⟨ / , 4 , 4 1 / 2 , 5 und 6 Prozento .
4 ) Die Besoldungs = Dienstbothen = Liedlohns = Be=
stand
und Wirthschaftstabellen . 5 ) Namen und
Werth der in den k . k . Erblanden gangbaresten
Gold = Silber = und Kupfermünzen . 6 ) Das
Geldgewicht in Silber = und Kupfermünzen .


Bey Joseph Kuhn ,
bürgl . Buchbinder , in seinem Gewölbe in der Kärn=
terstrasse
beym goldenen Greifen ist ganz neu
zu haben :

Der sehr leicht lernende französische und ita=
lienische
Sprachlehrer , durch welchen ein
Mensch , der nur deutsch lesen und schrei=
den
gelernt hat , ohne Sprachmeister ,
beyde Sprachen in sehr kurzer Zeit erler=
nen
kann Kostet blau steif 27 kr .
Zur Empfehlung dieses Lehrers findet man
überflüßig mehr zu sagen , als daß er das avoir

und être so abgewandelt liefert , daß sie nicht allein
wenig Sprachmeister so zu lernen gewohnt , wie
auch keine Grammär aufzuweisen im Stande ist .
Auch daß unser Lehrer auf schönen Papier mit
ächten Pariser Lettern rein abgedruckt worden ist .
Nur bittet man das Vorurtheil zu beseitigen , daß
ein Buch nicht gut seyn kann , sobald die Bogen=
zahl
nicht mit mehreren Ziffern ausgedrückt wer=
den
muß .

Gründliche Anweisung , die Reitkunst ohne
Lehrer in 14 Tagen vollkommen zu er=
lernen
Blau steif 17 kr .

Der Verfasser versichert , daß er in diesem
Werkchen sich durch kurze und bündige Erklärun=
gen
so deutlich ansgedrückt hat , daß der Liebhaber
der Reitkunst und Pferde sagen muß : "Jch finde
"hier um ein Paar Groschen mehr , als ein Lehrer
"der Reitkunst für so viele Lectionsgelder und Zeit=
"uerlust

"uerlust kaum halb lernet . Denn er lernet mich
"nur sitzen und mein Pferd führen , nicht aber wie
"ich die Mängel und Fehler der Pferde beym Kauf
"Tausch ꝛc . erkennen , und sie verbessern kann . Dieß
"lerne ich nur durch dieses Werkchen . "

Der Nationalgardist , ein Originallustspiel in 1
Aufzug , broschirt 3 kr .


Wägen zu verkaufen .

Jn der Annagasse gleich Anfangs der Kärnter=
strasse
bey dem Sattlermeister Hrn . Jakob Schedl
ist 1 Niederländer Schwimmer , wie auch 1 Phä=
ton
, beyde sehr wohl konditionirt , und nur wenig
geführt , um billigen Preis zu verkaufen .


Pierutsch zu verkaufen .

Ein ganz neues modernes offenes Pierutsch , das
Kastel mit grünen Tuch ausgemacht , gelb lakirt ,
mit Seitenflügel , das Gestell mit eisenen Bögen ,
mit eisenen Federn und verschraubten Legeisen , ist
täglich um billigen Preis zu verkaufen . Kauflu=
stige
haben sich in der Renngasse nächst der Frey=
ung
Nr . 160 in der Pferdstallung anzufragen .


Jagdchaise zu verkaufen .

Es ist eine ganz neue niemals gebrauchte Jagd=
chaise
auf 8 Personen zu verkaufen : die vier Ka=
stel
sind mit Röhr geflochten , mit Leder gedeckt ,
die Bögen samt dem Dach zum Herabnehmen , mit
einem Magazin auf 8 Gewehre , einem Korb auf
der hintern Brucken mit Leder überzogen , und der
vordere Sitz mit einem Fußsack . Jst in Kom=
mißion
bey dem Sattlermeister im Passauerhof zu
sehen .


Quartier wird gesucht .

Jn einer etwas lebhaften Strasse der Stadt wird=
in
einem ersten Stock ein Quartier von 11 bis 12

[17]

Zimmern , so auf künftige Michaelizeit zu beziehen
wäre , wobey auch Stallung auf 2 oder mehrere
Pferde , gesucht , man läßt sich auf billige Beding=
nisse
, und Contract auf mehrere Jahre ein ; das
weitere ist im Zeitungs = Comptoir zu erfragen .


Herrschaftswohnung zu verlassen .

Am Kohlmarkt Nr . 1217 ist der zweyte Stock
für Herrschaften , bestehend in 11 meublirten Zim=
mern
und Kabineten , Stallung auf 9 Pferde , Schu=
pfen
auf 2 Wägen